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Fidelity lanciert nachhaltige Fondsfamilie

Die Fondsgesellschaft Fidelity hat fünf neue Fonds vorgestellt. Die neue Fondsfamilie berücksichtigt bei der Einzeltitelauswahl Umwelt- und Sozialkriterien sowie Aspekte einer guten Unternehmensführung. Die Anlagestrategie stützt sich vor allem auf drei Säulen.

Fidelity International legt eine nachhaltige Fondsfamilie auf, die drei Aktien- und zwei Rentenfonds umfasst. Alle Fonds verfolgen eine ESG-Strategie, das heißt, dass sie Umwelt- und Sozialkriterien sowie Aspekte einer guten Unternehmensführung berücksichtigt. Die Nachhaltigkeitsfonds verfolgen entweder einen Best-in-Class- oder einen Themenansatz.

Best-in-Class- oder Themenansatz

Die Best-in-Class-Fonds investieren gezielt in Unternehmen, die sich von ihren Wettbewerbern durch eine starke ESG-Bilanz abheben. Die nachhaltigen Themenfonds richten ihren Fokus auf Firmen, die mit ihren Dienstleistungen oder Produkten dazu beitragen, Herausforderungen in puncto Nachhaltigkeit zu meistern oder einen Mehrwert für Gesellschaft und Umwelt zu schaffen.

Drei Säulen

Die Anlagestrategie aller Nachhaltigkeitsfonds stützt sich auf die drei Säulen aktives Engagement, Ausschlusskriterien und eigenes Research von Fidelity. Der Anlageansatz soll auf diese Weise strenge Ausschlusskriterien mit dem Fokus von Fidelity auf einen konstruktiven Dialog mit Unternehmen und Emittenten kombinieren. Ziel ist, dass die Unternehmen des Fondsportfolios Nachhaltigkeitsstandards einhalten und sich in einer Weise verhalten, die mit den Werten einer verantwortungsbewussten Anlage vereinbar ist. In die Analysen fließen auch Fidelitys kürzlich eingeführte Nachhaltigkeitsratings mit ein. Dieser neue Ratingansatz unterteilt das Anlageuniversum in 99 Teilsektoren mit branchenspezifischen Kriterien, anhand derer der Emittent mit seinen Wettbewerbern verglichen wird. Die vergebenen Ratings reichen von A bis E. (mh)

Bild: © thithawat – stock.adobe.com

 

AXA IM launcht neue Impact-Investing-Strategie

AXA Investment Managers (AXA IM) wird in diesem Jahr die vierte Impact Investing-Strategie auflegen. Das jüngste Angebot konzentriert sich auf Grundbedürfnisse von Verbrauchern aus Schwellenländern durch ausreichende Gesundheitsversorgung und finanzielle Integration.

AXA IM weitet das Angebot seiner Impact Investing-Portfolios aus: Die vierte Impact Investing-Strategie des Asset Managers konzentriert sich darauf, die Grundbedürfnisse von Verbrauchern in Regionen wie Lateinamerika, Süd- und Südostasien und Afrika südlich der Sahara zu decken. Ziel ist die Einnahme von Geldern von umgerechnet etwa 270 bis 360 Mio. Euro.

Gesundheitsversorgung und finanzielle Integration

Die neue Strategie wird in private Unternehmen investieren, die sich darauf fokussieren, nachhaltige Ergebnisse bei messbaren Impact-Themen wie dem Zugang zur Gesundheitsversorgung und der finanziellen Integration zu erzielen. Im Gesundheitswesen umfasst dies die physische Bereitstellung der Versorgung durch einen verbesserten Zugang zu Medikamenten und Impfstoffen. Die finanzielle Integration zielt vorrangig darauf ab, zuvor unterversorgten Begünstigten Finanzdienstleistungen zugänglich zu machen.

Grundbedürfnisse von Verbrauchern in Schwellenländern

Das neue Portfolio wurde entwickelt, um die Chancen zu nutzen, die in den vergangenen sieben Jahren durch den Einsatz und die Aktivitäten der AXA IM Impact-Strategie entstanden sind. Diese gehen mit dem Ziel der kommenden Strategie einher, die Grundbedürfnisse von Verbrauchern in Schwellenländern zu erfüllen. Die bereits etablierten Netzwerke und Beziehungen sollen den Zugang zu direkten Transaktionen, Co-Investitionen und Partnerschaften erleichtern. Der bevorstehende Launch folgt auf das erfolgreiche First Closing des AXA Impact Fund Climate and Biodiversity Anfang 2019. (mh)

Bild: © OpturaDesign – stock.adobe.com

 

Sauren startet neuartiges Scoring für nachhaltige Fonds

Nachhaltigkeit ist eines der großen Themen in der Investmentlandschaft. Der Kölner Dachfondsmanager Sauren hat vor diesem Hintergrund einen neuen Ansatz zur Identifizierung nachhaltig investierender Fondsmanager vorgestellt.

