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Studie: Ostdeutsche haben ein besseres Anlagehändchen

Deutschland feiert am Wochenende 30 Jahre Deutsche Einheit. Pünktlich dazu hat die Consorsbank die Konten und Depots ost- und westdeutscher Anleger ausgewertet. Insgesamt hat sich das Anlageverhalten demnach angenähert. In diesem Jahr haben Ostdeutsche sogar ein besseres Händchen für die Geldanlage bewiesen als Westdeutsche.

Am 03.10.2020 jährt sich die Deutsche Einheit zum 30. Mal. Trotz einer sukzessiven Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West gibt es auch 30 Jahre nach diesem historischen Ereignis noch Unterschiede und Herausforderungen. Ob das auch bei der Geldanlage der Fall ist, wollte die Consorsbank wissen. Dazu sie die Konten und Depots ihrer rund 1,5 Millionen Kunden anonymisiert ausgewertet.

Weitestgehend angeglichen

Obwohl die Bürgerinnen und Bürger bis zum Ende der DDR in der Regel kaum Berührungspunkte mit Börse und Aktien hatten, hat sich der Analyse zufolge das Anlage- und Tradingverhalten der Ost- und der Westdeutschen mittlerweile weitgehend angeglichen. Dennoch ergibt ein Vergleich zwischen den Einwohnern der alten und neuen Bundesländer an manchen Stellen noch Unterschiede.

Ostdeutsche legen erfolgreicher an

Auch wenn die Börsenerfahrungen in Ostdeutschland noch nicht so weit zurückreichen wie in Westdeutschland, waren die Bürger der neuen Länder zuletzt erfolgreicher bei der Geldanlage. So weisen die Ost-Depots bei der Consorsbank im Zeitraum vom 01.01.2019 bis zum 31.08.2020 eine Performance von durchschnittlich 14,8% auf, West-Depots nur von 12,1%. Besonders groß ist der Unterschied in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres. Von Januar bis August 2020 erzielten die Ostdeutschen eine Rendite von 2,4%, während es in den westdeutschen Depots ein durchschnittliches Minus von 5,3% gab.

Höhere Anlagesummen in Westdeutschland

Ostdeutschen Kunden der Consorsbank verfügen im Schnitt allerdings noch immer über deutlich weniger Anlagevermögen. Liegen in West-Depots durchschnittlich Papiere im Wert von rund 48.300 Euro, so beträgt das Volumen der Ost-Depots im Schnitt 35.800 Euro, also rund ein Viertel weniger. Auch bei der durchschnittlichen Höhe der Transaktionen lagen die Westdeutschen im Jahr 2020 mit 5.700 Euro vor den Ostdeutschen mit 5.100 Euro. Gleiches gilt für Sparplanraten. Bei ETF-Sparplänen liegt der Schnitt im Westen bei 158 Euro, im Osten bei 140 Euro.

Aktivere und wertpapierorientierte Anlage im Westen

Insgesamt setzen die westdeutschen Kunden noch stärker auf Wertpapiere. Unter den Bewohnern der alten Bundesländer ist für 70% das Wertpapierdepot das am meisten genutzte Produkt ist, in den neuen Bundesländern bei 63%. Zudem handeln westdeutsche Kunden etwas mehr. Mit durchschnittlich 25,1 Transaktionen im ersten Halbjahr 2020 gegenüber 24,4 Transaktionen fällt der Unterschied vergleichsweise gering aus.

