Ein Artikel von Thomas Billerbeck, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler e. V. (BDVM), und Dr. Manuela Wolf, Projektmanagerin Vertrieb der Zukunft, Versicherungsforen Leipzig
Die Absicherung von Gewerbe- und Industriebetrieben gerät zunehmend unter Druck. Unternehmen und Makler spüren immer stärker, wie sich die verfügbaren Versicherungskapazitäten verknappen. Eine aktuelle Befragung des Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler e. V. (BDVM), durchgeführt von den Versicherungsforen Leipzig, bestätigt diesen Trend. Die Mehrheit der Befragten berichtet von deutlichen bis starken Engpässen, die vor allem das Industriegeschäft betreffen. Verantwortlich dafür sind insbesondere eine strengere Risikoselektion und ein geringerer Risikoappetit der Versicherer.
Um diese Entwicklungen fundiert zu erfassen, beauftragte der BDVM im April 2025 eine Online-Umfrage, an der 128 Mitglieder teilnahmen. Die Befragten vertreten Kunden aus Gewerbe und Industrie, wobei die Verteilung der Geschäftsfelder ausgewogen ist. Ziel der Untersuchung war, den aktuellen Deckungsnotstand zu erfassen, Ursachen zu analysieren und mögliche Lösungswege zu identifizieren.
Industrieversicherung: Kapazitätsengpässe treffen die Risikoabsicherung
Die Ergebnisse zeigen: Drei Viertel der im Industrieversicherungsbereich tätigen Makler bewerten die Absicherung ihrer Industriekunden als schwierig bis sehr schwierig. Im Gewerbegeschäft sind es knapp 30%. Besonders ausgeprägt sind die Engpässe bei versicherungstechnischen Risiken wie Feuer, Explosion, Blitzschlag und Leitungswasser (80%), Betriebsunterbrechungen (63%) sowie Naturkatastrophen (44%). Branchen wie Abfallwirtschaft und Recycling sind mit 66% am stärksten betroffen. Für Unternehmen bedeuten diese Engpässe vor allem steigende Prämien und höhere Selbstbeteiligungen.
Doch die Ursachen gehen tiefer. Zwar treten Engpässe oft ab Versicherungssummen von rund 10 Mio. Euro auf, doch die Makler sehen vor allem branchen- und risikospezifische Faktoren als Haupttreiber. Die Absicherungssituation hat sich verschärft, besonders in der industriellen Sachversicherung. Betroffen sind unter anderem Holzverarbeitung, Recycling, Metallverarbeitung sowie Lebensmittel- und Kunststoffindustrie. Die Gründe liegen in einem verminderten Risikoappetit, strengeren Risikoselektionen und höheren Anforderungen an technische und sicherheitsrelevante Ausstattungen.
Versicherungsschutz erschwert: Herausforderungen bei Prämien und Zugang
Diese Kapazitätsengpässe wirken sich unmittelbar auf die Kunden aus. Steigende Prämien, erhöhte Selbstbeteiligungen und verschärfte Brandschutzauflagen erschweren den Zugang zu Versicherungsschutz. Besonders kleinere Makler und Kunden mit komplexen Risiken spüren diese Folgen deutlich. Große Makler profitieren dagegen von bevorzugtem Zugang zu Versicherern, was die Marktverhältnisse weiter verschärft. Zudem führt die reduzierte Deckung häufig zu Deckungslücken bei den Kunden.
Angesichts dieser Situation setzen Makler verstärkt auf eine offene und frühzeitige Kommunikation mit ihren Kunden. Rund 70% informieren ihre Kunden proaktiv über Marktveränderungen, während 67% ihre Verhandlungsaktivitäten mit Versicherern intensivieren. Auch der Ausbau von Risikomanagement und Präventionsberatung gewinnt an Bedeutung, um die Versicherbarkeit der Kunden zu verbessern. Allerdings hängt der Erfolg von Verhandlungen stark von der Größe des Maklerunternehmens ab.
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