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Abschied vom Klein-Klein

Die Finanzwirtschaft darf nicht länger als bloßer Produktgeber agieren. Es ist notwendig, den Menschen bewusst zu machen, dass die Möglichkeiten der Kapitalmärkte einen substanziellen Beitrag zu ihrer Lebensplanung leisten können. Es geht um die Einsicht ins Ganze. Nur so kann in Deutschland eine echte Anlagekultur entstehen, sagt Charles Neus, Head of Retirement Solutions von Schroder Investment Management (Europe).

Der Befund ist hinlänglich bekannt: Die EU-Bürger legen ihr Geld lieber unters Kopfkissen, als es an den Kapitalmärkten zu investieren. Ein Drittel des Vermögens der privaten Haushalte wird in Bargeld oder Einlagen gehalten. In Deutschland ist dieser Anteil noch höher. Das ist aus zweierlei Gründen besorgniserregend. Zum einen, weil die Leistungsfähigkeit der Staaten bei der Lebens- und Altersvorsorge beständig abnimmt, der Einzelne mithin stärker gefragt ist. Zum anderen, weil die auf lange Zeit extrem niedrigen Zinsen ausreichende Erträge nicht mehr gewährleisten. Der Zinseszinseffekt funktioniert nicht mehr.

Die bisherigen, vor allem durch Politik und Aufsicht getriebenen Maßnahmen des finanzwirtschaftlichen Verbraucherschutzes waren ein erster und wichtiger Schritt, um das Problem anzugehen. Offenlegungspflichten der Anbieter, ausreichende Preis- und Renditeinformationen sowie Transparenz bei der Wertentwicklung sind durchaus geeignet, das Vertrauen in Kapitalanlagen zu fördern. Die Schaffung einer Anlagekultur geht allerdings über rein produktbezogene Informationen hinaus. Denn die meisten Menschen halten nicht Ausschau nach dem besten Produkt, sondern nach finanzwirtschaft­lichen Lösungen für die Herausforderungen ihres Lebens. Diese Herausforderungen sind nicht statisch, sondern können sich je nach Lebens­abschnitt und Lebenssituation verändern. Die meisten Menschen eint jedoch das Bedürfnis, im Alter finanziell gut abgesichert zu sein. Vor diesem Hintergrund haben die Analysten des amerikanischen CFA-Instituts die Altersvorsorge als wichtigstes Anlageziel von Privat­anlegern weltweit ermittelt.

Die Finanzkrise wirft lange Schatten

Als Haupthindernis auf dem Weg zu einer Anlagekultur gilt das mangelnde Vertrauen in die Finanzwirtschaft. Hier leiden Finanzdienstleister immer noch unter den Folgen der Finanzkrise von 2008. Im gesamten Dienstleistungsspektrum zählen sie zu den am wenigste vertrauenswürdigen Akteuren, wie das Edelman Trust Barometer 2020 ausweist.

Es mangelt an Vertrauen

Mangelndes Vertrauen wird aber nicht nur durch einzelne Schockerlebnisse befördert. Es steht auch im direkten Zusammenhang mit einem unzureichenden Verständnis von den Grundlagen der Finanzwirtschaft und der Kapitalanlage. Das Fremdeln mit der Kapitalanlage hat also nicht nur etwas mit schlechten Erfahrungen, sondern vor allem mit einer geringen Finanzkompetenz zu tun. In dieser Hinsicht ist es gerade auch in Deutschland nicht zum Besten gestellt. Das Thema der geringen Finanzkompetenz kann nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn jenseits von theoretischen Erkenntnissen ist es von zentraler praktischer Bedeutung für die Lebensbedingungen der Menschen. So haben verschiedene Studien festgestellt, dass mangelnde Finanzkompetenz die Gefahr der Überschuldung steigert, die Chancen auf eine gute Altersvorsorge verringert, mit einem erhöhten Armutsrisiko einhergeht und die Vermögensungleichheit verschärft.

Risikoscheu überwinden

Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zu einer Anlagekultur ist die Risikoscheu. In Österreich und Deutschland etwa gelten Anlagen in Wertpapiere und Fonds als besonders riskant. Dabei wird verkannt, dass die Ertragsrisiken bei Sparbüchern oder Festgeldkonten gegenwärtig deutlich höher sind als auf den Kapitalmärkten. Inflation und Negativzinsen führen in der Regel dazu, dass hier am Ende real weniger Geld zur Verfügung steht, als eingezahlt wurde. Mit Blick auf das Vertrauen kommt hinzu, dass geringe Finanzkompetenz und eine hohe Risikoscheu sich gegenseitig verstärken. Je geringer das Verständnis und je weniger das Vertrauen in Finanzdienstleistungen, desto geringer ist die Bereitschaft, die mit Kapitalanlagen verbundenen Risiken einzugehen.

Was ist zu tun?

Die Verhaltensökonomie legt nahe, dass den Menschen Stolpersteine aus dem Weg genommen werden müssen, damit sie Kapitalanlagen in Erwägung ziehen. Leider gibt es keine Patentlösung. Sicher ist jedoch, dass es einer radikal geänderten Arbeitsweise innerhalb der Branche bedarf. Wir müssen beim Einzelnen ansetzen und eine Bereitschaft zu Ge­sprächen entwickeln. Und zwar mit den Menschen und nicht über sie hinweg, über Lösungen anstelle von Produkten, über Kommunikation anstelle von Pflichtinformation. Es geht um die Befähigung anstelle der rein technischen Informationsvermittlung. Dieses Ziel kann nur durch eine qualitativ gute Beratung und nicht über bloße Vertriebsmaßnahmen erreicht werden. Mit Blick auf die Anlagekultur geht es nicht darum, jeden zu Anlageexperten zu machen. Anlagekultur bedeutet vielmehr, sich der Möglichkeit bewusst zu sein, dass die Kapitalmärkte zur Deckung finanzieller Bedürfnisse genutzt werden können. Anlagekultur heißt darüber hinaus auch, die Fähigkeit, einem Gespräch mit dem Finanzberater folgen zu können, die Informationen in den vorgeschriebenen Offenlegungen zu verstehen und Vertrauen in die eigene Entscheidung zur Anlage zu haben.

