Vier Jahre maximale Rendite oder vier Generationen Verantwortung
Nicht jeder hat eine positive Erfahrung mit Investoren. Steffen Helmsauer, Co-Inhaber der Ende 2025 gegründeten RVH Helmsauer Brüder Versicherungsmakler GmbH, schildert, wie er den Einfluss von Private Equity im Maklerhaus sieht.
Der Versicherungsmaklermarkt hat sich in den letzten Jahren in einem Tempo konsolidiert, das noch vor zehn Jahren undenkbar war. Private-Equity-Investoren haben sich reihenweise in Maklerhäuser eingekauft, rollten Plattformen auf, verdichteten Backoffices, optimierten Marge. Wer als familiengeführtes Unternehmen in diesem Markt bestehen will, muss sich einer unbequemen Frage stellen: Ist Unabhängigkeit noch ein realistisches Geschäftsmodell oder nur noch eine schöne Erzählung für den Verkaufsprospekt?
Ich beziehe hier eine klare Position: Ja, echte Unabhängigkeit ist für einen Versicherungsmakler realistisch. Aber nur, wenn man versteht, worin sich Familienunternehmen und PE-finanzierte Konsolidierer tatsächlich unterscheiden.
Zwei Geschäftsmodelle, zwei Logiken
Der erste Unterschied ist der Zeithorizont. Ein PE-Investment mit maximalem Leverage ist im Schnitt auf höchstens vier bis sechs Jahre kalkuliert, danach muss der Exit erfolgen. Jede Investition, jede Personalentscheidung, jede weitere Maßnahme wird an diesem Zeitfenster ausgerichtet. Das ist das Geschäftsmodell: Wer mit Fremdkapital gehebelt hat, muss innerhalb der Kredit- und Fondslaufzeit liefern. Ein Familienunternehmen wie unseres denkt nicht in Fondszyklen, sondern in Generationen. Im Jahr 2026 arbeiten wir nicht für einen Exit 2032, sondern für ein Unternehmen, das für unsere Kinder und unsere Kolleginnen und Kollegen in zwanzig oder dreißig Jahren noch attraktiv ist.
Der zweite Unterschied betrifft den Menschen. In der PE-Logik sind Mitarbeitende „Human Capital“, eine Kennzahl im Modell, optimierbar wie jede andere Kostenposition. Mit unserer Familie arbeiten Kolleginnen und Kollegen seit vielen Jahrzehnten zusammen, haben unsere Kunden ebenso lang begleitet, kennen jeden Schadenfall und jede Familie hinter dem Gewerbebetrieb persönlich. Das ist kein Nostalgie-Bonus, sondern das eigentliche Kapital eines Mittelständlers. Das ist gut belegt: Studien zum Personalabbau zeigen konsistent, dass Familienunternehmen deutlich seltener zum Mittel der Entlassung greifen als vergleichbare Nicht-Familienunternehmen. Es gilt: Menschen zuerst, nicht die reine Gier nach Rendite.
Kooperation statt Konsolidierung
Unabhängigkeit heißt aber nicht Alleingang. Im Gegenteil: Die eigentliche Zukunftschance für Versicherungsmakler liegt in der Kooperation unter Gleichen – nämlich unabhängigen Unternehmern, die sich freiwillig zusammenschließen, ohne dabei Eigentum, Entscheidungshoheit oder ihren Namen aufzugeben. Wo Konsolidierer versuchen, rücksichtslos schuldenfinanziert Skaleneffekte zu erkaufen, indem sie versuchen, Eigentümer zu entmachten, können unabhängige Häuser dieselben Effekte erzielen, indem sie sich als Partner auf Augenhöhe zusammentun – gemeinsame Einkaufsmacht, gemeinsame Systeme, gemeinsames Know-how, aber jeder bleibt Herr im eigenen Haus.
Das ist die eigentliche Machtfrage hinter der Konsolidierungswelle: Nicht die schiere Größe gegen Mittelstand, sondern fremdbestimmte gegen selbstbestimmte Größe. Wer diesen Weg konsequent geht, hat aus meiner Sicht die besseren Karten – nicht trotz, sondern wegen seiner Unabhängigkeit.
Wer sein Unternehmen an einen maximal gehebelten Fonds mit sechsjährigem Anlagehorizont veräußert, verkauft nicht nur seine Anteile – er verkauft häufig die Entscheidungslogik, nach der künftig über seine Mitarbeiter, seine Kunden und seinen Namen entschieden wird.
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Seite 1 Pro/Contra: Kann Unabhängigkeit mit Investor im Haus funktionieren?
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