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Netfonds verbucht erfolgreiches zweites Quartal 2023

Der Vermögensverwalter und Maklerpool Netfonds hat seine Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2023 veröffentlicht. Der Bruttoumsatz ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Der Vorstand bestätigt derweil die Prognose für das Gesamtjahr 2023.

Die Netfonds AG, ihres Zeichens Maklerpool, Haftungsdach, Mehrfachagent und Vermögensverwalter, konnte im zweiten Quartal 2023 einen Bruttoumsatz von 46,5 Mio. Euro erzielen. Im zweiten Quartal 2022 waren es 45,6 Mio. Euro. Der konsolidierte Konzernumsatz im ersten Halbjahr 2023 betrug 93,3 Mio. Euro (H1 2022: 91,8 Mio. Euro). Dies entspricht einer Steigerung von 1,7% gegenüber dem Umsatz des Vorjahres, wie das Unternehmen meldet.

Die fakturierten Nettoerlöse nach Abzug der Vergütungen an die angeschlossenen Kunden und Berater stiegen im zweiten Quartal 2023 überproportional um 20,3% auf 9,6 Mio. Euro (Q2 2022: 8,0 Mio. Euro). Im gesamten ersten Halbjahr lagen die Erlöse bei 17,6 Mio. Euro und damit um 6,1% über dem Vorjahresergebnis (H1 2022: 16,6 Mio. Euro).

EBITDA verbessert

Auch das EBITDA, also der Gewinn des Unternehmens vor Abzug der Steuern, Zinsen und Abschreibungen, konnte die Netfonds Gruppe im zweiten Quartal 2023 auf 1,5 Mio. Euro verbessern (Q2 2022: 0,9 Mio. Euro). Das EBIT lag im Berichtszeitraum bei 0,8 Mio. Euro (Q2 2022: 0,0 Mio. Euro). Bedingt durch ein leicht positives Zinsergebnis fiel das EBT mit 0,9 Mio Euro etwas höher als das EBIT aus.

Auf Halbjahressicht erreichte das EBITDA einen Wert von 1,9 Mio. Euro (H1 2022: 2,8 Mio Euro), was einem Rückgang von –32,7% entspricht. Das EBIT erreichte 0,5 Mio. Euro (H1 2022: 1,1 Mio. Euro), und das EBT lag ebenfalls bei 0,5 Mio. Euro (H1 2022: 1,0 Mio. Euro). Diese Entwicklungen resultieren hauptsächlich, so Netfonds, aus dem schwächeren ersten Quartal 2023. Die Assets under Administration als Basis für die wiederkehrenden Erträge erreichten mit 22,8 Mrd. Euro (Vorjahr: 20,7 Mrd. Euro) ein neues Rekordniveau.

Aktuelle Unternehmensentwicklung und Ausblick

Für Martin Steinmeyer, CEO der Netfonds AG, beginnt sich der Fokus auf das Kerngeschäft rund um die skalierbare finfire-Plattform auszuzahlen. Grundlage der positiven Entwicklung im ersten Halbjahr 2023 bilden demnach die deutlich gestiegenen wiederkehrenden Erträge der administrierten Assets und der auf der Plattform verwalteten Versicherungsverträge. Auch habe Netfonds, so Steinmeyer, eine Rekordanzahl von Neukunden für die Strategieportfolio-Plattform der NFS Hamburger Vermögen gewonnen.

Grundsätzlich sei man, immer in Abhängigkeit von den Aktienmärkten, positiv gestimmt. Dementsprechend gestaltet sich auch die weitere Prognose für das restliche Geschäftsjahr. Diese bestätigt der Vorstand nochmals und rechnet mit einem Bruttoumsatz im Bereich von 185 bis 190 Mio. Euro. Der Nettoumsatz werde zwischen 35 und 37 Mio. Euro erwartet.

Netfonds hat weiterhin erstmals einen mittelfristigen Ausblick für die Entwicklung der Gruppe bis zum Geschäftsjahr 2026 erstellt und beschlossen. Dieser soll Mitte September veröffentlicht werden. Hierzu lädt Netfonds alle Interessenten zur Teilnahme an einem Capital Markets Call am 19.09.2023 um 10 Uhr ein. (mki)

Bild: © Kwanchanok – stock.adobe.com

 

BVI: Viel verwahrtes Vermögen bei wenig Anbietern

Der Fondsverband BVI hat seine Verwahrstellenstatistik für das erste Halbjahr 2023 veröffentlicht. Das verwahrte Vermögen für in Deutschland aufgelegte Fonds ist im Vergleich zu Ende 2022 gestiegen. Bemerkenswert außerdem: Zwei Drittel des gesamten verwahrten Vermögens liegen bei den fünf größten Anbietern.

Bei den Verwahrstellen für Fonds geht es in Deutschland aufwärts. Das zeigt die aktuelle Verwahrstellenstatistik des Fondsverbands BVI. Stichtag dafür war der 30.06.2023. Die Statistik zeigt das verwahrte Vermögen für in Deutschland aufgelegte Fonds. Konkret sind damit, wie der BVI auf Nachfrage von AssCompact mitteilt, diejenigen Fonds gemeint, deren ISIN mit dem Ländercode DE für Deutschland beginnen. Bei der ISIN handelt es sich um die Internationale Kennnummer eines Wertpapiers. Der Ländercode zu Beginn gibt das Land an, in dem das Wertpapier emittiert wurde.

Die Verwahrstellenstatistik umfasst Angaben zu in Deutschland aufgelegten offenen Wertpapierfonds und Immobilienfonds sowie geschlossenen Investmentfonds gemäß Kapitalanlagegesetzbuch, unabhängig von einer Mitgliedschaft im BVI.

Zuwachs an verwahrtem Vermögen

Die Depotbanken verwahrten zur Jahresmitte 2023 insgesamt 2,663 Bio. Euro für in Deutschland aufgelegte Fonds. Das entspricht rund 5% mehr als Ende 2022, damals waren es 2,546 Bio. Euro. 68% des Vermögens zum 30.06.2023 (1,824 Bio. Euro) entfielen dabei auf die fünf größten Anbieter. Insgesamt umfasst die Statistik, die der deutsche Fondsverband BVI in Zusammenarbeit mit dem Praxisforum Depotbanken erstellt, 32 Verwahrstellen in Deutschland.

