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Deutlich weniger geschlossene Fonds im ersten Halbjahr

Die Anzahl und das Volumen neu angebotener geschlossener Fonds sind im ersten Halbjahr 2023 signifikant geringer als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das ergibt eine Untersuchung des Analysehauses Scope Fund Analysis.

<p>Scope Fund Analysis hat den Markt für geschlossene Publikumsfonds im ersten Halbjahr 2023 analysiert. Insgesamt neun Fonds mit einem Emissionsvolumen von 276 Mio. Euro wurden von der BaFin in Deutschland zum Vertrieb zugelassen. Das geplante Eigenkapitalvolumen war damit nicht einmal halb so hoch wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres (626 Mio. Euro). Die Zahl der zugelassenen Fonds lag rund ein Drittel unter dem Wert des ersten Halbjahres 2022 (13).</p><h5>Trend wird sich fortsetzen</h5><p>Der von Scope am Jahresanfang prognostizierte Rückgang der Emissionsaktivitäten bei geschlossenen Publikums-AIF ist damit bereits im ersten Halbjahr sichtbar geworden. Das Analysehaus erwartet für 2023 weiterhin ein Gesamtemissionsvolumen von deutlich unter 1 Mrd. Euro. Maßgeblich für diese Entwicklung sei in erster Linie das deutlich gestiegene Zinsniveau, das Anlegern attraktive Anlagealternativen bietet. Hinzu kommen besonders im Immobilienbereich große Herausforderungen für die geschlossenen Fonds (möglicher Mieterinsolvenzen, teurere Finanzierungen).</p><p>Blind Pools im Immobilienbereich, die günstige Kaufgelegenheiten nutzen könnten, hätten laut Scope dagegen neue Chancen, mit attraktiveren Renditeniveaus auf den Markt zu kommen. Allerdings sei es noch unsicher, wann eine Bodenbildung der Immobilienpreise am Markt erreicht sein wird. Scope erwartet diese erst im Jahr 2024.</p><h5>Neun neu zugelassene Publikums-AIF im ersten Halbjahr 2023</h5><p>Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2023 neun neue Publikums-AIF für den Vertrieb zugelassen. Dabei handelt es sich um fünf Artikel-6-Fonds, drei Artikel-8-Fonds und einen Artikel-9-Fonds. Im Mittel verfügen sie über ein prospektiertes Eigenkapital von 31 Mio. Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist dies ein Rückgang beim Durchschnittsvolumen um 36%.</p><p>Unter dem Neuangebot des ersten Halbjahres befindet sich nur ein großvolumiger Fonds mit einem Eigenkapital von mehr als 50 Mio. Euro. Die übrigen acht Fonds weisen ein prospektiertes Eigenkapital von durchschnittlich 28 Mio. Euro auf. Im ersten Halbjahr 2022 hatten sich unter den 13 damals aufgelegten Publikums-AIF vier großvolumige Fonds mit einem Eigenkapital von jeweils mehr als 50 Mio. Euro befunden, davon zwei mit einem Eigenkapital von mehr als 100 Mio. Euro.</p><h5>Immobilien dominieren</h5><p>Wie in den Vorjahren sind Immobilien die dominierende Asset-Klasse. Sechs neu angebotene Fonds investieren in dieses Anlagesegment. Fünf davon konzentrieren sich auf deutsche Objekte, einer ist weltweit aktiv. Hinzu kommt jeweils ein Produkt aus den Bereichen erneuerbare Energien, Infrastruktur und Private Equity. (mki)</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © chaylek – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/C07E04F5-02F5-48BA-A06D-796F3565F4B9"></div>

 

Ombudsstelle Investmentfonds meldet mehr Eingaben 2022

Die Ombudsstelle für Investmentfonds, die vom Fondsverband BVI betrieben wird, hat ihren Jahresbericht für 2022 veröffentlicht. Die Eingaben von Verbrauchern waren im vergangenen Jahr immer noch gering, sie sind allerdings im Vergleich zum Vorjahr 2021 gestiegen.

Die Ombudsstelle für Investmentfonds ist eine anerkannte Verbraucherschlichtungsstelle im Finanzbereich und kümmert sich im Kern um Streitfragen über Fondsprodukte und Finanzdienstleistungen nach dem Kapitalanlagegesetzbuch. Sie wird vom Fondsverband BVI betrieben und prüft Verbraucherbeschwerden in seiner Zuständigkeit u. a. für offene und geschlossene Fonds, Altersvorsorge und Depotführung unabhängig wie ein staatliches Gericht nach Recht und Gesetz. Bis zu einem Beschwerdewert von 10.000 Euro kann er verpflichtend gegenüber einem Unternehmen entscheiden, wenn es nicht um grundsätzliche Fragen geht.

Für das Jahr 2022 wurde nun der Jahresbericht der Ombudsstelle für Investmentfonds veröffentlicht. Insgesamt sind die Beschwerden, wie auch in den Vorjahren, weiterhin gering, relativ betrachtet sind sie allerdings gestiegen.

Jahresbericht 2022 der Ombudsstelle für Investmentfonds

Vom 01.01.2022 bis zum 31.12.2022 gingen bei der Ombudsstelle 112 Eingaben ein. Dies entspricht einem Zuwachs der Verbraucherkontakte um gut 35% gegenüber 2021 – da waren es 83. Die Erhöhung der Eingangszahlen seien laut Jahresbericht im Wesentlichen auf Schlichtungsanträge zurückzuführen, mit denen ein Rechtsanwalt für 23 Verbraucherinnen und Verbraucher Prospekthaftungsansprüche im Zusammenhang mit dem Erwerb von Fondsbeteiligungen an einem geschlossenen Immobilienfonds geltend gemacht.

13 Eingaben konnte die Ombudsstelle mangels Zuständigkeit nicht bearbeiten. Diese Eingaben betrafen Unternehmen, die nicht am Verfahren der Ombudsstelle teilnehmen und/oder Sachverhalte abseits des Fondsgeschäfts nach dem Kapitalanlagegesetzbuch. In 22 Fällen stellten Verbraucher weiterhin keinen Schlichtungsantrag, sondern nur allgemeine Anfragen. Die Ombudsstelle war hiernach für 77 aller Eingaben zuständig.

