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Nachhaltige Fonds verbuchen weltweit Abflüsse

Im zweiten Quartalsbericht zu „Global Sustainable Fund Flows“ des Analysehauses Morningstar zeigt sich, dass es viele Kapitalabflüsse aus ESG-Fonds gab – und zwar weltweit. Verantwortlich dafür seien zum einen die schlechtere konjunkturelle Entwicklung, aber auch der politische Gegenwind in den USA.

Nachhaltigkeit und ESG sind immer wieder nachgefragte, aber auch diskutierte Aspekte bei der Geldanlage. Im zweiten Quartal 2023 hat das Analyseunternehmen Morningstar weltweit zahlreiche Abflüsse aus ESG-Fonds festgestellt, wie aus dem Quartalsbericht „Global Sustainable Fund Flows: Q2 2023 in Review“ hervorgeht.

Weniger Zuflüsse in ESG-Fonds in Q2 2023

Konkret zogen globale nachhaltige Fonds im zweiten Quartal netto 18 Mrd. US-Dollar an neuen Geldern an. Gegenüber dem ersten Quartal sei dies laut Morningstar ein deutlicher Rückgang. Da waren es 31 Mrd. US-Dollar. Auch die Performance der Strategien habe „geholpert“. „Der Rückgang spiegelt sich in einer geringeren vierteljährlichen organischen Wachstumsrate wider. Berechnet als Nettomittelzuflüsse im Verhältnis zum Gesamtvermögen zu Beginn eines Zeitraums sank die organische Wachstumsrate globaler nachhaltiger Fonds auf 0,7%, verglichen mit den angepassten 1,2% im Vorquartal“, so Morningstar.

Am meisten betroffen waren die USA mit Abflüssen von -0,6 Mrd. US-Dollar, Australien und Neuseeland (-1,7 Mrd. US-Dollar) sowie Japan (-1,9 Mrd. US-Dollar). Europäische nachhaltige Fonds konnten Zuflüsse von 20 Mrd. US-Dollar verbuchen. In Japan seien die Zahlen „besonders dramatisch“ gewesen mit sprunghaft angestiegenen Abflüssen im Vergleich zu den -961 Mio. US-Dollar im ersten Quartal. In den USA sei der anhaltende politische Gegenwind gegen ESG mitverantwortlich für die Entwicklung.

Globale Fonds mit Abflüssen

Den nachhaltigen Fonds sei es allerdings wohl besser ergangen als dem globalen Fondsuniversum, denn dieses habe im zweiten Quartal angesichts der anhaltend schwierigen makroökonomischen Bedingungen Abflüsse von über 37 Mrd. US-Dollar verzeichnet. Zum Vergleich: Im ersten Quartal verbuchte man hier 77 Mrd. US-Dollar an Zuflüssen.

Im zweiten Quartal hätten Investoren 635 Mio. US-Dollar aus nachhaltigen Fonds abgezogen. Gegenüber den Verlusten von über 5 Mrd. US-Dollar in den beiden vorangegangenen Quartalen sei dies eine leichte Abschwächung, dennoch stelle es das dritte Quartal in Folge mit Abflüssen dar. Anleger hätten insgesamt im vergangenen Jahr 11,4 Mrd. US-Dollar aus nachhaltigen Fonds abgezogen.

Produktentwicklung verlangsamt sich

Bei der Entwicklung von ESG-Produkten gibt es Morningstar zufolge außerdem eine Verlangsamung. Größtenteils sei diese durch die anhaltenden Auswirkungen der Richtlinie der Europäischen Union für nachhaltige Finanzen (SFDR) bedingt. Im zweiten Quartal hätte es fast 28% weniger Neuauflagen nachhaltiger Fonds in Europa gegeben. Die Produktentwicklung in den USA dagegen habe ihren Schwung fortgesetzt – trotz des politischen Gegenwinds.

Schätzungsweise 106 neue nachhaltige Fonds habe es laut Morningstar weltweit gegeben. Die Verlangsamung der Produktentwicklung seit Anfang 2022 setze sich somit fort. Im nächsten Bericht erwartet Morningstar allerdings eine Korrektur dieser Zahl nach oben. (mki)

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Neue Kryptowährung „Worldcoin“ soll die Welt verändern

Der ChatGPT-Entwickler Sam Altman hat eine neue Kryptowährung auf den Markt gebracht, die die Welt verändern soll und nun auch in Deutschland erworben werden kann. Dabei sollen Menschen auch ihre Iris scannen lassen. Die BaFin überprüft derzeit die neue Digitalwährung.

Sam Altman hat Großes vor: Zusammen mit dem deutschen Unternehmer Alex Blania hat der OpenAI-Gründer und Entwickler von ChatGPT am Montag, den 24.07.2023, eine neue Kryptowährung namens Worldcoin auf den Markt gebracht. Hinzu kommt eine Identifikationstechnik mit dem Namen World-ID, woraus sich ein extensives Kryptonetzwerk ergeben soll. Hinter Worldcoin steht Altmans und Blanias Unternehmen „Tools for Humanity“. Erklärtes Ziel: Mensch und Maschine gerade im Internet unterscheidbar machen – und die Möglichmachung eines universellen bedingungslosen Grundeinkommens.

„Moonshots“ werden derartig groß angelegte und ambitionierte Projekte genannt, von denen die meisten eher scheitern. Mit ChatGPT ist Altman allerdings ein solches bereits gelungen. Doch es gibt von mehreren Seiten Bedenken zu Worldcoin und World-ID. Auch die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin muss erst verifizieren, ob das Projekt allen Regulierungen gerecht wird.

Worldcoin auch in Deutschland erhältlich

Die Worldcoin ist nun seit gut einer Woche in Deutschland handelbar, u. a. auf der größten Kryptobörse der Welt, Binance. Nach Beginn des Handels war eine Worldcoin rund 3,30 US-Dollar wert, am Montag, 31.07.2023, liegt sie bei etwa 2,30 US-Dollar. Laut Handelsblatt sollen zehn Milliarden Worldcoin-Tokens ausgegeben werden. Nach 15 Jahren soll eine Inflation von bis zu 1,5% jährlich möglich sein. Für den Nutzer sind 75% davon angesetzt.

Identifikationstechnik World-ID

Nutzer von Worldcoin sollen diese über eine digitale Geldbörse verwalten können, die wiederum mit der World-ID verknüpft werden soll – sozusagen eine digitale Identität, mit der die Menschen langfristig beweisen können sollen, dass sie reale Personen sind. Auch das vielfach in der Tech-Industrie angestrebte bedingungslose Grundeinkommen wird als Ziel von Worldcoin angeführt.

