Besteht die Gefahr einer Versicherungslücke?
Mit steigenden Präventionsanforderungen stellt sich allerdings die Frage, ob bestimmte Unternehmen dadurch vom Versicherungsschutz ausgeschlossen werden könnten. Hier sind die Einschätzungen von Makler und Versicherer nicht ganz einhellig.
Versicherungsmakler Faden sieht durchaus Risiken für kleinere Unternehmen: „Ja, diese Gefahr besteht – besonders bei kleineren Unternehmen mit knappen finanziellen Ressourcen. Die Herausforderung: Präventionskosten übersteigen regelmäßig die Prämienersparnis. Unsere Aufgabe als Makler ist es, skalierbare Präventionslösungen zu vermitteln und Versicherer für flexible Modelle zu sensibilisieren. Sonst riskieren wir eine Versicherungslücke im Mittelstand.“
Der Versicherer Helvetia bewertet das Risiko einer Versicherungslücke hingegen kleiner. Willi erklärt: „Wir schätzen diese Gefahr als sehr gering ein. Selbstverständlich müssen die Kosten für Prävention risikobasiert kalkuliert und bewertet werden. Aus Kostengründen auf notwendige Maßnahmen zu verzichten und den - potenziellen - Schaden an den Versicherer weiterzureichen, kann jedoch keine Lösung sein. Kosten für Präventionsmaßnahmen können auch über einen vereinbarten Zeitraum verteilt, Versicherungsdeckungen angepasst und damit partnerschaftliche Lösungen zwischen Unternehmenskunden und Versicherern gefunden werden. Ziel ist es nicht, Unternehmen vom Versicherungsschutz auszuschließen, sondern Risiken gemeinsam beherrschbar zu machen und langfristig bezahlbaren Versicherungsschutz sicherzustellen.“ Für Willi sind Investitionen in Prävention deshalb keine Zusatzkosten, sondern Bestandteil eines professionellen Risikomanagements und damit eine Investition in die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens.
Auch Faden plädiert für einen partnerschaftlichen Ansatz: „Als internationaler Makler sehen wir: Prävention ist keine Schikane, sondern Risikomanagement im eigenen Interesse. Versicherer müssen aber aufpassen, dass sie KMUs nicht überfordern und letztlich ökonomisch akzeptable Anforderungen stellen. Die Lösung liegt in Partnerschaften – Makler, Versicherer und Präventionsdienstleister müssen gemeinsam praxistaugliche, bezahlbare Lösungen entwickeln.“
Dass sich Prävention finanziell für ein Unternehmen lohnen kann, bestätigt übrigens die AssCompact AWARD-Studie: 53% der befragten Makler beobachten, dass präventive Maßnahmen zu günstigeren Versicherungsprämien führen.
Prävention braucht auch Verlässlichkeit
Fest steht: Prävention entwickelt sich zunehmend von einer Art Empfehlung zu einem festen Bestandteil der Risikobewertung. Für Makler bedeutet das, das Thema noch stärker in die Beratung zu integrieren und Kunden frühzeitig auf mögliche Anforderungen der Versicherer vorzubereiten. Gleichzeitig brauchen Unternehmen Planungssicherheit. Investieren sie erhebliche Summen in Präventionsmaßnahmen, um Versicherungsschutz zu erhalten, dürfen sie nicht bereits im nächsten Renewal mit neuen, unerwarteten Anforderungen konfrontiert werden. Entscheidend wird daher sein, dass Präventionsvorgaben nachvollziehbar, planbar und wirtschaftlich vertretbar bleiben. Denn langfristig dürfte bezahlbarer Versicherungsschutz nur dort gelingen, wo Versicherer, Makler und Unternehmen Risiken gemeinsam beherrschbar machen. (bh)
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