Interview mit Nicole Weyerstall, seit Januar 2026 Vorständin für den Maklervertrieb bei der Allianz Versicherungs-AG
Frau Weyerstall, Sie verantworten seit Januar 2026 den Sach-Maklervertrieb der Allianz. Wie haben Sie die ersten Monate in der neuen Rolle erlebt?
Das erste halbe Jahr war natürlich unglaublich intensiv, mit vielen neuen Kolleginnen und Kollegen, neuen Themen und Projekten. In einem so großen Konzern muss man sich erst einmal zurechtfinden. Ich hatte dabei eine großartige Unterstützung, sowohl aus dem Maklervertrieb als auch aus den anderen Ressorts, sodass ich wirklich gut ankommen konnte.
Meine Priorität war zunächst ganz klar: lernen. Ich wollte die Allianz und ihre Besonderheiten kennenlernen, viel zuhören und verstehen, bevor ich eigene Impulse einbringe. Jetzt widme ich mich mit großer Freude den Aufgaben und freue mich darauf, die Zukunft des Maklervertriebs aktiv mitzugestalten.
Sie kennen sowohl die Versicherer- als auch die Maklerperspektive aus eigener Erfahrung. Wie hilft Ihnen dieser doppelte Blick dabei, die Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten weiterzuentwickeln?
Das ist für mich persönlich ein ganz großer Mehrwert. Ich kenne die Versichererperspektive aus vielen Jahren in Versicherungskonzernen. Gleichzeitig habe ich neun Jahre lang ein Maklerhaus geleitet. Das heißt: Ich kenne die Maklerperspektive nicht nur vom Hörensagen, sondern habe den Alltag im Maklerhaus selbst viele Jahre gelebt. Deshalb sehe ich mich heute als Brückenbauer zwischen beiden Welten.
Als Makler lernt man sehr unmittelbar, dass Kunden ganz konkrete Anforderungen haben. Sie denken nicht in Versicherungssparten, sondern sehen ihre Risiken und möchten möglichst schnell eine passende Absicherung. Versicherer müssen dagegen in Sparten denken und ihre Prozesse entsprechend aufsetzen. Genau darin sehe ich meinen Auftrag: die Bedürfnisse der Kunden und Makler noch besser mit dem zusammenzubringen, was ein Versicherer leisten kann und muss.
Gerade im Firmenkundengeschäft entsteht häufig noch ein regelrechtes E-Mail-Pingpong zwischen Makler und Versicherer, bis alle Informationen vorliegen und ein Angebot erstellt werden kann. Das kostet auf beiden Seiten Zeit. Deshalb schauen wir uns diese Prozesse genau an: Welche Informationen liegen dem Makler vor, welche benötigen wir tatsächlich und wie können wir gezielter zusammenarbeiten? So wollen wir schneller zu guten Angeboten und Rückmeldungen kommen.
Künstliche Intelligenz gilt als einer der größten Treiber für Veränderungen im Versicherungsvertrieb. Welche strategische Rolle spielt KI heute bereits im Maklervertrieb der Allianz?
Wir beschäftigen uns bei der Allianz sehr intensiv mit künstlicher Intelligenz – auch im Maklervertrieb. Dabei schauen wir sehr genau, welche Möglichkeiten KI bietet und welchen konkreten Nutzen sie für Makler und Kunden stiften kann. Gleichzeitig steht für uns der Datenschutz immer an erster Stelle.
KI hilft uns bereits heute ganz konkret dabei, Prozesse effizienter zu gestalten. Unsere Maklerbetreuer erhalten jedes Jahr mehr als 800.000 E-Mails mit ganz unterschiedlichen Anliegen. Wir haben intern eine KI entwickelt, die diese Anfragen automatisch den zuständigen Fachbereichen zuordnet. Dadurch gelangen sie schneller zu den richtigen Ansprechpartnern und die Makler erhalten schneller eine Rückmeldung.
Ein weiteres Thema ist die Aufbereitung von Risikoinformationen. Diese erhalten wir auf ganz unterschiedliche Art und Weise: Manche Makler schicken eine lange E-Mail mit viel Fließtext. Andere senden eine sehr kurze E-Mail mit 30 Anhängen. Dann müssen wir zunächst herausfinden, wo sich die notwendigen Risikoinformationen befinden. Auch hier ist KI ein hilfreiches Instrument, um die relevanten Angaben schneller zu erfassen und dem Makler entsprechend schneller eine Rückmeldung geben zu können.
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