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„Die Zahlen zeigen, dass man um Aktien nicht herumkommt“

Aktien haben es in Deutschland weiterhin schwer. Dabei sind sie gerade für die langfristige Geldanlage wie insbesondere für die Altersvorsorge längst unverzichtbar, meint DJE-Vorstand Thorsten Schrieber. Das würden nicht zuletzt die historischen Renditezahlen belegen.

Interview mit Thorsten Schrieber, Vorstand der DJE Kapital AG
Herr Schrieber, DJE setzt bei langfristigen Vermögensanlagen wie etwa für die Altersvorsorge traditionell stark auf Aktien. Ist Altersvorsorge ohne Aktien heute nicht mehr möglich?

Wir sehen doch alle, dass wir tagtäglich mit Nullzinsen oder gar Negativzinsen zu tun haben. Die Banken sprechen offiziell zwar von Verwahrentgelt. Das klingt toll. Das hört sich fast so an, als ob die Bank einem etwas Gutes tut. Faktisch sind das aber Negativzinsen. Das trifft auch uns. DJE hat in der eigenen Fondsgesellschaft Kundengelder in der Höhe von rund 6 Mrd. Euro. Wenn wir davon nur 5% als Cash halten, müssten wir dafür 50 Basispunkte Strafzinsen zahlen. Es trifft aber auch jeden Kleinsparer. Und gerade durch die Corona-Krise haben die Deutschen so viel gespart wie noch nie. Entsprechend trifft sie das Niedrigzins­trauertal mehr denn je zuvor.

Und Kapitalmarktinvestments im Allgemeinen und Aktien im Speziellen wären der Ausweg daraus?

Unser ältester Fonds, der FMM-Fonds, ist jetzt 34 Jahre alt. Er hat seit der Auflage eine Performance erzielt, die ein Vielfaches von dem ist, was ein Sparbuch in der gleichen Zeit gebracht hätte. Mittlerweile sind Sparbücher seit Jahren real sogar im Minus. Selbst der MSCI World hat es bei einer Durchschnittsrendite von 5,5% pro Jahr nur auf um die 400% gebracht. Das ist zwar weniger als bei guten aktiven Fonds. Die Zahlen zeigen aber, dass man um Aktien nicht herumkommt. Natürlich haben Aktien ein implizites Risiko. Zudem sollte man sich überlegen, auf welche Unternehmen und Branchen man setzt. Hypes wie Wirecard sind nicht unser Metier. Mit soliden Aktieninvestments sind aber langfristige Durchschnittsrenditen von 5 bis 8% pro Jahr möglich.

Der Staat versucht das unter anderem mit Rürup oder Riester zu fördern. Wie sinnvoll sind diese staatlich geförderten Konstruktionen?

Beides sind Konstruktionen, mit denen die Politik die Lösung des eigentlichen Problems verfehlt. Das Ziel sollte es sein, einen Kapitalstock aufzubauen – wie in Amerika mit dem Modell 401(k). Ein über 60-Jähriger hat dort im Schnitt 190.000 Dollar angesammelt. Das ist ein vernünftiger Kapitalstock, um viele Jahre entspannt über die Runden zu kommen. Riester und Rürup kamen irgendwann mal aus den VL-Leistungen. Während Riester durch den geforderten Beitragserhalt derzeit kaum Chancen bietet, schafft Rürup immerhin noch einen gewissen Ansporn für Menschen, die beispielsweise selbstständig oder etwas besserverdienend sind und teils nicht in die staatliche Rente einzahlen. Beide sind aber mit umfassenden und teils nicht einfachen Regularien versehen. Diese Komplexität ist typisch deutsch. Leider hat es der Bundesfinanzminister bislang verpasst, hier kundenorientierte Lösungen auf den Weg zu bringen. In Deutschland wird gerne bedauert oder angeprangert, dass die Reichen immer reicher werden. Es wird aber nichts getan, um den Kleinanleger und den Mittelstand an diesen Reichtum heranzuführen.

Wie ginge es besser?

Nehmen Sie wieder die USA und 401(k). Da können Sie investieren, in was Sie wollen. Die Anlagen sind bis zur Rente steuerbefreit. Erst beim Verzehr des aufgebauten Kapitalstocks müssen die Anlagen als Einkommen versteuert werden. Aber dann sind die Steuersätze in der Regel niedriger, da das Gesamteinkommen viel niedriger ist. Das ist ein ganz einfaches Konstrukt. Mehr braucht man eigentlich nicht. Die deutschen Förderprodukte lösen hingegen mitunter mehr Fragen aus als Antworten. Da muss man sich nicht wirklich wundern, wenn besagtes Sparbuch weiterhin boomt.

Das ist umso problematischer, als sich das Problem durch die Null- und Negativzinsen verstärkt hat. Gibt es denn irgendeine Hoffnung, dass wir dieses Niedrigzinstrauertal verlassen?

Ich glaube nicht, dass wir absehbar eine Umkehr in der Zinslandschaft erleben werden. Wir werden sicherlich ein paar Zinskorrekturen sehen, da auch wieder etwas Inflation aufkommt. Eine minimale Zins­erhöhung ist aber keine Zinswende. Die Zinsen werden im Keller bleiben. Die internationale Verschuldung ist so hoch, dass sich keiner mehr eine echte Zinswende leisten kann.

Gibt es bei Aktien auch Teilbereiche, die aus Sicht von DJE besonders spannend sind?

Ja, wir haben mit dem DJE Dividende & Substanz zum Beispiel auch einen etwas konservativeren Aktienfonds im Angebot. In ihm sind viele Titel, die zwischen 3 und 5% jährliche Dividenden ausschütten. In Krisenzeiten werden zwar auch Dividenden hin und wieder gekürzt, in der Breite sind sie aber noch nie ausgefallen, vor allem nicht, wenn man die Unternehmen aktiv selektiert. Bei diesen Titeln kommt die Kursperformance dann noch obendrauf. Beides macht etwa 50% der Gesamtrendite aus. Dividenden sind gerade in Kombination mit Substanzkriterien für Anleger interessant, die das Aktienrisiko reduzieren wollen.

Haben Versicherungslösungen in diesem Umfeld komplett ausgedient?