Ähnliche Aktienfavoriten

Bei den beliebtesten Einzeltiteln unterscheiden sich Ost und West kaum. Die am häufigsten in den Depots vertretenen Aktien sind hier wie dort die Deutsche Telekom, Daimler und Allianz. Gemessen am Volumen tauchen aber auch internationale Großkonzerne wie Apple und Amazon auf beiden Seiten Deutschlands unter den Top-3 auf. Ein paar Differenzen gibt es dennoch. Während im Westen SAP, BMW und Nestlé deutlich beliebter sind, steht die Aktie der Deutschen Post im Osten höher im Kurs. Zudem gibt es laut der Consorsbank einen „Home Bias“ im Osten. So ist zum Beispiel das Papier von Jenoptik aus Thüringen in doppelt so vielen Ost-Depots vertreten wie in den westdeutschen Pendants. (mh)

Bild: © winterbilder – stock.adobe.com

 

Amundi baut Angebot günstiger Nachhaltigkeits-ETFs aus

Amundi hat zwei neue ETFs aufgelegt. Sie bilden Nachhaltigkeitsindizes zu niedrigen Kosten ab. Der Amundi MSCI World Climate Paris Aligned PAB UCITS ETF hat vor allem die Pariser Klimaziele im Fokus, der Amundi MSCI Emerging ESG Universal UCITS ETF das Potenzial der Schwellenländer.

Die Fondsgesellschaft Amundi reagiert mit zwei neuen ETFs auf die steigende Nachfrage nach ESG-ETFs. Der auf Xetra gelistete Amundi MSCI Emerging ESG Universal UCITS ETF bietet Anlegern ein Engagement in Large- und Midcap-Aktien aus 26 Schwellenländern. Beim zugrundeliegenden Index werden die Bereiche Kraftwerkskohle, kontroverse Waffen, Tabak sowie Unternehmen mit ESG-Kontroversen ausgeschlossen. Anschließend werden die Titel neu gewichtet, um das Engagement in Unternehmen mit einem robusten und sich verbessernden ESG-Score zu erhöhen. Die laufenden Kosten des Fonds betragen 0,20% pro Jahr.

Fokus auf Pariser Klimaziele

Der an der Euronext Paris gelistete Amundi MSCI World Climate Paris Aligned PAB UCITS ETF richtet sich an Anleger, die Klimarisiken meiden und gleichzeitig weitere unerwünschte Aktivitäten ausschließen möchten. Die EU-Paris-Aligned-Benchmark sollen helfen, das Ziel des Pariser Klimaabkommens, also die Einhaltung des 2-Grad-Erwärmungsziels, zu erreichen. Konkret werden dabei eine Halbierung der Kohlenstoffintensität gegenüber dem Standardindex sowie weitere jährliche Senkungen der CO2-Intensität von sieben Prozent gefordert. Mit diesem neuen ETF erweitert Amundi das im Juni 2020 lancierte Angebot von Klima-ETFs. Die laufenden jährlichen Kosten betragen 0,25%.

Wachsendes Bedürfnis nach kostengünstigen ESG- und Klima-ETFs

„Mit den neuen Listings bauen wir unser ETF-Angebot für verantwortungsbewusste Anleger aus und tragen ihrem wachsenden Bedürfnis nach kostengünstigen ESG- und Klima-ETFs Rechnung“, kommentiert Fannie Wurtz, Leiterin von Amundi ETF, Indexing & Smart Beta, die Neuauflagen. Um verantwortungsbewussten Anlegern die Auswahl des passenden Investments zu erleichtern, sei das Amundi-ETF-Angebot nach dem Grad der ESG-Integration und der akzeptierten Abweichung zum Standardindex aufgebaut. Das spiegele die unterschiedlichen Bedürfnisse, Ziele und Wertvorstellungen der Investoren bei ihren ETF-Allokationen wider. (mh)

Bild: © iQoncept – stock.adobe.com

 

Versicherer und Banken begrüßen Pläne für europäische Kapitalmarktunion

Die EU-Kommission will eine Kapitalmarktunion schaffen, um die europäischen Kapitalmärkte zu stärken und auszubauen. Bei Branchenverbänden stoßen die Pläne auf Zustimmung. Ein gemeinsamer Kapitalmarkt sei dringlicher als je zuvor.

