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„Durchdachtes Versorgungskonzept ist strategische Investition“

Xempus setzt darauf, betriebliche Vorsorge für alle Beteiligten zu vereinfachen. Im Interview im Rahmen der DKM 2025 erklären Martin Bockelmann und Malte Dummel, Co-CEOs von Xempus, welche Rolle digitalen Lösungen zukommt, um die bAV weiter zu verbreiten – und warum die DKM Impulsgeber ist.

Interview mit Martin Bockelmann, Gründer und Co-CEO der Xempus AG, und Malte Dummel, Co-CEO der Xempus AG
Herr Bockelmann, Xempus begleitet die DKM schon seit etlichen Jahren. Was zeichnet die Messe Ihrer Ansicht nach aus?

Martin Bockelmann: Die DKM ist für uns ein zentraler Treffpunkt der Branche. Sie bringt Menschen zusammen, die Vorsorge gestalten – Vermittlerinnen und Vermittler, Produktanbieter sowie Technologiepartner. Der persönliche Austausch ist wertvoll, weil er zeigt, was die Branche bewegt. Für uns ist die DKM ein Impulsgeber: Wir nehmen konkrete Rückmeldungen mit, die direkt in die Weiterentwicklung unserer Lösungen einfließen.

Herr Dummel, wie erleben Sie den persönlichen Austausch mit den Fachbesuchern? Und welche Impulse erhalten Sie darauf für Ihr Angebot und Ihre Services?

Malte Dummel: Der Dialog auf Augenhöhe ist für uns entscheidend. Vermittlerinnen und Vermittler berichten uns, wie sie mit dem XEMPUS advisor beraten und wo sie sich noch mehr Unterstützung wünschen. Diese Gespräche helfen uns, unsere Lösungen noch besser auf die Praxis abzustimmen – verständlich, effizient und skalierbar.

In den vergangenen „DKM-Jahren“ hat sich bei Xempus viel getan. Was waren im Rückblick besondere Meilensteine?

Martin Bockelmann: In den vergangenen Jahren haben wir die ganzheitliche Beratung der betrieblichen Vorsorge konsequent weiterentwickelt. Vermittlerinnen und Vermittler beraten heute mit dem XEMPUS advisor die betriebliche Altersversorgung, die betriebliche Krankenversicherung und die betriebliche Arbeitskraftabsicherung – verständlich, digital und in einem Prozess. Mit dem Budget-Berater lässt sich gemeinsam mit dem Arbeitgeber ein Versorgungskonzept entwickeln, das alle Bausteine berücksichtigt. Damit alle Beteiligten den vollen Mehrwert erhalten, sollte der gesamte Prozess einfach, effizient und digital ablaufen – von der Bedarfsermittlung über den Abschluss bis zur Verwaltung. Daran arbeiten wir.

Wie sehen Sie das Unternehmen heute aufgestellt und wo liegen die Schwerpunkte?

Malte Dummel: Xempus ist heute breit aufgestellt. Vermittlerinnen und Vermittler nutzen unsere Lösungen, um betriebliche Versorgungskonzepte verständlich und effizient umzusetzen – von der Bedarfsermittlung über die Beratung bis zur Verwaltung. Arbeitgeber profitieren von klaren Prozessen und einfacher Administration. Und Versicherer von automatisierten Prozessen. Der Fokus liegt auf der weiteren Automatisierung. KI-gestützte Datenintegration, zentrale Schnittstellen und vernetzte Systeme schaffen die Grundlage für skalierbare Beratung und digitale Verwaltung. So wird Vorsorge für alle Beteiligten einfacher – und zukunftssicher.

Auch wenn die Bedeutung der bAV immer wieder betont wird, stagniert die weitere Verbreitung in den vergangenen Jahren, vor allem bei kleinen Unternehmen. Worin bestehen nach wie vor die größten Hürden?

Martin Bockelmann: Viele kleine Unternehmen scheuen den Aufwand und die Komplexität. Genau hier setzen wir an: Mit digitalen Lösungen, die einfach zu nutzen sind und die Verwaltung erleichtern. Wenn die bAV verständlich erklärt und unkompliziert umgesetzt wird, steigt die Bereitschaft zur Einführung deutlich.

Mit dem Zweiten Betriebsrentenstärkungsgesetz soll die bAV ausgebaut und breiter etabliert werden. Fachleute sehen Licht und Schatten. Welche Aspekte sind aus Ihrer Sicht zu begrüßen, wo gehen die vorgesehenen Maßnahmen nicht weit genug?

Martin Bockelmann: Es ist positiv, dass die Politik die betriebliche Altersversorgung weiter stärken will. Die gesetzlichen Vorgaben zu Opting-out und die verbesserte Geringverdienerförderung sind wichtige Schritte. Gleichzeitig braucht es mehr Wahlfreiheit und Flexibilität als bisherige Lösungen, damit die bAV bei Arbeitgebern und Mitarbeitenden an Akzeptanz gewinnt.

In den vergangenen Jahren sind die betriebliche Krankenversicherung (bKV) und die betriebliche Arbeitskraftabsicherung (bAKS) zunehmend in den Fokus gerückt. Wie beurteilen Sie hier die Entwicklungen?

Martin Bockelmann: Arbeitgeber erkennen zunehmend, wie wichtig es ist, betriebliche Vorsorge ganzheitlich zu denken. Die Kombination aus bAV, bKV und bAKS hilft, Versorgungslücken zu schließen und die Belegschaft langfristig zu binden. Entscheidend ist, die Vorteile zu verstehen und zu wissen, wie sich Vorsorge einfach und kostengünstig finanzieren lässt.

Ein gut gestaltetes Versorgungskonzept ist eine strategische Investition. Es hilft, Kosten durch Vakanzen, Krankheitstage oder Kündigungen zu reduzieren. Je besser die Bausteine ineinandergreifen, desto stärker wirkt Vorsorge als Wettbewerbsvorteil. Digitale Lösungen helfen in der Beratung, die Vorteile aufzuzeigen und mit dem Arbeitgeber ein ganzheitliches Versorgungskonzept zu erstellen und das notwendige Budget dafür zu verteilen.