Um die World-ID tatsächlich umzusetzen, gibt es einen Augenscanner, der zur Identifikation des Individuums die Iris des Nutzers scannt. Laut Worldcoin würde der Scanner, der auch „Orb“ genannt wird, die Daten rein anonymisiert und sicher verarbeiten. Entwickelt wurde der Orb in Berlin, am Tochtersitz von Tools for Humanity.

Kontroversen und Bedenken

Die Idee, die Augen von potenziell 8 Milliarden Menschen zu scannen, sorgt erwartungsgemäß vielerorts für Bedenken. Edward Snowden, der wohl bekannteste Whistleblower der Welt, sieht Worldcoin als gefährliches Unterfangen und warnt davor einen „Katalog von Augäpfeln zu erstellen, so das Handelsblatt. Der US-amerikanische Anwalt Adam Schwartz von der Electronic Frontier Foundation pocht darauf, die Unveränderbarkeit unserer biologischen Merkmale zu bedenken. Denn wenn Passwörter gestohlen werden, könne man sie ändern – Daten, die auf unseren Augen basieren, jedoch nicht.

Auch an den Methoden von Tools for Humanity selbst wird gezweifelt. Ethereum-Gründer Vitalik Buterin hat in einer Worldcoin-Analyse erläutert, dass man nicht sicher sein könne, ob der Orb nicht doch mehr Daten sammelt als angegeben. Außerdem gibt es einen Bericht der Zeitschrift „MIT Technology Review“, wonach Worldcoin die erste halbe Million Nutzer vor allem in Entwicklungsländern rekrutiert hätte – mit fragwürdigen Methoden wie Versprechen von Reichtum oder Anlockung durch Bargeld oder Geschenke.

BaFin schaltet sich ein

Laut Handelsblatt entschied sich Altman dagegen, Worldcoin schon in den Vereinigten Staaten anzubieten. Grund dafür sei, dass die US-Börsenaufsicht SEC stärker gegen Kryptoprojekte und Börsen vorgehe, wenn die bestehenden Wertpapiergesetze missachtet werden. In Deutschland unterliege Worldcoin, wie Alex Blania dem Handelsblatt im Interview verrät, der Zuständigkeit des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht. Dort gebe es laut Blania schon einen Austausch – die Aufsicht wisse davon jedoch nichts, so das Handelsblatt. Auf Nachfrage der Zeitung hieß es, dass es keine Abstimmung Worldcoin gegeben habe und eine datenschutzrechtliche Prüfung eingeleitet worden sei.

Und auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin ist mittlerweile aktiv. Auf Handelsblatt-Anfrage teilte eine Sprecherin mit, dass man die Aktivitäten von Worldcoin beobachtet. Laut Altman sei Worldcoin u. a. in Deutschland gestartet, weil es dort erlaubt sei. Eine Erlaubnis der BaFin habe das Unternehmen Tools for Humanity jedoch nicht, so die Sprecherin. Es müsse nun geprüft werden, ob eine Erlaubnis erforderlich sei oder nicht. Eine „Voranfrage“, mit der dies im Vorfeld hätte erledigt werden können, sei nicht gestellt worden. (mki)

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Anleger vertrauen sich selbst am meisten - und dem Berater nicht

Die Robo-Advisors cominvest und quirion haben im Rahmen einer Studie Ergebnisse zur Entwicklung von Robo-Advisors im Jahr 2022 veröffentlicht. Erkenntnisse gab es viele – darunter einige überraschende. So vertrauen vor allem Männer bei der Geldanlage in Krisenzeiten am ehesten sich selbst.

Zum zweiten Mal haben cominvest, die Robo-Advisor-Sparte der Commerzbank unter der Marke comdirect, und quirion zusammen eine Studie zur allgemeinen Entwicklung der Robo-Advisors durchgeführt. Fokus der Untersuchung war u. a. inwiefern Nutzer und Nicht-Nutzer Robo-Advisors vertrauen und daran Interesse zeigen sowie die allgemeine Entwicklung im Krisenjahr 2022.

Die Studie wurde am Donnerstag, 27.07.2023, in einem Online-Pressegespräch von quirion-CEO Martin Daut und comdirect-Bereichsvorständin Sabine Schoon-Renné vorgestellt.

Vertrauensgewinn bei Robo-Advisors?

Das grundsätzliche Vertrauen in Robo-Advisors sei letztes Jahr gestiegen, heißt es von Daut und Schoon-Renné. 47% der Nutzer und knapp ein Fünftel der Nicht-Nutzer bewerten die digitalen Vermögensverwalter positiver als im Vorjahr, als die Studie zum ersten Mal erstellt wurde. Beachtet werden sollte dabei jedoch, dass die Bekanntheit von Robo-Advisors im Vergleich zur Vorstudie gesunken ist. 2021 hatten noch 34% der Befragten angegeben, Robo-Advisors gar nicht zu kennen, in der aktuellen Studie waren es 39%. Dementsprechend sank auch die Anzahl derer, die den Begriff schon einmal gehört haben (von 37% auf 34%) und die zumindest in etwa wissen, worum es sich dabei handelt (von 29% auf 28%).

Die Umfrageteilnehmer wurden auch nach den Vorteilen gegenüber klassischer Anlageberatung gefragt – und da wurde ein Vorteil klar am häufigsten genannt: 59% bewerten die Zeitersparnis positiv. Auf Platz 2 liegt mit 42% das Gefühl, weniger gedrängt zu werden, auf Rang 3 mit 41% wiederum die einfache Anpassbarkeit. 25% der Nutzer gaben außerdem an, kein Vertrauen in den Berater zu haben.

Hohes Selbstbewusstsein bei den Anlegern

Dieser Mangel an Vertrauen in den Berater schlägt sich auch bei der Frage nach der Krisenkompetenz nieder. Die Teilnehmer wurden gefragt, wem sie in Krisensituationen wie der Beeinflussung der Börsenentwicklung durch den Ukraine-Krieg oder Lieferkettenproblemen in Sachen Geldanlage am ehesten Vertrauen. Lediglich 14% nannten den persönlichen Anlageberater, 52% nannten sich selbst. Robo-Advisors vertrauen in solchen Situationen nur 13% – in diesem Fall können Robo-Advisors also kein hohes Vertrauen aufweisen. quirion-CEO Martin Daut erwähnte außerdem, dass gerade Männer sich selbst als den besten Anleger in Krisensituationen nennen, was eine „klare Fehleinschätzung“ sei.