Abschied vom Klein-Klein
Anlageberater in zentraler Rolle

Anlageberatern kommt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle zu. Sie sind ein zentraler Baustein beim Aufbau einer Anlagekultur. Dabei geht es nicht nur darum, ein Anlageprodukt zu empfehlen. Vielmehr steht die Beurteilung der Finanzlage und künftigen Finanzziele einer Person im Vordergrund. Erst dann stellt sich die Frage, mit welchen Lösungen sich diese Ziele am wahrscheinlichsten erreichen lassen. Vor allem findet die Beratung auch dann noch statt, wenn die Investition bereits erfolgt ist. Beispielsweise indem kommuniziert wird, wie eine Lösung umgesetzt wird und ob sie auch unter gegebenenfalls veränderten Lebensumständen noch die richtige ist. Wichtig ist, dass Berater Anlegern helfen können, ihre Verhaltens­tendenzen zu verstehen und mit ihnen umzugehen, um so schlechte Entscheidungen und Frustrationen zu vermeiden.

Technologie als ein Schlüssel zum Erfolg

Auf dem Weg hin zu einer Anlagekultur kann der Einsatz internetbasierter Technologien sinnvoll sein – gerade dann, wenn es darum geht, jüngere Zielgruppen anzusprechen. Ein Beispiel: In der Global Investor Study von Schroders ließ die überwiegende Mehrheit der Befragten ihr Interesse an einer konsolidierten Plattform für Finanzinformationen erkennen. Open Banking kann hier als Vorbild dienen, wie die notwendigen Informationen leicht zugänglich an einem Ort zusammen­geführt werden können. Hierin besteht eine große Chance. Denn unterschiedliche Informationen zu Produkten, Strategien und Hintergründen aus verschiedenen Quellen und Formaten verringern die Motivation der Menschen, sich mit dem Thema Finanzwirtschaft zu befassen. Doch Vorsicht: Ent­sprechende offene Plattformen sollten vorrangig nicht dem Marketing dienen. Das Ziel lautet vielmehr, die Menschen durch neue Technologien in ihrer Befähigung zu stärken. Technik als „Enabler“ lautet das Stichwort.

Diesen Interview lesen Sie auch in AssCompact 10/2020, Seite 60f., und in unserem ePaper.

Bild: © suriyapong – stock.adobe.com

 

Kapitalanlage und Beratung in Zeiten von Pandemie und Zinsdilemma

Sicherheit war gestern. Null- und Negativzinsen werden noch viele Jahre bleiben. Sparer müssen daher endlich umdenken. Wie das gelingen kann, diskutierten Branchenexperten in einer Diskussionsrunde des Kongress Investment der DKM digital.persönlich. Neben den Beratern sehen sie auch sich selbst gefragt.

Der Kongress Investment von funds excellence ist seit Jahren ein fester Bestandteil der Leitmesse DKM. Das gilt auch für die diesjährige DKM digital.persönlich. Den Auftakt des digitalen Kongressprogramms bildete eine Expertendiskussion unter Moderation von Cash-Chefredakteur Frank Milewski. Im Fokus stand dabei insbesondere die Altersvorsorgesituation in Deutschland. Charles Neus, Leiter Altersvorsorge Lösungen bei Schroder Investment Management Europe S.A., sieht diese zumindest teilweise in der Krise.

Sicherheits- und Garantiedenken endlich beenden

„Das Thema Altersvorsorge ist in Deutschland nach wie vor allem von einem Thema geprägt: Sicherheit. Und Sicherheit bedeutet vor allem Garantie“, so Neus. Das sei zwar falsch, aber auch kein Wunder, schließlich habe speziell die Politik den Deutschen das jahrzehntelang so gepredigt. In anderen Ländern wie etwa in England oder in den Niederlanden hatten Garantien gerade im bAV-Bereich schon in der Vergangenheit nichts zu suchen. Langsam verabschiedet man sich nun auch in Deutschland davon. Es gehe nun darum, die Deutschen dazu zu bringen, sich mit Risiko und Rendite statt nur mit Sicherheit und Garantien zu beschäftigen.

Hoher Informationsbedarf

Ralph Castiglioni, Geschäftsführer der Basler Financial Services GmbH, stimmte Neus voll zu und sieht auch in der mangelnden Ausbildung und Befähigung einen der Gründe hierfür – beim Berater wie auch bei den Kunden. „Alle müssen sich an die neue Situation gewöhnen. Deswegen liegt weiter viel Geld als Cash herum. Die Branche ist gefragt, den Kunden so zu informieren, dass er einen Sinn sieht, sein Geld zu investieren“, sagt Castiglione im Rahmen der Diskussionsrunde.

Aktuelle Situation bietet Beratern große Chancen

Sascha Bassir, Vorstand der Basler Vertriebsservice AG, sieht vor allem die betriebliche Vorsorge in der Krise, nicht jedoch die private Vorsorge im Allgemeinen. Dabei seien die Zeiten gut, um das zu ändern. „Die Menschen sitzen gerade daheim und sind sehr viel affiner für ein Beratungsgespräch. Für Makler und Vermittler ist die aktuelle Zeit eine hervorragende Möglichkeit, diese Chance zu ergreifen und Vorsorgegespräche zu führen“, meint Bassir.

Vor allem zwei Sachen fehlen

Charles Neus verwies zudem auf eine hohe Bereitschaft innerhalb der Maklerschaft wie auch innerhalb der Bevölkerung, etwas zu tun. „Zwei Sachen fehlen aber: Information und Visualisierung. Gerade letzteres ist durch die Digitalisierung sehr gut möglich“, so Neus. Das gehe nicht von heute auf morgen. Berater hätten schließlich jahrzehntelang Sicherheiten und Garantien verkauft und einen solchen Knopf im Kopf drehe man nicht so schnell um. Auch die Gesellschaften seien gefragt. Lösungen gebe es zwar ausreichend. Entscheidend sei aber, dass man einfach bleibe, damit Makler und Kunden sie verstehen.

