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AllianzGI stellt drei neue Nachhaltigkeitsfonds vor

Allianz Global Investors (AllianzGI) hat drei neue Themenfonds aufgelegt. Ihr Anlageschwerpunkt liegt auf Unternehmen, die Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen anbieten und zum Erreichen der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung beitragen.

Die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Social Development Goals, SDGs) etablieren sich allmählich auch in der Fondslandschaft. AllianzGI hat nun drei globale Aktienfonds aufgelegt, die es Kunden ermöglichen sollen, in Übereinstimmung mit den SDG-Zielen der UN mit ihrer Kapitalanlage zu positiven Veränderungen beizutragen. Die neuen Fonds verbinden laut der Fondsgesellschaft zwei Anlagesegmente, die weltweit stark an Bedeutung gewinnen: thematische und nachhaltige Investments. Sie ergänzen zudem die bereits bestehenden Fonds Allianz Global Water und Allianz Smart Energy.

Positiver Wandel

Der Allianz Positive Change investiert in Aktien von Unternehmen, die mit ihren Produkten oder Dienstleistungen ein breites Spektrum an gesellschafts- bzw. umweltpolitischen Zielen unterstützen. Während damit theoretisch sämtliche 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung angesteuert werden können, fokussiert sich der Fonds in der praktischen Umsetzung auf fünf bis zehn ökologische und soziale SDGs. Derzeit sind das die Themenbereiche Wasser, sauberes Land/Kreislaufwirtschaft, Gesundheit, Ernährungssicherheit, Energiewende und Bildung.

Sauberer Planet und Ernährungssicherheit

Der Fonds Allianz Clean Planet hingegen konzentriert sich mit seiner Anlagestrategie auf ökologische SDGs. Der dritte neuen Fonds, der Allianz Food Security, widmet sich ganz dem Thema Ernährungssicherheit. Er setzt auf Unternehmen, die mit ihren Lösungen zu einer Verbesserung der weltweiten Versorgung mit Nahrungsmitteln und deren nachhaltigen Erzeugung beitragen. (mh)

Bild: © wladimir1804 – stock.adobe.com

 

„Crowdinvesting kommt längst nicht mehr nur bei Start-ups zum Einsatz“

Interview mit Jamal El Mallouki, Geschäftsführer der CrowdDesk GmbH und Vorsitzender des Bundesverband Crowdfunding e. V.Crowdinvestments bieten Unternehmen eine alternative Finanzierungsmöglichkeit und Anlegern zugleich eine zusätzliche Investitionsmöglichkeit. Das überzeugt immer mehr Unternehmen und Anleger. Dank Plattformen wie CrowdDesk können auch Finanz- und Versicherungsvermittler mittlerweile von dem Boom profitieren.

Herr El Mallouki, Sie sind nicht nur Geschäftsführer von CrowdDesk, sondern auch Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Crowdfunding. Wie steht der deutsche Crowdinvestmentmarkt im internationalen Vergleich da?

Im Vergleich zu China oder den USA ist der Markt zwar noch relativ klein. Er hat sich aber in den zurückliegenden Jahren in Deutschland definitiv etabliert und knackte im vergangenen Jahr erstmals die Grenze von 1 Mrd. Euro. Im globalen Ranking liegt Deutschland auf Platz 6. Mittlerweile kommt Crowdinvesting längst nicht mehr nur bei Start-ups zum Einsatz. Auch kleine und mittelständischen Unternehmen, Projektentwickler aus dem Energie- und Immobilienbereich oder Konzerne nutzen die Crowd für die Kapitalbeschaffung. Und auch Banken wie etwa die DKB, die GLS Bank oder auch die Volksbank Würzburg entdecken allmählich das Potenzial von Crowdinvesting. Sie bieten ihren Firmenkunden so eine zusätzliche Möglichkeit, um an Kapital zu gelangen. Ihre Privatkunden erhalten hingegen eine neue Investitionsmöglichkeit.

Neben den Unternehmen hat auch die Zahl der Plattformen für Crowdinvestings zugenommen. Was unterscheidet CrowdDesk von anderen Anbietern?

CrowdDesk ist eine Software-as-a-Service-Lösung (SaaS) zur Kapitalaufnahme und Vermittlung von Finanzanlagen. Damit unterscheiden wir uns von herkömmlichen Crowdinvesting-Plattformen, die meist selbst die Finanzierungsprodukte anbieten. CrowdDesk ist hingegen das System hinter der Plattform. Wir selbst bieten nichts an, sondern bringen Anleger und Vermittler sowie Unternehmen auf der Suche nach Finan­zierungen zusammen.

Das funktioniert aber nur, wenn man viele Unternehmen wie auch Kunden von der Plattform überzeugt. Wie sieht es diesbezüglich bei CrowdDesk aus?

Vom Start-up bis zum Konzern nutzen viele Unternehmen unsere Software, um über digitale Finanzinstrumente Kapital bei der Crowd einzuwerben. Die Projektvielfalt ist entsprechend groß. Für sie ist das ein alternativer Weg der Kapita­lbeschaffung. Neben den bereits erwähnten Banken nutzen auch andere Finanzunternehmen un­sere Produkte, etwa Emissionshäuser oder 34f-­Finanzanlagenvermittler. Sie digitalisieren ihr Geschäftsmodell mit uns und erweitern es um digitale Vertriebskanäle.

Wie ist CrowdDesk der Aufbau eines solchen Kundennetzwerks gelungen?

Wir können mit unserer Software praktisch jedes Finanzinstrument digital abbilden. Das macht es für viele klassische Unternehmen, die Kapitalbedarf haben, und viele Finanzunternehmen, deren Geschäft die Kapitalvermittlung ist, interessant, mit uns zusammenzu­arbeiten. Zudem hat auch Corona dazu beigetragen, dass sich immer mehr Unternehmen mit alternativen Finanzierungsmöglichkeiten beschäftigen und den digitalen Weg gehen wollen.

Welche Rolle spielt die Person des Finanzberaters und -vermittlers bei CrowdDesk?

Eine sehr wichtige Rolle. Finanzberatern und -vermittlern wollen wir eine Möglichkeit bieten, den analogen Vertriebskanal um einen digitalen Weg zu erweitern. Corona hat gezeigt, dass der analoge Weg in Zukunft vielleicht nicht immer so einfach umzusetzen ist. Mit uns können Finanzvermittler ihre Kunden vollständig digital ansprechen – mit eigener Website, einer digitalen Dokumentenverwaltung und einem vollständig rechtssicheren und digitalen Zeichnungsprozess. Zudem passieren keine leichtfertigen Fehler mehr wie etwa fehlende Unterschriften auf den Unterlagen.