Die Nicht-Nutzer wurden außerdem dazu befragt, warum sie keine Robo-Advisors nutzen. Interessant ist hierbei, dass gerade Frauen als Grund angeben, dass sie nicht genügend Vorkenntnisse hätten (23%, im Vergleich zu 17% bei den Männern) und 19%, dass sie unsicher seien, ob sie in Wertpapieren anlegen wollen (19% im Vergleich zu 10% bei den Männern). Geschlechterunabhängig war der am meisten angegebene Grund dafür, dass Anleger keine Robo-Advisors benutzen: dass sie ihr Geld lieber selbst anlegen wollen (28%).

Positives Fazit für Robo-Advisors

Dennoch ziehen Schon-Renné und Daut ein positives Fazit zur Entwicklung der Robo-Advisors im Jahr 2022. Trotz des Krisenjahres ist das Interesse an Geldanlage weiterhin hoch (81% der befragten Zielgruppe geben an, interessiert bzw. eher interessiert an Geldanlage zu sein). Auch ist der Anteil des Geldanlagevermögens, den Investoren bei einem Robo-Advisor angelegt haben, gestiegen – von 23% auf 30%. (mki)

Über die Studie

Bei der Untersuchung von cominvest und quirion wurden Teilnehmerinnen und Teilnehmer befragt, die über mindestens 1.500 Euro Nettoeinkommen pro Monat sowie mindestens 5.000 Euro frei anzulegendes Vermögen verfügen und regelmäßig Online-Banking nutzen. Das Panel umfasste 1.300 antwortende Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In der genannten Zielgruppe entspricht dies ca. 12 Millionen Personen an der Bevölkerung in Deutschland. Der Befragungszeitraum war vom 21.03.2023 bis 24.03.2023.

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Lesen Sie auch: Geringes Finanzwissen kostet Deutschland Geld

 

Deutsche Börse wird Jahresprognose 2023 übertreffen

Die Gruppe Deutsche Börse konnte im zweiten Quartal 2023 ihre Nettoerlöse um 20% steigern, wie aus dem Halbjahresfinanzbericht 2023 der Gruppe hervorgeht. Für den Rest des Jahres rechnet man damit, die Geschäftsprognose übertreffen zu können.

<p>Die Gruppe Deutsche Börse hat ihren Halbjahresfinanzbericht 2023 einschließlich der Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht. Der Tenor ist ein sehr positiver: Angesichts guter Geschäftsergebnisse rechnet die Deutsche Börse damit, dass sie ihre Jahresprognose für 2023 übertreffen wird, wie es in einer Mitteilung zum Bericht heißt.</p><h5>Deutsche Börse steigert Nettoerlöse deutlich</h5><p>Die Nettoerlöse der Gruppe Deutsche Börse sind im zweiten Quartal 2023 deutlich nach oben gegangen, um 20% auf 1,22 Mrd. Euro. Dies sei maßgeblich getrieben worden durch ein starkes Nettozinsergebnis aus dem Bankgeschäft. Das Ergebnis der Gruppe Deutsche Börse vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erhöhte sich auf 733 Mio. Euro, was einem Anstieg von 25% entspricht.</p><p>Der den Anteilseignern zuzurechnende Periodenüberschuss lag außerdem bei 443,2 Mio. Euro und somit 30% über dem Vorjahresquartal. Das Ergebnis je Aktie vor Kaufpreisallokationseffekten belief sich auf 2,52 Euro. Aufgrund der sehr guten Entwicklung im ersten Halbjahr 2023 und des Ausblicks auf den weiteren Jahresverlauf rechnet die Gruppe Deutsche Börse damit, die Prognose für 2023 zu übertreffen.</p><p>Laut Gregor Pottmeyer, Finanzvorstand der Deutsche Börse AG, lag das Ergebnis im ersten Halbjahr deutlich über den Geschäftserwartungen. „Neben dem fortlaufenden strukturellen Wachstum haben die immer weiter gestiegenen Zinsen unser Geschäft zusätzlich beflügelt. Wir gehen davon aus, dass wir unsere Prognose im laufenden Geschäftsjahr übertreffen werden.“ (mki)</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Tobias Arhelger – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/114AB8ED-467B-4934-9AA2-779460A1AD96"></div>

 

Umbau beim Nasdaq 100: Anteile von Meta, Google & Co. reduziert

Aufgrund der Aktien-Rally um die großen Tech-Firmen haben die „Top Seven“ eine zu hohe Gewichtung im Nasdaq 100. Deshalb wird der Index umgebaut. Die Anteile der „Top Seven“ werden zugunsten kleinerer Unternehmen reduziert.

Der Nasdaq 100, der die 100 an der Börse gelisteten Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung aus dem Nasdaq enthält, ist zu sehr abhängig von genau sieben Tech-Unternehmen. Zu diesem Fazit kommt jedenfalls die verwaltende Börse Nasdaq mit Sitz in New York und kündigte bereits am 07.07.2023 eine Umschichtung der Aktienwerte im Nasdaq 100 an. Die „Rebalance“ fand vor der Börsenöffnung am Montag, 24.07.2023, statt.

In dem Statement heißt es, dass derartige Umgewichtungen stattfinden dürfen, um eine „Überkonzentration“ innerhalb des Indexes zu vermeiden. Von den gelisteten Aktien werden keine entfernt oder neue aufgenommen, es handelt sich lediglich um eine Umschichtung der vorhandenen Wertpapiere.

Zu viel „Top Seven“ im Nasdaq 100

In den vergangenen Monaten entwickelte sich die Tech-Industrie extrem gut, in erster Linie aufgrund des erhöhten Interesses an der Weiterentwicklung der Sparte der Künstlichen Intelligenz. So hatten die „Top Seven“, die aus den Tech-Giganten Apple, Alphabet (Google), Amazon, Microsoft, Meta, Nvidia und Tesla bestehen, vor der Umschichtung einen immensen Anteil am Nasdaq 100, nämlich etwa 56%. Doch wie das Handelsblatt aufschlüsselt, ist in den Indexbedingungen klar definiert, dass die Aktien, die im Index eine Gewichtung von 4,5% und mehr haben, zusammen nicht mehr als 48% des gesamten Index ausmachen dürfen. Der Grenzwert von 48% solle demnach sicherstellen, dass ETFs, die den Nasdaq 100 abbilden, oder Fondsmanager, die sich am Nasdaq 100 orientieren, nicht gegen die aufsichtsrechtlichen Vorschriften für die Diversifizierung von registrierten Investmentgesellschaften verstoßen.