Die EU-Kommission will bürokratische Hürden am Kapitalmarkt vereinfachen oder abschaffen. Hintergrund ist unter anderem die rückläufige Bankfinanzierung in Folge höherer regulatorischer Anforderungen an Kapital und Liquidität. Die dadurch entstehenden Finanzierungslücke soll durch eine effizientere Zuweisung von Kapital und ein breiter angelegtes und effizienteres Finanzsystem entgegengewirkt werden. Die Europäische Kommission hat sich nun verpflichtet, in den Jahren 2021 und 2022 insgesamt 16 Maßnahmen zu ergreifen, um entscheidende Fortschritte bei der Vollendung der Kapitalmarktunion zu erzielen.

16 Aktionspunkte

Unter den 16 Aktionspunkten sind unter anderem Vorschläge zur Überarbeitung der Verbriefungsregeln. Diese sollen den Finanzierungsspielraum der Banken erweitern, um die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen. Auch eine Verbesserung der grenzüberschreitenden Wertpapierabwicklung und eine stärkere Harmonisierung der Regeln zur Quellensteuererstattung sollen künftig grenzüberschreitende Investitionen innerhalb der EU erleichtern.

Dringlicher denn je

Der deutsche Bankenverband begrüßt die Pläne. Gerade in Zeiten der Pandemie brauche die Wirtschaft viel Kapital. „Ein effizienter, gemeinsamer Kapitalmarkt ist dringlicher denn je“, sagte Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. „Wir brauchen ihn, um den Wiederaufbau nach Covid-19 und die Modernisierung der europäischen Wirtschaft zu finanzieren und Europas Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität dauerhaft zu sichern.“ Die Europäische Kommission habe hierfür nun wichtige Eckpfeiler gesetzt.

Auch der GDV begrüßt die Pläne

Die Versicherungswirtschaft begrüßt die Pläne für eine Kapitalmarktunion ebenfalls. „Der Aktionsplan ist ein wichtiger Impuls für die Vollendung des europäischen Binnenmarktes. Die Vorschläge der EU-Kommission erleichtern institutionellen Anlegern wie den Versicherern grenzüberschreitende Investitionen und erschließen kleinen und mittleren Unternehmen neue Finanzierungsquellen“, meint GDV-Geschäftsführer Jörg Asmussen. Die Umsetzung des Aktionsplans mache die europäische Wirtschaft langfristig digitaler und nachhaltiger und erleichtere kurzfristig die Erholung von der Covid-19-Krise. (mh)

Bild: © mopic – stock.adobe.com

 

DWS und Zurich bleiben Partner im Segment fondsgebundene Altersvorsorge

Die Zurich Versicherung hat sich früh auf die fondsgebundene Altersvorsorge konzentriert. In der Produktentwicklung wird sie dabei von der DWS unterstützt. Nun wurde die Partnerschaft vorzeitig bis 2032 verlängert.

Die DWS Group und die Zurich Gruppe Deutschland haben ihre strategische Partnerschaft im fondsgebundenen Retailgeschäft in Deutschland vorzeitig um 10 Jahre bis zum Jahr 2032 verlängert. Die Unternehmen werden ihre seit 2001 bestehende Zusammenarbeit im Fondsvertrieb und bei der Entwicklung fondsgebundener Versicherungsprodukte damit auch künftig fortsetzen.

Die Partnerschaft soll zum weiteren Wachstum der Mittelzuflüsse sowie des verwalteten Vermögens der DWS beitragen. Aus Zurich-Sicht kann mit der Vereinbarung den eigenen Kunden ein exklusiver Zugang zu bestimmten Fonds- und Investmentprodukten der DWS gegeben werden. Eine Rolle werden dabei auch die ESG-Fonds der DWS spielen. Die Zurich will damit ihre Position als einer der führenden Anbieter fondsgebundener Altersvorsorgelösungen in Deutschland festigen und ausbauen. (bh)

Bild: © kmiragaya – stock.adobe.com

 

Solidvest ermöglicht Ausschluss einzelner Aktien und Anleihen

Digitale Vermögensverwaltungen setzen auf standardisierte Anlagestrategien. Bei Solidvest können Kunden ab sofort aber auch gezielt ausgewählte Aktien und Anleihen einzelner Unternehmen daraus ausschließen. Der Service soll für einige Berufsgruppen besonders interessant sein.

