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BVI-Studie: Keine höheren Renditen durch Provisionsverbot

Ein umfassendes Provisionsverbot für Anlageberater soll vorerst nicht kommen, doch die Idee ist nicht vom Tisch. Dass ein Provisionsverbot keine höhere Rendite für Privatanleger bringt und sogar deren Beteiligung an den Kapitalmärkten hemmt, zeigt eine Studie des deutschen Fondsverbands BVI.

Ende April verkündete die EU-Finanzkommissarin Mairead McGuinness, dass – zumindest vorerst – auf ein umfassendes Provisionsverbot in der Finanzberatung verzichtet wird (AssCompact berichtete: EU-Kommission verzichtet auf Provisionsverbot – vorerst). Für weite Teile der Provisionsdebatte auf politischer Ebene war die sogenannte EU-Kleinanlegerstudie wegweisend – und groß die Sorge in der Finanz- und Versicherungswirtschaft, was die EU-Kommission mit ihrer Strategie vorhat.

Ziel der EU-Kleinanlegerstrategie

Erklärtes Ziel der Strategie zur Verbesserung des Kleinanlegerschutzes ist es, mehr Menschen in der EU Zugang zum Kapitalmarkt zu ermöglichen – im Sinne des Verbraucherschutzes. Die geplanten Maßnahmen liegen seit dem 24.05.2023 vor (AssCompact berichtete: EU-Kommission präsentiert Maßnahmen für Kleinanlegerschutz) und stießen in der Finanz- und Versicherungswirtschaft auf ein geteiltes Echo (EU-Kleinanlegerstrategie: Das meint die Branche dazu).

Demnach sollen potenzielle Interessenkonflikte beim Vertrieb von Anlageprodukten dennoch angegangen werden. Als erster Schritt sollen Provisionen im beratungsfreien Vertrieb verboten werden. Damit will die EU-Kommission die Produktkosten senken. Die Kommission geht davon aus, dass sich dadurch die Rendite des Geldvermögens also die Portfoliorendite der Anleger erhöht.

Keine höheren Renditen für Privatanleger durch Provisionsverbot

Dem deutschen Fondsverband BVI zufolge trifft diese Annahme nicht zu. Ein Provisionsverbot führt nicht zu höheren Renditen für Privatanleger, wie der Fondsverband in einer Studie ermittelt hat. Hierfür hat der BVI Daten der Europäischen Zentralbank und der englischen Statistikbehörde ausgewertet. Herangezogen wurden öffentlich verfügbare Daten zu Bankeinlagen, Versicherungen, Pensionsfonds, Anleihen, Aktien und Investmentfonds für den Zeitraum von Anfang 1999 bis Ende März 2023.

Demnach hätte sich in England und in den Niederlanden, wo vor rund zehn Jahren ein Provisionsverbot eingeführt wurde, nichts verändert. Laut BVI hätten offenbar andere Effekte die geringeren Kosten der provisionsfreien Produkte ausgeglichen. Für die unveränderte Portfoliorendite der Anleger gebe es mehrere mögliche Erklärungen, so der Fondsverband weiter. Beispielsweise würden Vertriebskosten durch ein Provisionsverbot typischerweise nicht verringert, sondern nur gesondert gezahlt.

Geringere Beteiligung an Kapitalmärkten

Zudem könnten sich private Haushalte durch fehlende Beratung infolge der Verbote weniger an den Kapitalmärkten beteiligen, etwa über Fonds. Somit würden den Menschen wiederum Renditechancen entgehen.

Wie die Auswertung zeigt, legen private Haushalte in England und den Niederlanden aufgrund des Provisionsverbots tatsächlich weniger in Fonds an. Laut BVI beläuft sich der Rückgang auf im Schnitt knapp 340 Euro pro Jahr und Kopf. Für den Zeitraum von 30 Jahren bei einer angenommenen Wertsteigerung von 6% jährlich wäre dies eine Renditeeinbuße von rund 20.000 Euro, wenn das Geld stattdessen unverzinst auf dem Konto liegt.

Provisionsverbot untergräbt Kleinanlegerstrategie

„Bei Fonds verhindern also Verbote – nicht die Provisionsberatung – eine stärkere Beteiligung privater Anleger an den Kapitalmärkten. Das widerspricht allem, was die EU erreichen will“, erklärt Thomas Richter, BVI-Hauptgeschäftsführer. „Die EU-Kommission untergräbt mit dem Vorschlag eines Provisionsverbots ihre eigenen Ziele“, so Richter. (tk)

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EU-Kleinanlegerstrategie erfordert Anpassung der Vertriebsmodelle

Bild: © Hafiez Razali – stock.adobe.com

 

ETFs: „Aktuell befinden wir uns in einer Zeitenwende“

Exchange Traded Funds – passiv gemanagte börsengehandelte Fonds – sind seit Jahren im großen Aufwind. Gerade bei jüngeren Menschen sorgen ETFs für mehr Interesse und Zulauf am Kapitalmarkt. Woran das liegt, welche ETFs besonders gefragt sind und viele andere Fragen beantwortet David Wenicker vom Vermögensverwalter BlackRock im Interview.

Interview mit David Wenicker, Leiter iShares & Wealth bei BlackRock Deutschland
Herr Wenicker, 2022 war ein Krisenjahr, 2023 ist inflations- und zinsbedingt und allgemein wirtschaftlich nach wie vor herausfordernd. Wie bewältigt der ETF-Marktführer BlackRock die Situation?

Sehr gut. Das Jahr 2023 verzeichnete insgesamt einen Rekordstart für neue Anlagegelder, die von Anleihen-ETFs in Europa und weltweit eingesammelt wurden. Denn die Anleger können in dem Umfeld von den höheren Zinssätzen profitieren. In zwei Segmenten haben wir hier in Europa die stärksten Zuflüsse an Neugeldern gesehen: ETFs auf Staatsanleihen der Industrieländer und Unternehmensanleihen aus dem Bereich Euro Investment Grade – also solche mit guter Bonität.

Trotz der schwierigen finanziellen Bedingungen gab es immer wieder Rekorde an den Börsen, auch beim DAX. Wie kommt’s?

Dies lässt sich auf die Kombination verschiedener Faktoren zurückführen. Zunächst einmal gibt es die Erwartung vieler Investoren, dass der starke Gegenwind durch Zinsanhebungen allmählich nachlassen wird. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Unternehmensgewinne. Aktuell liegen die Gewinnerwartungen für den DAX und andere Indizes nicht deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Aus dieser Richtung droht also keine dramatische Rückschlaggefahr. Dafür müssten wir eine deutliche Korrektur der Gewinnerwartungen sehen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Bewertungen an den Börsen nicht unbegrenzt steigen können. Darüber hinaus hat der DAX dadurch einen Schub erhalten, dass manch pessimistischer Anleger auf dem falschen Fuß erwischt worden ist und – aus Sorge, weitere Kursgewinne zu verpassen – zugekauft hat, ganz nach dem Prinzip „Fear of missing out“.

Wie ist aktuell der Zuspruch bei den iShares-Produkten von BlackRock? An vielen Stellen hört man, dass die Menschen weniger Geld zum Sparen und Anlegen zur Verfügung haben.