Ist man in einen Fonds, der sich am Nasdaq 100 orientiert, investiert, entsteht auch für den Anleger durch eine derart hohe Gewichtung das Risiko, nicht genug diversifiziert zu sein. Denn die Entwicklung des Index, der eigentlich 100 Unternehmen listet, wird zu einem sehr großen Anteil lediglich von 7 Unternehmen gesteuert.

So wird der Nasdaq 100 umgeschichtet

Aus diesem Grunde reduziert Nasdaq den Anteil dieser Firmen mit Wochenbeginn von 56% herunter auf 44%. Das Handelsblatt meldet unter Berufung auf die Analystin Genevieve Roch-Decter, dass mit je –3 Prozentpunkten die Anteile von Microsoft und Nvidia besonders stark sinken würden. Im Gegenzug dazu steigen die Werte aller anderen Unternehmen im Nasdaq 100, so z. B. die des Halbleiterherstellers Broadcom (+0,6 Prozentpunkte), die des Softwarekonzerns Adobe und des Telekommunikationsspezialisten Cisco (je +0,4 Prozentpunkte). Weitere Gewinner seien laut der US-Bank Wells Fargo die Kaffeehauskette Starbucks, Booking Holdings (Inhaber des Online-Reiseportals booking.com) und das Pharmaunternehmen Gilead Sciences. Möglicherweise profitiert ntv zufolge auch die Deutsche Telekom, da ihre US-Tochter T-Mobile US im Nasdaq 100 gelistet ist.

Durch die Umschichtung des Nasdaq 100 müssen die Fonds, die den Nasdaq 100 als Referenzindex nutzen, ihre Gewichtung ebenso anpassen – gemäß der vom Index vorgegebenen neuen Bestände der sieben größten Aktien. Das aus den Verkäufen entstandene Geld soll von den Fondsverwaltern dann entsprechend der neuen Gewichtung in andere Aktien umgeschichtet werden. Laut Morningstar gab es zum 11.07. mehr als 14 ETFs, die ein Volumen von mindestens 1 Mrd. US-Dollar hatten und den Nasdaq 100 abbildeten. Gesamtvolumen: mehr als 250 Mrd. US-Dollar. Die umgeschichteten Mengen an Geld sind also enorm. (mki)

Bild: © Askar – stock.adobe.com

 

Deutsche Vermögensverwalter verdienen weniger

App Audit, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für Finanzdienstleister, untersucht jährlich die Geschäftszahlen der unabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland. 2021 ging es für diese steil bergauf, doch 2022 scheinen die Einnahmen wieder deutlich nach unten zu gehen.

Unabhängige Vermögensverwalter in Deutschland geben ihre Geschäftszahlen immer mit einem Jahr Zeitverzug an. So liegen jetzt erst endgültig die Einnahmen der Vermögensverwalter im Jahr 2021 vor. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für Finanzdienstleister App Audit untersucht diese Zahlen jährlich und hat die aktuelle Studie dem Handelsblatt exklusiv vorgelegt.

Und im ersten Jahr nach Corona konnten die unabhängigen Vermögensverwalter deutliche Gewinne im Vergleich zu 2020 einfahren. Doch 2022 scheint eine Kehrtwende zu bedeuten.

Flossbach von Storch steigert Gewinneinnahmen deutlich

Der größte deutsche unabhängige Vermögensverwalter, Flossbach von Storch, konnte der Untersuchung zufolge 2021 erheblich zulegen. 2020 verbuchte das Unternehmen rund 385 Mio. Euro an Netto-Provisionseinnahmen, 2021 waren es stolze 695 Mio. Euro. Allgemein seien 2021 bei den Gewinneinnahmen der Marktteilnehmer Höchststände erreicht worden. Doch 2022 soll sich das Blatt wohl wenden, wie das Handelsblatt unter Berufung auf eine eigens durchgeführte Umfrage unter den Vermögensverwaltern berichtet. Mitgründer Kurt von Storch befürchtet für Flossbach von Storch für die Provisionseinnahmen eher das Niveau von 2020.

Grund für die mäßigen Erwartungen der Vermögensverwalter seien in erster Linie die schlechten Börsen, bedingt durch den Ukraine-Krieg, die Inflation und die Zinswende. Laut Handelsblatt gab es an den internationalen Aktien- und Anleihemärkten, zieht man Indizes wie den MSCI World oder den FTSE World Government Bond Index zu Rate, Verluste von je rund 13%.

Verantwortlich für die geringeren Einnahmen der unabhängigen Vermögensverwalter sind, so das Handelsblatt, vor allem zwei Faktoren: zum einen die fixen Anlagegebühren. Wenn das investierte Kundenkapital fällt, dann reduzieren sich für den Verwalter die Einnahmen, da die Gebühren konstant bleiben. Zum anderen verlangen Verwalter oft ein Erfolgshonorar, „etwa in Höhe eines prozentualen Anteils am Mehrgewinn gegenüber einem Vergleichsindex“. 2021 konnten die Verwalter solche Erfolgsgebühren oft verbuchen, 2022 seien sie jedoch weitgehend weggefallen, wird App-Audit-Chef Jürgen App im Handelsblatt zitiert.

Institutionelle Investoren ziehen Geld ab

Außerdem seien nun auch die institutionellen Anleger zaghafter bei ihren Investitionen, wie Kurt von Storch dem Handelsblatt mitteilt. Nach der Zinswende hätten diese lieber selbst die als sicher geltenden Anleihen gekauft. Auch der Trend zu passiv gemanagten Indexfonds würde Abzüge bei den Einnahmen bedeuten, denn derartige Geschäfte würden die größeren unabhängigen Verwalter nicht betreiben, da sie sich auf aktive Strategien konzentrieren.

Grüner Fisher Investments auf Platz 2

Mit seinen 695 Mio. Euro ist Flossbach von Storch der Konkurrenz weit voraus, denn auf Platz 2 folgt Grüner Fisher Investments mit 167 Mio. Euro Netto-Provisionseinnahmen. Dabei handelt es sich um die deutsche Einheit des US-Managers. Relativ gesehen konnte das Unternehmen seine Einnahmen 2021 am stärksten steigern – sie waren dreimal so hoch wie 2020. Gründer Thomas Grüner sieht den Erfolg primär in den Einnahmen aus Erfolgsgebühren wegen hoher Anlagerenditen.

Für 2022 rechnet Grüner mit prozentual tieferen Einnahmen, blickt aber aufgrund der Tatsache, dass das verwaltete Kapital derzeit bereits ein Viertel höher sei als noch zu Jahresbeginn, optimistischer auf die Bilanz für 2023.

