Manipulierter Unfall: Welche Indizien zählen | AssCompact – News für Assekuranz und Finanzwirtschaft
AssCompact - Facebook AssCompact - LinkedIN AssCompact - Twitter AssCompact - Xing AssCompact - Whats App AssCompact - Whats App

Manipulierter Unfall: Welche Indizien zählen
19. Juli 2019

Manipulierter Unfall: Welche Indizien zählen

Immer wieder werden Unfälle mit Fahrzeugen von Versicherungsnehmern in der Hoffnung manipuliert, dass die Kfz-Versicherung zahlt. Das Oberlandesgericht Schleswig hat entschieden, welche Beweise zu führen sind.


Immer wieder werden Unfälle mit Fahrzeugen von Versicherungsnehmern in der Hoffnung manipuliert, dass die Kfz-Versicherung zahlt. Das Oberlandesgericht Schleswig hat entschieden, welche Beweise zu führen sind.


Manipulierter Unfall: Welche Indizien zählen

Sprechen die Indizien für einen manipulierten Autounfall mit erheblicher Wahrscheinlichkeit für einen solchen, dann ist der Einwilligungsnachweis bereits geführt. Es muss kein sogenanntes Kompatibilitätsgutachten mehr erstellt werden, welches untersucht, ob die Schäden zu den Aussagen der Unfallbeteiligten passen. Das hat das Oberlandesgericht Schleswig entschieden.

Indiz für Manipulation: Unfallbeteiligte verschweigen Bekanntschaft

Im vorliegenden Fall waren die Angaben der Unfallbeteiligten zum Geschehen sehr dürftig. Auch der Schaden an den Fahrzeugen war nach den Schilderungen der Beteiligten nicht plausibel. Darüber hinaus verschwiegen die Unfallbeteiligten zuerst, dass sie sich kannten. Dies wurde erst im Laufe des Prozesses offenbart, was das Gericht als wesentliches Indiz für eine Unfallmanipulation wertete.

Falschangaben aus finanziellen Gründen

Das Gericht führt aus, welche weiteren Indizien für ein manipuliertes Unfallgeschehen sprechen. Dazu gehört auch – wie im vorliegenden Fall – wenn die am Unfall beteiligten Personen auch vorher schon nicht davor zurückschreckten, allein aus finanziellen Gründen Falschangaben zu machen. Hier hatte die Fahrerin des einen Unfallwagens, die selbst Autohändlerin ist, zum Beispiel einen Gebrauchtwagen falsch bewertet.

Gutachten zum Abgleich von Schäden und Aussagen ist nicht nötig

Wenn die Gesamtschau aller Indizien bereits mit erheblicher Wahrscheinlichkeit für ein manipuliertes Unfallgeschehen sprechen, dann muss kein Kompatibilitätsgutachten erstellt werden. Selbst wenn die Schäden objektiv kompatibel seien, ändere dies nichts an der erheblichen Wahrscheinlichkeit für unredliches Verhalten. Insgesamt bestünde kein Zweifel, dass es sich bei dem hier streitigen Geschehen um eine nicht entschädigungspflichtige Manipulation handele, dies zum Ziel hat, ungerechtfertigt Versicherungsleistungen zu erlangen. (tos)

Oberlandesgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 08.05.2018, Az.: 7 U 52/17

Bild: ©Africa Studio – stock.adobe.com

Lesen Sie auch:

Wer haftet beim Versuch, ein rollendes Auto aufzuhalten?

Kfz-Versicherung: Gilt ein abgestelltes Auto als „verwendet“?




Ähnliche News

Sparbücher werden häufig von Eltern für ihre Kinder angelegt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat nun entschieden, dass es immer auf den Einzelfall ankommt, wem das Ersparte zusteht. Der Besitz allein begründet noch keinen Anspruch, spielt aber eine große Rolle. weiterlesen
Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat entschieden, dass die 2015 eingeführte Mietpreisbremse nicht gegen das Grundgesetz verstößt. Sie verletze weder die Eigentumsgarantie, noch die Vertragsfreiheit oder den allgemeinen Gleichheitsgrundsatz. weiterlesen
Betreuungspflichten von Versicherungsmaklern betreffen nicht nur selbst vermittelte Verträge. Auch Vorversicherer sind zu berücksichtigen, wie eine Entscheidung des OLG Düsseldorf deutlich macht. Angelika Römhild, Rechtsanwältin des BVK, erläutert das Urteil und seine Folgen für Makler – und gibt abschließend Tipps für die Tagesarbeit. weiterlesen


AssCompact Abonnement

Sie wollen das AssComapct Magazin und/oder den AssCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des AssCompact Magazins und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Die Finanz- und Versicherungsbranche ist bei Nachwuchskräften alles andere als beliebt. Von 14 Branchen landet sie im aktuellen „Young Professionals Barometer“ von Trendence auf dem vorletzten Platz. Welche Versicherer in der Liste der Wunscharbeitgeber ganz vorne liegen, zeigt AssCompact in einer Bildergalerie.