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Digital Insurance Podcast: Zukunft der Gesundheit gestalten

In der aktuellen Episode des Digital Insurance Podcasts spricht Jonas Piela mit Dr. Elmar Waldschmitt, Stabsstellenleiter Unternehmensentwicklung und Geschäftsführer des Healthy Hub bei der BIG direkt gesund. Es geht um Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung für gesetzliche Krankenkassen.

Der neue Digital Insurance Podcast widmet sich der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Im Gespräch mit Digitalexperte Jonas Piela geht Dr. Elmar Waldschmitt auf die Innovationen im Healthy Hub bei der BIG direkt gesund ein. Die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitswesen erfordert von den gesetzlichen Krankenkassen ein hohes Maß an Innovationskraft, um weiterhin relevant zu bleiben und den Bedürfnissen ihrer Versicherten gerecht zu werden. Waldschmitt beleuchtet in dem Gespräch die Notwendigkeit von Innovationen nicht nur für den Wettbewerb mit anderen Krankenkassen, sondern auch für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Versicherten.

Die BIG direkt gesund und der Healthy Hub: Ein innovatives Joint Venture

Waldschmitt erläutert zunächst die Struktur und den Hintergrund der BIG direkt gesund, einer 1996 gegründeten gesetzlichen Krankenkasse, und den Healthy Hub, ein 2017 gegründetes Joint Venture von vier gesetzlichen Krankenkassen, darunter die BIG direkt gesund, die Siemens Betriebskrankenkasse, die mavida Krankenkasse und die IKK Südwest. Als Mitgründer und Geschäftsführer des Healthy Hub gibt Waldschmitt einen detaillierten Einblick in die Arbeit des Joint Ventures. Besonders deutlich wird dabei der Unterschied zwischen dem umlagefinanzierten System der gesetzlichen Krankenversicherung und dem risikobasierten Modell der privaten Krankenversicherung.

Prozessoptimierung und neue Versorgungsmodelle

Der Podcast beleuchtet, wie die BIG direkt gesund und der Healthy Hub Innovationen einsetzen, um Prozesse zu optimieren und neue Versorgungsmodelle zu entwickeln. Waldschmitt beschreibt die verschiedenen Stufen der Digitalisierung im Gesundheitswesen, angefangen von der Prozessinnovation über die Automatisierung bis hin zur Digitalisierung der Kundenschnittstelle und der Entwicklung neuer Behandlungsmethoden. Der Healthy Hub, kein reiner Inkubator, fungiert vielmehr als Reallabor, in dem digitale Gesundheitslösungen gemeinsam mit Start-ups bis zur Marktreife entwickelt werden. Im Fokus stehen dabei nicht nur einzelne Apps, sondern ganzheitliche Versorgungslösungen, die die Sektorengrenzen im Gesundheitswesen überwinden und eine bessere Koordination der Behandlung gewährleisten.

Der Healthy Hub als Katalysator für digitale Gesundheitslösungen

Als Beispiel für die Arbeit des Healthy Hub werden konkrete Projekte vorgestellt, darunter die App „Preventicus Heartbeats“ zur Früherkennung von Vorhofflimmern und ein HPV-Früherkennungstest für zu Hause. Diese Beispiele verdeutlichen, wie der Healthy Hub Start-ups unterstützt, ihre Lösungen im Markt zu etablieren und wie digitale Anwendungen die Gesundheitsversorgung verbessern können. Der Podcast verdeutlicht, dass es nicht um die reine Digitalisierung bestehender Prozesse geht, sondern um die Entwicklung ganz neuer Versorgungsmodelle, die den Patienten einen echten Mehrwert bieten. Waldschmitt hebt hervor, dass der Healthy Hub explizit keine DiGA-Anwendungen (Digitale Gesundheitsanwendungen) im Fokus hat, sondern sich auf innovative Lösungen konzentriert, die über den Rahmen der DiGA-Zertifizierung hinausgehen und die Patientenversorgung nachhaltig optimieren. Die regelmäßigen Wettbewerbe des Healthy Hub sind offen für innovative Start-ups und bieten die Chance, Versorgungslösungen zu entwickeln, die die Versorgung der Patienten verbessern.

Hier geht es zur aktuellen Podcast-Episode:

Über den Podcast

Seit April 2020 veröffentlicht Jonas Piela regelmäßig Gespräche zur digitalen Transformation mit Vorständen und Managern der Versicherungswirtschaft. Sein Ziel ist, dass seine Zuhörer einem lockeren Gespräch unter Gleichgesinnten lauschen und so Ideen und Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter pielaco.com/podcast.

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Definet bietet Finanzvertrieben neue KI-Tools

Die Definet AG hat zwei neue KI-Werkzeuge im Angebot: Es handelt sich um White-Label-fähige Softwarelösungen, die Vertriebe, Maklerpools und Vermittler bei der standardisierten Beratung unterstützen. Beide Tools erleichtern Beratern den Zugang zur Finanzanalyse nach DIN-Norm 77230.

Die Definet AG hat ihre Angebotspalette erweitert. Mit „FinTwin“ und „DINSpektor“ hat der Servicedienstleister zwei neue KI-Anwendungen für Finanzdienstleister im Portfolio. Beide Tools erleichtern Beratern den Zugang zur Finanzanalyse nach DIN-Norm 77230 und ergänzen das bestehende digitale Tarifwechsel-Tool „Monio Switch“.

