AssCompact suche
Home

0630

Software

KI bei Versicherern: Längst Praxis, aber Entlastung fehlt

Die Arbeit mit künstlicher Intelligenz gehört in Versicherungsunternehmen längst dazu. Doch wie wird sie von den Beschäftigten im Arbeitsalltag wahrgenommen? Eine ver.di-Umfrage zeigt: 90% erleben aktuell keine Entlastung vom täglichen Arbeitsdruck. Zudem haben viele Angst um die Arbeitsplatzsicherheit.

Welche Auswirkungen hat künstliche Intelligenz auf die Beschäftigten privater Versicherungen? Laut einer aktuellen Befragung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) spüren derzeit acht von zehn Befragten keine Verringerung ihres Arbeitspensums durch KI. Rund 90% erleben zudem keine Entlastung vom täglichen Arbeitsdruck, sondern beschreiben sogar eher das Gegenteil. Für über 40% der Beschäftigten entstehen mit der Einführung von KI auch Ängste um ihren Arbeitsplatz, vor allem bei Beschäftigten mit niedrigeren Einkommen, teilt die Gewerkschaft mit.

KI hat großes Potenzial zur Entlastung der Belegschaften

Deniz Kuyubasi, Bundesfachgruppenleiterin Versicherungen, sagt: „Die Beschäftigten sind dabei alles andere als technologiefeindlich.“ Ganz im Gegenteil: 40% der Befragten sehen demnach in verbesserten digitalen sowie KI-Tools das Potenzial zur Entlastung ihrer Arbeitsprozesse. Die Technik sei längst im Arbeitsalltag angekommen: Drei von vier Befragten nutzen bereits KI oder KI-basierte Anwendungen, dabei jüngere Beschäftigte und höhere Einkommensgruppen häufiger als andere.

KI: Längst Praxis, aber Entlastung bleibt noch aus

Die Befragung zeige damit ein bemerkenswertes Spannungsfeld: KI ist längst Praxis, die versprochenen Entlastungseffekte kommen bei den Beschäftigten aber bislang kaum an, heißt es von ver.di. „Am Arbeitsplatz sind noch viel zu wenig echte Verbesserungen zu spüren“, so Kuyubasi vor dem Hintergrund, dass aktuell Verhandlungen zwischen ver.di und dem Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen (AGV) für einen Transformationsrahmentarifvertrag laufen, der die wesentlichen Aspekte für KI-Systeme, Digitalisierung und Automatisierung regeln soll. „Für uns sind die Ergebnisse daher ein Auftrag, mit den Arbeitgebern weiter über klare, verbindliche Regeln bei Einführung und Einsatz von KI zu verhandeln.“ 

60% wünschen sich klare Regeln für KI-Einsatz

Die Gewerkschaft weist darauf hin, dass 60% der Befragten klare Regeln für den KI-Einsatz dabei besonders wichtig sind. Kuyubasi fordert: „Wir wollen, dass vor der Einführung von KI-Systemen die Auswirkungen auf Beschäftigung, Qualifikation und Arbeitsbedingungen transparent bewertet werden – damit es wirklich zu Entlastungen und Verbesserungen für die Beschäftigten kommt. Und nicht einfach nur zu Technik-Chaos und Arbeitsverdichtung.“

Schlecht eingeführte KI belastet, statt zu entlasten

KI könne bei Routineaufgaben, Recherchen, der Dokumentation oder der Strukturierung von Informationen unterstützen. Werde sie aber schlecht eingeführt, ohne gute Schulungen, hinreichend Zeit und faire Mitbestimmung, sei schnell das Gegenteil der Fall, heißt es. In der ver.di-Befragung sprechen Beschäftigte zudem von zusätzlicher Kontrollarbeit, neuen Korrekturschleifen und mehr Verantwortung ohne echte Unterstützung der Unternehmen.

„Dann scheitert Transformation“

„Das ist nicht nur ein technisches Problem, sondern das ist ein Gerechtigkeitsthema: Wenn KI vor allem zur Kostensenkung, Leistungsverdichtung oder zum Personalabbau eingesetzt wird, verlieren Beschäftigte Vertrauen. So entsteht keine Offenheit für Veränderung, sondern Angst. Und dann scheitert Transformation, zum Nachteil aller Beteiligten“, meint Kuyubasi.

Über die Befragung

ver.di hat im Februar und März 2026 mehr als 8.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer befragt. Teilgenommen haben Beschäftigte aller großen Versicherer. Die Befragung, an der sich nicht nur Gewerkschaftsmitglieder beteiligt haben, ist nicht im strengen Sinn repräsentativ, erlaubt der Gewerkschaft zufolge aber einen tiefen Einblick in die Gedanken, Sorgen sowie Forderungen der Beschäftigten. Die kompletten Daten der ver.di-Beschäftigtenbefragung samt Auswertung gibt es hier. (lg)

Lesen Sie auch: Ehegattensplitting-Reform: Mehr Gerechtigkeit, echte Gleichstellung
 

softfair: Vergleichsmodul für private Altersvorsorge

Nach dem Release der neuen Vergleichsmodule für die Bereiche Einkommenssicherung und Risikolebensversicherung im vergangenen Jahr bietet die softfair GmbH nun ein neues „Private Rente Modul“. Es handelt sich dabei um ein vollständig überarbeitetes Modul für die private Altersvorsorge.

Nach dem erfolgreichen Release der neuen Einkommenssicherungsmodule und der Risikolebensversicherung im vergangenen Jahr hat die softfair GmbH nun an einem weiteren Modul im Versicherungsvergleich gefeilt. Das Unternehmen bietet ein vollständig überarbeitetes Vergleichsmodul für die private Altersvorsorge.

„Mit dieser Generation unseres Private Renten Moduls führen wir den Versicherungsvergleich auf ein neues Niveau: schneller, treffsicherer und deutlich transparenter. Makler erhalten damit ein Instrument, das Beratungsqualität und Abschlusssicherheit spürbar erhöht“, erklärt Nicole Rode, Abteilungsleiterin Leben bei der softfair GmbH.

Die Neuerungen

Das Anlegen von Profilen mit personenunabhängigen Daten soll Zeit sparen. Bei der Berechnung nach Tarifkonzepten setzt softfair auf klare Sichtbarkeit, um ohne viele Eingaben direkt zum Ergebnis zu gelangen. Mit einem dynamischen Tarif-Streaming kommen Nutzer direkt zur Ergebnisseite, während die Tarife „on the fly“ in die Liste geladen werden. Zu den weiteren Neuerungen zählen unter anderem ein Fondsvergleich in der Ergebnisliste, der die Transparenz erhöhen soll. Kosten lassen sich direkt miteinander vergleichen. Darüber hinaus ist die Antragsbefüllung mit DIGITAS und der Unterschriftsprozess mit inSign jetzt in allen Tarifbereichen direkt ins Leben-Modul eingebunden.

„Das Modul wurde in enger Zusammenarbeit mit Anwendern und Partnern entwickelt. Praktische Rückmeldungen aus der Beratungspraxis flossen direkt in den Entwicklungsprozess ein. Das Ergebnis ist ein Vergleichsmodul, das nicht nur in puncto Geschwindigkeit überzeugt, sondern auch mit erweiterten Filter- und Visualisierungsoptionen mehr Flexibilität und Nachvollziehbarkeit bietet“, sagt Rode. Das neue „Private Renten Modul“ steht ab sofort allen Partnern der softfair GmbH zur Verfügung. (tik)

Lesen Sie auch:
 

KI und IT-Sicherheit in der Assekuranz

Künstliche Intelligenz bringt nicht nur Effizienzgewinne, sondern auch neue Pflichten. Mit dem AI Act setzt die EU klare Leitplanken, während gleichzeitig Cyberrisiken zunehmen und Anforderungen an Datenqualität steigen. Für Versicherer entsteht damit ein Spannungsfeld.

Ein Artikel von Sören Brokamp, Geschäftsführer der Perseus Technologies GmbH. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Cyberversicherung und Cybersicherheitsbranche. Zuvor leitete er das Produktmanagement und Underwriting Cyber bei der HDI Versicherung.

Eine Bitkom-Umfrage vom September 2025 zeigt: Jedes dritte Unternehmen in Deutschland setzt künstliche Intelligenz ein. In der Versicherungsbranche liegt der Anteil sogar bei 78% (PwC, 2025). KI ist damit ein fester Bestandteil der betrieblichen Wertschöpfung. Besonders häufig kommt sie in Operations, IT, Marketing und Vertrieb sowie im Risikomanagement zum Einsatz, etwa zur Prozessautomatisierung und in der Antrags- und Leistungsbearbeitung.

Mit der zunehmenden Verbreitung wächst auch der Bedarf an Regulierung. Die EU hat mit der KI-Verordnung (AI Act) einen umfassenden Rechtsrahmen geschaffen. Zentrales Element ist die risikobasierte Klassifizierung von KI- Systemen, aus der sich bestimmte Anforderungen und Verbote ergeben.

Klassifizierung „Hohes Risiko“ für die Versicherungsbranche

Auch in der Versicherungsbranche werden KI-Systeme eingesetzt, die mit „hohem Risiko“ eingestuft werden. Hierzu zählen vor allem Anwendungen, die den Zugang zu Versicherungsleistungen beeinflussen – etwa durch automatisierte Entscheidungen über die Annahme oder Ablehnung von Anträgen. Auch Anwendungen wie Prämienkalkulation oder Schadenbewertung können, je nach Einfluss auf Entscheidungsprozesse, in diesen Anwendungsbereich fallen.

Ob ein System als hochriskant eingestuft wird, hängt jedoch stets vom konkreten Einsatzkontext ab. Solche Systeme unterliegen strengen Anforderungen, insbesondere in Bezug auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Datenqualität und menschliche Aufsicht.

Wichtig zu wissen: Nicht jede KI-Anwendung ist kritisch. Automatisierte Kundenanschreiben oder Vertriebsunterstützung etwa bergen geringe Risiken. KI-gestützte Entscheidungen im Underwriting oder in der Schadenregulierung können allerdings erhebliche Auswirkungen haben – entsprechend hoch sind hier die regulatorischen und technischen Anforderungen.

Datenqualität und -integrität als zentrales Risiko

Eine zentrale Anforderung für Unternehmen – und damit auch für Versicherungen – ist die Sicherstellung der Integrität der zugrunde liegenden Daten. KI-Systeme basieren auf großen Datenmengen und liefern darauf aufbauend Prognosen oder Entscheidungsvorschläge. Diese Daten müssen aktuell, konsistent und möglichst frei von Verzerrungen sein. Fehlerhafte, veraltete oder manipulierte Daten können zu falschen oder schwer nachvollziehbaren Ergebnissen führen – mit erheblichen Konsequenzen, etwa in der Risikobewertung oder Schadenregulierung. Daher ist entscheidend, Datenqualität und -herkunft sowie Schutzmechanismen systematisch zu kontrollieren und in bestehende Governance- und Sicherheitsstrukturen zu integrieren.

KI als Beschleuniger für Cyberattacken

Doch nicht nur in Unternehmen wird immer häufiger auf KI gesetzt. Auch Cyberkriminelle nutzen diese Technologien, um bestehende Angriffsmethoden weiterzuentwickeln und zu skalieren. KI wirkt dabei in erster Linie als Beschleuniger und Qualitätsverstärker bekannter Angriffsmuster, kann jedoch auch neue Angriffsszenarien ermöglichen. So können Schwachstellen mithilfe KI-gestützter Analysen effizienter identifiziert und priorisiert werden. Auch Schadsoftware lässt sich schneller anpassen und in Varianten weiterentwickeln, wodurch insbesondere signaturbasierte Sicherheitssysteme an Wirksamkeit verlieren können. Ebenso gewinnen Phishing-Angriffe an Qualität: KI ermöglicht fehlerfreie, zielgerichtete Kommunikation in unterschiedlichen Sprachen und erhöht damit die Erfolgswahrscheinlichkeit solcher Angriffe erheblich. Für Firmen bedeutet dies, dass sich die Dynamik und Komplexität von Cyberrisiken weiter erhöhen und bestehende Sicherheitskonzepte kontinuierlich angepasst werden müssen.

KI als Treiber moderner IT-Sicherheit

Doch bei allen genannten Risiken sollte das Potenzial, das künstliche Intelligenz selbst zur Verbesserung der IT-Sicherheit beitragen kann, nicht unterschätzt werden. Denn die gleichen technologischen Fortschritte, die Angriffe effizienter machen, eröffnen Unternehmen zugleich neue Möglichkeiten, ihre Systeme gezielt zu schützen.

Die Einsatzgebiete sind vielfältig: Verdächtige E-Mails können mithilfe KI-gestützter Filter automatisiert erkannt und aussortiert werden. Auch in der Anomalieerkennung spielt KI eine zentrale Rolle, indem ungewöhnliche Aktivitäten – etwa Zugriffe zu atypischen Zeiten oder von unbekannten Standorten – (teil-)automatisiert identifiziert und bewertet werden. Darüber hinaus kann KI im Falle eines Ransomware-Angriffs dazu beitragen, auffällige Muster wie die massenhafte Verschlüsselung von Dateien frühzeitig zu erkennen. In solchen Fällen lassen sich betroffene Systeme – abhängig von der Sicherheitsarchitektur – automatisiert isolieren und vom Netzwerk trennen, um eine Ausbreitung des Angriffs zu verhindern.

Potenziale nutzen, Risiken steuern

Künstliche Intelligenz entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil unternehmerischer Prozesse und bietet auch in der Versicherungswirtschaft vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Gleichzeitig verändert sie die Risikolandschaft – sowohl durch neue Anforderungen an Regulierung und Datenqualität als auch durch veränderte Bedrohungsszenarien im Bereich der IT-Sicherheit.

KI ist damit ein leistungsfähiges Werkzeug, das sowohl Chancen als auch Risiken mit sich bringt. Entscheidend ist ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang: Insbesondere beim Einsatz in sensiblen Bereichen müssen Unternehmen sicherstellen, dass Daten geschützt, Systeme nachvollziehbar und regulatorische Anforderungen eingehalten werden.

 KI und IT-Sicherheit in der Assekuranz
Lesen Sie auch: Cyberrisiken 2.0: Warum klassische Policen nicht mehr schützen

Interessieren Sie sich für weitere Hintergrundartikel aus der Branche? Dann abonnieren Sie das monatliche Fachmagazin AssCompact – kostenfrei für Versicherungs- und Finanzmakler

 
Ein Artikel von
Sören Brokamp

Digital Insurance Podcast: Vertrieb digital gedacht

In der neuesten Episode des Digital Insurance Podcast begrüßt Moderator Jonas Piela als Gast Andreas Köhler, Leiter der Hauptabteilung Digitale Kunden- und Vertriebssysteme bei der DEVK. Er erläutert, warum das Wachstum von selbst beginnt, wenn der Vertrieb wirklich digital wird.

In einer gesättigten Branche echtes Wachstum zu generieren, erfordert oft mehr als nur schrittweise Optimierungen. Im Gespräch mit Moderator Jonas Piela zeigt Andreas Köhler, Leiter der Hauptabteilung Digitale Kunden- und Vertriebssysteme bei der DEVK, wie der Kölner Traditionsversicherer durch eine radikale Neuausrichtung seiner Sales-IT den digitalen Turbo zündet. Das Erfolgsgeheimnis liegt für Köhler in einem klaren Prinzip: Wenn der Vertrieb wirklich digital wird, beginnt das Wachstum von selbst.

Der Vermittleralltag im technologischen Wandel

Zu Beginn der Episode gewährt Andreas Köhler Einblicke in den oft administrativ überlasteten Alltag der rund 1.000 DEVK-Agenturen. Statt direktem Kundenkontakt prägen morgendliche Log-ins, E-Mail-Checks und das Manövrieren durch eine Vielzahl isolierter Systeme den Arbeitsbeginn. Köhler betont, dass der persönliche Kontakt trotz des Aufkommens von Vergleichsportalen nach wie vor der entscheidende Schlüssel zum Erfolg ist, da Empathie und Zuverlässigkeit unersetzlich bleiben. Allerdings verwenden Vermittler oft 20 bis 50% ihrer Zeit auf administrative und organisatorische Aufgaben – wertvolle Zeit, die im Kundengespräch fehlt.

Weg von der PDF-Logik hin zur Sales Story

Die Digitalisierungsstrategie der DEVK setzt genau hier an. Köhler erteilt der Praxis, alte analoge Abläufe lediglich in digitale Formulare oder PDFs zu pressen, eine Absage. Stattdessen gelte es, Prozesse ohne die Denkstrukturen der alten Welt und unter Einbindung moderner Technologien wie Künstlicher Intelligenz völlig neu zu konzipieren. Die DEVK fokussiert sich aktuell darauf, die klassische „Sales Story“ innerhalb der Beratung visuell und intuitiv erlebbar zu machen. Am Beispiel der komplexen Altersvorsorgeberatung zeigt Köhler, wie durch UI-Optimierungen und standardisierte digitale Beratungsanwendungen Abrufe vermieden und der Einstieg ins Gespräch massiv erleichtert werden.

Co-Creation und messbare Erfolge

Ein zentraler Erfolgsfaktor bei der Umsetzung ist die Einbindung von Vermittlern, Kunden und Fachbereichen in gemeinsame Feedback-Sessions und Prototypen-Tests. Durch diese Co-Creation orientiert sich die Entwicklung der Sales-IT, die organisatorisch bewusst von der Kern-IT getrennt wurde, strikt an den drei Kernprinzipien: Reduzierung von Komplexität, mehr Einfachheit und maximale Flexibilität. Dass dieser Ansatz Früchte trägt, belegen die harten Zahlen des Versicherers. Durch das neue Vorgehensmodell konnte die DEVK im Bereich der Lebensversicherung ein Plus von 20 Prozent bei den Abschlüssen und eine Steigerung der Beitragssummen um 30 Prozent verzeichnen. Für die Zukunft plant die DEVK, diesen erfolgreichen, kunden- und vertriebszentrierten Digitalisierungskurs auch auf die Sparten Komposit und Krankenversicherung auszuweiten.

Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

Weitere Podcasts
 

Vermittler hadern mangels KI-Unterstützung durch Versicherer

KI ist im Versicherungsvertrieb bei Weitem noch nicht flächendeckend im Einsatz. Laut einer neuen Studie vermissen die meisten der befragten Versicherungsvermittler Unterstützung seitens der Versicherer für eine effektive KI-Nutzung im Arbeitsalltag, die dafür erforderliche Ausstattung und geeignete KI-Tools.

Trotz medialem Hype sei der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Versicherungsvertrieb noch erstaunlich wenig verbreitet, so das Fazit der aktuellen Studie „KI im Vertrieb“. Für die Studie hat der CRM/CX-Softwareanbieter BSI Software gemeinsam mit der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) im ersten Quartal 2026 fast 1.900 Ausschließlichkeitsvermittler aus einem breiten Spektrum an Versicherern in Deutschland befragt.

 

Vermittler hadern mit mangelnder KI-Unterstützung

 

So gaben 39% und damit die relative Mehrheit der befragten Ausschließlichkeitsvermittler an, KI im Arbeitsalltag eher selten (22%) oder nie (17%) zu verwenden. Lediglich 31% nutzen künstliche Intelligenz häufig oder sehr häufig. „KI bietet dem Vertrieb enorme Chancen, der flächendeckende Einsatz lässt aber noch auf sich warten“, erklärt Oliver Schellenberger, Professor für Versicherungen und Finanzdienstleistungen am FHDW-Standort in Mettmann.

Es mangelt an KI-Tools und Unterstützung

Die Studie zeigt die Gründe: Einer jeweils deutlichen Mehrheit der Befragten fehlt es an der nötigen Unterstützung seitens der Versicherer, um KI effektiv im Arbeitsalltag einsetzen zu können, sowie allgemein an der hierfür erforderlichen Ausstattung und passenden KI-Tools.

 

Vermittler hadern mit mangelnder KI-Unterstützung

 

Demnach fühlen sich 68% der Befragten durch ihren Versicherer beim Einsatz von KI schlecht oder sehr schlecht unterstützt. 54% sagen, sie seien schlecht oder sehr schlecht dafür ausgestattet, KI effektiv bei der Arbeit einzusetzen. Und 69% geben an, die Versicherer würden keine ausreichenden KI-Tools bereitstellen.

Mehrheit der Befragten offen für KI

Offenheit gegenüber dem Einsatz von KI im Vertrieb besteht derweil durchaus, wie die Studie außerdem zeigt. So sehen 59% der Befragten in der neuen Technologie eine Chance für ihre Arbeit in den kommenden fünf Jahren. Und wer KI bereits verwendet, ist von den Vorteilen überzeugt: 70% sagen, der Einsatz von KI würde ihre Produktivität und Effektivität bei der Arbeit erhöhen. Nur 16% sind anderer Ansicht.

Vermittler nutzen vor allem Chatbots wie ChatGPT

Was die Werkzeuge zur KI-Nutzung angeht, setzen 87% der Umfrageteilnehmer auf Chatbots wie ChatGPT oder Microsoft Copilot. Es folgen mit großem Abstand generative KI für Dokumente (24%), CRM-Automatisierung (9%) und Lead-Scoring (5%).

„KI wird derzeit vor allem zur Prozessoptimierung und Zeitersparnis eingesetzt, nicht aber für innovativere Vertriebsansätze wie Cross-Selling, Lead-Qualifizierung oder datenbasierte Kundenanalyse“, erläutert Sebastian Pitzler, Executive Vice President AI bei BSI Software.

Nachholbedarf in Sachen Information und Aufklärung

Doch ein Teil der Befragten fühlt sich noch nicht ausreichend informiert: So können 28% der Befragten bei der offenen Frage, welche Chancen und Risiken KI in den nächsten fünf Jahren bietet, keine Angaben machen.

 

Vermittler hadern mit mangelnder KI-Unterstützung

 

„Die Branche muss von der Diskussion in die Umsetzung kommen. Wer jetzt investiert, sichert sich Wettbewerbsvorteile bei Produktivität, Mitarbeiterbindung und Innovation“, unterstreicht Professor Schellenberger. „KI ist ein strategischer Wachstumstreiber für die Versicherungswirtschaft“, ergänzt Pitzler. Ihr volles Potenzial entfalte sie aber nur dann, wenn Versicherer die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellen würden. Der Vertrieb sei bereit, er warte auf die richtigen Tools. (tik)

Weitere News rund um das Thema künstliche Intelligenz, neue Services und digitale Lösungen lesen Sie auch in der Rubrik „Management & Vertrieb“.
 

Wettbewerbsanalyse: Neue Lösung für Versicherer

Smart InsurTech stellt Versicherern eine neu entwickelte automatisierte Wettbewerbsanalyse zur eigenständigen Nutzung bereit. Mit dieser Sammelberechnung können Versicherer ihre Tarife strukturiert und datengestützt im Wettbewerbsumfeld beleuchten.

Smart InsurTech hat eine neue Self-Service-Lösung zur automatisierten Wettbewerbsanalyse für Versicherer konzipiert. Mit dieser Sammelberechnung haben Versicherer die Möglichkeit, ihre Tarife ohne lange Abstimmungsprozesse strukturiert und datengestützt im Marktumfeld zu analysieren. Die Grundlage bilden rund 80.000 Tarife von über 300 Gesellschaften, die im Vergleichsrechner der Versicherungsplattform Smart Insur zur Verfügung stehen.