Mit CrowdDesk NEXT haben Sie in diesem Jahr einen neuen Dienst gestartet. Was bietet er?

CrowdDesk NEXT ist ein Marktplatz für digitale Finanzprodukte. Auf ihn stellen Unternehmen prospektierte wie auch unprospektierte Emissionen ein. Diese Angebote stehen all unseren Partnern mit 34f-Lizenz zur Verfügung. Sie erhalten so Zugriff auf eine Vielzahl von digitalen Emissionen für ihren Finanzvertrieb. Dabei kann sogar die eigene Website eingebunden werden. Auf ihr können Vermittler ausgewählte Emissionen zur Online-Zeichnung anbieten. Alternativ besteht die Möglichkeit, über das CrowdDesk-System eine kostenfreie Standard-Website zu erstellen. Nun müssen nur noch die Kunden über die neuen Finanzprodukte informiert werden, zum Beispiel über E-Mails oder über die sozialen Netzwerke.

Allerdings herrscht nicht nur bei Unternehmen, sondern auch bei Beratern oft noch Skepsis gegenüber neuen und digitalen Finanzierungsangeboten …

Das ist richtig. Bisher nutzen nur wenige Finanzvermittler digitale Instrumente beim Vertrieb von Finanzprodukten, was besonders in der aktuellen Situation gravierende Folgen haben kann. Dabei ermöglichen unsere Lösungen wie der CrowdDesk PRO Agent Finanzvermittlern nicht nur, ihren Kunden deutlich mehr Produkte anzubieten. Sie schaffen auch mehr Rechtssicherheit, denn der Online-Zeichnungsprozess erfüllt alle rechtlichen Anforderungen. Regulatorische Anforderungen sind automatisch hinterlegt, sodass diesbezüglich keinerlei Fehler unterlaufen können. Das ist gerade in Zeiten zunehmender und ständig wechselnder Regulierung ein wichtiges Thema. Die vollständig digitale Zeichnungsstrecke ist zudem unabhängig von Ort und Zeit. Durch sie erhalten Finanzvermittler einen zusätzlichen Vertriebskanal für ihre Finanzprodukte – und das ohne regionale oder zeitliche Begrenzung. Physischer Kundenkontakt ist nicht mehr zwingend notwendig. Das hat gerade durch die Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. Und gerade im Herbst und Winter ist nicht ausgeschlossen, dass die Kontaktbeschränkungen wieder verschärft werden. Durch die digitale Abwicklung sinken auch die administrativen Kosten und der Verwaltungsaufwand. All das ist weitgehend ohne technische Vorkenntnisse möglich, da die Software webbasiert und intuitiv und leicht zu handhaben ist. Und durch die Zeit­ersparnis können Berater und Vermittler sich wieder mehr auf die Kunden konzen­trieren und so die Qualität in Beratung und Vermittlung wesentlich verbessern.

Wie herausfordernd war es, diese Prozesse regulatorisch sauber umzusetzen?

Das war natürlich viel Arbeit. Dennoch war es die Mühe wert. Gerade bei Investitionen in Sachwerte finden auch heute noch viele Prozesse händisch statt. Das bedeutet enormen Aufwand, nicht nur für die Kunden und Vermittler, sondern auch für die Gesellschaften. Und wie angesprochen auch Probleme mit der Rechtssicherheit. Mithilfe von CrowdDesk ist der gesamte Zeichnungsprozess zu 100% digital. Davon profitieren am Ende alle Seiten. Auch deshalb konnten wir im Sommer unter anderem die BVT Holding, Ökorenta und Habona Invest davon überzeugen, ihren Finanzvertrieb mithilfe von CrowdDesk zu digitalisieren. Gerade Sachwerte erfreuen sich in der Krise immer größerer Beliebtheit. Finanzvermittler scheuen aber aufgrund des Aufwands noch immer oft vor ihnen zurück. Das ist schade, denn so geben sie einen attraktiven Markt aus der Hand. Die Gesellschaften wiederum verlieren wichtige Teile ihres Vertriebsnetzwerks, wenn sie ihre Prozesse nicht digitalisieren.

Können auch Vermittler ohne 34f-Lizenz wie zum Beispiel Versicherungsvermittler bei CrowdDesk teilhaben?

Einige unserer Kunden binden bereits aktiv Versicherungsvermittler als Tippgeber in die Ansprache neuer Inves­torenzielgruppen ein. Dabei beschränkt sich die Tätigkeit der Versicherungsvermittler regelmäßig auf die Ansprache ihres Netzwerks und den Hinweis auf das Angebot der Plattformbetreiber. Die Versicherungsvermittler partizi­pieren dabei als sogenannte Affiliatepartner an den durch die Kontaktherstellung resultierenden Umsätzen. Ein einfaches Geschäftsmodell, jedoch effektiv und lukrativ, wenn man selbst nicht als Finanzanlagenvermittler/-berater auftreten möchte. Im Bereich des Online-Handels ist die Rolle des Affiliatepartners längst etabliert und bei der Kundenansprache kaum wegzudenken.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 11/2020, Seite 60f., und in unserem ePaper.

Bild: © SurfupVector – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Jamal El Mallouki

Warum gerade jetzt auf börsennotierte Infrastruktur setzen?

Zoom-Konferenzen, Skypen mit Freunden und Familie, Filme streamen über Netflix – und das alles in einem angenehm temperierten und beleuchteten Zuhause. Die Corona-Pandemie hat noch deutlicher gemacht, wie wichtig eine gut ausgebaute und funktionierende Infrastruktur ist. Verstärkte Investitionen in diese Lebensadern kommen Besitzern und Betreibern physischer Infrastruktur zugute und damit auch Investoren in diesem Segment, sagt Alex Araujo, Fondsmanager des M&G (Lux) Global Listed Infrastructure Fund.

Nachdem der Crash im Frühjahr überwunden war und die Aktienmärkte sich wieder erholten, begann eine bemerkenswerte Rallye – angeführt vom Technologiesektor. In der Anfangsphase der Krise hatten sich börsen­notierte Infrastrukturunternehmen – mit Ausnahme von Transport- und Energieinfrastruktur – als recht widerstandsfähig erwiesen. Später fielen sie allerdings weitgehend zurück und wurden in einigen Fällen geradezu übersehen. Für Investoren mit einem langfristigen Horizont bot das Szenario einzigartige Möglichkeiten für den Einstieg.