DJE auf Rang 3

DJE Kapital landet mit 105 Mio. Euro Einnahmen auf Rang 3. Das Unternehmen um Fondsmanagerurgestein Dr. Jens Ehrhardt konnte so bei den Einnahmen ein Plus von zwei Dritteln verbuchen. Platz 4 belegt die Frankfurter Gesellschaft Acatis Investment, die ihre Einnahmen 2021 mit 77 Mio. Euro fast verdoppeln konnte. Auf Platz 5 liegt Lupus Alpha Asset Management, die Provisionseinnahmen in Höhe von 59 Mio. Euro verbuchen konnten. (mki)

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Aktien erholen sich, Anleihen geraten unter Druck

Das Analysehaus Scope Fund Analysis hat wieder sein monatliches Fondsrating veröffentlicht. Bei rund 580 Fonds hat sich das Scope-Rating geändert. Auf- und Absteiger hielten sich die Waage. Ein Fonds für japanische Aktien und einer für Schwellenländer-Titel erklimmen den Olymp und sind nun mit (A) bewertet.

Die Situation am Markt dreht sich etwas. Anleihen erfreuten sich aufgrund der erhöhten Zinsen an einem Aufschwung im bisherigen Verlauf des Jahres. Doch im neuen Fondsrating des Analysehauses Scope Fund Analysis zeigt sich, dass sich Aktien etwas erholen, während die Renten unter Druck geraten.

Die Scope-Analysten haben ihre Beurteilung von rund 6.700 Fonds überprüft. Bei 293 Fonds verbesserte sich das Rating, bei 289 verschlechterte es sich. Erstmals bewertet wurden 102 Produkte, davon erhielten 31 aktive Fonds auf Anhieb ein Top-Rating.

Eastspring Investments-Japan Dynamic erhält Top-Rating

Nach mehr als fünf Jahren erhält der Eastspring Investments-Japan Dynamic wieder ein (B)-Rating. Insbesondere die exzellente Wertentwicklung seit 2021 war für das Upgrade verantwortlich. Fondsmanager Ivailo Dikov verfolgt einen ausgeprägten Value-Ansatz, der zu einem konzentrierten Portfolio mit zuletzt 38 Titeln führt. Durch die signifikante Beimischung von Mid Caps (zuletzt ca. 40%) liegt die Marktkapitalisierung unterhalb des Peergroup-Durchschnitts. Die Wertentwicklung über fünf und drei Jahre fällt mit 5,8% und 17,5% p. a. gegenüber dem Peergroup-Durchschnitt von 3,0% und 5,3% p. a. sehr überzeugend aus. Jedoch sind die Risikokennzahlen vergleichsweise hoch: Über fünf Jahre liegen Volatilität und maximaler Verlust mit 18,1% und –27,9% deutlich höher als in der Peergroup mit 14,2% und –16,5%.

GQG Partners Emerging Markets Equity erobert (A)-Rating zurück

Der Mitte 2017 aufgelegte GQG Partners Emerging Markets Equity erobert sich sein (A)-Rating zurück und gehört nun wieder zur Spitzengruppe der Schwellenländer-Aktienfonds. Der Fonds überzeugt, so Scope, sowohl auf der Rendite- als auch auf der Risikoseite. Über fünf und drei Jahre liegt er mit einer Wertentwicklung von 5,3% und 5,1% p. a. deutlich vor der Peergroup „Aktien Emerging Markets“ mit 1,5% und 2,9% p. a. Die Volatilität und der maximale Verlust über fünf Jahre überzeugen mit 13,8% und –17,3% ebenfalls gegenüber dem Peergroup-Durchschnitt von 15,6% und –23,3%.

Downgrade für Fundsmith SICAV-Fundsmith Equity

Nach knapp einem halben Jahr wurde das Rating des Fundsmith SICAV-Fundsmith Equity von (A) auf (B) heruntergestuft. Der seit 2010 von Manager Terry Smith verwaltete Fonds verfolgt einen langfristig orientierten Ansatz, der nach Unternehmen mit hoher Qualität und Wachstum sucht. Das Portfolio ist mit zuletzt nur 26 Titeln sehr konzentriert. Die meisten dieser Unternehmen findet Smith derzeit im Konsumgütersektor, der mit 35% ein hohes Gewicht aufweist. Insgesamt hat sich der Anlagestil des Managers bislang ausgezahlt, doch verlor der Fonds im Zuge der Stilrotation 2022 an Boden gegenüber den Wettbewerbern in der Peergroup „Aktien Welt“. So erzielte der Fonds über fünf und drei Jahre eine Wertentwicklung von 9,8% und 9,1% p. a., während die Peergroup im selben Zeitraum auf 6,5% und 8,8% p. a. kam.

Top- und Flop-Peergroups im vergangenen Monat

Im Juni setzte sich die Erholung für die meisten Anleger fort: 31 der 50 größten Fonds-Peergroups erzielten positive Erträge. Während alle untersuchten Aktien-Peergroups, mit Ausnahme von chinesischen A-Aktien, ein Plus verzeichneten, lagen die meisten Renten-Peergroups im Minus. Das Feld führten dieses Mal nordamerikanische Nebenwerte an, die auf Monatsbasis 6,2% zulegten, gefolgt von Aktien Nordamerika mit 4,4% und globalen Technologieaktien mit 3,5%. Aber auch andere Regionen wie Aktien Eurozone und die Schwellenländer erzielten eine positive Performance, ebenso Themen- und Ökologiefonds. Auf der Verliererseite standen insbesondere die Peergroups Renten USD mit –1,8% sowie Investment-Grade-Unternehmensanleihen global und US-Dollar mit –1,6% und –1,4%. (mki)

Weitere Informationen zum Fondsrating von Scope gibt es hier.

Bild: © kyo – stock.adobe.com

 

„Flexibilität, Transparenz und Chancen“: ein „Boom“ der Fondspolicen?

Im aktuellen Marktumfeld muss man sich zuverlässige, aber ertragreiche Möglichkeiten für die Geldanlage suchen. Der US-amerikanische Vermögensverwalter AllianceBernstein fährt gut mit seinem Angebot an verschiedenen Fonds und Fondspolicen. Gunnar Knierim erläutert im Interview die Vorzüge fondsgebundener Versicherungen und wie AB in der derzeitigen Lage die Stellung am Fondsmarkt hält.

Interview mit Gunnar Knierim, Director Financial Institutions Germany & Luxembourg bei AllianceBernstein
Herr Knierim, wie schlägt sich die allgemeine Wirtschaftslage aktuell auf AllianceBernstein nieder?

