Ein Gastbeitrag von Sascha Mermann, geschäftsführender Gesellschaft bei VON POLL FINANCE
Die Nachfrage nach Immobilienkrediten belebt sich wieder spürbar. Laut der Deutschen Bundesbank wurden im ersten Quartal 2026 Wohnungsbaukredite in Höhe von rund 61 Mrd. Euro neu vergeben – der höchste Wert seit der Zinswende 2022. Besonders dynamisch entwickelte sich der März mit rund 24 Mrd. Euro Neugeschäft.
Damit kommt wieder mehr Bewegung in den Baufinanzierungsmarkt. Von einer Rückkehr zum Umfeld der Boomjahre 2020 und 2021 kann allerdings keine Rede sein. Der Markt ist anspruchsvoller geworden – für Käufer, Banken, Makler und Finanzierungsberater gleichermaßen.
Steigende Finanzierungskosten, geopolitische Unsicherheiten und die Sorge vor weiter anziehenden Zinsen haben zuletzt vielerorts zu schnelleren Kaufentscheidungen geführt. Viele Interessenten wollten sich Finanzierungen frühzeitig sichern. Gleichzeitig stabilisiert sich der Immobilienmarkt zunehmend. Nach Angaben von VON POLL IMMOBILIEN Research lagen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäusern im ersten Quartal 2026 um 2,8% über dem Vorjahresniveau. Bei Eigentumswohnungen fiel der Anstieg mit 3,3% sogar noch etwas stärker aus.
Auch auf den Mietmärkten bleibt die Situation angespannt. Die Neuvertragsmieten steigen weiter, insbesondere in Ballungsräumen. Für viele Haushalte wächst damit erneut der Druck, sich mit dem Thema Eigentum auseinanderzusetzen. Genau daraus entsteht neuer Beratungsbedarf.
Beratungsqualität wird zum entscheidenden Faktor
Während in der Niedrigzinsphase häufig Geschwindigkeit und Kondition im Vordergrund standen, rücken heute langfristige Tragfähigkeit, Eigenkapitalquote und Finanzierungssicherheit deutlich stärker in den Fokus. Käufer beschäftigen zunehmend Fragen nach der langfristigen Belastbarkeit ihrer Finanzierung, möglichen Modernisierungskosten oder den Auswirkungen künftiger Anschlussfinanzierungen.
Damit verändert sich auch die Rolle der Finanzierungsberatung. Kunden erwarten heute nicht allein einen Zinsvergleich, sondern eine realistische Einordnung ihrer finanziellen Möglichkeiten und Risiken. Gefragt sind belastbare Finanzierungskonzepte, transparente Szenarien und eine Beratung, die auch langfristige Entwicklungen berücksichtigt.
Hinzu kommt, dass Banken wieder genauer prüfen. Die BaFin hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass bei rund 14% der neu vergebenen Wohnimmobilienkredite das Darlehensvolumen über dem Wert des finanzierten Objekts lag (AssCompact berichtete: Bafin warnt vor riskanten Baufinanzierungen). Die Finanzaufsicht sieht darin ein erhöhtes Risiko und mahnt zu vorsichtiger Kreditvergabe. Für Finanzierungsberater bedeutet das vor allem eines: Nicht jede rechnerisch mögliche Finanzierung ist automatisch auch wirtschaftlich sinnvoll.
Umso wichtiger werden eine realistische Haushaltsrechnung, ausreichende finanzielle Reserven sowie eine sorgfältige Bewertung von Objektqualität und Modernisierungskosten. Gerade in einem Markt, der wieder aktiver wird, gewinnt die Qualität der Beratung deutlich an Bedeutung.
Immobilienmakler und Finanzierungsberater rücken enger zusammen
Von dieser Entwicklung profitieren auch Immobilienmakler. Viele Marktteilnehmer registrieren zwar wieder mehr Nachfrage, gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass nicht jeder Interessent tatsächlich finanzierungsfähig oder entscheidungsbereit ist. Frühzeitige Finanzierungsprüfungen helfen dabei, Kaufpreisrahmen realistischer einzuordnen, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und geplatzte Reservierungen zu vermeiden.
Die Qualität der Vorqualifizierung entwickelt sich damit zunehmend zu einem entscheidenden Faktor im Verkaufsprozess. Je genauer Banken prüfen, desto wichtiger werden sauber vorbereitete Finanzierungsfälle und belastbare Unterlagen. Für Käufer schafft das mehr Transparenz, für Makler mehr Planungssicherheit und für Banken eine bessere Grundlage für Entscheidungen.
Gerade deshalb gewinnt die Zusammenarbeit zwischen Maklern und Finanzierungsberatern weiter an Bedeutung. Wer Interessenten frühzeitig qualifiziert, Finanzierungsspielräume realistisch bewertet und Risiken transparent kommuniziert, erhöht nicht nur die Abschlusswahrscheinlichkeit, sondern verbessert auch die Qualität der eingereichten Finanzierungsfälle.
Neue Chancen für Finanzierungsberater
Die aktuelle Marktphase eröffnet professionellen Finanzierungsberatern damit neue Chancen. Denn mit der Rückkehr der Nachfrage steigt zugleich der Bedarf an Orientierung, belastbaren Finanzierungskonzepten und einer engen Abstimmung zwischen Käufer, Makler und Bank.
Die steigende Kreditnachfrage ist damit ein positives Signal für den Immobilienmarkt. Sie markiert jedoch keine Rückkehr zum einfachen Finanzierungsgeschäft früherer Jahre. Vielmehr beginnt eine Phase, in der Beratungsqualität, Verlässlichkeit und gute Vorbereitung stärker über den Erfolg entscheiden werden als reine Konditionsvergleiche. Gerade darin liegt für professionelle Finanzierungsberater und Makler eine große Chance.
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Bild: © von Poll Immobilien GmbH
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