In der Tat ist das wirtschaftliche Umfeld derzeit für etliche Privatanleger herausfordernd, aber iShares-Produkte werden auch von institutionellen Anlegern wie Versicherungen oder Pensionsfonds genutzt. Zudem unternehmen wir große Anstrengungen, die Kapitalanlage für möglichst breite Schichten zu ermöglichen. Denken Sie beispielsweise an Sparpläne, in die auch mit geringen Mitteln investiert werden kann.

Gleichzeitig sind passive Investitionen in ETFs aktuell gerade bei jungen Menschen voll im Trend. Was glauben Sie, woran das liegt?

ETFs werden aufgrund ihrer Effizienz, der geringen Kosten und der einfachen Handelbarkeit über die Börse häufig von Selbstanlegern und Online-Anlageplattformen genutzt. Diese Online-Anlageplattformen haben das Investieren verändert, da sie einen bequemen und effizienten Zugang zu den globalen Märkten bieten und darüber hinaus die Möglichkeit, monatlich kleine Beträge zu investieren. Da viele junge Anleger gerne online recherchieren und Entscheidungen treffen, entspricht der Service dieser Anlageplattformen ihren Präferenzen.

Als Vorteil von ETFs gilt eben, dass sie kostengünstiger sind, aber auch hier gibt es Kostenunterschiede bei den Anbietern. Wie groß ist an der Stelle der Wettbewerb und an welchen Kosten lässt sich schrauben? Und stimmt es überhaupt, dass ETFs immer günstiger sind als aktiv gemanagte Fonds?

Der ETF-Markt ist einem gesunden Wettbewerb ausgesetzt. Wir sehen daher eine starke Weiterentwicklung des Marktes und viel Innovation, die den Anlegern zugutekommt. Auch die Kosten von ETFs haben aufgrund des starken Wachstums des ETF-Marktes im Laufe der Zeit abgenommen: Zum einen konnten die Anbieter Kostenvorteile an die Anleger weitergeben. Gleichzeitig hat die Liquidität in ETFs zugenommen, was zu geringeren Handelskosten führt. Und ja, in der Regel sind ETFs deutlich günstiger als aktiv gemanagte Fonds.

Gerade Neobrokern wird häufiger unterstellt, dass Sie zum „Zocken“ verleiten. Ist das gerade vor dem Hintergrund jüngerer Anleger kritisch zu betrachten?

Wir haben eine andere Erfahrung gemacht. Neobroker haben viel Innovation in den Markt gebracht und dazu beigetragen, die Einstiegsbarrieren in die Welt des Investierens kontinuierlich zu verringern und gleichzeitig die Nutzererfahrung zu verbessern. Unsere Beobachtung ist, dass viele ETF-Kunden der Neobroker vor allem langfristig investieren. Hierzu gehören auch die zahlreichen ETF-Sparpläne, die über Neobroker abgeschlossen werden. Diese Sparpläne sind effiziente, kostengünstige Instrumente für den schrittweisen Vermögensaufbau mit geringen Mindestanlagebeträgen. Die beliebtesten Engagements in ETF-Sparplänen sind tendenziell breit gestreute ETFs, z. B. solche, die sich am MSCI World orientieren, und weniger ETFs mit konzentrierten oder risikoreichen Strategien. Dies deutet darauf hin, dass Anleger, die Neobroker nutzen, sich verhalten, wie es langfristige Anleger tun sollten.

Am Schluss kommt es auf die Performance an. Aktive Fonds können besser streuen und eine höhere Risikoabsicherung leisten. Ist das ein Argument gegen ETFs, die ja durchaus auch Risiken unterliegen?

ETFs und aktiv gemanagte Fonds schließen sich ja nicht aus. Beide haben ihre Daseinsberechtigung und werden von vielen Investoren, privaten und institutionellen, im Portfoliokontext gleichermaßen eingesetzt. Interessanterweise beobachten wir, dass die Zuflüsse in ETFs vor allem dann zunehmen, wenn es an den Märkten volatil wird und das Risiko zunimmt. Anleger setzen gerade in diesen Phasen auf die Vorteile von ETFs.

Welche Produkte sind bei Ihnen derzeit am meisten gefragt?

Bei den ETF-Sparplänen in Deutschland ist der MSCI World weiterhin das beliebteste Engagement. Auf europäischer Ebene waren die ausgeprägtesten Trends in diesem Jahr, dass Anleger Staatsanleihen mit kürzerer Laufzeit und Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating kauften.

Spielen dabei auch Vermittler wie 34f-ler oder auch Versicherungsmakler eine Rolle?

Das Interesse von Vermittlern an ETFs hat zugenommen. Das Vertriebsmodell vieler Vermittler, das ja auf Ausgabeaufschlägen und Provisionen von aktiven Fonds beruht, erlaubt jedoch immer noch keinen Einsatz von ETFs. Es gibt schlichtweg wenig Anreiz, diese anzubieten. In der Versicherungswelt sehen wir, dass viele kapitalmarktgebundene Versicherungspolicen immer stärker auch auf ETFs basieren.

Haben Themen- bzw. Branchen-ETFs überhaupt Platz im Portfolio? Es wird immer breite Streuung und Diversifikation gepredigt.

Mit thematischen ETFs können Anleger in Bereiche investieren, die sich heutzutage in einem starken Wandel befinden. Sie bieten Zugang zu Trends wie saubere Energie oder zunehmende Automatisierung. Thematisches Investieren basiert auf breiten Megatrends, die den Wandel in der Weltwirtschaft vorantreiben. Viele dieser Trends werden bei den Anlegern auf Resonanz stoßen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Anlagen gemäß ihren Präferenzen zu gestalten.

Wie sieht es mit Nachhaltigkeit aus? Welche Rendite- oder Anlagetrends können Sie dort beobachten?

In Europa setzt sich der Trend fort, dass Anleger nachhaltige Anlagen in den Mittelpunkt ihrer Portfolios stellen. Im Rahmen der nachhaltigen Geldanlage investieren Kunden bewusster in Bezug auf ihre Klimaschutzziele und entscheiden sich für Anlagen mit einem höheren Maß an ESG-Integration.

Durch die steigenden Zinsen sind Anleihen wieder in den Fokus gerückt. Merken auch Sie großen Zuwachs bei Ihren Anleihen-ETFs?

Das Interesse an Anleihen-ETFs hat seit den Zinsanstiegen spürbar zugenommen. Schon in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 wurde ein neuer Halbjahresrekord beim Zufluss in Anleihen-ETFs aufgestellt. Der Jahresanfang 2023 brachte einen rekordverdächtigen O Kapitalzufluss in globale ETFs auf Unternehmensanleihen. Diese generellen Trends spiegeln sich in unseren eigenen Anleihen-ETFs wider. Anleger nutzen sie, um von dem derzeit günstigen Renditeumfeld zu profitieren, ihre Investitionen in Anleihen zu überdenken und bei ihrer Vermögensstrukturierung flexibel zu sein, wenn sich das makroökonomische Umfeld verändert. Die Vielseitigkeit von ETFs ermöglicht es Anlegern, Risiken effizient und in großem Umfang zu verlagern.