Langfristig resilienter als der Gesamtmarkt

Der wochenlange Stillstand und die gebremste Mobilität trafen den Transportbereich besonders hart. Mittlerweile hat die Reisetätigkeit zwar wieder zugenommen, aber besonders Flughäfen dürften strukturell vor größeren Herausforderungen stehen. Profitiert haben hingegen solche Bereiche, die für das Funktionieren von Gesellschaft und Wirtschaft entscheidende Güter beisteuern. Dazu gehören Krankenhausinfrastruktur und die Bereitstellung wesentlicher Versorgungsdienste wie Wasser und Elektrizität.

Generell neigen börsennotierte Infrastrukturunternehmen dazu, sich von Rückschlägen schneller als der Gesamtmarkt zu erholen. In einer unsicheren Welt wachsen sie zuverlässig und stetig, weil sie einerseits das reibungslose Funktionieren der globalen Wirtschaft ermöglichen und Infrastruktur auf der anderen Seite als Anlageklasse von den großen Trends profitiert – Stichwort „erneuerbare Energien“ oder „digitale Konnektivität“. Dazu kommt die Aussicht auf stärkere öffentliche Investitionen in Infrastruktur im Rahmen der Unter­stützungsprogramme nach der Krise.

Auf der Welle der digitalen Infrastruktur reiten

Die digitale Infrastruktur wird die Welt von morgen prägen: Der Datenverkehr in den unterirdischen Glasfasernetzen steigt stetig. Es werden immer mehr Daten produziert, verbreitet und verarbeitet. Die Krise hat damit einen Trend beschleunigt, der bereits vorher be­gonnen hat. Und je weniger mobil die Menschen durch die aktuellen Einschränkungen sein können, desto stärker sind sie von digitaler Unterstützung abhängig – beruflich wie privat.

In Europa steht zum Beispiel die schnelle Einführung von 5G-Netzen ganz vorne auf der Aufgabenliste von Ländern und Gemeinden. Allein der deutsche Plan zur wirtschaftlichen Erholung sieht 50 Mrd. Euro für Digitalisierung, Innovationen und Bekämpfung des Klimawandels vor.

Rechenzentren oder Funkturmbetreiber profitieren von diesem starken strukturellen Wachstum. Darum haben wir aktuell etwa 18% unseres Fondsport­folios in Unternehmen aus dem Bereich der digitalen Infrastruktur investiert.

Mit Versorgern in eine grüne Zukunft starten

Die Europäische Union hat eine umfassende Agenda erstellt, die stark auf eine grüne Erholung abzielt. Unter dem Stichwort „Next Generation EU“ werden dabei Projekte für erneuerbare Energien, sauberen Verkehr und auch regenerative Systeme wie die Kreislaufwirtschaft gefördert. Auf diese Weise soll eine Gesellschaft unterstützt werden, die weiterverwertet und recycelt, statt immer mehr Müll zu produzieren.

Der Übergang zu grüner Energie steht für viele Versorger im Mittelpunkt ihrer Geschäftsmodelle. Beispiele für die vorbildliche Entwicklung und den Einsatz von Strom- und Windenergie gibt es weltweit. Seit dem Ausbruch der Krise haben wir unser Engagement im Versorgungssektor erheblich ausgeweitet und sechs neue Namen aufgenommen. Dazu gehören Nextera Energy Partners, ein in den USA ansässiger Marktführer im Bereich der erneuerbaren Energieerzeugung und China Gas Holdings, ein in Hongkong börsennotiertes Erdgasversorgungsunternehmen mit Anlagen in China. Dieses Unternehmen leistet einen bedeutenden Beitrag zur Umstellung chinesischer Unternehmen und Haushalte von der Nutzung von Kohle auf sauber verbrennendes Erdgas. Insgesamt ist der Umstieg auf Erdgas eine Schlüsselvoraussetzung für die Energiewende, sozusagen als Zwischenstadium, bevor der Energiebedarf vollständig durch Erneuerbare gedeckt werden kann.

Gerade in stürmischen Zeiten gelten Versorgungsunternehmen als stabil, denn ohne sie ist eine Grundversorgung mit Strom, Wasser oder Gas nicht möglich. Weil sich physische Infrastrukturanlagen wie zum Beispiel Gasleitungen nicht beliebig duplizieren lassen, bilden sie für ihre Eigentümer eine starke Basis. Was diesen Sektor zudem auszeichnet, ist die nahezu beispiellose Zuverlässigkeit in puncto Dividendenzahlungen.

Im US-Wahljahr Impulse für Infrastruktur nutzen

Auf der ganzen Welt sind Regierungen dabei, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Gerade in den USA könnten sich finanzpolitische Impulse in naher Zukunft als positiv für börsennotierte Infrastrukturunternehmen auswirken. Denn der Kampf gegen die marode Infrastruktur des Landes ist einer der wenigen Punkte, die sich in den Wahlkampfprogrammen sowohl der Demokraten als auch der Republikaner wiederfinden. Darum ist zu erwarten, dass eine neue US-Regierung die zum Teil bereits angestoßenen Projekte vorantreibt. Mehr öffentliche Gelder werden dann in den Ausbau von Straßen, Stromnetzen oder den öffentlichen Personenverkehr fließen. Ein Beispiel dafür, wie das schon jetzt umgesetzt wird, kommt von der staatlichen Betreiberin eines der am meisten befahrenen Straßennetze der USA, der New Jersey Turnpike Authority. Das Unternehmen kündigte vor Kurzem eine Mauterhöhung von 36% an, um die anstehenden Ausbaupläne für ihre Autobahnen in Höhe von 24 Mrd. Dollar über die nächsten 15 bis 20 Jahre zu realisieren.

Wenn auch kurz- und mittelfristig viele Infrastrukturunternehmen von den fiskalischen Anreizen zur Konsolidierung der Weltwirtschaft profitieren können, so sollten Investoren nicht vergessen, dass es gerade die langfristigen Trends sind, die dieser Anlageklasse ihren Schwung verleihen.

