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16. Juni 2026
Private Equity im Maklermarkt: Abgesang oder Wendepunkt?
Private Equity im Maklermarkt: Abgesang oder Wendepunkt?

Private Equity im Maklermarkt: Abgesang oder Wendepunkt?

Ein Abgesang des Geschäftsmodells PE-finanzierter Konsolidierer ist nicht festzustellen. Das Fenster für attraktive Exits oder Nachfolgelösungen ist so weit offen wie nie zuvor. Doch warum ist das so? Und welche Auswirkung hat diese Situation auf die Bewertung von Maklerhäusern?

Ein Artikel von Dr. Stefan G. Adams, Geschäftsführer der Dr. Adams & Associates GmbH & Co. KG

In der jüngsten Vergangenheit häufen sich kritische Stimmen, die das Geschäftsmodell von Private-Equity-finanzierten (PE) Kon- solidierern im Versicherungsmaklermarkt infrage stellen. Von einem „Ende des Booms“ oder gar einem „Abgesang“ ist die Rede. Als Transaktionsberater mit langjähriger Expertise in der Begleitung zahlreicher PE-gestützter Akquisitionen zeichnen wir ein differenzierteres Bild: Wir erleben kein Ende, sondern eine fundamentale Verschiebung der Zielsektoren.

Das Kapital hinter den Kulissen

Häufig wird Private Equity als abstraktes „Heuschrecken-Kapital“ missverstanden. Tatsächlich speist sich das Kapital dieser Fonds maßgeblich aus den Einlagen von Lebensversicherern, Pensionskassen, Versorgungswerken und Family Offices. Wer als Versicherungskunde eine private Rentenversicherung bespart, ist indirekt oft selbst an der Rendite dieser Konsolidierer beteiligt. Das Ziel ist schlicht die Steigerung des Unternehmenswertes durch die Realisierung von Skaleneffekten – ein Vorhaben, das je nach operativem Geschick des Konsolidierers unterschiedlich erfolgreich verläuft.

Marktsättigung im High-End-Segment

Die These, dass der Markt „leer gekauft“ sei, ist nur bedingt richtig. Für die Top 200 der umsatzstärksten Maklerhäuser ist die Konsolidierungs- welle weitestgehend abgeschlossen. Doch der Blick auf die breite Basis offenbart ein anderes Bild:

Segment 500.000 Euro bis 4 Mio. Euro Courtageeinnahmen: Hier identifizieren wir ein nahezu unerschöpfliches Potenzial für weitere Zukäufe.

Strategiewechsel: Während früher der Fokus auf reinen Industrie- und Gewerbemaklern lag, rücken nun verstärkt gemischte Bestände (Privat & KMU) sowie Maklerpools in das Visier der Investoren.

Risiko-Diversifikation als neuer Treiber

Warum verschiebt sich der Fokus? Die Schwäche der deutschen Kernindustrien und geopolitische Instabilitäten lassen Industriebestände aus Sicht der Investoren risikobehafteter erscheinen. Demgegenüber punkten Privat- und KMU-Bestände durch:

  • Granularität: hohe Diversifikation ohne Klumpenrisiken.
  • Aufwärtspotenzial: Die Prämien im deutschen Sach-Privat-Segment liegen im internationalen Vergleich oft noch unter dem Niveau vergleichbarer Märkte und versprechen überproportionale Steigerungsraten.
  • Resilienz: Diese Portfolios erweisen sich in wirtschaftlichen Krisenzeiten als deutlich stabiler.
Auswirkungen auf die Bewertung

Diese erhöhte Nachfrage beginnt die Multiplikatoren (EBITDA-Faktoren) im Segment der KMU-Makler nach oben zu treiben. Zwar werden hier noch nicht die Spitzenwerte erreicht, die für industrielle und gewerbliche Großmakler mit über 5 Mio. Euro Courtage gezahlt wurden, doch der Aufwärtstrend ist unverkennbar.

Beschleunigung statt Stillstand

Von einem Ende der Private-Equity-Ära kann daher keine Rede sein. Wir beobachten vielmehr eine Evolution der Konsolidierung. Der Fokus wandert weg von den „Leuchttürmen“ der Branche hin zur breiten Fläche der kleineren und mittleren Unternehmen. Für Makler in diesem Segment bedeutet dies: Das Fenster für attraktive Exits oder Nachfolgelösungen ist so weit offen wie nie zuvor. Die Konsolidierung hat gerade erst ihre zweite, möglicherweise massivere Phase erreicht.

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Ein Artikel von
Dr. Stefan Adams