Könnte die steigende Popularität der passiven Geldanlage für langfristige Probleme in der Wirtschaft sorgen, z. B. durch das immer größere Wachstum ohnehin schon großer Firmen?

Es gibt eine Reihe von Missverständnissen über die Auswirkungen von börsengehandelten Fonds und Indexfonds und die Rolle, die diese Produkte auf dem Kapitalmarkt spielen. Hierzu gehören vor allem Missverständnisse über die Größe von ETFs und Indexfonds im Vergleich zum Gesamtmarkt, über die Rolle der Produkte bei den Anlageentscheidungen der Investoren und über die Preisfindung und die hohen Korrelationen an den Märkten. ETFs sind nach wie vor ein kleines Marktsegment. Darüber hinaus bestimmen die Investoren, die aktiv einzelne Aktien auswählen, den Preisfindungsprozess. Sie treffen Entscheidungen darüber, in welche Marktsegmente sie investieren und in welchem Umfang sie Mittel abziehen – auf der Grundlage ihrer Risikotoleranz, ihrer Anlageziele und ihrer Einschätzung bestimmter Marktfaktoren. Anlagestil und Wahl des Anlageinstruments sind untergeordnete Entscheidungen. In dieser Hinsicht hat das Index-­Investieren eine disruptive Wirkung auf die Vermögensverwaltungsbranche, allerdings nicht in Bezug auf die Funktionsweise der Kapitalmärkte, sondern auf die Art und Weise, wie sich Anleger an den Märkten engagieren können.

Zum Schluss: Ihr Anlagetipp für den Rest des Jahres?

Als Vermögensverwalter betrachten wir stets das gesamte Portfolio und berücksichtigen die Rahmenbedingungen der Märkte, weshalb wir auch keine spezifischen Anlagetipps geben, sondern immer die generelle Herangehensweise von BlackRock an die Finanzmärkte und deren Bedingungen in Betracht ziehen.

Aktuell befinden wir uns in einer Zeitenwende – nicht nur in der Geopolitik, sondern auch im Portfolio. Der Wechsel zu einem neuen Investment-­Regime stellt Anleger vor große Herausforderungen. Denn wenn die Welt fortan tatsächlich von Angebotsknappheiten verschiedenster Art determiniert ist, dürfte höhere Volatilität an den Finanzmärkten vorgezeichnet sein. Investoren werden in diesem Umfeld ihre Depots häufiger auf den Prüfstand stellen und auch die Diversifikation der darin enthaltenen Anlageklassen noch breiter gestalten müssen. Hierzu gehört auch, das Portfolio vor Inflation zu schützen, indem länger laufende Staatsanleihen eher niedrig und inflationsgeschützte Anleihen höher gewichtet werden. Die Verlangsamung des Wachstums und die hartnäckige Inflation in den großen Volkswirtschaften untermauern unsere Präferenz für Schwellenländer.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 08/2023 und in unserem ePaper.

Bild: © Stratocaster – stock.adobe.com bzw. David Wenicker, BlackRock Deutschland

 
Ein Interview mit
David Wenicker

Deutlich weniger geschlossene Fonds im ersten Halbjahr

Die Anzahl und das Volumen neu angebotener geschlossener Fonds sind im ersten Halbjahr 2023 signifikant geringer als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das ergibt eine Untersuchung des Analysehauses Scope Fund Analysis.

<p>Scope Fund Analysis hat den Markt für geschlossene Publikumsfonds im ersten Halbjahr 2023 analysiert. Insgesamt neun Fonds mit einem Emissionsvolumen von 276 Mio. Euro wurden von der BaFin in Deutschland zum Vertrieb zugelassen. Das geplante Eigenkapitalvolumen war damit nicht einmal halb so hoch wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres (626 Mio. Euro). Die Zahl der zugelassenen Fonds lag rund ein Drittel unter dem Wert des ersten Halbjahres 2022 (13).</p><h5>Trend wird sich fortsetzen</h5><p>Der von Scope am Jahresanfang prognostizierte Rückgang der Emissionsaktivitäten bei geschlossenen Publikums-AIF ist damit bereits im ersten Halbjahr sichtbar geworden. Das Analysehaus erwartet für 2023 weiterhin ein Gesamtemissionsvolumen von deutlich unter 1 Mrd. Euro. Maßgeblich für diese Entwicklung sei in erster Linie das deutlich gestiegene Zinsniveau, das Anlegern attraktive Anlagealternativen bietet. Hinzu kommen besonders im Immobilienbereich große Herausforderungen für die geschlossenen Fonds (möglicher Mieterinsolvenzen, teurere Finanzierungen).</p><p>Blind Pools im Immobilienbereich, die günstige Kaufgelegenheiten nutzen könnten, hätten laut Scope dagegen neue Chancen, mit attraktiveren Renditeniveaus auf den Markt zu kommen. Allerdings sei es noch unsicher, wann eine Bodenbildung der Immobilienpreise am Markt erreicht sein wird. Scope erwartet diese erst im Jahr 2024.</p><h5>Neun neu zugelassene Publikums-AIF im ersten Halbjahr 2023</h5><p>Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2023 neun neue Publikums-AIF für den Vertrieb zugelassen. Dabei handelt es sich um fünf Artikel-6-Fonds, drei Artikel-8-Fonds und einen Artikel-9-Fonds. Im Mittel verfügen sie über ein prospektiertes Eigenkapital von 31 Mio. Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist dies ein Rückgang beim Durchschnittsvolumen um 36%.</p><p>Unter dem Neuangebot des ersten Halbjahres befindet sich nur ein großvolumiger Fonds mit einem Eigenkapital von mehr als 50 Mio. Euro. Die übrigen acht Fonds weisen ein prospektiertes Eigenkapital von durchschnittlich 28 Mio. Euro auf. Im ersten Halbjahr 2022 hatten sich unter den 13 damals aufgelegten Publikums-AIF vier großvolumige Fonds mit einem Eigenkapital von jeweils mehr als 50 Mio. Euro befunden, davon zwei mit einem Eigenkapital von mehr als 100 Mio. Euro.</p><h5>Immobilien dominieren</h5><p>Wie in den Vorjahren sind Immobilien die dominierende Asset-Klasse. Sechs neu angebotene Fonds investieren in dieses Anlagesegment. Fünf davon konzentrieren sich auf deutsche Objekte, einer ist weltweit aktiv. Hinzu kommt jeweils ein Produkt aus den Bereichen erneuerbare Energien, Infrastruktur und Private Equity. (mki)</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © chaylek – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/C07E04F5-02F5-48BA-A06D-796F3565F4B9"></div>

 

Ombudsstelle Investmentfonds meldet mehr Eingaben 2022

Die Ombudsstelle für Investmentfonds, die vom Fondsverband BVI betrieben wird, hat ihren Jahresbericht für 2022 veröffentlicht. Die Eingaben von Verbrauchern waren im vergangenen Jahr immer noch gering, sie sind allerdings im Vergleich zum Vorjahr 2021 gestiegen.

