Die Lage bei den deutschen Lebensversicherern ist entspannter als noch in den Vorjahren. „Insgesamt haben die Lebensversicherer wieder mehr finanzielle Bewegungsfreiheit“, erklärt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH.
Das Analysehaus verweist in seinem Marktausblick zur Lebensversicherung 2026 auf einige Entwicklungen, die zu einer „soliden Ausgangslage“ für die Branche führen: So stärken beispielsweise höhere Zinsen die Neuanlagerenditen und entlasten die Finanzierung der Garantien. Zudem ist der branchenweite Bestand in der Zinszusatzreserve (ZZR) der Lebensversicherer nach Berechnungen der Assekurata Ende 2025 erstmals wieder unter 80 Mrd. Euro gesunken – merklich unter dem historischen Höchststand von 96 Mrd. Euro aus dem Jahr 2021. Die durchschnittliche Solvenzquote lag Ende 2025 bei 380% – und übertraf damit das Vorjahresniveau von 298% deutlich.
Verwaltungskosten angestiegen
Auf der anderen Seite sind die Verwaltungsstückkosten angestiegen – aktuell kostet die Verwaltung einer Lebensversicherung aktuell 27 Euro pro Vertrag. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es rund 25 Euro, vor 15 Jahren weniger als 23 Euro. Gleichzeitig sank der Bestand an Lebensversicherungsverträgen in den letzten 15 Jahren um rund 10 Millionen auf zuletzt etwa 79 Millionen. Zwar geht die klassische Verwaltungskostenquote (in Prozent der Bruttobeiträge) langfristig eher zurück, die auf laufende Beiträge bezogene Quote stagniert oder steigt allerdings leicht – vor allem, weil das Neugeschäft 2025 durch Einmalbeiträge (+17%) wuchs, während die laufenden Beiträge nahezu unverändert blieben.
AV-Reform erhöht Wettbewerbsdruck
„Die verbesserte Ertragslage darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Geschäftsmodelle auf der Kostenseite strukturell angespannt sind“, erklärt Heerman. Dieser Aspekt dürfte ab 2027 laut Einschätzung der Assekurata weiter an Bedeutung gewinnen, insbesondere angesichts der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge. Grund dafür ist, dass geförderte Vorsorgelösungen dann stärker über Kosten, Transparenz und digitale Abschlussfähigkeiten vergleichbar werden.
Assekurata erwartet, dass die Reform den Wettbewerbsdruck in der Branche erhöhen wird. Das neue Förderregime wird die Vergleichbarkeit mit Depot-, Fonds- und Plattformlösungen erhöhen und neben der Ansparphase auch die Rentenphase stärker in den Wettbewerb stellen. Künftig wird es neben einer lebenslangen Auszahlung auch die Option eines Auszahlplans geben.
Damit steigt der Druck auf die Versicherer, den Wert einer Leibrente verständlicher und flexibler zu vermitteln. „Die lebenslange Verrentung ist kein Relikt aus alten Zeiten, sondern ein Kernnutzen der Lebensversicherung“, so Heermann. Allerdings gerate sie stärker unter Erklärungsdruck und müsse im Kundengespräch plausibel erläutert werden.
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