Als erster und bislang einzige digitale Vermögensverwaltung ermöglicht Solidvest den Anlegern ab sofort den Ausschluss ausgewählter Einzeltitel aus ihrem Depot. Diese werden auf einer individuellen No-Buy-List vermerkt. Kunden der digitalen Vermögensverwaltung der DJE Kapital AG haben die Möglichkeit online, per E-Mail oder Telefon bestimmte Aktien oder Anleihen aus ihrem Depot auszuschließen. Der Service gilt für Bestands- wie Neukunden und es entstehen dabei keine zusätzlichen Kosten.

Für bestimmte Berufsgruppen besonders interessant

Der Extraservice ist laut Solidvest besonders relevant für Berufsgruppen wie Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Anwälte, die zum Beispiel aufgrund interner Auflagen bzw. Compliance-Vorgaben bestimmte Titel nicht erwerben oder halten dürfen. Dieser Service richtet sich zudem an Anleger, die aus anderen – etwa persönlichen Gründen – gewisse Unternehmen nicht in ihrem Depot haben möchten.

Unterstützung von Solidvest

Zur compliance- und rechtskonformen Umsetzung des Ausschlussverfahrens erhält der Kunde Unterstützung von Solidvest. Dabei werden sämtliche betroffene Titel, etwa Vorzugs- und Stammaktien oder Anleihen, vom Handel sowie dem Depot des Anlegers ausgeschlossen. Der Ausschluss erfolgt über die sogenannte LEI der weltweit höchsten Muttergesellschaft. Der „Legal Entity Identifier-Code“ ist eine 20-stellige Kennnummer zur Identifikation. (mh)

Bild: © Brian Jackson – stock.adobe.com

 

Finanzprofis bleiben zuversichtlich für den Rest von 2020

Die European Bank for Financial Services GmbH (ebase) hat ihre Vertriebspartner zu den Aussichten des Dax bis zum Jahresende befragt. Der Umfrage zufolge gibt es unter den Finanzexperten deutlich mehr Optimisten als Pessimisten.

Eine aktuelle Umfrage unter den ebase-Vertriebspartnern zeigt, dass die Finanzprofis überwiegend positiv auf die nächsten Monate an den Aktienmärkten blicken. Nur 26% der Befragten rechnen beim Dax bis zum Jahresende mit sinkenden Indexständen. Im April waren unter dem Eindruck des Corona-Ausbruchs noch fast 32% der Befragten der Meinung waren, dass der Dax im Lauf der kommenden zwölf Monaten sinken werde.

Fast jeder Zweite erwartete steigenden Dax

44% der befragten Finanzprofis gehen derzeit davon aus, dass der Dax bis zum Jahresende weiter steigen wird. „Der Optimismus unter den Finanzexperten überwiegt trotz des bereits erfolgen Kursanstiegs weiterhin“, kommentiert Kai Friedrich, Sprecher der Geschäftsführung von ebase, die Ergebnisse der Umfrage unter 231 Vertriebspartnern der B2B-Direktbank. Rückblickend habe sich zudem die optimistische Einschätzung der ebase-Partner vom April dieses Jahres vorerst bewahrheitet, da der Dax seit der letzten Befragung deutlich zugelegt hat.