Die Ombudsstelle für Investmentfonds ist eine anerkannte Verbraucherschlichtungsstelle im Finanzbereich und kümmert sich im Kern um Streitfragen über Fondsprodukte und Finanzdienstleistungen nach dem Kapitalanlagegesetzbuch. Sie wird vom Fondsverband BVI betrieben und prüft Verbraucherbeschwerden in seiner Zuständigkeit u. a. für offene und geschlossene Fonds, Altersvorsorge und Depotführung unabhängig wie ein staatliches Gericht nach Recht und Gesetz. Bis zu einem Beschwerdewert von 10.000 Euro kann er verpflichtend gegenüber einem Unternehmen entscheiden, wenn es nicht um grundsätzliche Fragen geht.

Für das Jahr 2022 wurde nun der Jahresbericht der Ombudsstelle für Investmentfonds veröffentlicht. Insgesamt sind die Beschwerden, wie auch in den Vorjahren, weiterhin gering, relativ betrachtet sind sie allerdings gestiegen.

Jahresbericht 2022 der Ombudsstelle für Investmentfonds

Vom 01.01.2022 bis zum 31.12.2022 gingen bei der Ombudsstelle 112 Eingaben ein. Dies entspricht einem Zuwachs der Verbraucherkontakte um gut 35% gegenüber 2021 – da waren es 83. Die Erhöhung der Eingangszahlen seien laut Jahresbericht im Wesentlichen auf Schlichtungsanträge zurückzuführen, mit denen ein Rechtsanwalt für 23 Verbraucherinnen und Verbraucher Prospekthaftungsansprüche im Zusammenhang mit dem Erwerb von Fondsbeteiligungen an einem geschlossenen Immobilienfonds geltend gemacht.

13 Eingaben konnte die Ombudsstelle mangels Zuständigkeit nicht bearbeiten. Diese Eingaben betrafen Unternehmen, die nicht am Verfahren der Ombudsstelle teilnehmen und/oder Sachverhalte abseits des Fondsgeschäfts nach dem Kapitalanlagegesetzbuch. In 22 Fällen stellten Verbraucher weiterhin keinen Schlichtungsantrag, sondern nur allgemeine Anfragen. Die Ombudsstelle war hiernach für 77 aller Eingaben zuständig.

Sachthemen

Das klassische Fondsgeschäft, also die Verwaltung von offenen Fonds, war mit 7,79% dieser 77 Eingaben nur in geringem Maß von Verbraucherbeschwerden betroffen – wie auch in den Vorjahren. Mit 36,36% gab es die meisten Eingaben zu geschlossenen Fonds, gefolgt von Eingaben zu fondsbasierten Altersvorsorgeverträgen (z. B. Riester) und zur Depotführung im Zusammenhang mit Fondsanlagen.

Alle Eingaben bearbeitet

Von den 77 Eingaben konnten alle bis Redaktionsschluss des Jahresberichts am 30.06.2023 bearbeitet werden. In 16 Fällen konnte die Ombudsstelle bereits im Dialog mit den Unternehmen befrieden und damit 20,8% der Streitigkeiten ohne einen Schlichtungsspruch bzw. -vorschlag einer Lösung zuführen. Die Unternehmen haben dabei den Verbraucherbegehren in zwölf Fällen vollständig entsprochen, in einem Fall konnten die Parteien eine Einigung erzielen und in drei Fällen konnte die Streitigkeit geklärt werden, indem Verbrauchern der streitgegenständliche Sachverhalt nachvollziehbar erläutert und ein aufgekommenes Missverständnis aus dem Weg geräumt wurde.

In 47 Fällen hat der Ombudsmann Schlichtungsvorschläge erlassen. Hiervon ergingen vier zugunsten der Verbraucher, die in allen Fällen zu einer Einigung führten. In den übrigen 43 Fällen erwiesen sich die Schlichtungsanträge als unbegründet. Gleichwohl hat ein Verbraucher den Schlichtungsvorschlag des Ombudsmanns zu seinen Lasten akzeptiert. Die Unternehmen haben die Schlichtungsvorschläge zu 100% akzeptiert.

Fazit

Im Ergebnis haben die Ombudsverfahren 2022 in 27,3% der Fälle zu einer einvernehmlichen Beilegung von Streitigkeiten geführt, soweit es um Eingaben ging, für die die Ombudsstelle zuständig war. Verbraucher hatten hierbei in 26% der Fälle Erfolg. Der Ombudsmann konnte ihrem Schlichtungsantrag ganz oder teilweise stattgeben oder das Unternehmen hat diesem bereits im Vorverfahren ganz oder teilweise entsprochen. Zudem haben sich 1,3% der Verbraucher trotz eines Schlichtungsvorschlags zu ihren Lasten mit dem Unternehmen geeinigt. 55,8% der Schlichtungsanträge waren unbegründet.

Weitere Informationen zum Jahresbericht der Ombudsstelle für Investmentfonds gibt es hier. (mki)

Bild: © Sebastian – stock.adobe.com

 

DJE: Renditen von Anleihen und Aktien aktuell ähnlich

Der Anleihenmarkt konnte sich im ersten Halbjahr 2023 auf breiter Front gut entwickeln, wie Tobias Geishauser von der Vermögensverwaltung DJE in einem Marktkommentar darlegt. Und der Trend soll sich so im zweiten Halbjahr fortsetzen.

Durch die Zinserhöhungen sind Anleihen als Anlagemöglichkeit wieder deutlich attraktiver geworden – und entsprechend entwickeln sich die festverzinslichen Wertpapiere auch. Sowohl Staats- und Unternehmensanleihen als auch Anleihen aus Schwellenländern konnten vor allem im ersten Quartal 2023 gut performen, erläutert Tobias Geishauser, Portfoliomanager Fixed Income und Co-Fondsmanager des DJE – Renten Global bei der DJE Kapital AG, die aktuelle Marktsituation.

Auf Index-Basis hätten demnach US-Corporate Bonds in US-Dollar denominiert und mit guter Bonität etwa 3% zugelegt, während europäische Unternehmensanleihen und Nachranganleihen von Finanzdienstleistern um jeweils gut 2% zulegen konnten. Im Hochzinsbereich, bei sogenannten High-Yield-Anleihen, konnten US-Bonds über 5% gewinnen, das europäische Pendant um etwa 4%. Aggregierte globale Indizes, die Staatsanleihen und Unternehmensanleihen in Euro zusammenfassen, legten ebenfalls über 2% an wert zu. Doch auch Emerging-Market-Bonds in US-Dollar standen mit knapp über 2% auf der Gewinnerseite.

Erholung trotz Bankenkrise

Zu Beginn des Jahres erwarteten die Marktteilnehmer am Bondmarkt für das zweite Halbjahr 2023 fallende Zinsen, doch die Notenbanken sind nachhaltig restriktiv geblieben, wodurch es ein repricing der Zinserwartungen für das zweite Halbjahr gab, so Geishauser. Inwiefern die Geldpolitik der Notenbanken erfolgreich zur Geldwertstabilität beitragen wird, bleibe jedoch abzuwarten.

