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18. Juli 2026
Wie wir von Maschinen lernen, mit Menschen zu reden

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 Wie wir von Maschinen lernen, mit Menschen zu reden

Wie wir von Maschinen lernen, mit Menschen zu reden

Wir sprechen präziser mit KI als mit unseren Kollegen und Kunden. Das ist das Problem – und die Lösung. Das ist Thema seines neuen Buches „Abenteuer: Kommunikation! Miteinander reden in der KI-Realität“. Wie kommuniziert man in der Arbeitswelt erfolgreich mit Maschinen und Menschen?

Ein Artikel von Prof. Dr. Ingo Hamm. Er lehrt als Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Darmstadt und berät Unternehmen zu Motivation, Kommuni­kation und KI-Psychologie – dem Zusammenspiel von Mensch und KI.

Im deutschen Chemiekonzern BASF arbeiteten vor siebzig Jahren rund 60.000 Menschen am Standort Ludwigshafen. Tausende davon schoben Sackkarren und Handwagen über das Werksgelände, transportierten Chemikalienfässer, Säcke, Kanister, Werkzeug. Eine ganze Berufsklasse, deren Tagewerk darin bestand, Dinge von A nach B zu bewegen.

Das Sackkarren-Update

Wo sind diese Menschen heute? Ersetzt. Durch Rohrleitungen, Förderbänder, Gabelstapler, automatische Transportsysteme (und ja, einige davon in fernen Ländern …). Niemand wurde schlagartig auf die Straße gesetzt. Die Älteren gingen in Rente. Die Jüngeren sattelten um, wurden Anlagenfahrer, Lageristen, Techniker. „Strukturwandel“ nennt der Volkswirt das. Dahinter stecken Biografien, Umzüge, Umschulungen, neue Stolz-Momente in neuen Berufen.

Das ist seit Jahrhunderten der Gang technologischer Entwicklung. Alte Arbeit fällt weg, neue entsteht. Mal schneller, mal langsamer, selten geräuschlos, aber auch selten so dramatisch, wie es die Schlagzeilen vermuten lassen.

Mit der künstlichen Intelligenz wird es nicht anders sein. Sie nimmt uns Arbeit ab, manche vielleicht ganz weg – aber sie ändert vor allem, wie wir arbeiten. Und die wichtigste Veränderung passiert nicht in den Werkzeugen. Sie passiert dort, wo niemand sie erwartet: in unserer Kommunikation – als Spiegel.

Wenn die KI uns einen Spiegel vorhält

Marlene ist 34, Abteilungsleiterin bei einem mittelständischen Unternehmen, High Potential, 60-Stunden-Woche, 15 Mitarbeitende, mächtig unter Druck. Eines Abends, 21:30 Uhr, Sofa, Smartphone, tippt sie in ihre KI-App: „Was genau ist ein Burn-out?“ Die Maschine liefert. Prompt, brav, mehrseitig. Definition, Symptome, Ursachen, Risikofaktoren, Therapie­formen. Fachlich einwandfrei. Was will man mehr? – Alles! Denn die KI hat dasselbe vermutet, wie vermutlich auch Sie gerade beim Lesen: Bei dieser Belastung fragt Marlene für sich selbst. Völlig logisch. Leider völlig falsch.

Marlene fragt für einen geschätzten Mitarbeiter, der seit zwei Wochen matt zur Arbeit kommt und ungewöhnliche Fehler macht. Was sie wirklich wissen wollte: Sind das Frühwarnsignale? Wie spreche ich ihn an, ohne ihn zu verletzen? Was sind meine Pflichten als Vorgesetzte – auch arbeitsrechtlich? Nichts davon hat ihr die KI beantwortet. Nicht weil die KI dumm wäre. Sondern weil Marlene ihr den Kontext nicht gegeben hat. Garbage in, garbage out.

Und jetzt kommt die Pointe, die über Marlenes Smartphone hinausweist: Marlene führt ihre Mitarbeitenden genauso, wie sie die KI promptet. Nämlich: nicht richtig. Kein Vorwurf. Wir machen das alle so. Was Marlene mit ihrer KI passiert, passiert tausendfach täglich – im Beratungsgespräch, in der Mail an den Innendienst, in der WhatsApp an den Tippgeber: Wir fragen das Falsche und wundern uns über die unpassende Antwort.

Eine bemerkenswerte Studie der Oregon State University hat diesen Mechanismus experimentell sichtbar gemacht. Eine erste Gruppe Studierender durfte für ihre Hausarbeit eine KI nutzen – Ergebnisse schwankend. Eine zweite Gruppe bekam zusätzlich eine kurze Anleitung zur Bedienung. Ihre Ergebnisse wurden dramatisch besser. Die KI war dieselbe. Nur die Qualität der Eingabe machte den Unterschied. Das Problem saß nicht im Rechen­zentrum. Es saß vor dem Bildschirm.

Wenn die Qualität unserer Eingabe bei einer Maschine alles entscheidet – warum sollte das im Umgang mit Menschen anders sein? Wer eine KI nicht klar prompten kann, kann es auch nicht mit Menschen.

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Ein Artikel von
Prof. Dr. Ingo Hamm