Sachthemen

Das klassische Fondsgeschäft, also die Verwaltung von offenen Fonds, war mit 7,79% dieser 77 Eingaben nur in geringem Maß von Verbraucherbeschwerden betroffen – wie auch in den Vorjahren. Mit 36,36% gab es die meisten Eingaben zu geschlossenen Fonds, gefolgt von Eingaben zu fondsbasierten Altersvorsorgeverträgen (z. B. Riester) und zur Depotführung im Zusammenhang mit Fondsanlagen.

Alle Eingaben bearbeitet

Von den 77 Eingaben konnten alle bis Redaktionsschluss des Jahresberichts am 30.06.2023 bearbeitet werden. In 16 Fällen konnte die Ombudsstelle bereits im Dialog mit den Unternehmen befrieden und damit 20,8% der Streitigkeiten ohne einen Schlichtungsspruch bzw. -vorschlag einer Lösung zuführen. Die Unternehmen haben dabei den Verbraucherbegehren in zwölf Fällen vollständig entsprochen, in einem Fall konnten die Parteien eine Einigung erzielen und in drei Fällen konnte die Streitigkeit geklärt werden, indem Verbrauchern der streitgegenständliche Sachverhalt nachvollziehbar erläutert und ein aufgekommenes Missverständnis aus dem Weg geräumt wurde.

In 47 Fällen hat der Ombudsmann Schlichtungsvorschläge erlassen. Hiervon ergingen vier zugunsten der Verbraucher, die in allen Fällen zu einer Einigung führten. In den übrigen 43 Fällen erwiesen sich die Schlichtungsanträge als unbegründet. Gleichwohl hat ein Verbraucher den Schlichtungsvorschlag des Ombudsmanns zu seinen Lasten akzeptiert. Die Unternehmen haben die Schlichtungsvorschläge zu 100% akzeptiert.

Fazit

Im Ergebnis haben die Ombudsverfahren 2022 in 27,3% der Fälle zu einer einvernehmlichen Beilegung von Streitigkeiten geführt, soweit es um Eingaben ging, für die die Ombudsstelle zuständig war. Verbraucher hatten hierbei in 26% der Fälle Erfolg. Der Ombudsmann konnte ihrem Schlichtungsantrag ganz oder teilweise stattgeben oder das Unternehmen hat diesem bereits im Vorverfahren ganz oder teilweise entsprochen. Zudem haben sich 1,3% der Verbraucher trotz eines Schlichtungsvorschlags zu ihren Lasten mit dem Unternehmen geeinigt. 55,8% der Schlichtungsanträge waren unbegründet.

Weitere Informationen zum Jahresbericht der Ombudsstelle für Investmentfonds gibt es hier. (mki)

Bild: © Sebastian – stock.adobe.com

 

DJE: Renditen von Anleihen und Aktien aktuell ähnlich

Der Anleihenmarkt konnte sich im ersten Halbjahr 2023 auf breiter Front gut entwickeln, wie Tobias Geishauser von der Vermögensverwaltung DJE in einem Marktkommentar darlegt. Und der Trend soll sich so im zweiten Halbjahr fortsetzen.

Durch die Zinserhöhungen sind Anleihen als Anlagemöglichkeit wieder deutlich attraktiver geworden – und entsprechend entwickeln sich die festverzinslichen Wertpapiere auch. Sowohl Staats- und Unternehmensanleihen als auch Anleihen aus Schwellenländern konnten vor allem im ersten Quartal 2023 gut performen, erläutert Tobias Geishauser, Portfoliomanager Fixed Income und Co-Fondsmanager des DJE – Renten Global bei der DJE Kapital AG, die aktuelle Marktsituation.

Auf Index-Basis hätten demnach US-Corporate Bonds in US-Dollar denominiert und mit guter Bonität etwa 3% zugelegt, während europäische Unternehmensanleihen und Nachranganleihen von Finanzdienstleistern um jeweils gut 2% zulegen konnten. Im Hochzinsbereich, bei sogenannten High-Yield-Anleihen, konnten US-Bonds über 5% gewinnen, das europäische Pendant um etwa 4%. Aggregierte globale Indizes, die Staatsanleihen und Unternehmensanleihen in Euro zusammenfassen, legten ebenfalls über 2% an wert zu. Doch auch Emerging-Market-Bonds in US-Dollar standen mit knapp über 2% auf der Gewinnerseite.

Erholung trotz Bankenkrise

Zu Beginn des Jahres erwarteten die Marktteilnehmer am Bondmarkt für das zweite Halbjahr 2023 fallende Zinsen, doch die Notenbanken sind nachhaltig restriktiv geblieben, wodurch es ein repricing der Zinserwartungen für das zweite Halbjahr gab, so Geishauser. Inwiefern die Geldpolitik der Notenbanken erfolgreich zur Geldwertstabilität beitragen wird, bleibe jedoch abzuwarten.

Schwache Indizes, starke Schwellenländer-Währungen

Durch den Renditeanstieg im zweiten Quartal drehte der deutsche Rentenindex wieder leicht in die Verlustzone und auch die Performance von US-Treasuries verringerte sich auf etwa 1,5%. Positiv trägt dagegen die Einengung der Kredit-Risikoprämien zum Gesamtbild bei, so Geishauser. Seit Jahresbeginn sind die Prämien für Credit Default Swaps im Euroraum für Investmentgrade- und High-yield-Bonds rückläufig. Auch auf Basis von branchen-Indizes wurden durchweg positive Wertentwicklungen erzielt. Sogar der gebeulte Immobiliensektor legte 2023 um 2,3% zu. Bedingt durch den Renditeanstieg konnte sich jedoch kaum ein Fixed-Income-Index im zweiten Quartal positiv entwickeln.

Rezession: Inverse Zinskurve ist da, mehr aber auch nicht

Was bei der aktuellen Lage laut Geishauser auffällt, ist, dass die Zinsstrukturkurven für die USA und die meisten Märkte in Europa mit ihrer Inversität eine Rezession einpreisen, diese bei den rückläufigen Credit Spreads von Investment-Grade- und High-Yield-Anleihen jedoch nicht erkennbar ist. Auch die aktuellen tatsächlichen Ausfallraten bei amerikanischen Hochzinsanleihen notieren langfristig betrachtet auf niedrigem Niveau. Bei Unternehmenspapieren erzielen Investoren zwar nominal eine höhere Rendite, jedoch mehr aufgrund des allgemein gestiegenen Zinsniveaus und weniger aufgrund der Kreditrisikoprämien.

