Ein Artikel von Michael Bickel, Geschäftsführer bei Sachkundegurus
Ab November 2026 führt die Gewerbeordnung (GewO) mit § 34k eine eigenständige Regulierung der Vermittlung von Allgemein-Verbraucherdarlehen ein. Die neuen Anforderungen an die Verbraucherkreditvermittlung verpflichten Tausende Finanzdienstleister und Vermittler zu Sachkundenachweisen, regelmäßiger Weiterbildung und Registrierung. Ein großer Teil der aktiven Vermittler muss entweder erstmals eine IHK-Sachkundeprüfung ablegen oder die Voraussetzungen der „Alte-Hasen“-Regelung bis spätestens 31.05.2027 nachweisen. Gleichzeitig steigt der Weiterbildungsbedarf für Unternehmen, da neben den Selbstständigen auch Beschäftigte künftig stärker reguliert werden, die an Vermittlung mitwirken.
In den vergangenen Monaten haben sich die Fragen nach Sachkunde der Vermittler und Unternehmen bereits spürbar verändert. Standen zuvor Fristen, Übergangsregelungen oder die Sachkundeprüfung im Mittelpunkt, geht es jetzt auch um organisatorische Themen: Welche Mitarbeitenden sind betroffen? Wie lässt sich Weiterbildung in bestehende Vertriebsstrukturen integrieren?
Was zunächst lediglich wie eine regulatorische Änderung wirkt, entwickelt sich zu einer der spürbarsten Qualifizierungswellen der vergangenen Jahre in der Finanzvermittlung. Entscheidend wird sein, wie Unternehmen die neuen Anforderungen in ihre Organisation und ihre Beratungsprozesse integrieren.
Die Sachkundeprüfung ist nur der Startpunkt
Viele Diskussionen rund um die neue Verbraucherkredit-Regulierung konzentrieren sich derzeit auf die Sachkundeprüfung selbst. Das ist nachvollziehbar, greift jedoch zu kurz. Mit bestandener Prüfung und Sachkundenachweis sind zwar die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt. Der eigentliche Qualitätsanspruch der neuen Regeln beginnt jedoch dort, wo Kreditvermittler dieses Wissen sicher im Alltag anwenden und Kunden verlässlich beraten.
Dafür braucht es Lern- und Qualifizierungskonzepte, die Wissen praxisnah vermitteln. Sachkundegurus etwa bereitet Vermittler gezielt auf die Sachkundeprüfung vor und verknüpft dabei regulatorisches Wissen mit typischen Beratungssituationen, sodass Kreditprodukte, Marktmechanismen und Verbraucherschutz nicht nur für die Prüfung, sondern auch für den Beratungsalltag verständlich werden.
Gute Qualifizierung braucht mehr als eine Prüfung
Die neuen Anforderungen betreffen Vermittler und Unternehmen gleichermaßen. Vermittler müssen sich auf neue fachliche Anforderungen einstellen; Unternehmen ihre Prozesse neu aufstellen: Welche Mitarbeitenden fallen unter die neuen Regelungen? Für wen ist die Übergangsregelung („Alte Hasen“) relevant? Die Qualifizierung zu organisieren und das neue Wissen anschließend dauerhaft zu integrieren, macht die Verbraucherkreditvermittlung zu einer organisatorischen Aufgabe für das gesamte Unternehmen.
Auch die Prüfungsvorbereitung selbst muss sich an diese Rahmenbedingungen anpassen. Vermittler bereiten sich oft parallel zum Tagesgeschäft auf die neuen Vorgaben vor. Klassische Weiterbildungsmodelle mit mehrtägigen Präsenzseminaren oder langen Webinar-Reihen stoßen da an ihre Grenzen. Gefragt sind Lernkonzepte, die sich flexibel an den Arbeitsrealitäten orientieren, in den Alltag integrieren lassen und dabei gleichzeitig mit fachlicher Tiefe die Voraussetzung schaffen, Zusammenhänge zu verstehen und Vorgaben anhand praxisnaher Beispiele einzuordnen. Nachhaltige Qualifizierung erfolgt heute mittels individueller und digital unterstützter Lernkonzepte. Diese geben Vermittlern die Möglichkeit, sich flexibel auf die neuen Anforderungen vorzubereiten, und helfen Unternehmen, Qualifizierung dauerhaft in ihre Prozesse zu integrieren.
Marktverschiebung schon heute spürbar
Die neuen Anforderungen rücken die Verbraucherkreditvermittlung innerhalb vieler Unternehmen stärker in den Fokus. Was bislang häufig als ergänzendes Geschäftsfeld betrieben wurde, entwickelt sich zu einem eigenständig regulierten Bereich mit verbindlichen Mindeststandards, höheren Anforderungen an Sachkunde, Dokumentation und Beratung.
Wie stark sich diese Veränderungen in der Praxis auswirken, entscheidet sich jedoch nicht durch das Gesetz selbst, sondern durch den Umgang der Unternehmen mit den neuen Vorgaben. Für sie stellt sich eine grundsätzliche Frage. Welche Bedeutung soll die Verbraucherkreditvermittlung künftig für ihr Geschäftsmodell haben?
Davon wird auch der Markt insgesamt betroffen sein. Unternehmen, die sich bewusst für die Verbraucherkreditvermittlung entscheiden, werden ihre Prozesse weiter professionalisieren. Andere werden sich aus dem Geschäft zurückziehen. Dadurch wird sich die Struktur des Marktes ebenso verändern wie die Qualität der Beratung.
Seite 1 Neue Verbraucherkredit-Regeln lösen Qualifizierungswelle aus
Seite 2 Sachkundeprüfung für Verbraucherkreditvermittler nimmt konkrete Formen an
Michael Bickel - Anmelden, um Kommentare verfassen zu können
- 3 Aufrufe