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28. Juni 2026
Altersvorsorgedepot: „Versicherungen werden nicht verschwinden“

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Altersvorsorgedepot: „Versicherungen werden nicht verschwinden“

Altersvorsorgedepot: „Versicherungen werden nicht verschwinden“

Mit dem Altersvorsorgedepot soll erstmals eine staatlich geförderte private Altersvorsorge ohne Versicherungsmantel möglich werden. Im Interview sprechen Moritz Schüßler und Dr. Andreas Zingg von Vanguard über Chancen für Vermittler, den Kostendruck, internationale Vorbilder und die Rolle der Versicherer.

Interview mit Moritz Schüßler, Head of Intermediated Retail, und Dr. Andreas Zingg, Head of Multi-Asset Solutions Europe bei Vanguard
Herr Schüßler, Herr Dr. Zingg, das Altersvorsorgedepot gilt als möglicher Durchbruch für die kapitalmarktbasierte Vorsorge. Wie bewerten Sie die Reform?

Moritz Schüßler Wir begrüßen sie ausdrücklich. Deutschland hat sehr lange darauf gewartet, dass private Vorsorge steuerlich gefördert und zugleich ohne Garantien direkt am Kapitalmarkt möglich wird. Aus unserer Sicht passt das auch zu der europäischen Diskussion, mehr Ersparnisse für den Kapitalmarkt zu mobilisieren. Noch immer liegt sehr viel Geld auf Tagesgeld- oder anderen kurzfristigen Konten. Das Altersvorsorgedepot kann dazu beitragen, aus Sparern mehr Investoren zu machen.

Gleichzeitig sollte die Reform nicht isoliert betrachtet werden. Auch die gesetzliche und die betriebliche Altersvorsorge stehen unter Druck. Deshalb ist es sinnvoll, die verschiedenen Säulen gemeinsam weiterzuentwickeln. Für uns als international tätigen Asset-Manager ist das ein sehr relevantes Thema, auf das wir uns seit Jahren vorbereiten.

Was heißt das konkret?

MS Wir wollen erreichen, dass möglichst viele Berater unsere ETFs und Fonds künftig auch im Altersvorsorgedepot einsetzen können. Deshalb sprechen wir mit bestehenden Partnern, Plattformen, Maklerpools, Vertrieben und Versicherern darüber, ihre Lösungen entsprechend vorzubereiten. Zudem arbeiten wir an skalierbaren White-Label-Ansätzen wie bspw. denen, die wir nun zusammen mit growney aufgesetzt haben. Je mehr Partner sich an eine solche Lösung anbinden lassen, desto effizienter können Konditionen und Prozesse gestaltet werden.

Produktseitig erwarten wir, dass breit gestreute, kostengünstige ETFs durch die Reform zusätzlichen Rückenwind erhalten. Sehr wichtig wird z. B. das vorgesehene Standardprodukt mit einem Lebenszyklusmodell. Hier können wir unsere internationale Erfahrung mit sogenannten Gleitpfadstrategien einbringen.

Der Kostendeckel von 1% für das Standardprodukt und die Verteilung der Abschluss- und Vertriebskosten über die Laufzeit sorgen in der Branche für Diskussionen. Wie ordnen Sie das ein?

MS Die Kostendiskussion ist berechtigt. Deutschland gehört bei den Kosten von Beratung und Anlageprodukten im europäischen Vergleich zu den teureren Märkten. Der Kostendeckel setzt deshalb einen wichtigen Anker. Er gilt allerdings nur für das Standardprodukt, nicht für alle anderen Lösungen.

Für viele Marktteilnehmer wird sich weniger ändern, als zunächst vermutet wird. Wer bereits mit laufenden Serviceentgelten, Honoraren, Vermögensverwaltungsgebühren oder Nettopolicen arbeitet, verfügt im Grunde schon über ein passendes Modell. Wer dagegen weiterhin stark von einmaligen Abschlussvergütungen abhängig ist, sollte die Reform zum Anlass nehmen, über wiederkehrende Einnahmen nachzudenken.