Deutlich mehr Käufe als Verkäufe

„Die Zuversicht der Finanzprofis könnte ein Ausdruck dessen sein, dass sie die schlimmsten Auswüchse der Corona-Krise als überstanden ansehen und auch keinen weiteren Lockdown erwarten“, sagt Friedrich. Eine ähnliche Einschätzung lasse das Kaufverhalten der ebase Kunden zu. Trotz der Sommerferien in vielen Bundesländern lag das Handelsvolumen der aktiv gemanagten Fonds im August um fünf Prozentpunkte über dem durchschnittlichen Handelsvolumen des Vorjahrs. Der Fundflow-Faktor lag im August bei 1,36. Die Mittelzuflüsse in aktiv gemanagten Fonds waren somit um 36% höher als die Abflüsse. (mh)

Bild: © Eisenhans – stock.adobe.com

 

Studie: Aktienfondsmanager schlagen sich besser als Anleihefondsmanager

Lyxor ETF hat die Performances aktiver Fondsmanager im ersten Halbjahr 2020 analysiert. Demnach haben Manager von Aktienfonds deutlich besser abgeschlossen als ihre Anleihependants. Auch auf längere Sicht ist der Anteil, der seine Benchmark geschlagen hat, deutlich höher als bei Anleihefonds.

Nach einem relativ schwachen Vorjahr haben die aktiven Aktienfondsmanager die Überraschungen und Unwägbarkeiten der Covid-19-Pandemie in der ersten Hälfte des Jahres 2020 relativ gut bewältigt. Zu diesem Fazit kommt der „Aktiv-Passiv-Navigator“, den das Research & Solutions-Team von Lyxor ETF vorgestellt hat.

53% haben die Benchmark geschlagen

Die Studie analysiert die Performance aktiver Fonds im Vergleich zu ihren Benchmarks und gibt zudem einen Überblick über die Trends auf den globalen Märkten. Die aktuelle Ausgabe zeigt, dass im Durchschnitt 53% der aktiven Aktienfondsmanager im ersten Halbjahr 2020 besser abschnitten als ihre wichtigsten Benchmarks. Bei aktiven Managern von Small-Cap-Aktienfonds wiesen im Durchschnitt sogar 70% eine bessere Performance aus.

Nur jeder dritte Anleihefonds besser als seine Benchmark

Aktive Rentenfondsmanager hinkten in der ersten Jahreshälfte hinterher. Nur ein Drittel übertraf seine Benchmark. Den meisten Managern gelang es somit nicht, mit der weltweiten Rekordflut an geld- und fiskalpolitischen Stimulierungsmaßnahmen Schritt zu halten, die die Renditen auf Tiefstständen hielten und die Anleihekurse in die Höhe trieben. Bei US-Staatsanleihen übertrafen sogar nur 21% der aktiven Fonds ihre Benchmark. Euro-High-Yield-Manager schafften dagegen zu 51% eine Outperformance.

Auch langfristig hinken Anleihefondsmanager öfter hinterher

Das Lyxor-ETF-Research-Team hat neben der Halbjahresleistung auch die Leistung über längere Zeiträume hinweg analysiert. Über einen kontinuierlichen Fünfjahreszeitraum hatten demnach sowohl Aktien- als auch Anleihemanager Mühe, ihre Benchmark konstant zu übertreffen. Bei Aktienfonds lag der Anteil bei 36%, bei Anleihefonds sogar nur bei 19%. Das unterstreicht laut Lyxor ETF die Bedeutung einer dynamischen Portfolio-Allokation und eines starken Fondsauswahlprozesses. (mh)

Bild: © andilevkin – stock.adobe.com

 

„Würde es Covid-19 nicht geben, hätten wir es eigentlich erfinden müssen“

Folker Hellmeyer war lange Chefanalyst der Bremer Landesbank und ist ein gefragter Investmentexperte in TV und Print. Auf die aktuelle Corona-Krise blickt er relativ gelassen. Die Gefahr eines zweiten Crashs ordnet der Experte als niedrig ein. Wirtschafts- und geldpolitisch käme Covid-19 insbesondere den USA sogar gelegen.

Herr Hellmeyer, die Aktienmärkte haben sich erstaunlich rasch vom Corona-Crash erholt. Zwischendurch ging es aber auch schon nach unten. Und auch die Infektionszahlen steigen nun wieder. Droht 2020 noch eine zweite Crash-Welle?