Know-how des Beraters ist unverzichtbar

Sascha Bassir sieht in der Befähigung von Beratern einen Schlüssel zu einem Wandel in der deutschen Altersvorsorge: „Neben digitalen Helfern braucht es vor allem Know-how. Viele Kunden suchen vor allem deshalb nach Garantien, weil sie sich bei Fonds und Aktien unsicher fühlen.“ Wenn der Makler von den Gesellschaften nicht in die Lage versetzt werde, dem Kunden das Know-how weiterzuvermitteln, wird er den einfachen Weg suchen: das Thema nicht ansprechen oder doch wieder auf das Thema Sicherheit gleich Garantien zu gehen. „Das kann nicht die Lösung sein. Wir, wie vermutlich auch die gesamte Branche, wollen den Makler daher befähigen, den Kunden von dem notwendigen Wandel zu überzeugen“, so Bassir.

Persönliche Gespräche bleiben der Schlüssel

Persönliche Gespräche sind nach Meinung der Experte weiterhin der Schlüssel zu einem solchen Wandel. Doch solche Gespräche funktionieren nur, wenn der Berater sich sicher führt. Das gehe auch auf digitalem Wege. „Der Kunde ist neuen Medien mittlerweile sehr offen“, meint Ralph Castiglioni. Wenn die Gesellschaften dem Berater einen voll digitalen roten Faden an die Hand geben würde, sei das für diesen eine große Unterstützung, zumal er im klassischen Papiersalat viele Fehler machen konnte.

Mehr als Ansparen und Entsparen

Charles Neus warnt derweil davor, nur mit Angst zu arbeiten. Es liegt noch immer viel zu viel Geld auf Sparbüchern und Girokonten, wo zum Teil sogar Strafzahlungen drohen. Das muss nicht sein. Dieses Geld kann Neus zufolge mit Fonds oder Ähnlichem deutlich besser eingesetzt werden. Wichtig sei neben Einfachheit auch Individualität. Altersvorsorge sei nur Geld, sondern zum Beispiel auch Gesundheit und Freizeit. Für den einen sei das Thema Gesundheit wichtig, für den anderen zum Beispiel das Thema Erben. Das müsse in der Beratung und bei den Produkten zum Ausdruck kommen. In jedem Fall sei Altersvorsorge mehr als Ansparen und Entsparen.

Fondspolicen erleben eine Renaissance

Ein wichtiger Teil der Altersvorsorgelandschaft sind Fondspolicen. Sascha Bassir sieht in den eigenen Absatzzahlen eine klare Bestätigung für die Renaissance der Fondspolicen. Die Basler habe bereits im vergangenen Jahr ein Plus von über 20% in diesem Bereich verbucht und werde das auch in diesem Jahr schaffen. Flexibilität sei dabei ein extrem wichtiger Erfolgsfaktor – sowohl in der Ansparphase als auch in der Auszahlungsphase. Die Basler versucht dabei innovative Ideen von Beratern wie etwa einen Fondsrentenplan aufzugreifen. Solche flexiblen Konzepte von Versicherern und Fondsgesellschaften würden laut Charles Neus auch dabei helfen, die Wiederanlagequote, die nach wie vor im einstelligen Prozentbereich liege, deutlich zu erhöhen. (mh)

Die DKM geht bis zum 29.10.2020. Eine Anmeldung ist jederzeit hier möglich. Bereits angemeldete Teilnehmer gelangen hier direkt auf die digitale Messeplattform.

 

„Das Ergebnis unserer Forschung wurde in den ARERO übersetzt“

Aktien, Renten und Rohstoff auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse in einem Fonds – das ist das Rezept des „ARERO – Der Weltfonds“ von Prof. Martin Weber. Im Gespräch mit AssCompact erläutert er, warum die Anlagepolitik des Fonds so ist, wie sie ist, und warum er nun um eine nachhaltige Variante erweitert wurde.

Herr Professor Weber, Sie sind neben Ihrer akademischen Karriere auch als Fondsgründer aktiv geworden. Können Sie noch einmal kurz erläutern, wie ein Wissenschaftler dazu kommt, einen Investmentfonds zu entwickeln?

Die Initialzündung kam 2007 durch die Veröffentlichung des Buches „Genial einfach investieren“, mit dem meine Lehrstuhlmitarbeiter und ich Privatanlegern einen wissenschaftlich fundierten Ratgeber zum Investieren liefern wollten. Wir haben eine sehr positive Resonanz erhalten, aber gleichzeitig auch viele Leserfragen bezüglich der Anlagen, in die sie konkret investieren sollen. Daraufhin haben wir uns an die Konzeption eines Fonds gemacht, dessen Credo eine wissenschaftlich fundierte Investmentphilosophie für Privatanleger sein sollte. Hieraus ist ARERO entstanden.

Und wie sieht diese wissenschaftlich fundierte Investmentphilosophie aus?

Wie der damals und heute aktuelle Forschungsstand zeigt, zeichnet sich eine solche Investmentphilosophie durch einen kostengünstigen, über Länder und Anlageklassen breit diversifizierten und passiven Anlagestil ohne Stock Picking oder Market Timing aus. Um herauszufinden, in welchem Verhältnis die Anlageklassen zueinander stehen sollten, haben wir im Rahmen der Konzeption auch eine Studie durchgeführt, die untersucht, wie gut verschiedene Asset-Allocation-Strategien sich historisch entwickelt haben. Das Ergebnis unserer Forschung wurde dann in ARERO übersetzt.

Was bedeutet das konkret für die Anlagepolitik von ARERO – Der Weltfonds?