Strukturierte Bedarfs- und Risikoerfassung

Bei „FinTwin“ oder auch „24 Stunden / 42 Risiken“ handelt es sich um ein KI-gestütztes Analysetool zur strukturierten Bedarfs- und Risikoerfassung auf Basis der Finanznorm DIN 77230. Die Lösung automatisiert im Analyseverfahren die Datenerfassung und Risiko-Priorisierung für eine standardisierte und objektive Beratungsgrundlage und soll so Transparenz und Vertrauen im Kundengespräch fördern. Die automatisierte Analyse ergibt schließlich eine individuelle Übersicht über Cashflow, Vermögen und finanzielle Risiken – ob zur Selbstanalyse durch Verbraucher oder als Gesprächsvorbereitung für Finanzberater.

KI-basierter Chatbot rund um Fragen zur DIN 77230

Der „DINSpektor“ ist ein KI-Chatbot für Finanzberater und ihre Kunden, der schnell und verständlich fundierte Antworten auf Fragen rund um die Finanzanalyse nach DIN 77230 liefert. „Dafür haben wir eigens ein spezialisiertes Sprachmodell entwickelt, das gezielt auf die Norminhalte ausgerichtet ist,“ erklärt Definet-Vorstand Jens Kolmsee. Über Eingabefelder lassen sich verschiedene Szenarien so ergänzen, dass der Chatbot praxisnahe Empfehlungen gemäß der DIN-Norm entwickelt.

Wie Definet unterstreicht, sind alle Anwendungen rechtssicher und vollständig White-Label-fähig. (tik)

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ERGO setzt auf KI für visuelle Inspektionen

Die ERGO und CamCom Technologies kooperieren künftig europaweit in der Kfz- und Wohngebäudeversicherung. Im Zuge dieser Zusammenarbeit wird das Scale-up als technologischer Hauptanbieter für KI-gestützte, visuelle Inspektionen der ERGO Group AG in Europa agieren.

Die ERGO Group AG und CamCom Technologies rollen eine KI-basierte Lösung für visuelle Inspektionen in den Sparten Kfz und Wohngebäude aus. Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft wird das Scale-up aus dem indischen Bangalore als technologischer Hauptanbieter für KI-gestützte, visuelle Inspektionen der ERGO Group AG in Europa agieren.

CamCom ist auf die Identifizierung und Bewertung von Mängeln, Schäden und Verzerrungen auf nahezu allen Arten von Oberflächen spezialisiert. Das firmeneigene „Large Vision Model“ wurde hierfür mit Datensätzen von über 450 Millionen kundenvalidierten Bildern trainiert, um Foto- und Videomaterial präzise zu erkennen und zu kontextualisieren.

Bilder vom Smartphone via App einreichen

Der Start der vereinbarten Zusammenarbeit erfolgt in den drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Hier haben ERGO und CamCom nun die branchenunabhängige Lösung für die Vorinspektion, die sogenannte „Pre-Inspection“ ausgerollt. Im Rahmen eines beabsichtigten Vertragsabschlusses können potenzielle Kunden von ERGO so künftig etwa mit ihrem Smartphone Fotos ihres Fahrzeugs bzw. Wohnraums und Gebäudes aufnehmen und direkt über die Web-App von CamCom einreichen. So lassen sich bereits bestehende Schäden dokumentieren, um sie bei einem späteren Schadenfall entsprechend zu berücksichtigen und auszuschließen. Die KI-gestützte Lösung von CamCom erkennt dabei selbstständig Position, Art und Schwere der Schäden an Fahrzeugen oder ob es sich bei den eingereichten Bildern um authentische Aufnahmen handelt.

Die Einführung der CamCom-Technologie in der Kfz- und Wohngebäudesparte soll laut ERGO schrittweise auch in weiteren europäischen Märkten erfolgen, in denen der Versicherer tätig ist.

„Gute Technologie zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht nur innovativ, sondern auch praxistauglich, kundenfreundlich und skalierbar ist. Die Lösung von CamCom ist genau das, deshalb freuen wir uns sehr, künftig nicht nur in Indien, sondern auch in Europa hierfür mit CamCom zusammenzuarbeiten. Gemeinsam bieten wir Kundinnen und Kunden von ERGO einen weiteren flexiblen, intuitiven und digitalen Service an und machen Versichern so wieder ein Stück einfacher, erklärt Mark Klein, Chief Digital Officer und Mitglied des Vorstands der ERGO Group AG. (tik)

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Digital Insurance Podcast: Zukunft der Reiseversicherung

In der aktuellen Episode des Digital Insurance Podcasts spricht Jonas Piela mit Mathias Storde, Director Online und International Sales bei der HanseMerkur, über Innovation im Reise-Business und dem Potenzial parametrischer Versicherungen.

Der Digital Insurance Podcast widmete sich in seiner neuesten Folge den innovativen Möglichkeiten parametrischer Versicherungen in der Reisebranche. Zu Gast bei Digitalexperte Jonas Piela war Mathias Storde, Director Online und International Sales bei der HanseMerkur. Das Gespräch fand in lockerer Atmosphäre auf der Dachterrasse der Berlin Direkt (BD24), einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der HanseMerkur, statt. Im Podcast erläutert Storde die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen HanseMerkur und BD24, wobei HanseMerkur als der „Tanker“ und BD24 als das „Segelboot“ fungiert – flexibel und schnell reagierend auf Marktanforderungen, im Gegensatz zu den oft schwerfälligeren Prozessen eines großen Unternehmens.

Parametrische Flugverspätungsversicherung: Ein innovatives Produkt

Ein Schwerpunkt des Gesprächs bildet die parametrische Flugverspätungsversicherung, die von Storde und Florian Meurs, dem Geschäftsführer der BD24, gemeinsam entwickelt wurde. Im Gegensatz zu traditionellen Versicherungen, die auf den Nachweis eines konkreten Schadens angewiesen sind, basiert dieses Produkt auf klar definierten Parametern. Bei einer Flugverspätung von mindestens zwei Stunden erhalten Kunden beispielsweise eine festgelegte Auszahlung via Direktüberweisung oder PayPal, oder alternativ einen Lounge-Zugang. Die Daten zur Flugverspätung werden in Echtzeit über einen Drittanbieter bezogen, was eine schnelle und automatisierte Auszahlung ermöglicht. Der Fokus liegt dabei auf Urlaubsreisenden, da das Produkt derzeit primär über Online-Reisebüros (OTAs) und die Webseite der Berlin Direkt vertrieben wird.