Inflation wäre keine schlechte Nachricht

Wenn die staatlichen Programme zu mehr Inflation führen, ist das keine schlechte Nachricht, sondern sogar begrüßenswert. Denn in einer Welt des kontrollierten Wirtschaftswachstums mit sanft ansteigender Inflation können Infrastrukturunternehmen direkt oder indirekt wachsen. Steigende wirtschaftliche Aktivität bedeutet mehr Verkehr auf gebührenpflichtigen Straßen und mehr Passagiere auf Flughäfen und in der Folge mehr Cashflows aus inflationsgebundenen Einnahmen für Anleger in börsennotierte Infrastruktur.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 11/2020, Seite 62f., und in unserem ePaper.

Bild: © Jan Becke – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Alex Araujo

J.P. Morgan startet nachhaltigen Aktien-ETF

J.P. Morgan Asset Management hat den JPMorgan – Carbon Transition Global Equity SICAV ETF vorgestellt. Der ETF soll es Anlegern ermöglichen, CO2-reduziert in globale Aktien zu investieren und die Risiken des Klimawandels für ihr Portfolio zu verringern.

Der neu aufgelegte J.P. Morgan Asset Management den JPMorgan Carbon Transition Global Equity SICAV ETF (JPCT) ist ab sofort auf XETRA handelbar. Der nachhaltige ETF ermöglicht es, in ein breit gestreutes globales Aktienportfolio zu investieren, das nur einen geringen Tracking Error zum MSCI World Index aufweist und dabei die Kohlenstoffintensität der Investments deutlich reduziert. Die Gesamtkostenquote beträgt 19 Basispunkte.

Keine Ausschlüsse oder Sektorabweichungen nötig

Basisindex ist der JPMorgan Asset Management Global Carbon Transition Index. Er weist eine signifikant reduzierte Kohlenstoffintensität im Vergleich zum MSCI World Index auf, ohne dafür Ausschlüsse oder Sektorabweichungen vorzunehmen zu müssen. Vielmehr wird auf Basis eines hauseigenen Research-Modells ermittelt, welche Unternehmen in ihrem Sektor am besten für den Übergang in eine kohlenstoffarme Wirtschaft ausgerichtet sind.

Mindestens 30% weniger CO2

Der JPCT bietet Anlegern laut J.P. Morgan Asset Management eine um mindestens 30% geringere Kohlenstoffintensität als der MSCI World Index und hat das Ziel, im Einklang mit der EU Climate Transition Benchmark (CTB) für nachhaltige Investments jährlich eine weitere CO2-Reduzierung von mindestens 7% zu erreichen. Das quantitative Investmentmodell für den CO2-Übergang, das dem neuen Index zugrunde liegt, wurde in enger Zusammenarbeit des Sustainable Investing Teams und des Quantitative Beta Solutions (QBS) Teams von J.P. Morgan Asset Management entwickelt.

Risiken des Klimawandels verringern

Diese Strategie soll Anlegern dabei helfen, die Risiken des Klimawandels für ihr Portfolio zu verringern. Der ETF investiert hierzu nicht nur in Unternehmen, die CO2-Emissionen reduzieren, sondern beispielsweise auch in Technologien, die für einen erfolgreichen Übergang in eine kohlenstoffarme Welt notwendig sind. Das Modell lässt sich J.P. Morgan Asset Management zufolge auf jedes Investmentuniversum anwenden.

Dreidimensionaler Analyseprozess

Im Analyseprozess werden die drei Dimensionen bewertet, um die Vorreiter von den CO2-Nachzüglern zu unterscheiden: erstens die Produktion von direkten und indirekten Emissionen und wie Unternehmen ihre Emissionen managen und planen, diese zu reduzieren. Zweitens wie Unternehmen Ressourcen wie Strom, Wasser und Abfall verwalten. Und drittens andere klimabezogene Überlegungen zum Risikomanagement wie physische Risiken und Reputationsrisiken. Insgesamt werden mehr als 70 Kennzahlen in die Entscheidung einbezogen. (mh)

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Plansecur startet Vermögensverwaltung mit Reuss Private Deutschland

Plansecur hat sein Dienstleistungsangebot um die Finanzportfolioverwaltung ergänzt. Dabei vertraut der Allfinanzdienstleister auf die langjährige Expertise des Vermögensverwalters Reuss Private Deutschland. Zudem baut Plansecur die Zusammenarbeit mit FONDSNET aus.

Die Kasseler Finanzberatungsgesellschaft Plansecur, die mit ihren 170 Beratern deutschlandweit mehr als 85.000 Privat- und Firmenkunden in Deutschland betreut, und die Reuss Private Deutschland AG haben gemeinsam zwei fondsgebundene Vermögensverwaltungsmodelle aufgelegt. Reuss Private Deutschland gehört als Finanzportfolioverwalter der Reuss Private Group an, einem Verbund von Spezialdienstleistern mit Produkten und Services für unabhängige Berater, professionelle Vermögensverwalter, Family Offices und anspruchsvolle private Anleger.

Verzahnung im Softwarebereich

Bereits seit 2013 kooperiert Plansecur mit FONDSNET, einer Schwestergesellschaft der Reuss Private Deutschland AG, und arbeitet mit den IT-Systemen und -Lösungen des Maklerpools und seiner Tochter foo – financial engineering. Diese Zusammenarbeit wird nun ebenfalls ausgebaut. Durch eine engere Verzahnung von FONDSNET Beratungsmodulen und Plansecur-Software sollen die Anwendungen des Allfinanzdienstleisters weiter optimiert und noch leistungsfähiger werden. Neben Vermögensverwaltung und IT setzt Plansecur fortan auch im Bereich Pooling auf die Expertise von FONDSNET, über die nun fast alle Depotstellen der Finanzberatungsgesellschaft abgewickelt werden. (mh)

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Fondsvermögen in Deutschland wächst trotz Corona-Krise

Das in Deutschland verwahrte Fondsvermögen ist in den ersten zwei Quartalen des laufenden Jahres erneut gestiegen. Insgesamt lag das Plus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei 5%. Offene Wertpapierfonds dominieren dabei weiter klar.

Der Fondsverband BVI hat aktuelle Zahlen zum Fondsvermögen in Deutschland veröffentlicht. Demnach ist das von Depotbanken verwahrte Vermögen deutscher Fonds in den letzten zwölf Monaten um knapp 5% gestiegen. Insgesamt betreuten die 38 Verwahrstellen in Deutschland zur Jahresmitte 2020 ein Vermögen von 2,38 Bio. Euro. Vor einem Jahr waren es 2,27 Bio. Euro.