Nein, auch Versicherungsprodukte können ja auf Aktien setzen. Aber oftmals machen Versicherungskonstrukte die Produkte teurer und komplizierter. Wenn der Kunde Risiken hat, die er kompensieren muss, dann kann er das alternativ auch individuell tun – sei es über eine BU oder über eine Risikolebensversicherung. Dann sind Anlage und Versicherung klar getrennt. Sobald eine Versicherung im Produkt inkludiert ist, ist es für Anleger eher schwerer erkennbar, wo das Kosten- und wo das Ertragselement ist. Am Ende kommt es aber immer auf die individuellen Umstände an – und bevor man gar nichts macht, dann lieber in ein solches Produkt, das zumindest teilweise am Aktienmarkt partizipiert.

Wie wichtig ist eine professionelle Beratung, um die individuellen Umstände zu identifizieren?

Sehr wichtig. Es gibt Tausende gute Berater da draußen – und die wollen wir so gut es geht in ihrer Arbeit unterstützen. Aktuelles Beispiel: Mit unserer Fondsgipfel-Akademie bieten wir mit Acatis und Shareholder Value eine digitale und damit sehr flexible Online-Plattform für professionelle Weiterbildung an. Berater haben die Möglichkeit, im Rahmen verschiedener Themenblöcke ihr Wissen zu vertiefen. Klar, jeden einzelnen Berater bundesweit direkt und selbst zu betreuen ist sicher schwierig. Viele haben sich aber mittlerweile in der Poollandschaft organisiert. Das hilft uns, weil wir unsere Betreuung durch die Pools konzentrierter vornehmen können. Auch mit Pools arbeiten wir daher eng zusammen, zumal sie die Vermittler heute oft auch technisch und in anderen Finanzbereichen sinnvoll unterstützen.

Technologie ist auch bei DJE ein wichtiges Thema. Mit Solidvest ist DJE auch einer der Vorreiter der digitalen Vermögensverwaltungen in Deutschland. Wie läuft diese und ist Robo-Advisory auch für die Altersvorsorge relevant?

Solidvest entwickelt sich weiterhin sehr erfreulich. Der Finanzberater wird dabei im Übrigen nicht außen vor gelassen. Im Gegenteil. Wir haben sehr viele Finanzberater, die uns über Tippgeberverträge Kunden für Solidvest zuführen. Der Vermittler schaut so nicht in die Röhre, sondern kann als Tippgeber an den Vermögensverwaltungsvergütungen partizipieren. Diese Dienstleistung könnte er alleine gar nicht anbieten. Somit macht er sich auch anderweitig kein Geschäft kaputt.

Wie sieht der übliche Kunde von Solidvest aus?

Der Altersschwerpunkt unserer Kunden liegt bei bei 50 Jahren. Das Durchschnittsvermögen beträgt rund 70.000 Euro. Angesichts dieser Summen und des nicht ganz so jungen Alters dürfte ein guter Teil unserer Kunden Solidvest auch für die Altersvorsorge nutzen. Das ist ja auch kein Wunder. Wo kann ich mich denn sonst mit 100 Euro in regelmäßigen Sparraten an einer Vermögensverwaltung beteiligen, die direkt in ca. 30 Aktien und 20 Anleihen investieren kann? Solche Lösungen schaffen Anreize, in Aktien zu investieren und nicht in viel zu komplizierte und unflexible Förderungen.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 05/2021, Seite 48 f., und in unserem ePaper.

Bild: © Phongphan Supphakank – stock.adobe.com

 
Ein Interview mit
Thorsten Schrieber

Nachhaltige Multi-Asset-Portfolios erfordern keine Etragsabstriche

Nachhaltigkeit steht bei Anlegern hoch im Kurs. Zugleich wird befürchtet, dass sie die Erträge verringert. Dabei lassen sich mit diversifizierten Investments Ertrags- und Nachhaltigkeitsziele erreichen – meint Jakob Tanzmeister von der Multi-Asset Solutions Gruppe von J.P. Morgan AM.

Empirische Analysen zeigen, dass es möglich ist, ohne nennenswerte Ertragseinbußen den CO2-Fußabdruck zu verringern. Denn Unternehmen, die Nachhaltigkeit ernst nehmen, weisen üblicherweise eine höhere Qualität auf, was wiederum auch ihre Erträge nachhaltiger macht. Dabei ist ein aktiver Investmentansatz verbunden mit einem mittel- bis langfristigen Zeithorizont entscheidend, um die Vorteile des nachhaltigen Investierens realisieren zu können.

Andere Herausforderungen je nach Anlageklasse

Während sich nachhaltige Investments zunächst auf Aktien fokussierten, sind nun auch auch andere „grüne“ Anlageklassen bis hin zu Multi-Asset-Investments verfügbar. Dabei gilt es jedoch, einige Hürden zu überwinden. So sind beispielsweise Daten der Emittentenqualität in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance (ESG) nicht für alle Anlageklassen gleich gut verfügbar. Auch ist es ebenso sinnvoll wie herausfordernd, die Beurteilung wesentlicher Nachhaltigkeitsmerkmale anlageklassenübergreifend vergleichbar zu machen.

Anleiheninvestoren stehen vor dem Problem, dass die Sektoren mit den vermeintlich besten ESG-Ratings – nämlich Staatsanleihen – derzeit eine Rendite von nahe 0% aufweisen. Hochzinsanleihen bieten zwar weiterhin Ertragspotenzial, werden auf Indexebene aber als weniger nachhaltig angesehen. Andere Instrumente des festverzinslichen Spektrums wie etwa Verbriefungen werden von vielen ESG-Datenan­bietern erst gar nicht abgedeckt.

Nachhaltige Aktieninvestments wiederum erfordern aber umso größere Expertise in Regionen wie den Schwellenländern, wo weniger Daten verfügbar sind und vor allem die Governance-Thematik sorgfältig bewertet werden muss.

So gilt es, Nachhaltigkeit über mehrere Dimensionen hinweg zu bewerten. Dazu gehört eine detaillierte Bottom-up-Analyse, um nachhaltige ertragsgenerierende Wert­papiere identifizieren zu können. Es ist aber auch ein umfassender, anlageklassenübergreifender Nachhaltigkeitsbezugsrahmen erforderlich. Ziel ist es, ein nachhaltiges ertragsorientiertes Multi-Asset-Portfolio zu erstellen, ohne Ertragschancen außen vor zu lassen.