Partnerschaften und die Differenzierung im Markt

Storde betont die Wichtigkeit von Innovation und die Notwendigkeit, sich von Mitbewerbern zu differenzieren. Die HanseMerkur und die BD24 setzen auf maßgeschneiderte Lösungen für ihre Geschäftspartner, wie OTAs und Airlines. Die Parametrische Versicherung bietet diesen Partnern ein attraktives Add-on-Produkt, das sie ihren Kunden anbieten können. Die flexible Anpassung von Produkten an die spezifischen Bedürfnisse der Partner und der Kunden ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Die sofortige Auszahlung per PayPal oder Lastschrift stellt ein Alleinstellungsmerkmal dar und sorgt für eine positive Kundenerfahrung.

Zukunftsperspektiven parametrischer Versicherungen

Die Diskussion umfasst auch die Zukunftsaussichten parametrischer Versicherungen in der Reisebranche. Storde sieht ein enormes Potenzial in der Automatisierung von Schadenprozessen und der sofortigen Auszahlung von Leistungen, um Kunden einen unbeschwerten Urlaub zu ermöglichen. Zukünftige Entwicklungen könnten weitere parametrische Produkte umfassen, obwohl sich der Fokus zunächst auf der Ausweitung der bestehenden Angebote konzentrieren wird. Kreativität und das Testen neuer Ideen sind dabei zentrale Elemente der Strategie. Storde betont die Wichtigkeit des wirtschaftlichen Erfolgs der Produkte und die Notwendigkeit, diese im Rahmen des Preis-Leistungs-Verhältnisses attraktiv zu gestalten.

Über den Podcast

Seit April 2020 veröffentlicht Jonas Piela regelmäßig Gespräche zur digitalen Transformation mit Vorständen und Managern der Versicherungswirtschaft. Sein Ziel ist, dass seine Zuhörer einem lockeren Gespräch unter Gleichgesinnten lauschen und so Ideen und Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter pielaco.com/podcast.

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AfW-Praxisleitfaden zur KI-Nutzung im Vermittlerbetrieb

Der AfW hat einen Praxisleitfaden zur KI-Governance für unabhängige Vermittlerunternehmen veröffentlicht. Darin findet sich konkrete Hilfestellung im Umgang mit KI-Systemen. Wichtig ist dem AfW dabei vor allem auch die Praktikabilität.

Der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung hat einen Praxisleitfaden zur KI-Governance für unabhängige Vermittlerunternehmen veröffentlicht. Er soll Versicherungsmaklerinnen und -maklern, Finanzanlagenvermittlerinnen und -vermittlern sowie Immobiliardarlehensvermittlerinnen und -vermittlern konkrete Hilfestellung im Umgang mit KI-Systemen geben, heißt es. Besondere Berücksichtigung findet darin die neue europäische KI-Verordnung (KI-VO), die seit Februar 2025 zumindest in Teilen in Kraft getreten ist. Die KI-VO gilt automatisch auch in Deutschland. Sie soll einen europaweit einheitlichen Rechtsrahmen für vertrauenswürdige KI schaffen.

Vorgaben für die Praxis

Dies kommt neuen regulatorischen Anforderungen für unabhängige Vermittlerinnen und Vermittler gleich, auch wenn die meisten von ihnen keine Hochrisiko-KI-Systeme einsetzen, wie der AfW mitteilt. Der AfW-Leitfaden macht praxisgerechte Vorgaben, wie sich Unternehmen systematisch aufstellen können.

Neues und Hilfestellung

Neu ist dabei etwa die systematische Einordnung von KI-Anwendungen nach Risikostufen, wie sie die KI-Verordnung vorsieht: von inakzeptabel bis niedrig. Der Leitfaden bietet Hilfestellung, den eigenen KI-Einsatz klar zu definieren, Risiken zu identifizieren und geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Damit unterstützt er einerseits die Einhaltung rechtlicher Vorgaben und sensibilisiert andererseits auch für ethische und sicherheitsrelevante Aspekte. Angesprochen werden z. B. Verantwortlichkeiten, Datenmanagement, menschliche Kontrolle und Transparenz sowie Anforderungen an die interne Dokumentation und Mitarbeiterschulungen.

„Orientierung und Praktikabilität“

AfW-Vorstand Frank Rottenbacher: „Mit dem neuen Leitfaden geben wir unseren Mitgliedern ein Werkzeug an die Hand, das auf die Realität in kleinen und mittelgroßen Vermittlerunternehmen zugeschnitten ist.“ Es gehe nicht darum, bürokratische Hürden aufzubauen, sondern um Orientierung und Praktikabilität. Gerade im Umgang mit sensiblen Kundendaten sei ein bewusster und verantwortungsvoller KI-Einsatz entscheidend für das Vertrauen in die Branche, so Rottenbacher weiter.

Verantwortung im Unternehmen

Im Leitfaden geht es zudem auch um die Verantwortung für den KI-Einsatz und dass dieser nicht delegiert werden kann. Das heißt: Das Leitungsorgan eines Unternehmens bleibt stets letztverantwortlich. Darüber hinaus gibt es Hilfe bei der Umsetzung, z. B. bei Themen wie Festlegung interner Zuständigkeiten, Schulungskonzepte und Integration in bestehende Compliance-Strukturen.