Auf Platz 1 liegt BNP Paribas mit einem Vermögen von 631,3 Mrd. Euro., gefolgt von der State Street Bank (348 Mrd. Euro) und der DZ Bank (312 Mrd. Euro). Die Plätze 4 und 5 werden von HSBC Trinkaus & Burkhardt (304,7 Mrd. Euro) sowie J.P. Morgan (227,6 Mrd. Euro) belegt. 30 Verwahrstellen sind im Geschäft mit offenen Wertpapierfonds mit einem Vermögen von 2,298 Bio. Euro tätig. Zehn Depotbanken verwahrten ein Nettovermögen von 317 Mrd. Euro für offene Immobilienfonds. Im Segment der geschlossenen Investmentfonds, die nach den Vorschriften des Kapitalanlagegesetzbuches aufgelegt sind, betreuten zwölf Verwahrstellen ein Nettovermögen von 47 Mrd. Euro. 44,4 Mrd. Euro davon sind auf geschlossene Sachwertefonds zurückzuführen, der Rest auf geschlossene Wertpapier- und Beteiligungsfonds.

DZ Bank klettert einen Rang nach oben

Im letzten Rating war die DZ Bank noch auf Platz 4 der größten deutschen Verwahrstellen angesiedelt – HSBC und die DZ Bank haben nun Plätze getauscht. Letztere dürfte allerdings noch weiter Zuwachs bekommen, da die Bank zum Ende des Jahres das Verwahrstellengeschäft der Deutschen Apotheker- und Ärztebank übernehmen soll (AssCompact berichtete: apoBank: DZ Bank übernimmt Verwahrstellengeschäft). In der aktuellen Statistik ist die apoBank noch eigenständig gelistet mit einem verwahrten Vermögen von rund 22 Mrd. Euro. (mki)

Bild: © Bela – stock.adobe.com

 

Scope: Tech-Fonds weiter im Aufwind

Die Agentur Scope Fund Analysis hat im August wieder 6.700 Fonds auf ihre Performance untersucht und bewertet. Während sich die Erholung für die Aktien-Peergroups fortsetzte, war die Entwicklung auf der Rentenseite erneut durchwachsen.

Auch in diesem Monat hat die Frankfurter Ratingagentur Scope Fund Analysis (Scope) ihr aktuelles Rating zu insgesamt 6.700 analysierten Fonds veröffentlicht. Bei 291 Fonds verbesserte sich die Bewertung, darunter etwa der Nebenwertefonds „DWS European Opportunities“, der „JPM Europe Select Equitiy“ oder auch der „MSIF Global Opportunity Fund“. 280 Fonds wurden hingegen heruntergestuft, darunter beispielsweise der „Fidelity Funds - European Dynamic Growth“, der „DWS Aktien Strategie Deutschland“ oder der „MSIF Global Brands Fund“.

Erstmals bewertet wurden 50 Produkte, davon erhielten 14 aktive Fonds auf Anhieb ein Top-Rating wie etwa der „Jupiter Strategic Absolute Return Bond“, der als Rentenfonds in globale Währungen investiert.

Schwäche des US-Dollars drückt Rendite bei Rentenfonds

Betrachtet man zusammengefasste Fondsbezugsgruppen (sogenannte Peergroups), hat Scope für den Monat Juli festgestellt, dass lediglich acht der 50 größten Fonds-Peergroups den Monat mit einem Minus beendet haben – und darunter befanden sich ausschließlich Rentenfonds. Insbesondere die Schwäche des US-Dollars gegenüber dem Euro belastete, was sich zum Beispiel in der Peergroup Geldmarkt US-Dollar mit –1,1% und diversen weiteren globalen und damit dollarlastigen Renten-Peergroups niedergeschlagen hat. Auch Euroland-Staatsanleihen lagen mit –0,1% leicht im negativen Bereich.

China und Tech sind top

Für Aktienanleger bestand hingegen laut den Scope-Analysten Grund zur Freude. Alle untersuchten Aktienfonds-Peergroups gewannen hinzu. Einmal mehr wurde die Erholung auch dieses Mal von China angeführt. So erzielten die Peergroups Aktien China und Aktien China A-Shares mit 7,1% bzw. 4,1% deutlich positive Renditen. Ob sich diese Dynamik allerdings halten kann, bleibt angesichts der wirtschaftlichen Schwäche Chinas infolge eines strauchelnden Immobiliensektors offen.

Eine positive Entwicklung hat Scope auch bei Aktienfonds aus dem Technologiesektor zu berichten, die im Juli mit einem Plus von 4,2% nun auch auf Jahressicht wieder zu den stärksten Sektor-Peergroups zählen.

Zum Scope Rating

Das Scope Fondsrating bewertet die Qualität eines Fonds innerhalb seiner Vergleichsgruppe. Das Rating reflektiert u. a. die langfristige Ertragskraft und die Stabilität der Fondsperformance sowie das Timing- und das Verlustrisiko. Aktuell bewertet die Ratingagentur Scope rund 6.700 in Deutschland zum Vertrieb zugelassene Investmentfonds. Das investierte Vermögen dieser Fonds summiert sich auf rund 4 Bio. Euro.

Das Fondsrating von Scope umfasst fünf Ratingstufen, von A bis E. Als Top-Rating gelten A- und B-Ratings. Das A-Rating erhielten in der aktuellen Untersuchung 530 Fonds (7,9%), das B-Rating 1.784 Fonds (26,4%), das C-Rating 2.198 Fonds (32,6%), das D-Rating 1.695 Fonds (25,1%) und das E-Rating 545 Fonds (8,1%). (as)

Weitere Information zum Scope Fondsrating für August 2023 gibt es hier.

Bild: © metamorworks – stock.adobe.com

 

Die Gretchen-Frage: Fonds-Direktanlage oder Fondspolicen?

Die Zahl der Aktionäre in Deutschland steigt. Neben der Direktanlage in Aktien, ETFs und Aktienfonds gibt es auch die fondsgebundene Rentenversicherung. Gelegentlich aber steht sie wegen ihrer Kosten in der Kritik. Das IVFP schlüsselt auf, wie sich die Fondspolice im Vergleich zur Direktanlage in Fonds schlägt.

Ein Artikel von Prof. Michael Hauer, Gesellschafter und Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP)

Aufgrund eines aus fachlicher Sicht „verrückten“ Szenarios von niedrigen Zinsen bei gleichzeitig hoher Inflation stellen Aktienfonds eine in vielen Fällen optimale Altersvorsorgelösung dar. Zwangsläufig stellt sich dabei die Frage, ob diese nun als Direktinvestment oder im Rahmen einer Fondspolice umgesetzt werden soll.