Nachhaltige Dividendenrendite ohne Einbußen

Für Aktionäre ist es nichts Neues, ESG-Aspekte zu berücksichtigen. Doch der Zusammenhang zwischen ESG-Faktoren und Dividendenrendite stand bisher weniger im Fokus. Unsere Analyse zeigt, dass ertragsorientierte Anleger, die Unternehmen mit hohen ESG-Scores wählen, keine Abstriche bei der Dividendenrendite machen müssen. Das gilt auch für das Dividendenwachstum. Es lässt sich vielmehr beobachten, dass die nominale Dividendenrendite und das Dividendenwachstum bei Unternehmen mit hohem ESG-Score am höchsten sind.

Ähnliches lässt sich beim CO2-­Fußabdruck beobachten: Umweltfreundlichere Unternehmen mit einem geringen CO2-Fußabdruck erzielen im Durchschnitt eine ähnlich hohe Dividendenrendite wie ihre Wettbewerber mit höheren CO2-Emissionen. Das stützt unsere These, dass Anleger, die regelmäßige Erträge anstreben, dieses Ziel mit nachhaltigen Investments verbinden und die Erträge aus nachhaltigen Quellen beziehen können.

In Schwellenländern ist die Bedeutung von Governance- und Nachhaltigkeitsaspekten bei der Bewertung von Dividendenaktien besonders hoch. Unsere Analyse zeigt, dass Anleger ein Portfolio mit einer höheren Dividendenrendite erstellen können, wenn sie in höherwertige und nachhaltigere Unternehmen im Vergleich zum breiten Index investieren.

Höhere risikobereinigte Anleiheerträge dank Nachhaltigkeit

Unser Research zeigt auch, dass ein ESG-Fokus die Risiko-Ertrag-­Eigenschaften von Anleihenport­folios verbessern kann. Wie bereits erläutert, ist das ESG-Datenangebot über das Fixed-Income-Universum hinweg uneinheitlich und für einige Segmente sehr begrenzt. Die Emittenten von Investment-Grade-Unternehmens- und Staatsanleihen sind in der Regel gut abgedeckt, aber zu Sub-Investment-Grade-Unternehmensanleihen oder Schwellenländeranleihen gibt es häufig nur wenige Daten. Darüber hinaus werden große Segmente des Anleihenmarktes wie Verbriefungen von Anbietern wie MSCI überhaupt nicht abgedeckt. Das verdeutlicht, dass es für Multi-Asset-Anbieter essenziell ist, eigenes fundamentales Nachhaltigkeitsresearch durchzuführen, um Anlegern den Zugang zum gesamten Anleihenuniversum zu ermöglichen.

Die Sorge der Anleger, dass mehr Nachhaltigkeit zwangsläufig zulasten der Renditen und Erträge geht, können unsere Analysen erneut widerlegen. Auch wenn die Indexkennzahlen den Eindruck erwecken können, manche Fixed-Income-Märkte böten nachhaltigen Anlegern nur weniger attraktive Anlagemöglichkeiten. Die breite Streuung der Daten auf Einzeltitel­ebene deutet aber auch darauf hin, dass ein aktiver Ansatz wichtig ist, um Investments zu finden, die im Hinblick auf Rendite und Nach­haltigkeit attraktiv sind.

So lässt sich wie bei Aktien auch bei Anleihen argumentieren, dass strengere ESG-Ansätze zur Auswahl qualitativ höherwertiger Unternehmen führen. Damit leisten ESG-Faktoren einen wertvollen zusätzlichen Beitrag bei der Wertpapierauswahl – und zwar für alle Anleger, nicht nur für diejenigen mit Nachhaltigkeitsfokus. Besonders spannend ist die Beobachtung, dass die Berücksichtung von ESG-Faktoren bei fallenden Märkten für Zusatzerträge sorgt. Die Analyse vergleicht die Anleihenindizes mit ESG-orientierten Portfolios. Die Ergebnisse des Backtests zeigen, dass eine ESG-­Fokussierung vor allem in Fixed-­Income-Sektoren wie High Yield oder Schwellenländern zu einer Verbesserung des Zusatzertrags, des Risiko-Ertrag-Verhältnisses und des Drawdowns führen kann.

Verbindung der Ziele Ertrag und Nachhaltigkeit ist möglich

Unsere empirische Analyse zeigt also eindrucksvoll, dass ertragsorientierte Anleger attraktive Erträge aus einer Reihe nachhaltiger Quellen erzielen können. Die Fokussierung auf Nachhaltigkeit führt tatsächlich zu qualitativ höherwertigen Portfolios mit stabileren Erträgen. Das ist insofern nachvollziehbar, weil nachhaltigere Unternehmen einerseits dazu tendieren, langfristig zu denken. Andererseits sind Unternehmensaktivitäten, die Sorge für die Umwelt und die Gesellschaft tragen, auf lange Sicht auch häufig wirtschaftlich sinnvoll. Ein aktiver Investmentansatz ist dabei der Schlüssel für nachhaltige Investitionen in die gesamte Kapitalstruktur. Auch gilt es, Nachhaltigkeit ganzheitlich zu bewerten. Nicht zuletzt ist eine mittel- bis langfristige Sichtweise von entscheidender Bedeutung, da manche Risiken erst über Jahre hinweg zu beobachten sind. So lässt sich anhand realer Markt­daten zeigen, dass das Erreichen der beiden Ziele Ertrag und Nachhaltigkeit mit einem aktiven Multi-­Asset-Ansatz möglich ist.

Das Interview lesen Sie auch in AssCompact 05/2021, Seite 64 f., und in unserem ePaper.

© Elnur – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Jakob Tanzmeister

Rekord: Trade Republic ist das teuerste Start-up Deutschlands

Neobroker boomen. In Deutschland steht dafür vor allem ein Name: Trade Republic. Das Berliner FinTech hat nun eine Kapitalrunde abgeschlossen, die alles Bisherige in Deutschland in den Schatten stellt. Mit einer Firmenbewertung von 4,3 Mrd. Euro ist Trade Republic das mit Abstand teuerste Start-up des Landes.

