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Betriebliche Pflegevorsorge: Die Chemiebranche macht’s vor

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Betriebliche Pflegevorsorge: Die Chemiebranche macht’s vor

Lässt sich die Pflegevorsorge denn auch privat aufstocken?

Ja, diese Möglichkeit sieht unser Tarif Pflegezusatzversicherung Chemie vor. Das liegt dann in der Verantwortung des jeweiligen Beschäftigten. Zum Beispiel kann ein 40-Jähriger die Leistungen bei stationärer Pflege für je 1,75 Euro pro Monat um je 100 Euro monatlich aufstocken. Bei der ambulanten Pflege bei Pflegegrad 4 steigt die Leistung mit 9 Euro mehr im Monat auf 730 Euro monatlich – statt 300 Euro. Zudem ist auch die Absicherung von Familienangehörigen möglich.

Können auch außertariflich Beschäftigte der Branche Leistungen aus der Pflegezusatzversicherung Chemie erhalten oder ist das nicht möglich?

Auch diese Frage können wir im Rahmen des Tarifvertrags mit „Ja“ beantworten. Es liegt in der Entscheidung des Unternehmens, ob außertarifliche Mitarbeiter und leitende Angestellte ebenfalls von der neuen Lösung profitieren. Wenn das Unternehmen sich dafür entscheidet, gelten dieselben Konditionen wie für Tarifbeschäftigte.

Was versprechen sich die Arbeitgeber denn von diesem Angebot?

Wir haben in der Chemie- und Pharmaindustrie über Jahrzehnte eine aus­gesprochen gute und belastbare Sozialpartnerschaft entwickelt und damit den Grundstein gelegt für Innovationen, die Arbeitgebern und Arbeitnehmern Vorteile bringen. So waren wir bei der tariflichen Altersvorsorge ebenso Vorreiter wie bei einem Schutz gegen Berufsunfähigkeit. Unsere Pflegezusatzversicherung Chemie hat also eine Historie, auf der wir aufbauen konnten. Zugleich ist das neue Angebot aber auch eine Investition in die Zukunft: Wir gehen davon aus, dass die Anziehungskraft unserer Branche für Fachkräfte durch die neue Pflegezusatzversicherung weiter steigt. Dabei geht es nicht nur um die Absicherung selbst, sondern auch um unsere Rolle als verantwortliche Arbeitgeber.

Mit dem Konzept betritt die Chemiebranche ja hierzulande tarifpolitisches Neuland. War es ein zähes Ringen oder fiel die Entscheidung relativ schnell?

Wie immer gibt es auch in dieser Frage Argumente, die gegen einen solchen Tarifvertrag sprechen. Das beginnt bei den Kosten, die von den Unternehmen getragen werden, und geht bis zu grundsätzlichen Bedenken, ob der Arbeitgeber im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses wirklich zuständig ist. Unter dem Strich: Ja, es war ein zähes Ringen, aber am Ende ist das ein Modell, das Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bringt. Uns war auch wichtig, dass Arbeitnehmer die Versicherung nach ihrem Ausscheiden aus dem Unternehmen zu attraktiven Bedingungen fortsetzen können. Wer innerhalb des Tarifbereichs Chemie wechselt, für den ändert sich dabei gar nichts, denn der neue Arbeitgeber meldet den Arbeitnehmer einfach beim Versicherungskonsortium an.

2021 soll diese neue Pflegevorsorge starten. Wie wird das Angebot nun in die Unternehmen hineingetragen?

Zunächst ist es Aufgabe der Sozialpartner, die Inhalte des neuen Tarifvertrags in die jeweilige Mitgliedschaft zu kommunizieren. Das Interesse ist schon jetzt groß. Zusätzlich setzen wir auf die Unterstützung durch unser professionell aufgestelltes Konsortium.

 
Ein Artikel von
Petra Lindemann, Geschäftsführerin Tarifpolitik, Arbeitsrecht und Arbeitsmarkt des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC)