Es gibt ja auch immer wieder Kritik an Tierversicherungen, v. a. wegen hoher Kosten und Vertragsbedingungen. Könnte man aber argumentieren, die Tierversicherung trägt auch dazu bei, eine „Zwei-Klassen-Medizin“ bei Haustieren zu verhindern?
Ich würde nicht von einer „Zwei-Klassen-Medizin“ sprechen, da in der Tiermedizin bei den zur Diskussion gestellten Behandlungsmöglichkeiten keine Unterschiede aufgrund des Versicherungsstatus gemacht werden. Die Tierärztin oder der Tierarzt gibt eine Empfehlung ab, die Tierhaltenden entscheiden anhand der eigenen Finanzkraft. Eine Tierversicherung ermöglicht es, im Ernstfall unabhängig vom Einkommen größere Summen für die Behandlung aufzubringen. Sie erweitert damit den Handlungsspielraum enorm und sorgt für mehr Gerechtigkeit. Das kommunizieren wir an unsere Kundinnen und Kunden, aber auch an die Maklerinnen und Makler.
Welche Herausforderungen sehen Sie denn in der Tarifgestaltung, gerade im Spannungsfeld zwischen Bezahlbarkeit und Leistungsumfang? Und welche Lösungen haben Sie?
Der zunehmende Wettbewerb im Tierversicherungsmarkt und die nach wie vor steigenden tierärztlichen Behandlungskosten kreieren naturgemäß auch einen gewissen Preis- und Rentabilitätsdruck. Weil aber tiermedizinische Behandlungen nun einmal an eine feste Gebührenordnung geknüpft sind, ist es faktisch nicht möglich, ähnliche Leistungen für deutlich weniger Geld anzubieten. Das heißt: Wenn ein Tarif auffallend günstig ist, deckt er zwangsläufig weniger Leistungen ab. AGILA hat sich bewusst dafür entschieden, bei der Tarifgestaltung stets den Leistungsumfang in den Vordergrund zu stellen, weshalb wir zu den Premiumanbietern in diesem Segment gehören. Um hier dennoch Flexibilität zu schaffen, haben wir im vergangenen Herbst unsere Tarife grundlegend überarbeitet. Seitdem haben unsere Kundinnen und Kunden bei wichtigen Parametern wie der Höhe der Selbstbeteiligung oder den jährlichen Erstattungsgrenzen Wahlmöglichkeiten. Außerdem können sie entscheiden, ob und in welchem Umfang sie zusätzliche Leistungen wie Vorsorge oder Zahnbehandlungen mitversichern möchten.
Was sollten Makler beachten, wenn sie Kunden zu Tierversicherungen beraten?
Viele Tierhaltende haben keine konkreten Vorstellungen davon, wie teuer tiermedizinische Behandlungen sein können. Deshalb sollte die Eingangsfrage lauten: „Können Sie im Zweifelsfall Beträge in Höhe von mehreren Tausend Euro aufbringen?“ Falls die Antwort nein lautet, ist eine Tierversicherung ratsam.
Es gibt einige Prüfkriterien, die unabhängig vom gewählten Anbieter oder Tarif angelegt werden können. Dazu gehört unbedingt die Erstattung der tierärztlichen Leistungen bis zum vierfachen, das heißt maximal anrechenbaren Satz der Gebührenordnung. Auch anfallende Notdienstgebühren sollten im Versicherungsschutz enthalten sein. Wichtig ist zudem, genau auf eventuelle Wartezeiten, Altersgrenzen, Selbstbeteiligungen und Leistungsausschlüsse zu schauen. Bei Kundinnen und Kunden, die sich für den OP-Kostenschutz entscheiden, besteht häufig Aufklärungsbedarf hinsichtlich des bereits erwähnten OP-Begriffs. Dieser umfasst unter Umständen nicht alles, was Tierärztinnen und Tierärzte als OP bezeichnen.
Seite 1 „Wir freuen uns über jeden Fortschritt in der Tiermedizin“
Seite 2 Es gibt ja auch immer wieder Kritik an Tierversicherungen, v. a. wegen hoher Kosten und Vertragsbedingungen. Könnte man aber argumentieren, die Tierversicherung trägt auch dazu bei, eine „Zwei-Klassen-Medizin“ bei Haustieren zu verhindern?
Seite 3 Ihre Prognose: Wie wird sich das Segment der Tierversicherungen in den kommenden Jahren verändern?
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können