5,3 Mrd. US-Dollar bzw. 4,3 Mrd. Euro – das ist die stolze Neubewertung des Berliner FinTechs Trade Republic. Die Summe ist deutlich höher als Analysten im Vorfeld der jüngsten Kapitalrunde erwartet hatten. Sie waren von einem Wert von 1,5 Mrd. Euro ausgegangen. Mit der neuen Bewertung ist Trade Republic das teuerste Start-up Deutschlands. Selbst in Europa schafft das Berliner FinTech es damit unter die Top Ten.

Kapitalrunde im Volumen von 900 Mio. US-Dollar

Die jetzige Bewertung geht auf eine neue Kapitalrunde von Trade Republic zurück. Die Rekordfinanzierungsrunde hatte ein Volumen 900 Mio. US-Dollar eingeholt. Zum Vergleich: Ende des vergangenen Jahres wurde die Gesamtbewertung noch mit 730 Mio. US-Dollar beziffert. Die Rekordfinanzierung von Trade Republic ist der vorläufige Höhepunkt des Hypes um europäische FinTechs. Von den zehn teuersten Start-ups in Europa kommen aktuell sechs aus dem Finanzsektor. Klarer Spitzenreiter ist der schwedische Bezahldienstleister Klarna, der bei der bisher letzten Kapitalrunde mit 31 Mrd. Dollar bewertet wurde.

Namhafte Venture-Capital-Firmen beteiligt

Die Kapitalrunde von Trade Republic wurde angeführt vom Venture-Capital-Riesen Sequoia. Neben dem US-Investor haben sich auch Thrive und TCV neu beteiligt. Doch auch die bestehenden Investoren wie Accel, Peter Thiels Founder Fund sowie Creandum und Project A nahmen an der neuen Finanzierungsrunde teil. Nur Sino verkaufte Anteile im Wert von rund 150 Mio. US-Dollar. Unter dem Strich flossen somit 750 Mio. US-Dollar in die Kassen des Neobrokers, der damit seinen rasanten Wachstumskurs fortsetzen wird. Seit dem Start der Broking-App vor rund zwei Jahren hat der Neobroker über eine Million Kunden für sich gewonnen. Noch im April 2020 waren es erst 150.000 Kunden. (mh)

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Deutsche Fondsbranche feiert besten Jahresstart seit 2015

Investmentfonds sammelten deutschlandweit im ersten Quartal 60 Mrd. Euro ein. Das waren die größten Zuflüsse in einem Auftaktquartal seit 2015. Seit 2018 ist das von ihnen insgesamt verwaltete Vermögen damit zudem um 1 Bio. Euro gestiegen.

Den Fondsgesellschaften flossen in Deutschland im ersten Quartal 2021 netto 59,9 Mrd. Euro neue Mittel zu. Das ist das beste Neugeschäft von Anfang Januar bis Ende März seit sechs Jahren. Im Startquartal 2015 erzielten sie 73,2 Mrd. Euro. Die Zuflüsse entfallen 2021 in etwa zu gleichen Teilen auf offene Spezialfonds und Publikumsfonds mit 31,2 bzw. 29,4 Mrd. Euro. Geschlossene Fonds verzeichneten 1,6 Mrd. Euro. Aus Mandaten zogen Anleger netto 2,4 Mrd. Euro ab.

Aktienfonds als Absatztreiber

Offene Publikumsfonds erzielte sogar ihr zweitbestes Neugeschäft in einem Quartal überhaupt. Die Höchstmarke von 32,9 Mrd. Euro datiert auf das erste Quartal 2000 und wurde nur knapp verfehlt. Der Absatztreiber 2021 waren Aktienfonds. Angesichts der Kurssteigerungen an den Börsen haben Anleger netto 22,8 Mrd. Euro in diese Fonds investiert. Zuletzt erzielten Aktienfonds so hohe Zuflüsse zum Jahresauftakt 2000, als ihnen 25 Mrd. Euro zugeflossen waren. Mischfonds folgen auf der Absatzliste 2021 mit 5,9 Mrd. Euro. Immobilienfonds erzielten Zuflüsse von 2,2 Mrd. Euro.

Boom nachhaltiger Fonds

Vom Neugeschäft der offenen Publikumsfonds entfallen 41% auf nachhaltige Produkte. Ihnen flossen im ersten Quartal 12,2 Mrd. Euro zu. Die Fondsbranche verwaltete Ende März 2021 in nachhaltigen Publikums- und Spezialfonds insgesamt 254 Mrd. Euro. Der Zuwachs um 107 Mrd. Euro gegenüber dem Jahresende 2020 erklärt sich dem BVI zufolge unter anderem durch die seit dem 10.03.2021 gültige EU-Offenlegungsverordnung zur Einordnung nachhaltiger Fonds. So stieg allein im März das Vermögen nachhaltiger Fonds in der BVI-Statistik um knapp 100 Mrd. Euro.

Marke von 4 Bio. Euro im Visier

Insgesamt verwaltete die Fondsbranche Ende März 2021 ein Vermögen von 3,95 Bio. Euro. Drei Jahre zuvor waren es 2,99 Bio. Euro. Zu dem Anstieg von rund 1 Bio. Euro haben insbesondere offene Spezialfonds beigetragen. Das von ihnen verwaltete Vermögen institutioneller Anleger ist um 424 Mrd. Euro auf nunmehr 2,02 Bio. Euro gestiegen. Bei den offenen Publikumsfonds betrug der Zuwachs 271 Mrd. Euro auf nun 1,28 Bio. Euro, bei den Mandaten 250 auf 620 Mrd. Euro und bei geschlossenen 21 auf 31 Mrd. Euro. (mh)

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Globale ETF-Zuflüsse knacken die Schwelle von 100 Mrd. Euro

ETFs bleiben ein Verkaufsschlager. Das zeigt ein aktueller Marktreport von Amundi. In ETFs flossen demnach allein im April über 100 Mrd. Euro. Aktienprodukte waren dabei deutlich beliebter als ihre Anleihependants.

Im April lagen die globale ETF-Zuflüsse laut einem Marktbericht von Amundi bei 104 Mrd. Euro. Dabei bleibt die Nachfrage nach den passiven Investments ungebrochen hoch. Aktien waren mit Zuflüssen von 65 Mrd. Euro deutlich beliebter als Anleihen, auf die Zuflüsse in Höhe von 39 Mrd. Euro entfielen. Im Vergleich zum März, als die Mittelzuflüsse in Aktien- und Anleihe-ETFs 108,8 und und 20,2 Mrd. Euro betrugen, hat sich die Anlage- und Risikobereitschaft der Anleger aber etwas abgeschwächt.