Nachhaltigkeit ist nicht zuletzt aufgrund der geplanten regulatorischen Maßnahmen ein wichtiges Thema für die Anbieter von Investmentfonds. Beim neuen Sauren ESG-Scoring stehen die Entscheidungs- und Investmentprozesse der Fondsmanager in den Mittelpunkt der Analyse. Diese werden danach bewertet, welche Bedeutung Nachhaltigkeitsaspekte beim Management des jeweiligen Fondsportfolios einnehmen.

Fondsmanager im Fokus

Die Experten von Sauren analysieren ob ein Fondsmanager mit Ausschlusslisten arbeitet oder alle Investments hinsichtlich ESG-Aspekten analysiert. Dabei wird auch bewertet wie aktiv ein Fondsmanager seine Rolle als Investor wahrnimmt und ob er sogar versucht Veränderungen anzustoßen. Gleichzeitig wird geprüft, ob das Portfolio zum Investmentprozess passt und ob es kontroverse oder kritische Positionen enthält. Fondsmanager sollen auf diese Weise dazu ermutigt werden, positive ökologische, soziale und ethische Rahmenbedingungen zu unterstützen oder auf eine Verbesserung hin zu wirken.

Systematische Bewertung notwendig

Die qualitative Analyse der Nachhaltigkeitsprozesse soll sich nahtlos in die qualitative Fondsmanager-Analyse von Sauren ein. „Wir haben uns intensiv mit den unterschiedlichen Nachhaltigkeitsgedanken im Markt auseinandergesetzt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir eine neue systematische Bewertung für nachhaltige Anlageentscheidungen benötigen“, kommentiert Eckhard Sauren die Einführung des Sauren ESG-Scoring. Ob und in welchem Umfang ein Manager Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt, lasse sich ohnehin hervorragend mit der personenbezogenen Investmentphilosophie analysieren.

Trio für besonders nachhaltige Anleger

Für Anleger, die bei ihren Geldanlagen Nachhaltigkeitsaspekte in besonderem Maße berücksichtigt wissen wollen, bietet Sauren drei Focus-Dachfonds an: den Sauren Global Defensiv Focus, den Sauren Global Balanced Focus und den Sauren Select Global Growth Focus. Mit dem offiziellen Inkrafttreten der neuen Verkaufsprospekte am 14.10.2019 bildet das Sauren ESG-Scoring ein bedeutendes Kriterium bei der Auswahl der Zielfonds. Das Ergebnis ist ein Portfolio, welches insgesamt eine stärkere Berücksichtigung von ESG-Aspekten in den Prozessen der Fondsmanager widerspiegelt. (mh)

Bild: © kritchanut – stock.adobe.com

 

Nachhaltige Kapitalanlagen: Finanzberater sind der Schlüssel

Beim nachhaltigen Investieren klafft bei Anlegern eine große Wissenslücke auf. Das zeigt eine aktuelle Studie von Vontobel Asset Management. Bei der Schließung dieser Wissenslücke kommt der Finanzbranche und insbesondere Finanzberatern eine Schlüsselrolle zu.

Weltweit denken 73% der Sparer und Investoren, dass sich Unternehmen ethischer verhalten sollten. Umso erstaunlicher ist, dass gerade einmal 29% von ihnen nachhaltig anlegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine erst kürzlich von Vontobel Asset Management in Auftrag gegebene Studie unter rund 4.600 Verbrauchern in 14 Ländern. Die Befragten sehen Finanzberater in der Schlüsselfunktion, um die Thematik eines ethischen, wertebasierten Anlageansatzes durch Aufklärungsarbeit an ein breiteres Publikum heranzutragen.

Mangel an Informationen

Vor allem der Mangel an Informationen und verständlichen Fachbegriffen wirkt sich negativ auf die Investitionsentscheidungen von Sparern aus. 59% der Befragten gaben an, nicht einmal zu wissen, dass sich Investitionsentscheidungen unter Berücksichtigung von ESG-Faktoren treffen lassen. Dabei hätte fast die Hälfte gerne mehr Informationen zum Thema. Gerade einmal 17% der Befragten erklärten, dass sie eine Anlageempfehlung erhalten haben, die nachhaltigen Kriterien entspricht.