Wie geht es weiter?

Für das zweite Halbjahr findet Geishauser, dass Investoren positiv gestimmt sein können. Anleihen bieten mittlerweile eine „echte Konkurrenz“ zu anderen Asset-Klassen. Das Verhältnis zwischen der Gewinnrendite von Aktien anhand des reziproken Kurs-Gewinn-Verhältnisses und der Renditen von US-Staatsanleihen habe sich laut Geishauser seit langer Zeit wieder stark angenähert. Kurzum: Die Gewinnrenditen von Aktien ähneln aktuell denen der Anleihen.

Potenzielle Rezessionsszenarien könnten dazu führen, dass sich die Kredit-Risikoprämien ausweiten. Die Notenbanken könnten sich gezwungen fühlen, die restriktive Geldpolitik wieder zu lockern. Dies wiederum eröffne Chancen durch sinkende Renditen auf der Durationsseite. Anleger sollten daher das aktuelle Zeitfenster nutzen, um sich die attraktiven Nominalrenditen langfristig zu sichern. Diese betragen im breiten Durchschnitt für europäische Qualitätsanleihen um die 4%, für Hochzinsanleihen über 7%, für amerikanische Qualitätsanleihen über 5% und für Hochzinspapiere über 8%. In Asien sind derzeit sogar Renditen von über 12% im Hochzinsbereich zu erzielen. (mki)

Bild: © Funtap – stock.adobe.com

 

Donner & Reuschel und TBF gründen Denkfabrik

D&R Investor Services, der Investmentdienstleister der Privatbank Donner & Reuschel, und der Vermögensverwalter TBF, haben zusammen einen Think Tank ins Leben gerufen, der sich des Themas des aktiven Investierens annehmen will. Am 25.09.2023 findet die erste Veranstaltung dazu statt.

TBF und D&R Investor Services, eine Sparte der Privatbank Donner & Reuschel, haben zusammen den Think Tank Active Investing ins Leben gerufen. Die Denkfabrik soll in Diskussionsrunden ein Bewusstsein für komplexe Zusammenhänge schaffen, denen sich aktive Investoren stellen müssen, um künftig noch profitabel und umsichtig Kapital investieren zu können, so heißt es in einer Pressemitteilung der beiden Unternehmen.

Dabei soll der Think Tank Active Investing keine Debatte zwischen Aktiv und Passiv entfachen, sondern Denkanstöße bieten, warum aktives Investieren ein fester Bestandteil eines jeden Portfolios sein solle. Dirk Zabel, Geschäftsführer der TBF Sales & Marketing, findet, dass man mehr darüber nachdenken sollte, wie „unsere Investmentstrategien in jüngster Vergangenheit performt haben und wie der Manager künftige Marktgegebenheiten einschätzt. Eine Performance-Messung ist einfach kein Garant mehr für eine künftige Wertentwicklung. Da müssen wir im Asset-Management umdenken, so wie viele Sektoren eben auch.“

Erster Think Tank im September

Der erste Think Tank zum Thema Active Investing findet am 25.09.2023 online statt. Es werde laut der Unternehmensmitteilung um Aktieninvestments gehen. An der Diskussionsrunde, die von Leila Summa, Gründerin und Geschäftsführerin der Play to Change GmbH, moderiert wird, werden folgende Experten teilnehmen:

  • Jan F. Kallmorgen, Managing Partner und Gründer der Berlin Global Advisors GmbH sowie Buchautor
  • Christine Kirbach, CHRO, Elektrobit Automotive GmbH
  • Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Donner & Reuschel AG
  • Peter Dreide, CIO und Gründer von TBF
  • Dr. Sabine Hampel, Head of Portfoliomanagement Equities bei EB-SIM GmbH

Weitere Informationen zum Think Tank Active Investing gibt es hier. (mki)

Bild: © jirsak – stock.adobe.com

 

Sektoren-ETFs: Entwicklungen, Themen, Momentum vs. Marktportfolio?

Themen- oder Sektoren-ETFs bieten die Möglichkeit, gezielt in Trends und Entwicklungen zu investieren. Axel Riedel vom Vermögensverwalter State Street Global Advisors/SPDR ETFs gibt einen Einblick in die Vorteile der Anlage in einzelne Branchen.