Europa besonders stark im Plus

Europäischen Aktien-ETFs flossen im April 9,4 Mrd. Euro an Neugeldern zu. Das war nur etwa halb so viel wie im März. Anleger switchen weiterhin in ESG-Produkte. Globale Indizes erfreuten sich weiterhin großer Beliebtheit (+5,5 Mrd. Euro), während Anleger Gelder aus Asien, den BRIC-Staaten, Lateinamerika und den globalen Schwellenländern 960 Mio. Euro abzogen. Jedoch gab es eine kleine positive Allokation in ETFs auf chinesische Aktien in Höhe von 132 Mio. Euro.

Weitere gefragte Themen

Sektor-, Themen- und Smart-Beta-Strategien flossen im April insgesamt 5,0 Mrd. Euro zu, wobei Value-Strategien und die Finanzbranche 929 bzw. 669 Mio. Euro einsammelten. Dies spiegelt Amundi zufolge den Optimismus der Anleger hinsichtlich einer schnellen wirtschaftlichen Erholung nach der Pandemie wider. Nachhaltige Aktien-ETFs kamen auf Zuflüsse von 4,4 Mrd. Euro. Infolge einer weiter lockeren Zentralbankpolitik und sich verbessernder Fundamentaldaten legten ETFs auf Unternehmensanleihen aus der Eurozone um 1,4 Mrd. Euro zu, wobei ein Drittel in ESG-Produkte floss. (mh)

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Vermögen deutscher Fonds wächst erneut kräftig

Das in deutschen Fonds verwahrte Vermögen ist 2020 erneut stark gestiegen. Insgesamt verwahrten die Depotbanken dem Fondsverband BVI zufolge fast 7% mehr als ein Jahr zuvor. Bei den Marktanteilen gibt es weiter einen klaren Marktführer.

Das von Depotbanken verwahrte Vermögen deutscher Fonds ist im Jahr 2020 um 6,6% gestiegen. Insgesamt betreuten die 35 Verwahrstellen in Deutschland zum Jahresende 2020 ein Vermögen von 2.565 Mrd. Euro. Ein Jahr zuvor waren es 2.406 Mrd. Euro. Die Verwahrstellenstatistik umfasst Angaben zu in Deutschland aufgelegten offenen Wertpapierfonds und Immobilienfonds sowie geschlossenen Investmentfonds gemäß Kapitalanlagegesetzbuch, unabhängig von einer Mitgliedschaft im deutschen Fondsverband BVI. Die Statistik erstellt der BVI in Zusammenarbeit mit dem Praxisforum Depotbanken.

Marktführer baut Spitzenposition aus

Klarer Marktführer der Depotbanken bleibt BNP Paribas mit einem verwahrten Vermögen von 687 Mrd. Euro. Der Spitzenreiter steigerte des verwahrte Vermögen in Deutschland aufgelegter Fonds innerhalb eines Jahres um 44,4 Mrd. Euro. Zweitgrößte Depotbank des Landes ist die State Street Bank. Mit 328 Mrd. Euro verwahrt sie aber bereits nicht einmal halb so viele Gelder wie der Marktführer. Drittgrößte Depotbank war 2020 HSBC Trinkaus & Burkhardt, wo Ende vergangenen Jahres 288 Mrd. Euro verwahrt wurden.

Offene Wertpapierfonds dominieren

31 Verwahrstellen sind im Geschäft mit offenen Wertpapierfonds mit einem Vermögen von 2.281 Mrd. Euro tätig, 11 mit offenen Immobilienfonds mit einem Vermögen von 251 Mrd. Euro. Im Segment der geschlossenen Investmentfonds, die nach den Vorschriften des Kapitalanlagegesetzbuchs aufgelegt sind, betreuen 13 Verwahrstellen ein Netto-Vermögen von 33 Mrd. Euro. (mh)

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Megatrend NFT: Übertriebener Hype oder Revolution?

Digitale Assets bieten auch fernab von Kryptowährungen wie Bitcoin neue Möglichkeiten. Eines der Zauberworte lautet NFT. Was sich dahinter verbirgt und ob NFTs nur ein kurzer Hype sind oder das Potenzial zur Anlagerevolution haben, erläutern Dr. Markus Kaulartz und Dr. Alexander Schmid von CMS Deutschland.

Interview mit Dr. Markus Kaulartz (Counsel) und Dr. Alexander Schmid (Associate), Rechtsanwälte bei der internationalen Wirtschaftskanzlei CMS Deutschland.
Herr Dr. Kaulartz, Non-fungible Token, kurz NFTs, sind einer der Investmenttrends des Jahres. Wie funktionieren diese?

Dr. Markus Kaulartz: NFT basieren auf der Blockchain-Technologie und ordnen dem jeweiligen Inhaber entweder einen virtuellen oder physischen Vermögenswert zu. Die Blockchain gibt es schon seit mehr als einem Jahrzehnt und sie ist insbesondere von der Kryptowährung Bitcoin bekannt. Anstelle einer zentralen Speicherung in Rechenzentren erlaubt die Blockchain-Technologie eine dezentralisierte Speicherung durch zigtausende Teilnehmer. Dies ermöglicht nicht nur einen besonders hohen Grad an Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit, sondern auch an Manipulationssicherheit der in der Blockchain gespeicherten Informationen.

Warum ist die Blockchain so wichtig?

Dr. Alexander Schmid: Da die Blockchain nichts anderes als eine dezentralisierte Datenablage ist, können dort grundsätzlich beliebige Informationen gespeichert werden. Eine solche Information kann auch sein, dass der Inhaber der Information einen bestimmten Vermögenswert besitzt. Solche Informationen, die einen Vermögenswert verkörpern, werden Token genannt. Dies können Bitcoins oder andere digitale Währungen sein. Dies können aber auch ganz andere Assets sein, beispielsweise aus der „realen Welt“. So kann in der Blockchain hinterlegt werden, dass der jeweilige Inhaber des Tokens Eigentümer einer bestimmten Sache oder eines bestimmten Rechts ist. Durch sogenannte Smart Contracts kann vereinbart werden, dass der Übergang eines Tokens von Teilnehmer A zu Teilnehmer B mit dem Übergang des im Token verkörperten Vermögenswerts einhergeht.

