Interview mit Björn Deyer, Leiter Altersvorsorge, Versicherungen, IFAS und Pools bei der DWS
Herr Deyer, das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot ist eine wichtige Neuerung für die deutsche Altersvorsorge. Wie steht die DWS dazu?
Für den Sparer bedeutet diese Reform in erster Linie einen Quantensprung bei den Renditechancen und der radikalen Vereinfachung der Förderung. Durch den Wegfall zwingender Garantien kann auch dem Wunsch nach noch renditestärkeren Produkten entsprochen werden. Bei diesen Produkten fließt das Ersparte auch direkt in Anlagen wie Aktienfonds und aktienbasierte ETFs, statt zumindest teilweise in Absicherungsmechanismen allokiert zu werden. Gepaart mit der vereinfachten Förderung versteht der Sparer sofort, wie sein Geld arbeitet.
Das neue Altersvorsorgedepot stellt gleichzeitig für die Finanzbranche eine enorme Chance dar und fungiert künftig als zentrale Schnittstelle zum Kunden, ähnlich wie früher das Girokonto. Von der Frühstart-Rente bis zur Auszahlungsphase im Rentenbezug wird das Depot zum entscheidenden Nukleus der langfristigen Kundenbeziehung.
Wird die Nachfrage nach privater Altersvorsorge steigen?
Ja, absolut, ich rechne mit einem deutlichen Nachfrageschub. Die Bürger haben seit Jahren auf eine einfache, verständliche Lösung für ihre Altersvorsorge gewartet. Das alte System war vielen schlicht zu kompliziert.
Ein entscheidender Treiber ist hierbei auch die klare Kommunikation der Bundesregierung: Durch die unmissverständlichen Signale zur Notwendigkeit einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge ist in der Bevölkerung ein völlig neues Bewusstsein für dieses Thema entstanden. Die Menschen erkennen jetzt viel klarer, dass sie selbst aktiv werden müssen. Die Kombination aus diesem neuen Bewusstsein und einem unkomplizierten, staatlich geförderten Produkt wird die Nachfrage massiv ankurbeln.
Wird Ihrer Meinung nach das Standardprodukt oder das Nicht-Standardprodukt eine größere Rolle spielen?
Ich sehe hier kein Entweder-oder, sondern einen klaren Bedarf für beide Produktvarianten. Der Markt wird sich differenzieren, da die Bedürfnisse der Sparer sehr unterschiedlich sind.
Das Standardprodukt erfüllt eine wichtige Einstiegsfunktion für eine bestimmte Gruppe von Bürgern. Wer eine sehr einfache und vollkommen standardisierte Lösung sucht, findet hier einen guten Zugang.
Gleichzeitig wird ein sehr großer Teil der Bevölkerung differenziertere Anforderungen stellen. Diese Menschen verlangen nach individuelleren Optionen – sei es durch eine breitere Fondsauswahl zur gezielten Renditeoptimierung, durch intelligentere Lebenszyklusmodelle für eine dynamische Risikosteuerung im Vertragsverlauf oder durch zusätzliche Features. Beide Ansätze sind für den Markterfolg essenziell und ergänzen sich perfekt.
Seite 1 DWS: „Maklermarkt gewinnt für uns durch das AV-Depot an Bedeutung“
Seite 2 Was plant die DWS selbst bei der Produktauswahl?
Seite 3 Gerade Makler und Berater machen sich viele Gedanken um den Kostendeckel von 1% beim Standardprodukt und die Verteilung der Verwaltungs- und Vertriebskosten auf die gesamte Vertragslaufzeit. Wie sehen Sie das?
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können
- 2 Aufrufe