Schwache Indizes, starke Schwellenländer-Währungen

Durch den Renditeanstieg im zweiten Quartal drehte der deutsche Rentenindex wieder leicht in die Verlustzone und auch die Performance von US-Treasuries verringerte sich auf etwa 1,5%. Positiv trägt dagegen die Einengung der Kredit-Risikoprämien zum Gesamtbild bei, so Geishauser. Seit Jahresbeginn sind die Prämien für Credit Default Swaps im Euroraum für Investmentgrade- und High-yield-Bonds rückläufig. Auch auf Basis von branchen-Indizes wurden durchweg positive Wertentwicklungen erzielt. Sogar der gebeulte Immobiliensektor legte 2023 um 2,3% zu. Bedingt durch den Renditeanstieg konnte sich jedoch kaum ein Fixed-Income-Index im zweiten Quartal positiv entwickeln.

Rezession: Inverse Zinskurve ist da, mehr aber auch nicht

Was bei der aktuellen Lage laut Geishauser auffällt, ist, dass die Zinsstrukturkurven für die USA und die meisten Märkte in Europa mit ihrer Inversität eine Rezession einpreisen, diese bei den rückläufigen Credit Spreads von Investment-Grade- und High-Yield-Anleihen jedoch nicht erkennbar ist. Auch die aktuellen tatsächlichen Ausfallraten bei amerikanischen Hochzinsanleihen notieren langfristig betrachtet auf niedrigem Niveau. Bei Unternehmenspapieren erzielen Investoren zwar nominal eine höhere Rendite, jedoch mehr aufgrund des allgemein gestiegenen Zinsniveaus und weniger aufgrund der Kreditrisikoprämien.

Wie geht es weiter?

Für das zweite Halbjahr findet Geishauser, dass Investoren positiv gestimmt sein können. Anleihen bieten mittlerweile eine „echte Konkurrenz“ zu anderen Asset-Klassen. Das Verhältnis zwischen der Gewinnrendite von Aktien anhand des reziproken Kurs-Gewinn-Verhältnisses und der Renditen von US-Staatsanleihen habe sich laut Geishauser seit langer Zeit wieder stark angenähert. Kurzum: Die Gewinnrenditen von Aktien ähneln aktuell denen der Anleihen.

Potenzielle Rezessionsszenarien könnten dazu führen, dass sich die Kredit-Risikoprämien ausweiten. Die Notenbanken könnten sich gezwungen fühlen, die restriktive Geldpolitik wieder zu lockern. Dies wiederum eröffne Chancen durch sinkende Renditen auf der Durationsseite. Anleger sollten daher das aktuelle Zeitfenster nutzen, um sich die attraktiven Nominalrenditen langfristig zu sichern. Diese betragen im breiten Durchschnitt für europäische Qualitätsanleihen um die 4%, für Hochzinsanleihen über 7%, für amerikanische Qualitätsanleihen über 5% und für Hochzinspapiere über 8%. In Asien sind derzeit sogar Renditen von über 12% im Hochzinsbereich zu erzielen. (mki)

Bild: © Funtap – stock.adobe.com

 

Donner & Reuschel und TBF gründen Denkfabrik

D&R Investor Services, der Investmentdienstleister der Privatbank Donner & Reuschel, und der Vermögensverwalter TBF, haben zusammen einen Think Tank ins Leben gerufen, der sich des Themas des aktiven Investierens annehmen will. Am 25.09.2023 findet die erste Veranstaltung dazu statt.

TBF und D&R Investor Services, eine Sparte der Privatbank Donner & Reuschel, haben zusammen den Think Tank Active Investing ins Leben gerufen. Die Denkfabrik soll in Diskussionsrunden ein Bewusstsein für komplexe Zusammenhänge schaffen, denen sich aktive Investoren stellen müssen, um künftig noch profitabel und umsichtig Kapital investieren zu können, so heißt es in einer Pressemitteilung der beiden Unternehmen.

Dabei soll der Think Tank Active Investing keine Debatte zwischen Aktiv und Passiv entfachen, sondern Denkanstöße bieten, warum aktives Investieren ein fester Bestandteil eines jeden Portfolios sein solle. Dirk Zabel, Geschäftsführer der TBF Sales & Marketing, findet, dass man mehr darüber nachdenken sollte, wie „unsere Investmentstrategien in jüngster Vergangenheit performt haben und wie der Manager künftige Marktgegebenheiten einschätzt. Eine Performance-Messung ist einfach kein Garant mehr für eine künftige Wertentwicklung. Da müssen wir im Asset-Management umdenken, so wie viele Sektoren eben auch.“

Erster Think Tank im September

Der erste Think Tank zum Thema Active Investing findet am 25.09.2023 online statt. Es werde laut der Unternehmensmitteilung um Aktieninvestments gehen. An der Diskussionsrunde, die von Leila Summa, Gründerin und Geschäftsführerin der Play to Change GmbH, moderiert wird, werden folgende Experten teilnehmen:

  • Jan F. Kallmorgen, Managing Partner und Gründer der Berlin Global Advisors GmbH sowie Buchautor
  • Christine Kirbach, CHRO, Elektrobit Automotive GmbH
  • Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Donner & Reuschel AG
  • Peter Dreide, CIO und Gründer von TBF
  • Dr. Sabine Hampel, Head of Portfoliomanagement Equities bei EB-SIM GmbH

Weitere Informationen zum Think Tank Active Investing gibt es hier. (mki)

Bild: © jirsak – stock.adobe.com

 

Sektoren-ETFs: Entwicklungen, Themen, Momentum vs. Marktportfolio?

Themen- oder Sektoren-ETFs bieten die Möglichkeit, gezielt in Trends und Entwicklungen zu investieren. Axel Riedel vom Vermögensverwalter State Street Global Advisors/SPDR ETFs gibt einen Einblick in die Vorteile der Anlage in einzelne Branchen.