Worin liegt der Unterschied von NFTs zu anderen Token wie Bitcoin?

MK: Auf diesem Prinzip basieren letztendlich auch non-fungible Token als besondere Art von Token, die im Unterschied zu „fungible Token“ – beispielsweise Bitcoins – gerade nicht in beliebiger oder jedenfalls großer Anzahl existieren, sondern einmalig sind. NFTs sind also nicht durch identische NFTs frei austauschbar.

Welche Chancen bieten NFTs?

AS: Durch NFTs wird im digitalen Raum das bislang Unmögliche möglich gemacht: die Schaffung eines „digitalen Originals“, das einmalig ist und eindeutig dem jeweiligen Inhaber zugeordnet werden kann. Die Chancen, die hierdurch entstehen, sind insbesondere in der digitalen Kunst- und Musikwelt greifbar: Während es in der „realen Welt“ von einem Werk stets ein eindeutiges Original gibt, wie zum Beispiel das Gemälde, das der Künstler mit eigenen Händen erschaffen hat, gab es in der digitalen Welt bislang kein Pendant im Sinne eines „digitalen Originals“. Jede Kopie einer JPG-Datei ist identisch zur Vorlage. Musik lässt sich beliebig als MP3-Datei verbreiten.

Dies führte bislang nicht nur zu Problemen hinsichtlich des Nachweises der Urheberinhaberschaft an ausschließlich digital erstellten Werken, sondern führte letztendlich zu umfangreicher Piraterie aufgrund der uneingeschränkten Reproduzierbarkeit von digitalen Werken. Ein Problem, das durch sogenannte Digital Rights Management schon seit mehreren Jahrzehnten versucht wird, in den Griff zu bekommen.

MK: Das Fehlen eines „digitalen Originals“ nimmt dem Urheber eines digital erschaffenen Werks zudem eine wichtige Quelle zur Monetarisierung: Während bei einem physischen Kunstwerk einerseits die urheberrechtlichen Verwertungsrechte abgetreten und verkauft werden können und andererseits das Eigentum am physischen Kunstwerk selbst, beschränkt sich die Monetarisierbarkeit digitaler Kunst mangels Existenz eines digitalen Originals, das verkauft werde könnte, bislang nur auf die Abtretung von Urheberrechten. Hier kann durch NFTs insofern eine Lücke geschlossen werden. Zudem erlauben NFTs, dass der Urheber an jedem Weiterverkauf des Werks von dessen Wertsteigerung profitiert.

Eröffnen NFTs auch außerhalb der Kunst- und Kreativwelt neue Möglichkeiten?

MK: Ja, auch außerhalb der Kunst- und Kreativwelt eröffnen sich durch NFTs völlig neue Möglichkeiten, wenn man sich vor Augen hält, dass sich physische Gegenstände „tokenisieren“ lassen. Grundsätzlich kann jeder Vermögenswert, also jeder Gegenstand und jedes Recht, als Token auf der Blockchain dargestellt werden. Durch sogenannte Fraktionalisierung können aus einem Vermögenswert hunderte oder tausende Token erzeugt und einzeln handelbar gemacht werden. Dies dürfte zukünftig (Privat-)Investoren freuen, wenn diese in bislang unbezahlbare Vermögensanlagen wie Ölgemälde, Oldtimer, Golduhren oder eine Berkshire-Hathaway-Class-A-Aktie investieren können, indem diese einen bruchteilhaften Token an dem Gesamtgegenstand oder -recht erwerben.

Wie könnte die Entwicklung weitergehen?

AS: Der Fantasie, in welche Richtung sich dies noch entwickeln kann und wird, sind grundsätzlich keine Grenzen gesetzt. Wie wäre es mit einem Anteil an einem Einkaufszentrum zur Diversifizierung des Portfolios? Auch die Tokenisierung von Immobilien ist generell denkbar, wenngleich hierbei die Pflichtvorgaben der Grundbuchordnung, also etwa die Pflicht zur notariellen Beurkundung und Eintragung der Eigentümer in das Grundbuch, entweder durch Holding-Strukturen gelöst werden oder aber schlichtweg der Gesetzgeber erst die Bahn für derart innovative Investitionsmöglichkeiten freimachen müsste. Die Vorteile gegenüber herkömmlichen Investitionsmöglichkeiten in Immobilien lägen jedenfalls auf der Hand, nämlich die hohe Liquidität der grundsätzlich frei handelbaren Token, beispielsweise im Gegensatz zum „echten“ Immobilieneigentum oder zu geschlossenen Immobilienfonds auf der einen Seite, und die direkte Investition in Immobilieneigentum beispielsweise im Gegensatz zu REITs auf der anderen Seite.

Was sind die Risiken von NFTs?

MK: Der Handel mit NFTs ist durch Marktplätze wie OpenSea auch für Privatpersonen einfach zugänglich: Heute kann sich jeder eine Krypto-Wallet anlegen und mit dem Kauf von NFTs beginnen. Die rechtliche Komponente ist bislang kaum erforscht und wird beim Kauf von NFTs nur unzureichend vertraglich geregelt. Fragen wie, welche Rechte mit dem Kauf von NFTs eigentlich erworben werden, ob der Kauf von NFTs auch zu Verpflichtungen führen kann, ob beim Handel mit NFTs nicht finanzrechtliche Erlaubnis- und Prospektpflichten zu beachten sind und wie man sich eigentlich davor schützen kann, wenn ein identischer NFT beispielsweise auf einer anderen Blockchain nochmals verkauft wird, werden bislang eher stiefmütterlich behandelt. Es ist daher elementar und liegt auf der Hand, dass diese Rechtsfragen vor jedem Kauf eines NFTs geklärt und per Smart Contracts entsprechende vertragliche Regelungen hinterlegt werden müssen.

Sind NFTs eine Alternative zu bereits etablierteren Token?