<h5>Ein Artikel von Axel Riedel, Head of Financial Intermediaries bei State Street Global Advisors</h5><p>In der Investmentwelt ist Diversifikation schon lange ein bewährtes Konzept, um das Anlageportfolio vor potenziellen Risiken zu schützen und gleichzeitig Renditen zu maximieren. Als Anleger möchte man sein Geld klug und effizient einsetzen, um von den Chancen des Marktes zu profitieren. Kunden setzen daher in erster Linie auf breit gestreute ETFs, die z. B. den MSCI ACWI IMI oder den MSCI World nachbilden. In diesen Universen sind Unternehmen aller möglicher Industriesektoren enthalten.</p><p>Diese Sektoren profitieren in unterschiedlichem Maße von der technologischen und industriellen Weiterentwicklung. Um an dieser Entwicklung teilzuhaben, ermöglichen Sektoren-ETFs gezielte Investitionen in einzelne Sektoren wie Technologie, Gesundheitswesen, Konsumgüter, Energie und viele mehr.</p><h5>Renditeunterschiede am Beispiel des S&P 500</h5><p>Die Wertentwicklung des S&P 500 basiert zuletzt im Wesentlichen auf den „glorreichen Sieben“ Apple, Alphabet, Tesla, Amazon, Microsoft, Nvidia und Meta. Auf diese entfielen 9% der Wertentwicklung des Index in Höhe von 10%. Alle diese Titel sind dem Technologie-, Kommunikations- oder Konsumbereich zuzuordnen. Die Rendite des Technologiesektors belief sich bis Juni 2023 derweil auf 39%, wie Auswertungen von State Street Global Advisors und Bloomberg Finance L.P. zeigen. Energietitel, die das Jahr 2022 bestimmt haben, wiesen dagegen eine negative Wertentwicklung von –4% in diesem Jahr aus (s. Tabelle). Tatsache ist also, dass es bei den abgedeckten Branchen eindeutige Gewinner und Verlierer geben kann.</p><p>Folgerichtig zeigen diese unterschiedlichen Wertentwicklungen für globale, US-amerikanische und europäische Sektoren, dass durch eine Investition in bestimmte Sektoren oder eine Rotation zwischen diesen ein Mehrertrag gegenüber dem Marktindex als Summe der Sektoren möglich ist.</p><p class="zoombild" > <div class="zoomImage clearfix"><a href="https://www.asscompact.de/sites/asscompact.de/files/styles/zoom_large/p…; rel="prettyPhoto" title=""><img alt="Sektoren-ETFs: Entwicklungen, Themen, Momentum vs. Marktportfolio?" height="260" src="https://www.asscompact.de/sites/asscompact.de/files/styles/zoom/public/…; typeof="Image" width="200" /><img class="zoomIcon" src="/sites/asscompact.de/themes/asscompact/gfx/zoom_icon.png" width="54"></a></div></p><h5>Anlage in Sektoren bringt mehrere Vorteile</h5><p>Über die Nutzung von Sektoren bieten sich Anlegern diverse Vorteile. Zum einen können sie gezielt von Entwicklungen, Themen und dem Momentum in unterschiedlichen Industriesektoren profitieren oder sich innerhalb des Wirtschaftszyklus bewusst offensiv oder defensiv positionieren und dabei auf bestimmte Regionen abzielen.</p><p>Zum anderen können Anleger die unterschiedliche Wertentwicklung zwischen den Sektoren nutzen und in die aussichtsreichen Sektoren investieren oder diese übergewichten.</p><p>Ein weiterer Vorteil ist das Risikomanagement. Mit Sektoren-ETFs kann der Anleger bestehende Risiken aktiver Manager gegenüber der Benchmark reduzieren oder das Einzeltitelrisiko diversifizieren.</p><p>Für die Investition in Sektoren bieten sich gerade deshalb ETFs an, da sie die Titel des jeweiligen Sektors enthalten und so die Umsetzung der Anlageüberlegungen gezielt ermöglichen. Als börsengehandeltes Instrument verbinden sie die Vorteile eines fortlaufenden Börsenhandels mit denen eines OGAW-/UCITS regulierten Investmentvehikels.</p><p>Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 08/2023 und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/de/profiles/53e4066999da-asscompact/editio…; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © tadamichi – stock.adobe.com; Grafik: © State Street Global Advisors</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/B489DCE5-1FF9-494B-9E19-9830A31E3ECB"></div>

 
Ein Artikel von
Axel Riedel

Rekordstimmung am DAX: Kommt der Hochmut vor dem Fall?

Der Deutsche Aktienindex hat am vergangenen Montag einen Rekord aufgestellt – zum wiederholten Male. Die Euphorie an der Börse hält trotz mäßiger Konjunkturerwartungen an. Doch ist die Zukunft wirklich so rosig? Und woher kommt dieser Optimismus am Markt?

Dass die Wirtschaft weiter und weiter wächst, ist eine gerne getroffene Annahme. Und das Gefühl könnte man tatsächlich bekommen, wenn man die Entwicklung des Deutschen Aktienindex (DAX) in den letzten Monaten betrachtet. Am 28.07.2023 stellte er mit 16.490 Punkten einen neuen Rekord auf – eigentlich ein guter Zeitpunkt zum Durchschnaufen, oder? Zumal der Rekord davor auch nur gut sechs Wochen vorher aufgestellt wurde, nämlich am 16.06. mit 16.427 Punkten, und „normalerweise“ Rekorde etwas länger halten. Aber „normalerweise“ gilt an der Börse wohl aktuell nicht.

Denn direkt zum Monatsende, am vergangenen Montag, 31.07.2023, überwand der DAX gleich die nächste Hürde: 16.527 Punkte. Geschlossen hatte er an diesem Tag übrigens mit stolzen 16.446 Punkten. Aber manchmal kommt der Hochmut eben vor dem Fall, denn der gerne als magische Hürde herangezogene Wert von 16.000 ist am Donnerstag deutlich unterboten worden – Tiefststand am Donnerstag: 15.807 Punkte. Traditionell ist der Sommer nämlich keine so rosige Zeit für den DAX. Aber auch wenn es irgendwo doch nur Kaffeesatzleserei ist, bleibt doch immer die spannende Frage: Wie geht’s weiter? Und vor allem: Warum so viel Optimismus an der Börse, wenn in der Wirtschaft derzeit eher Pessimismus vorherrscht?

Das Sommerloch an der Börse

Bei der Betrachtung der Geschichte des DAX fällt auf, dass gerade August und September zu den schwächsten Monaten zählen. Lediglich 2013 wurde im 21. Jahrhundert in diesen beiden Monaten ein neuer, nachhaltiger Höchststand aufgestellt, nämlich im September 2013. Das letzte Rekordhoch im August liegt noch deutlich länger zurück, nämlich 1997 – abgesehen von den Rekorden in den ersten eineinhalb Jahren nach Etablierung des DAX, wo er nahezu monatlich einen neuen Höchststand erreicht hat.

Dann ist der Fall des DAX unter die 16.000 ja irgendwo passend – und das, wo der August nur wenige Tage alt ist. Einer der Gründe dafür dürfte in den USA zu finden sein. Denn die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit der USA herabgestuft, von der Spitzenbewertung „AAA“ auf „AA+“. Als Grund wurde zum einen die hohe Staatsverschuldung angegeben und auch die Verschlechterung der Haushaltslage, die in den kommenden drei Jahren im Land der Freiheit herrschen soll. Laut Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege beim Börsenmakler RoboMarkets, bräuchten heiß gelaufene Aktienmärkte, in denen die Investoren euphorisch oder geradezu sorglos anlegen, oft ein „Ventil, um etwas Druck aus dem Kessel zu lassen“. Dieses habe die Börse mit der Bonitätsherabstufung der USA gefunden.

Woher diese Euphorie?