Das sind die größten Verwahrstellen

Marktführer unter den Verwahrstellen ist BNP Paribas mit einem Vermögen von 643 Mrd. Euro an. Dahinter folge die State Street Bank mit 296 Mrd. Euro und HSBC Trinkaus & Burkhardt mit 271 Mrd. Euro. Mit der DZ Bank (254 Mrd. Euro), J.P. Morgan (183 Mrd. Euro), DekaBank Deutsche Girozentrale (160,6 Mrd. Euro) und der Landesbank Baden-Würtemberg verwahren vier weitere Häuser dreistellige Milliardenbeträge.

Offene Wertpapierfonds dominieren

34 Verwahrstellen sind im Geschäft mit offenen Wertpapierfonds tätig. Sie versammeln ein Gesamtvermögen von 2,11 Bio. Euro. Dagegen sind nur 11 Gesellschaften im Bereich der offenen Immobilienfonds tätig, in denen ein Vermögen von 239 Mrd. Euro verwahrt wird. Noch deutlich kleiner ist das Segment der geschlossenen Investmentfonds nach den Vorschriften des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB). In diesem Bereich betreuen laut BVI 13 Verwahrstellen ein Nettovermögen von 28 Mrd. Euro. (mh)

Bild: © Monster Ztudio – stock.adobe.com

 

Das sind die Fondsfrauen des Jahres 2020

Die Fondsfrauen haben 2020 zum zweiten Mal erfolgreiche Frauen in der Finanzbranche mit dem Fondsfrauen Award ausgezeichnet. In insgesamt drei Kategorien hat das Karrierenetzwerk diesmal die diesjährigen Gewinner gekürt.

Frauen sind in der Finanzbranche nach wie vor stark in der Minderheit. Um das zu ändern, wurden 2015 die Fondsfrauen gegründet, ein Karrierenetzwerk für Frauen in der Finanzbranche. Seit vergangenem Jahr kürt das Netzwerk die Fondsfrauen des Jahres. Für den diesjährigen Award gingen im Vorfeld über 100 Nominierungen für die drei Kategorien Company of the Year, Role Model of the Year und Woman of the Year.

Das ist die Company oft he Year

Aus den Nominierungen wurden von einer unabhängigen Jury pro Kategorie drei Top-Kandidat*innen ausgewählt. In der Kategorie „Company of the Year“ wurde das Unternehmen gesucht, das sich im zurückliegenden Jahr am meisten um Frauenförderung gekümmert hat, zum Beispiel durch betriebsinterne Programme, gezielte Weiterbildung, Nachwuchsförderung, geänderte Stellenanzeigen oder die Änderung der Unternehmenskultur. Laut der Jury traf das am besten auf Raiffeisen Capital Management zu.

Das ist das Role Model of the Year

Als „Role Model of the Year“ wurden Vorbilder nominiert, die sich im vergangenen Jahr für Frauenförderung stark gemacht haben – ob durch Ermutigung und Förderung von Frauen, die Einführung spezieller Programme im eigenen Unternehmen, Mentoring, öffentliche Auftritte, Artikel, Support bei Veranstaltungen oder Ähnliches. Am besten habe dies Vorbildrolle Michaela Krahwinkel von Union Investment ernst genommen und einen aktiven Beitrag dazu geleistet, dass Frauen gefördert werden und mehr Frauen in Führungspositionen gelangen.

Das ist die Woman of the Year

In der Kategorie „Woman of the Year“ ging der Preis in diesem Jahr an Edda Schröder von Invest in Visions. Daneben schafften es auch Anja Mikus von der Stiftung KENFO und Sonja Laud von Legal & General Investment Management auf die Nominiertenliste. Um auf dieser zu landen, mussten due Kandidaten zeigen, dass Gender Diversity längst kein Nice-to-Have mehr ist, sondern ein wichtiger Aspekt für gute Unternehmensführung und sichtbare Erfolge. (mh)

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UBP launcht einen der ersten FinTech-Aktienfonds

Die Digitalisierung der Finanzwirtschaft schreitet unaufhaltsam voran. Dafür sorgen nicht zuletzt zahlreiche FinTechs. Union Bancaire Privée (UBP) will Anlegern das damit verbundene Potenzial nun durch die Auflage eines FinTech-Aktienfonds erschließen.

UBP hat die Lancierung des UBAM – Global Fintech Equity bekanntgegeben. Der neue Aktienfonds investiert weltweit in verschiedene Bereiche der FinTech-Branche investiert. Der Fonds wird vom verwaltet; Martin Moeller, Co-Head des UBP-Teams für Schweizer und globale Aktien, ist leitender Portfoliomanager. Für den Fonds soll er ein Portfolio aus 20 bis 40 Aktien aufbauen.

Zahlreiche FinTech-Themen abgedeckt

Mit rund 180 Unternehmen und einer Börsenkapitalisierung von über 2 Bio. Dollar stellt die FinTech-Sparte laut UBP ein diversifiziertes, stark wachsendes Anlageuniversum dar, das nahezu 3% des MSCI AC World ausmacht. Das Fondsportfolio umfasst insbesondere Engagements in FinTech-Themen wie globalen Zahlungsverkehr, digitalisierte Finanzsysteme, Netzwerk und Sicherheit, Daten und Analysetools, InsurTech und RegTech sowie innovative Finanzplattformen.

Bottom-up-Ansatz

Die Einzeltitelauswahl erfolgt auf der Grundlage eines selektiven Bottom-up-Ansatzes, der auf einem Bewertungsmodell mit proprietären Daten beruht und sich auf die Cashflow-Generierung (CFROI) konzentriert. Die Investitionen erfolgen in Firmen während des gesamten CFROI-Zyklus und zielen auf Unternehmen ab, deren Wachstum die Marktprognosen übertreffen. Zudem sollten Unternehmen, dank hoher Eintrittsschranken überdurchschnittliche Gewinne aufrechterhalten und sich in schwierigen Zeiten neu erfinden können. Die Gewichtung dieser drei Möglichkeiten zur Generierung von Alpha hängt zudem vom makroökonomischen Umfeld und den vom Team als mit hoher Überzeugung identifizierten Titeln ab.