AS: Bislang gab es auf der Blockchain hauptsächlich fungible Token, also Token die frei austauschbar sind, da gleiche Token in identischer Form in beliebiger oder jedenfalls großer Anzahl existieren. Prominentestes Beispiel von fungible Token sind Bitcoins oder in der „realen Welt“ Währungen wie der Euro. Non-fungible Token ersetzen die fungible Token nicht, sondern ermöglichen nur ein weiteres Anwendungsgebiet von Blockchains, nämlich die Erschaffung von digitalen Originalen und die eindeutige Zuordnung von bestimmten Assets zu deren Inhabern.

Sind Sie wirklich mehr als eine Spielerei für Nerds?

MK: NFTs werden die Zukunft von Asset-Klassen mitgestalten, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kryptowelt. Die Möglichkeiten, die NFTs bieten, lassen sich heute nur erahnen und die hier genannten Beispiele stellen letztendlich nur das dar, was heute schon gemacht wird oder was auf der Hand liegt. Die denkbaren Einsatzmöglichkeiten gehen aber weit über Urhebernachweise oder den digitalen Handel mit Assets hinaus. Auch Identitätsnachweise wie Personalausweise oder digitale Impfpässe würden sich beispielsweise manipulationssicher per NFT realisieren lassen.

Bild: © sdecoret – stock.adobe.com

 
Ein Interview mit
Dr. Markus Kaulartz
Dr. Alexander Schmid

Jupiter lanciert globalen Aktienfonds

Der Investmentmanager Jupiter Asset Management hat einen neuen Aktienfonds aufgelegt. Der Jupiter NZS Global Equity Growth Unconstrained Fund SICAV ist das Ergebnis einer strategischen Kooperation mit dem US-Partner NZS Capital.

Jupiter AM legt gemeinsam mit seinem strategischen US-Partner NZS Capital den Jupiter NZS Global Equity Growth Unconstrained Fund SICAV auf. Bei dem Fonds handelt es sich um ein globales Aktienportfolio von 50 bis 70 Titeln. Es konzentriert sich auf Unternehmen, die sich in einer komplexen, von Disruption geprägten Welt anpassen und weiterentwickeln können.

Anpassungsfähige und innovative Unternehmen

Der Fonds investiert in Aktien von Unternehmen, die den Wert von Nicht-Nullsummen (Non-Zero-Sum oder NZS) bzw. Win-Win-Ergebnissen zum Nutzen aller Stakeholder – einschließlich Kunden, Mitarbeitern, der Gesellschaft und der Umwelt – maximieren. Verwaltet wird der Fonds von Brad Slingerlend und Brinton Johns, Portfoliomanager bei NZS Capital. Basierend auf der Wissenschaft komplexer adaptiver Systeme setzt die NZS-Anlagephilosophie auf anpassungsfähige und innovative Unternehmen, die gut aufgestellt sind, um den immer schnelleren Wandel von einer analogen zu einer digitalen Weltwirtschaft erfolgreich zu meistern.

Gewichtungen passen sich dem Wandel der Zeit an

Während derzeit vor allem der Technologiesektor die Innovation vorantreibt, wird laut Jupiter AM die Welle der Disruption in den kommenden Jahren jeden Sektor der Wirtschaft erfassen – einschließlich des Industrie-, Konsumgüter-, Finanz-, Energie- und Gesundheitssektors. Die Gewichtungen innerhalb des Portfolios werden daher im Laufe der Zeit angepasst, um diese sich ändernde Dynamik widerzuspiegeln.

Zweigeteilte Portfoliostruktur

Der Kern der NZS-Philosophie des „Complexity Investing“ ist die Konstruktion eines Portfolios, das ein Gleichgewicht zwischen Unternehmen mit zwei Merkmalen schafft: Resilienz und Optionalität. Resilient sind in diesem Kontext solche Unternehmen, die in der Lage sind, sich an Disruption und veränderte Bedingungen anzupassen und weiterzuentwickeln. Unternehmen, die sich durch Optionalität auszeichnen, sind ebenfalls anpassungsfähig, befinden sich aber im Anfangsstadium ihres Lebenszyklus und weisen eine hohe Asymmetrie auf. Der Anteil der resilienten Unternehmen umfasst in der Regel 10 bis 20 Unternehmen mit einer Positionsgröße von jeweils mehr als 2,5%. Die Anzahl der Unternehmen mit einem hohen Grad an Optionalität beläuft sich auf 30 bis 50 Titel, die jeweils weniger als 1,5% des Gesamtportfolios ausmachen. (mh)

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Deutsche investierten 2020 so viel wie nie zuvor in Aktien

Die Deutschen haben 2020 49 Mrd. Euro in Aktien investiert. Das ist doppelt so viel wie im Vorjahr und ein neuer Rekord. Fonds verbuchten zudem die stärksten Zuflüsse seit 2001. Allerdings legten auch die Spareinlagen kräftig zu – obwohl die Zinserträge seit Jahren massiv schrumpfen.

Das Jahr 2020 hatte erhebliche Auswirkungen auf das Anlageverhalten der Deutschen. Hierzulande wurden im Vorjahr 49 Mrd. Euro in Aktien investiert – so viel wie noch nie zuvor innerhalb eines Jahres. Das Anlagevolumen hat sich mit einem Anstieg von 160% gegenüber 2019 deutlich mehr als verdoppelt. Damit sind Aktien beim Wachstum einsamer Spitzenreiter vor anderen Anlageklassen. Das zeigt eine gemeinsame Analyse von  ING Deutschland und Barkow Consulting.

Großes Potenzial für Fortsetzung

Das weitere Potenzial für eine Fortsetzung dieser Entwicklung ist der Studie zufolge groß. Grund ist das anhaltende Zinsdilemma: Zinserträge aus Bankeinlagen befinden sich seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Sinkflug. Von 2008 bis 2021 haben Sie um 93% abgenommen. Lag der Ertrag 2003 noch bei 27,2 Mrd. Euro, sind es 2021 nur noch 2,8 Mrd. Euro. Gleichzeitig ist das Volumen im selben Zeitraum um 73% gestiegen. „2020 war in Deutschland ganz klar das Jahr der Aktienanlage“, sagt Thomas Dwornitzak, Leiter Sparen & Anlegen bei der ING Deutschland. „Chancenorientierte Anlegerinnen und Anleger haben gezielt auf diese Anlageklasse als sinnvolle Ergänzung zum klassischen Sparen gesetzt.“