Digitale Prozesse spielen in der Vorsorgeberatung eine immer größere Rolle und sollen sie einfacher und transparenter machen. Sehen Sie die Branche hier ein gutes Stück vorangekommen?

Malte Dummel: Ja, definitiv. Die Digitalisierung hat die Beratung verändert – sie ist heute schneller, verständlicher und effizienter. Aber es bleibt noch viel zu tun. Wir als Branche müssen weiter daran arbeiten, Prozesse zu vereinfachen und Medienbrüche zu vermeiden. Wir leisten gerne unseren Beitrag dazu.

Welchen Stellenwert hat die Beratung angesichts der zunehmenden Digitalisierung?

Malte Dummel: Beratung bleibt zentral. Digitale Tools unterstützen, aber sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch. Vermittlerinnen und Vermittler sind entscheidend, wenn es darum geht, komplexe Themen verständlich zu machen und Vertrauen aufzubauen. Unsere Lösungen stärken sie in dieser Rolle.

Übernimmt diese Aufgabe vielleicht schon bald die KI?

Malte Dummel: Künstliche Intelligenz wird die heute etablierten Abläufe maßgeblich verändern – beispielsweise bei der Analyse von Daten oder der Vorbereitung von Gesprächsinhalten. Dennoch bleibt Vorsorge für viele ein Vertrauensthema und somit die persönliche Beratung unverzichtbar. In Kombination mit KI wird sie auf ein neues Level gehoben.

 

Digital Insurance Podcast: IT, Regulatorik und Innovation

Im neuen Digital Insurance Podcast begrüßt Jonas Piela Dr. Gerrit Böhm, Vorstandsvorsitzender der VOLKSWOHL BUND Versicherungen. Im Gespräch geht es um die Herausforderungen der Versicherungsbranche mit Blick auf IT-Modernisierung, Regulatorik und Innovation.

In der aktuellen Episode des Digital Insurance Podcast spricht Moderator Jonas Piela mit Dr. Gerrit Böhm, Vorstandsvorsitzender der VOLKSWOHL BUND Versicherungen, über die enormen Herausforderungen der Digitalisierung in der Assekuranz. Böhm zeichnet ein Bild einer Branche, die zwischen zwingend notwendiger IT-Modernisierung, erdrückender Regulatorik und dem eigentlichen Ziel – innovativer Marktbearbeitung – gefangen ist.

IT-Modernisierung im Hintergrund, Innovation im Vordergrund

Böhm beschreibt die immense Aufgabe der IT-Modernisierung als ein Projekt, das möglichst unbemerkt von den Kunden und dem Markt ablaufen soll. Der Fokus liegt klar auf der Verbesserung von Kundenservice, Prozessen und dem Maklerservice. Die Herausforderung besteht darin, parallel zu umfangreichen Modernisierungsprojekten neue Services und Produkte zu entwickeln und zu launchen – ein Balanceakt, der ständiges Priorisieren und Ringen um Ressourcen erfordert. Das bloße Hinzufügen von Personal löst die Probleme nicht, denn der Engpass liegt oft im Fachwissen und der notwendigen Expertise, um komplexe, historisch gewachsene Systemlandschaften zu entflechten und zu modernisieren.

Regulatorik: Den Sweet Spot finden

Die zunehmende Regulatorik wird von Böhm als notwendig, aber nicht immer optimal ausbalanciert angesehen. Er sieht die Schwierigkeit darin, den Sweet Spot zwischen sinnvoller Regulierung und überbordenden Vorschriften zu finden. Die Proportionalität der Regulierung – das heißt, die Berücksichtigung unterschiedlicher Risikoprofile und Unternehmensgrößen – wird als gut gemeint, aber in der Praxis schwierig umzusetzen beschrieben. Böhm diskutiert die Herausforderung, die verschiedenen Risikotypen (Kapitalanlage, Versicherungsgeschäft, IT) im Rahmen der Proportionalität richtig zu bewerten.

Die kontinuierliche Herausforderung der IT-Modernisierung

Böhm teilt die Einschätzung, dass die Versicherungsbranche in einer intensiven Phase der IT-Modernisierung steckt, die durch einen Investitionsstau der letzten Jahre bedingt ist. Er geht davon aus, dass diese Phase nicht mit einem endgültigen Abschluss endet, sondern in einen Zustand kontinuierlicher Modernisierung übergeht. Dabei warnt Böhm davor, sich auf die vermeintliche Wartungsarmut von veralteten Systemen zu verlassen, da moderne, vielschichtige Systeme zwar mehr Flexibilität bieten, aber auch einen deutlich höheren Wartungsaufwand mit sich bringen. Der Umstieg in die Cloud wird als vielschichtige Angelegenheit betrachtet, die nicht automatisch zu Kostensenkungen führt, sondern neue Kostenstrukturen mit sich bringt.

Innovation und Regulatorik: Ein gemeinsamer Weg

Schließlich thematisiert Böhm die Herausforderungen bei der Integration von Innovation und Regulatorik. Er betont die Wichtigkeit, dass die regulatorischen Prozesse wie etwa im Kontext von KI und Datenschutz effizient in die Unternehmensabläufe integriert werden. Dabei plädiert er für ein schlankes, dienstleistungsorientiertes Modell, in dem Compliance-Experten nicht nur als Kontrolleure, sondern als Berater fungieren.

Hier geht es zur aktuellen Folge:

Über den Podcast

Seit April 2020 veröffentlicht Jonas Piela regelmäßig Gespräche zur digitalen Transformation mit Vorständen und Managern der Versicherungswirtschaft. Sein Ziel ist, dass seine Zuhörer einem lockeren Gespräch unter Gleichgesinnten lauschen und so Ideen und Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter https://pielaco.com/podcast.

Weitere Podcasts
 

blau direkt mit neuem KI-Assistenten für MVP AMEISE

blau direkt hat eine KI-gestützte Sprach- und Chatsteuerung für sein Maklerverwaltungsprogramm AMEISE vorgestellt. Damit lassen sich Kunden- und Vertragsdaten auslesen, filtern und intelligent verarbeiten. Der KI-Assistent kann Zielgruppen gezielt selektieren und Kundenattribute analysieren.