Profiteure struktureller Trends

„Das FinTech-Thema profitiert von strukturellen Trends und erhielt zudem durch den größeren Bedarf an E-Commerce- und Datentechnologielösungen während der Covid-19-Pandemie Auftrieb“, kommentiert Michaël Lok, Co-CEO Asset Management bei der UBP, die Lancierung des neuen Fonds. Der Fonds könne zur Diversifizierung eines Technologie-Portfolios beitragen und sei eine effiziente Methode, um eine Allokation in verschiedenen bahnbrechenden Trends in der FinTech-Branche sicherzustellen. (mh)

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Trump vs. Biden: So blickt die Finanzbranche auf die US-Wahl

In dieser Woche ist es endlich soweit: am Dienstag wird der neue US-Präsident gewählt. Am Mittwochmorgen dürften die Ergebnisse feststehen. Die stark polarisierende Wahl beschäftigt auch die Finanzmärkte. AssCompact fasst kurz vor der Wahl einige Expertenstimmen aus der Finanzbranche zusammen.

Wird Joe Biden der neue US-Präsident oder kann Donald Trump erneut überraschen und sich wie vor vier Jahren doch noch den Wahlsieg schnappen? Am Mittwoch dürfte diese Frage beantwortet sein, denn in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch europäischer Zeit finden die US-Präsidentschaftswahlen statt. Selten zuvor hat eine Wahl so polarisiert wie die der Zweikampf Trump gegen Biden. Die Zukunft der größten Volkswirtschaft der Welt beschäftigt natürlich auch die Finanzmärkte.

Sieg von Joe Biden keineswegs sicher

Trotz eines Vorsprungs in den Umfragen scheint ein Sieg von Joe Biden alles andere als sicher. Das sieht auch Ron Temple, Head of US Equities und Co-Head von Multi-Asset bei Lazard AM, so. Die Einschätzung der kurzfristigen Reaktion auf jede Wahl sei jedoch ohnehin sehr schwierig und letztlich nicht so wichtig. „Was wirklich zählt, ist, wie die längerfristigen Aussichten für Unternehmen sind, Gewinne zu erzielen? Das wichtigste Szenario, das es zu berücksichtigen gilt, ist die Möglichkeit einer blauen Welle, bei der die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus, dem Senat und dem Weißen Haus gewinnen“, meint Temple.

Beispielloser Impuls möglich

Wenn die Demokraten auf Basis einer solchen blauen Welle Investitionen in Infrastruktur und Klimaziele in Höhe von 2 bis 3 Bio. Dollar frühzeitig Priorität einräumen würden, könnte das laut Temple einen fiskalischen Impuls geben, der beispiellos für die Ära nach dem Zweiten Weltkrieg wäre. „In diesem Szenario dürften die Wachstums- und Inflationserwartungen steigen und zu einer steileren US-Zinskurve führen. Wenn sich das Wachstum beschleunigt, wird sich die Erholung auf weitere Wirtschaftssektoren ausdehnen und den Anlegern eine größere Auswahl an Aktien bieten, die Erträge und Gewinne steigern können“, so Temple. Damit verbundene höhere langfristige Zinsen und höhere Diskontsätze auf künftige Cashflows, könnten zu einer größeren Rotation von Growth-Titeln, die in der Zukunft möglicherweise hohe Erträge erwirtschaften, in Aktien von Unternehmen führen, die bereits hohe Erträge erwirtschaften. Dieses Szenario sei jedoch keine beschlossene Sache.

US-Präsidentschaftswahl wirft Schatten voraus

Dr. Christoph Bruns und Ufuk Boydak von Loys Fonds glauben, dass es für Trump entscheidend darauf ankommt, die Wahlmänner in den umkämpften Staaten wie Florida, Ohio und Wisconsin auf seine Seite zu ziehen. „Fraglich ist jedoch, ob Trump zusätzliche Wähler gegenüber der Wahl von 2016 mobilisieren kann, denn seine Präsidentschaft hat die USA keineswegs auf die satten Wiesen geführt, die Trump verhießen hatte. Im Gegenteil: Im vierten Jahr seiner Amtszeit erleben die USA unter Trump die größte Wirtschaftskrise seit fast 100 Jahren“, meint das Expertenduo.

Corona-Pandemie verhindert Tumps Pläne

Zudem habe es noch nie hat es so viele zivile Tote in der Amtszeit eines US-Präsidenten gegeben wie unter Trump. „Die Corona-Pandemie hat Trumps Plan verhindert, als strahlender Wirtschaftskapitän Amerikas eine Ära ungekannter neuer Großartigkeit betreten zu haben. Stattdessen beherrschen Massenarbeitslosigkeit, Armut und Gewalt die täglichen Schlagzeilen“, so Bruns uns Boydak.

Eminente Bedeutung für den Rest der Welt

Den Loys-Experten zufolge besitzt die US-Wahl insbesondere für den Rest der Welt eine eminente Bedeutung besitzen. Unter Donald Trump wurden die Beziehungen zu den Verbündeten schließlich einigermaßen zerrüttet. Ob die Staaten Westeuropas Zeit haben, weitere vier Amtsjahre Trumps auszusitzen sei fraglich. Auch die asiatischen Bündnispartner der USA würden mit Sorge auf den anstehenden Urnengang. Niemand werde die Wahl aufmerksamer verfolgen als China. Durch Trumps unilateralen Handelskrieg mit dem Reich der Mitte ist das Verhältnis beider Rivalen auf einen Tiefpunkt gefallen. Für die Welt werd es in den kommenden Jahren sehr bedeutsam sein, wie sich diese beiden Supermächte ins Benehmen setzen.

Ausgang der Wahl irrelevant

Philipp Vorndran und Thomas Lehr von der Kölner Fondsboutique Flossbach von Storch blicken zwar gespannt auf die US-Wahl. Für langfristige Anleger sei der Wahlausgang aber irrelevant. „Weder Donald Trump noch Joe Biden werden als US-Präsidenten an den wesentlichen Kapitalmarkttreibern etwas verändern (können)“, so das Expertenduo in einem Marktkommentar. Das gelte weder für die Notenbankpolitik, die lange Zeit, womöglich sogar dauerhaft expansiv bleiben werden. Auch die fiskalpolitischen Stimuli dürften angesichts der Corona-Folgen für die US-Wirtschaft nicht verschwinden. Gleiches gelte für den Konflikt mit China. „Joe Biden mag weniger martialische Töne anschlagen, deutlich seltener twittern; aber von der „America-First“-Doktrin, die unter ihm zwar anders heißen würde, wird auch er nicht abweichen. Von daher steht die US-Wahl nicht ganz weit oben auf unserer anlagestrategischen Agenda“, prognostizieren Vorndran und Lehr.