Schlüsselrolle der Beratung

Die Botschaft der Studie ist laut Vontobel Asset Management eindeutig: Während immer mehr Sparer und Anleger einen ESG-Ansatz für Finanzentscheidungen bevorzugen würden, halten sich viele Menschen aufgrund mangelnder Unterstützung und Beratung zurück. „Dies ist eine Chance für Finanzdienstleister, Anlegern das nötige Rüstzeug an die Hand zu geben, damit sie nach ihren persönlichen Werten und Überzeugungen investieren können“, erklärt Axel Schwarzer, Head of Vontobel Asset Management. „Deshalb werden wir ie Zusammenarbeit mit Vermittlern und Finanzberatern verstärken, unsere Produktpalette erweitern und durch gezielte Maßnahmen den Zugang zu nachhaltigen Anlageansätzen verbessern.“ (mh)

Bild: © adam121 - stock.adobe.com

 

Neuer Aktienfonds setzt auf die Gewinner des digitalen Wandels

Die Ehrke & Lübberstedt AG hat zusammen mit HANSAINVEST als Service-KVG einen Aktienfonds aufgelegt. Der ELM Global TICO Fonds investiert in Unternehmen, die den digitalen Wandel gestalten und besonders stark von dem Megatrend profitieren.

Die Ehrke & Lübberstedt AG legt gemeinsam mit der Service-KVG HANSAINVEST Hanseatische Investment-GmbH den ELM Global TICO Fonds auf. Der Schwerpunkt des weltweit anlegenden Aktienfonds liegt auf Unternehmen, die aufgrund ihres Geschäftsmodells starke Wettbewerbsvorteile im Bereich der Digitalisierung haben, oder auf Unternehmen, die durch Digitalisierung effizienter werden.

Gestalter und Gewinner des digitalen Wandels

Die Titelauswahl erfolgt nach einem fundamentalen Ansatz sowie einem definierten technologischen Wertesystem. So sollen beispielsweise die Gestalter und Gewinner des digitalen Wandels identifiziert werden, die in Zukunft voraussichtlich von überdurchschnittlich steigenden Gewinnen profitieren werden. Das Fondsmanagement setzt im Rahmen eines aktiven Managementprozesses auf ein globales Anlageuniversum mit Titeln, die einen Marktwert von über 100 Mio. Euro haben. Die Identifikation möglicher Investments erfolgt anhand einer eigenen Datenbank, einer ständigen Medienanalyse und über ein bestehendes Netzwerk.

Technologisches Wertesystem

Insgesamt sollen 30 bis 40 Titel ins Fondsportfolio wandern. Zur Beurteilung der Unternehmen werden Geschäftsmodell, Management sowie Bewertung und Finanzen analysiert. Zudem hat die Ehrke & Lübberstedt AG ein technologisches Wertesystem definiert, das Grundvoraussetzung für eine Investition ist. Dieses Wertesystem erfordere ein Zusammenspiel von Management, Organisation und Kultur, da die Geschwindigkeit der radikalen und inkrementellen Innovationen zunehme und somit das Überleben eines jeden Unternehmens bestimme. (mh)

Bild: © magele-picture – stock.adobe.com

 

Deutscher Starfondsmanager will private Altersvorsorge revolutionieren

Riester-Rente, Rürup-Rente, bAV oder auch ein möglicher Bürgerfonds – die Modelle der privaten Altersvorsorge sorgen regelmäßig für Diskussionsstoff. Mit Dr. Hendrik Leber hat eines der prominentesten deutschen Investmentgesichter ein neues Modell in die Diskussion eingeworfen. Das „Altersvorsorgedepot“ soll Kunden und Vertrieb glücklich machen.

Während die im Koalitionsvertrag vereinbarte „zügige Entwicklung eines attraktiven standardisierten Riester-Produkts“ nach wie vor auf sich warten lässt, hat ein prominentes Gesicht der deutschen Investmentlandschaft einen Vorschlag für ein neues Modell der privaten Altersvorsorge entwickelt. Dr. Hendrik Leber hat eine Initiative für ein „einfaches, leicht verständliches und kostengünstiges Produkt zur Förderung der privaten Altersvorsorge“ ins Leben gerufen. Das „Altersvorsorgedepot“ soll eine Alternative zu Riester-Rente, Rürup-Rente, bAV und dem derzeit diskutierten Bürgerfonds bieten und wird laut Acatis gemeinsam mit „wichtigen Branchenverbänden“ forciert.