Die Inhalte sollen regelmäßig aktualisiert werden. Der vollständige Leitfaden steht ab sofort auf der Website des AfW zum Download bereit. (lg)

 

Digital Insurance Podcast: KI-Update Juli

In der neuen Folge des Digital Insurance Podcasts diskutieren Jonas Piela und Thomas Fröhlich über den rasanten Fortschritt und im Bereich KI und dessen Auswirkungen auf die Versicherungsbranche. Es geht unter anderem um ethische und praktische Herausforderungen der KI-gestützten Textgenerierung.

Die aktuelle Episode des Podcasts deckt ein breites Spektrum an Themen ab, von der zunehmenden Nutzung von Kernkraft durch Big Tech für KI-Rechenzentren bis hin zu den ethischen und praktischen Herausforderungen der KI-gestützten Textgenerierung.

KI-Textgenerierung: Subjektivität und Stil

Ein zentrales Thema der Diskussion ist die Erkennung von KI-generierten Texten. Piela und sein Kollege Fröhlich weisen auf charakteristische Merkmale wie den übermäßigen Gebrauch langer Gedankenstriche hin, die zwar von KI-Systemen häufig verwendet werden, aber im menschlichen Schreibstil seltener vorkommen. Die Gesprächspartner erörtern die Frage, inwieweit der individuelle Schreibstil in Zukunft noch relevant sein wird, oder ob der Text lediglich als Transportmittel für den Inhalt an Bedeutung gewinnt. Die Diskussion berührt philosophische Aspekte und die Anpassung an die veränderte Textlandschaft.

KI im operativen Geschäft: Effizienzsteigerung und Herausforderungen

Die Episode beleuchtet die praktische Anwendung von KI in der Versicherungsbranche. Ein konkretes Beispiel ist der Einsatz des KI-basierten Systems „Brian“ bei der Allianz UK. Dieses System ermöglicht die zeitsparende Durchsuchung umfangreicher Dokumente und beschleunigt so Prozesse im Underwriting und Onboarding. Piela und Fröhlich diskutieren die zugrunde liegende Technologie (Retrieval Augmented Generation, RAG) und die Herausforderungen bei der Implementierung und dem Umgang mit großen Datenmengen. Die Bedeutung einer optimierten User Experience und die Notwendigkeit schneller Antwortzeiten werden ebenfalls hervorgehoben.

Mindset und Weiterbildung: Die Bedeutung der menschlichen Komponente

Ein wichtiger Aspekt der Diskussion betrifft das Mindset der Mitarbeiter im Umgang mit KI. Die Notwendigkeit, die Vorteile der KI zu nutzen, ohne die menschliche Expertise zu vernachlässigen, wird hervorgehoben. Die Gesprächspartner betonen die Bedeutung einer praxisorientierten Weiterbildung, die über die bloße Theorie hinausgeht und die Mitarbeiter befähigt, KI-Systeme effektiv und verantwortungsvoll einzusetzen. Der kürzlich in Kraft getretene EU AI Act wird in diesem Zusammenhang erwähnt.

KI-gestützte Prozessautomatisierung und Datenschutz

Die Diskussion befasst sich mit der zunehmenden Automatisierung von Prozessen mithilfe von KI. Die Herausforderungen bei der Integration verschiedener Datenquellen und die Sicherstellung des Datenschutzes werden angesprochen. Piela und Fröhlich diskutieren verschiedene Ansätze, wie zum Beispiel der Aufbau eines eigenen RAG-Systems mithilfe von Low-Code-Plattformen oder die Nutzung von cloudbasierten Lösungen. Die Grenzen und Möglichkeiten der aktuellen KI-Technologie werden anhand praktischer Beispiele erläutert, darunter auch die Schwierigkeiten bei der Verarbeitung komplexer Webseitenstrukturen.

Text-zu-Video-Technologie und Anwendung in der Versicherung

Abschließend wird die Anwendung von Text-zu-Video-Technologie in der Versicherungswirtschaft vorgestellt. Die Episode verdeutlicht die Vorteile dieser Technologie für die Beschleunigung der Schadenbearbeitung im Kfz-Bereich und die Möglichkeit, Schadenfälle anhand von Videos zu rekonstruieren. Die Herausforderungen bei der Generierung realistischer Videos und die Bedeutung eines präzisen Prompts werden hervorgehoben.

Über den Podcast

Seit April 2020 veröffentlicht Jonas Piela regelmäßig Gespräche zur digitalen Transformation mit Vorständen und Managern der Versicherungswirtschaft. Sein Ziel ist, dass seine Zuhörer einem lockeren Gespräch unter Gleichgesinnten lauschen und so Ideen und Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter pielaco.com/podcast.

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KI-Integration im Unternehmen: Von der Pflicht zur Kür

Hürden bei der Einbindung von KI ergeben sich häufig aus den spezifischen Realitäten des Unternehmensalltags. Worauf es bei der KI-Integration ankommt, erläutert Dietmar Munz, Lead Business Consultant Cognitive Process Automation bei der msg systems ag.

Agentic Automation ist das Schlagwort der Stunde. KI-Mitarbeiter analysieren Schadenfotos, Phone-Bots nehmen tausende Anrufe entgegen und KI-Assistenten helfen bei Meetings oder Recherchen. Doch trotz erster Erfolge macht sich Ernüchterung breit. Die Frage lautet: Wo bleiben die vollautomatischen Prozesse, die das Geschäft von Grund auf verändern?

