Herr Weissensteiner, wie hat sich der Immobilienmarkt in Ihrer Region zuletzt entwickelt?
Der Markt in Bozen und Umgebung hat sich spürbar entschleunigt, das Preisniveau bleibt allerdings hoch. Der größte Unterschied zum Vorjahr ist sicherlich die Zurückhaltung seitens der Käufer. Durch die gestiegenen Zinsen müssen insbesondere Familien oft mehrfach abwägen, ob sie den Erwerb stemmen können. Dadurch sind auch die Transaktionen um etwa 10 bis 20% zurückgegangen. Das Paradoxe ist aber: Die Preise sinken kaum. In Bozen zahlen Interessenten für Bestandswohnungen oft immer noch über 4.500 Euro pro Quadratmeter, bei Neubauten sind es teilweise bis zu 8.000 Euro pro Quadratmeter. Verkäufer halten also an den Preisen fest, während Kaufinteressenten die nötige Finanzierung nicht mehr darstellen können. Die Folge: Immobilien verweilen länger auf dem Markt – statt weniger Wochen dauert es aktuell oft zwischen vier und sechs Monaten bis zum Kaufabschluss.
Welche Trends und Prognosen sehen Sie für das Jahr 2026?
Für 2026 sehen wir keine Entspannung bei den Immobilienpreisen, eher im Gegenteil. Da Wohnraum in Südtirol knapp ist und nur wenig Neubauflächen nachkommen, werden die Immobilienpreise voraussichtlich weiter leicht anziehen – wir rechnen mit einem Plus von rund drei Prozent im laufenden Jahr. Ab Februar 2026 greifen zudem neue Landesförderungen, die den Immobilienerwerb für Einheimische wieder etwas greifbarer machen sollen. Der Mietmarkt bleibt hingegen angespannt: Weil viele Interessenten den Kauf derzeit aufschieben und sich eher nach Mietobjekten umschauen, schnellen die Mietpreise in die Höhe. Wir raten Kaufinteressenten daher nicht, weiter auf sinkende Immobilienpreise in Bozen und Umgebung zu spekulieren.
Der Markt überzeugt also durch eine hohe Wertstabilität?
Das ist korrekt, echte Preisstürze gab es in Südtirol bisher kaum – eher eine Stagnation in weniger gefragten, peripheren Lagen. Zu den wertstabilsten Regionen mit weiterhin hohem Wertsteigerungspotenzial zählen ganz klar die exklusiven A-Lagen. Dazu gehören unter anderem das Bozener Zentrum und Gries. Hier wird oft mit Eigenkapital bezahlt, Zinsen spielen eine eher untergeordnete Rolle. Die Nachfrage ist ungebrochen hoch. Ebenfalls seit jeher begehrt – vor allem bei kaufkräftiger Klientel – sind Meran und Obermais, die sich als extrem krisenfest bewährt haben. Des Weiteren äußerst wertstabil sind Gröden, Badia und Seis in den Dolomiten. Durch die touristische Zugkraft und die strenge Limitierung von Zweitwohnungen bleiben die Preise hier auf absolutem Top-Niveau.
Seite 1 Das Tor zu den Dolomiten: Immobilienkauf rund um Bozen
Seite 2 Sie erwähnten eben das Thema Zweitwohnungen. Was macht Bozen und Umgebung gerade für internationale Käufer so attraktiv?
Seite 3 Wie leicht oder schwer ist es denn für internationale Kunden, eine Finanzierung in Südtirol zu erhalten?
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können