„Der Wettbewerb in der Versicherungswirtschaft wird zunehmend datengetrieben“, berichtet Markus Niederreiner, Chief Executive Officer (CEO) der Smart InsurTech AG. „Produktentscheidungen und Preisstrategien müssen heute schneller und fundierter getroffen werden als noch vor wenigen Jahren, sonst riskiert man Margenverluste oder Marktanteile. Mit der automatisierten Marktanalyse schaffen wir für Versicherer eine transparente Entscheidungsgrundlage auf Basis realer Marktdaten“, so Niederreiner weiter. Der Anspruch von SmartInsurTech sei dabei, Markttransparenz strategisch nutzbar zu machen.

Markttransparenz auf Grundlage realer Vermittlerdaten

Die Sammelberechnung macht Effizienzgewinne im Produktmanagement und Pricing möglich, wie es von Smart InsurTech weiter heißt. Anstelle individueller Auswertungen mit längeren Abstimmungsschleifen können Anwender ihre Analysen in wenigen Schritten selbst konfigurieren – von der Sparte über die Wettbewerberauswahl bis zur Datengrundlage.

Die Auswertungen stützen sich auf tatsächlich im Vermittlermarkt generierten Berechnungen der Plattform Smart Insur. Die Datengrundlage speist sich aus Tausenden realen Berechnungen pro Monat. „Versicherer erhalten Einblicke in reale Marktbewegungen statt modellhafter Simulationen“, erklärt Niederreiner weiter. „So erkennen Versicherer sofort, wo ihr Tarif im Vergleich zur von ihnen definierten Peer Group steht und wo Preis- oder Leistungsanpassungen sinnvoll sein können.“

Das Ergebnis sei eine strukturierte Auswertung mit direkter Vergleichbarkeit der Tarife unter identischen Parametern. Optional lässt sich eine vertiefte qualitative Leistungsbewertung ergänzen. Die neue Self-Service-Lösung verringert den Analyseaufwand, die Kosten und beschleunigt die Bereitstellung belastbarer Ergebnisse, wie Smart InsurTech unterstreicht.

Analyse flexibel konfigurierbar

In der Marktanalyse stehen derzeit zehn Sparten zur Verfügung, darunter Wohngebäude-, Haftpflicht-, Hausrat-, Rechtsschutz- und Unfallversicherung. Die Zusammenstellung der Vergleichsgruppe erfolgt individuell inklusive optionaler Integration von Sondertarifen. Versicherer können nicht nur die Marktdaten der Smart Insur-Plattform verwenden, sondern auch eigene Daten einbinden. (tik)

Lesen Sie auch:
Versicherte offener für KI, persönlicher Kontakt bleibt gefragt
 

WhatsApp im Vertrieb: Zwischen Kundenerwartung und DSGVO

Kunden setzen bei der Kommunikation auf Messenger-Dienste – und wollen via WhatsApp und Co. mit ihrem Makler kommunizieren. Wer nah am Kunden bleiben will, muss schnell, direkt und rechtssicher kommunizieren. WhatsApp bietet große Chancen, verlangt aber professionelle Strukturen.

Ein Artikel von Moritz Beck, Gründer und Geschäftsführer der Memacon GmbH

Die Kommunikation zwischen Maklern und ihren Kunden wandelt sich. Klassische Kanäle wie E-Mail oder Telefon verlieren zunehmend an Bedeutung, während Messenger-Dienste für viele Menschen zum bevorzugten Kommunikationsmittel geworden sind. Insbesondere WhatsApp spielt dabei eine zentrale Rolle. Über 95% der Bevölkerung in Deutschland nutzen den Dienst regelmäßig. Diese hohe Verbreitung führt dazu, dass Kunden erwarten, auch mit Dienstleistern auf diesem Weg kommunizieren zu können. Kommunikation wird dadurch nicht nur schneller, sondern auch direkter und alltagsnäher.

Für die Versicherungsbranche entsteht daraus ein Spannungsfeld. Einerseits wächst der Anspruch an eine schnelle und unkomplizierte Interaktion. Andererseits bestehen hohe Anforderungen an den Datenschutz, die Dokumentation sowie die Nachvollziehbarkeit von Beratungsgesprächen. Gerade im regulierten Umfeld der Versicherungsvermittlung sind diese Aspekte von zentraler Bedeutung. Hinzu kommt, dass viele bestehende Prozesse weiterhin auf klassische Kommunikationswege ausgelegt sind. Die Integration eines Messenger-Dienstes erfordert daher nicht nur technische Anpassungen, sondern auch ein Umdenken bei etablierten Arbeitsweisen. Die Herausforderung besteht darin, einen informellen Kommunikationskanal wie WhatsApp in eine strukturierte und regulierte Umgebung zu überführen, ohne dabei die Vorteile der schnellen und direkten Kommunikation zu verlieren.

Chancen, Grenzen und technologische Entwicklungen

Die Nutzung von WhatsApp im Versicherungsvertrieb eröffnet vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Terminabstimmungen können deutlich effizienter ablaufen, da Rückfragen und Koordination in kurzen Nachrichten erfolgen. Im Schadenfall können Kunden Informationen und Bildmaterial direkt übermitteln, was eine schnellere Ersteinschätzung ermöglicht. Auch im Kundenservice ergeben sich Vorteile. Einfache Anfragen zu Verträgen, Anpassungen oder allgemeinen Themen lassen sich niedrigschwellig bearbeiten. Gleichzeitig entsteht eine kontinuierliche Kommunikation, die näher am Alltag der Kunden liegt als klassische Kontaktpunkte.

Darüber hinaus ermöglicht WhatsApp eine proaktive Ansprache. Hinweise zu Vertragsveränderungen, Beitragsanpassungen oder individuellen Optimierungsmöglichkeiten können gezielt und zeitnah übermittelt werden. Die Kommunikation entwickelt sich dadurch von einer rein reaktiven zu einer begleitenden Interaktion.

