AssCompact suche
Home
Assekuranz
14. September 2026
Frank Kettnaker zur AV-Reform: „Der GDV hat mich zutiefst enttäuscht“

2 / 3

Frank Kettnaker zur AV-Reform: „Der GDV hat mich zutiefst enttäuscht“

Frank Kettnaker zur AV-Reform: „Der GDV hat mich zutiefst enttäuscht“

Oberster Interessenvertreter ist der GDV. Was hätte der Verband konkret anders machen müssen?

Ich hätte vom GDV eine klare Position erwartet. GDV heißt Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Er ist der Interessenvertreter dieser Branche. Ich hätte erwartet, dass er sagt: Einen Beratungs- und Dokumentationsverzicht unterstützen wir so nicht. Und wir unterstützen auch nicht, dass der Staat unter anderen Rahmenbedingungen als Wettbewerber auftritt. Da hätte ich mir klare Kante gewünscht.

Stattdessen stimmt man einem Beratungs- und Dokumentationsverzicht zu. Das enttäuscht mich zutiefst. Denn warum gibt es den GDV? Weil es die privaten Versicherungsunternehmen gibt. Der Verband ist deren Interessenvertreter. Doch er erfüllt diese Rolle nicht.

Man hätte gegenüber der Politik deutlich machen müssen: Die Grundidee der Reform ist richtig, aber bei dieser Ausgestaltung gehen wir nicht mit. Ihr könnt nicht gleichzeitig Wettbewerber, Regulator und Produktgeber sein. Hier wird eine Grenze überschritten. Diesen Auftritt hätte ich mir gewünscht.

Ist das für Sie ein Fehler bei dieser konkreten Reform oder sehen Sie grundsätzlich strukturelle Probleme beim GDV?

Ich glaube, dass der GDV heute nicht mehr so tief in der Politik vernetzt ist, wie das früher einmal der Fall war. Natürlich wird er gehört. Aber zwischen „gehört werden“ und der tatsächlichen Aufnahme von Argumenten liegt ein großer Unterschied. Ich war selbst in politischen Kommissionen und habe erlebt, dass es anschließend hieß: Die Versicherungswirtschaft saß doch mit am Tisch. Ja, aber das bedeutet noch lange nicht, dass ihre Argumente auch verstanden oder berücksichtigt wurden.

Hinzu kommt aus meiner Sicht eine nicht ausgereifte Kommunikationsstrategie beim GDV. Einzelne Gesellschaften geben Statements ab, dann kommt irgendwann der GDV – und am Ende stehen unterschiedliche Positionen im Raum. Für die Politik ist es dann leicht zu sagen: Werdet euch erst einmal einig.

Ein Problem, das über den GDV hinausgeht…

Ja, das ist nicht ausschließlich ein Problem des GDV, sondern teilweise auch hausgemacht. Trotzdem muss ein Gesamtverband genau solche Interessen koordinieren. Wir brauchen eine abgestimmte Position und eine klare Kommunikationsstrategie.

Wie sollte sich der GDV dann verändern?

Ich finde, man sollte über die Strukturen des Verbandes nachdenken. Bestimmte Positionen werden mir zu sehr weitergereicht, fast wie in einem Königshaus. Ich habe schon vor Jahren vorgeschlagen, das Präsidium breiter aufzustellen und regelmäßig rotieren zu lassen, sodass große internationale Versicherer, Mittelständler und andere Teile des Marktes angemessen vertreten sind. Auch der GDV sollte sich fragen: Wofür bin ich da, wessen Interessen vertrete ich und wie koordiniere ich diese Interessen? Die Welt verändert sich, der GDV hingegen nicht.