Auf der diesjährigen DKM hat der Technologieanbieter blau direkt einen KI-Assistenten für sein Maklerverwaltungsprogramm AMEISE präsentiert. Via Sprachsteuerung oder Chat lassen sich Vertragsdetails abrufen, Kunden anlegen oder Berichte erstellen. Prozesse, die bisher viele einzelne Arbeitsschritte erforderten, lassen sich nun dem Unternehmen zufolge mit einem einzigen Prompt erledigen. Als Beispiel nennt blau direkt folgenden Satz: „Hey AMEISE, zeig mir alle Kunden in Dortmund, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben.“

Zielgruppen selektieren

Mit der KI-gestützten Sprach- und Chatsteuerung könnten sich Makler völlig neue Potenziale für die Qualität und Geschwindigkeit ihrer Beratung erschließen, heißt es von blau direkt weiter. So könnten Kundenanfragen in Sekunden beantwortet oder bei Bedarf automatisiert werden. Mit dem KI-Assistenten lassen sich Zielgruppen gezielt selektieren, Kundenattribute analysieren und Vertriebschancen direkt identifizieren. Die Antworten gibt es in Echtzeit im laufenden Dialog.

Daten auslesen, filtern und verarbeiten

Der KI-Assistent greift auf alle Kunden- und Vertragsdaten innerhalb der AMEISE zu und kann diese auslesen, filtern und intelligent verarbeiten. Die KI-gestützte Sprach- und Chatsteuerung beantwortet Fragen zu Verträgen, Leistungen oder Laufzeiten ebenso wie Suchanfragen. Zugleich verfügt das Tool über schreibende Funktionen: Makler können per Sprachbefehl oder Chat beispielsweise neue Kunden anlegen, Kontaktdaten aktualisieren, Einträge in der Kontakthistorie vornehmen oder Tags vergeben.

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DEMV und Fonds Finanz launchen KI-Maklerverwaltungsagenten

Der Deutsche Maklerverbund und Fonds Finanz haben „Professional Works X“ gelauncht. Dabei handelt es sich um KI-gesteuerten Maklerverwaltungsagenten, das mithilfe von Sprach- oder Texteingabe Aufgaben eigenständig ausführt.

Vom Deutschen Maklerverbund (DEMV) und der Fonds Finanz gibt es ein neues digitales Hilfsmittel. Es nennt sich „Professional Works X“ oder kurz „PWX“. Es soll, im Gegensatz zu klassischen Maklerverwaltungsprogrammen (MVP), die als digitale Hilfsmittel dienen, als KI-basiertes Agentensystem Aufgaben eigenständig ausführen, gesteuert durch Sprach- oder Texteingabe.

Die KI des Maklerverwaltungsagenten (MVA) interpretiere Anweiseungen, erkenne Zusammenhänge und setze Aufgaben direkt im System um, so die Unternehmen in ihrer Mitteilung zum Produkt.

Integration in Professional Works

Der MVA ist in das MVP Professional Works integriert und übernimmt bereits Aufgaben wie das Anlegen und Bearbeiten von Kunden oder Vorgängen sowie das Beantworten komplexer Fragen zu Dokumenteninhalten im Dialog. PWX steht seit dem 29.10.2025 allen Nutzerinnen und Nutzern von Professional Works und somit allen Vermittlerinnen und Vermittlern der Fonds Finanz und des Deutschen Maklerverbunds kostenfrei zur Verfügung. (mki)

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Digital Insurance Podcast: Transformation der LKH

Im neuen Digital Insurance Podcast begrüßt Jonas Piela Jan-Peter Diercks, Vorstand für Vertrieb und Marketing, sowie Pavel Berkovitch, Vorstand für Digitalisierung und Produktmanagement der LKH. Es geht um die Neuausrichtung des Vertriebs und die Frage, was einen PKV-Tarif „State of the Art“ macht.

In dieser neuen Episode des Digital Insurance Podcast spricht Moderator Jonas Piela mit zwei führenden Köpfe der Landeskrankenhilfe (LKH): Jan-Peter Diercks, Vorstand für Vertrieb und Marketing, sowie Pavel Berkovitch, Vorstand für Digitalisierung und Produktmanagement. Im Gespräch beleuchten sie die tiefgreifende Transformation des 99 Jahre alten privaten Krankenversicherers von der Abkehr vom historischen „Vertrieb von allein“ hin zu einer modernen, digital gestützten Verkaufsoffensive und dem beeindruckenden ersten Bestandswachstum seit vielen Jahren.

Die Neuausrichtung des Vertriebs und pragmatische Lösungen

Der Vertrieb der LKH wird derzeit von Grund auf neu aufgebaut. Während früher der Fokus auf einer kleinen Exklusivorganisation lag, setzt die LKH heute stark auf den freien Vermittlermarkt, insbesondere Makler und Maklerpools, sowie Kooperationen. Die Herausforderungen der Branche wie etwa die erhöhte Komplexität durch Regulierung machen eine moderne IT-Unterstützung unerlässlich. Trotz ambitionierter Ziele nutzt die LKH derzeit noch ein Excel-basiertes „CRM“. Diercks erklärt dies pragmatisch: „Es ist die dynamischste und schnellste Lösung, wenn man im Aufbau ist.“ Das Ziel ist es, Vermittlern nicht nur Produkte, sondern auch Ideen für mehr Erfolg und eine bessere Kundenberatung an die Hand zu geben. Der Slogan „unerwartet anders zurück“ soll diese neue Herangehensweise unterstreichen und die LKH als verlässlichen Partner mit modernster Ausrichtung positionieren.

Produktinnovation und Digitalisierung als Erfolgsfaktoren

Pavel Berkovitch betont die Rolle der Technologie bei der Anpassung an das veränderte Kundenverhalten. Heutzutage informieren sich Kunden digital und erwarten digitale Services, vom Beratungsgespräch bis zum Abschluss. Die LKH hat darauf reagiert, indem sie ihre Produkte „State of the Art“ neu entwickelt hat. Kein Produkt ist älter als 18 Monate. Als Beispiel nennt Berkovitch die Integration von Telemedizin im Hochleistungs-Premiumtarif. „Das Produkt ist nur ein Glied in der Kette“, so Berkovitch. Der ganzheitliche Ansatz, der leistungsstarke Produkte mit digitalem Service, Erreichbarkeit und Finanzstärke verbindet, ist entscheidend.

