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16. Mai 2026
„Die aktuelle Rechtslage darf so nicht stehen bleiben“

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„Die aktuelle Rechtslage darf so nicht stehen bleiben“

„Die aktuelle Rechtslage darf so nicht stehen bleiben“

Sehen Sie eine Strategie bei den Verbraucherschützern, etwa dass sie sich z. B. absichtlich erst mal nur die „Kleinen“ vornehmen?

Es drängt sich zumindest der Eindruck auf, dass hier strategisch vorgegangen wird. Tatsächlich sind bislang v. a. kleinere, lokal tätige Makler abgemahnt und verklagt worden. Über Verfahren gegen große Makler ist uns hingegen nichts bekannt. Möglicherweise wählen die Verbrau­cherschützer gezielt einfachere Ziele, um erst einmal grundsätzliche Urteile zu erstreiten – Urteile, die dann für alle Makler gelten, ob klein oder groß. Ob das eine bewusste Taktik ist, müssen die Verbraucherschützer selbst beantworten. Es wirkt jedoch so, als wolle man ein Exempel statuieren, bevor man sich an größere Marktteilnehmer heranwagt. Unabhängig von der Größe des Maklers sehen wir aber v. a. ein strukturelles Problem: Eine Verbraucherzentrale tritt hier wie ein Wettbewerber auf, indem sie einen ganzen Berufsstand wegen seiner Wortwahl juristisch unter Druck setzt. Dabei finanzieren wir Makler – überspitzt gesagt – über unsere Steuern und Umlagen diese Organisation mit, die uns dann gerichtlich bekämpft. Diese Doppelrolle einer öffentlich geförderten Verbraucherschutzorganisation halten wir für höchst kritisch. Hier geht es also um grundsätzliche Fairness in der Auseinandersetzung. Wir fordern deshalb den Gesetzgeber auf, zu regeln, dass öffentlich finanzierte Stellen nicht wie private Wettbewerber gegenüber Maklern agieren dürfen. Solche Klagen sollten besser von tatsächlichen Mitbewerbern aus der Wirtschaft geführt werden, nicht von einer staatlich unterstützten Institution.

Und wo stehen Sie als Verband in der Debatte nun? Sie kritisieren ja die derzeitige Rechtslage. Fordern Sie eine Gesetzesänderung? Oder wollen Sie es jetzt ruhen lassen?

Wir werden die Debatte aktiv weiter­führen. Ein Ruhenlassen kommt für uns nicht infrage. Im Gegenteil: Wir fordern ganz klar gesetzliche Klarstellungen. Wir brauchen eine saubere Abgrenzung, welche Rollen Verbraucherorgani­sationen in solchen wettbewerbsrechtlichen Fragen spielen dürfen. Zum anderen regen wir auch an, den Maklerstatus im Gesetz deutlicher zu profilieren. Wenn Makler per Gesetz Sachwalter der Kunden sind, sollte das bei Themen wie erlaubten Werbebegriffen berücksichtigt werden. Unser Ziel ist, Rechtssicherheit für Makler zu schaffen und das hohe Maß an Kundenorientierung unseres Berufsstands im Gesetz und in der Öffentlichkeit klarzustellen. Die aktuelle Rechtslage darf so nicht stehen bleiben, und wir werden nicht nachlassen, darauf hinzuweisen und Lösungen einzufordern.

Um den Blick der Gesellschaft auf Makler zu verändern, muss das Thema nun an größere Medien gehen?

Es ist wichtig, die Zusammenhänge einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Die Thematik gehört tatsächlich in überregionale Medien, damit nicht ein einseitiges Bild hängen bleibt. Wenn wir die gesellschaftliche Wahrnehmung des Berufsbilds positiv schärfen, schaffen wir vielleicht langfristig auch ein Umfeld, in dem solche Streitfragen weniger emotional und ideologisch geführt werden.

Wie blicken Sie auf die gesamte Entwicklung um das Berufsbild und wo sollte es hingehen?

In den letzten Jahren erleben wir ein ambivalentes Bild des Berufsstands Makler. Einerseits wird unsere Expertise und unsere Rolle als kundenorientierte Berater mehr denn je benötigt. Andererseits stehen wir auch unter wachsendem Druck, z. B. durch regulatorische Anforderungen.

Aus unserer Sicht sollte es dahin gehen, dass der Mehrwert des unabhängigen Maklers stärker wertge­schätzt und herausgestellt wird. Makler sollten weiterhin die Möglichkeit haben, effektiv eine Vielzahl von Produkten zu vermitteln. Kunden sollten erkennen, welchen Vorteil diese breite Marktkenntnis für sie hat. Den Makler in eine Ecke mit abhängigen Vertretern zu stellen oder seine Vergütungsmodelle einseitig zu diskreditieren, ohne gleichwertige Alternativen zu schaffen, ist das Gegenteil von Verbraucherschutz. Es bringt Verunsicherung und führt im schlimmsten Fall dazu, dass gar keine Entscheidung über wichtige Absicherungen getroffen wird. Wir glauben, dass Transparenz und Aufklärung hier der Schlüssel sind: Wenn Kunden klar verstehen, wie Makler arbeiten und vergütet werden, dann lässt sich Vertrauen stärken, unabhängig vom Begriff.

Was wird Ihre Rolle als Interessenvertretung dabei sein?

Die IGVM wird in dieser Entwicklung eine aktive Rolle spielen. Wir möchten, dass der Makler ein attraktiver, angesehener Beruf bleibt, der für echten Mehrwert steht. Dazu gehört, dass wir die Unabhängigkeit unseres Berufsstandes tagtäglich leben und sichtbar machen. Ein wichtiger Meilenstein ist auch der neue Ausbildungs­gang zum Versicherungsmakler (IHK), ähnlich einer Facharzt- oder Fachanwaltsfortbildung, die wir als Verband IGVM e. V. zusammen mit der VEMA e.G. ins Leben ge­rufen haben. Unser Ziel bleiben bessere Rahmenbedingungen, hohe Professionalitätsstandards und Vertrauen auf Kundenseite. Als IGVM werden wir alles daransetzen, dieses Ziel gemeinsam mit unseren Mitgliedern zu erreichen.

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Ein Interview mit
Stefan Rumpp