Es geht hoch her im politischen Berlin – auch aus Sicht der Vermittlerbranche. Denn die Reform der für die Berater wahrscheinlich wichtigste Säule der Altersvorsorge ist bereits in einem fortgeschrittenen Stadium.
Ende letzten Jahres brachte das Kabinett den Gesetzentwurf aus dem Finanzministerium unter der Leitung von Lars Klingbeil (SPD) auf den Weg. Eine Art neue Fassung der Riester-Rente von 2002, die nach Ansicht der meisten wohl gescheitert ist. Zu teuer war sie. Unnötig kompliziert. Diese Fehler sollen mit einer neuen Ausrichtung auf ETFs und Fonds, einer Flexibilisierung der Garantievorgaben und der Wahlmöglichkeit zwischen Leibrente und Auszahlplan nicht mehr gemacht werden.
Aber es gibt eben noch Details zu klären. Am kontroversesten diskutiert wurde in den letzten Wochen der Kostendeckel in Höhe von 1,5%, der für das sogenannte Standardprodukt im geplanten Altersvorsorgedepot vorgesehen ist. Verbraucherschützer sagen, diese 1,5% seien immer noch zu hoch und kosten die Kunden zu viel Rendite. Vermittler wiederum sagen, dass sich die vertrieblichen Kosten mit solch einem Kostendeckel nicht decken ließen. Die Politik hat ihrerseits bereits mehrfach suggeriert, dass man diese 1,5% vielleicht wirklich noch nach unten schrauben möchte, zuletzt in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom Wochenende. Darin sagte Florian Dorn von der CSU: „Es spricht viel dafür, dass wir den Kostendeckel niedriger ansetzen müssen. Wenigstens für das Standardprodukt.“ Und auch die SPD scheint in diese Richtung gehen zu wollen, denn der Kostendeckel sei „viel zu hoch“, heißt es im Artikel der SZ vonseiten der SPD – allerdings ohne Namensnennung.
Im Bundestag vorgestellt wurde die Reform bereits. Jetzt sind die Ausschüsse dran. Und in diesem Zuge auch ein Austausch mit Fachleuten aus der Branche. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e. V. hat dazu in den Capital Club in Berlin eingeladen, um die genannten Themen zu diskutieren. Mit anwesend waren branchenseitig BVK-Präsident Michael H. Heinz und Dr. Peter Schwark vom Deutschen Institut für Altersvorsorge sowie Prof. Dr. Matthias Beenken von der FH Dortmund. Aus der Politik war lediglich Dr. Carsten Brodesser von der CDU anwesend. Ebenfalls geladen war Michael Thews, einer der Diskussionsführer zum Thema aus der SPD. Er sagte jedoch kurzfristig ab. Im Sinne einer spannenden Diskussion muss man fast schon sagen „leider“.
Aussetzung der Beratungspflicht indiskutabel
Im Rahmen der Podiumsdiskussion wurde der Gesetzentwurf auf Herz und Niere geprüft. Man merkte jedoch insgesamt betrachtet, wo die größte Passion lag – nämlich beim Wert von Beratung, der durch die Diskussion um Beratungspflicht, Kostendeckel und Zillmer-Verbot implizit angegriffen wird.
Doch der BVK scheint mit Carsten Brodesser hier einen gern gesehenen Fürsprecher gefunden zu haben, wie Präsident Heinz gegen Ende der Runde betont. Heinz erwarte von Brodesser weitere Unterstützung, fühle sich aber gut vertreten, und zwar fernab von Ideologie und hin zu gesundem Menschenverstand – wenngleich er auf AssCompact Nachfrage auch zugibt, dass Florian Toncar, der den ursprünglichen Gesetzentwurf zu einem Altersvorsorgedepot mit verantwortete, als das Finanzministerium noch FDP-geführt war, ein enger Vertrauter war.
Und ja: Brodesser stellte sich bei den oben genannten Fragestellungen, die allesamt kritisch für die Arbeit der Vermittler sind, auf deren Seite. Beim Thema Beratungspflicht und der Frage, ob man diese beim Standardprodukt abschaffen sollte, wie es etwa der GDV fordert, erklärte er, dass er darüber gar nicht diskutiere, da er überhaupt keine Notwendigkeit sehe.
Seite 1 Ist die Reform schädlich für die Verbreitung der privaten Altersvorsorge?
Seite 2 Kostendeckel und Zillmer-Verbot
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können