ARERO steht für Aktien, Renten, Rohstoffe. Konkret investiert der Fonds 60% in weltweite Aktien, 25% in europäische Renten und 15% in Rohstoffe. Im Aktienanteil werden die Regionen Europa, Nordamerika, Pazifikraum und Schwellenländer über repräsentative Indizes abgebildet. Mit diesen Regionen sind alle globalen Finanzmärkte vertreten, in die es sich hinreichend liquide und kostengünstig investieren lässt. Die Anteile, die diese vier Regionen im Fonds einnehmen, sind nach Bruttoinlandsprodukt gewichtet, denn das BIP bildet die tatsächliche Wirtschaftskraft einer Region nach unserer Ansicht am besten ab.

Und wie setzt sich der Rententeil des Portfolios zusammen?

Der Rentenanteil besteht aus Anleihen von Euroraum-Staaten mit Investment-Grade-Rating, womit wir Währungs- und Ausfallrisiken gering halten wollen. Der Rohstoffanteil wird über einen marktbreiten Rohstoffindex, den Bloomberg Commodity Index 3 Month Forward, abgebildet. Dieser Index bündelt die Wertentwicklung von Metallen, Energie und Agrargütern.

Warum sind Immobilien kein expliziter Teil des Fonds?

Hierfür gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind Immobilien eine illiquide Anlageklasse und daher nur schwer über Wertpapiere investierbar. Indizes, die die Wertentwicklung von Immobilien abdecken, investieren meistens in Immobilienaktien und Immobilienfonds, die mit dem Aktienmarkt stark korrelieren und deshalb nur wenig zur Diversifikation des Fonds beitragen würden. Zum anderen besteht AREROs Zielgruppe aus Privatanlegern, in deren Portfolio Immobilien als Anlageklasse oftmals schon durch ihr Eigenheim repräsentiert sind.

Nun haben Sie geschildert, wie ein wissenschaftlich fundierter Fonds aus Ihrer Sicht aussieht. Ein weiterer Parameter der Investitionsentscheidung besteht in der Art und Weise, wie ein Anleger einen solchen Fonds nutzt, in Form einer Einmalanlage, als Sparplan oder als Teil einer Versicherung. Welchen Weg würden Sie Anlegern empfehlen?

Es gibt natürlich nicht den einen, besten Weg zu investieren. Jeder Weg hat seine Vor- und Nachteile und es kommt immer auf die Lebensumstände des Anlegers an, welcher für ihn der empfehlenswerteste ist. Im Vergleich zwischen Einmalanlage und Sparplan ist es zunächst einmal so, dass das berufliche, monatlich eintreffende Einkommen vieler Anleger einen Sparplan prädestiniert. Wenn ein Anleger aber zum Beispiel eine größere Summe erbt, kann auch ein Einmalinvestment sinnvoll sein. Denn je früher das Vermögen zu einer positiven erwarteten Rendite investiert wird, desto größer ist das zu erwartende Vermögen am Ende des Anlagehorizonts. Fonds in Lebens- oder Rentenversicherungen einzubinden, ist prinzipiell auch ein finanzwissenschaftlich empfehlenswerter Weg zur Altersvorsorge, da Anleger hierbei eventuelle Steuervorteile nutzen und ihr Vermögen verrenten können. Daher steht ARERO Anlegern auch als Teil fondgebundener Renten- und Lebensversicherungen zur Verfügung. Einen jeweils aktuellen Überblick über die Möglichkeiten finden Anleger auf unserer Webseite unter arero.de.

Neben dem klassischen ARERO gibt es nun auch eine nachhaltige Variante. Was macht diese nachhaltig?

Die Ausgangsbasis für ARERO-Nachhaltig bildet die klassische Variante des Fonds. Diese wird dann mittels eines Nachhaltigkeitsfilters in Form der DWS Engine um solche Titel vermindert, die eher nicht mit dem Nachhaltigkeitsgedanken konform sind. Eine solche Nicht-Nachhaltigkeit wird von der DWS Engine in mehreren Schritten auf Basis von Industriezugehörigkeit, Normverletzungen, Klimatransitionsrisiken und eines Gesamtratings in Sachen ESG-Kriterien bestimmt.

Wie die Engine genau arbeitet, lässt sich auf unserer Website nachlesen. Was ich persönlich wichtig finde, ist, dass die DWS Engine Daten von mehreren ESG-Ratinganbietern bezieht, da Studien zeigen, dass sich Nachhaltigkeitsratings verschiedener Anbieter teilweise nicht unerheblich voneinander unterscheiden. Durch die Kombination von Daten mehrerer Anbieter ergibt sich eine differenziertere Beurteilung.

Zu welcher Variante des Fonds würden Sie denn Anlegern jetzt raten, der klassischen oder der nachhaltigen?

Ich denke, diese Entscheidung muss jeder Investor für sich selbst treffen. Durch das Anbieten beider Varianten unseres Fonds wollen wir den Anlegern ja gerade die Möglichkeit zur Wahl geben. Deshalb war es uns auch wichtig, dass beide Fonds die gleiche sehr günstige Kostenstruktur mit laufenden Kosten von lediglich 0,5% im Jahr aufweisen.

Erwarten Sie größere Performanceunterschiede zwischen den beiden Fondsvarianten?

Im Zeitablauf kann es natürlich Performanceunterschiede zwischen beiden Fonds geben. Auf der anderen Seite gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Studien zum Thema Performance und Nachhaltigkeit und insgesamt ist das Bild ausgewogen: Manche Studien finden einen positiven Zusammenhang, manche einen negativen und andere gar keinen. Langfristig glaube ich daher, dass es vermutlich keine bedeutende Performancedifferenz zwischen beiden Fondsvarianten geben wird.

Das Interview lesen Sie auch in AssCompact 10/2020 und in unserem ePaper.

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Ein Artikel von
Prof. Martin Weber

Neuer Schwellenländerfonds von Franklin Templeton

Franklin Templeton hat einen neuen Fonds für Aktien aus Schwellenländern aufgelegt. Er berücksichtigt bei der Zusammenstellung des Portfolios auch Nachhaltigkeitskriterien und ist zusätzlich abgestimmt auf Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen.