Altersvorsorge auf der Basis von Versicherungslösungen bietet neben den oftmals in Fondspolicen angebotenen günstigen institutionellen Anteilsklassen bzw. auch ETFs zwei entscheidende Vorteile gegenüber einem Direktinvestment in Fonds.

Der erste Vorteil: die lebenslange Leibrente

Laut wissenschaftlichen Studien unterschätzen die meisten Deutschen ihre Lebenserwartung deutlich. Die Statistik zeigt, dass die Menschen immer älter werden. Rentenversicherungen bieten die Möglichkeit einer Leibrente, die dieses finanzielle Langlebigkeitsrisiko abdeckt. Bei Rentenbeginn kann der Versicherungsnehmer wählen, ob er sein Kapital auszahlen lassen oder in eine Leibrente umwandeln möchte – wobei nur eine Leibrente eine Absicherung gegen das finanzielle Langlebigkeitsrisiko bietet.

Der zweite Vorteil: die steuerlichen Vorzüge des Versicherungsprodukts

 

Die Gretchen-Frage: Fonds-Direktanlage oder Fondspolicen?

 

In der Einzahlungsphase sind die Erträge einer privaten Rentenversicherung von der Abgeltungsteuer befreit. Während der Beitragsphase werden im Versicherungsmantel also keine direkten Steuern auf Zinsen und Dividenden bzw. auf Gewinne bei Fondswechsel für den Anleger fällig. Dies kann innerhalb des Versicherungsmantels zu einem höheren Guthaben (Zinseszinseffekt) führen, was sich insbesondere bei Veränderungen der Kapitalanlage (Fondswechsel) zeigt.

Den Effekt der Abgeltungsteuerfreiheit in der Fondspolice veranschaulicht das in Abb. 1 dargestellte vereinfachte Beispiel.

Bei der Fondspolice findet kein Abgeltungsteuerabzug statt und bei einem Fondswechsel wird in der Regel kein Ausgabeaufschlag erhoben.

Bei der Direktanlage wird von einer Wertsteigerung von 600 Euro die Abgeltungsteuer (25% zzgl. Solidaritätszuschlag (SolZ)), d. h. 26,375%, abgezogen. Seit Einführung des Investmentsteuerreformgesetzes gibt es noch eine steuerliche Teilfreistellung der Wertsteigerung, d. h., von 26,375% sind 30% bei einem Aktienfonds steuerfrei. Somit sind 26,375% × 70% = 18,46% an Abgeltungsteuer zu zahlen. Die 600 Euro werden also gemindert um 600 Euro × 18,46% = 111 Euro (gerundet). Der Ertrag nach Steuer beträgt 600 Euro – 111 Euro = 489 Euro.

Wird das Guthaben in Höhe von 10.489 Euro in einen neuen Fonds investiert und unterstellt man einen Ausgabeaufschlag von 5%, bleibt nach Steuer und Kosten ein Fondskapital in Höhe von 10.489 Euro – 5% = 9.990 Euro.

Steuerliche Regelungen bei Wahl der Kapitalzahlung

 

Die Gretchen-Frage: Fonds-Direktanlage oder Fondspolicen?

 

Bei einer Fondspolice in der privaten Rentenversicherung gilt aktuell die 12/62-Regel. Bei Vertragslaufzeit von mindestens zwölf Jahren und Alter von mindestens 62 Jahren bei der Kapitalauszahlung bleiben 50% der Erträge steuerfrei.

Wird die 12/62-Regelung nicht erfüllt, fällt Abgeltungsteuer in Höhe von 25% zzgl. SolZ (insgesamt 26,4%) und ggf. Kirchensteuer (dann insgesamt maximal 28%) an.

Das Beispiel in Abb. 2 zeigt die Unterschiede bei der Besteuerung. Zur Vereinfachung wurde angenommen, dass der persönliche Steuersatz bei 35% liegt bzw. die Abgeltungsteuer des Direktinvestments mit 26,4%, also ohne Kirchensteuer, abgerechnet wird.

Der Steueraufwand aus den 30.000 Euro Ertrag aus der Fondspolice ergibt sich aus den 30.000 Euro abzüglich der Teilfreistellung von 15%. Von den restlichen 25.500 Euro sind 50%, also 12.750 Euro steuerpflichtig. Der Steuerabzug beträgt 35% und somit liegt der Steueraufwand bei 4.463 Euro.

Beim Direktinvestment sind 100% des Ertrages von 30.000 Euro steuerpflichtig. Hiervon werden 30% von der Steuerpflicht freigestellt. Von den übrigen 21.000 Euro beträgt der Steuerabzug 26,4%, woraus sich die Besteuerung von 5.544 Euro ergibt.

Steuerliche Regelung bei Wahl der Rentenzahlung

Wählt der Sparende zu Ruhestandsbeginn die lebenslange Rente, wird die Rentenleistung aus dem gesamten angesparten Verrentungskapital berechnet. Es geht also keine Steuerzahlung ab. Nur die lebenslange Zahlung unterliegt gemäß dem Ertragsanteil der Steuerpflicht. Dieser hängt vom Alter des Rentenempfängers bei Rentenbeginn ab und bestimmt den steuerpflichtigen Teil der Rente. Zum Beispiel sind bei Rentenbeginn mit 65 Jahren 18% der Rente steuerpflichtig.

Was ist nun besser?

Die Entscheidung, ob eine fondsgebundene Rentenversicherung oder ein Direktinvestment in Investmentfonds die geeignetere Option ist, hängt von einer Vielzahl kundenindividueller Faktoren ab. Eine einheitliche Antwort kann daher nicht gegeben werden. Bei der Entscheidungsfindung müssen Kriterien wie der Anlagehorizont, gewünschte Flexibilität, Qualität der ausgewählten Fonds, steuerliche Aspekte und die Kosten berücksichtigt werden. Mit Berücksichtigung der hier genannten Punkte, insbesondere der steuerlichen Vorteile, stellt die Fondspolice jedoch in vielen Fällen eine bessere Lösung dar, obwohl oftmals die (Abschluss-)Kosten bei Fondspolicen höher sind als beim Direktinvestment.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 08/2023 und in unserem ePaper.

