Interview mit Thomas Vogel, Vorstandsvorsitzender der AGILA Haustierversicherung AG
Herr Vogel, seit dem Inkrafttreten der neuen Gebührenordnung im Herbst 2022 müssen Besitzende beim Tierarztbesuch tiefer in die Tasche greifen. Wie hat sich der Tierversicherungsmarkt aus Ihrer Sicht seitdem verändert?
Der Herbst 2022 war ein entscheidender Wendepunkt in einem Markt, der vorher als Nische galt. Die seitdem deutlich höheren Kosten für tierärztliche Behandlungen haben bei vielen Tierhaltenden das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer finanziellen Absicherung geweckt. Und mit der gestiegenen Nachfrage nach Tierversicherungen hat sich auch die Zahl der Anbieter vervielfacht. Nicht zuletzt haben viele Generalisten die nun profitabel erscheinende Sparte Tier in ihr Portfolio aufgenommen, nachdem sie zuvor jahrzehntelang durch wenige Spezialversicherer wie die AGILA Haustierversicherung bedient worden war.
Auch die Tiermedizin hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt, z. B. was Behandlungen angeht, aber auch in der Medikation. Was bedeutet die Weiterentwicklung der medizinischen Seite für Versicherer, Makler und Kunden?
Wir freuen uns über jeden Fortschritt in der Tiermedizin, denn er ermöglicht letztendlich ein längeres Zusammenleben der Menschen mit ihren geliebten Tieren. Gleichzeitig sind diese Entwicklungen für uns, aber auch unsere Wettbewerber immer wieder Anreiz zur Verbesserung unserer Produkte. Aktuell wird z. B. heiß diskutiert, ob man den traditionellen OP-Begriff, der für den reinen OP-Kostenschutz eine Rolle spielt und bisher meist einen größeren Hautschnitt voraussetzt, nicht erweitert. Denn immer häufiger können auch beim Tier operative Eingriffe minimalinvasiv erfolgen. Wer sich derzeit bei den Tierversicherungen umschaut, findet einen lebendigen, innovativen Markt vor. Wir Versicherer erweitern das Angebot stetig, bei AGILA in enger Zusammenarbeit mit den tierärztlichen Ansprechpartnern, und davon profitieren alle Beteiligten gleichermaßen.
Sie haben gerade eine Studie herausgebracht, die zeigt, dass die tierärztliche Versorgung stark vom Einkommen der Haltenden abhängt. Wie blicken Sie auf die Ergebnisse?
Unsere Statista-Befragung hat gezeigt, dass von den Tierhaltenden mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen bis 2.000 Euro nur 4% mehr als 2.000 Euro Tierarztkosten im gesamten Jahr 2025 gezahlt haben, während das bei einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen ab 5.000 Euro 31% waren. Wir haben uns natürlich gedacht, dass es hier Unterschiede gibt, aber das Ausmaß hat uns dennoch überrascht.
Seite 1 „Wir freuen uns über jeden Fortschritt in der Tiermedizin“
Seite 2 Es gibt ja auch immer wieder Kritik an Tierversicherungen, v. a. wegen hoher Kosten und Vertragsbedingungen. Könnte man aber argumentieren, die Tierversicherung trägt auch dazu bei, eine „Zwei-Klassen-Medizin“ bei Haustieren zu verhindern?
Seite 3 Ihre Prognose: Wie wird sich das Segment der Tierversicherungen in den kommenden Jahren verändern?
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