„Kompliziert, intransparent und teuer“

„Die staatliche Rente kann den Altersvorsorgebedarf zukünftig immer weniger abdecken. Das ist längst Konsens. Doch es gibt bisher kein effizientes staatlich gefördertes Altersvorsorgekonzept. Die vorhandenen Konzepte wie bAV, Riester- und Rürup-Rente sind kompliziert, intransparent und teuer“, begründet Dr. Hendrik Leber, Geschäftsführer der Acatis Investment KVG mbH, die Notwendigkeit des Altersvorsorgedepots. Das Konzept basiert auf drei wesentlichen Prinzipien.

Prinzip 1: Ein Depot pro Kopf

Jede natürliche Person kann genau ein Altersdepot haben, das bei einer EU-Inlandsbank geführt werden muss, jedoch von einer Bank zur anderen transferiert werden kann. Separierte Nummernkreise sollen die Zuordnung für Behörden erleichtern, wodurch sich bürokratische Rückfragen oder Bescheinigungen erledigen würden. Das Kapital muss zudem investiert werden. Kassehaltung und Timinginvestments sind nicht erlaubt. Das Geld soll im Depot schließlich kontinuierlich arbeiten und nicht zur Spekulation genutzt werden.

Prinzip 2: Vorsorge mit Fonds

Die Kapitalanlage kann ausschließlich in UCITs-Fonds und -ETF erfolgen. Bei der Auswahl der Fonds ist Hilfe durch Anlageberater laut Acatis ausdrücklich willkommen. Zudem sei es vorstellbar, dass Versicherungen oder Banken das Altersvorsorgedepot mit Zusatzleistungen verbinden, zum Beispiel mit Berufsunfähigkeits- oder Todesfalllösungen. Insgesamt solle eine Lösung geschaffen werden, an der der ganze Finanzsektor partizipieren kann. Die gekauften Fonds dürfen in den ersten fünf Jahren nicht verkauft werden, um Spekulation zu verhindern und die Auswahl der Fonds in Richtung langfristige Wertschöpfung zu schärfen. Ausnahmen bei Fondsschließungen oder Gebührenerhöhungen müsste aber möglich sein.

Prinzip 3: Steuerliche Begünstigung

Die Einzahlungen in das Altersvorsorgedepot werden vom Bruttoeinkommen bestritten und sind steuerbefreit beziehungsweise einkommenssteuerlich abziehbar. Auch die laufenden Erträge sollen steuerfrei sein und zudem thesauriert werden, damit das Vermögen steuerunbelastet heranwachsen kann. Entnahmen ab dem 65. Lebensjahr, bei Berufsunfähigkeit oder im Todesfall will Acatis niedrig mit 10% pauschal versteuern. Entnahmen vor dem 65. Lebensjahr sollen hingegen mit 50% besteuert werden. Wer vorzeitig sein Geld herausziehen möchte, solle dies schließlich zwar tun können. In dieser Situation müsse der Staat aber auch zu seinem Recht kommen. (mh)

Bild: © Khongtham – stock.adobe.com

 

„Die deutsche Wirtschaftspolitik muss sich schleunigst ändern“

Michael Heise wurde in der Vergangenheit bereits drei Mal als Prognostiker der Jahres ausgezeichnet. Der Chefvolkswirt der Allianz sieht im Interview mit AssCompact dunkle Wolken auf Deutschland zuziehen und dringenden Handlungsbedarf für die deutsche Wirtschaftspolitik. Anlegern rät er dennoch dringend dazu, ihr Geld mehr für sich arbeiten zu lassen.

Herr Heise, wie sieht denn aktuell Ihre Prognose für die deutsche Wirtschaft aus?

Im Gegensatz zu den relativ guten Prognosen der Vergangenheit leider nicht so positiv. Bei den prämierten Prognosen waren wir relativ zuversichtlich, dass Deutschland gut abschneidet. Leider ist Deutschland zurzeit in einer Phase der Konjunkturabschwächung.

Warum hat sich die Lage gedreht?

Der Welthandel hat sich stark eingetrübt. Das ist für Deutschland als exportabhängige Volkswirtschaft eine besondere Belastung. Daher wird das deutsche Wachstum in der Euroliga relativ weit unten rangieren – und die Euroliga selbst ist ja nicht gerade ein Club, der in der Champions League des Wachstums spielt. Die Eurozone insgesamt dürfte leicht über 1% wachsen, Deutschland um 0,8%. Das hat aber nicht nur mit dem Welthandel zu tun.

Womit noch?