Potenzial für Aktien und Fonds bleibt groß

Auch Investments in Fonds wie zum Beispiel ETFs, Aktien-, Geldmarkt- oder Immobilienfonds sind 2020 in Deutschland deutlich gestiegen. Sie vereinnahmten im vergangenen Jahr 41 Mrd. Euro und damit fast ein Drittel mehr als im Vorjahr. „Der massive Zuwachs bei Aktien- und Fondsinvestments erklärt sich auch damit, dass Vermögensaufbau mit klassischem Sparen kaum noch möglich ist“, sagt Thomas Dwornitzak. Dieses Ergebnis ist umso bemerkenswerter, als im gleichen Zeitraum das Volumen der in Spareinlagen angelegten Gelder deutlich auf knapp 2,6 Bio. Euro stieg. „Bei Spareinlagen herrscht offensichtlich ein immer größeres Missverhältnis aus investiertem Volumen und erzieltem Ertrag. Anlegerinnen und Anleger tun gut daran, künftig verstärkt die Chancen des Kapitalmarktes zu nutzen, natürlich ohne dabei mögliche Risiken auszublenden.“

Auch Sparpläne legen kräftig zu

2020 hat auch bei der ING Deutschland das Interesse an Wertpapieren enorm zugenommen. Die Anzahl der Wertpapiertransaktionen erreichte den Rekordwert von 26,9 Millionen. 2019 waren es nur 11,5 Millionen. Ähnlich dynamisch entwickelte sich die Anzahl der abgeschlossenen Wertpapiersparpläne. Sie legte um 60% auf 573.000 zu. „Viele Kundinnen und Kunden haben im vergangenen Jahr das zwischenzeitliche Kurstief als Einstiegsgelegenheit genutzt und Wertpapiere für sich entdeckt“, erläutert Thomas Dwornitzak. Die Bank habe auf dieses Interesse mit der Einführung von Wertpapiersparplänen bereits ab 1 Euro und 800 ETF-Sparplänen ohne Kaufgebühr reagiert.

Deutschland ist Europameister bei der Geldanlage

Insgesamt war Deutschland 2020 mit einem Gesamtvolumen von 388 Mrd. Euro Europameister bei der privaten Geldanlage. Dies entspricht einem Zuwachs von 45% gegenüber 2019. Damit konnte bereits der achte Rekord in Folge erzielt werden. An zweiter Stelle folgt Frankreich mit 261 Mrd. Euro, dann Italien mit 123 Mrd. Euro und Spanien mit 78 Mrd. Euro. Das gesamte private Finanzvermögen in Deutschland ist auf nunmehr fast 7 Bio. Euro gestiegen. Im gleichen Zusammenhang ist die Geldanlage pro Kopf bei den privaten Haushalten in Deutschland 2020 enorm gestiegen. Lag dieser Wert 2019 noch bei rund 3.200 Euro, hat er mit 4.671 Euro fast um ein Drittel zugenommen und liegt damit so hoch wie noch nie. Zum Vergleich: Noch 2013 lag der Wert lediglich bei rund 1.700 Euro. (mh)

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WeltSparen startet nachhaltiges ETF-Angebot

Raisin hat ein ETF-Portfolio gelauncht, das Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt. Über den Robo-Hybrid ETF Configurator können zudem mehr als 30 nachhaltige ETFs und Anleihen gewählt werden. Vor diesem Hintergrund hat die WeltSparen-Mutter die Deutschen zu nachhaltigen Geldanlagen befragt.

Jeder fünfte Deutsche (20,7%) kennt keine nachhaltigen Finanzprodukte. Das belegt eine repräsentative Umfrage der WeltSparen-Mutter Raisin. 5.000 Deutsche wurden dabei von Civey zu nachhaltigen Geldanlagen befragt. Während sich 15,2% der Bundesbürger mehr nachhaltige Finanzprodukte wünschen, ist nur jedem Zehnten Nachhaltigkeit wichtiger als Rendite. Immerhin investiert aber auch bereits mehr als jeder zehnte Deutsche nachhaltig, unter den Aktien-affinen Deutschen sind es sogar 22,5%.

Teils deutliche Unterschiede

Die Meinungen in der Bevölkerung gehen zum Teil stark auseinander. So ist der Wunsch nach nachhaltiger Geldanlage in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen mit 28,8% mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt und liegt in den Altersgruppen der 50- bis 64-Jährigen und der über 65-Jährigen dagegen jeweils nur bei knapp unter 10%. Nach dem aktuellen Anlageverhalten gefragt, bestehen große Differenzen zwischen Männern (14,6%) und Frauen (7,9%) sowie zwischen Ostdeutschland (6%) und dem Westen der Republik (12,8%) in Bezug auf den Anteil der Personen, die bereits nachhaltig anlegen.

Neues ESG-Portfolio

Raisin selbst setzt nun mit einem neuen Investmentprodukt auf nachhaltige Geldanlage. Über den kürzlich gestarteten Robo-Hybrid ETF Configurator können ab sofort mehr als 30 nachhaltige ETFs und Anleihen oder das Start-Portfolio mit ESG-ETFs ausgewählt werden. „Viele der nachhaltigen Anlagemöglichkeiten, zum Beispiel aktive Fonds, sind überteuert und entwickeln sich daher unterdurchschnittlich. Raisin ermöglicht eine breit diversifizierte und vor allem kostengünstige Anlage. So müssen Investoren keine Abstriche bei den Renditechancen machen”, erklärt Kim Felix Fomm, Chief Investment Officer bei Raisin, die Idee des neuen Produkts.

600 Einzeltitel ab 50 Euro pro Monat

Das Start-Portfolio besteht aus rund 600 Einzeltiteln und ist bei klar definiertem Nachhaltigkeitsprofil breit und global diversifiziert. Eine Anlage ist ab einem Einzelinvestment in Höhe von 500 Euro oder im Sparplan ab 50 Euro monatlich möglich. Die Verwaltung erfolgt automatisiert nach dem Robo-Prinzip. Die Gesamtkosten des ETF Configurators liegen bei jährlich 0,43% zuzüglich der Fondskosten und umfassen die Konfiguration individueller ETF-Portfolios, Auszahlungen, Änderungen an der Portfoliozusammenstellung, das regelmäßige Rebalancing und den integrierten Sparplan. (mh)

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