Das Risiko ist nicht völlig auszuschließen. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario sehe ich aber bei nur 10%.

Warum so niedrig?

Die erhöhten Zahlen positiv getesteter Personen hängen aktuell zu großen Teilen mit der Erhöhung der Tests zusammen. Entscheidender ist: Die Corona-Krise hatte uns unvermutet getroffen. Weder das Gesundheitswesen noch die Politik noch die Wirtschaft waren auf diese Situation vorbereitet. Deswegen hat es im März diesen Corona-Ausbruch und in der Folge den Wirtschafts- und als Konsequenz den Markteinbruch gegeben. Heute ist das Gesundheitswesen weitaus potenter und die Politik ist besser aufgestellt und vorbereitet.

Inwiefern?

Wir haben die Gesundheitssysteme auf die Höhe der Zeit gebracht. Wir reagieren mit regionalen Antworten wie regionalen Lockdowns auf regionale Ausbrüche. Wir wissen darüber hinaus, dass es ein temporäres Problem ist. Ich verweise auf die Themen Impfstoffe und Herdenimmunität. Die Rezession infolge der Corona-Krise basiert auf einem exogenen Ereignis. Damit unterscheidet sie sich fundamental von klassischen Rezessionen, die auf Erschöpfungszuständen in der Wirtschaft basieren. Es ist eine völlig andere Konstellation. Wir erleben in den Sektoren, in denen der Lockdown aufgehoben wird, eine v-förmige Erholung. In den anderen kann es noch keine v-förmige Erholung geben, weil die Politik sie verhindert. Das zeigt, dass das Grundraster der Ökonomie gesund ist. Zudem haben wir Konjunkturprogramme, von denen wir wissen, dass sie ab 2021 das Wachstumsbild positiv beeinflussen werden. Und darüber hinaus befinden wir uns in einem Anlagenotstand, der noch viel kritischer ist als jemals zuvor in der Geschichte der Welt.

Überwiegt das die kritische Situation wegen der Corona-Krise?

Die Corona-Rezession ist ein temporäres und politisch administriertes Problem und keine endogene Wirtschaftskrise. Genau das spiegelt die Entwicklung an den Märkten wider. Die Bewertungen sind bezogen auf Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnisse zwar historisch hoch. Wenn aber gleichzeitig das Zins­niveau politisch gewollt auf einem null­negativen Niveau verankert ist, muss man fragen, ob die klassischen Bewertungsrelationen noch zulässig sind, die darauf basierten, dass es attraktive Alternativanlagen mit Erträgen gab.

Wie kritisch ist die konjunkturelle Situation?

Die Lage ist hinsichtlich quantitativer Merkmale kritisch. Die qualitativen Kriterien sind weitaus unkritischer. Wir sehen eine dynamische Erholung in den Bereichen, die politisch administriert wieder geöffnet werden. Das impliziert für mich Zuversicht nach vorne. Wir haben heute in der Weltwirtschaft das größte Konjunkturprogramm, das je aufgelegt worden ist. Es hat zwei Elemente. Beide davon sind wichtig. Das erste ist das konsumtive Element. Die tragenden Säulen der Ökonomie werden während der politisch administrierten Rezession über diverse Interventionen des Staates erhalten. Das ist wichtig, damit die Wirtschaft später wieder Vollgas geben kann. Wären die Strukturen kaputt, müssten diese erst wieder mühsam aufgebaut werden. Dann wäre eine schnelle und nachhaltige Wirtschaftserholung nur schwer möglich.

Und das zweite Element?

Wir investieren mit den geplanten nationalen und supranationalen Konjunkturprogrammen massiv in neue Strukturen. Gerade diese Investitionen dürften ab 2021 eine positive Wirkung entfalten, zumal all das durch Unternehmenstätigkeit gestemmt werden muss. Und Unternehmenstätigkeit heißt nichts anderes als Bilanzwachstum, Skaleneffekte und erhöhte Gewinnpotenziale. Das ist ein Aspekt für die zügige Erholung, den die Märkte erkannten und erkennen.