Hohe Zinsen, Inflation, eine gefürchtete Rezession – und doch steigende Märkte. Eigentlich ein Widerspruch, sollte man meinen. Doch wie das Handelsblatt darlegt, gibt es mehrere plausible Gründe für die bislang so euphorische Stimmung am DAX. Einerseits habe die in den Augen vieler Wirtschaftsexperten bevorstehende Rezession auf die Börsenlage gar keinen so hohen Einfluss, denn der DAX spiegle mit seinen 40 Unternehmen nicht die deutsche, sondern die Weltwirtschaft wider. Die 40 gelisteten Unternehmen erzielten knapp drei Viertel ihrer Umsätze im Ausland – und da sind die Anteile vor allem in den USA stark gestiegen

Die steigenden Zinsen, die üblicherweise eher zum Nachteil der Börse sind, stören die Anleger laut Handelsblatt ebenfalls nicht, denn am Markt werde die Zukunft gehandelt, nicht die Gegenwart. Dadurch, dass die Inflationsraten langsam sinken, rechnen die Investoren damit, dass der Zinsgipfel bald erreicht sein könnte, wenn er dies nicht ohnehin schon ist.

Und: Öl und Gas sind mittlerweile wieder auf einem deutlich niedrigeren Preisniveau als vor dem Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar vergangenen Jahres. Dies treibe die Kurse, so das Handelsblatt, vieler Unternehmen, die auf Energie angewiesen sind, wieder in die Höhe. Und da viele davon auch im DAX angesiedelt sind, profitiert der Index auch hiervon.

Wie geht’s weiter?

Wird das Börsenjahr 2023 ein gutes? Manche Experten rechnen mit einer richtigen Korrektur, also mit einem Rückgang der DAX-Punkte von 10% oder mehr. Das würde dann einen Stand von unter 14.900 Punkten bedeuten. Doch ganz sicher weiß es eben niemand. Sicher ist nur (hoffentlich und zum Wohle der deutschen Wirtschaft): Der nächste Rekord kommt bestimmt. (mki)

Bild: © Mediaparts – stock.adobe.com

 

Diversity Project Europe: mehr Vielfalt in der Investmentbranche

In Großbritannien gibt es seit Jahren das Diversity Project, welches sich für mehr Vielfalt im Asset-Management einsetzt. Jetzt soll das Projekt auch in Deutschland an den Start gehen. Mehrere Vermögensverwalter beteiligen sich daran, darunter Franklin Templeton, AXA IM und T. Rowe Price.

<p>Das Diversity Project ist eine Vereinigung mehrerer Unternehmen zur Förderung einer diverseren, vielfältigeren und gerechteren Investmentbranche in Großbritannien. Unter dem Namen „Diversity Project Europe“ soll die Kampagne im Herbst auch in Deutschland an den Start gehen, wie der Asset-Manager Aegon AM im Auftrag des Diversity Projects mitteilt. Aegon AM ist selbst Gründungsmitglied des deutschen Ablegers.</p><h5>Diversity Project in Europa</h5><p>Mit dem Diversity Project Europe (DPE) soll der Weg für eine integrativere Vermögensverwaltungsbranche auf dem gesamten Kontinent geebnet werden. Es sei die erste grenzüberschreitende Initiative ihrer Art und wurde von Branchenveteran Ric van Weelden in Zusammenarbeit mit acht Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen: Aegon AM, AXA IM, Franklin Templeton, HSBC Global Asset Management, Nordea Asset Management, Pictet Asset Management, Quoniam Asset Management und T. Rowe Price.</p><p>Wie es in der Mitteilung von Aegon AM heißt, seien diese Vermögensverwalter gemeinsam der Meinung, dass es eine riesige Chance gebe, „das Ruder herumzureißen“ und eine Branche zu schaffen, die sowohl die Gesellschaft als Ganzes als auch ihre Kunden besser widerspiegelt. Obwohl die Datenlage spärlich sei, liege die Vermögensverwaltungsbranche in Bezug auf das Geschlechtergleichgewicht und die Anzahl der Angehörigen ethnischer Minderheiten in Entscheidungspositionen weit hinter anderen professionellen Dienstleistungssektoren zurück.</p><h5>Das ist geplant</h5><p>Aufbauend auf dem Erfolg des Diversity-Projekts in Großbritannien werde sich das DPE zunächst auf die wichtigsten europäischen Vermögensverwaltungsmärkte und drei Themen – Gleichstellung der Geschlechter, soziale Mobilität und integrative Kultur – konzentrieren und versuchen, den Wandel durch freiwillige Zusammenarbeit und Wissensaustausch zu fördern. Zu diesen drei Themen werde das DPE Arbeitsgruppen einrichten, welche aus Gruppen von freiwilligen Mitarbeitern, die an der Umsetzung der Ziele des DPE arbeiten.</p><p>Außerdem würden Forschungsarbeiten in Auftrag gegeben, um den aktuellen Stand der Dinge in Bezug auf Vielfalt und Integration in der europäischen Vermögensverwaltungsbranche zu verstehen. Ziel der Untersuchung sei es, die Herausforderungen und Chancen zu ermitteln, die Aufschluss darüber geben, worauf sich die DPE konzentrieren sollte.</p><h5>Bessere Repräsentation der Gesellschaft</h5><p>Im Vordergrund des DPE steht Repräsentation, wie Ric van Weelden, Vorsitzender des Beratenden Ausschusses des DPE, erläutert: „Um ihre Kunden besser bedienen zu können und wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich die Branche weiterentwickeln und ihren Talentpool erweitern. Dies wird nicht nur der Branche zugutekommen, sondern auch darüber hinaus Auswirkungen haben, indem eine Belegschaft aufgebaut wird, die die heutige vielfältige Gesellschaft besser repräsentiert.“</p><p>Bas NieuweWeme, Chief Executive bei Aegon AM, blickt ebenfalls mit Spannung auf das DPE: „Bei Aegon Asset Management setzen wir auf Vielfalt und Integration, da wir der Meinung sind, dass die Anerkennung, das Verständnis und die Wertschätzung der Unterschiede zwischen Individuen uns dabei helfen, eine Kultur zu schaffen, die unser Geschäft verbessert und sowohl unseren Mitarbeitern als auch unseren Kunden zugutekommt. […] Daher sind wir stolz darauf, Gründungsmitglied des Diversity Project Europe zu werden und bei der Schaffung einer wirklich vielfältigen und integrativen Branche in der europäischen Vermögensverwaltung eine Vorreiterrolle zu spielen.“ (mki)</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © N Felix/peopleimages.com – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/824325C0-A39F-41B1-8AD1-433D836BD8CC"></div>

 

Duell in der Zinswende: Aktien und Anleihen im Zweikampf

Die steigenden Zinsen und die hohe Inflation lassen Anleger zweimal nachdenken, wo das Investment landet. Zwei Klassiker bei der Geldanlage sind Aktien und Anleihen. Die Vermögensverwalter J.P. Morgan AM und PIMCO legen für AssCompact dar, was für die beiden Anlageklassen jeweils spricht.