Parallel dazu gewinnt der Einsatz von KI zunehmend an Bedeutung. Moderne Systeme können bereits bis zu 92% der Standardanfragen automatisiert bearbeiten. Dazu zählen häufig gestellte Fragen, einfache Serviceprozesse oder die strukturierte Aufnahme von Schadenmeldungen. Diese Automatisierung entlastet den operativen Alltag und schafft Freiräume für beratungsintensive Aufgaben.

DSGVO-Sicherheit mit der WhatsApp Business API

Für den professionellen Einsatz stehen grundsätzlich drei Varianten zur Verfügung: die private Nutzung, die WhatsApp Business App und die WhatsApp Business API. Während die beiden erstgenannten Optionen auf den ersten Blick einfach erscheinen, sind sie für den Einsatz im Versicherungsumfeld nur eingeschränkt geeignet.

Insbesondere die WhatsApp Business App stößt schnell an ihre Grenzen, etwa bei der Skalierbarkeit, der Verwaltung von Zugriffsrechten oder der Integration in bestehende Systeme. Dies wird besonders relevant, sobald mehrere Mitarbeitende beteiligt sind oder größere Kommunikationsvolumina entstehen.

Die WhatsApp Business API hingegen bietet die notwendigen Voraussetzungen für eine DSGVO-konforme Nutzung im professionellen Umfeld. Sie schafft den erforderlichen rechtlichen Rahmen und ermöglicht, in Kombination mit geeigneten Softwarelösungen, die Verarbeitung der Daten auf Servern innerhalb Deutschlands oder der EU. Ergänzend stellen professionelle Anbieter die erforderlichen datenschutzrechtlichen Dokumente, etwa Auftragsverarbeitungsverträge, zur Verfügung.

Strukturierte Nutzung über professionelle Schnittstellen

Ein wesentlicher Vorteil der WhatsApp Business API liegt in ihrer Skalierbarkeit. Auch bei steigenden Kommunikationsvolumina bleibt die Nutzung stabil und kontrollierbar. Durch klar definierbare Rollen- und Rechtekonzepte kann die Kommunikation innerhalb von Teams strukturiert gesteuert und nachvollziehbar dokumentiert werden.

Darüber hinaus ermöglicht die API den strukturierten und revisionssicheren Versand von Dokumenten. Gerade im Versicherungsumfeld ist dies relevant, da Angebote, Vertragsunterlagen oder schadenbezogene Informationen nachvollziehbar übermittelt werden müssen.

Ein weiterer zentraler Aspekt sind die bestehenden Schnittstellen. Sie ermöglichen die Integration in bestehende Maklersoftware und CRM-Systeme. Kommunikationsdaten können automatisiert übertragen, gespeichert und weiterverarbeitet werden. Dadurch lassen sich Medienbrüche vermeiden und eine durchgängige Dokumentation sicherstellen.

Fazit

WhatsApp bietet im Versicherungsvertrieb ein erhebliches Potenzial, insbesondere hinsichtlich Effizienz, Erreichbarkeit und Kundennähe. Gleichzeitig stellt der Einsatz hohe Anforderungen an Technik, Prozesse und Datenschutz.

Eine nachhaltige Nutzung ist daher nur dann möglich, wenn der Messenger nicht isoliert eingesetzt wird, sondern als integrierter Bestandteil bestehender Systeme und Abläufe. Insbesondere die WhatsApp Business API bildet hierfür die notwendige Grundlage, um die Vorteile des Kanals mit den regulatorischen Anforderungen in Einklang zu bringen.

Lesen Sie auch: Effizientere Prozesse: Neue KI-Softwareplattform für Makler

Interessieren Sie sich für weitere Hintergrundartikel aus der Branche? Dann abonnieren Sie das monatliche Fachmagazin AssCompact – kostenfrei für Versicherungs- und Finanzmakler.

 
Ein Artikel von
Moritz Beck

Digital Insurance Podcast: Direct zum sicheren Gefühl

Moderator Jonas Piela begrüßte in der neuen Folge des Digital Insurance Podcast Uwe Stuhldreier, Vorstandsmitglied von Allianz Direct. Sie sprachen darüber, wie Allianz Direct die digitale Versicherung neu erfindet und worauf der Fokus der Allianz-Tochter in den kommenden Monaten liegen wird.

Im Rahmen des Digital Insurance Podcast empfing Moderator Jonas Piela einen besonderen Gast der Versicherungsbranche: Uwe Stuhldreier, Vorstandsmitglied von Allianz Direct. In einer intensiven Gesprächsrunde erörterten sie die ambitionierte Mission der Allianz-Tochter, zum führenden Digitalversicherer in Kontinentaleuropa aufzusteigen. Das Fundament für diesen Erfolg bildet eine radikal neue Architektur, die es ermöglichen soll, Vertrauen in einer digitalen Welt skalierbar zu machen.

Vertrauen durch digitale Exzellenz

Eine der zentralen Thesen des Gesprächs war die Frage, ob eine „Versicherungsmaschine“ persönlicher sein kann als ein herkömmlicher Berater. Uwe Stuhldreier zog hierbei Vergleiche zu globalen Tech-Giganten wie Amazon oder Apple. Kunden vertrauen diesen Marken nicht zwingend aufgrund persönlicher Kontakte, sondern aufgrund durchweg positiver Nutzererfahrungen und der Verlässlichkeit der Prozesse. Allianz Direct setzt darauf, dieses Prinzip auf die Versicherungswelt zu übertragen. Insbesondere im Schadenfall, dem „Moment der Wahrheit“, muss die digitale Abwicklung reibungslos und schnell funktionieren, um das Vertrauensversprechen der Marke einzulösen.