Also die Krise als Chance für starke Unternehmen?

Vollkommen richtig. Ich bin für die mittel- bis langfristige Konjunkturlage sehr optimistisch. Ab 2021 sehe ich für die meisten Wirtschaftsräume dieser Welt ein Wachstum am oberen Rand des Potenzials, und das bei einem fortgesetzten Anlagenotstand, denn die enormen Programme, die jetzt aufgesetzt werden, erfordern die Fortsetzung des Niedrigzinsniveaus. Würde es Covid-19 nicht geben, wir hätten es eigentlich erfinden müssen. Nehmen Sie das Beispiel USA. Wir hatten in den USA im letzten Jahr ein riesiges Problem: gut 2% Wachstum bei einem Haushaltsdefizit von mehr als 5% der Wirtschaftsleistung. Das heißt nichts anderes, als dass es keine selbsttragenden Kräfte in der Ökonomie gab. Das ist eine Katastrophe. Die USA brauchten das extreme Niedrigzinsniveau, um Handlungsfähigkeit zu erhalten und mit Covid-19 haben die USA genau das bekommen.

Wie gefährlich sind hohe Staatsschulden?

Entscheidend ist nicht die Brutto­verschuldung, sondern die Schuldentragfähigkeit. Der japanische Yen war in den letzten Jahren trotz eines Verschuldungsgrads Japans von ca. 240% des BIP eine Fluchtwährung. Wenn man wie Deutschland zu einem Zins von null finanziert, hat man eine unendliche Schuldentragfähigkeit. Wenn wir dann die öffentlichen Mittel für sinnvolle Investitionen einsetzen, dann ist das eine gute Politik.

Ist die „whatever it takes“-Politik der EZB nicht doch gefährlich?

Ganz im Gegenteil. Aus der Betrachtung der letzten zehn Jahre wissen wir, dass die Eurozone mit ihrer Reformpolitik die größten Fortschritte aller großen westlichen Industrienationen gemacht hat. Hätte es „whatever it takes“ nicht gegeben, dann wäre die Eurozone zerfallen, die auf einem guten Reformweg war. Die einzelnen europäischen Länder hätten sich dann nach dem Zerfall Wirtschaftszonen untergeordnet, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, wie zum Beispiel die USA. Das wäre irrsinnig gewesen. Die „whatever it takes“-Politik war richtig. Sie funktionierte auch, weil man den Weg zum Niedrig- und Nullzinsniveau einschlug, der die stark belastenden Zinseszinseffekte nivellierte oder neutralisierte.

Drohen dadurch aber nicht Exzesse?

Das sehe ich in Breite und Tiefe nicht, weil sie durch Regulierungen bei Eigenkapital- und Solvenzregeln verhindert werden. Durch sie werden die negativen Folgen einer solchen Zins­politik weitestgehend ausgeschlossen. Wir halten auch keine Zombieunternehmen am Leben, wie von Gegnern der Niedrigzinsen oft argumentiert wird. Schlechte Unternehmen erhalten auch in diesem Zinsumfeld keinen Nullzins. Sie zahlen auch heute noch 7, 8 oder 9%. Zombieunternehmen werden also keinesfalls zum Nulltarif mit durchgeschleppt.

Wie haben Sie die Portfolios in diesem Umfeld ausgerichtet?

Wir haben derzeit eine Aktienquote von etwa 70%. Zudem setzen wir auf eine breite regionale Streuung. Hinzu kommt eine Cash-Quote von um die 10%, um Opportunitäten wahrnehmen zu können, wenn sie sich ergeben. Darüber hinaus haben wir einen Anteil an Edelmetallaktien und auch an Gold direkt.

Gold boomt 2020 wie nie zuvor. Ist dieser Boom berechtigt?