Trumps Wahlsieg als Musterbeispiel für falsche Erwartungen

Dass langfristige Investoren sich vom kurzfristigen Blick auf Wahlen lösen sollten, habe aber nicht zuletzt die Wahl Donald Trumps vor vier Jahren gezeigt. Fast alle Marktbeobachter seien damals davon ausgegangen, dass bei einem möglichen Wahlsieg Trumps großes Ungemach drohe, möglicherweise Panik ausbrechen werde. Nichts von alledem ist geschehen. Stattdessen begann der US-Markt kräftig zu steigen. In den ersten 15 Monaten der Trump’schen Amtszeit legte der S&P 500-Index praktisch ohne Rücksetzer zu. Historisch betrachtet war die Volatilität niemals zuvor so tief wie in jener Phase. Damit trat das genaue Gegenteil des erwarteten Chaos ein.

Sorge vor Wahlergebnissen oft übertrieben

Matthew Benkendorf, CIO von Vontobel Quality Growth, rät ebenfalls zur Gelassenheit. „Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Marktreaktionen schwer vorherzusagen sind und dass Wahlergebnisse nicht derart dramatische Auswirkungen auf die Märkte haben, wie man vielleicht glauben mag. Die Sorge vor Wahlergebnissen ist daher oft übertrieben“, so Benkendorf. Wie die Märkte auf Wahlen reagieren, hänge von mehr ab als davon, wer gewählt wird. Wichtige Faktoren seien beispielsweise das Bewertungsniveau der Märkte, das wirtschaftliche Umfeld, die Konjunkturaussichten und, wohl am entscheidendsten, die Prognosen für die Unternehmensgewinne. Die grundlegende Gesundheit der Wirtschaft und das Wachstum der Unternehmensgewinne sind laut Benkendorf am Ende die Faktoren, welche die Aktienkurse beeinflussen werden.

Verschiedene Parteien, gleiche Ziele

Unabhängig davon, wer in weniger die US-Präsidentschaftswahlen gewinnen wird, geht Vontobel davon aus, dass die Beziehungen zwischen den USA und China hinsichtlich Diebstahl geistigen Eigentums, Handel und damit verbundenen ESG-Themen weiterhin im Zentrum des Interesses stehen werden. Die außenpolitische Haltung der USA gegenüber China dürfte unabhängig vom Wahlausgang recht ähnlich sein, wenngleich sich der Verhandlungsstil Joe Bidens gegenüber China von dem des derzeitigen Amtsinhabers Donald Trump unterscheiden würde. Insgesamt hätten Präsidenten oder Regierungen aber nur einen bestimmten Spielraum und können nur einige wenige Schlüsselpunkte auf ihrer Agenda angehen. Unabhängig vom Wahlausgang könnte zudem die Politisierung des Umgangs mit der Covid-19-Pandemie bei beiden Parteien zu einem Ende kommen.

Investitionen nicht von Wahlergebnis abhängig

Laut Benkendorf sollten Investoren in diesem Umfeld nach Unternehmen mit bewährten und wiederholt erfolgreichen Modellen und etablierten, marktführenden Positionen suchen. „Für Investoren ist es von entscheidender Bedeutung, sich daran zu erinnern, dass der Erfolg eines Sektors und, noch wichtiger, der Erfolg von Unternehmen in diesem Sektor, von den zugrunde liegenden Gewinnen, der Nachhaltigkeit und des zukünftigen Wachstums dieser Gewinne abhängt“, so der Vontobel-Experte.

Eine Reihe von überparteilichen Bestrebungen

Grant Bower erwartet derweil ein spannendes Rennen. „Wir gehen davon aus, dass die Wahl so lange knapp bleiben wird, bis uns die endgültigen Wahlergebnisse vorliegen“, meint der Portfoliomanager des 6,2 Mrd. Doller großen Franklin U.S. Opportunities Fund. Auch er hat die möglichen Folgen einer blauen Welle im Blick, sieht aber auch eine Reihe von überparteilichen Bestrebungen, die große Auswirkungen auf die Märkte haben könnten. Dazu zählen etwa Ausgaben für Infrastruktur. „Die Verabschiedung eines Infrastrukturgesetzes im Jahr 2021 wird für beide Parteien hohe Priorität haben“, meint Bowers. Es dürfte Gesetzesvorschläge zur Modernisierung der Flughäfen, Brücken und Straßen des Landes geben. „Unser Research deutet darauf hin, dass der Plan aller Wahrscheinlichkeit nach erhebliche Finanzmittel zur Verbesserung der technologischen Infrastruktur Amerikas umfassen dürfte“, erwartet Bowers.

Kein grundsätzlicher Wandel mit China zu erwarten

Auch die Handelsspannungen und der Schutz geistigen Eigentums stehe sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern im Fokus. Franklin Templeton geht davon aus, dass auch Biden China trotz einer gemäßigteren Haltung weiter unter Druck setzen würde, um weltweit einheitliche Bedingungen für Technologiefirmen zu schaffen –einnehmen könnte. Wir erwarten, dass sich die Handelsspannungen fortsetzen werden – ganz gleich, welche Partei schließlich die Regierung bildet.“

Langfristige Perspektive entscheidend

Drittens würden beide Kandidaten Produktion nach Hause holen wollen. „Wir auf beiden Seiten Unterstützung dafür, Produktionskapazitäten zurück in die USA zu holen. Unserer Einschätzung nach hat die COVID-19-Pandemie viele Schwächen globaler Lieferketten offengelegt, insbesondere im Gesundheitssektor, und wir gehen davon aus, dass sich weitere Sektoren wie etwa Industrie und Fertigung weiter an die Endmarktverbraucher in den USA annähern werden“, so Bowers. Ganz gleich, wer die Wahl gewinnt, sei mit überparteilicher Unterstützung für dieses Thema zu rechnen. Bowers konzentriere sich insgesamt weiterhin auf die langfristige Perspektive. In dieser überzeugen ihn vor allem die beiden Sektoren Technologie und Gesundheit, da sie langfristiges Wachstum verzeichnen dürften und speziell vereinzelten Unternehmen starke Gewinne je Aktie und freien Cashflows böten. (mh)

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Kein Paradigmenwechsel durch Corona-Krise: Value mit Qualität hat Bestand

Mit steigenden Infektionszahlen und dem Anbruch der kühleren Jahreszeit greifen wieder stärkere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Was bedeutet das für Anlageberater? Den Dialog suchen. Viele Kunden sind verunsichert: Ist mein Geld noch angemessen anlegt? Wo lauern besondere Risiken? Wo die Chancen?

