Ein Artikel von Adrian Schmidt, Geschäftsführer von KÄPSELE
Und da ist sie, die Diskussion: „Nur mit Zielgruppe wirst du erfolgreich. Der Bauchladen hat ausgedient!“
Aber dafür sind die Versuchungen doch viel zu groß. Die Maklerei kennt wenig Grenzen und bietet deshalb Platz für umso mehr Charaktere:
Typ 1: Business-ADHS
Heute ist er noch in einem Leadprojekt. Morgen baut er sich seine Personal Brand auf. Erst mit Instagram, dann mit Ads, dann sagt ihm jemand, er muss auf LinkedIn präsent sein, und er postet dort für drei Wochen, bevor er es eine Woche komplett vergisst und dann einfach aufhört.
Aber eigentlich war er immer der Typ für YouTube, weil er gerne vor der Kamera spricht. Plötzlich bekommt er das Angebot, eine Website zu kaufen, und stürzt sich darauf. Dabei hat er von SEO und SEA eigentlich gar keine Ahnung, aber das gibt sich im Prozess … Go with the flow … nur leider nicht mit dem Cashflow …
Typ 2: Der Allrounder
Kann alles und bietet alles an. Ist Experte (oder klassischerweise auch Fachidiot). Beeindruckt Newbies damit, dass er überall mitreden kann. Haftpflicht. Hausrat. Gewerbe. Altersvorsorge. Immobilien. Private Equity. Strom & Gas – jeder, der wirklich Ahnung hat, meidet ihn und seine stundenlangen Pseudo-Diskussionen ohne Ergebnis.
Dafür haben seine Kunden eine Bestandsdichte von 17. Sogar alle drei. Wie er überlebt, ist unklar. Vertrieb macht er jedenfalls nicht. Er lebt von Empfehlungen. „Die kommen ganz von selbst“, sagt er, auch wenn ihm da die Erfahrung fehlt.
Typ 3: Der Netzwerker
Kennt alles und jeden. Kunden berät er eigentlich nur zu BU und Altersvorsorge, kann seinen Kunden aber 360-Grad-Service anbieten. Weil er 720 Kooperationspartner hat, die von Recruiting bis zur rechtssicheren Risikovoranfrage alles abbilden.
Im Jahr kommen dadurch vier Verträge zustande, trotzdem trifft er sich zu wöchentlichen Kooperations-Jour-Fixes mit jedem seiner Partner. Beim einen oder anderen Bier. Zu finden auf jeder – wirklich jeder – einzelnen Branchenveranstaltung.
Typ 4: Der ewig Unentschlossene
Muss sich noch entscheiden, was er eigentlich machen will. Hängt halb im Strukturvertrieb. Ist da aber auch eigentlich schon seit neun Monaten raus. Kennt alle Pools in- und auswendig. Will unbedingt seine 23 Teilzeit-Vertriebspartner mit anbinden. Der feuchte Traum jedes Quasi-Strukki-Pools. Nimmt jede Messe und jedes Abendgelage mit, bevor er sich entscheiden kann. Das muss gut überdacht sein.
Quasi die Vorstufe zu Typ Nr. 1. Nur mit viel Freigetränken, die der Overhead für seine Regionalpartner hoffentlich wieder reinholt.
Typ 5: Der Makler auf dem Sprung
Sein CRM-System ist von Leitz. Das führt er händisch. Kennt die Handynummer jedes Kunden auswendig. Trifft die aber sowieso alle samstags auf dem Fußballplatz. Will jetzt aber den Sprung in die Digitalisierung schaffen. Hat sich dafür vor zwölf Monaten ein Coaching geholt, das inzwischen ausgelaufen ist. Dank Hilfe dieses Coachings ist seine Firma „Versicherungsmakler Hans Meier“ jetzt auf Google Maps zu finden und er hat eine eigene Mail.
Die Website wird vom 13-jährigen Nachbarsjungen gebaut und er überlegt, einen Newsletter zu versenden. Da gibt es dann die neuesten Bedingungsupdates. Er ist ja up to date.
Typ 6: Das wandelnde Leadprojekt
Hat Meta-Ads für sich entdeckt und ist seitdem nur noch am Skalieren. Tauscht sich nicht mit Kollegen aus, weil das Zeitverschwendung ist und sowieso keine Insights liefert.
Hat von Versicherungen ungefähr so viel Ahnung wie Claude ihm mit zwei Prompts halt ausspuckt. Spricht dafür fließend Marketing und hat 300.000 Follower auf Instagram.
Denkt in Leads und Conversions. Exited nach drei Jahren Wachstumsphase für einen zweistelligen Millionenbetrag an einen Pool und holt sich sieben Mehrfamilienhäuser und einen Porsche, bevor er als Speaker auf Versicherungsevents eingeladen wird und ihn auf einmal jeder „kennt“.
Hat immerhin eine Sache verstanden, die sich alle anderen von ihm abschauen können: Fokus. Ein Funnel. Ein Produkt. Maximale Effizienz.
Wenn ich mich entscheiden könnte: Ich würde gerne fließend Marketing sprechen und Porsche fahren. ;-)
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