Ich habe schon um die Jahrtausendwende herum darauf hingewiesen, dass das Weltfinanzsystem Krebs hat. Und genau deshalb brauchen wir Asset-Klassen außerhalb des Systems. Dazu zählt auch Gold. Und heute hat das Weltfinanzsystem mehr Krebs als 2000/2001, weil sein Epizentrum, die USA, in einer prekären Lage ist. Die USA untergraben durch ihre Politik den Status des Dollars als Weltleitwährung. Das ist einer der Primärkatalysatoren für den Boom von Gold.

Zudem werden die USA wirtschaftlicher zunehmend unbedeutender. Lag ihr Anteil an der Weltwirtschaft mal bei 25%, so liegt er mittlerweile unterhalb von 15%. Hinzu kommt, dass sich immer mehr Zentralbanken der Welt von dem System eman­zipieren und Reserven in Form von Gold aufstocken. Einen weiteren Anstieg auf 2.300 Dollar innerhalb der nächsten Monate halte ich vor diesem Hintergrund noch für eine konservative Prognose. Und auch darüber hinaus dürfte sich Gold als Portfoliobeimischung bewähren. (mh)

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 09/2020 und in unserem ePaper.

Bild: © m.mphoto – stock.adobe.com

 

Vontobel stellt neuen US-Aktienfonds vor

Vontobel Asset Management erweitert sein Produktangebot um einen US-Small-Mid-Cap-Fonds: den Vontobel Fund II – KAR US Small-Mid Cap. Bei dem neuen Fonds arbeitet die Gesellschaft mit einem erfahrenen US-Investmentmanager zusammen.

Vontobel Asset Management lanciert den Vontobel Fund II – KAR US Small-Mid Cap. Für den Fonds arbeit die Schweizer Gesellschaft mit Kayne Anderson Rudnick (KAR), einem Investmentpartner von Virtus Investment Partners, zusammen. Dadurch soll Anlegern der Zugang zu hochwertigen Aktien kleiner und mittlerer US-amerikanischer Unternehmen ermöglicht werden. Die Partnerschaft mit KAR baut auf einer seit 15 Jahren bestehenden Beziehung von Vontobel und Virtus auf, einem Investmentmanager, der in den USA bei der SEC registrierte Anlagefonds vertreibt, an denen die Vontobel Quality Growth Boutique als Subadvisor beteiligt ist.

Disziplinierter Anlageprozess

KARs High-Conviction-Ansatz mit Bottom-up-Fokus auf Qualität ergänzt das 5 Mrd. Dollar umfassende US-Large-Cap-Segment von Vontobel um US-Unternehmen mit niedriger Marktkapitalisierung. Der Fonds folgt einem disziplinierten Anlageprozess mit dem Ziel, langfristig attraktive risikobereinigte Renditen durch Investition in Aktien von kleinen und mittleren US-amerikanischen Unternehmen mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen, erstklassigem Management und geringerem finanziellen Risiko zu generieren.

Breites Chancenspektrum

Das US-Small-Mid-Cap-Universum bietet mit nahezu 3.500 Unternehmen Zugang zu einem breiteren Chancenspektrum von hochwertigen Unternehmen mit etablierter Geschäftstätigkeit und führendem Marktanteil. „Insbesondere im aktuellen Umfeld sind hochwertige Anlagen neben einem soliden Risikomanagement wesentlich, um eine langfristige Outperformance erreichen zu können“, erklärt René Weinhold, Head of Deutschland und Österreich bei Vontobel Asset Management. (mh)

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Das sind die zehn Top-Aktien von Börsenlegende Warren Buffett

Warren Buffett feiert in diesen Tagen seinen 90. Geburtstag. Das Orakel aus Omaha hat es dank cleverer Investments zu einem der reichsten Menschen der Welt gebracht. Und auch mit 90 hat er noch lange nicht genug von Aktien. AssCompact zeigt die derzeit zehn größten Positionen seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway.

 
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