Unsicheres Umfeld bietet Chancen bei festverzinslichen Wertpapieren
Ein Beitrag von Nicola Mai, Experte für Staatsanleihen bei PIMCO

Die Fiskalpolitik hat die Weltwirtschaft in den letzten Jahren massiv gestützt. Diese Phase neigt sich nun ihrem Ende zu und es scheint, als würde sie sich auf absehbare Zeit nicht wiederholen. Im Zuge der Pandemie ist die Inflation weltweit gestiegen, die durch die Zentralbanken bekämpft wird. Den Zentralbanken wird allmählich bewusst, dass unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen nicht nur Nachteile haben, sondern gleichzeitig auch gewisse Vorteile mit sich bringen. Allerdings lässt die steigende Staatsverschuldung den Spielraum für zukünftige unterstützende Eingriffe bei zukünftigen Krisen deutlich kleiner werden.

Zunehmende Volatilität

Der kleiner werdende Spielraum wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass den Märkten nun eine Phase wirtschaftlicher Unsicherheit und verstärkter Volatilität bevorsteht. Kleinere und größere Nachbeben inklusive. Wir sind der Ansicht, dass das Risiko eines wirtschaftlichen Abschwungs in den kommenden fünf Jahren zunimmt. Aus diesem Grund bleibt unsere Anlagestrategie unverändert. Wir konzentrieren uns auf Investments mit hoher Qualität und Liquidität, während wir in sensibleren Marktbereichen vorsichtig agieren.

Anleihen für unsichere Zeiten: Diversifizierung, Kapitalerhalt und Aufwärtspotenzial

Ein unsicheres Umfeld ist in der Regel gut für festverzinsliche Wertpapiere, vor allem, nachdem die umfassende Neubewertung des Marktes im vergangenen Jahr die aktuellen Zinsniveaus deutlich nach oben getrieben hat. Diese sind historisch gesehen ein aussagekräftiger Indikator für Renditen. Das Renditepotenzial hochwertiger Anleihen liegt jetzt in der Nähe der längerfristigen Durchschnittswerte für Aktienrenditen – bei gleichzeitig deutlich geringerer Volatilität und besserem Schutz vor Kursverlusten im Vergleich zu Aktien. Wir sind der Meinung, dass Anleihen ihre traditionellen Qualitäten der Diversifizierung und des Kapitalerhalts wieder stärker zur Geltung bringen werden. Bei einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage besteht das Potenzial für eine positive Kursentwicklung. Anleger können dadurch auch mit widerstandsfähigen und krisenresistenten Portfolios vom Aufwärtspotenzial profitieren.

Risiken bei Aktien

Wir sind der Ansicht, dass die Anleihenmärkte die zu erwartende Volatilität in einer Weise einpreisen, wie es die Aktienmärkte nicht tun. Unserer Ansicht nach sind die Gewinnerwartungen für Unternehmen für die zweite Jahreshälfte 2023 und 2024 immer noch zu optimistisch. Die Aktienbewertungen in allen von uns beobachteten Kennzahlen erscheinen uns zu hoch. Wir denken nicht, dass Aktien in der Lage sind, die Konsenserwartungen zu erfüllen. Derzeit sind Anleihen im Vergleich zu Aktien günstig und erscheinen aufgrund der aktuellen Phase des Wirtschaftszyklus attraktiv.

Fazit: Diversifizierung, Kapitalerhalt und Aufwärtspotenziale von Anleihen

Die Rahmenbedingungen und wirtschaftlichen Aussichten untermauern unsere These, dass Anleger bei Aktien vorsichtig sein sollten, nach Qualität Ausschau halten und die Vorteile der Diversifizierung, des Kapitalerhalts und der Aufwärtspotenziale von Anleihen nutzen sollten.

Ertragsgenerierung im Portfolio durch die Aktienseite
Ein Beitrag von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan AM

Eine solide Rallye globaler Aktien mit einem Plus von 6% im zweiten Quartal 2023 und ein noch beeindruckenderer Anstieg des Nasdaq um 14% im gleichen Zeitraum widerlegten die im März vorherrschende pessimistische Stimmung für Aktien. Die Märkte befürchteten im Frühjahr eine Ausweitung der Regionalbankkrise in den USA sowie deutlich strengere Kreditbedingungen. Dennoch konnten Aktien die Rentenpapiere hinter sich lassen. Auch wenn die Perspektiven für Anleihen in der Tat wieder sehr viel erfreulicher als in den vergangenen Jahren aussehen, sind wir davon überzeugt, dass der größte Part der Ertragsgenerierung für das Portfolio weiterhin von den Aktien kommen wird.

Rezessionsrisiko dämpft Sentiment

Es bleibt nach der aktuellen Rallye das Gefühl, dass Aktien entweder zu wenig korrigiert haben oder jüngst zu stark angestiegen sind, um heute einen Kauf zu rechtfertigen. So ist trotz größeren Aktienengagements von Euphorie keine Spur. Angesichts des erhöhten Rezessionsrisikos ist das anhaltend vorsichtige Sentiment nachvollziehbar.

Allerdings dürfte ein Teil des Gewinnabwertungszyklus nun hinter uns liegen. Die Prognosen für den weltweiten Gewinn pro Aktie für 2023 sind in den letzten zwölf Monaten um 10% von über 44 auf unter 40 US-Dollar gesunken. Dieser Rückgang entspricht in etwa den historischen Mustern für Gewinnrückgänge außerhalb einer Rezession.

