Interview mit Carola Marx, Head of Investment Operations EMEA bei der DWS Group
Frau Marx, Sie haben 2025 beim Fondsfrauen Award den Preis für das „Role Model of the Year“ gewonnen – Glückwunsch! In welchen Bereichen sind Sie Vorbild?
Vielen Dank. Die Auszeichnung bedeutet mir sehr viel – besonders, weil mich mehr als 40 Kolleginnen und Kollegen aus eigener Initiative nominiert haben. Dass es sich um den „Role Model“-Award handelt, freut mich besonders, denn diese Rolle übernehme ich bewusst. Inspirierende Persönlichkeiten haben mir früh gezeigt, was möglich ist. Heute möchte ich diese Erfahrungen weitergeben und die nächste Generation von Frauen ermutigen.
Als Role Model ist mir wichtig, Frauen in unserer Branche sichtbarer zu machen und sie aktiv in ihrer Entwicklung zu begleiten. Ich fördere Talente gezielt, spreche offen über Herausforderungen und teile meine Erfahrungen, um anderen Mut zu machen. Vielfalt sehe ich als wesentlichen Erfolgsfaktor – deshalb setze ich mich dafür ein, entsprechende Initiativen im Unternehmen zu stärken und langfristig zu verankern. Durch Mentoring und verschiedene Netzwerkformate schaffe ich zudem Räume, in denen sich Talente austauschen, vernetzen und weiterentwickeln können.
Sie engagieren sich auch in der Nachwuchsförderung. Welche Strategien verfolgen Sie, um junge Menschen anzusprechen?
Nachwuchsförderung heißt, Potenziale früh zu erkennen und Menschen auf ihrem Weg zu begleiten. Besonders bewegt mich die Entwicklung einer Mitarbeiterin, die sich von der Teamleiterin bis zur Bereichsleiterin entwickelt hat – heute arbeiten wir auf Augenhöhe. Solche Wege mitgestalten zu dürfen, motiviert mich jeden Tag.
Ich initiiere Mentoring-Programme, vernetze passende Talente und organisiere gemeinsam mit Partnern Formate für Young Talents und erfahrene Frauen. Dabei zeigen wir, wie vielfältig und spannend Asset-Management wirklich ist – jenseits aller Klischees.
Um junge Menschen zu erreichen, setze ich auf Nahbarkeit und authentische Einblicke: Networking-Events, offenes Mentoring und Formate, in denen Talente aktiv in den Dialog gehen. Zusätzlich spielt Social Media heute eine zentrale Rolle: Über LinkedIn geben wir Einblicke in unsere Unternehmenskultur, stärken Community-Building und ermöglichen jungen Talenten den direkten Austausch mit möglichen Mentorinnen und Mentoren.
Was können Unternehmen tun, damit sich mehr Frauen in die Branche und als Führungskräfte bewerben?
Frauen in der Finanzbranche stehen oft unter enormem Druck. Wir versuchen, überall 100% zu geben: als Mutter, im Job, als Partnerin. Aber die Realität ist: Alles gleichzeitig perfekt zu machen, ist kaum möglich. Oft stehen wir uns mit diesem Perfektionsanspruch selbst im Weg oder zweifeln an uns, obwohl wir längst bereit für den nächsten Schritt sind. Hinzu kommt das ständige Urteilen von außen: Machst du Karriere, bist du eine „Rabenmutter“, bleibst du zu Hause, fehlt der Ehrgeiz. Mein Rat: Befreit euch von diesem Judging. Entscheidet selbst, was für euer Leben richtig ist, und steht dazu – egal ob ihr nach einem Jahr zurückkehrt oder nach zehn Jahren den Fokus ändert. Es ist euer Leben, nicht das der anderen.
Was ich als absoluten Gamechanger erlebe, ist echtes Sponsoring. Wir brauchen Führungskräfte, die nicht nur mentorieren, sondern aktiv Türen öffnen. Das bedeutet: Frauen bewusst in Gremien bringen, ihnen Sichtbarkeit und Chancen verschaffen und sie dort platzieren, wo Entscheidungen getroffen werden. Mein eigener Weg hat mir gezeigt: Wenn man klar sagt, was man möchte, und einen Sponsor an der Seite hat, der dieses Potenzial erkennt, lassen sich viele Barrieren überwinden.
Und wie hängt „Leadership“ damit zusammen?
Gutes Leadership bedeutet, Potenziale zu erkennen und aktiv zu entwickeln – im eigenen Verantwortungsbereich durch Förderung, aber auch bereichsübergreifend über Mentoring. Wichtig ist, Frauen bei der Stärkung ihrer Sichtbarkeit zu unterstützen und ihnen Mut zu machen, eigene Wege selbstbewusst zu gehen.
Außerdem sollte Leadership menschlich bleiben: Mit zunehmender Hierarchie besteht die Gefahr, nur noch Zahlen zu sehen. Mir ist wichtig, immer im Blick zu behalten, dass Entscheidungen konkrete Auswirkungen auf Menschen haben.
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