Die Stärke der hybriden Markenstrategie

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Allianz Direct ist die Verknüpfung der Sicherheit und Reputation der Muttermarke Allianz mit der Preisagilität eines Direktversicherers. Stuhldreier beschrieb die Marke als einen „Diamanten“, der geschliffen wird, um den sogenannten „Smart Shopper“ anzusprechen. Dieser Kundentyp sucht gezielt nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, möchte dabei aber nicht auf die Sicherheit eines etablierten Namens verzichten. Durch den Claim „Direkt ein sicheres Gefühl“ grenzt sich Allianz Direct bewusst von reinen Billiganbietern ab und positioniert sich als Qualitätsführer im digitalen Segment.

Technologische Agilität als Wettbewerbsvorteil

Die technische Basis von Allianz Direct ist weniger als fünf Jahre alt und bietet damit eine Flexibilität, die viele etablierte Wettbewerber mit veralteten Systemen nicht erreichen können. Diese cloudbasierte Architektur erlaubt es dem Unternehmen, neue Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) in Rekordzeit zu integrieren. Ein aktuelles Beispiel ist der Einsatz eines agentic Salesbots für den Bereich Privathaftpflicht, der Anfragen in natürlicher Sprache bearbeitet und Kunden effizient bis zum Angebot führt. Diese Geschwindigkeit bei der Produktentwicklung und Marktintegration ist laut Stuhldreier das Herzstück der „Digital Unbeatable“-Strategie.

Ausblick: Europaweite Skalierung

Die Reise von Allianz Direct ist grenzüberschreitend. Mit aktiven Geschäften in Deutschland, den Niederlanden, Spanien, Frankreich und Italien nutzt das Unternehmen Synergieeffekte zwischen den Märkten, während es gleichzeitig die lokalen Besonderheiten berücksichtigt. In den kommenden Monaten liegt der Fokus auf der weiteren Optimierung der Kundenreise durch KI und der Festigung der Marktposition als technologisch führender Versicherer in ganz Europa.

Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

Weitere Podcasts
 

„Was früher viel Recherche bedeutete, ist nun in Sekunden da“

Die Erwartungen von Kunden und Vermittlern verändern sich durch den KI-Einsatz. Kunden bereiten sich etwa mithilfe von KI auf Gespräche vor. Was das für die Beratung bedeutet und wie der KI-Einsatz bei OVB funktioniert, erläutert Vorstand Harald Wild.

Interview mit Harald Wild, COO & CFO der OVB Vermögensberatung AG
Herr Wild, warum ist KI-Kompetenz in Vertrieb und Beratung von Versicherungen bereits heute ein zentraler Wettbewerbsfaktor?

Weil sich die Erwartungen von Kunden und Finanzvermittlern deutlich verändern. Kundinnen und Kunden nutzen zunehmend KI zur Vorbereitung – das verändert die Gesprächssituation. Finanzvermittlerinnen und Finanzvermittler müssen Informationen einordnen und auch korrigieren können.

Gleichzeitig steigt der Bedarf an effizienter Unterstützung im Beratungsalltag. KI hilft, Informationen schneller verfügbar zu machen, und schafft Freiräume für den eigentlichen Kundendialog.

Entscheidend ist: Erfolg entsteht heute an der Kundenschnittstelle. Wer Technologie und persönliche Beratung sinnvoll verbindet, schafft echten Mehrwert. KI ersetzt den Menschen noch nicht – sie macht Beratung besser, strukturierter und effizienter.

Welche Rolle spielt KI konkret im Beratungsprozess bei OVB?

Bei OVB ist KI ein Bestandteil des Beratungsprozesses. Alle Finanzvermittlerinnen und Finanzvermittler nutzen mit dem „OVB Pilot“ eine KI-Unterstützung direkt im CRM.

Der größte Nutzen liegt in zwei Punkten: mehr Effizienz und höhere Beratungsqualität. KI soll bei Vorbereitung, Bedarfsanalyse und Nachbearbeitung unterstützen – also genau dort, wo heute viel Zeit gebunden ist.

Unsere Finanzvermittlerinnen und Finanzvermittler werden immer häufiger und schneller auf relevantes Wissen zugreifen, werden Informationen noch besser strukturieren und damit Kundenanliegen gezielter bearbeiten können. Für unsere Kundschaft bedeutet dies eine noch transparentere Beratung, schnellere Reaktionszeiten und eine noch bessere Kompatibilität mit ihren Bedürfnissen.

Können Sie ein Beispiel nennen, bei denen KI messbar zu mehr Effizienz oder besserer Beratungsqualität geführt hat? Woran machen Sie diesen Erfolg fest?

Ja, das ist besonders bei komplexen fachlichen Fragestellungen der Fall. Was früher zeitaufwendige Recherche bedeutete, kann heute in Sekunden strukturiert bereitgestellt werden.

Wir messen den Erfolg nicht nur technisch, sondern vor allem praktisch: weniger Bearbeitungszeit, bessere Nachvollziehbarkeit, höhere Qualität und spürbare Entlastung im Alltag. Der entscheidende Effekt: mehr Zeit für Beratung und Kundenbeziehung.

Wie verändert der Einsatz von KI den Arbeitsalltag Ihrer Finanzvermittler?

Der Arbeitsalltag unserer Vermittlerinnen und Vermittler wird strukturierter und effizienter. In der Vorbereitung kann KI dabei helfen, relevante Informationen schnell zu bündeln. In der Bedarfsanalyse unterstützt sie zunehmend dabei, Komplexität zu reduzieren und Zusammenhänge verständlich darzustellen. In der Nachbearbeitung werden Dokumentation und Folgeprozesse automatisiert.

Das Ergebnis: weniger administrative Aufgaben – mehr Fokus auf das, was wirklich zählt: das Gespräch und die individuelle Beratung.

Viele sprechen von KI als Produktivitätshebel. Wo sehen Sie in der Praxis die größten Potenziale – und wo werden die Erwartungen möglicherweise noch überschätzt?

Die größten Potenziale liegen in Wissenszugang, Automatisierung und Prozessbeschleunigung – insbesondere vor und nach dem Kundengespräch.