Es hat inzwischen auch viel damit zu tun, dass die Investitions- und Wachstumsbedingungen in Deutschland nicht mehr in jeder Weise konkurrenzfähig sind. Wir müssen dringend wirtschaftspolitische Maßnahmen ergreifen, um die Inlandswirtschaft zu stärken. Wenn nicht, werden wir weiter zurückfallen.

Braucht es gezielte Förderungen einzelner Branchen wie etwa der Automobilindustrie?

In der Automobilindustrie ist die Stimmung enorm gekippt. Das hat sowohl konjunkturelle Ursachen wie etwa die Abschwächung Chinas, aber vor allem auch strukturelle Ursachen wie Diesel-Gate, Fahrverbote oder verschärfte CO2-Vorgaben. Bei wirtschaftspolitischen Maßnahmen denke ich dennoch nicht an einzelne Branchen. Ich denke an die Standort- und Wachstumsbedingungen, die schon immer wichtig gewesen sind, die wir aber ein bisschen aus dem Auge verloren haben. Dazu gehört unter anderem die Steuerbelastung. Sie ist in Deutschland für Unternehmen und insbesondere Mittelständler im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hoch. Andere Länder haben sich diesbezüglich in den vergangenen Jahren bewegt – ob die USA, Großbritannien oder auch Frankreich. Wichtige Wettbewerber liegen bei der Steuerbelastung wieder deutlich unter uns. Das ist ein Punkt, an dem man dringend ansetzen müsste.

Auch bei den Energiepreisen steht Deutschland ganz oben. Das ist für eine industrielastige Wirtschaft problematisch, zumal im verarbeitenden Gewerbe auch die Lohn- und Lohnnebenkosten höher sind als bei fast allen unserer Wettbewerber. Das ist in Ordnung, wenn die Produktivität Schritt hält. Das tut sie aber seit einiger Zeit nicht mehr; gesamtwirtschaftlich werden wir in diesem Jahr ein Produktivitätswachstum von Null haben. Es gibt also ein paar Themen, die die Wirtschaftspolitik aktuell nicht ausreichend auf der Agenda hat. Das muss sich schleunigst ändern. Sonst wird aus der viel bewunderten und gelobten Stärke Deutschlands bald ein Rückfall ins Mittelmaß.

Von Mittelmaß ist das Zinsniveau seit Jahren weit entfernt. Besteht die Hoffnung, dass sich daran etwas ändert?

Nein, denn die Weichen für die weitere Geldpolitik der EZB sind bereits gestellt. Mario Draghi hat uns in der letzten großen Konferenz in Sintra noch einmal auf eine lange Zeit niedriger Zinsen eingeschworen. Der neue Chefökonom der Bank steht auch für eine expansive Geldpolitik. Die Zinsen werden daher auf der Geldmarktseite noch lange ganz tief bleiben. Daher werden auch die Kapitalmarktzinsen etwa für zehnjährige Bundesanleihen nur minimal steigen können. Einen kräftigeren Renditeanstieg werden wir nicht bekommen, weil die Geldpolitik die Renditen tief halten will und sich in diesem Zusammenhang als wirkungsmächtig erwiesen hat. Man muss als Lehre der letzten Jahre anerkennen, dass die Geldpolitik wirksame Instrumente hat, um den langfristigen Zins unten zu halten. Alle damit verbundenen Probleme werden uns somit erhalten bleiben. Für den Sparer bleibt die Lage unbefriedigend.

Was ist von einer EZB-Chefin Christine Lagarde zu erwarten?

Frau Lagarde steht zunächst einmal für Kontinuität im Sinne der Politik Draghis. Sie hat in der Vergangenheit immer wieder gefordert, dass Maßnahmen unternommen werden, um die Nachfrage anzukurbeln. Neben expansiver Geldpolitik hat sie auch empfohlen, dass Deutschland fiskalpolitisch mehr tut und bereit ist, Schulden zu machen. Ich hoffe dennoch, dass sie als EZB-Chefin eine Überprüfung der derzeitigen Strategie veranlasst, die offenkundig in eine Sackgasse hineingelaufen ist. Man versucht seit Jahren erfolglos, die Inflationsrate an die Zielmarke heranzuführen. Diese Politik der eng definierten Inflationsziele hat erhebliche unerwünschte Nebenwirkungen und muss überdacht werden. Strategien sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Vielleicht wird Frau Lagarde versuchen, ihre Ära durch strategische Anpassungen in der Geldpolitik zu prägen. Mal schauen. Zurzeit jedenfalls ist die Hoffnung für die Sparer, dass sich die Lage bald bessert, sehr klein.