Bild: © MQ-Illustrations – stock.adobe.com; Grafiken: © IVFP

 
Ein Artikel von
Prof. Michael Hauer

Dachfonds: modernste Form der Fondsvermögensverwaltung

Dachfonds galten einst als modernere und effizientere Form der Fondsvermögensverwaltung. Obwohl sich an den Rahmenbedingungen kaum etwas geändert hat, sind Dachfonds in der öffentlichen Diskussion etwas in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, wie Andreas Beys von Sauren findet.

Ein Artikel von Andreas Beys, Vorstand der Sauren Fonds-Service AG

Die Auflage eines Dachfonds ist in Deutschland erst seit 1998 möglich. Ein wichtiger Aspekt für die Einführung von Dachfonds war damals für den Gesetzgeber, den Zugang für Kleinanleger zu einer professionellen Fondsvermögensverwaltung zu vereinfachen und zu verbessern. Fondsvermögensverwalter wie Sauren, die damals aufgrund des höheren Pro-Kunden-Aufwands eine Mindestanlage von 80.000 DM aufrufen mussten, konnten durch die Umstellung der Verwaltungsstrategie auf Dachfonds ihre Leistungen fortan ohne Mindestanlage anbieten. Sauren war damals einer der Ersten und gilt deshalb bis heute als Dachfonds-Pionier.

Ein weiterer Vorteil für die Anleger war, dass sie kein zusätzliches Depot beim Fondsvermögensverwalter eröffnen mussten, sondern sie konnten die Dachfonds-Anteile auch in ihrem bestehenden Depot bei ihrer Depotstelle erwerben und lagern. Dies führte wiederum dazu, dass auch am Markt tätige Finanzberaterinnen und Finanzberater deutlich leichter erfolgreiche Fondsvermögensverwaltungsstrategien empfehlen und vermitteln konnten. Sie konnten jetzt einfach den Dachfonds empfehlen.

Zudem stiegen durch die Umstellung auf den Dachfonds zwangsläufig auch der Professionalisierungs- und der Effizienzgrad sehr deutlich. Einerseits erforderten die strengeren regulatorischen Vorgaben für Investmentfonds einen professionelleren Aufbau. Zum anderen waren die Dachfondsverwalter mit einem direkten, ungleich härteren Wettbewerbsumfeld aufgrund der deutlich höheren Leistungstransparenz konfrontiert.

Transparenz: ein zweischneidiges Schwert

Dachfonds stellen im Vergleich die deutlich transparentere Form der Fondsvermögensverwaltung dar, da durch die tägliche Preisfeststellung des Dachfonds die Performanceleistungen nach Kosten leichter nachvollziehbar sind. Durch die hohe Transparenz ist das Vergleichen der Strategien nun für Dritte – auch für Ratinggesellschaften und für die Presse – viel einfacher. Dieser Wettbewerbsvergleich stellt vor allem die unabhängigen Anbieter ohne eigene Vertriebseinheit vor eine enorme Herausforderung und wirkt wie eine Marktauslese. Hier überleben nur die langfristig überzeugendsten Anbieter. Viele Dachfonds haben diese Transparenz nicht überlebt oder wurden übernommen. Vor allem in den Jahren 2010 bis 2015 traf es relativ viele unab­hängige Dachfondsanbieter.

Nicht zu vernachlässigen sind zudem die Steuervorteile von Dachfonds im Vergleich zu klassischen Fondsvermögensverwaltungen. Dachfonds unterliegen steuerlich dem Investmentsteuergesetz. Umschichtungen des Dachfondsverwalters innerhalb des Dachfonds sind steuerfrei. Schichtet ein klassischer Fondsvermögensverwalter die Kundengelder um, so wird der Veräußerungsgewinn versteuert und ein im Vergleich zum Dachfonds niedrigerer Neuanlagebetrag steht zur Verfügung. Dies führt mittel- bis langfristig zu einem Steuerstundungs- und Zinseszinseffekt für den Dachfondsanleger.

Vorteile durch Investmentsteuergesetz

Zusätzlich können Dachfonds die Teilfreistellungsregelungen effizienter ausnutzen. Auch hier hilft das Investmentsteuergesetz, da Investmentfonds, die beispielsweise ab einer Aktienquote von über 50% als steuerliche Aktienfonds gelten (die Grenze muss im Prospekt hinterlegt sein), auf alle Fondserträge eine Teilfreistellung in Höhe von 30% erhalten. Legt beispielsweise ein Dachfonds rund 60% indirekt über Aktienfonds in Aktien an und zu 40% in Rentenfonds, so erhält der Kunde auf alle Fondserträge (Vorabpauschale, Ausschüttungen und realisierte Veräußerungsgewinne) eine Teilfreistellung von 30%. Der Kunde eines klassischen Fondsvermögensverwalters, der inhaltlich vergleichbar anlegt, also zu 60% in Aktienfonds und zu 40% in Rentenfonds, kann die Teilfreistellung nur auf die Aktienfondsquote erhalten. Die Teilfreistellung von 30% reduziert die steuerliche Bemessungsgrundlage der Fondserträge und daraus ergeben sich geringere Steuerbelastungen und damit für den Dachfondsanleger bessere Nachsteuerrenditen.

Obwohl also vieles weiterhin für Dachfonds spricht, sind sie in den vergangenen Jahren in Sachen moderne Geldanlage etwas ins Hintertreffen geraten, vielleicht auch wegen des schlechten Kostenimages (doppelte Gebühren). So verbinden viele Anleger mit moderner Fondsvermögensverwaltung aktuell – obwohl auch die über doppelten Gebührenebenen verfügen – die digitalen Robo-Advisors.

Robo-Advisors nur eine neue Form der Dachfonds?

Bei genauerer Betrachtung hat sich jedoch an der Fragestellung, welche Form moderner und effizienter für (Klein-)Anleger ist, nichts verändert. Die Vorteile eines Dachfonds gegenüber einer klassischen Fondsvermögensverwaltung wurden oben schon dargelegt. Inzwischen erkennt der Markt, dass auch Robo-Advisors im Grunde nur Fondsvermögensverwaltungen sind, die im Vergleich zu den klassischen Fondsvermögensverwaltungen nur vertrieblich und marketingmäßig moderner vorgehen. Es wird im Grunde nur alter Wein im neuen Glas verkauft und es bestehen die gleichen Nachteile wie bei einer klassischen Fondsvermögensverwaltung:

  • Anleger müssen das Depot beim Anbieter eröffnen. Sie haben im Gegensatz zum Dachfonds keine freie Depotwahl.
  • Umschichtungen durch den Verwalter sind für den Anleger steuerpflichtig und die Teilfreistellungsregelung kann nicht so effizient genutzt werden. Dies führt im Vergleich zum Dachfonds zu einer höheren Steuerbelastung beim Anleger und zu schlechteren Nachsteuerrenditen.
  • Die Leistungstransparenz ist sowohl bei klassischen Fondsvermögensverwaltern als auch bei Robo-Advisors nur gering und eine verlässliche Vergleichbarkeit der Performanceleistungen nach Kosten ist für Dritte kaum möglich. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, beim falschen Anbieter zu landen, und die Marktauslese der besten Konzepte wirkt nicht so stark wie bei Dachfonds.
  • Das Anlageuniversum fällt für den Verwalter im Vergleich zum Dachfondsverwalter deutlich geringer aus. Somit können Anlagechancen konzeptionell nicht wahrgenommen werden.

Natürlich gibt es auch sehr kostengünstige Dachfonds, die nur in ETFs investieren und nur mit geringen Verwaltungskosten aufwarten. Hier ist die Welt genauso breit und tief wie in der klassischen oder digitalen Fondsvermögensverwalterwelt auch. Wie auch in dieser Welt entscheidet am Ende aber nicht die Höhe der Kosten über das Anlageergebnis, sondern ob die Leistungen des Verwalters bei angemessenen Kosten zu einer für den Kunden zufriedenstellenden Wertentwicklung führen.

Fazit: sinn­vollere und modernere Alternative

Erfolgreiche Fondsvermögensverwaltungsstrategien auf Dachfondsbasis stellen aufgrund der höheren Transparenz, der höheren administrativen Effizienz sowie der steuerlichen Vorteile im Vergleich zu klassisch Depot-organisierten Fondsvermögensverwaltungen auch nach mehr als 20 Jahren weiterhin die für Anleger sinn­vollere und modernere Alternative dar.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 08/2023 und in unserem ePaper.

Bild: © Kenishirotie – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Andreas Beys

Mischfonds verlieren, Rentenfonds gewinnen an Beliebtheit

Der Fondsbranche flossen im ersten Halbjahr 2023 netto 38 Mrd. Euro zu. Fondsliebling der Privatanleger bleiben Aktienfonds. Mischfonds verzeichnen massive Abflüsse. Damit setzt diese Anlageklasse einen Negativtrend fort. Bei Rentenfonds zieht der Absatz an.

Auf die Privatanleger konnte sich die deutsche Investmentbranche in den ersten sechs Monaten des Jahres verlassen. Das zeigen die Halbjahreszahlen des Branchenverbands BVI. Insgesamt flossen der Fondsbranche im ersten Halbjahr netto 38 Mrd. Euro zu. Der Absatz von Publikumsfonds erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 8,3 auf 10,9 Mrd. Euro. Institutionelle Anleger hielten sich dagegen mit Neuanlagen in Spezialfonds zurück. Diesen Fonds flossen von Anfang Januar bis Ende Juni 18,5 Mrd. Euro zu. In den ersten sechs Monaten 2022 erhielten sie noch 47,1 Mrd. Euro neue Mittel.

Auch ETFs legen weiter zu

Die Absatzliste der offenen Publikumsfonds führen Aktienfonds an, berichtet der BVI. Ihnen flossen im ersten Halbjahr 9,4 Mrd. Euro zu. Davon entfallen 5,3 Mrd. Euro auf aktiv gemanagte Fonds und 4,1 Mrd. Euro auf ETFs.

Abflüsse bei Mischfonds

Rentenfonds verzeichneten in diesem Jahr Zuflüsse von 2,9 Mrd. Euro. Das Neugeschäft dominierten Fonds mit Schwerpunkt auf Unternehmensanleihen. Auch Immobilienfonds flossen von Anfang Januar bis Ende Juni netto 1,1 Mrd. Euro zu.

Bei Mischfonds sah es anders aus. Sie verzeichneten im ersten Halbjahr Abflüsse von 4,3 Mrd. Euro. Nach vielen Jahren mit hohen Zuflüssen setzte sich in dieser Gruppe der Trend aus dem zweiten Halbjahr 2022 fort, als netto 3,8 Mrd. Euro abgeflossen waren. (bh)

Bild: © fotoriatonko – stock.adobe.com

 

BlackRock bringt iBonds-ETFs nach Deutschland

Weil Zinsangebote wieder interessant werden: BlackRock bringt die erste Anleihe-ETF-Produktreihe mit fester Laufzeit in Europa auf den Markt. Die sogenannten iBonds-ETFs haben eine Laufzeit wie eine Anleihe, können wie eine Aktie gehandelt werden und sind diversifiziert. Der Neobroker Scalable springt auf den Zug auf.

Seit vergangener Woche sind die ersten iBonds-ETFs in Europa handelbar: BlackRock bringt unter seiner Marke iShares seine erste Anleihe-ETF-Produktreihe mit fester Laufzeit in Europa auf den Markt. iBonds-ETFs ermöglichen einen kostengünstigen Zugang zum Markt von Unternehmensanleihen.

David Wenicker, Head of iShares & Wealth bei BlackRock in Deutschland erklärt dazu: „iBonds-ETFs haben eine Laufzeit wie eine Anleihe, können wie eine Aktie gehandelt werden und sind wie ein Fonds diversifiziert – und das alles in einer kosteneffizienten und transparenten ETF-Verpackung. Die feste Laufzeit der iBonds-ETFs gibt den Anlegern Klarheit über ihre Ertragserwartungen und ihren Anlagehorizont. Anleihe-ETFs werden zunehmend als Alternative zur Auswahl einzelner Anleihen genutzt, die für Anleger oft kostspielig sind.“

BlackRock sieht in den iBonds-ETFs eine mögliche Ergänzung zu Sparkonten, um von den gestiegenen Zinsen zu profitieren. Das Angebot ist in einer thesaurierenden und einer ausschüttenden Anteilsklasse erhältlich und zahlt bei Fälligkeit eine Endsumme aus. iBonds bieten ein diversifiziertes Anleiheportfolio, das Anlegern Zugang zu verschiedenen Ländern und Sektoren bietet.