Die Situation ist mit Sicherheit derzeit keine einfache. Auch ein globaler Vermögensverwalter wie AllianceBernstein kann nicht in einem Vakuum operieren. Die Jahre der Pandemie und die weiterhin andauernde Verunsicherung an den globalen Kapitalmärkten ist auch an uns nicht spurlos vorübergegangen. Da wir jedoch eine ganze Reihe von differenzierten Anlagelösungen anbieten, die sich auch in den schwierigen Phasen bewährt haben, und wir durch unsere enge, langjährige Kundenbindung eine gute Vertrauensbasis geschaffen haben, sind wir bislang zum Glück glimpflicher davongekommen als manch einer unserer Konkurrenten.

Die Entwicklungen in den USA um den Schuldenstreit, die Konjunktur und den Arbeitsmarkt beschäftigen die Finanzmärkte. Wie sehr sind Ihre Fonds davon betroffen?

Die Wurzeln unseres Unternehmens liegen in den USA und ein beträchtlicher Teil des verwalteten Vermögens ebenso. Gerade unsere Expertise für US-Aktien wird jedoch auch hierzulande sehr geschätzt und viele unserer Kunden haben einen langen Anlagehorizont, der in volatilen Zeiten sehr wichtig ist. Auf der festverzinslichen Seite sind durch die in den USA zuerst erfolgte Zinswende auch wieder attraktive Investmentchancen entstanden. Dadurch entsteht also derzeit ein eher gemischtes Bild.

AllianceBernstein hat mit Aktien-, Anleihen- und Multi-Asset-Fonds sowie Alternatives ein großes Angebot an Anlageprodukten. Wo ist derzeit der größte Zuspruch, insbesondere auch im deutschen Vermittlergeschäft?

Da wir in vielen verschiedenen Asset-Klassen sehr wettbewerbsfähige Produkte am Markt haben, sehen wir im deutschen Vermittlermarkt bei Aktien-, Anleihen- und Multi-Asset-Fonds eine konstant hohe Nachfrage. Vor allem die Renten­seite mit unseren bewährten Income-Strategien wie European Income oder American Income erfreut sich 2023 wieder zunehmender Beliebtheit. In den vergangenen zwei bis drei Jahren haben wir großes Interesse auf Vermittlerseite an unseren ESG-Strategien, US-­Aktienfonds sowie unseren Themenfonds International Health Care und International Technology gesehen.

Gibt es einen verbindenden Ansatz hinter den Fonds, eine Art AB-Philosophie?

Selbstverständlich finden Sie bei einem Vollanbieter, wie wir es sind, auch dementsprechend höchst unterschiedliche Anlageansätze. Was jedoch als wesentlicher Pfeiler unserer Unternehmensphilosophie alle Strategien verbindet, ist die grundlegende Überzeugung, dass wahrhaft aktives Investieren langfristig einen Mehrwert bietet. Das gilt vor allem in turbulenten Marktphasen, wie wir sie seit einiger Zeit wieder erleben.

Research kostet Geld. Deshalb sind ETFs aufgrund niedrigerer Kosten und vermeintlich besserer Performance gefragt. Spüren Sie diese Entwicklung?

Der Margendruck für Asset-­Manager ist enorm und wird auch so bald nicht nachlassen. Das gilt im Übrigen nicht nur für den Retailbereich, sondern auch und insbesondere für institutionelle Mandate. Wir bei AB haben jedoch bereits seit einigen Jahren damit begonnen, uns dem hochkompetitiven Umfeld anzupassen und innovative Gebührenmodelle zu offerieren. Auch auf der Kostenseite haben wir große Einsparungen erzielen können. Aktuell ist hierbei KI-gestütztes Research ein wichtiges Thema.

Zuletzt gab es in Deutschland eine Art Hinwendung der Deutschen zu Aktien und Fonds. Nun macht die Volatilität den Anlegern wieder größere Sorgen. Zu Recht?

Die russische Invasion in die Ukraine, die sich immer weiter hochschau­kelnde Rivalität zwischen China und den USA, die hartnäckige Inflation, der Klimawandel und die mit der Transformation verbundenen Kosten – die Liste der Risiken ist auch nach Überwindung der Covid-Pandemie lang. Aber hinter jedem vermeintlichen Risiko lauert auch eine Chance. Das gilt auch im Investmentbereich. Angst ist generell ein schlechter Berater, vor allem wenn man inmitten von Markteinbrüchen verkauft und Verluste realisiert.

Dann lassen Sie uns auf Fonds­policen blicken. Sind diese aus Ihrer Sicht überhaupt eine interessante Alternative zu direkten Anlagen?

Fondspolicen verbinden das Bedürfnis eines Anlegers nach Absicherung seiner Risiken mit den Ertragschancen von Kapitalanlagen. Selbst wenn die Zinsen zuletzt wieder gestiegen sind, ist die klassische Kapitallebensversicherung eher ein Auslaufmodell. Fondsgebundene Versicherungen jedoch bieten mehr Flexibilität, Transparenz und Chancen. Sollte noch eine Reform bzw. ein Ausbau der staatlichen Förderung für die Altersvorsorge hinzukommen, könnte dieser Bereich sogar einen Boom erleben. Wir stehen den Versicherern als verlässlicher Partner zur Seite, auch um die Vermittler für die gestiegenen Anforderungen auf der Beratungsseite zu schulen.

AllianceBernstein ist ja auch Fondslieferant für Versicherer. Welche Rolle spielen Ihre Fonds bei der Fondsauswahl? Gerne wird bei der Auswahl in Fondspolicen auf Bewährtes zurückgegriffen.

Wir arbeiten seit vielen Jahrzehnten mit den Versicherungsgesellschaften in Deutschland vertrauensvoll zusammen und liefern wichtige Investmentlösungen für deren Fondspolicen-Geschäft. Einige unserer Flaggschifffonds sind dabei ein fester Bestandteil in der Fondsauswahl der Versicherer. Was uns ganz besonders freut, ist, dass wir als einer der wenigen Fondsanbieter für Versicherungen mit einem 5-Sterne-­Rating für die Fondsqualität unserer Produkte innerhalb der Versicherungspolicen ausgezeichnet wurden. Das macht uns sehr stolz und zeigt, dass sich die Versicherer auf die Leistungen unserer Investment-Teams langfristig verlassen können.

Welche Ihrer Fonds sind hier besonders gefragt oder aus Ihrer Sicht interessant?

