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28. Oktober 2020
BVK: Direkte Kundenansprache kaum zu kompensieren

BVK: Direkte Kundenansprache kaum zu kompensieren

Bislang hat die Corona-Krise nicht zu einem massenhaften Vermittlerschwund geführt, wie Umfragen des BVK zeigen. Doch die Lage bleibt unsicher, so drohen für Vermittler Einbußen erst zeitverzögert, wie der BVK auf der DKM 2020 digital.persönlich noch einmal betonte. Weiteres Thema auf der Agenda waren die Klarstellungen von DIHK und BaFin zur Weiterbildungspflicht. Hier fordert der BVK Nachbesserungen.

Digital statt Dortmund: Die traditionell gemeinschaftliche Pressekonferenz des DKM-Veranstalters bbg und des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) ging in diesem Jahr digital vonstatten. Der BVK zog anlässlich der DKM 2020 digital.persönlich eine Corona-Zwischenbilanz zur wirtschaftlichen Lage der Vermittler. Ein weiteres wichtiges Thema in den Ausführungen war die Weiterbildungspflicht für Vermittler.

Corona-Krise trifft auch Vermittler massiv

Die Covid-19-Pandemie hat auch massive Auswirkungen auf die Vermittler-Branche. Im Rahmen von zwei Umfragen hat der BVK bei seinen Mitgliedern hierzu nachgefragt. In einer ersten Umfrage im April klagten zwei Drittel der Teilnehmer über Umsatzeinbußen. Im Schnitt betrugen die Rückgänge 38%. Dabei waren die Makler mit annähernd 39% am zweithäufigsten betroffen, Mehrfachvertreter mit 43,3% am stärksten. Die Folgeumfrage im August zeigte dann ein etwas abgemildertes Bild, was die Umsatzeinbußen angeht: Hier gaben zwei Drittel der Teilnehmer verringerte Umsätze an, die sich im Schnitt auf 20% beliefen.

Kein Vermittlerschwund infolge von Corona

Laut BVK deuten die Umfrageergebnisse nicht auf einen massenhaften Vermittlerschwund durch die Folgen der Corona-Krise im Zusammenspiel mit der Digitalisierung hin. Denn nur 2,5% der befragten Vermittler planen bislang einen Marktaustritt bzw. in den Ruhestand zu gehen.

Direkte Kundenansprache aber kaum zu kompensieren

„Unsere Vermittlerumfragen bilden sehr gut die Einschränkungen der Geschäftstätigkeit durch die Corona-Pandemie für die Vermittler und deren Umsatzentwicklung ab“, erklärte BVK-Präsident Michael H. Heinz. Persönliche Gespräche und Treffen hätten den Studien zufolge um dramatische 82% abgenommen. „Trotz der massiv ausgeweiteten digitalen und telefonischen Kontaktaufnahme zu den Kunden konnte die direkte Kundenansprache kaum kompensiert werden“, so Heinz weiter. Somit bleibt die Lage unsicher. Schließlich drohen Vermittler Einbußen erst zeitversetzt zu treffen und sie könnten Einnahmeverluste erst im Nachgang mit voller Wucht zu spüren bekommen. Dies bekräftigte  Heinz erst jüngst wieder gegenüber Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Regularien als Damoklesschwert

Angesichts der Corona-Krise fordert der BVK von den politischen Entscheidungsträgern, Vermittler nicht mit weiteren Regularien unter Druck zu setzen. Auf politischer Ebene will der Verband künftig „noch stärker vom Verhindern ins Agieren kommen“, wie Heinz betonte. Es gehe um die Frage, was eine wie auch immer geartete Bundesregierung in Sachen private und staatlich geförderte Altersvorsorge künftig beschäftigen wird und wie sich der BVK einbringen könne. Hierzu sei der BVK im Austausch mit jungen Bundestagsabgeordneten aus entsprechenden Fachausschüssen. Es seien informative Gespräche. Was aufhorchen lässt: Aufseiten der jüngeren Politiker wäre aber teilweise eine Distanz zum Berufsstand der Vermittler feststellbar.

BVK unterstützt Klarstellungen zur Weiterbildungspflicht

Inwieweit die Forderungen des BVK in Berlin umgesetzt werden, wird die Zukunft zeigen. Auf die Klarstellungen zur Weiterbildungspflicht von Vermittlern, die der DIHK und die BaFin vor Kurzem veröffentlicht haben (AssCompact berichtete) hat der BVK Einfluss nehmen können.

 „Wir befürworten die Klarstellungen seitens dieser Institutionen, denn damit erhalten Versicherungsvermittler Rechtssicherheit, welche Weiterbildungsangebote anerkannt werden und IDD-konform sind bzw. der Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV) und der Gewerbeordnung entsprechen“, erklärt Gerald Archangeli, BVK-Vizepräsident und Vorsitzender des Trägerausschusses der branchenweiten Weiterbildungsinitiative „gut beraten“. „Als bedeutender Vermittlerverband Deutschlands haben wir auf die Ausführungen in den FAQs Einfluss genommen, damit die Prüfstandards, was als Weiterbildung gilt und was nicht, bundesweit einheitlich gehandhabt werden.“

 

 Direkte Kundenansprache kaum zu kompensieren

 

Nachbesserungen gefordert

Grundsätzlich befürwortet der BVK auch die Vorgaben zu den Inhalten von Weiterbildungsangeboten, die der Aufrechterhaltung der Fachkompetenz und personalen Kompetenz (§ 7 VersVermV) dienen sollen und einen Bezug zur Versicherungsvermittlung bzw. beratung haben müssen. Würden damit vertriebsfremde „Motivations-Events“ nicht mehr als Weiterbildung anerkannt. Doch den erforderlichen konkreten Bezug zur Versicherungsvermittlung moniert der Verband als „nicht immer sachgerecht“. Betriebswirtschaftliche Weiterbildungen zur Unternehmensführung würden dann nicht berücksichtigt.

Auch eine weitere Regelung ist dem BVK ein Dorn im Auge: Laut DIHK können Veranstaltungen zu den Themen Finanzanlagen, Immobiliardarlehen und Bausparen nicht als Weiterbildungszeit anerkannt werden, wenn sie sich nicht mit Versicherungsthemen befassen. Der BVK argumentiert jedoch, dass diese Qualifizierungen im Rahmen einer ganzheitlichen Vorsorgeberatung für Vermittler wichtig sind.

Nun müssen solche Qualifizierungen neben der Pflicht als Kür besucht werden. Doch die Vermittler haben sich in der Vergangenheit als recht weiterbildungsfreudig gezeigt. 2019 hat sich der weit überwiegende Teil der Vermittler laut „gut beraten“ mehr als die vorgeschriebenen 15 Stunden weitergebildet. Gelegenheit zu Pflicht und Kür bieten die Workshops und Kongresse dieser Tage auf der DKM 2020 digital.persönlich. (tk)

Bild: © Andrey Popov – stock.adobe.com