Scalable baut mit iBonds-ETF sein Zinsangebot aus

Die ishares iBonds-ETF sind mittlerweile auch bei dem Neobroker Scalable erhältlich. Bislang gab es diese in ETF-Form gebündelten Anleihen mit festen Rückzahlungsterminen nur in den USA. „Mit der Zinswende in Europa sind Anleihen auch wieder zu einer relevanten Anlageklasse geworden”, sagt Julius Weller, Vice President Broker von Scalable Capital. „Während Aktieninvestments für Kleinanlegerinnen und Kleinanleger bereits einfach zugänglich sind, gilt das nicht für Anleihen. Hohe Einmalanlagen mit Risikokonzentration auf ein Unternehmen oder einen Staat sowie komplexe Strukturen machen es kompliziert. Das wollen wir ändern, denn gerade in schwankungsreichen Marktphasen können Anleihen das Portfolio stabilisieren.“

Christian Bimueller, Head of Digital Distribution Continental Europe für iShares und Wealth bei BlackRock: „Wir erweitern den Zugang zum Anleihemarkt und machen Investitionen in Anleihen für alle möglich und erschwinglich. iBonds sind so konzipiert, dass sie wie eine Anleihe feste Fälligkeiten haben, wie eine Aktie gehandelt werden können und wie ein Fonds diversifiziert sind, und das alles in der kosteneffizienten und transparenten ETF-Struktur.”

Zum Start des Angebots sind Anleihe-ETFs mit in Euro oder US-Dollar denominierten Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Bereich und Laufzeiten von drei oder fünf Jahren erhältlich. Im Scalable Broker können die iBonds ab einem Ordervolumen von 250 Euro ohne Ordergebühren gekauft werden. Auch Sparpläne sind gebührenfrei. Es können jeweils Produktkosten, Spreads und gegebenenfalls Zuwendungen anfallen. (bh)

Bild: © syahrir – stock.adobe.com

 

So nutzt die Fondsbranche künstliche Intelligenz

KI ist im Trend – und wo sie es nicht ist, dort ist sie wenigstens Gesprächsthema. Doch wie schlägt sich der Nutzen von künstlicher Intelligenz bislang in der Fondsbranche nieder? AssCompact hat bei mehreren Unternehmen der Investmentwelt nachgefragt und die Ergebnisse zusammengefasst.

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BVI-Studie: Keine höheren Renditen durch Provisionsverbot

Ein umfassendes Provisionsverbot für Anlageberater soll vorerst nicht kommen, doch die Idee ist nicht vom Tisch. Dass ein Provisionsverbot keine höhere Rendite für Privatanleger bringt und sogar deren Beteiligung an den Kapitalmärkten hemmt, zeigt eine Studie des deutschen Fondsverbands BVI.

Ende April verkündete die EU-Finanzkommissarin Mairead McGuinness, dass – zumindest vorerst – auf ein umfassendes Provisionsverbot in der Finanzberatung verzichtet wird (AssCompact berichtete: EU-Kommission verzichtet auf Provisionsverbot – vorerst). Für weite Teile der Provisionsdebatte auf politischer Ebene war die sogenannte EU-Kleinanlegerstudie wegweisend – und groß die Sorge in der Finanz- und Versicherungswirtschaft, was die EU-Kommission mit ihrer Strategie vorhat.

Ziel der EU-Kleinanlegerstrategie

Erklärtes Ziel der Strategie zur Verbesserung des Kleinanlegerschutzes ist es, mehr Menschen in der EU Zugang zum Kapitalmarkt zu ermöglichen – im Sinne des Verbraucherschutzes. Die geplanten Maßnahmen liegen seit dem 24.05.2023 vor (AssCompact berichtete: EU-Kommission präsentiert Maßnahmen für Kleinanlegerschutz) und stießen in der Finanz- und Versicherungswirtschaft auf ein geteiltes Echo (EU-Kleinanlegerstrategie: Das meint die Branche dazu).

Demnach sollen potenzielle Interessenkonflikte beim Vertrieb von Anlageprodukten dennoch angegangen werden. Als erster Schritt sollen Provisionen im beratungsfreien Vertrieb verboten werden. Damit will die EU-Kommission die Produktkosten senken. Die Kommission geht davon aus, dass sich dadurch die Rendite des Geldvermögens also die Portfoliorendite der Anleger erhöht.

Keine höheren Renditen für Privatanleger durch Provisionsverbot

Dem deutschen Fondsverband BVI zufolge trifft diese Annahme nicht zu. Ein Provisionsverbot führt nicht zu höheren Renditen für Privatanleger, wie der Fondsverband in einer Studie ermittelt hat. Hierfür hat der BVI Daten der Europäischen Zentralbank und der englischen Statistikbehörde ausgewertet. Herangezogen wurden öffentlich verfügbare Daten zu Bankeinlagen, Versicherungen, Pensionsfonds, Anleihen, Aktien und Investmentfonds für den Zeitraum von Anfang 1999 bis Ende März 2023.

Demnach hätte sich in England und in den Niederlanden, wo vor rund zehn Jahren ein Provisionsverbot eingeführt wurde, nichts verändert. Laut BVI hätten offenbar andere Effekte die geringeren Kosten der provisionsfreien Produkte ausgeglichen. Für die unveränderte Portfoliorendite der Anleger gebe es mehrere mögliche Erklärungen, so der Fondsverband weiter. Beispielsweise würden Vertriebskosten durch ein Provisionsverbot typischerweise nicht verringert, sondern nur gesondert gezahlt.

Geringere Beteiligung an Kapitalmärkten

Zudem könnten sich private Haushalte durch fehlende Beratung infolge der Verbote weniger an den Kapitalmärkten beteiligen, etwa über Fonds. Somit würden den Menschen wiederum Renditechancen entgehen.

Wie die Auswertung zeigt, legen private Haushalte in England und den Niederlanden aufgrund des Provisionsverbots tatsächlich weniger in Fonds an. Laut BVI beläuft sich der Rückgang auf im Schnitt knapp 340 Euro pro Jahr und Kopf. Für den Zeitraum von 30 Jahren bei einer angenommenen Wertsteigerung von 6% jährlich wäre dies eine Renditeeinbuße von rund 20.000 Euro, wenn das Geld stattdessen unverzinst auf dem Konto liegt.