Das Problem ist selten der Veränderungswille oder der Algorithmus, sondern eine tiefere Hürde: Besonders die heutigen generativen KI-Systeme glänzen bei Aufgaben, die sie mit ihrem riesigen globalen Kontext – dem Wissen des gesamten Internets – lösen können. Doch was passiert, wenn dieses universelle Wissen auf die spezifischen Realitäten des Unternehmensalltags trifft

Zwischen Hype und Handarbeit: Hürden der KI-Integration

Bekannte Faktoren verlangsamen die Entwicklung: Komplexe Regulatorik rund um den EU AI Act und die DSGVO erfordert sorgfältige Prüfung. Gerade wenn zentrale Prozesse als Hochrisikoanwendung eingestuft werden, wird die Compliance zur strategischen Kernaufgabe. Auch das notwendige Mitarbeiter-Enablement und die Etablierung eines digitalen Mindsets brauchen Zeit und Engagement. Doch die Achillesferse für den wirtschaftlichen Erfolg ist die tiefe, nahtlose Integration der KI in die Unternehmensrealität. Zur Veranschaulichung dient das Bild einer neuen Mitarbeiterin: Trotz all ihrer beeindruckenden Fähigkeiten fehlt ihr der entscheidende Unternehmenskontext: Sie kennt weder Ihre Produkte noch Ihre Firmenkultur. Um wirklich zu helfen, muss sie drei entscheidende Integrationshürden überwinden.

1. Die Datenintegration: Das Fundament aus Wissen

Jedes KI-System ist nur so gut wie die Daten, auf denen es basiert. Doch hier zeigt sich eine fundamentale Kluft in der Unternehmensrealität. Generative KI-Modelle müssen mit spezifischem Firmenwissen „geerdet“ werden, sonst versagen sie an den Realitäten einer Police. Klassische KI-Modelle, die von Grund auf mit internen Daten gebaut werden, scheitern sogar noch früher, wenn diese Daten unsauber oder unvollständig sind. Das Ergebnis ist dasselbe: Ohne gepflegte Datenplattformen gibt es keine intelligente Anwendung. Für Versicherer bedeutet das: Ohne harmonisierte, domänenspezifische Datenbasis bleibt jedes KI-Projekt ein Einzelfall.

2. Die Prozessintegration: Der Fremdkörper im System

Ohne tiefe Integration in die Kernprozesse bleibt selbst die beste KI eine Insellösung. Die größte technische Herausforderung ist die Anbindung an bestehende, oft veraltete IT-Architekturen. Solange die KI ein Fremdkörper im System bleibt, anstatt Prozesse von der Antragsprüfung bis zur Schadenregulierung durchgängig zu unterstützen, wird ihr Potenzial für eine echte Hyperautomation nie ausgeschöpft. Hier entscheidet sich, ob KI Effizienzgewinne liefert oder lediglich zusätzliche Komplexität erzeugt.

3. Die Mensch-Maschine-Integration: Die lückenhafte Übergabe

Die anspruchsvollste Hürde ist die nahtlose Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Denn die heutige KI hat eine fundamentale Schwäche: Sie kann kaum im laufenden Betrieb dazulernen und den sich ständig ändernden, situativen Kontext einer Aufgabe erfassen. Sie weiß nicht, was „neulich in der E-Mail“ besprochen wurde. Genau aus diesem Grund ist der „Human-in-the-Loop“ kein Manko, sondern ein absolut notwendiges Design-Prinzip der kollaborativen Automatisierung, das zugleich auch zentrale regulatorische Anforderungen an die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen adressiert. Der Mensch bleibt die Instanz, die Kontext liefert und Entscheidungen freigibt.

Von der Pflicht zur Kür: Wie aus Strategie echter KI-Erfolg wird

Klar ist: Isolierte KI-Projekte reichen nicht aus. Erfolgreiche KI-Transformation ist kein Sprint, sondern eine strategische Disziplin, die einem klaren Automatisierungs-Reifegradmodell folgt – von einfachen Bots bis hin zu autonomen Agenten.

Die „Pflicht“ ist das Fundament: eine klare KI-Strategie, saubere Konzepte und ein robuster Rahmen für Governance und Compliance. Dieses Fundament ist essenziell, aber nicht der entscheidende Wettbewerbsvorteil.

Dieser entsteht in der „Kür“. Genau hier, wo die Strategie auf die raue Wirklichkeit der IT-Landschaft und der Unternehmenskultur trifft, scheitern die meisten Initiativen. Diese Kür besteht aus zwei Disziplinen.

Technologische Kür

Die technologische Kür löst die Prozessintegration. Statt nur neue KI-Technologie einzukaufen, erfordert sie handwerkliche Exzellenz, um die richtige Intelligenz-Kaskade zu designen: So wird aus einer gescannten Rechnung (Computer Vision) extrahierter Text (NLP), der von einem Modell auf Betrug geprüft (Machine Learning) und schließlich verbucht wird (RPA). So werden Prozesse durch Cognitive Process Automation (CPA) von Grund auf neu gestaltet. Das bedeutet konkret: Eine eingehende Schadens-E-Mail wird nicht mehr nur an die richtige Abteilung weitergeleitet, sondern ihr Inhalt wird von der KI in Echtzeit ausgelesen, mit den Vertragsdaten abgeglichen und dem Sachbearbeiter direkt als prüffähiger Regulierungsvorschlag im Kernsystem vorgelegt. Das ist kognitive Prozessautomatisierung in der Praxis: Der Prozess denkt mit, statt nur Daten zu transportieren

Menschliche Kür

Die menschliche Kür überwindet die Hürde der Mensch-Maschine-Integration, indem sie kollaborative Automatisierung als gelebte Arbeitsphilosophie etabliert. Dies erfordert mehr als Schulungen: Es geht darum, gezielt Ängste abzubauen und eine Kultur der Augmentation zu schaffen, in der KI gezielt menschliche Fähigkeiten erweitert, statt sie zu ersetzen. Der Sachbearbeiter im Schadenmanagement prüft dann beispielsweise nicht mehr jeden Beleg von Hand, sondern agiert als Entscheider, der den von der KI erstellten Regulierungsvorschlag validiert und seine Expertise auf jene komplexen Fälle konzentriert, in denen menschliches Urteilsvermögen unersetzlich ist. Diese neue Form der Zusammenarbeit, bei der (mehrere selbstständige) KI-Agenten die Vorarbeit leisten und der Mensch als letzte Instanz entscheidet, wird auch als Agentic Automation bezeichnet. Der „Human-in-the-Loop“ wird hier nicht als Manko verstanden, sondern als intelligentes und regulatorisch notwendiges Design-Prinzip, das die Partnerschaft zwischen Mitarbeiter und KI erst wirklich erfolgreich macht.