Sollte es zu einer Rezession kommen, ist mit einem weiteren Gewinnrückgang zu rechnen. Wahrscheinlich würde ein Abschwung aber auch eine geldpolitische Reak­tion auslösen, die den Schaden begrenzen könnte. Darüber hinaus liegt das KGV von 17 für globale Aktien nahe dem langfristigen Durchschnitt, sodass die Auswirkungen negativer Gewinnrevisionen möglicherweise abgemildert werden.

In einem Konjunkturszenario mit einem unter dem Trend liegenden Wachstum und einer Abkühlung der Inflation könnten die Gewinnerwartungen und die Gewinne selbst wieder anziehen – wenn auch nur moderat. Aber die Anfänge eines Lageraufstockungszyklus, der Tiefpunkt mehrerer Zyklen, die mit den globalen Gewinnen zusammenfallen (z. B. der Halbleiterzyklus) und die robusten Unternehmens- und Verbraucherbilanzen lassen darauf schließen, dass die Gewinne im Laufe des Jahres für ein positives, wenn auch glanzloses Wachstum sorgen könnten.

Auf zukünftige Gewinn­steigerungen setzen

Auf aggregierter Ebene deutet dies auf ein Szenario der Aktienerträge im mittleren einstelligen Bereich hin – nicht genug, um Anleihen klar in die Schranken zu verweisen. Doch der Umstand, dass die Bewertungsschere zwischen Value-Aktien und Growth-Aktien wieder weit auseinander gegangen ist, bietet den Anlegerinnen und Anlegern innerhalb des Aktienmarktes eine zusätzliche Opportunität, von einer Konvergenz der Bewertungen zu profitieren.

Unter diesem Aspekt erscheint uns gerade eine Orientierung zu Dividendentiteln attraktiv. Die Ausschüttungsquoten haben in den meisten großen Regionen noch nicht wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht, weshalb die Unternehmen einen Spielraum haben, die Dividenden auch bei schwächeren Gewinnen zu halten.

Fazit: Aktio­näre partizipieren an Gewinnsteigerungen mit höheren Dividenden

Auch wenn im Vergleich zur Anleihenrendite die Dividendenrendite nicht mehr so attraktiv erscheint, gilt es nicht zu vergessen, dass Renten nicht umsonst festverzinsliche Papiere genannt werden, denn der Coupon und damit die jährlichen Zahlungen bleiben gleich. Aktio­näre hingegen partizipieren an den zukünftigen Gewinnsteigerungen mit höheren Dividenden und können damit auch der immer noch erhöhten Inflation trotzen.

Diese Beiträge lesen Sie auch in AssCompact 08/2023 und in unserem ePaper.

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Beiträge von
Nicola Mai
Tilmann Galler

Nachhaltige Fonds verbuchen weltweit Abflüsse

Im zweiten Quartalsbericht zu „Global Sustainable Fund Flows“ des Analysehauses Morningstar zeigt sich, dass es viele Kapitalabflüsse aus ESG-Fonds gab – und zwar weltweit. Verantwortlich dafür seien zum einen die schlechtere konjunkturelle Entwicklung, aber auch der politische Gegenwind in den USA.

Nachhaltigkeit und ESG sind immer wieder nachgefragte, aber auch diskutierte Aspekte bei der Geldanlage. Im zweiten Quartal 2023 hat das Analyseunternehmen Morningstar weltweit zahlreiche Abflüsse aus ESG-Fonds festgestellt, wie aus dem Quartalsbericht „Global Sustainable Fund Flows: Q2 2023 in Review“ hervorgeht.

Weniger Zuflüsse in ESG-Fonds in Q2 2023

Konkret zogen globale nachhaltige Fonds im zweiten Quartal netto 18 Mrd. US-Dollar an neuen Geldern an. Gegenüber dem ersten Quartal sei dies laut Morningstar ein deutlicher Rückgang. Da waren es 31 Mrd. US-Dollar. Auch die Performance der Strategien habe „geholpert“. „Der Rückgang spiegelt sich in einer geringeren vierteljährlichen organischen Wachstumsrate wider. Berechnet als Nettomittelzuflüsse im Verhältnis zum Gesamtvermögen zu Beginn eines Zeitraums sank die organische Wachstumsrate globaler nachhaltiger Fonds auf 0,7%, verglichen mit den angepassten 1,2% im Vorquartal“, so Morningstar.

Am meisten betroffen waren die USA mit Abflüssen von -0,6 Mrd. US-Dollar, Australien und Neuseeland (-1,7 Mrd. US-Dollar) sowie Japan (-1,9 Mrd. US-Dollar). Europäische nachhaltige Fonds konnten Zuflüsse von 20 Mrd. US-Dollar verbuchen. In Japan seien die Zahlen „besonders dramatisch“ gewesen mit sprunghaft angestiegenen Abflüssen im Vergleich zu den -961 Mio. US-Dollar im ersten Quartal. In den USA sei der anhaltende politische Gegenwind gegen ESG mitverantwortlich für die Entwicklung.

Globale Fonds mit Abflüssen

Den nachhaltigen Fonds sei es allerdings wohl besser ergangen als dem globalen Fondsuniversum, denn dieses habe im zweiten Quartal angesichts der anhaltend schwierigen makroökonomischen Bedingungen Abflüsse von über 37 Mrd. US-Dollar verzeichnet. Zum Vergleich: Im ersten Quartal verbuchte man hier 77 Mrd. US-Dollar an Zuflüssen.

Im zweiten Quartal hätten Investoren 635 Mio. US-Dollar aus nachhaltigen Fonds abgezogen. Gegenüber den Verlusten von über 5 Mrd. US-Dollar in den beiden vorangegangenen Quartalen sei dies eine leichte Abschwächung, dennoch stelle es das dritte Quartal in Folge mit Abflüssen dar. Anleger hätten insgesamt im vergangenen Jahr 11,4 Mrd. US-Dollar aus nachhaltigen Fonds abgezogen.

Produktentwicklung verlangsamt sich

Bei der Entwicklung von ESG-Produkten gibt es Morningstar zufolge außerdem eine Verlangsamung. Größtenteils sei diese durch die anhaltenden Auswirkungen der Richtlinie der Europäischen Union für nachhaltige Finanzen (SFDR) bedingt. Im zweiten Quartal hätte es fast 28% weniger Neuauflagen nachhaltiger Fonds in Europa gegeben. Die Produktentwicklung in den USA dagegen habe ihren Schwung fortgesetzt – trotz des politischen Gegenwinds.

