„Der beste Schaden ist der, der gar nicht erst entsteht“ – dieser Satz dürfte jedem in der Versicherungswirtschaft geläufig sein. Er bringt den Grundgedanken der Schadenprävention treffend auf den Punkt. Tatsächlich gewinnen Maßnahmen zur Risikoreduzierung aufseiten der Versicherungsnehmer im Zusammenhang mit dem Abschluss von Versicherungsschutz zunehmend an Bedeutung. Vor allem in der Kompositversicherung erwarten Versicherer von ihren Kunden immer häufiger konkrete Maßnahmen zur Schadenvermeidung. Das gilt insbesondere im Gewerbe- und Industriekundengeschäft.
Für Versicherungsmakler stellt sich damit die Frage, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Beratungspraxis hat. Ebenso relevant ist, ob sich Investitionen in Präventionsmaßnahmen für Kunden wirtschaftlich auszahlen – etwa durch günstigere Prämien oder verbesserte Versicherungsbedingungen.
Dass Prävention im Markt an Bedeutung gewinnt, zeigt auch die aktuelle AssCompact AWARD-Studie „Gewerbliches Schaden-/Unfallgeschäft“. Demnach geben 50% der befragten Versicherungsmakler an, dass präventive Maßnahmen bereits vor Vertragsabschluss wichtiger werden. 70% erleben zudem, dass Versicherer deutlich höhere Anforderungen an die Risikoinformationen der Unternehmen stellen.
Prävention war aber schon immer Bestandteil eines professionellen Risikomanagements und eine Voraussetzung für die Versicherbarkeit. Neue datenbasierte Technologien und detailliertere Risikobewertungen eröffnen heute neue Möglichkeiten, Risiken präziser zu analysieren und Präventionsmaßnahmen gezielter einzusetzen.
Prävention als Voraussetzung für Versicherungsschutz?
Bedeutet diese Entwicklung, dass Unternehmen künftig ohne Präventionsmaßnahmen keinen Versicherungsschutz mehr erhalten? Eine pauschale Antwort gibt es darauf nicht. Vielmehr hängt dies von Branche, Sparte und Risikoprofil ab. Besonders wichtig ist Prävention dort, wo hohe Schadenpotenziale bestehen, etwa bei Feuer-, Naturgefahren-, Cyber- oder Betriebsunterbrechungsrisiken. Hinzu kommen in einigen Bereichen gesetzliche und behördliche Vorgaben, beispielsweise in der Umwelthaftpflicht. Auch bei kleinen und mittleren Unternehmen mit kritischer Infrastruktur oder komplexen Lieferketten gewinnt Prävention zunehmend an Bedeutung.
Für Andreas Faden, Geschäftsführer des Versicherungsmaklers Leue & Nill, ist die Entwicklung eindeutig: „Prävention wird vom Nice-to-have zum Must-have. Versicherer kalkulieren zunehmend noch stärker risikobasiert. Wer präventiv handelt, zahlt weniger. Ohne Prävention wird Versicherungsschutz in vielen Branchen zwar nicht unmöglich werden, aber zunehmend wirtschaftlich unattraktiv. Hochexponierte Branchen werden nicht mehr versicherbar sein.“
Auch für Christoph Willi, Vorstand Schadenversicherung der Helvetia Deutschland, gehören Versicherungsschutz und Prävention untrennbar zusammen: „Die Versicherung eines Risikos ist Teil des Risikomanagements. Dem Entschluss, ein Risiko zu versichern, gehen die Fragen voraus, wie Risiken vermieden oder vermindert werden können. In diesem Sinne ist Prävention schon immer eine Voraussetzung für ein professionelles Risikomanagement und die Versicherbarkeit gewesen. Wichtige Präventionsmaßnahmen sind beispielsweise Brandschutz oder der Schutz vor Naturgefahren. Damit schützen wir in erster Linie Menschenleben und natürlich auch Sachwerte als Existenzgrundlage für Unternehmen.“
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