Trau, schau, wem
Für Makler, die sich einen Unternehmensverkauf prinzipiell vorstellen können und denen Kontinuität bei den Eigentümerverhältnissen des Erwerbers am Herzen liegt, dürfte die Volte bei der HELMSAUER Gruppe ein „Augenöffner“ sein: nämlich (noch) genauer zu prüfen, mit wem und worauf sie sich einlassen.
Dies gilt nicht nur für Nachfolgeregelungen älterer Makler, die das eigene Lebenswerk in zuverlässige Hände übergeben wollen, sondern insbesondere auch für jüngere Makler, die den Anschluss an eine größere Gruppe bewusst als Rahmen für ihre weitere unternehmerische Tätigkeit in Betracht ziehen.
Die verbleibenden Optionen in Gestalt wirklich inhabergeführter Gruppen sind dabei alles andere als zahlreich. Nach den Veränderungen bei HELMSAUER und ATTIKON befindet sich nämlich nur noch eine einzige Adresse unter den Maklerkonsolidierern komplett in privater Hand: die Aventus Maklergruppe.
Familienkapital als Alternative zu Private Equity
„Wir sind Familienunternehmer – komplett unabhängig und immer an der Seite unserer Kunden,“ so charakterisiert Björn-Hendrik Robens, Beiratsvorsitzender der Aventus, die Philosophie der aufstrebenden Maklergruppe. Tatsächlich kommt die finanzielle Rückendeckung für Aventus ausschließlich von privaten Geldgebern: Björn-Hendrik Robens selbst, der umfangreiche Erfahrungen im Beteiligungsmanagement und bei der Entwicklung von Marktführern gesammelt hat – u. a. als Kontinental-Europachef einer spezialisierten Investmentgesellschaft für große Familienvermögen, den Gründern der Policen Direkt Gruppe, von denen Simon Nörtersheuser als Geschäftsführer die Aventus Maklergruppe operativ führt, und der Bielefelder Unternehmerfamilie Goldbeck, die seit den 1960er-Jahren ein erfolgreiches Bauunternehmen mit über 12.000 Mitarbeitern weltweit aufgebaut hat.
Mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen bei einigen der Konsolidierer ist davon auszugehen, dass „Familienkapital statt Private Equity“ in der Gunst von verkaufsbereiten Maklern steigen wird. Die veränderten Rahmenbedingungen sollten einer strategisch agierenden Gruppe ohne Exit-Druck ebenfalls in die Hände spielen. Die Ziele der Gesellschafter sind jedenfalls ambitioniert: Langfristig soll die Aventus zu einer der führenden Maklergruppen für den deutschen Mittelstand werden.
Die Vogelperspektive: 2025 als Wendepunkt
Schaut man über den Tellerrand des deutschen Markts hinaus auf weitere aktuelle Entwicklungen in der Maklerbranche, so ist erkennbar, dass das Jahr 2025 einen Wendepunkt im bisherigen M&A-Geschehen markiert.
Prominenter Indikator: Die Aktienkurse der großen börsennotierten Maklerunternehmen sind seit dem Höhepunkt im Frühjahr 2025 entgegen dem breiten Markt deutlich gesunken. Bei den übernahmeaggressiven Häusern Arthur J. Gallagher und Brown & Brown erreichten die Kursrückgänge inzwischen sogar rund 40%.
Die vielleicht wesentliche Ursache besteht darin, dass der bisherige Rückenwind für das organische Umsatzwachstum von Maklern aufgrund hoher Inflationsraten und spürbarer Kapazitätszurückhaltung bei den Risikoträgern nachgelassen hat. So erwartet der GDV im Jahr 2026 für Deutschland in den Sachsparten nur noch ca. 5% Prämienwachstum – nach knapp 8% im Jahr 2025.
Zuletzt kamen Investorensorgen hinzu, dass neue KI-gestützte Anwendungen die etablierten Geschäftsmodelle in der Versicherungsbranche unter Druck setzen werden – etwa indem KI-Tools und Agenten menschliche Vermittler ersetzen, den Direktvertrieb befeuern und Margendruck infolge höherer Preistransparenz auslösen. So reagierten Anfang Februar die Aktienkurse von Versicherern und Maklern zum Teil heftig auf die Ankündigung von OpenAI, die erste Versicherungslösung in das ChatGPT-Ökosystem zu integrieren.
Den optimistischen Ausstiegsplänen mancher Beteiligungsgesellschaften dürften diese Entwicklungen einen Dämpfer versetzt haben – ganz besonders Zweitrundeninvestoren, die sich zu bereits sehr hohen EBITDA-Multiples eingekauft haben. Hinzu kommt der Helmsauer-Effekt: Er dürfte das Risiko von Investments in inhabergeführte Strukturen in einem neuen Licht erscheinen lassen.
Immerhin: Etwas Unterstützung für die M&A-Szene kam von der Kapitalmarktfront. So sind die Fremdkapitalzinsen im Verlauf des Jahres 2025 wieder spürbar gesunken.
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