Fazit: Die Kür entscheidet

Einen Plan zu haben, ist die Pflicht. Der Unterschied zur echten Wertschöpfungsmaschine liegt in der meisterhaften Umsetzung der Kür. Das Ziel dieser Reise ist dabei mehr als reine Prozessautomatisierung. Die Vision ist eine Organisation, in der die KI die Routine beherrscht – und der Mensch Freiraum gewinnt für das, was zählt: die empathische Begleitung von Kunden, die kreative Entwicklung neuer Produkte und die proaktive, persönliche Beratung. Der Weg dorthin führt über strategische Integration – für eine Versicherung, die intelligenter, effizienter und zugleich menschlicher ist. (tik)

Porträtfoto: © msg

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Ein Artikel von
Dietmar Munz

Digital Insurance Podcast: Maklerbetreuung im Wandel

Zu Gast in der neuen Episode des Digital Insurance Podcast von Digitalexperte Jonas Piela ist Dr. Claus Hunold, Vorstand Vertrieb und Marketing bei der Haftpflichtkasse. Im Gespräch geht es um innovative Maklerbetreuung und die Kraft der Community.

In einer neuen Folge des Digital Insurance Podcasts spricht Jonas Piela mit Dr. Claus Hunold, Vorstand Vertrieb und Marketing bei der Haftpflichtkasse, über den Wandel der Maklerbetreuung und die Chancen, die sich durch den Einsatz digitaler Tools bieten. Die Haftpflichtkasse, ein 127 Jahre altes Unternehmen, hat traditionell einen starken Fokus auf persönlichen Service gelegt und ist so über Jahrzehnte erfolgreich gewachsen. Doch im zunehmenden Wettbewerb und angesichts einer veränderten Maklerlandschaft, erkennt die Haftpflichtkasse die Notwendigkeit eines modernen, strukturierten Maklervertriebs.

Von zwei Mitarbeitern zum dezentralen Vertrieb

Hunold beschreibt die bisherige Maklerbetreuung als eher unkonventionell: Zwei Mitarbeiter waren bundesweit für die Akquise zuständig, während der Kundenservice zentral in der Haftpflichtkasse abgewickelt wurde. Dieser Ansatz war lange erfolgreich, doch die zunehmende Digitalisierung und der Wettbewerb durch neue, digitale Player erfordern eine Anpassung der Strategie. Jüngere Maklergenerationen haben andere Erwartungen an die Zusammenarbeit mit Versicherern. Schneller, unkomplizierter Service und digitale Lösungen sind hier entscheidend, ohne die persönliche Note zu verlieren.

Fokus auf Qualität und Community Building

Die Haftpflichtkasse setzt auf eine Kombination aus persönlicher Betreuung und digitalen Tools. Hunold betont die Bedeutung des persönlichen Ansprechpartners für Makler, der schnelle Lösungen und exzellenten Service bietet. Gleichzeitig wird der Aufbau von Makler-Communities als wichtige Strategie verfolgt, um den Austausch zwischen Maklern und Versicherern zu fördern und wertvolle Einblicke in die Branche zu geben.

Digitale Tools für mehr Effizienz

Um mit der gleichen Mitarbeiterzahl mehr Makler zu betreuen, setzt die Haftpflichtkasse auf ein modernes CRM-System (Salesforce). Dieses System ermöglicht eine effiziente Steuerung des Vertriebs, automatisierte Marketingkampagnen und die gezielte Ansprache von Maklern basierend auf individuellen Bedürfnissen und Potentialen. Dabei stehen die Optimierung der internen Prozesse und die Schaffung einer klaren Verantwortlichkeit im Fokus.

KI zur Unterstützung und nicht als Ersatz für menschlichen Faktor

Hunold diskutiert auch den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) und betont, dass KI als unterstützendes Tool für Mitarbeiter gesehen wird, nicht als Ersatz. Während automatisierte Prozesse im Hintergrund die Effizienz steigern können, soll der persönliche Kontakt zu Maklern weiterhin im Vordergrund stehen. Die Haftpflichtkasse setzt auf eine menschliche, persönliche Kommunikation, um Vertrauen aufzubauen und langfristige Partnerschaften mit den Maklern zu pflegen. Eine schnelle und präzise Beantwortung von Anfragen ist wichtig, doch die menschliche Komponente und das Verständnis der individuellen Bedürfnisse der Makler bleiben unverzichtbar.

Blick in die Zukunft

Hunolds Agenda für die kommenden Monate ist ambitioniert: Neben der Umsetzung von Vertriebsaktionen und dem Ausbau der Community-Building-Aktivitäten steht die Optimierung der internen Prozesse und der effizienten Nutzung des CRM-Systems im Fokus. Die Haftpflichtkasse beobachtet die Entwicklungen im Bereich KI genau und prüft die Möglichkeiten der Integration in ihre Prozesse, immer mit dem Ziel, die Mitarbeiter und den persönlichen Kontakt zu stärken. Die Herausforderung besteht darin, die Mitarbeiter für die digitalen Veränderungen zu gewinnen und sie aktiv in die Gestaltung der Zukunft des Unternehmens einzubeziehen.