Historischer Erfolg und Zukunftsperspektiven

Ein herausragendes Ergebnis dieser umfassenden Transformation ist das erstmalige Wachstum des Gesamtbestands der LKH im Jahr 2024 nach vielen Jahren des Rückgangs. Dieses „Uhrwerk,“ so Diercks, aus neuen Produkten, einer modernen IT-Infrastruktur und hochmotivierten Mitarbeitenden habe diesen Erfolg ermöglicht. Die LKH als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, dessen Eigentümer die Kunden sind, ist auf eine nachhaltige und ethisch korrekte Geschäftstätigkeit ausgelegt. Das Unternehmen plant eine massive personelle Aufstockung in den kommenden 24 Monaten, um die Transformation weiter voranzutreiben und als „silbernes Auto auf der Überholspur“ wahrgenommen zu werden, wie Diercks es bildlich beschreibt. Berkovitch ergänzt, dass dies erst der Anfang sei und die LKH gemeinsam „weiter Gas geben“ werde.

Hier geht es zur aktuellen Folge:

Über den Podcast

Seit April 2020 veröffentlicht Jonas Piela regelmäßig Gespräche zur digitalen Transformation mit Vorständen und Managern der Versicherungswirtschaft. Sein Ziel ist, dass seine Zuhörer einem lockeren Gespräch unter Gleichgesinnten lauschen und so Ideen und Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter https://pielaco.com/podcast.

Weitere Podcasts
 

„Wir wollen führender Digitalversicherer im Maklermarkt werden“

Adam Riese positioniert sich als kompetenter Digitalversicherer im Maklermarkt. Damit liegt das Augenmerk besonders auf kompetitiven digitalen Prozessen. Welche Abläufe werden aktuell optimiert? Und mit welchen neuen Produkten will Adam Riese im Vertriebsweg Makler punkten?

Interview mit Julian Grauer und Sven Tippelt, Geschäftsführer der Adam Riese GmbH
Herr Grauer, seit 2017 positioniert sich Adam Riese als Digitalmarke der W&W-Gruppe. Wie gelingt der Spagat zwischen Start-up-Mentalität und Konzernstruktur?

Julian Grauer Obwohl wir mit über 400.000 Kundinnen und Kunden kein Start-up mehr sind, behalten wir die Flexibilität eines jungen Unternehmens bei. Das funktioniert, indem wir auf eigene Strukturen setzen, beispielsweise mit einer unabhängigen IT. Damit bleiben wir agil und können Projekte schnell umsetzen.

Gleichzeitig sehen wir die Zugehörigkeit zum Mutterkonzern als großen Vorteil: Er gewährleistet uns Stabilität im Markt und Zugriff auf die Erfahrung von langjährigen Profis bei der Württembergische Versicherung.

Welche Rolle spielt die Württembergische als Risikoträger für die Positionierung und das Wachstum von Adam Riese?

JG Als 100%-ige Tochter der Württembergische Versicherung haben wir den Luxus, ertragreich wachsen zu dürfen und einem langfristigen Plan zu folgen – ohne Beteiligung eines Private-Equity-Investors. Bei unserer Planung stehen wir in engem Austausch mit dem Konzern, treffen aber stets eigenständige Entscheidungen. 2022 wurde so die gemeinsame Strategie entwickelt, Adam Riese zur Maklermarke im Privatkundenbereich Komposit zu machen. Für uns eröffnet sich dadurch ein weiterer Wachstumsmarkt und konzernweit verfestigt sich eine klare Strategie dazu, wer welche Märkte bearbeitet.

Herr Tippelt, digitale Prozesse gelten als zentraler Bestandteil Ihres Geschäftsmodells. Welche konkreten Abläufe wurden zuletzt automatisiert oder beschleunigt?

Sven Tippelt Im Vorfeld überlegen wir uns stets, wo wir einen Mehrwert für Prozessbeteiligte schaffen können und welche Effizienzvorteile sich ergeben. Unser Ziel ist, Abläufe mit einer hohen Geschwindigkeit zu ermöglichen – sowohl intern als auch für Kundschaft und Vertriebspartner. Besonderen Fokus legen wir deshalb auf einstufige Prozesse, die durch einen einzigen Kontakt fallabschließend erledigt werden können und somit eine sofortige Umsetzung und Bestätigung ermöglichen. Zuletzt haben wir für Endkundinnen und -kunden die Möglichkeit geschaffen, Vertragsänderungen automatisiert in unserem Kundenportal durchzuführen. Ein weiterer Ablauf, der bei uns größtenteils automatisiert wurde, ist die klassische Bestandsübertragung via Maklermandatswechsel.

Inwiefern spielt dabei auch die Integration sogenannter Sofortpolicen eine Rolle?

ST Bei der Sofortpolice steht ebenfalls wieder der einstufige Prozess im Vordergrund: Im Antragsprozess wird der Antrag sofort policiert und innerhalb weniger Sekunden erscheint die Police im Vergleichsrechner. Maklerinnen und Makler sehen sofort, ob der Antrag erfolgreich war, alle Informationen vollständig sind und die Kundin oder der Kunde den gewünschten Versicherungsschutz genießt. Bisher ist die Umsetzung mit zwei Anbietern erfolgt: Mr-Money und Smart InsurTech – mit positiver Resonanz. Ein Ausbau auf weitere Vergleichsrechner ist bei uns in Planung.

Der Maklervertrieb wird von Adam Riese als strategisches Wachstumsfeld genannt. Welche Maßnahmen laufen aktuell zum Ausbau dieses Kanals?

JG Wir wollen der führende Digitalversicherer im Maklermarkt werden. Wichtig ist uns deshalb, die bestehende Zusammenarbeit mit Maklerinnen und Maklern zu intensivieren und neue Vertriebspartner von uns zu überzeugen. Dabei setzen wir auf Prozesse, die wir konkret auf Maklerinnen und Makler ausrichten und mit denen wir einen Mehrwert im Arbeitsalltag bieten. Außerdem richten wir unsere Produktlandschaft weiter auf den Maklermarkt aus. Dafür entwickeln wir eigene Produkte, die sich in Preis und Leistung von unseren Tarifen im Direktkanal und auf Vergleichsplattformen unterscheiden.