Überschätzt wird KI noch dort, wo sie als vollständiger Ersatz für Beratung gesehen wird. Gerade in einem regulierten Umfeld bleiben Verantwortung, Vertrauen und Einordnung menschliche Aufgaben. Dennoch ist es auch wichtig, Self-Service für Kunden nicht zu vergessen − auch dies wird sowohl von unseren Finanzvermittlerinnen und Finanzvermittlern als auch von unseren Kund*innen erwartet. KI ist ein Produktivitätshebel – aber noch kein Ersatz für persönliche Beratung.

Der Einsatz von KI wirft auch Fragen nach Qualität, Haftung und Verantwortung auf. Wie stellen Sie sicher, dass Beratung trotz zunehmender Automatisierung nachvollziehbar und regelkonform bleibt?

KI wird bei OVB konsequent in Governance- und Qualitätsstrukturen eingebettet. Die Verantwortung bleibt immer noch beim Menschen. KI liefert Unterstützung, aber keine finale Entscheidung. Ergebnisse müssen nachvollziehbar und regelkonform sein. Deshalb investieren wir gezielt in KI-Kompetenz – unter anderem mit einem AI-Literacy-Programm gemeinsam mit der TU Darmstadt.

Welche organisatorischen oder kulturellen Veränderungen waren notwendig, um KI im Vertrieb sinnvoll zu integrieren – etwa bei Schulung, Prozessen oder Führung?

KI ist kein reines IT-Thema, sondern eine strategische Transformation. Entscheidend sind klare Ziele, Schulung und die Integration in bestehende Prozesse. KI muss echten Nutzen stiften – nicht zusätzlichen Aufwand erzeugen.

Kulturell braucht es Offenheit und Lernbereitschaft. Unser Ziel ist, dass unsere Finanzvermittlerinnen und Finanzvermittler KI als Unterstützung erleben, die ihre Professionalität stärkt.

Wo ziehen Sie bewusst Grenzen beim Einsatz von KI? Welche Aufgaben im Beratungsprozess sollen auch künftig klar in menschlicher Verantwortung bleiben?

Wir ziehen überall dort Grenzen, wo Verantwortung und Vertrauen im Mittelpunkt stehen. Die persönliche Beratung, die Bewertung von Optionen und die finale Empfehlung bleiben klar menschliche Aufgaben. Hier muss der „human in the loop“ gegeben sein, um sichere sowie regel- und gesetzeskonforme KI zu betreiben. KI unterstützt, aber sie ersetzt nicht die persönliche Beziehung zu unseren Kundinnen und Kunden.

Wenn Sie drei Jahre vorausblicken: Wie wird sich der Beratungsprozess bis 2029 verändern – und woran wird man erkennen, dass KI tatsächlich einen Mehrwert für Kunden und Finanzvermittler geschaffen hat?

Beratung wird deutlich effizienter und stärker durch KI unterstützt. Agentische Systeme werden im Hintergrund arbeiten, während Finanzvermittlerinnen und Finanzvermittler sich auf ihre Kund*innen konzentrieren können.

Unser Ziel ist, administrative Prozesse durch unser OVB.OS, ein zentrales KI-Betriebssystem, weitgehend zu automatisieren – damit mehr Zeit für echte Beratung bleibt. Der erste Roll-out davon ist in Deutschland erfolgt. Nun gilt es das System zügig anhand unserer Roadmap weiter auszubauen, um kundenzentrierte Mehrwerte zu steigern. Daran wird sich der Erfolg messen lassen: bessere Beratung, mehr Zeit für die Kundschaft und eine insgesamt höhere Zufriedenheit auf beiden Seiten.

Lesen Sie auch:
„Die DKM ist der Kompass im Umbruch des Maklermarkts“

Interessieren Sie sich für weitere Hintergrundartikel aus der Branche? Dann abonnieren Sie das monatliche Fachmagazin AssCompact – kostenfrei für Versicherungs- und Finanzmakler.

 

Inveda mit Anbindung der Plattform DIPAY

Inveda.net baut ihr digitales Ökosystem mit der Anbindung der Plattform DIPAY weiter aus. Über den Dienst INEX können Anwender des Inveda Makler Assistenten IMA die Plattform nutzen, die Vermittler bei der Verwaltung von Servicevereinbarungen, Honoraren und wiederkehrenden Vergütungen unterstützt.

Mit der Anbindung der Plattform DIPAY erweitert die Inveda.net GmbH ihr digitales Makler-Ökosystem. Über den Integrationsdienst INEX steht die Lösung ab sofort auch Anwendern des Inveda Makler Assistenten (IMA) zur Verfügung. DIPAY unterstützt Versicherungsmakler und Finanzdienstleister bei der digitalen Abwicklung von Servicevereinbarungen, Honorarmodellen und wiederkehrenden Vergütungen. Vertrags-, Rechnungs- und Zahlungsprozesse werden dabei zentral gesteuert und weitgehend automatisiert. Mit der Einbettung über INEX können Makler künftig direkt aus ihrer Arbeitsumgebung auf die Funktionen von DIPAY zugreifen. Zusätzliche Anmeldungen oder Medienbrüche werden verringert, während die Verwaltung von Servicevereinbarungen und Honorarabrechnungen nahtlos in bestehende Prozesse eingebunden wird.

„Die Integration verdeutlicht einen strukturellen Wandel im Vermittlermarkt. Während klassische Provisionsmodelle unter regulatorischem und wirtschaftlichem Druck stehen, gewinnen Servicevereinbarungen und laufende Vergütungsmodelle zunehmend an Bedeutung. Für Makler wird damit nicht nur die Beratungsleistung selbst, sondern auch die effiziente digitale Verwaltung dieser Modelle zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor“, betont Dirk Pappelbaum, CEO der Inveda.net GmbH. (tik)

Weitere News rund um neue Services und digitale Lösungen lesen Sie auch in der Rubrik „Management & Vertrieb“.