Über den Podcast

Seit April 2020 veröffentlicht Jonas Piela regelmäßig Gespräche zur digitalen Transformation mit Vorständen und Managern der Versicherungswirtschaft. Sein Ziel ist, dass seine Zuhörer einem lockeren Gespräch unter Gleichgesinnten lauschen und so Ideen und Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter pielaco.com/podcast.

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blau direkt startet neue Version des MVPs AMEISE

Der Maklerpool blau direkt bietet eine neue Beta-Version seines Maklerverwaltungsprogramms AMEISE. Die modulare Systemarchitektur der komplett überarbeiteten Version des bisherigen Programms soll für mehr Stabilität, Geschwindigkeit und Erweiterbarkeit sorgen.

Seit über 20 Jahren unterstützt das Maklerverwaltungsprogramm AMEISE die rund 15.000 Nutzer im Makleralltag. Nun hat das Lübecker Technologieunternehmen blau direkt eine komplett überarbeitete Beta-Version des MVP gestartet. Laut blau direkt geht es heute bei einem MVP nicht mehr nur um die Verwaltung von Daten. Die Beta-Version soll zentrale Plattform für Kundenbeziehungen, Beratung, Schadenabwicklung und digitalen Vertrieb sein – vernetzt mit Tools wie der Endkunden-App simplr.

Wie blau direkt weiter mitteilt, wurde die neue AMEISE in enger Zusammenarbeit mit Maklern entwickelt. Rückmeldungen aus der Praxis seien in die Konzeption eingeflossen.

AMEISE Klassik weiter verfügbar

Die bisherige Version AMEISE Klassik bleibt weiterhin verfügbar und wird vollständig synchronisiert mit der neuen Beta-Version der AMEISE. Ein einfacher Wechsel zwischen beiden System soll es Nutzern ermöglichen, sich schrittweise an die neue Oberfläche und Arbeitsweise zu gewöhnen, ohne auf gewohnte Funktionen verzichten zu müssen. Beide Versionen können ohne Mehrkosten verwendet werden.

Modulare Systemarchitektur und neu überarbeitete API-Struktur

Bei der neuen Beta Version handelt es sich um eine technologisch komplett neu aufgestellte Version des MVP AMEISE, die auf eine modulare Systemarchitektur setzt. Dies soll blau direkt zufolge für mehr Stabilität, Geschwindigkeit und Erweiterbarkeit sorgen. Eine neu überarbeitete API-Struktur soll die einfache Anbindung externer Systeme ermöglichen. „Mit der neuen AMEISE Beta machen wir einen weiteren großen Schritt in Richtung Effizienz, Benutzerfreundlichkeit und Zukunftsfähigkeit“, unterstreicht Niklas Koch, Product Owner AMEISE, bei blau direkt.

Der Funktionsumfang der neuen AMEISE Version soll in den kommenden Wochen sukzessive erweitert werden. (tik)

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bAV-Verwaltung: Wenn Service zur Haftungsfalle für Makler wird

Die Ausweitung der Nutzung von Maklerverwaltungsprogrammen in der bAV führt mittlerweile zur Übernahme von Aufgaben, die im Bereich der Personalverwaltung eines Arbeitgebers anzusiedeln sind. Das birgt rechtliche und haftungstechnische Herausforderungen. Rechtsexperte Christian Guse schildert Lösungen.

Ein Artikel von Christian Guse, Rechtsanwalt und Inhaber der Anwaltskanzlei Guse

Die Studie „AssCompact TRENDS I/2025“ beleuchtet die zunehmende Bedeutung von Maklerverwaltungsprogrammen (MVP) in der Versicherungsbranche. Ursprünglich zur Vereinfachung administrativer Aufgaben konzipiert, bieten MVPs heute umfangreiche Funktionen: Kundenverwaltung, Vergleichsrechner, Abrechnungsunterstützung, automatisierte Korrespondenzen, digitale Unterschriftenprozesse – und vieles mehr. Sie bilden damit das digitale Rückgrat vieler Versicherungsmakler.

Verkaufen Makler Produkte zur betrieblichen Versorgung, dann zeigt sich gerade hier seit ca. fünf Jahren ein zusätzlicher Trend: Die Ausweitung der Nutzung von MVPs im Bereich der betrieblichen Altersversorgung (bAV) führt zur Übernahme von Aufgaben, die eigentlich im Bereich der Personalverwaltung eines Arbeitgebers anzusiedeln sind. Damit zeigt sich eine deutliche Verschiebung in der Rolle des Maklers – weg vom reinen Vermittler hin zu einem hybriden Dienstleister, der auch Verwaltungsaufgaben übernimmt. Diese Entwicklung bringt Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich.

Wenn Vermittlung zur Verwaltung wird

Die betriebliche Altersversorgung hatte aufgrund ihrer Komplexität schon immer eine enge Schnittstelle zur Personalverwaltung. Neben versicherungstechnischem Know-how erfordert sie auch arbeitsrechtliches Wissen, etwa zu Anspruchsvoraussetzungen, Informationspflichten oder zur Umsetzung der Zusageformen. In der Praxis erleben viele Makler, dass Personalabteilungen gerade in diesem Bereich Unterstützung suchen – und bereit sind, ganze Teilbereiche an den Makler „auszulagern“. Hat es früher aus der Personalabteilung des Kunden geheißen: „Der Versicherungsnehmerwechsel dauert so lang. Können Sie sich bitte einmal drum kümmern und bei der Versicherung anrufen“, so heißt es jetzt: „Bitte führen Sie den Versicherungsnehmerwechsel durch.“

Dies hat zu einem Verdrängungswettbewerb unter Vermittlern geführt. Wer nicht nur Policen vermittelt, sondern auch die Verwaltung rund um die bAV übernimmt, kann sich Wettbewerbsvorteile sichern. Die Folge: Vermittlerorientierte bAV-Verwaltungssysteme gewinnen an Bedeutung. Verwaltungskompetenz wird damit ebenso wichtig wie Produktkenntnis.