Digitale Prozesse sollen den Alltag von Maklern in der Zusammenarbeit mit Versicherern erleichtern. Inwiefern tragen die Prozesse in Ihrem Haus dazu bei, den Aufwand etwa für Dokumentations- und Berichtspflichten im Maklerbetrieb zu reduzieren?

ST Hier ist vor allem zu erwähnen, dass wir überdurchschnittlich viele BiPRO-Normen erfüllen, die detaillierte Informationen in den Metadaten enthalten. Aufgrund dieser Daten sind Maklerinnen und Makler in der Lage, sich über das Maklerverwaltungsprogramm notwendige Aktionen ableiten zu lassen. Ein Beispiel hierfür wäre ein Inkassostörfall, der wegen eines nicht gedeckten oder nicht existenten Kontos auftritt.

Und was unterscheidet die digitale Schadenmeldung bei Adam Riese technisch und prozessual von klassischen Verfahren am Markt?

JG Die digitale Schadenmeldung ist bei uns über den Login im Kundenportal sowie über die Eingabe einer Versicherungsnummer möglich. Somit können sowohl Endkundinnen und -kunden als auch Maklerinnen und Makler zeit- und ortsunabhängig einen Schaden melden. Jeder wird dabei Schritt für Schritt von uns durch den Prozess geführt, sodass alle relevanten Informationen vorliegen und der Schaden automatisiert angelegt wird. Die Schadennummer wird automatisch vergeben und mitgeteilt. Im Optimalfall kann ein Schaden somit von uns innerhalb weniger Tage reguliert werden.

Produktentwicklung ist entscheidend für den Markt­erfolg. Was waren die wichtigsten Anpassungen bei der neuen privaten Haftpflichtversicherung für Makler – und wie wurde das Angebot angenommen?

JG Schwerpunkt bei der Produktgestaltung waren sich verändernde Lebensumstände: Abgesichert sind beispielsweise Verletzungen von Daten­schutzbestimmungen im Home­office oder die Übernahme der Selbstbeteiligung der Vollkaskover- sicherung bei Mietwagen. In der umfan­greichsten Tariflinie erstatten wir entstandene Reparaturkosten, die über die gesetzliche Haftpflicht hinausgehen. Damit fördern wir Reparaturen gegenüber einem Neukauf.

Neu sind außerdem zwei optional abschließbare Bausteine: Mit dem Plus-Baustein können Kundinnen und Kunden ihren Versicherungsschutz erweitern, sodass beispielsweise eine Mitversicherung bei der Nutzung von E-Scootern enthalten ist. Den Baustein für eine Diensthaftpflicht können wiederum Personen wählen, die verbeamtet oder im öffentlichen Dienst angestellt sind und die Risiken ihrer beruflichen Tätigkeit optimal absichern möchten. Die neue Diensthaftpflicht beinhaltet unter anderem den Verlust von Dienstschlüsseln oder das Abhandenkommen von staatlichem Eigentum. Wir freuen uns, dass unsere Anpassungen bisher mit positivem Feedback angenommen wurden.

Ab Ende 2025 wird auch die Hundehalterhaftpflicht in einer eigenen Maklervariante angeboten. Welche Leistungsmerkmale sind neu?

ST Die Maklervariante der Hundehalterhaftpflicht wird in zwei Tarif­linien verfügbar sein. Die umfangreichste Tariflinie Riesig beinhaltet unter anderem die Versicherung von Schäden an gemieteten Tiertransportanhängern, die Übernahme von Tierarztkosten, falls die Verletzung durch ein fremdes Tier erfolgt, und eine Neuwertentschädigung für durch den Hund beschädigte Gegenstände bis jeweils 10.000 Euro.

Ein neuer Plus-Baustein steht ebenfalls zur Auswahl. Außerdem fördert der Tarif Riesig der Hundehalterhaftpflicht zukünftig ebenfalls Reparaturen statt Neukauf. Auf diese Weise können wir ein nachhaltiges und zeitgemäßes Produkt anbieten.

Mehr Assekuranz-News lesen Sie in der Rubrik „Assekuranz“.
 
Ein Interview mit
Julian Grauer
Sven Tippelt

Snoopr: Autonome KI „AVA“ sucht und vergleicht Produkte

In der neuen Version der Produktplattform für Versicherungen Snoopr ist eine autonome KI-Assistentin integriert. „AVA“ sucht und vergleicht selbstständig Produkte, recherchiert Preise, fordert bei Bedarf Angebote an und kommuniziert direkt mit Kunden, Maklern und Versicherern.

Auf der Produktplattform für Versicherungen Snoopr vereinfacht künftig eine digitale Versicherungsassistentin die Produktsuche und den Austausch im Markt. Die KI namens „AVA“ übernimmt autonom den gesamten Rechercheprozess auf Grundlage von Snoopr: Sie sucht, filtert und vergleicht Produkte, recherchiert Preise, beantwortet allgemeine und produktspezifische Fragen und fordert bei Bedarf eigenständig Angebote an. Zudem kommuniziert die KI direkt mit Kunden, Maklern und Versicherern – automatisiert, kontextbezogen und lernfähig.

Wie die A-va GmbH mitteilt, die Snoopr betreibt, lassen sich auf der Plattform inzwischen Produkte von nahezu allen Versicherern in Deutschland finden, darunter über 20 Gesellschaften mit speziell für KI optimierten Produkten. Insgesamt decke Snoopr mittlerweile mehr als 100 private und gewerbliche Sparten ab. Zudem kann die KI-Suchmaschine Produkte außerhalb der eigenen Datenbank finden, einordnen und analysieren.

Neue Schnittstelle

Für die digitale Vernetzung mit Versicherern und die Gewinnung von KI-Trainingsdaten über BiPRO-Schnittstellen nutzt Snoopr die Vernetzungsplattform b-OX LD der b-tix GmbH. Hierzu hat das Unternehmen aus Düsseldorf den „MCP AgentLink“ entwickelt, laut b-tix eine der modernsten Schnittstellen der Branche, vergleichbar mit einem USB-C-Standard für KI. Somit ist es möglich, dass KI-Agenten künftig ohne aufwendige Schnittstellen direkt mit Makler- und Versicherersystemen interagieren. (tik)

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So verändert KI die Online-Suche

Löst die KI-Suche bald das klassische Googeln ab? Eine aktuelle Studie der Marktforscher von Nordlight Research nimmt das Online-Sucherverhalten von Verbrauchern unter die Lupe. Wie sich zeigt, setzen einige Zielgruppen für die Suche nach Produkten und Services bereits jetzt verstärkt auf KI-Tools.