Von Patrick Linden, Partner und Geschäftsführer der Niederlassung Deutschland von Clartan Associés

Gerade jetzt, in Zeiten der Unsicherheit, sollte man nicht ängstlich in Untätigkeit verharren. Die Nullzinspolitik der letzten Jahre wird uns, nicht zuletzt auch aufgrund der globalen Pandemie, bis auf Weiteres begleiten. Wer sein Geld gewinnbringend anlegen möchte, sollte es nicht aufs Sparkonto packen. Niedrigzinsen lassen es verkümmern. Aktien sind die bessere Lösung. Aber Vorsicht: Anleger sollten nicht jedem Trend hinterherlaufen. Gerade bei den großen Technologieunternehmen ist nach den Kursgewinnen der letzten Monate Zurückhaltung angeraten. Stattdessen gibt es Unternehmen, die jüngst durch die Pandemie zu Unrecht an den Börsen abgestraft worden sind: klassische Value-Titel.

Firmen, die solide und rentabel wirtschaften

Value-Unternehmen sind werthaltige Firmen, die solide und rentabel wirtschaften – was sich aber aktuell nicht in ihrem Börsenkurs widerspiegelt. Folglich haben sie ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV). Ein weiterer Anhaltspunkt ist der intrinsische Wert. Unsere Investmentphilosophie basiert auf dem Grundsatz: „Quality & Value“. Das heißt, wir erwerben Qualitätsunternehmen mit hoher Unterbewertung. Oder anders ausgedrückt: Das wichtigste Kriterium einer Aktie in unsere Fonds ist die niedrige Bewertung gepaart mit einem hohem intrinsischen Wachstumspotential. Denn eine nachhaltige und langfristige Geldanlage sollte stets auf einem wahren Wert basieren. Alles andere ist in unseren Augen Spekulation.

Erkenntnisse aus Gesprächen mit Firmenverantwortlichen

Unersetzbar sind zudem die persönlichen Gespräche mit den Geschäftsführern und Vorständen der Unternehmen, ob physisch oder per Video. Die Informationen und dadurch gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage, um die weitere Entwicklung der Firmen zu erkennen, zu bewerten – und daraus die Antwort auf die Frage abzuleiten: Investieren, ja oder nein? Denn während einige unterbewerte Unternehmen extrem hohes Aufholpotenzial besitzen, hakt es bei anderen tatsächlich beim Geschäftsmodell. Diese werden womöglich nicht so schnell wieder auf die Beine kommen. Die Einzeltitelanalyse hat in den letzten Monaten somit wieder deutlich an Bedeutung gewonnen. Statt über eine ETF beispielsweise pauschal auf einen kompletten Index zu setzen, ist Selektion via Stock-Picking gefragt.

Tech-Werte: Bereits eine Blase?

Das Plus im bisherigen Jahresverlauf hat der amerikanischen Index S&P 500 maßgeblich den sogenannten GAFAM-Titeln – namentlich Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft – zu verdanken. Diese fünf Tech-Werte haben nach ihrem Höhenflug einen Anteil von rund einem Fünftel an dem Index.

Rationalität wird sich bald wieder durchsetzen

Mit Blick auf das Verhältnis zwischen Kursen und erwarteten Gewinnen (KGV) erscheint der Markt zwar insgesamt teuer, aber in der Branchenbetrachtung ergibt sich ein differenzierteres Bild: Das erwartete KGV, also die Bewertung der Gewinne der kommenden zwölf Monate, liegt für den Gesamtindex bei 22,9 – und damit auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2000. Finanzwerte alleine erreichen jedoch nur einen Wert von 14,2, während IT-Unternehmen mit dem 50-fachen der erwarteten Gewinne bewertet werden. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass solche Diskrepanzen nicht dauerhaft sind. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Rationalität der Marktteilnehmer wieder durchsetzt. Zum Vergleich: Kurz vor Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 haben ebenfalls fünf Unternehmen – General Motors, Microsoft, Cisco, Intel und Exxon Mobil – 18% des S&P 500-Volumens auf sich vereint.

Value? Ja, jetzt!

Natürlich weiß niemand, wann diese Krise ausgestanden ist. Wir haben in den vergangenen 30 Jahren gesehen, dass Value insbesondere nach einer Korrektur enormes Aufholpotenzial liefert. Das belegt beispielsweise die Zeitspanne der Jahre 2000 bis 2007. Ein antizyklischer Investmentansatz kann somit auch als gewisse Absicherung bei Börsenrücksetzern und der darauffolgenden Erholungsphase dienen. Die jüngsten Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise haben zu enormen Preisdiskrepanzen an den Märkten geführt. Abhängig vom Eindämmen der Pandemie und ihrer Einschränkungen wird es einen „Flight to Quality Value“ geben – mit einer Normalisierung der Bewertungen insgesamt. Das bedeutet konkret: Abverkauf von extrem überbewerteten Tech-Firmen zu Gunsten klassischer stark unterbewerteter, rentabler Value-Unternehmen. Unsere anhaltenden Gespräche mit Firmenverantwortlichen aus klassischen Industrien zeigen genau das. Denn die meisten dieser Manager blicken positiv in die Zukunft.

Stock-Picking entscheidend

Wichtig ist, sich nicht verunsichern zu lassen. Zugegeben, das ist ob der Umstände nicht immer ganz leicht. Aber Anlagen in Aktien sollten stets einen langfristigen Ansatz und Horizont verfolgen. Aktuell erwirtschaften viele Unternehmen trotz des herausfordernden Umfeldes solide Erträge. Etliche Firmen haben eine positive Gewinnsituation und ein wertschöpfendes Geschäftsmodel – und sind trotzdem günstig an der Börse zu haben. Gerade im Energiebereich und bei Banken gibt es interessante Value-Chancen. Wir halten an unserer Überzeugung fest und haben stets die langfristige Perspektive jedes einzelnen Unternehmens im Blick. Dieser werthaltige Ansatz sollte sich langfristig auszahlen.

Über den Autor:

Patrick Linden ist Partner und Geschäftsführer der Niederlassung Deutschland von Clartan Associés, einer 1986 unter dem Namen Rouvier Associés gegründeten unabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaft aus Paris. Der studierte Diplom-Volkswirt und Bankkaufmann arbeitet in dieser Position seit dem Jahr 2011. Zuvor war er mehr als zehn Jahre für Standard & Poor’s, BNP Paribas und die Deutsche Bank in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Großbritannien tätig.

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Ein Artikel von
Patrick Linden