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18. August 2026
GDV-Chef Asmussen über Altersvorsorge, Prioritäten und Wert der Beratung

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GDV-Chef Asmussen über Altersvorsorge, Prioritäten und den Wert der Beratung

GDV-Chef Asmussen über Altersvorsorge, Prioritäten und Wert der Beratung

Der GDV vertritt mehrere Hundert Versicherungsunternehmen hierzulande. Wie gelingt es, diese unterschiedlichen Interessen zu einer gemeinsamen Position zusammenzuführen?

Ich bin zutiefst überzeugt, dass unsere Stärke darin liegt, ein Gesamtverband zu sein. Wir haben in der Tat derzeit 460 Mitglieder. Wir vertreten international tätige Versicherungsgruppen ebenso wie mittelständische Unternehmen und hochspezialisierte Versicherer – etwa Anbieter, die nur bestimmte Risiken oder Regionen absichern. Diese Unternehmen sind alle bei uns. Ich glaube, das ist eine echte Stärke. Im Bankensektor etwa gibt es sechs Verbände. Das schwächt die Interessenvertretung meiner Meinung nach. Auf der anderen Seite müssen wir natürlich sicherstellen, dass wir alle diese Interessen auch gemeinsam abbilden.

Unsere Positionen entstehen von unten nach oben. Dafür haben wir mehr als 200 Gremien. Die Themen werden dort diskutiert und anschließend in den drei Präsidialausschüssen – Leben, Nichtleben und Finanzmarktregulierung – sowie schließlich im Präsidium zusammengeführt. Wenn es unterschiedliche Auffassungen gibt, werden sie auf dieser Ebene entschieden.

Wichtig ist dabei unser Grundsatz „One member, one vote“. Jedes Mitglied hat in der Mitgliederversammlung dieselbe Stimme – unabhängig von seiner Größe. Zugleich haben wir mit dem „Netzwerk Proportionalität“ ein spezielles Format, in dem wir gezielt die Situation kleiner und weniger komplexer Versicherer adressieren, weil sie regulatorische Anforderungen naturgemäß anders bewältigen müssen als große internationale Konzerne.

Mit der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge hat sich der GDV dafür ausgesprochen, die verpflichtende Beratung beim Standardprodukt entfallen zu lassen. Vermittlerverbände warnen jedoch vor Nachteilen für Beratungsqualität und Verbraucherschutz. Warum hält der GDV diesen Schritt dennoch für richtig?

Wir nehmen diese Sorge ernst. Ich kenne natürlich die Kritik der Vermittlerverbände an der Position des GDV. Unsere Position bezog sich ausschließlich auf das vom Staat klar definierte kostengedeckelte Standardprodukt mit dem im Gesetz vorgeschriebenen digitalen Abschlussweg. Nach heutiger Rechtslage sind Versicherer und Versicherungsvermittler selbst in diesem Fall zur persönlichen Beratung verpflichtet. So eine Pflicht gibt es in anderen Ländern der EU nicht und auch nicht in anderen Bereichen der Finanzindustrie.

Plattformen, Neobroker oder Banken unterliegen dieser Beratungspflicht für vergleichbare Produkte nicht. Dadurch entstehen unterschiedliche Spielregeln für denselben Produkttyp und denselben Kostendruck. Deshalb haben wir uns dafür ausgesprochen, die Beratungspflicht für dieses Standardprodukt, das laut Gesetzesbegründung prinzipiell ohne Beratung konzipiert ist, entfallen zu lassen, damit die Versicherungsbranche unter gleichen Wettbewerbsbedingungen agieren kann.

Bedeutet das aus Ihrer Sicht, dass persönliche Beratung künftig an Bedeutung verliert?

Nein. Beratung bleibt wichtig und ist sinnvoll – dort, wo sie einen echten Mehrwert bietet. Das gilt insbesondere für individuelle Vorsorgelösungen. Sobald jemand über das Standardprodukt hinausgeht und beispielsweise Berufsunfähigkeitsschutz oder weitere Absicherungen wünscht, verlassen wir den Bereich des Standardprodukts. Dann ist persönliche Beratung aus unserer Sicht weiterhin der richtige Weg.

Unsere Position bezieht sich ausschließlich auf gesetzlich definierte Produkte wie das Standarddepot. Eine Ausweitung unserer Forderung auf andere Aspekte im Versicherungsbereich ist weder unsere Position noch sehe ich dafür derzeit eine politische Diskussion.

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Seite 3 Es gibt Zweifel daran, dass das staatliche Standardprodukt in der privaten geförderten Altersvorsorge wie geplant Anfang 2027 starten kann. Was ist Ihre Einschätzung dazu?