Mit der Nutzung von KI-Tools wie ChatGPT, Gemini & Co. kommt es zu einem grundlegenden Wandel des Online-Suchverhaltens von Verbrauchern. Das herkömmliche „Googeln“ bleibt zwar mit 73% das Suchmedium Nr. 1, doch vor allem junge und innovationsfreudige Zielgruppen bevorzugen schon jetzt KI-Tools für die Online-Suche. So präferieren 30% der 18- bis 29-Jährigen künstliche Intelligenz für ihre Informationsrecherche. In Zukunft will jeder zweite Nutzer von KI-Tools diese auch gezielt für die Suche nach kaufrelevanten Informationen einsetzen. Dies zeigt der aktuelle „Trendmonitor Deutschland“ des Marktforschungsinstituts Nordlight Research. Für die Studie wurden über 1.500 Bundesbürger zwischen 18 und 75 Jahren befragt, die im Alltag Suchmaschinen, KI-Tools oder soziale Medien verwenden und in den Konsumbereichen Internet/Mobilfunk, Versicherungen, Finanzen oder Energieversorgung als Verbraucher mitentscheiden.

Google (noch) vor ChatGPT Search und Co.

Die bekannteste Suchmaschine bleibt vorerst weiter Google (97%) mit deutlichem Vorsprung zur Konkurrenz wie Yahoo! (69%), Bing (65%), DuckDuckGo (31%) und weiteren. Auch „ChatGPT Search“ kommt mit 38% nicht an die Bekanntheit von Google heran, wobei es bei den 18- bis 29-Jährigen immerhin 58% sind. Die generelle Bekanntheit des KI-Tools ChatGPT (jenseits spezieller Suchfunktionen) liegt aber bereits bei 79%. Zum Vergleich: Die Bekanntheit von Gemini beträgt 53%.

Google als täglicher Begleiter

Laut Studie nutzen 85% der befragten Bundesbürger die Google-Suchmaschine jeden Tag oder zumindest mehrmals in der Woche für private Suchanfragen. Auf Rang 2 folgt bereits ChatGPT Search, wenn auch nur mit 18%. An anderen klassischen Suchmaschinen wie Bing, DuckDuckGo oder Yahoo! (häufige Nutzung zwischen 6 bis 9%) ist „ChatGPT Search“ bereits vorbeigezogen. In der Zielgruppe der 18- bis 29-Jährigen kommt ChatGPT Search bereits auf einen Anteil der Häufignutzer von 41% (Google: 85%).

Soziale Medien bei Suche von geringer Relevanz

92% der erwachsenen Bundesbürger nutzen soziale Netzwerke, 78% davon täglich oder mehrmals pro Woche – vor allem Instagram und Facebook. Ihre Bedeutung als Suchmedium ist jedoch gering: Lediglich 8% der befragten Nutzer setzen auf soziale Medien statt auf klassische Suchmaschinen oder neuen KI-Tools.

Google oder KI-Tools bei Suche nach Produkten und Dienstleistungen?

Rund drei Viertel der Verbraucher geben bei der Online-Suche nach Produkten und Dienstleistungen weiterhin dem klassischen „Googeln“ den Vorzug. 14% nutzen hierfür dagegen bereits neue KI-Tools. Laut Nordlight Research präferieren aber verschiedene Zielgruppen bereits jetzt KI-Tools für die Suche nach Produkten und Dienstleistungen überdurchschnittlich stark. Dazu gehören etwa innovationsfreudige „Early Adopter“ (29%), die junge Zielgruppe zwischen 18 und 29 Jahren (27%) sowie auch Besserverdienende mit Haushaltsnettoeinkommen von über 4.000 Euro (19%). Männer (16%) zeigen sich vergleichsweise KI-affiner als Frauen (12%).

Insgesamt erachten 61% der Google-Nutzer die klassische Suchmaschine als besonders gut geeignet, nähere Informationen zu Produkten oder Dienstleistungen zu erhalten. Die Nutzer von ChatGPT Search sind zu 39% dieser Meinung.

Online-Suche differenziert sich aus

„Anbieter müssen sich strategisch darauf einstellen, dass die Online-Suche der Verbraucher zunehmend nach neuen Spielregeln funktioniert und sich ausdifferenziert“, erklärt Dr. Torsten Melles, Geschäftsführer beim Marktforschungsinstitut Nordlight Research. „Idealerweise sollte dies mit einem veränderungssensiblen Blick auf einzelne Suchmedien, Zielgruppen und spartenbezogene Informationsfelder erfolgen – nicht durch hype-getriebenen Aktionismus.“

Kündigungs- und Wechselberatung zu Versicherungen via KI?

Weiter zeigt der Trendmonitor, dass über ein Drittel der Nutzer von KI-Tools sich bereits jetzt vorstellen können, KI auch gezielt zur Beratung in Konsumbereichen wie Internet/Mobilfunk (37%), Finanzen (36%), Versicherungen (36%) oder Energieversorgung (35%) zu nutzen.

Als ansprechend betrachten die Nutzer von KI-Tools dabei zum einen generelle Beratungsanlässe wie Produktvergleiche, Bedarfsermittlungen, Portfolio-Optimierungen oder auch Kündigungs- und Wechselberatung. Zum anderen finden die Nutzer auch Beratung zu ganz konkreten Informationen zu einzelnen sektorenspezifischen Produkten wie etwa Altersvorsorgeprodukte, Kryptowährungen oder Solaranlagen und Wärmepumpen als Option. Jeweils rund 70% der KI-affinen Verbraucher zeigen daran großes Interesse.