Die Fondsgesellschaft Franklin Templeton hat den Templeton Emerging Markets Sustainability Fund aufgelegt. Das Anlageziel des Fonds besteht darin, Kapitalzuwachs zu erzielen, indem er in erster Linie in Unternehmen investiert, die ihren Hauptsitz, eine Niederlassung oder eine Börsennotierung in Schwellenländern weltweit haben und gute oder sich verbessernde Nachhaltigkeitskennzahlen vorweisen können. Aus diesem Universum soll das Fondsmanagement in 30 bis 50 Aktien aus Schwellenländern mit einem Anlagehorizont von fünf Jahren investieren.

Sechs thematische Schwerpunkte

Der Fonds sucht insbesondere Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen einen oder mehrere der sechs „positive outcome“-Bereiche vorantreiben. Diese von der Cambridge University definierten Bereiche bündeln die 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (UN SDGs) und helfen Investoren dabei, ihre Anlageziele und Ergebnisse einzuordnen und zu bewerten. Diese sechs Bereiche lauten: Basic Needs, Wellbeing, Decent Work, Healthy Ecosystems, Climate Stability und Resource Security.

Drei-Säulen-Modell

Der Fonds investiert nicht in Unternehmen, die in der Waffen-, Tabak-, Kohle- und unkonventionellen Öl- und Gasförderung tätig sind oder deren Handlungen gegen den „Global Compact“ der Vereinten Nationen verstoßen haben. Die ESG-Analyse basiert auf einem Drei-Säulen-Modell, bei dem folgende Aspekte im Mittelpunkt stehen: die Ausrichtung des Unternehmens auf positive ökologische und/oder soziale Aspekte, die Absicht des Unternehmens, sein nachhaltiges Geschäftsmodell beizubehalten oder im Hinblick auf den Einbezug von ESG-Kriterien weiter zu verbessern und das Übergangspotenzial für Verbesserungen aufgrund des Engagements von Franklin Templeton bei dem Unternehmen. (mh)

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Berenberg lanciert nachhaltigen Euro-Anleihefonds

Die Privatbank Berenberg hat einen neuen Fonds im Angebot. Der Berenberg Sustainable Euro Bonds investiert in nachhaltige Anleihen aus dem Euroraum. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Papieren des Investment-Grade-Segments.

Berenberg hat zusammen mit Universal-Investment einen neuen nachhaltig investierenden Fonds aufgelegt. Der von Christoph Mäder und Felix Stern gemanagte Anleihefonds Berenberg Sustainable Euro Bonds investiert in Euro-Anleihen mit positiver Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft. Der Fonds ist nach den in den vergangenen Jahren aufgelegten Berenberg Sustainable World Equities, dem Berenberg Sustainable EM Bonds und dem Berenberg 1590 Stiftung der vierte nachhaltige Fonds von Deutschlands ältester Privatbank.

Positive Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft

Nachhaltigkeitsaspekte bzw. ESG-Faktoren (Environmental, Social, Governance) sind bei Berenberg-Fonds laut der Privatbank bereits seit Längerem ein elementarer Bestandteil der Investitionsentscheidungen, gerade in Bezug auf ein effizientes Risikomanagement. Zudem strebe die Gesellschaft Berenberg an, dass es über die ESG-Produkte des Hauses auch eine positive Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft gibt.

Sinnvolle und wertschöpfende Komponente der Kreditanalyse

„Die positive Wirkung der Emittenten und Anleihen auf Umwelt und Gesellschaft sowie der aktive Beitrag zur Bewältigung globaler Herausforderungen sind wesentlich für die Investitionsentscheidung“, sagt Fondsmanager Christoph Mäder. Nachhaltigkeitskriterien seien zudem eine sinnvolle und wertschöpfende Komponente in der traditionellen Kreditanalyse. Die Corona-Krise habe zudem den Trend zu Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage noch weiter verstärkt.

Aktives Management der Anleihen

Der Berenberg Sustainable Euro Bonds investiert in Euro-denominierte Unternehmens- und Finanzanleihen, ergänzt durch (Quasi-) Staatsanleihen und Covered Bonds mit Schwerpunkt auf dem Investment-Grade-Segment. Anleihesektorenstruktur, Durations- und Bonitätsrisiken werden aktiv gemanagt. Emittenten sind etwa Unternehmen oder Organisationen, die für verantwortungsvolle Ressourcennutzung, Klimaschonung oder nachhaltiges Wirtschaftswachstum und Innovation durch Infrastruktur, faire Arbeitsbedingungen und finanzielle Inklusion stehen. Hinzu kommen auch projektbezogene Anleihen, die nicht zur Finanzierung der allgemeinen Geschäftstätigkeit eines Emittenten dienen, sondern die gezielt ausgewählte Projekte und Vermögensgegenstände finanzieren, die einen ökologischen oder gesellschaftlichen Mehrwert leisten. (mh)

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Patriarch bringt britische Anlagelösung nach Deutschland

Die Patriarch Multi-Manager GmbH erschließt der englischen Vermögensverwaltung Liontrust den deutschen Markt. Mit dem Managed Portfolio Service bringt sie eine Fondsvermögensverwaltungslösung nach Deutschland, die dank 22 auswählbarer Strategien ein individuelles Feintuning ermöglicht.

Der Frankfurter Investmentkreateur Patriarch Multi-Manager GmbH bringt passend zur gerade erfolgten Einführung der Finanzanlagenvermittlerverordnung (FinVermV) eine Lösung für das Segment der Anlagevermittlung mit Fondsvermögensverwaltungen aus England nach Deutschland: den Patriarch Liontrust Managed Portfolio Service.

22 Strategien

Dahinter verbergen sich 22 risikoadjustierte Fondsvermögensverwaltungsstrategien, die sich in die drei Hauptbereiche „Wachstum“ und „Dynamic Beta“ mit jeweils acht unterschiedlichen Risikoneigungen und den Bereich „Einkommen“ mit sechs unterschiedlichen Risikoneigungen nach Anlageschwerpunkten unterteilen.