<h5>Ein Artikel von Axel Riedel, Head of Financial Intermediaries bei State Street Global Advisors</h5><p>In der Investmentwelt ist Diversifikation schon lange ein bewährtes Konzept, um das Anlageportfolio vor potenziellen Risiken zu schützen und gleichzeitig Renditen zu maximieren. Als Anleger möchte man sein Geld klug und effizient einsetzen, um von den Chancen des Marktes zu profitieren. Kunden setzen daher in erster Linie auf breit gestreute ETFs, die z. B. den MSCI ACWI IMI oder den MSCI World nachbilden. In diesen Universen sind Unternehmen aller möglicher Industriesektoren enthalten.</p><p>Diese Sektoren profitieren in unterschiedlichem Maße von der technologischen und industriellen Weiterentwicklung. Um an dieser Entwicklung teilzuhaben, ermöglichen Sektoren-ETFs gezielte Investitionen in einzelne Sektoren wie Technologie, Gesundheitswesen, Konsumgüter, Energie und viele mehr.</p><h5>Renditeunterschiede am Beispiel des S&P 500</h5><p>Die Wertentwicklung des S&P 500 basiert zuletzt im Wesentlichen auf den „glorreichen Sieben“ Apple, Alphabet, Tesla, Amazon, Microsoft, Nvidia und Meta. Auf diese entfielen 9% der Wertentwicklung des Index in Höhe von 10%. Alle diese Titel sind dem Technologie-, Kommunikations- oder Konsumbereich zuzuordnen. Die Rendite des Technologiesektors belief sich bis Juni 2023 derweil auf 39%, wie Auswertungen von State Street Global Advisors und Bloomberg Finance L.P. zeigen. Energietitel, die das Jahr 2022 bestimmt haben, wiesen dagegen eine negative Wertentwicklung von –4% in diesem Jahr aus (s. Tabelle). Tatsache ist also, dass es bei den abgedeckten Branchen eindeutige Gewinner und Verlierer geben kann.</p><p>Folgerichtig zeigen diese unterschiedlichen Wertentwicklungen für globale, US-amerikanische und europäische Sektoren, dass durch eine Investition in bestimmte Sektoren oder eine Rotation zwischen diesen ein Mehrertrag gegenüber dem Marktindex als Summe der Sektoren möglich ist.</p><p class="zoombild" > <div class="zoomImage clearfix"><a href="https://www.asscompact.de/sites/asscompact.de/files/styles/zoom_large/p…; rel="prettyPhoto" title=""><img alt="Sektoren-ETFs: Entwicklungen, Themen, Momentum vs. Marktportfolio?" height="260" src="https://www.asscompact.de/sites/asscompact.de/files/styles/zoom/public/…; typeof="Image" width="200" /><img class="zoomIcon" src="/sites/asscompact.de/themes/asscompact/gfx/zoom_icon.png" width="54"></a></div></p><h5>Anlage in Sektoren bringt mehrere Vorteile</h5><p>Über die Nutzung von Sektoren bieten sich Anlegern diverse Vorteile. Zum einen können sie gezielt von Entwicklungen, Themen und dem Momentum in unterschiedlichen Industriesektoren profitieren oder sich innerhalb des Wirtschaftszyklus bewusst offensiv oder defensiv positionieren und dabei auf bestimmte Regionen abzielen.</p><p>Zum anderen können Anleger die unterschiedliche Wertentwicklung zwischen den Sektoren nutzen und in die aussichtsreichen Sektoren investieren oder diese übergewichten.</p><p>Ein weiterer Vorteil ist das Risikomanagement. Mit Sektoren-ETFs kann der Anleger bestehende Risiken aktiver Manager gegenüber der Benchmark reduzieren oder das Einzeltitelrisiko diversifizieren.</p><p>Für die Investition in Sektoren bieten sich gerade deshalb ETFs an, da sie die Titel des jeweiligen Sektors enthalten und so die Umsetzung der Anlageüberlegungen gezielt ermöglichen. Als börsengehandeltes Instrument verbinden sie die Vorteile eines fortlaufenden Börsenhandels mit denen eines OGAW-/UCITS regulierten Investmentvehikels.</p><p>Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 08/2023 und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/de/profiles/53e4066999da-asscompact/editio…; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © tadamichi – stock.adobe.com; Grafik: © State Street Global Advisors</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/B489DCE5-1FF9-494B-9E19-9830A31E3ECB"></div>

 
Ein Artikel von
Axel Riedel

Rekordstimmung am DAX: Kommt der Hochmut vor dem Fall?

Der Deutsche Aktienindex hat am vergangenen Montag einen Rekord aufgestellt – zum wiederholten Male. Die Euphorie an der Börse hält trotz mäßiger Konjunkturerwartungen an. Doch ist die Zukunft wirklich so rosig? Und woher kommt dieser Optimismus am Markt?

Dass die Wirtschaft weiter und weiter wächst, ist eine gerne getroffene Annahme. Und das Gefühl könnte man tatsächlich bekommen, wenn man die Entwicklung des Deutschen Aktienindex (DAX) in den letzten Monaten betrachtet. Am 28.07.2023 stellte er mit 16.490 Punkten einen neuen Rekord auf – eigentlich ein guter Zeitpunkt zum Durchschnaufen, oder? Zumal der Rekord davor auch nur gut sechs Wochen vorher aufgestellt wurde, nämlich am 16.06. mit 16.427 Punkten, und „normalerweise“ Rekorde etwas länger halten. Aber „normalerweise“ gilt an der Börse wohl aktuell nicht.

Denn direkt zum Monatsende, am vergangenen Montag, 31.07.2023, überwand der DAX gleich die nächste Hürde: 16.527 Punkte. Geschlossen hatte er an diesem Tag übrigens mit stolzen 16.446 Punkten. Aber manchmal kommt der Hochmut eben vor dem Fall, denn der gerne als magische Hürde herangezogene Wert von 16.000 ist am Donnerstag deutlich unterboten worden – Tiefststand am Donnerstag: 15.807 Punkte. Traditionell ist der Sommer nämlich keine so rosige Zeit für den DAX. Aber auch wenn es irgendwo doch nur Kaffeesatzleserei ist, bleibt doch immer die spannende Frage: Wie geht’s weiter? Und vor allem: Warum so viel Optimismus an der Börse, wenn in der Wirtschaft derzeit eher Pessimismus vorherrscht?

Das Sommerloch an der Börse

Bei der Betrachtung der Geschichte des DAX fällt auf, dass gerade August und September zu den schwächsten Monaten zählen. Lediglich 2013 wurde im 21. Jahrhundert in diesen beiden Monaten ein neuer, nachhaltiger Höchststand aufgestellt, nämlich im September 2013. Das letzte Rekordhoch im August liegt noch deutlich länger zurück, nämlich 1997 – abgesehen von den Rekorden in den ersten eineinhalb Jahren nach Etablierung des DAX, wo er nahezu monatlich einen neuen Höchststand erreicht hat.

Dann ist der Fall des DAX unter die 16.000 ja irgendwo passend – und das, wo der August nur wenige Tage alt ist. Einer der Gründe dafür dürfte in den USA zu finden sein. Denn die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft, von der Spitzenbewertung „AAA“ auf „AA+“. Als Grund wurde zum einen die hohe Staatsverschuldung angegeben und auch die Verschlechterung der Haushaltslage, die in den kommenden drei Jahren im Land der Freiheit herrschen soll. Laut Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege beim Börsenmakler RoboMarkets, bräuchten heiß gelaufene Aktienmärkte, in denen die Investoren euphorisch oder geradezu sorglos anlegen, oft ein „Ventil, um etwas Druck aus dem Kessel zu lassen“. Dieses habe die Börse mit der Bonitätsherabstufung der USA gefunden.

Woher diese Euphorie?

Hohe Zinsen, Inflation, eine gefürchtete Rezession – und doch steigende Märkte. Eigentlich ein Widerspruch, sollte man meinen. Doch wie das Handelsblatt darlegt, gibt es mehrere plausible Gründe für die bislang so euphorische Stimmung am DAX. Einerseits habe die in den Augen vieler Wirtschaftsexperten bevorstehende Rezession auf die Börsenlage gar keinen so hohen Einfluss, denn der DAX spiegle mit seinen 40 Unternehmen nicht die deutsche, sondern die Weltwirtschaft wider. Die 40 gelisteten Unternehmen erzielten knapp drei Viertel ihrer Umsätze im Ausland – und da sind die Anteile vor allem in den USA stark gestiegen

Die steigenden Zinsen, die üblicherweise eher zum Nachteil der Börse sind, stören die Anleger laut Handelsblatt ebenfalls nicht, denn am Markt werde die Zukunft gehandelt, nicht die Gegenwart. Dadurch, dass die Inflationsraten langsam sinken, rechnen die Investoren damit, dass der Zinsgipfel bald erreicht sein könnte, wenn er dies nicht ohnehin schon ist.