Schätzungsweise 106 neue nachhaltige Fonds habe es laut Morningstar weltweit gegeben. Die Verlangsamung der Produktentwicklung seit Anfang 2022 setze sich somit fort. Im nächsten Bericht erwartet Morningstar allerdings eine Korrektur dieser Zahl nach oben. (mki)

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Neue Kryptowährung „Worldcoin“ soll die Welt verändern

Der ChatGPT-Entwickler Sam Altman hat eine neue Kryptowährung auf den Markt gebracht, die die Welt verändern soll und nun auch in Deutschland erworben werden kann. Dabei sollen Menschen auch ihre Iris scannen lassen. Die BaFin überprüft derzeit die neue Digitalwährung.

Sam Altman hat Großes vor: Zusammen mit dem deutschen Unternehmer Alex Blania hat der OpenAI-Gründer und Entwickler von ChatGPT am Montag, den 24.07.2023, eine neue Kryptowährung namens Worldcoin auf den Markt gebracht. Hinzu kommt eine Identifikationstechnik mit dem Namen World-ID, woraus sich ein extensives Kryptonetzwerk ergeben soll. Hinter Worldcoin steht Altmans und Blanias Unternehmen „Tools for Humanity“. Erklärtes Ziel: Mensch und Maschine gerade im Internet unterscheidbar machen – und die Möglichmachung eines universellen bedingungslosen Grundeinkommens.

„Moonshots“ werden derartig groß angelegte und ambitionierte Projekte genannt, von denen die meisten eher scheitern. Mit ChatGPT ist Altman allerdings ein solches bereits gelungen. Doch es gibt von mehreren Seiten Bedenken zu Worldcoin und World-ID. Auch die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin muss erst verifizieren, ob das Projekt allen Regulierungen gerecht wird.

Worldcoin auch in Deutschland erhältlich

Die Worldcoin ist nun seit gut einer Woche in Deutschland handelbar, u. a. auf der größten Kryptobörse der Welt, Binance. Nach Beginn des Handels war eine Worldcoin rund 3,30 US-Dollar wert, am Montag, 31.07.2023, liegt sie bei etwa 2,30 US-Dollar. Laut Handelsblatt sollen zehn Milliarden Worldcoin-Tokens ausgegeben werden. Nach 15 Jahren soll eine Inflation von bis zu 1,5% jährlich möglich sein. Für den Nutzer sind 75% davon angesetzt.

Identifikationstechnik World-ID

Nutzer von Worldcoin sollen diese über eine digitale Geldbörse verwalten können, die wiederum mit der World-ID verknüpft werden soll – sozusagen eine digitale Identität, mit der die Menschen langfristig beweisen können sollen, dass sie reale Personen sind. Auch das vielfach in der Tech-Industrie angestrebte bedingungslose Grundeinkommen wird als Ziel von Worldcoin angeführt.

Um die World-ID tatsächlich umzusetzen, gibt es einen Augenscanner, der zur Identifikation des Individuums die Iris des Nutzers scannt. Laut Worldcoin würde der Scanner, der auch „Orb“ genannt wird, die Daten rein anonymisiert und sicher verarbeiten. Entwickelt wurde der Orb in Berlin, am Tochtersitz von Tools for Humanity.

Kontroversen und Bedenken

Die Idee, die Augen von potenziell 8 Milliarden Menschen zu scannen, sorgt erwartungsgemäß vielerorts für Bedenken. Edward Snowden, der wohl bekannteste Whistleblower der Welt, sieht Worldcoin als gefährliches Unterfangen und warnt davor einen „Katalog von Augäpfeln zu erstellen, so das Handelsblatt. Der US-amerikanische Anwalt Adam Schwartz von der Electronic Frontier Foundation pocht darauf, die Unveränderbarkeit unserer biologischen Merkmale zu bedenken. Denn wenn Passwörter gestohlen werden, könne man sie ändern – Daten, die auf unseren Augen basieren, jedoch nicht.

Auch an den Methoden von Tools for Humanity selbst wird gezweifelt. Ethereum-Gründer Vitalik Buterin hat in einer Worldcoin-Analyse erläutert, dass man nicht sicher sein könne, ob der Orb nicht doch mehr Daten sammelt als angegeben. Außerdem gibt es einen Bericht der Zeitschrift „MIT Technology Review“, wonach Worldcoin die erste halbe Million Nutzer vor allem in Entwicklungsländern rekrutiert hätte – mit fragwürdigen Methoden wie Versprechen von Reichtum oder Anlockung durch Bargeld oder Geschenke.

BaFin schaltet sich ein

Laut Handelsblatt entschied sich Altman dagegen, Worldcoin schon in den Vereinigten Staaten anzubieten. Grund dafür sei, dass die US-Börsenaufsicht SEC stärker gegen Kryptoprojekte und Börsen vorgehe, wenn die bestehenden Wertpapiergesetze missachtet werden. In Deutschland unterliege Worldcoin, wie Alex Blania dem Handelsblatt im Interview verrät, der Zuständigkeit des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht. Dort gebe es laut Blania schon einen Austausch – die Aufsicht wisse davon jedoch nichts, so das Handelsblatt. Auf Nachfrage der Zeitung hieß es, dass es keine Abstimmung Worldcoin gegeben habe und eine datenschutzrechtliche Prüfung eingeleitet worden sei.

Und auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin ist mittlerweile aktiv. Auf Handelsblatt-Anfrage teilte eine Sprecherin mit, dass man die Aktivitäten von Worldcoin beobachtet. Laut Altman sei Worldcoin u. a. in Deutschland gestartet, weil es dort erlaubt sei. Eine Erlaubnis der BaFin habe das Unternehmen Tools for Humanity jedoch nicht, so die Sprecherin. Es müsse nun geprüft werden, ob eine Erlaubnis erforderlich sei oder nicht. Eine „Voranfrage“, mit der dies im Vorfeld hätte erledigt werden können, sei nicht gestellt worden. (mki)

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