Einer der bekanntesten Fonds innerhalb des Fondspolicen-Marktes ist unser AB Sustainable Global Thematic Portfolio, einer der ersten Fonds im Markt, der an den UN-Nachhaltigkeitszielen ausgerichtet wurde. Auch unser AB American Growth Portfolio findet sich seit vielen Jahrzehnten in Versicherungspolicen wieder. Er wurde kürzlich als bester US-Aktienfonds der letzten 20 Jahre gewürdigt. Des weiteren wurde unser AB International Health Care Portfolio von vielen Versicherungsgesellschaften in den Fokus genommen.

AB hat kürzlich erst einen Fonds aufgesetzt, der besonders auf „ESG Improvers“ setzt? Wie sieht dieser aus und welche Erwartungen haben Sie?

Die ESG-Ratings, die viele Fonds als Auswahlgrundlage verwenden, sind rückwärtsgewandt, zeichnen ein unvollständiges Bild und benachteiligen manche Unternehmen zu Unrecht. Daraus ergibt sich die Chance, Unternehmen zu identifizieren, die einen positiven Wandel vorantreiben, bevor er sich in den Ratings niederschlägt, und in diese zu investieren. Wenn dann die Ratingagenturen letztendlich die Verbesserungen honorieren, sollte es einen erheblichen Kursschub geben, da die betreffenden Unternehmen dann in den Fokus der ESG-Anleger rücken, und das ist in der Vergangenheit auch meist so gewesen. Wir erhoffen uns durch diese innovative Ergänzung unserer Responsible-­Investing-Palette u. a. Zuspruch von Kunden, die vielleicht noch vor „puren“ ESG-Fonds zurückschrecken.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 07/2023, S. 54 f., und in unserem ePaper.

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Ein Interview mit
Gunnar Knierim

Gold: weiterhin ein sicherer Hafen?

So richtig los von Gold kommt man auch in der Investmentwelt nicht. Immer wieder gerät das alte Aurum ins Rampenlicht, gerade wenn der Rest der Finanzwelt in Sachen Volatilität seinesgleichen sucht. Adrian Ash von BullionVault widmet sich der Frage, ob Gold als sicherer Hafen in schwierigen Zeiten noch aktuell ist.

Ein Artikel von Adrian Ash, Director of Research bei BullionVault

Gold braucht nicht immer eine Krise, um im Preis zu steigen. Dennoch sind Krisen sicherlich hilfreich dafür. Als 2020 die Corona-Pandemie ausbrach, überschritt das Edelmetall erstmals die Marke von 2.000 US-Dollar pro Feinunze. Dann erreichte es dieses Niveau erneut im Jahr 2022, als Russland den schrecklichsten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg begann. Und Anfang 2023, während des Mini-Crashs im westlichen Bankensektor, stieg Gold wieder über 2.000 US-Dollar.

Zwischen diesen drei Dollar-Höchstständen hat sich der Goldpreis weltweit weiter nach oben bewegt, nicht zuletzt für deutsche Anleger. Das Jahr 2022 endete mit einem vierten Jahreshöchststand in Folge für Gold in Euro. Zwischen Januar und März 2023 wurden dann neue Rekorde zum Quartalsende und im Quartalsdurchschnitt aufgestellt, bevor im April als auch im Mai neue Rekorde zum Monatsende und im Monatsdurchschnitt erreicht wurden.

Die Zuflucht beim Edelmetall

Ein solch solider Aufwärtstrend bei Gold deutet darauf hin, dass sich Anleger in das Metall als „sicheren Hafen“ stürzen, um den schlechten Renditen in anderen Bereichen zu entgehen. Doch auf das Blutbad an den Finanzmärkten im vergangenen Jahr folgten in der ersten Jahreshälfte 2023 starke Gewinne für Aktienanleger, nicht zuletzt in Deutschland. Der Dax hat sich in Euro gerechnet besser entwickelt als alle anderen großen Wirtschaftsbörsen – mit Ausnahme des New Yorker Nasdaq Tech-Index – und hat seit Jahresbeginn 13,5% zugelegt. Das geschah trotz der für das erste Quartal bestätigten „technischen Rezession“ und des schlimmsten Einbruchs in der verarbeitenden Industrie in diesem Frühjahr seit der ersten Welle der Corona-Krise vor drei Jahren.

Hinzu kommt, dass die Betei­ligung der Anleger an Gold in der ersten Hälfte von 2023 alles andere als extrem war. In den letzten 15 Jahren wiesen die Goldpreise in US-Dollar eine sehr starke positive Korrelation mit dem kombinierten Gewicht der weltweiten ETP-Bestände und der positiven Stimmung der Geldmanager in Gold-Futures und -Optionen auf. Diese Korrelation hat ein durchschnittliches R² von 68% auf einer rollierenden Zwölfmonatsbasis. Diese Korrelation ist stärker als die negative Korrelation von Gold mit den Renditen inflationsgeschützter US-Staatsanleihen und sogar stärker als die Korrelation mit dem Silberpreis. Die Beziehung zwischen der Anlegerbeteiligung und den Goldpreisen hat sich jedoch in diesem Jahr bisher abgeschwächt. Der neue Rekord des Dollar-Goldpreises von 1.982 zum Monatsende im April wurde erreicht, als die gesamte spekulative Position nur noch 90% der Höchststände von Anfang 2022 oder Mitte 2020 aufwies.

Deutscher „Hunger“ auf Gold gestillt?

Die Nachfrage der privaten Haushalte nach Barren und Münzen für „Kleinanleger“ war zwar solide, insgesamt aber eher unauffällig im Vergleich zu den grundlegenden Gewinnen von Gold im Jahr 2023. Laut den veröffentlichten Daten des World Gold Council zur Minen­industrie erreichte die weltweite Gesamtmenge von Januar bis März nicht ganz den Quartalsdurchschnitt der beiden Vorjahre. Die steigende Nachfrage im Nahen Osten wurde durch die um 70% gesunkene Abnahme in Deutschland im Vergleich zum Quartalsdurchschnitt 2021–22 ausgeglichen. Sie erreichte den schwächsten Wert seit mindestens 2010. Deutsche Händler berichten, dass die Kunden Gold zu diesen Rekordpreisen verkauft haben, um es in Bargeld umzuwandeln (das jetzt eine positive nominale Rendite abwirft, nachdem die EZB ihre Negativzinspolitik beendet hat) und um Lebenshaltungskosten und andere Haushaltsausgaben zu finanzieren.