Seit 2013 in England im Einsatz

Patriarch-Partner Liontrust ist mit dem identischen Konzept in England seit 2013 aktiv. Liontrust hat damit in England über 1 Mrd. Euro eingesammelt. Das Konzept ist laut Liontrust vor allem aufgrund seiner Vielfalt und seiner hervorragenden Ergebnisse in Großbritannien sehr gefragt, zumal Managed Portfolios nach dem Provisionsverbot aus dem Jahr 2013 boomen.

Individuelles Finetuning möglich

Patriarch sieht in dem starken ausländischer Partner einen Beleg für die eigene Kompetenz in Sachen Produktkreation. Viele langjährige Fondsberater seien aufgrund der neuen Rahmenbedingungen durch die Vorgaben der FinVermV händeringend auf der Suche nach einem guten Anlagevermittlungsangebot wie einer hochwertigen Fondsvermögensverwaltung. Bei den bisherigen Angeboten sei der haftungstechnische Aufbau aber oft nur rudimentär vorhanden und zudem die Breite an Anlagemöglichkeiten enorm begrenzt. „Das ist in der neuen 22 Strategien starken Welt des Patriarch Liontrust Managed Portfolio Service jedoch völlig anders“, meint Patriarch-Geschäftsführer Dirk Fischer. Hier sei endlich das gewünschte „individuelle Finetuning“ je nach Anlegermentalität und Anlageziel innerhalb eines Gesamtkonzeptes problemlos möglich. (mh)

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Finanzquartett schließt Vertriebslücke der Vermittler

Ein Anbieterquartett will Finanz- und Versicherungsvermittlern eine neue Vertriebsmöglichkeit verschaffen. In Zusammenarbeit mit ficon Vermögensmanagement, MAIESTAS Vermögensmanagement AG und GLOBAL-FINANZ ermöglicht die V-BANK-Tochter V-Check den Vertrieb von Einzelwertdepots.

Anlagevermittler, Versicherungs- oder Immobilienmakler dürfen bei der Geldanlage nur Fonds, Versicherungsmäntel oder Beteiligungen an ihre Kunden vertreiben. Allerdings haben sie zum Teil auch anspruchsvolle Klienten, die durchaus Interesse an einer Einzelwertanlage und damit einer klassischen Vermögensverwaltung haben. Eine solche ist bislang in der Regel erst ab einem liquiden Vermögen von über 0,5 Mio. Million Euro und mehr zugänglich.

Einzelwertdepots ab 25.000 Euro

Diese Vertriebslücke wollen nun die bankenunabhängigen Vermögensverwalter ficon Vermögensmanagement und MAIESTAS Vermögensmanagement sowie der Finanzmaklerpool GLOBAL-FINANZ schließen. Mithilfe von V-Check ermöglichen Sie Einzelwertdepots ab einer Mindestanlagesumme von 25.000 Euro. Das gemeinsame Pilotprojekt soll allen Beteiligten neue Kundenzielgruppen und -potenziale erschließen.

Tippgebermodell für Vermittler

Mithilfe digitaler Strategiedepots können Anlageabschlussvermittler, Versicherungs- oder Immobilienmakler ihren Kunden ab sofort eine auf Einzelwerten basierende Vermögensverwaltung anbieten. Über die Internetseiten von Finanzmaklern können die Strategien von Privatanlegern eingesehen und digital abgeschlossen werden. Der Finanzmakler agiert lediglich als Tippgeber. Für die Zuführung erhält er vom Vermögensverwalter wie beim klassischen Fondsvertrieb eine entsprechend vorher festgelegte Provision.

So funktioniert das neue Angebot

ficon und MAIESTAS stellen mithilfe der digitalen Vermögensverwaltung von V-Check jeweils ein Strategiedepot aus Einzeltiteln zu den Themen „Dividenden und Nachhaltigkeit“, „Weltmarktführer“ und „Digitalisierungsgewinner“ zusammen und verwalten dessen Zusammensetzung fortlaufend. GLOBAL-FINANZ bietet Finanzmaklern und Vertrieben an, ihre Erfahrungen und ihre Infrastruktur bei der Implementierung der neuen Vertriebschance zu nutzen. Sämtliche dahinter liegenden Prozesse wie Depoteröffnung, Einrichtung und Verwaltung des Strategiedepots sowie die Abrechnung und das Reporting werden digital durchgeführt. Die Technik hierfür stellt die V-Check.

Zuführergeschäft hat großes Potenzial

„Gerade im Zuführergeschäft steckt großes Potenzial für alle Seiten“, ist sich V-Check Geschäftsführerin Corinna Geser sicher. Finanzmakler könnten eine Vertriebslücke rechtlich sauber und von den Prozessen her effizient schließen. Gleichzeitig sei Vermögensverwaltung immer noch ein eher erklärungsbedürftiges Produkt. Vermögensverwalter könnten sich auf ihre Kernkompetenz Portfoliomanagement konzentrieren und zugleich neue Zielgruppen erobern. „Und als Vertriebsplattform ist es unser Bestreben, zu wachsen und den Markt zu verändern“, so Corinna Geser, die auf zahlreiche Nachahmer hoffen. (mh)

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Capital Group legt weltweit anlegendes Anleiheportfolio auf

Die Capital Group hat den Global Total Return Bond Fund vorgestellt. Bei dem neuen Investment handelt es sich um ein global anlegendes Anleiheportfolio, das die Herausforderungen infolge niedriger Zinsen und eines schwachen Weltwirtschaftswachstums meistern soll.

Mit dem Global Total Return Bond Fund (GTRB) hat die Capital Group einen neuen Fonds für europäische Investoren aufgelegt. Ziel des Luxemburger UCITS-Fonds ist ein möglichst hoher langfristiger Gesamtertrag. Der Fonds investiert weltweit vornehmlich in Investment-Grade- und High-Yield-Anleihen, die von Regierungen, Supranationals und Unternehmen emittiert wurden, sowie in andere festverzinsliche Wertpapiere. Möglich sind auch Anlagen in Finanzderivate, die Volatilitäts- und Liquiditätsrisiken bergen können.