Klassische Banksparer sind zweifellos die großen Verlierer der Niedrigzinsen. Sind Bauherren und Immobilienkäufer auf der anderen Seite die Gewinner?

Immobilienbesitzer sind definitiv enorme Gewinner gewesen. Sie haben vom großen Preisaufschwung profitiert. Diejenigen, die Immobilien erwerben wollen und am Anfang ihrer Berufskarriere stehen, haben zumindest in den Ballungsgebieten dagegen ein echtes Problem. Die sozialen Spannungen aufgrund der stark steigenden Miet- und Immobilienpreise sind enorm. Deutschland muss eine Lösung hierfür finden. Das ist auch aus sozialpolitischer Perspektive wichtig. Für Investoren dürften Immobilien angesichts der angesprochenen Zinspolitik weiter attraktiv bleiben. Die Preisentwicklung wird wohl erst kippen, wenn auch der Finanzmarkt in einen Abschwung hineingerät. Und das ist im Moment nicht zu erkennen.

Warum nicht?

Die Bereitschaft der Anleger, Risiken einzugehen, wird bei Nullzinsen vorerst hoch bleiben. Sofern wir, womit ich rechne, eine sanfte Landung der Konjunktur bekommen und keine kräftige Rezession droht, haben die Aktienkurse durchaus noch Potenzial. Niedrigzinsen und zumindest verhaltenes Wirtschaftswachstum werden die Stimmung an den Finanzmärkten einigermaßen positiv halten. Und dann werden auch die Immobilienmärkte nicht einknicken. Langfristig bauen sich allerdings durch die ultra-expansive Geldpolitik Gefahren für die Finanzmarktstabilität auf.

Was bedeuten die Rahmenbedingungen für die Kapitalanlage und die private Altersvorsorge der Deutschen?

Angesichts der zunehmenden Risiken ist es zunächst einmal erfreulich, dass der Anteil der Versicherungen und Pensionen im Geldvermögen der Deutschen sehr stabil ist. Der Rückgang der Renditen hat keineswegs dazu geführt, dass die Menschen in großem Stil aus kapitalgedeckten und langfristigen Vorsorgeprodukten ausgestiegen sind, wie es manche an die Wand gemalt hatten. Die Sicherheit, die Versicherungen und Rentenprodukte bieten, werden von den Deutschen sehr geschätzt. Sie schützen sie vor den Volatilitäten an den Kapitalmärkten, die eher noch größer werden dürften. Die Renditen sind nicht mehr so hoch wie vor der großen Finanzkrise, aber sie sind stabil.

Trotzdem stecken die Deutschen immer noch den größten Teil ihrer Ersparnisse Jahr für Jahr in Bankeinlagen. Sie machen 39% des gesamten Geldvermögens aus. Die Bevor­zugung von Bankeinlagen kostet die Sparer enorm an Rendite. Im Vergleich mit anderen Ländern liegt Deutschland bei der Vermögensrendite ganz weit hinten. Die Deutschen arbeiten für ihr Geld, anstatt ihr Geld für sich arbeiten zu lassen, um es auf eine kurze Formel zu bringen. Sie verzichten auf viel Konsum, und trotzdem ist das Vermögenswachstum unterdurchschnittlich. Anleger sollten mehr Mut haben. Sie sollten Wertpapiersparen langfristig betrachten und in der Konsequenz ihre Aktienquoten sowie den Anteil der Versicherungs- und Pensionslösungen erhöhen. (mh)

Das Interview lesen Sie auch in AssCompact 08/2019, Seite 62f und in unserem ePaper.

Bild: © Eisenhans – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Michael Heise

American Century Investments kommt nach Deutschland

American Century Investments ist hierzulande kaum bekannt. Das soll sich nun ändern. Die US- Fondsgesellschaft betreibt ab sofort auch eine Niederlassung in Frankfurt. Geleitet wird das Büro von Volker Buschmann, der zuvor viele Jahre bei M&G International tätig war.

American Century Investments ist in den USA eine etablierte Größe unter den Vermögensverwaltern. Der Asset-Manager verwaltet für seine Kunden derzeit rund 170 Mrd. Dollar. Die Gesellschaft aus Kansas City betreibt Niederlassungen in London, Hongkong und Sydney – und ab sofort auch in Frankfurt. In der Mainmetropole hat die US-Fondsgesellschaft ein neues Büro gegründet. Neben klassischen Aktien- und Rentenfonds sowie Multi-Asset-Fonds sollen Kunden von dort aus auch marktneutrale Strategien sowie ETFs angeboten werden.