Andererseits sind viele Verbraucher, die generell bereits KI-Tools nutzen, aber auch noch zurückhaltend bis skeptisch: Für jeden Dritten ist es aktuell noch unwahrscheinlich oder ausgeschlossen, auf KI-Tools im privaten Alltag gezielt als „Berater“ zu setzen. Rund 30% sind in dieser Frage bisher noch unentschlossen.

Künftiger Einsatz von KI-Tools im Verbraucheralltag

Mehr als die Hälfte der aktuellen Nutzer von KI-Tools will eigenen Angaben zufolge diese Helfer in Zukunft (auch) für die Suche nach Anbietern, Dienstleistern und Shops (55%) oder zum Zwecke von Preisvergleichen und Sparmöglichkeiten (51%) verwenden. Lediglich 15 bis 20% schließen dies generell aus. 42% wollen gezielt bei der Bewertung und Auswahl von Produkten auf die Hilfe von künstlicher Intelligenz setzen. Allgemein haben 44% aller erwachsenen Verbraucher vor, KI-Tools im Alltag künftig (noch) häufiger als bisher zu nutzen. Zum Vergleich: Bei Suchmaschinen sind es 21%.

Klassische Suchmaschinen werden an Relevanz einbüßen

„Klassische Suchmaschinen wie die von Google – samt aktueller Weiterentwicklungen wie KI-Übersichten oder KI-Modus – bleiben für die Informationssuche der Verbraucher auch morgen noch relevant, werden aber an Dominanz verlieren“, so das Fazit von Sarah Schulz, Studienleiterin bei Nordlight Research. „Die KI-Revolution in der Online-Suche vollzieht sich nicht mit einem einzigen großen Knall, sondern differenziert und schrittweise“, so Schulz weiter. (tik)

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KI-Nutzung besonders bei Schadenbearbeitung

Eine neue Studie beleuchtet, in welchen Bereichen künstliche Intelligenz bei Versicherern den größten Einfluss haben wird. Wie die Analyse zeigt, kommt KI bereits in großem Umfang beim Kfz-Schadenmanagement zum Einsatz. Welche Entwicklungen rund um die Technologie zu erwarten sind.

Künstliche Intelligenz (KI) hat im Versicherungswesen Einzug gehalten, wobei sich der Einsatz vor allem auf die Schadenbearbeitung konzentriert. Im Allgemeinen setzt jeder Versicherer entweder KI ein oder erforscht ihr Potenzial für die Prozessautomatisierung. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Sollers Consulting. KI verändert bereits jetzt wichtige Prozesse in der Assekuranz. Grundlegend wandeln dürfte die Technologie in den kommenden drei bis fünf Jahren auch das Underwriting. Die bereits angesprochene Schadenbearbeitung sowie Backoffice-Effizienz und verbesserte Kundenerfahrung sind die Bereiche, in denen KI laut Studie den größten Einfluss haben wird.

Schadenmanagement und Underwriting

Für Kunden wird der Einsatz von KI für schnellere Entscheidungen bei Schadenfällen und im Underwriting für eine klarere Risikokommunikation und letztendlich individuellere Preise sorgen. Für die Analyse hat die Unternehmens- und IT-Beratung Interviews mit Führungskräften von 35 Versicherern in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, der Schweiz, den nordischen Ländern, den USA und Kanada durchgeführt.

Im Detail ergaben die Interviews, dass KI bereits in großem Umfang eingesetzt wird, um das Schadenmanagement in der Kfz-Versicherung zu rationalisieren. Bis zu 64% der Versicherer haben KI in Funktionen wie der Beseitigung von Dubletten in Dokumenten verankert. Die Underwriting-Prozesse seien aber deutlich weniger automatisiert, wie der Bericht feststellt. Die Datenextraktion ist der Bereich, in dem KI am häufigsten Anwendung findet. „KI wird vor allem zur Automatisierung der Datenerfassung, der Dokumentenverarbeitung und von Teilen des Schadenbearbeitungsprozesses eingesetzt“, erklärt Piotr Kondratowicz, Business Architect bei Sollers. „In den nächsten drei Jahren werden wir jedoch eine dramatische Ausweitung auf Underwriting-Prozesse, Tarifierung und kundenorientierte Bereiche wie Produktangebote und digitale Dienstleistungen erleben“, so Kondratowicz weiter.

Mittelfristige Entwicklungen

Mittelfristig rechnen die Experten von Sollers damit, dass Versicherer für den Call-Center-Support und bei einer breiteren Palette von Prozessen auf KI setzen, die Extraktion von Daten aus unstrukturierten Dokumenten beinhalten. Hinzu kommt die die Automatisierung der Schadenprüfung, die spezialisiertere Lösungen erfordern wird, und die vollständig automatisierte Bearbeitung von Standardschäden.

Im Underwriting sieht die Studie den künftigen Fokus der KI-Nutzung auf der Unterstützung der Underwriter im gesamten Prozess, vor allem bei der automatisierten Erstellung von Versicherungsangeboten für Standardrisiken.

Unterschiede bei Vorbereitung auf den KI-Einsatz

Weiter offenbart die Studie aber auch große Unterschiede bei den Unternehmen, was die Vorbereitung auf die Nutzung von künstlicher Intelligenz angeht. Große Sprachmodelle (LLM) sind gängige Technologie. Das schnelle Tempo der KI-Innovation habe einige Versicherer dazu bewogen, generelle KI-Lösungen für alle Mitarbeiter zum Testen einzuführen. Laut der Studie müsste jedoch die Governance weiterentwickelt werden, um die Komplexität der IT-Architektur zu verringern und Synergien zwischen Projekten und Teams zu ermöglichen. Bemerkenswert sei laut Sollers, dass rund ein Viertel der befragten Unternehmen über keinerlei formelles Governance-Modell verfügt.

„Versicherer, die es versäumen, Governance-Strukturen zur Unterstützung der KI-Transformation aufzubauen, laufen Gefahr, in einem Markt, der sich schnell in Richtung KI, Automatisierung und prädiktive Entscheidungsfindung bewegt, ins Hintertreffen zu geraten“, sagt Kondratowicz. (tik)

Weitere Meldungen rund um das Thema KI und Software sowie zu neuen Tools und Services finden Sie in unserer Rubrik „Management & Vertrieb“.
 

