Gefühlt hat man in Berlin schon seit Ewigkeiten über die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge diskutiert – und nun kam der Beschluss doch unerwartet schnell. Am Freitag, den 27.03.2026 hat der Bundestag die Reform, die zum Jahreswechsel in Kraft treten soll, beschlossen.
Erst Tage vorher wurden noch einmal Änderungen bekannt. Neben dem Einbezug der Selbstständigen, einer erweiterten Förderung und der Absenkung des heiß diskutierten Kostendeckels des Standarddepots gab es eine weitere, eher unerwartete Entwicklung: Der Staat wird nun ebenfalls als Produktgeber auftreten und ein staatlich organisiertes Standardprodukt anbieten. Das bedeutet, der Staat wird nicht nur die Regeln für die private geförderte Altersvorsorge machen, sondern auch gleichzeitig als Anbieter auftreten.
Deutliche Kritik an Staatsdepot
Diese Änderung scheint die Versicherungs- und Finanzbranche eher unerwartet getroffen haben – und stößt auf Kritik. Dr. Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter Versicherungsgruppe, zeigt sich auf Nachfrage von AssCompact irritiert über die Entwicklung. Es sei „bemerkenswert“, dass die Regierung nun glaube, der Staat müsse auch als Produktgeber in der privaten Altersvorsorge mitmischen. „Expertise besteht ja eher im Schuldenmachen als in der Kapitalanlage“, so Bader. „Und wollte der Staat nicht auch Bürokratie abbauen?“
Auch Dr. Reiner Will, Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH, findet gegenüber AssCompact deutliche Worte über das Staatsdepot: „Das neu aufgenommene öffentlich-rechtliche Standarddepot ist ordnungspolitisch bedenklich, aufgrund des Kostendeckels systematisch überflüssig und angesichts eines ohnehin schon umfangreichen Angebots nicht erforderlich“, so Will.
GDV: Staatliches Standarddepot kann schnell zur „faktischen Referenz im Markt“ werden
In Anbetracht dieser Worte klingt die Kritik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) schon fast weich: „Wenn staatliche Angebote strukturelle Vorteile haben, droht eine Verzerrung des Wettbewerbs“, warnt Jörg Asmussen, GDV-Hauptgeschäftsführer. Gerade dieser Wettbewerb sorge für Effizienz und passgenaue Produkte in der Altersvorsorge.
Ein staatlich organisiertes Standarddepot in öffentlicher Trägerschaft könne schnell zur faktischen Referenz im Markt werden – selbst dann, wenn private Produkte im Einzelfall besser passen, so Asmussen weiter. „Deshalb müssen für staatliche und private Angebote die gleichen Regeln gelten.“
Seite 1 „Standardprodukt wird im Vertrieb anders vergütet werden müssen“
Seite 2 Standarddepot dürfte für Makler nur wenig interessant sein
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