Kooperation mit Nomura

Da American Century Investments über keine Kapitalverwaltungsgesellschaft verfügt, arbeiten die Amerikaner mit Nomura Asset Management Europe zusammen, deren Mutterkonzern mit 41% an der US-Firma beteiligt ist. Für Jamie Downing, Managing Director von American Century in der EMEA-Region, ist die neue Niederlassung einerseits Teil der globalen Expansion. Andererseits verweist er aber auch auf den bevorstehenden Brexit als einen Grund für den Gang nach Frankfurt.

Volker Buschmann leitet die Niederlassung

Geleitet wird die neue Niederlassung in Frankfurt von Volker Buschmann. Der 53-Jährige wechselt vom Bankhaus J. Safra Sarasin, wo er eine leitende Vertriebsfunktion besaß, zu American Century Investments. Den Großteil seiner Karriere war Buschmann aber bei M&G International tätig, wo er den Aufbau und der Entwicklung des institutionellen Geschäfts mitbegleitete den Vertrieb und die Geschäftsentwicklung in Nordeuropa inklusive Deutschland und der Schweiz verantwortete. wie der Firmenwebseite zu entnehmen ist. (mh)

Bild: © jotily – stock.adobe.com

 

DIE AG gründet eigenen Asset Manager

Die DIE Deutsche Immobilien Entwicklungs AG hat eine neue Tochtergesellschaft gegründet. Mit der DIEAG Investment Management GmbH besitzt die Gesellschaft nun einen eigenen Asset-Manager. Geschäftsführer wird der zuletzt bei Warburg-HIH Invest tätige Felix Gold.

Die auf Projektentwicklung spezialisierte DIE Deutsche Immobilien Entwicklungs AG (DIE AG) gründet einen eigenen Asset Manager: die DIEAG Investment Management GmbH. Bisher als reiner Projektentwickler positioniert, wird die DIE AG zukünftig über die neue Tochtergesellschaft Dienstleistungen für institutionelle Investoren erbringen.

Die neue Gesellschaft im Profil

Die DIEAG Investment Management GmbH ist auf die Akquisition, frühzeitige Begleitung und Umsetzung von Projektentwicklungen für institutionelle Investoren mit dem Ziel langfristiger Bestandshaltung ausgerichtet. Der besondere Fokus wird hierbei auf großvolumige Mietwohnungsneubauten sowie Büro- und Hotelinvestments in Deutschland gelegt. Die Gesellschaft managt zum Start rund zwei Drittel des 1,8 Mrd. Euro umfassenden Projektvolumens der DIEAG-Unternehmensgruppe in der Metropolregion Berlin.

Felix Gold wird Geschäftsführer

Felix Gold wird als Geschäftsführer die Bereiche Portfoliomanagement, Strukturierung und Investor Relations verantworten. Aus seinen früheren Tätigkeiten als Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, Steuerberater, Fondsmanager und CFO verfügt Felix Gold über mehr als 14 Jahre Erfahrung in den Bereichen Immobilienanlage und regulierte Investmentfonds. Nach Stationen bei Union Investment, HIH Global Invest, Dupuis Asset Management/Deutsche Asset One und zuletzt als Geschäftsführer bei der Warburg-HIH Invest. (mh)

Bild: © Felix Gold

 

So (un-)gesund sind Vermögensverwalter wie Flossbach von Storch, DJE & Co.

Wie gesund sind die unabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland aufgestellt? Wie schlagen sich beispielsweise die bei Vermittlern beliebten Asset Manager wie DJE, Flossbach von Storch oder Sauren? Das hat App Audit zum fünften Mal in Folge analysiert. Dabei haben die Experten nicht nur die aktuelle Ertrags- und Kostenstruktur untersucht, sondern auch einen Stresstest durchgeführt.

Die unabhängigen Vermögenverwalter in Deutschland haben laut der Studie „Asset Manager 2019“ von App Audit ihre Provisionsüberschüsse erneut deutlich gesteigert. Vor allem die großen Branchenvertreter wie Flossbach von Storch, PEH, DJE und ACATIS haben sich positiv entwickelt und damit den Abstand zu den übrigen Vermögensverwaltern vergrößert. App Audit sieht darin ein Indiz, dass die bisher noch nicht in nennenswertem Umfang eingetretene Marktkonsolidierung unter den Unternehmen demnächst tatsächlich ansteht. Die aktuelle Untersuchung bezieht sich auf die Zahlen von 2017.