Provisionsverbot untergräbt Kleinanlegerstrategie

„Bei Fonds verhindern also Verbote – nicht die Provisionsberatung – eine stärkere Beteiligung privater Anleger an den Kapitalmärkten. Das widerspricht allem, was die EU erreichen will“, erklärt Thomas Richter, BVI-Hauptgeschäftsführer. „Die EU-Kommission untergräbt mit dem Vorschlag eines Provisionsverbots ihre eigenen Ziele“, so Richter. (tk)

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EU-Kleinanlegerstrategie erfordert Anpassung der Vertriebsmodelle

Bild: © Hafiez Razali – stock.adobe.com

 

ETFs: „Aktuell befinden wir uns in einer Zeitenwende“

Exchange Traded Funds – passiv gemanagte börsengehandelte Fonds – sind seit Jahren im großen Aufwind. Gerade bei jüngeren Menschen sorgen ETFs für mehr Interesse und Zulauf am Kapitalmarkt. Woran das liegt, welche ETFs besonders gefragt sind und viele andere Fragen beantwortet David Wenicker vom Vermögensverwalter BlackRock im Interview.

Interview mit David Wenicker, Leiter iShares & Wealth bei BlackRock Deutschland
Herr Wenicker, 2022 war ein Krisenjahr, 2023 ist inflations- und zinsbedingt und allgemein wirtschaftlich nach wie vor herausfordernd. Wie bewältigt der ETF-Marktführer BlackRock die Situation?

Sehr gut. Das Jahr 2023 verzeichnete insgesamt einen Rekordstart für neue Anlagegelder, die von Anleihen-ETFs in Europa und weltweit eingesammelt wurden. Denn die Anleger können in dem Umfeld von den höheren Zinssätzen profitieren. In zwei Segmenten haben wir hier in Europa die stärksten Zuflüsse an Neugeldern gesehen: ETFs auf Staatsanleihen der Industrieländer und Unternehmensanleihen aus dem Bereich Euro Investment Grade – also solche mit guter Bonität.

Trotz der schwierigen finanziellen Bedingungen gab es immer wieder Rekorde an den Börsen, auch beim DAX. Wie kommt’s?

Dies lässt sich auf die Kombination verschiedener Faktoren zurückführen. Zunächst einmal gibt es die Erwartung vieler Investoren, dass der starke Gegenwind durch Zinsanhebungen allmählich nachlassen wird. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Unternehmensgewinne. Aktuell liegen die Gewinnerwartungen für den DAX und andere Indizes nicht deutlich über dem langfristigen Durchschnitt. Aus dieser Richtung droht also keine dramatische Rückschlaggefahr. Dafür müssten wir eine deutliche Korrektur der Gewinnerwartungen sehen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Bewertungen an den Börsen nicht unbegrenzt steigen können. Darüber hinaus hat der DAX dadurch einen Schub erhalten, dass manch pessimistischer Anleger auf dem falschen Fuß erwischt worden ist und – aus Sorge, weitere Kursgewinne zu verpassen – zugekauft hat, ganz nach dem Prinzip „Fear of missing out“.

Wie ist aktuell der Zuspruch bei den iShares-Produkten von BlackRock? An vielen Stellen hört man, dass die Menschen weniger Geld zum Sparen und Anlegen zur Verfügung haben.

In der Tat ist das wirtschaftliche Umfeld derzeit für etliche Privatanleger herausfordernd, aber iShares-Produkte werden auch von institutionellen Anlegern wie Versicherungen oder Pensionsfonds genutzt. Zudem unternehmen wir große Anstrengungen, die Kapitalanlage für möglichst breite Schichten zu ermöglichen. Denken Sie beispielsweise an Sparpläne, in die auch mit geringen Mitteln investiert werden kann.

Gleichzeitig sind passive Investitionen in ETFs aktuell gerade bei jungen Menschen voll im Trend. Was glauben Sie, woran das liegt?

ETFs werden aufgrund ihrer Effizienz, der geringen Kosten und der einfachen Handelbarkeit über die Börse häufig von Selbstanlegern und Online-Anlageplattformen genutzt. Diese Online-Anlageplattformen haben das Investieren verändert, da sie einen bequemen und effizienten Zugang zu den globalen Märkten bieten und darüber hinaus die Möglichkeit, monatlich kleine Beträge zu investieren. Da viele junge Anleger gerne online recherchieren und Entscheidungen treffen, entspricht der Service dieser Anlageplattformen ihren Präferenzen.

Als Vorteil von ETFs gilt eben, dass sie kostengünstiger sind, aber auch hier gibt es Kostenunterschiede bei den Anbietern. Wie groß ist an der Stelle der Wettbewerb und an welchen Kosten lässt sich schrauben? Und stimmt es überhaupt, dass ETFs immer günstiger sind als aktiv gemanagte Fonds?

Der ETF-Markt ist einem gesunden Wettbewerb ausgesetzt. Wir sehen daher eine starke Weiterentwicklung des Marktes und viel Innovation, die den Anlegern zugutekommt. Auch die Kosten von ETFs haben aufgrund des starken Wachstums des ETF-Marktes im Laufe der Zeit abgenommen: Zum einen konnten die Anbieter Kostenvorteile an die Anleger weitergeben. Gleichzeitig hat die Liquidität in ETFs zugenommen, was zu geringeren Handelskosten führt. Und ja, in der Regel sind ETFs deutlich günstiger als aktiv gemanagte Fonds.

Gerade Neobrokern wird häufiger unterstellt, dass Sie zum „Zocken“ verleiten. Ist das gerade vor dem Hintergrund jüngerer Anleger kritisch zu betrachten?

Wir haben eine andere Erfahrung gemacht. Neobroker haben viel Innovation in den Markt gebracht und dazu beigetragen, die Einstiegsbarrieren in die Welt des Investierens kontinuierlich zu verringern und gleichzeitig die Nutzererfahrung zu verbessern. Unsere Beobachtung ist, dass viele ETF-Kunden der Neobroker vor allem langfristig investieren. Hierzu gehören auch die zahlreichen ETF-Sparpläne, die über Neobroker abgeschlossen werden. Diese Sparpläne sind effiziente, kostengünstige Instrumente für den schrittweisen Vermögensaufbau mit geringen Mindestanlagebeträgen. Die beliebtesten Engagements in ETF-Sparplänen sind tendenziell breit gestreute ETFs, z. B. solche, die sich am MSCI World orientieren, und weniger ETFs mit konzentrierten oder risikoreichen Strategien. Dies deutet darauf hin, dass Anleger, die Neobroker nutzen, sich verhalten, wie es langfristige Anleger tun sollten.

Am Schluss kommt es auf die Performance an. Aktive Fonds können besser streuen und eine höhere Risikoabsicherung leisten. Ist das ein Argument gegen ETFs, die ja durchaus auch Risiken unterliegen?

