Wie betrachten Sie die Kritik, dass bei einem reinen Anlageprodukt ohne Versicherung das Langlebigkeitsrisiko nicht abgesichert ist?
SO Die Reform trennt Kapitalaufbau und Auszahlungsentscheidung stärker, da nicht jeder Kunde in der Ansparphase dieselbe Garantie benötigt. In der Auszahlungsphase sind sowohl lang laufende Auszahlungspläne als auch lebenslange Verrentungslösungen möglich. Gute Beratung muss beide Dimensionen zusammenführen: Vermögensaufbau und verlässliches Einkommen im Alter.
Die Versicherungsbranche war bei der staatlich geförderten Altersvorsorge bisher Platzhirsch. Ändert sich das nun?
SO Das Spielfeld öffnet sich. Versicherer bleiben wichtige Akteure: Beim Schutz gegen Langlebigkeit, bei Verrentungslösungen und versicherungsförmigen Varianten verfügen sie über strukturelle Stärken. Die Reform verlagert den Wettbewerb vom einzelnen Produktanbieter hin zur Qualität des gesamten Vorsorgeangebots. White-Label-Modelle ermöglichen es Anbietern – auch Versicherern –, schnell marktfähig zu werden und wettbewerbsfähige AVD-Lösungen auf den Markt zu bringen. Denn die Vergleichbarkeit der Produkte wird deutlich zunehmen.
Was sollten Vermittler jetzt tun?
SO Vor allem nicht bis Januar warten. Erstens: den Bestand analysieren – vor allem die Riester-Verträge. Für viele Kunden wird ein individuell geprüfter Wechsel ins AVD sinnvoll sein. Wer diesen Prozess strukturiert angeht und durch geeignete Tools unterstützt, sichert Kundenbeziehungen und schafft zusätzliche Beratungsanlässe. Zweitens: jetzt Produkt- und Vertriebs-Readiness aufbauen. Drittens: auf Partner und Technologien setzen, die Produkt, Wechselstrecke und digitale Beratung aus einer Hand liefern, statt verschiedene Insellösungen miteinander zu verbinden.
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Seite 1 „Die Altersvorsorgereform verlagert den Wettbewerb“
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