Sollten sich die deutschen Haushalte in der zweiten Jahreshälfte weiterhin von Goldmünzen und kleinen Barren fernhalten, würde dies eine dramatische Veränderung gegenüber dem phänomenalen Appetit auf das Edelmetall bedeuten, den sie im letzten Jahrzehnt gezeigt haben. Eine weitere bemerkenswerte Veränderung des Goldhandelsverhaltens in diesem Jahr ist auf die starke Nachfrage im Nahen Osten zurückzuführen, wo insbesondere die Türkei und der Iran dem für die Region typischen Muster, dass die Haushalte Gold verkaufen, wenn die Preise hoch sind, getrotzt haben. Sie haben sich stattdessen dafür entschieden, ihre Bestände an Goldmünzen, kleinen Barren und auch Schmuck zu behalten und auszubauen, weil sie befürchten, dass sich die Inflation verschlimmern wird, wenn ihre Währungen angesichts der politischen und wirtschaft­lichen Turbulenzen weiter fallen.

Hochmut kommt vor dem Fall

Am wichtigsten für den grundlegenden Aufwärtstrend von Gold waren die starken Käufe der Zentralbanken. Während der weltweiten Finanzkrise wechselten die Zentralbanken insgesamt von Nettover­käufern zu Nettokäufern, als der Beginn der quantitativen Lockerung und der Nullzinsen durch die westlichen Behörden die Schwellenländer dazu veranlasste, Gold zu akkumulieren, gerade als die europäischen Zentralbanken schließlich aufhörten zu verkaufen. Diese Nachfrage, die von Russland, China und Indien angeführt wurde, erreichte 2018 einen neuen Rekord, wuchs im vergangenen Jahr weiter an und erreichte die höchsten Zentralbankkäufe seit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und hat sich in der ersten Hälfte des Jahres 2023 fortgesetzt. Vieles davon wird in den offiziellen Daten nicht erfasst, aber angesichts der Sanktionen der USA und der EU gegen Russland, die die Attraktivität von US-Dollar und Euro als Reservewährungen infrage stellen, ist der Marktkonsens, dass Goldbarren weiterhin eine wertvolle Alternative zu den Reservemanagern bieten werden.

All dies bedeutet jedoch nicht, dass der Goldpreis nach den neuen Höchstständen in diesem Frühjahr garantiert weiter steigen wird. Sollte die US-Notenbank nicht umschwenken und in der zweiten Jahreshälfte von 2023 damit beginnen, ihre rekordverdächtigen Zinserhöhungen rückgängig zu machen, würde dies wahrscheinlich für heftigen Gegenwind sorgen. Neben dem starken Appetit der nicht-westlichen Zentralbanken auf Gold dürfte aber auch die weltweite Schmucknachfrage den Goldpreis solide unter­stützen, wenn der Markt fällt und seinen Aufwärtstrend testet. Tatsächlich hat die weltweite Schmucknachfrage bereits wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht, allerdings zu Preisen, die mehr als 40% über denen von 2019 liegen.

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Ein Artikel von
Adrian Ash

„KI ist gut – das ist ein Problem“: KI macht Managern Dampf

Künstliche Intelligenz beschäftigt auch die Investmentwelt. Der Kapitalmarktexperte Uwe Zimmer ist überzeugt, dass KI die „Peitsche“ sei, mit der Führungskräfte zu Hochleistungen angetrieben werden könnten. Und: Wer schlechter abschneidet, ist sein Geld eben nicht wert.

Künstliche Intelligenz (KI) wird sowohl im Privaten als auch im Job mehr und mehr benutzt. Immer mehr davon schwappt auch in die Firmen. Und Tatsache ist: Die Leistungen der KI sind beeindruckend, stellen aber letztlich genau den Standard dar, so schreibt es der Kapitalmarktexperte und Vermögensverwalter Uwe Zimmer in einem aktuellen Kommentar. Seiner Ansicht nach, werde auch bei Finanzmanagern in der Zukunft der Grundsatz gelten: Wer schlechter abschneidet, ist sein Geld nicht wert.

Denn erste, eher spielerisch angelegte Tests hätten gezeigt, dass KI-gestützte Systeme auch als Asset-Manager „durchaus“ eine gute Figur machen könnten – alles im Rahmen ihrer begrenzten Fähigkeiten.

Stärken der KI

Die Fähigkeiten der KI seien begrenzt durch die zur Verfügung stehenden Informationen. Doch da sie diese besser sammeln, verarbeiten und analysieren könnten als mancher Mensch, hätten sie Vorteile. Und zwar überall da, wo es auf Quantität ankomme. Quant-Strategien könnten schon bald komplett in der Hand von KIs liegen – und im Zweifel würde es niemand merken, so Zimmer.

Die Finanzindustrie sei dabei besonders geeignet, KI-basierte Systeme einzuführen. Dort wurden schon immer „gewaltige Datenmengen“ verarbeitet und Strategien hin und her getestet. Ein aus Analyse gewonnener Informationsvorsprung habe schon immer über Gewinn und Verlust an der Börse entschieden.

Menschen müssen sich beweisen

„Die KI ist gut – und das ist ein Problem. Zumindest für einige Manager, Häuser, Strategien“, so schreibt Zimmer. KI mache all denjenigen Konkurrenz, die sich in einer gewissen Mittelmäßigkeit gut eingerichtet hätten. Dies betreffe die Analyse, das Management von Geld, aber auch den Kundenkontakt. Denn eine KI könne durchaus geeignet sein, grundlegende Fragen von Kunden jederzeit, geduldig und richtig zu beantworten.

Daher müssten Menschen beweisen, dass sie mehr können als die Maschinen. Oder wie es derzeit in der kleinen Kirchengemeinde St. Peter-Ording und Tating im Norden Deutschlands zu sehen ist: Pastoren müssen zeigen, dass sie mehr liefern können als einen Standardsegen. Dort werde nämlich im Rahmen eines Kunstprojekts eine KI darauf trainiert, Segen zu sprechen und auch Predigten zu halten. Laut Zimmer gebe es Gänsehautmomente, wenn die KI segnet, und die Pastoren müssten sich daran messen lassen.

Wird die Arbeit der Fondsmanager durch KI besser?

Dass die Arbeit der Finanzmanager komplett von KI übernommen wird, sei Zimmer zufolge nicht wirklich zu erwarten. Sie werde aber doch dafür sorgen, dass die Arbeit besser wird. Finanzmanager würden sich zukünftig mehr anstrengen müssen, kreativer sein, menschlicher werden müssen, um als Mensch gegen die Maschine zu bestehen. Für Zimmer klinge diese Prognose auch nicht apokalyptisch, sondern „es sollte die Regel sein, dass sich gerade in der Finanzindustrie angestrengt wird“. Die Zeiten des Mittelmaßes seien vorbei, denn dieses würden die Maschinen schon heute leisten. Die Arbeit der Menschen würde besser werden – auch an der Börse. (mki)

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