Zugang zu internationalen Festzinspapieren

Zurzeit stehen Investoren laut der Capital Group vor einigen Herausforderungen, etwa den anhaltend niedrigen Zinsen und der Aussicht auf ein schwaches Weltwirtschaftswachstum. Die GTRB-Strategie ist auf diese Herausforderungen ausgerichtet. Das Portfolio bietet Investoren Zugang zu internationalen Festzinspapieren mit einem attraktiven Gesamtertrag ohne zusätzliche Volatilität.

Teamansatz im Portfoliomanagement

Im Einklang mit dem Investmentansatz von Capital Group wird die Strategie von mehreren Portfoliomanagern gemeinsam gesteuert. Beim GTRB sind drei Portfoliomanager für globale Anleihen sowie ein Experte für High-Yield-Anleihen verantwortlich. Das Ergebnis ist ein diversifiziertes Portfolio aus globalen Festzinspapieren. Die Capital Group verwaltet 397 Mrd. Dollar in Festzinspapieren und hat nach eigenen Angaben 185 Experten für Anleihen angestellt. (mh)

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GSAM startet Fonds für innovative Unternehmen im Gesundheitswesen

Goldman Sachs Asset Management (GSAM) hat den GS Global Future Health Care Equity Portfolio aufgelegt. Der Aktienfonds investiert in Unternehmen, die eine Vorreiterrolle bei Innovationen im Gesundheitswesen einnehmen und konzentriert sich dabei auf vier Schlüsselbereiche.

GSAM hat mit dem Goldman Sachs Global Future Health Care Equity Portfolio einen neuen Aktienfonds vorgestellt. Er zielt auf langfristig überdurchschnittliche Renditen durch Investments in global agierende Unternehmen ab, die bei der rasanten Innovation im Gesundheitswesen eine Vorreiterrolle spielen.

Innovationen im Gesundheitswesen aufspüren

Das Portfolio wird vom 80-köpfigen Fundamental-Equity-Team von GSAM verwaltet. Die Zusammenstellung des Fondsportfolios basiert auf einem Bottom-up-Investmentansatz. Mit dessen Hilfe sollen Unternehmen identifiziert werden, die an den Innovationen im Gesundheitswesen teilhaben. Der Fonds richtet sich an institutionelle wie auch an private Anleger und ist in mehreren europäischen Ländern zum Verkauf registriert.

Fokus auf vier Schlüsselbereiche

Diese Strategie fokussiert sich auf vier Schlüsselbereiche: Genomik, Präzisionsmedizin, minimalinvasive Verfahren und Digitalisierung. Jeder dieser Fokusbereiche hat laut GSAM das Potenzial, die Ergebnisse der Gesundheitsfürsorge auf vielfältige Weise deutlich zu verbessern und die Kosten in der gesamten Wertschöpfungskette der Gesundheitsfürsorge zu senken. Zudem werde jeder der Investmentschwerpunkte durch einen bedeutenden Wandel in der weltweiten Gesundheitsversorgung untermauert. (mh)

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Börse: „Es gibt genügend Themen, die gerade dem Berater auf den Nägeln brennen“

2020 ist ein äußerst turbulentes Börsenjahr – und eine Bewährungsprobe für Fondsmanager, Vermögensverwalter und Finanzberater. Entsprechend groß ist der Informationsbedarf. Austausch und hochwertige Informationen sind daher wichtiger denn je – und mit dem richtigen Konzept auch auf digitalem Wege möglich. Interview mit Klaus-Dieter Erdmann, Geschäftsführer der funds excellence GmbH.

Herr Erdmann, 2020 ist zwar noch nicht zu Ende. Dennoch kann man bereits jetzt festhalten, dass es ein äußerst turbulentes Börsenjahr ist. War es vielleicht sogar das herausforderndste Anlagejahr der letzten Jahrzehnte?

Das kommt darauf an, aus welcher Perspektive man es sieht. Die Finanzkrise vor gut einem Jahrzehnt war vermutlich noch herausfordernder. Für die Anleger, die in den letzten Jahren in die Märkte und insbesondere in die Aktienmärkte investiert haben, lag die große Herausforderung diesmal darin, im März die Nerven zu behalten, als die Märkte infolge der Corona-Krise weltweit im Sinkflug waren. Ruhe wurde belohnt, weil sich die Kurse schnell erholt haben und zum Teil sogar wieder über dem Niveau zum Jahresanfang liegen. Wenn man andererseits die Nachrichten verfolgt, sieht man, dass die Krise durchaus massive wirtschaftliche Folgen hat und noch haben wird – auch wenn wir es im Detail noch nicht abschätzen können. Ich glaube daher, dass auch der Rest des Jahres noch eine Herausforderung wird: Vermutlich werden sogar noch einige herausfordernde Jahre vor uns liegen.

Welche Rolle spielt dabei das anhaltende Zinsdilemma?

Wir haben vor Jahren über Niedrigzinsen gesprochen. Jetzt haben wir Nullzinsen bzw. sogar Negativzinsen auf Sparguthaben. Hatte man das vor Corona vielleicht noch für ein vorübergehendes Phänomen gehalten, ist aus dem Niedrigzins für länger heute ein Niedrigzins für immer geworden. Renditen können nur noch erzielt werden, wenn man bereit ist, ins Risiko zu gehen.

Was bedeutet das konkret für Anleger?

