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Zukunft im Kompositgeschäft: Drei Optionen für Versicherer
21. Mai 2019

Zukunft im Kompositgeschäft: Drei Optionen für Versicherer

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG rechnet laut einer aktuellen Studie damit, dass digitale „Ökosysteme“ der großen Technologie- und Internetkonzerne das Komposit-Privatkundengeschäft in Deutschland in Zukunft entscheidend prägen und einen Großteil der Gewinne beanspruchen werden. Die Studie identifiziert drei strategische Optionen, wie Versicherer auf diese Entwicklung reagieren können.


Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG rechnet laut einer aktuellen Studie damit, dass digitale „Ökosysteme“ der großen Technologie- und Internetkonzerne das Komposit-Privatkundengeschäft in Deutschland in Zukunft entscheidend prägen und einen Großteil der Gewinne beanspruchen werden. Die Studie identifiziert drei strategische Optionen, wie Versicherer auf diese Entwicklung reagieren können.

Zukunft im Kompositgeschäft: Drei Optionen für Versicherer

Laut der aktuellen Studie „Zukunft der Komposit-Versicherung“ des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG nimmt das Kompositversicherungsgeschäft bei den meisten Versicherern in Deutschland einen wichtigen Stellenwert ein. Allerdings nehme die Wettbewerbsintensität angesichts eines nur moderat wachsenden Marktes in Zukunft deutlich zu, so die Studienautoren, die zunächst die Performance der deutschen Kompositversicherer aus den Jahren 2013 bis 2017 näher betrachtet haben. Die Erkenntnis: Überdurchschnittlich erfolgreich haben sich eher die kleineren spezialisierteren Versicherer entwickelt. Keines der größeren, marktbestimmenden Unternehmen konnte besser als der Markt abschneiden.

Digitale Ökosysteme für passgenauere Angebote

Die KPMG-Zukunftsprognose für das Kompositgeschäft lautet, dass es in der digitalisierten Welt von heute und morgen nicht mehr genügen wird, Kunden die Versicherungen aktiv zu verkaufen, wenn sie eigentlich etwas ganz anderes kaufen wollen. Umfassendere Angebote seien gefragt, die sich an den grundlegenden Interessengebieten der Kunden orientierten. Bereits heute sei zu beobachten, so die Studienherausgeber, dass sich unterschiedliche Partner zusammenschlössen, um in digitalen „Ökosystemen“ solche Angebote vernetzt, individuell und passgenau zusammenzustellen, damit Kundenbedürfnisse besser erfüllt werden könnten, als das mit einem klassischen Versicherungsprodukt möglich sei.

Chance und Risiko für die Versicherer

Für die Versicherungsbranche sehen die KPMG-Studienautoren in dieser Entwicklung Chance und Risiko zugleich: Die Chance bestünde darin, innerhalb der digitalen „Ökosysteme“ Versicherungsleistungen zielgenauer, individueller und risikoärmer anbieten und absetzen zu können, womöglich sogar ohne dass der Kunde die Versicherung als solche wahrnehme. Genau darin liege aber gleichzeitig das Risiko: Nicht nur die Versicherungsprodukte könnten an Sichtbarkeit verlieren, auch die Versicherer selbst könnten innerhalb digitaler „Ökosysteme“ nur noch zu reinen „Produktlieferanten“ werden, die von anderen Unternehmen innerhalb der „Ökosysteme“ maßgeblich orchestriert und abgeschöpft würden.

Der KPMG-Studie zufolge wird das von Ökosystemen betroffene Komposit-Privatkundengeschäft (Kfz, Gebäude, Hausrat, Unfall und Cyber) von heute rund 35 Mrd. Euro Prämieneinnahmen bis 2030 nur geringfügig auf 36 bis 37 Mrd. Euro ansteigen. Internetbasierte „Ökosysteme“, die zwar lediglich 10–15% dieses Volumens ausmachen, werden aber rund ein Drittel des Profit-Pools für sich beanspruchen.

Drei strategische Optionen: 1. Eigenes Ökosystem

Vor diesem Hintergrund identifiziert die KPMG-Studie „Zukunft der Komposit-Versicherung“ drei strategische Optionen für Versicherer: Erstens den Aufbau eigener Ökosysteme. Erste Ansätze hierzu ließen sich beispielsweise bei der HUK im Hinblick auf Mobilität beobachten oder bei der Generali im Zuge der Smart-Insurance-Initiative. Für diese erste Option benötige ein Versicherungsunternehmen eine große Anzahl an loyalen Kunden, die bereit seien, mit dem Versicherer neue Wege zu gehen – trotz eventuell auftretender Anfangsschwierigkeiten. Marke und Kundenbasis sollten außerdem so stark sein, dass attraktive Partner für das Ökosystem gewonnen werden könnten. Das vernetzte Serviceangebot müsse sich für Kunden „wie aus einem Guss“ anfühlen, weshalb man auch einen intelligenten Kundenzugang in Abstimmung mit schon bestehenden Kanälen benötige. Die Studienherausgeber sehen diese Option aufgrund der hohen Hürden tendenziell eher für wenige, eher größere Versicherer.

2. Partner im Ökosystem

Das Eingehen von Partnerschaften in Ökosystemen sei hingegen eine zweite Option, die für eine größere Anzahl von Versicherern attraktiv sein könnte, so KPMG. Hier sei der Versicherer nicht der „Orchestrator“ und „Betreiber“ des Ökosystems, sondern lediglich einer der Anbieter. Hierfür müsse sich der Versicherer inhaltlich nahtlos in das Ökosystem integrieren. Außerdem seien Mehrwerte für das Ökosystem gefragt, die über die Versicherungsleistung hinausgingen, zum Beispiel Risikomanagementleistungen oder Incident Management.

3. Konzentration auf das „klassische“ Geschäft

Als dritte Option nennen die Studienherausgeber die Fokussierung auf das „klassische“ Versicherungsgeschäft, was sie aber nicht als ein „weiter wie bisher“ verstanden wissen wollen. Es seien hierbei attraktive Produkte mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, hocheffizienten Prozesse und vor allem der Zugang zu eigener Vertriebskraft notwendig. Um in einem schrumpfenden Markt mit rückläufiger Profitabilität bestehen zu können, bedürfe es hoher Wettbewerbsfähigkeit sowie der Bereitschaft und Fähigkeit zur schnellen und konsequenten Anpassung. Auf Dauer empfehlen die KPMG-Experten diese dritte Option eher nicht für sich alleingestellt, sondern in Kombination mit der ersten oder zweiten beschriebenen Strategie. (ad)

Bild: © Sashkin – stock.adobe.com



Kommentare

von Helmut Karas am 22.05.2019 um 12:05 Uhr
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