KI im Maklerhaus: Chancen nutzen, Abhängigkeiten vermeiden

Nur eins scheint klar: KI wird auch die Maklerwelt verändern. Ausgehandelt werden müssen aber noch Fragen darüber, wie und mit wem oder in welchem rechtlichen Rahmen Vermittler KI einsetzen sollten. Als Replik auf einen Beitrag des AfW tritt nun der BVK in die Diskussion ein, der KI v. a. als Werkzeug versteht.

Ein Artikel von René Jansen, Geschäftsführer INSURACON GmbH & Co. KG, und Andreas Vollmer, Vizepräsident im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. (BVK)

Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Versicherungsbranche. Sie verspricht Effizienzgewinne, präzisere Analysen und Entlastung von Routineaufgaben. Doch ihr Wert bemisst sich nicht an technischen Möglichkeiten, sondern daran, wie sie eingesetzt wird. KI sollte die Arbeit von Vermittlern erleichtern und ihre Expertise stärken – nicht ihre Rolle infrage stellen. Nur so bleibt die persönliche Beratung, die im Kern des Maklerberufs steht, auch in einer digitalisierten Welt erhalten.

Pools als Partner – mit klaren Grenzen

Der Beitrag „Mit Pools und Verbünden die KI-Challenge meistern“ benennt zu Recht die Chancen, die Kooperationen für Makler bieten. Pools können den Einstieg in KI erleichtern, besonders für kleinere Betriebe, und technische Hürden abbauen. Gleichzeitig wirft diese Entwicklung Fragen auf, die einer differenzierten Betrachtung bedürfen.

Denn mit der Nutzung von Pool-Lösungen gehen nicht nur Vorteile einher, sondern auch strukturelle Abhängigkeiten. Je enger die Verflechtung mit einem Pool wird, desto schwieriger gestaltet sich ein späterer Wechsel: Datenmigration, Schnittstellenprobleme und unklare Eigentumsverhältnisse an Kundendaten können zu erheblichen Herausforderungen werden. Auf diese und weitere Abhängigkeiten macht der BVK seit vielen Jahren aufmerksam.

Entscheidend ist daher die Frage: Wer kontrolliert die Algorithmen, die auf Basis der Maklerdaten arbeiten? Wer profitiert von den Erkenntnissen, die aus diesen Daten gewonnen werden? Wenn KI-Systeme von Pools Cross-Selling-Empfehlungen für den Makler generieren, sollten diese auf neutralen Kriterien basieren – und nicht auf den Interessen des Pools oder einzelner Versicherer. Transparenz ist hier kein optionales Extra, sondern eine Grundvoraussetzung für vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Pools können wertvolle Partner sein. Doch diese Partnerschaft muss auf Augenhöhe gestaltet werden, mit klaren Regelungen zu Datennutzung, Algorithmen und Haftung.

Datenqualität: Die unsichtbare Grundlage

Künstliche Intelligenz ist nur so leistungsfähig wie die Daten, auf denen sie basiert. Viele Maklerbüros stehen hier vor einer grundsätzlichen Herausforderung: historisch gewachsene, oft fragmentierte Datenbestände. Dubletten, veraltete Informationen oder inkonsistente Formate führen dazu, dass KI-Systeme fehleranfällige Ergebnisse liefern – mit potenziell schweren Folgen für Beratungsqualität und Haftung.

Die Lösung kann nicht darin bestehen, diese Probleme einfach an externe Anbieter auszulagern. Vielmehr braucht es eine konsequente Datenhygiene im eigenen Haus: eine systematische Aufbereitung, Standardisierung und Pflege der Bestände. Nur so wird KI zu einem verlässlichen Werkzeug – und nicht zur Quelle neuer Risiken.

Haftung: Wer steht für KI-Entscheidungen ein?

Ein zentrales Dilemma bleibt oft unausgesprochen: Die rechtliche Verantwortung für KI-gestützte Beratung liegt beim Vermittler. Selbst wenn Pools Compliance-Unterstützung anbieten, ändert das nichts an der Haftungsfrage. Wenn eine KI fehlerhafte Empfehlungen generiert, stellt sich die Frage: Wer haftet? Der Algorithmus? Der Pool? Die Realität ist klar: der Makler.

Hier braucht es rechtlich verbindliche Regelungen, die Haftung und Transparenz klar zuweisen. Solange diese fehlen, bleibt die Nutzung externer KI-Lösungen ein kalkulierbares Risiko – aber eines, das jeder für sich abwägen muss.

Digitale Souveränität: Die eigentliche Herausforderung

Die Diskussion um KI darf sich nicht auf die Frage reduzieren, welchen externen Anbieter man wählt. Entscheidend ist, eigene Kompetenzen aufzubauen:

  • Ein grundlegendes Verständnis dafür entwickeln, was KI leisten kann – und wo ihre Grenzen liegen.
  • Die Hoheit über die eigenen Kundendaten sichern und bewusst entscheiden, wie sie genutzt werden.
  • Strategische Partnerschaften eingehen, die auf Augenhöhe funktionieren und klare Vereinbarungen zu Datennutzung und Haftung beinhalten.

KI ist kein einfaches Werkzeug, das man „einfach einsetzt“. Sie ist ein strategischer Faktor, der Geschäftsmodelle langfristig prägt. Makler, die diese Transformation aktiv gestalten, werden nicht nur überleben, sondern gestärkt aus ihr hervorgehen.

Fazit: Eigenverantwortung als Schlüssel

Künstliche Intelligenz wird die Versicherungsvermittlung verändern. Ihr Nutzen hängt davon ab, wie wir sie einsetzen. Externe Lösungen wie Pools können den Einstieg erleichtern. Doch wer sich unreflektiert in Abhängigkeiten begibt, riskiert langfristig seine unternehmerische Freiheit.

Die europäische Regulierung setzt wichtige Rahmenbedingungen. Doch Verantwortung und Kompetenz bleiben bei den Maklern selbst. Wer heute in Datenqualität, KI-Verständnis und digitale Infrastruktur investiert, sichert sich morgen einen echten Wettbewerbsvorteil.

Die Zukunft gehört nicht denen, die ihre Daten teilen, sondern denen, die sie strategisch nutzen – zum Wohl ihrer Kunden und ihres eigenen Unternehmens.

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