Doch dieser Wandel ist nicht ohne Risiken. Denn der Makler bewegt sich zunehmend in einem Grenzbereich zwischen Vermittlung und Dienstleistungserbringung. Während § 59 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) die Vermittlung regelt, umfasst die Übernahme administrativer Aufgaben eine andere rechtliche Dimension – nämlich die arbeitsrechtlichen Verpflichtungen, die aus dem Versorgungsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer resultieren.

Aus Sicht des Maklers ist besonders kritisch, dass klassische Maklerverträge – bestehend aus Maklervertrag, Vollmacht und Datenschutzerklärung – diesen erweiterten Tätigkeitsbereich oft nicht abdecken. Sie beziehen sich schwerpunktmäßig auf die Vermittlung von Versicherungsverträgen und die daraus resultierenden Haftungsthemen. Die Übernahme verwaltungsnaher Aufgaben bleibt jedoch vertraglich oft ungeregelt. Das birgt erhebliche Haftungsrisiken.

Klare vertragliche Regelungen und neue Denkansätze

Es stellen sich daher folgende Fragen: Welche Geschäftsvorfälle übernimmt der Makler im Rahmen der bAV-Verwaltung? Wer trägt die Verantwortung bei Fehlern in Meldeprozessen oder Fristversäumnissen? Gibt es Haftungsbegrenzungen für diese Dienstleistungen? Und wie sind Datenschutz und Datenverarbeitung bei personalbezogenen Informationen geregelt?

Makler, die im Bereich der betrieblichen Altersversorgung tätig sind, sollten dringend über eine Anpassung ihrer vertraglichen Grundlagen nachdenken. Es reicht nicht mehr aus, allgemeine Servicebereitschaft vorauszusetzen – vielmehr bedarf es klarer Regelungen, welche Dienstleistungen übernommen werden und in welchem Umfang.

Ein moderner Maklervertrag sollte neben der Vermittlung folgende Punkte abbilden:

  • Leistungsbeschreibung Verwaltung: eine klare Auflistung der verwaltenden Tätigkeiten – z. B. Bearbeitung von Ein- und Austritten, Unterstützung bei Statusmeldungen, Pflege von Versorgungskonten, Kommunikation mit Versicherern bei Änderungswünschen u. v. m.
  • Haftungsbegrenzungen: Regelungen zur Haftung des Maklers bei Fehlern in der Administration, etwa durch einen Haftungsausschluss für bestimmte Inhalte oder durch die Beschränkung auf grobe Fahrlässigkeit und Vorsatz.
  • Zuständigkeiten und Schnittstellen: klare Definition, wer für welche Aufgaben verantwortlich ist – Makler, Arbeitgeber oder Dritte (z. B. Versicherer, Abrechnungsstellen). Dies betrifft auch die Klärung von Informationspflichten und Mitwirkungspflichten des Arbeitgebers.
  • Vergütung: Sofern die verwaltenden Aufgaben über die klassische Vermittlungsvergütung hinausgehen, sollte eine transparente und rechtssichere Vergütung der Verwaltungsleistungen vereinbart werden – ggf. auch als Servicepauschale oder in Form von Dienstleistungsverträgen.
  • Gegebenenfalls erweiterte Datenschutzvereinbarungen: Da Makler im Rahmen der bAV-Verwaltung mit personenbezogenen Daten von Arbeitnehmern umgehen, sind datenschutzrechtliche Regelungen gemäß DSGVO zwingend erforderlich. Dazu gehört die Vereinbarung einer Auftragsverarbeitung (AVV), wenn der Makler im Namen des Arbeitgebers tätig wird.

Darüber hinaus sollten Makler auch technisch aufrüsten: Maklerverwaltungsprogramme der neuen Generation sollten nicht nur auf die Verwaltung von Policen ausgelegt sein, sondern die speziellen Anforderungen der bAV berücksichtigen – z. B. durch Module zur Mitarbeiterverwaltung, automatisierte Statusmeldungen, Schnittstellen zu HR-Systemen oder Dokumen­tationshilfen für arbeitsrechtliche Zusagen.

Ein weiterer Lösungsansatz liegt in der Kooperation mit Fachanwälten oder spezialisierten Dienstleistern. So können Makler sicherstellen, dass arbeitsrechtlich relevante Themen professionell begleitet werden. Denkbar ist auch ein modulares Dienstleistungskonzept, bei dem der Makler standardisierte Verwaltungsaufgaben übernimmt und für komplexere Fragen Experten hinzuzieht.

Chancen nutzen, Risiken beherrschen

Die Entwicklung von Maklerverwaltungsprogrammen spiegelt den tiefgreifenden Wandel der Rolle von Versicherungsmaklern wider – insbesondere im Bereich der betrieblichen Altersversorgung. Der Trend zur Verwaltungsübernahme bietet Maklern eine Möglichkeit zur Differenzierung, birgt aber auch rechtliche und haftungstechnische Herausforderungen.

Wer diesen Weg gehen will, sollte seine vertraglichen Grundlagen überarbeiten, klare Zuständigkeiten definieren und technische sowie rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass aus dem zusätzlichen Service kein unkalkulierbares Risiko wird – sondern ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil.

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Ein Artikel von
Christian Guse