Drei Prinzipien, die mit Maschine und Mensch funktionieren
- Kontext: Wer fragt, für wen, wofür?
Beim KI-Prompting umfasst der Kontext alles, was über die eigentliche Aufgabe hinausgeht: Rolle, Hintergrund, Zweck, Stakeholder, Rahmenbedingungen. Ohne ihn arbeitet die Maschine im luftleeren Raum – und halluziniert zuweilen, in bester Absicht. Aber mit Kontext liefert sie maßgeschneiderte Antworten.
Wir leben in einer Kontext-Ära. Die eigentliche Sache ist meistens allen klar. Auch das, was man tun müsste. Doch es wird nicht getan, weil der Kontext dagegensteht – und niemand spricht darüber. Was man nicht benennt, kann man nicht managen.
Ob ein Kunde nach einer „günstigen Versicherung“ fragt, weil er gerade jeden Euro umdrehen muss, weil ihm der Vorgänger zu teuer wurde oder weil er den Schutzumfang gar nicht verstanden hat, das verändert die Antwort fundamental. Bei der KI selbstverständlich. Beim Kunden auch. Wer den Kontext managt, managt den Erfolg.
- Klarheit: Was soll am Ende rauskommen?
Die eine Frage, die fast niemand stellt, weder der KI noch dem Mitarbeitenden, weder dem Kind noch dem Partner: Was soll am Ende rauskommen? Im KI-Sprech heißt das „Definition of Done“. Sobald alle dasselbe Bild des gewünschten Ergebnisses vor Augen haben, entsteht Verbindlichkeit. Ohne dieses Bild entsteht irgendwas. Die Bitte „Schauen Sie sich den Müller-Fall mal an“ produziert dieselbe Beliebigkeit wie ein schlampiger Prompt. „Bis Freitag eine halbe Seite Empfehlung mit drei Optionen für den Kunden X, siehe Beispiel Y“ produziert ein Ergebnis.
Bei der Bundeswehr lernte ich in der Funkerausbildung eine herrlich simple Regel, bevor man zum ersten Mal auf den Sendeknopf drücken durfte: Denken. Drücken. Sprechen. Erst den Gedanken sortieren. Dann den Finger aufs Mikro. Dann reden. Wer das umdreht, produziert fünf Sekunden Rauschen auf der Frequenz – und Verwirrung beim Empfänger (und Freude beim Feind). Das Prinzip gilt für jeden Funkspruch, jeden Prompt und jede Mail, die irgendwo ankommen soll.
- Kanaldisziplin: Welcher Kanal für welche Botschaft?
Was bei der KI das Tool-Routing ist, ist beim Menschen die Kanaldisziplin. Nicht jede Botschaft gehört in jedes Medium. Ein Konzern, den ich begleiten durfte, hat es so geregelt: Chat nur für die Kurzabstimmung. Telefon für die Vier-Augen-Abstimmung. E-Mail zur Dokumentation. Meeting nur, wenn entschieden werden muss. Zoom-Call nur für Kurzabstimmung in weniger als zehn Minuten. Klingt banal. Die Wirkung war nicht banal: deutlich weniger und kürzere Meetings, kaum noch Mail-Ping-Pong, spürbar bessere Kommunikationsqualität, besseres Klima, mehr Produktivität.
Im Maklerbüro ist das nicht anders – und zwar in mehrere Richtungen: gegenüber Versicherern, Kunden, Mitvermittlern und dem eigenen Team. Ein Schadenfall ist keine WhatsApp-Angelegenheit. Eine Terminbestätigung kein Telefon-Thema. Kanaldisziplin ist gratis. Und sie wirkt sofort.
Der ehrlichste Trainer, den Sie je hatten
KI ist kein Bedrohungsszenario. Sie ist ein Spiegel. Sie urteilt nicht, sie nimmt nichts persönlich, sie interpretiert nicht wohlwollend. Sie nimmt unsere Worte beim Wort. Und liefert uns damit ein Röntgenbild unserer eigenen Kommunikation, das wir nicht bestellt haben, aber dringend brauchen.
Wer ohnehin täglich KI nutzt – beim Tarifvergleich, beim Beratungsprotokoll, beim Entwurf einer Kundenmail –, hält sich diesen Spiegel automatisch vor. Jeder Prompt ist ein kostenfreies, ehrliches Kommunikationstraining. Ohne Gesichtsverlust. Ohne Coaching-Honorar. Man muss es nur als solches nutzen.
Wer so kommuniziert, gewinnt am Ende nicht nur Zeit und Nerven, sondern Vertrauen. Und Vertrauen ist in einer Branche, die von Beziehung lebt, das härteste Kapital, das es gibt. Prompting ist Silber. Reden ist Gold. Und im Beratungsgeschäft entscheidet der Unterschied zwischen beiden über den Unterschied zwischen einem Termin und einem Mandat.
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