In den größten Unternehmen hierzulande stagnierte der Frauenanteil in den Vorständen im vergangenen Jahr. Er lag Ende 2025 in den meisten der untersuchten Unternehmensgruppen bei maximal etwa 20% und war teilweise sogar rückläufig. Das sind Ergebnisse aus dem aktuellen Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).
Wieder mehr männliche Vorstandsmitglieder
Das DIW hat zudem herausgefunden, dass die Stagnation in vielen Fällen nicht auf eine sinkende Zahl von Frauen in Vorständen zurückzuführen war, sondern auf einen im Vergleich zum Vorjahr stärkeren Zuwachs männlicher Vorstandsmitglieder. Doch es gibt auch eine Branche, in der es anders lief: den Finanzsektor. Hier ist der Frauenanteil in den Vorständen weiter gestiegen.
„Die jüngste Entwicklung ist ein Warnsignal“
Noch sei laut Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics im DIW Berlin, unklar, ob man es mit einer kurzfristigen Delle oder dem Beginn einer längeren Stagnation beim Frauenanteil in Spitzenpositionen zu tun habe. „Klar ist aber: Die jüngste Entwicklung ist ein Warnsignal, dass Fortschritte bei der Gleichstellung in Führungspositionen kein Selbstläufer sind“, so Wrohlich.
Versicherungs- und Finanzbranche bildet Ausnahme
Das Managerinnen-Barometer erscheint in diesem Jahr zum 20. Mal. Und die Bilanz über die vergangenen 20 Jahre hinweg fällt insgesamt positiv aus. Der Beginn der Datenerfassung liegt im Jahr 2006. Seitdem ist der Frauenanteil in den obersten Entscheidungsgremien großer Unternehmen hierzulande deutlich gestiegen, heißt es. Lag der Anteil der Vorständinnen in den 200 umsatzstärksten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors 2006 noch bei gut 1%, steht er im Spätherbst 2025 bei rund 19%.
In der Versicherungs- und Finanzbranche liegt der Anteil aktuell noch höher: Die größten Banken und Versicherungen steigerten sich von 2,5% auf aktuell 21 bis 22%. Auch in den Aufsichtsräten nahm der Frauenanteil in allen Gruppen deutlich zu.
Besonders hebt das DIW noch die DAX-40-Unternehmen hervor: Hier lag der Frauenanteil in den Vorständen noch bis Mitte der 2000er-Jahre fast bei null. Nun jedoch beträgt er gut ein Viertel. Unternehmen mit Bundesbeteiligung zeigen laut DIW ebenfalls seit Jahren überdurchschnittlich hohe Frauenanteile in den Vorständen. Trotz eines leichten Rückgangs in den vergangenen beiden Jahren belegen sie mit rund 32% sogar die Spitzenposition.
Gerechter Gender Gap?
Eine weitere Studie im Rahmen des diesjährigen Managerinnen-Barometers zeigt, dass die Entwicklung der Frauenanteile in Führungspositionen nicht nur für die Zusammensetzung von Vorständen und Aufsichtsräten relevant ist, sondern darüber hinaus wirkt. Auf Basis eines Befragungsexperiments wurde demnach untersucht, wie Beschäftigte die Gerechtigkeit von Löhnen bewerten. Heraus kam ein deutlicher Gender Gap: Als gerecht sahen die Befragten im Durchschnitt niedrigere Löhne für Frauen an. Wenn allerdings innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren eine Frau anstelle eines Mannes ihre direkte Führungskraft am Arbeitsplatz wurde, änderten sie ihre Einschätzungen und der Gender Gap in den als fair erachteten Löhnen sank.
Laut DIW macht diese Analyse deutlich, dass nicht die bloße Anwesenheit von Frauen am Arbeitsplatz entscheidend ist, sondern auch die hierarchische Position. „Frauen in Führungsrollen können dazu beitragen, tief verankerte geschlechterstereotype Zuschreibungen aufzubrechen, indem sie etablierte Statusannahmen infrage stellen und als konkrete Vorbilder wirken“, meint Wrohlich. „Sie beeinflussen also nicht nur die Arbeit in den Gremien, sondern potenziell die Einstellungen und Erwartungen der gesamten Belegschaft.“ Ein höherer Frauenanteil im Management könne so langfristig zu mehr Chancengleichheit beitragen. Eine Stagnation oder gar ein Rückgang der Frauenanteile in Führungspositionen würde diese positiven Effekte hingegen bremsen. (lg)
Über das DIW Managerinnen-Barometer
Das DIW Managerinnen-Barometer ist die größte regelmäßige Auswertung zur Repräsentation von Frauen in Spitzengremien in Deutschland. In die aktuelle Analyse flossen Daten von mehr als 500 Unternehmen ein, darunter die 200 umsatzstärksten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors, die 160 DAX-Unternehmen sowie die 100 größten Banken, 60 Versicherungen und über 70 Unternehmen mit Bundesbeteiligung.
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