ETFs und aktiv gemanagte Fonds schließen sich ja nicht aus. Beide haben ihre Daseinsberechtigung und werden von vielen Investoren, privaten und institutionellen, im Portfoliokontext gleichermaßen eingesetzt. Interessanterweise beobachten wir, dass die Zuflüsse in ETFs vor allem dann zunehmen, wenn es an den Märkten volatil wird und das Risiko zunimmt. Anleger setzen gerade in diesen Phasen auf die Vorteile von ETFs.

Welche Produkte sind bei Ihnen derzeit am meisten gefragt?

Bei den ETF-Sparplänen in Deutschland ist der MSCI World weiterhin das beliebteste Engagement. Auf europäischer Ebene waren die ausgeprägtesten Trends in diesem Jahr, dass Anleger Staatsanleihen mit kürzerer Laufzeit und Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating kauften.

Spielen dabei auch Vermittler wie 34f-ler oder auch Versicherungsmakler eine Rolle?

Das Interesse von Vermittlern an ETFs hat zugenommen. Das Vertriebsmodell vieler Vermittler, das ja auf Ausgabeaufschlägen und Provisionen von aktiven Fonds beruht, erlaubt jedoch immer noch keinen Einsatz von ETFs. Es gibt schlichtweg wenig Anreiz, diese anzubieten. In der Versicherungswelt sehen wir, dass viele kapitalmarktgebundene Versicherungspolicen immer stärker auch auf ETFs basieren.

Haben Themen- bzw. Branchen-ETFs überhaupt Platz im Portfolio? Es wird immer breite Streuung und Diversifikation gepredigt.

Mit thematischen ETFs können Anleger in Bereiche investieren, die sich heutzutage in einem starken Wandel befinden. Sie bieten Zugang zu Trends wie saubere Energie oder zunehmende Automatisierung. Thematisches Investieren basiert auf breiten Megatrends, die den Wandel in der Weltwirtschaft vorantreiben. Viele dieser Trends werden bei den Anlegern auf Resonanz stoßen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre Anlagen gemäß ihren Präferenzen zu gestalten.

Wie sieht es mit Nachhaltigkeit aus? Welche Rendite- oder Anlagetrends können Sie dort beobachten?

In Europa setzt sich der Trend fort, dass Anleger nachhaltige Anlagen in den Mittelpunkt ihrer Portfolios stellen. Im Rahmen der nachhaltigen Geldanlage investieren Kunden bewusster in Bezug auf ihre Klimaschutzziele und entscheiden sich für Anlagen mit einem höheren Maß an ESG-Integration.

Durch die steigenden Zinsen sind Anleihen wieder in den Fokus gerückt. Merken auch Sie großen Zuwachs bei Ihren Anleihen-ETFs?

Das Interesse an Anleihen-ETFs hat seit den Zinsanstiegen spürbar zugenommen. Schon in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 wurde ein neuer Halbjahresrekord beim Zufluss in Anleihen-ETFs aufgestellt. Der Jahresanfang 2023 brachte einen rekordverdächtigen O Kapitalzufluss in globale ETFs auf Unternehmensanleihen. Diese generellen Trends spiegeln sich in unseren eigenen Anleihen-ETFs wider. Anleger nutzen sie, um von dem derzeit günstigen Renditeumfeld zu profitieren, ihre Investitionen in Anleihen zu überdenken und bei ihrer Vermögensstrukturierung flexibel zu sein, wenn sich das makroökonomische Umfeld verändert. Die Vielseitigkeit von ETFs ermöglicht es Anlegern, Risiken effizient und in großem Umfang zu verlagern.

Könnte die steigende Popularität der passiven Geldanlage für langfristige Probleme in der Wirtschaft sorgen, z. B. durch das immer größere Wachstum ohnehin schon großer Firmen?

Es gibt eine Reihe von Missverständnissen über die Auswirkungen von börsengehandelten Fonds und Indexfonds und die Rolle, die diese Produkte auf dem Kapitalmarkt spielen. Hierzu gehören vor allem Missverständnisse über die Größe von ETFs und Indexfonds im Vergleich zum Gesamtmarkt, über die Rolle der Produkte bei den Anlageentscheidungen der Investoren und über die Preisfindung und die hohen Korrelationen an den Märkten. ETFs sind nach wie vor ein kleines Marktsegment. Darüber hinaus bestimmen die Investoren, die aktiv einzelne Aktien auswählen, den Preisfindungsprozess. Sie treffen Entscheidungen darüber, in welche Marktsegmente sie investieren und in welchem Umfang sie Mittel abziehen – auf der Grundlage ihrer Risikotoleranz, ihrer Anlageziele und ihrer Einschätzung bestimmter Marktfaktoren. Anlagestil und Wahl des Anlageinstruments sind untergeordnete Entscheidungen. In dieser Hinsicht hat das Index-­Investieren eine disruptive Wirkung auf die Vermögensverwaltungsbranche, allerdings nicht in Bezug auf die Funktionsweise der Kapitalmärkte, sondern auf die Art und Weise, wie sich Anleger an den Märkten engagieren können.

Zum Schluss: Ihr Anlagetipp für den Rest des Jahres?

Als Vermögensverwalter betrachten wir stets das gesamte Portfolio und berücksichtigen die Rahmenbedingungen der Märkte, weshalb wir auch keine spezifischen Anlagetipps geben, sondern immer die generelle Herangehensweise von BlackRock an die Finanzmärkte und deren Bedingungen in Betracht ziehen.

Aktuell befinden wir uns in einer Zeitenwende – nicht nur in der Geopolitik, sondern auch im Portfolio. Der Wechsel zu einem neuen Investment-­Regime stellt Anleger vor große Herausforderungen. Denn wenn die Welt fortan tatsächlich von Angebotsknappheiten verschiedenster Art determiniert ist, dürfte höhere Volatilität an den Finanzmärkten vorgezeichnet sein. Investoren werden in diesem Umfeld ihre Depots häufiger auf den Prüfstand stellen und auch die Diversifikation der darin enthaltenen Anlageklassen noch breiter gestalten müssen. Hierzu gehört auch, das Portfolio vor Inflation zu schützen, indem länger laufende Staatsanleihen eher niedrig und inflationsgeschützte Anleihen höher gewichtet werden. Die Verlangsamung des Wachstums und die hartnäckige Inflation in den großen Volkswirtschaften untermauern unsere Präferenz für Schwellenländer.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 08/2023 und in unserem ePaper.

Bild: © Stratocaster – stock.adobe.com bzw. David Wenicker, BlackRock Deutschland

 
Ein Interview mit
David Wenicker