Risiko bedeutet, Schwankungen auszuhalten und nicht die Nerven zu verlieren, wenn es nach unten geht. Insofern ist dieses Jahr vielleicht auch ein gutes für Anleger. Es hat gezeigt, dass es sich lohnt, die Nerven zu behalten. Und wir haben gespürt, dass die meisten Kunden tatsächlich die Nerven behalten haben. Schließlich wird es auch eine Zeit nach Corona geben. Das vorhin erwähnte Zinsdilemma stellt die Anleger wie auch professionelle Investoren, allen voran die Versicherer, vor große Herausforderungen. Wir erhalten zahlreiche Fragen – von Sparern wie auch von Versicherungsnehmern – dazu, was sie mit ihrem Ersparten tun sollen und wie man in diesen Zeiten noch sinnvoll fürs Alter vorsorgen kann.

Wie kann man denn noch sinnvoll fürs Alter vorsorgen?

Wenn ich daran glaube, dass die Welt nicht untergeht – und bisher ist die Welt aus Krisen fast immer sogar gestärkt hervorgegangen –, geht es darum, an dem erwarteten Wachstum teilzuhaben. Das kann ich nur, wenn ich mich am Produktivkapital beteilige, zum Beispiel in Form von Aktien oder anderen Sachwerten, die nicht unendlich vorhanden sind.

Gerade ein turbulentes Jahr wie 2020 ist in der Theorie ein Jahr der aktiven Fondsmanager und der professionellen Vermögensverwalter ...

Das ist richtig. In der Phase, in der das Risiko kommt, geht es darum, das Risiko zu begrenzen, Absicherungen ins Portfolio zu holen und anschließend wieder dabei zu sein, wenn es wieder nach oben geht. Das ist die Kunst und die Aufgabe von Vermögensverwaltung.

Wie gut ist das in der Praxis gelungen?

Wenn man sich den Schnitt ansieht, ist es in der Summe gelungen. Allerdings ist der Durchschnitt wenig aussagekräftig. 2020 hat erneut gezeigt, dass es große Unterschiede gibt. Es gibt Fondsmanager, die auch schon in den Vorjahren bewiesen haben, dass sie ihr Handwerk verstehen und auch die Krise in diesem Jahr wieder gut gemeistert haben. Einige Robo-Advisor, die nur mit Algorithmen arbeiten, sind zum Teil noch zweistellig im Minus. Gute aktive Manager haben es hingegen geschafft, das Risiko um die Hälfte zu begrenzen und bereits zum Ende des Halbjahres wieder deutlich positive Ergebnisse zu erzielen. Das zeigt, dass sich gutes aktives Management nach wie vor auszahlt.

Wie findet man diese guten Manager?

Zum Beispiel mithilfe eines professionellen Beraters, der den Markt für den Kunden unter die Lupe nimmt. Wichtig ist bei der Analyse eine langfristige Sicht. Wir beobachten nicht nur das einzelne Jahr, sondern immer mehrere Jahre, und da kristallisieren sich einige Fondsmanager heraus, die ihren Job regelmäßig gut machen. Da ist zum Beispiel TBF von Peter Dreide zu nennen, aber auch Dr. Jens Erhardt und sein Team sowie Hendrik Leber mit ACATIS. Diese Namen gehören zu Recht seit Jahren zu den renommierten Vermögensverwaltern. Sie haben es auch längerfristig geschafft, das Geld gut im Sinne der Anleger zu verwalten.

Gibt es neben den Gesellschaften auch allgemeine Trends, die Berater im Blick haben sollten und die in diesem Jahr an Bedeutung gewonnen haben?

Ja. Auch wenn es bereits länger im Blickfeld ist, so hat das Thema Nachhaltigkeit dieses Jahr nach meiner Einschätzung noch mehr an Bedeutung gewonnen. Doch auch bei der Beratung hat sich etwas getan. Die Digitalisierung der Fondsvermittlung hat einen Schub bekommen. Wir haben jetzt alle gelernt, wie Videokonferenzen funktionieren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten funktioniert das mittlerweile. Der ein oder andere Kundenbesuch kann gerade bei größeren Entfernungen zukünftig auch in der virtuellen Welt stattfinden. Unter Umwelt- und Effizienzgedanken ist das sogar durchaus sinnvoll. Inwieweit sich das mittel- bis langfristig negativ auf die Kundenverbindung auswirkt, muss man aber abwarten, denn der persönliche Kontakt ist schon noch mal etwas anderes, wenn der Kunde tatsächlich vor einem sitzt.

Auch die DKM findet in diesem Jahr digital anstatt in den Westfalenhallen in Dortmund statt. Sie selbst gestalten am 27.10.2020 mit funds excellence den Kongress Investment der DKM digital.persönlich. Warum?

Als langjähriger Partner der DKM halten wir es für selbstverständlich, dass wir auch in diesem Jahr dabei sind. Wir freuen uns, die Erfahrung mitmachen zu dürfen. Durch die verschiedenen Kursentwicklungen gibt es zudem gerade im Investmentbereich einen großen Bedarf an Austausch und Information. Das ermöglicht die DKM in diesem Jahr in digitaler Form. Die hochwertige Information und der fachliche Austausch werden auch im digitalen Raum stattfinden können. Es gibt genügend Themen, die gerade dem Berater auf den Nägeln brennen. Wie gehe ich zum Beispiel mit dem Thema Nachhaltigkeit um? Welche Regulierungsthemen kommen noch auf uns zu? Zu diesen und vielen weiteren Fragen liefert der Kongress Investment der DKM digital.persönlich am 27.10.2020 die Antworten.

Ist das tatsächlich auch auf digitalem Wege möglich?

Ja. Es verlangt natürlich mehr Selbstdisziplin. Aber mit den richtigen Themen und Formaten kann man die Teilnehmer auch am Bildschirm fesseln, sodass sie ihre Aufmerksamkeit gerne schenken. Dann kann Netzwerken und Informieren auch auf digitalem Wege gut funktionieren. Und ich bin überzeugt, dass die DKM digital.persönlich hierfür die professionellen und passenden Mittel, Funktionen und Teilnehmer bieten wird.

Mehr Informationen zum Kongress Investment bei der DKM 2020 gibt es hier.

Bild: © Vlad Chorniy – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Klaus-Dieter Erdmann