Interview mit Alex Kallmeier, Trainerin, Beraterin und Geschäftsführerin der VersCare Versicherungsmakler GmbH
Frau Kallmeier, Sie sind sehr aktiv, was das Thema „Frauen in der Branche“ – insbesondere im Vertrieb – angeht. Woher kommt Ihr großes Engagement in diesem Bereich?
Mein Anfang vor über 25 Jahren in der Versicherungsbranche war herausfordernd. Wie oft war ich die einzige oder eine von wenigen Frauen. Anfangs dachte ich: „Ich darf nicht auffallen.“ Ich wollte es allen recht machen – und merkte, dass meine Ideen trotzdem länger erklärt werden mussten, während andere sofort Gehör fanden. Das war frustrierend – und teilweise einsam. Immer wieder habe ich mich aufs Neue getraut, meine Meinung zu vertreten und Ideen einzubringen. Mir wurde klar: Wir Frauen dürfen sichtbar sein. Unsere Perspektiven schaffen echten Mehrwert – für Kunden, Teams und Unternehmen. Frauen besser zu fördern, ist also auch ein Beitrag zu gesellschaftlicher Fairness.
Und deswegen will ich Frauen ermutigen, in der Versicherungsbranche tätig zu werden. Es ist eine gesellschaftliche Verantwortung. Versicherungen haben oft mit Themen wie Vorsorge, Absicherung und Risiko zu tun – alles Bereiche, die auch Frauen besonders betreffen, z. B. Lohnunterschiede, Teilzeitkarrieren, Altersvorsorge.
Was bedeutet für Sie Frauenförderung konkret?
Frauen fördern heißt Chancengleichheit schaffen, Innovationen stärken, Talente sichern und die Unternehmenskultur positiv verändern – alles Faktoren, die in der Versicherungsbranche heute entscheidend sind. Die Versicherungsbranche ist traditionell männlich dominiert, besonders im Vertrieb und in Führungspositionen. Wenn Frauen sichtbar Führungsverantwortung übernehmen, ermutigt das junge Talente und trägt zu einer Arbeitskultur bei, in der echte Ausgewogenheit gelebt wird. Engagiert man sich gezielt für Frauen, werden Vorurteile abgebaut und stereotype Rollenbilder herausgefordert.
Es gibt ja auch Menschen, die sich von diesen Themen gar nicht angesprochen bzw. abgeholt oder sogar abgeschreckt fühlen. Was sagen Sie denen?
Klar, manche Menschen fühlen sich abgeholt, andere nicht, das ist normal. Ich denke, wir sind gefordert, Brücken zu bauen, um zu zeigen, dass Diversität keine Bedrohung, sondern eine Chance ist. Wichtig ist auch, Mythen zu entkräften. Frauenförderung heißt nicht „Männer benachteiligen“, sondern Chancen gleich verteilen. Für mich geht es immer darum, Potenziale zu nutzen, die dem ganzen Team und Unternehmen zugutekommen. Studien zeigen, dass divers zusammengesetzte Teams bessere Entscheidungen treffen, kreativer sind und Kundenbedürfnisse breiter abdecken.
Das unterstreicht klar: Wenn wir Frauen im Vertrieb stärken, profitieren wir alle: bessere Ergebnisse, stärkere Teams und zufriedene Kund:innen. Frauenförderung ist also kein Nice-to-have – sondern ein klarer Wettbewerbsvorteil für unser Unternehmen.
Hat das Thema aus Ihrer Sicht denn auch etwas mit der Zukunftsfestigkeit von Maklerunternehmen zu tun?
Die Branche hat einen deutlichen Nachwuchsmangel, insbesondere im Vertrieb und in Führungspositionen. Zukunftsfest bedeutet für mich, dass man genügend qualifizierte Menschen für Schlüsselpositionen hat, um das Unternehmen langfristig erfolgreich zu halten. Unternehmen, die Diversität leben, sind attraktiver für neue Talente und schaffen eine offene, motivierende Kultur. Das macht Unternehmen resilienter gegenüber Marktveränderungen. Frauenförderung ist ein strategischer Hebel für die Zukunftsfähigkeit von Maklerunternehmen.
Seite 1 Kein Problem für Männer, nur für alte Denkmuster
Seite 2 Wo begegnen „FemSurance“-Themen den in der Branche tätigen Personen im eigenen Arbeitsalltag bzw. wo Maklern speziell?
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