Provisionsüberschüsse legen kräftig zu

Nachdem die Provisionsüberschüsse im Vorjahr erstmals seit 2008 gefallen waren, sind sie im aktuellen Beobachtungsjahr wieder kräftig von 581 auf 792 Mio. Euro gestiegen. Das entspricht einem Plus von mehr als einem Drittel. Ein Anstieg der Provisionsüberschüsse wurde sowohl bei der Gruppe der Top Ten der größten deutschen Vermögensverwalter wie auch bei den weiteren Gruppen festgestellt. Innerhalb der 10 größten Unternehmen konnte sich mit Sauren nur ein Institut nicht verbessern.

So (un-)gesund sind Flossbach von Storch, DJE & Co.
Starke Marktkonzentration

Der Großteil der Erträge und Ergebnisse wird weiter von einigen Wenigen realisiert. Die Analyse deutet darauf hin, dass im Wesentlichen die Verwaltung großer und institutioneller Vermögen die Ertragskraft je Mitarbeiter beeinflusst. Dass für die Betreuung großer Vermögen in der Praxis zum Teil erheblich geringere Provisionssätze am Markt erzielt werden können, wird durch den Effekt der höheren Volumina in der Regel deutlich überkompensiert.

Verbesserte Rentabilität

Bei einigen Kennzahlen wie etwa der Umsatzrentabilität zeigt sich zwar, dass auch einzelne kleine Anbieter teilweise überdurchschnittliche Werte erzielen können. Das unterstützt laut App Audit die These, dass gerade auch kleine Institute sehr effizient arbeiten können. Insgesamt nimmt aber auch die Rentabilität mit der Große in der Regel zu. So weisen die zehn größten deutschen Vermögensverwalter eine durchschnittliche Rentabilität von um die 50% aus, Unternehmen mit Provisionserträgen unter 1 Million Euro dagegen von weniger als 5%. Innerhalb der Spitzengruppe Top Ten ist das Bild hingegen sehr heterogen. Der typische Zusammenhang „je größer, desto besser“ gilt hier offenbar nicht.

So (un-)gesund sind Flossbach von Storch, DJE & Co.
Bestwert bei der CIR

Auch das Verhältnis von Kosten und Erlösen (CIR) hat sich überwiegend verbessert. Nachdem die CIR sich im Jahr 2016 verschlechtert hatte, hat sich die Kennzahl im betrachteten Jahr erneut verbessert, womit sie wieder an den Trend der Vorjahre anknüpft. Die CIR hat sich sowohl im Durchschnitt aller Unternehmen als auch bei den Top Ten in den vergangenen Jahren tendenziell stetig verbessert und erreichte mit rund 50% den bislang besten Wert.

Provisionserlöse ziehen stark an

Ursächlich sind laut App Audit die gestiegenen Provisionserlöse, die die ebenfalls höheren allgemeinen Verwaltungsaufwendungen deutlich überkompensieren. Die Kostenstrukturen der einzelnen Anbieter sind aber sehr heterogen. So beträgt zum Beispiel die Sachaufwandsquote zwischen 30% und 66%.

So stressresistent sind deutsche Vermögensverwalter

App Audit hat sich aber nicht nur mit Vergangenheitsdaten befasst, sondern auch mögliche Auswirkungen zukünftiger Extrem-Szenarien analysiert. Was passiert, wenn die Provisionserlöse um ein Fünftel bzw. ein Drittel sinken? Laut der Studie müssten dann knapp 70% bzw. 84% aller Unternehmen mit einem Jahresverlust rechnen.

Bis zu einem Viertel droht negatives Eigenkapital

Solche Szenarien haben naturgemäß auch Auswirkung auf die Eigenkapitalausstattung der Unternehmen. Bei einem Ertragsrückgang von 20% würde bei 8% der Anbieter das Eigenkapital komplett aufgezehrt werden. Bei einem Ertragsrückgang von 33% müsste sogar knapp ein Viertel der Unternehmen mit einem negativen Eigenkapital rechnen.

So (un-)gesund sind Flossbach von Storch, DJE & Co.
Mehrheit müsste Maßnahmen ergreifen

Unter den Extrem-Szenarien, dass sich die Provisionserlöse um ein Fünftel bzw. ein Drittel reduzieren, müssten mehr als die Hälfte bzw. mehr als zwei Drittel der Unternehmen Maßnahmen treffen, um die regulatorisch vorgegebenen Eigenkapitalquoten weiterhin einzuhalten. In der Gruppe der kleinen Unternehmen müssten sogar drei von vier Unternehmen handeln, um die vorgeschriebene Eigenmittelrelation von 25% aufrecht zu erhalten. (mh)

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