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Wohngebäudesparte leidet unter Kostentreiber Leitungswasserschäden

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Wohngebäudesparte leidet unter Kostentreiber Leitungswasserschäden

Es sind nicht die spektakulären Wetterereignisse, die die Wohngebäudesparte unter Druck setzen, sondern Leitungswasserschäden. In der Hausratversicherung gilt es vor allem, den Lebenstrends zu folgen. Der Assekuradeur Konzept & Marketing hat auf die neuen Anforderungen bereits reagiert, sagt Dr. Marco Felten, Bereichsverantwortlicher Produktmanagement der Konzept & Marketing GmbH.

Herr Dr. Felten, der Immobilienboom scheint in Corona-Zeiten nicht abzureißen. Welche Auswirkungen hat dies auf die Wohngebäude- und Hausratsparte?

Die Preisentwicklung von Immobilien spielt durchaus eine Rolle bei der Produktentwicklung. In städtischen Ballungsgebieten und vor allem in beliebten Stadtvierteln steigen die Preise immer weiter an. Das liegt unter anderem am anhaltenden Trend der Urbanisierung bei zugleich viel zu knappem Wohnraum. Kombiniert mit vermutlich noch auf längere Zeit niedrig bleibenden Kreditzinsen und fehlenden alternativen Anlagemöglichkeiten erzeugt das eine hohe Nachfrage. Im ländlichen Bereich könnte sich allerdings ein gegenläufiger Effekt einstellen.

Die Wohngebäudeversicherung gerät unter Druck. Der Grund sind Überalterung und auch Wetter­extreme. Wie erleben Sie die Schadenentwicklung?

Spektakuläre Naturereignisse bleiben den Menschen durch die Berichterstattung über tragische Schicksale der Betroffenen natürlich besser im Gedächtnis. Leitungswasserschäden erregen dagegen deutlich weniger Aufmerksamkeit. So entsteht leicht der Eindruck, dass sie in der Bilanz der Versicherer keine große Rolle spielen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Leitungswasserschäden sind schon lange der größte Kostentreiber in der Wohngebäudeversicherung. 2019 waren es nach GDV-Informationen erstmals über 3 Mrd. Euro, die zur Behebung von Leitungswasserschäden erstattet wurden. Um das einmal ins Verhältnis zu setzen: Wir reden hier von mehr als der Hälfte der gesamten Leistungsausgaben aller deutschen Wohngebäudeversicherer.

Das bedeutet, die Preise werden weiter steigen?

Damit Versicherungen ihren Zweck – Menschen zu helfen – erfüllen können, ist es notwendig die Beiträge bedarfsgerecht anzupassen. An diesem Punkt ist die Schaden-Kosten-Quote entscheidend. Hier bewerten wir jedes Jahr neu, wie sich die Beiträge entwickeln. Im Bereich der Wohngebäudeversicherung war in den vergangenen Jahren aufgrund hoher Ausgaben eine Anpassung der Beiträge unumgänglich. Die erwähnten Rekordausgaben für Leitungswasserschäden lassen in diesem Zusammenhang auf einen erheblichen Sanierungsstau in deutschen Wohngebäuden schließen. Ebenfalls durch die von Jahr zu Jahr steigenden Preise für Handwerker und Materialien sind wir vermutlich noch ein ganzes Stück von einer Trendwende entfernt.

Was ist mit den Bedingungen?

Den Großteil der Schäden machen die klassischen Gefahren aus: Feuer, Leitungswasser und Sturm. Daran wird sich auch in Zukunft wenig ändern. Hier benötigt der Kunde einen umfangreichen Schutz, den wir als Produktentwickler ständig aktuell halten. Grundsätzlich können wir uns aber darauf einstellen, dass Tarife deutlich modularer werden. Der Trend geht deutlich zu individuellen Versicherungslösungen. Das gilt auch für die Wohngebäudeversicherung, aber ganz besonders für den Hausratschutz. Schließlich passt sich der Hausrat des Kunden viel schneller aktuellen Trends und technologischen Entwicklungen an als ein Gebäude. Die Möglichkeiten, seinen Versicherungsschutz um Module wie zum Beispiel Smart Home und Cyber zu erweitern, werden immer relevanter.

 
Ein Artikel von
Dr. Marco Felten