Und: Öl und Gas sind mittlerweile wieder auf einem deutlich niedrigeren Preisniveau als vor dem Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar vergangenen Jahres. Dies treibe die Kurse, so das Handelsblatt, vieler Unternehmen, die auf Energie angewiesen sind, wieder in die Höhe. Und da viele davon auch im DAX angesiedelt sind, profitiert der Index auch hiervon.

Wie geht’s weiter?

Wird das Börsenjahr 2023 ein gutes? Manche Experten rechnen mit einer richtigen Korrektur, also mit einem Rückgang der DAX-Punkte von 10% oder mehr. Das würde dann einen Stand von unter 14.900 Punkten bedeuten. Doch ganz sicher weiß es eben niemand. Sicher ist nur (hoffentlich und zum Wohle der deutschen Wirtschaft): Der nächste Rekord kommt bestimmt. (mki)

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Diversity Project Europe: mehr Vielfalt in der Investmentbranche

In Großbritannien gibt es seit Jahren das Diversity Project, welches sich für mehr Vielfalt im Asset-Management einsetzt. Jetzt soll das Projekt auch in Deutschland an den Start gehen. Mehrere Vermögensverwalter beteiligen sich daran, darunter Franklin Templeton, AXA IM und T. Rowe Price.

<p>Das Diversity Project ist eine Vereinigung mehrerer Unternehmen zur Förderung einer diverseren, vielfältigeren und gerechteren Investmentbranche in Großbritannien. Unter dem Namen „Diversity Project Europe“ soll die Kampagne im Herbst auch in Deutschland an den Start gehen, wie der Asset-Manager Aegon AM im Auftrag des Diversity Projects mitteilt. Aegon AM ist selbst Gründungsmitglied des deutschen Ablegers.</p><h5>Diversity Project in Europa</h5><p>Mit dem Diversity Project Europe (DPE) soll der Weg für eine integrativere Vermögensverwaltungsbranche auf dem gesamten Kontinent geebnet werden. Es sei die erste grenzüberschreitende Initiative ihrer Art und wurde von Branchenveteran Ric van Weelden in Zusammenarbeit mit acht Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen: Aegon AM, AXA IM, Franklin Templeton, HSBC Global Asset Management, Nordea Asset Management, Pictet Asset Management, Quoniam Asset Management und T. Rowe Price.</p><p>Wie es in der Mitteilung von Aegon AM heißt, seien diese Vermögensverwalter gemeinsam der Meinung, dass es eine riesige Chance gebe, „das Ruder herumzureißen“ und eine Branche zu schaffen, die sowohl die Gesellschaft als Ganzes als auch ihre Kunden besser widerspiegelt. Obwohl die Datenlage spärlich sei, liege die Vermögensverwaltungsbranche in Bezug auf das Geschlechtergleichgewicht und die Anzahl der Angehörigen ethnischer Minderheiten in Entscheidungspositionen weit hinter anderen professionellen Dienstleistungssektoren zurück.</p><h5>Das ist geplant</h5><p>Aufbauend auf dem Erfolg des Diversity-Projekts in Großbritannien werde sich das DPE zunächst auf die wichtigsten europäischen Vermögensverwaltungsmärkte und drei Themen – Gleichstellung der Geschlechter, soziale Mobilität und integrative Kultur – konzentrieren und versuchen, den Wandel durch freiwillige Zusammenarbeit und Wissensaustausch zu fördern. Zu diesen drei Themen werde das DPE Arbeitsgruppen einrichten, welche aus Gruppen von freiwilligen Mitarbeitern, die an der Umsetzung der Ziele des DPE arbeiten.</p><p>Außerdem würden Forschungsarbeiten in Auftrag gegeben, um den aktuellen Stand der Dinge in Bezug auf Vielfalt und Integration in der europäischen Vermögensverwaltungsbranche zu verstehen. Ziel der Untersuchung sei es, die Herausforderungen und Chancen zu ermitteln, die Aufschluss darüber geben, worauf sich die DPE konzentrieren sollte.</p><h5>Bessere Repräsentation der Gesellschaft</h5><p>Im Vordergrund des DPE steht Repräsentation, wie Ric van Weelden, Vorsitzender des Beratenden Ausschusses des DPE, erläutert: „Um ihre Kunden besser bedienen zu können und wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich die Branche weiterentwickeln und ihren Talentpool erweitern. Dies wird nicht nur der Branche zugutekommen, sondern auch darüber hinaus Auswirkungen haben, indem eine Belegschaft aufgebaut wird, die die heutige vielfältige Gesellschaft besser repräsentiert.“</p><p>Bas NieuweWeme, Chief Executive bei Aegon AM, blickt ebenfalls mit Spannung auf das DPE: „Bei Aegon Asset Management setzen wir auf Vielfalt und Integration, da wir der Meinung sind, dass die Anerkennung, das Verständnis und die Wertschätzung der Unterschiede zwischen Individuen uns dabei helfen, eine Kultur zu schaffen, die unser Geschäft verbessert und sowohl unseren Mitarbeitern als auch unseren Kunden zugutekommt. […] Daher sind wir stolz darauf, Gründungsmitglied des Diversity Project Europe zu werden und bei der Schaffung einer wirklich vielfältigen und integrativen Branche in der europäischen Vermögensverwaltung eine Vorreiterrolle zu spielen.“ (mki)</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © N Felix/peopleimages.com – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/824325C0-A39F-41B1-8AD1-433D836BD8CC"></div>

 

Duell in der Zinswende: Aktien und Anleihen im Zweikampf

Die steigenden Zinsen und die hohe Inflation lassen Anleger zweimal nachdenken, wo das Investment landet. Zwei Klassiker bei der Geldanlage sind Aktien und Anleihen. Die Vermögensverwalter J.P. Morgan AM und PIMCO legen für AssCompact dar, was für die beiden Anlageklassen jeweils spricht.

Unsicheres Umfeld bietet Chancen bei festverzinslichen Wertpapieren
Ein Beitrag von Nicola Mai, Experte für Staatsanleihen bei PIMCO

Die Fiskalpolitik hat die Weltwirtschaft in den letzten Jahren massiv gestützt. Diese Phase neigt sich nun ihrem Ende zu und es scheint, als würde sie sich auf absehbare Zeit nicht wiederholen. Im Zuge der Pandemie ist die Inflation weltweit gestiegen, die durch die Zentralbanken bekämpft wird. Den Zentralbanken wird allmählich bewusst, dass unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen nicht nur Nachteile haben, sondern gleichzeitig auch gewisse Vorteile mit sich bringen. Allerdings lässt die steigende Staatsverschuldung den Spielraum für zukünftige unterstützende Eingriffe bei zukünftigen Krisen deutlich kleiner werden.

Zunehmende Volatilität

Der kleiner werdende Spielraum wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass den Märkten nun eine Phase wirtschaftlicher Unsicherheit und verstärkter Volatilität bevorsteht. Kleinere und größere Nachbeben inklusive. Wir sind der Ansicht, dass das Risiko eines wirtschaftlichen Abschwungs in den kommenden fünf Jahren zunimmt. Aus diesem Grund bleibt unsere Anlagestrategie unverändert. Wir konzentrieren uns auf Investments mit hoher Qualität und Liquidität, während wir in sensibleren Marktbereichen vorsichtig agieren.

Anleihen für unsichere Zeiten: Diversifizierung, Kapitalerhalt und Aufwärtspotenzial

Ein unsicheres Umfeld ist in der Regel gut für festverzinsliche Wertpapiere, vor allem, nachdem die umfassende Neubewertung des Marktes im vergangenen Jahr die aktuellen Zinsniveaus deutlich nach oben getrieben hat. Diese sind historisch gesehen ein aussagekräftiger Indikator für Renditen. Das Renditepotenzial hochwertiger Anleihen liegt jetzt in der Nähe der längerfristigen Durchschnittswerte für Aktienrenditen – bei gleichzeitig deutlich geringerer Volatilität und besserem Schutz vor Kursverlusten im Vergleich zu Aktien. Wir sind der Meinung, dass Anleihen ihre traditionellen Qualitäten der Diversifizierung und des Kapitalerhalts wieder stärker zur Geltung bringen werden. Bei einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage besteht das Potenzial für eine positive Kursentwicklung. Anleger können dadurch auch mit widerstandsfähigen und krisenresistenten Portfolios vom Aufwärtspotenzial profitieren.

Risiken bei Aktien

Wir sind der Ansicht, dass die Anleihenmärkte die zu erwartende Volatilität in einer Weise einpreisen, wie es die Aktienmärkte nicht tun. Unserer Ansicht nach sind die Gewinnerwartungen für Unternehmen für die zweite Jahreshälfte 2023 und 2024 immer noch zu optimistisch. Die Aktienbewertungen in allen von uns beobachteten Kennzahlen erscheinen uns zu hoch. Wir denken nicht, dass Aktien in der Lage sind, die Konsenserwartungen zu erfüllen. Derzeit sind Anleihen im Vergleich zu Aktien günstig und erscheinen aufgrund der aktuellen Phase des Wirtschaftszyklus attraktiv.

Fazit: Diversifizierung, Kapitalerhalt und Aufwärtspotenziale von Anleihen

Die Rahmenbedingungen und wirtschaftlichen Aussichten untermauern unsere These, dass Anleger bei Aktien vorsichtig sein sollten, nach Qualität Ausschau halten und die Vorteile der Diversifizierung, des Kapitalerhalts und der Aufwärtspotenziale von Anleihen nutzen sollten.

Ertragsgenerierung im Portfolio durch die Aktienseite
Ein Beitrag von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan AM

Eine solide Rallye globaler Aktien mit einem Plus von 6% im zweiten Quartal 2023 und ein noch beeindruckenderer Anstieg des Nasdaq um 14% im gleichen Zeitraum widerlegten die im März vorherrschende pessimistische Stimmung für Aktien. Die Märkte befürchteten im Frühjahr eine Ausweitung der Regionalbankkrise in den USA sowie deutlich strengere Kreditbedingungen. Dennoch konnten Aktien die Rentenpapiere hinter sich lassen. Auch wenn die Perspektiven für Anleihen in der Tat wieder sehr viel erfreulicher als in den vergangenen Jahren aussehen, sind wir davon überzeugt, dass der größte Part der Ertragsgenerierung für das Portfolio weiterhin von den Aktien kommen wird.

Rezessionsrisiko dämpft Sentiment

Es bleibt nach der aktuellen Rallye das Gefühl, dass Aktien entweder zu wenig korrigiert haben oder jüngst zu stark angestiegen sind, um heute einen Kauf zu rechtfertigen. So ist trotz größeren Aktienengagements von Euphorie keine Spur. Angesichts des erhöhten Rezessionsrisikos ist das anhaltend vorsichtige Sentiment nachvollziehbar.

Allerdings dürfte ein Teil des Gewinnabwertungszyklus nun hinter uns liegen. Die Prognosen für den weltweiten Gewinn pro Aktie für 2023 sind in den letzten zwölf Monaten um 10% von über 44 auf unter 40 US-Dollar gesunken. Dieser Rückgang entspricht in etwa den historischen Mustern für Gewinnrückgänge außerhalb einer Rezession.

Sollte es zu einer Rezession kommen, ist mit einem weiteren Gewinnrückgang zu rechnen. Wahrscheinlich würde ein Abschwung aber auch eine geldpolitische Reak­tion auslösen, die den Schaden begrenzen könnte. Darüber hinaus liegt das KGV von 17 für globale Aktien nahe dem langfristigen Durchschnitt, sodass die Auswirkungen negativer Gewinnrevisionen möglicherweise abgemildert werden.

In einem Konjunkturszenario mit einem unter dem Trend liegenden Wachstum und einer Abkühlung der Inflation könnten die Gewinnerwartungen und die Gewinne selbst wieder anziehen – wenn auch nur moderat. Aber die Anfänge eines Lageraufstockungszyklus, der Tiefpunkt mehrerer Zyklen, die mit den globalen Gewinnen zusammenfallen (z. B. der Halbleiterzyklus) und die robusten Unternehmens- und Verbraucherbilanzen lassen darauf schließen, dass die Gewinne im Laufe des Jahres für ein positives, wenn auch glanzloses Wachstum sorgen könnten.

Auf zukünftige Gewinn­steigerungen setzen

Auf aggregierter Ebene deutet dies auf ein Szenario der Aktienerträge im mittleren einstelligen Bereich hin – nicht genug, um Anleihen klar in die Schranken zu verweisen. Doch der Umstand, dass die Bewertungsschere zwischen Value-Aktien und Growth-Aktien wieder weit auseinander gegangen ist, bietet den Anlegerinnen und Anlegern innerhalb des Aktienmarktes eine zusätzliche Opportunität, von einer Konvergenz der Bewertungen zu profitieren.

Unter diesem Aspekt erscheint uns gerade eine Orientierung zu Dividendentiteln attraktiv. Die Ausschüttungsquoten haben in den meisten großen Regionen noch nicht wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht, weshalb die Unternehmen einen Spielraum haben, die Dividenden auch bei schwächeren Gewinnen zu halten.

Fazit: Aktio­näre partizipieren an Gewinnsteigerungen mit höheren Dividenden

Auch wenn im Vergleich zur Anleihenrendite die Dividendenrendite nicht mehr so attraktiv erscheint, gilt es nicht zu vergessen, dass Renten nicht umsonst festverzinsliche Papiere genannt werden, denn der Coupon und damit die jährlichen Zahlungen bleiben gleich. Aktio­näre hingegen partizipieren an den zukünftigen Gewinnsteigerungen mit höheren Dividenden und können damit auch der immer noch erhöhten Inflation trotzen.

Diese Beiträge lesen Sie auch in AssCompact 08/2023 und in unserem ePaper.

Bild: © IRStone – stock.adobe.com

 
Beiträge von
Nicola Mai
Tilmann Galler