Offene Immobilienfonds sind weiter unter Druck. Acht offene Immobilienfonds haben in diesem Jahr die Rücknahme von Anteilen ausgesetzt. Vier davon werden aufgelöst. Zudem hat ein weiterer Fonds eine Rücknahmebeschränkung aktiviert. Eine Beschränkung wie auch Aussetzung der Anteilsscheinrücknahme seien gesetzlich vorgesehene Instrumente, die Anleger schützen sollen, heißt es von der Bafin in einem Artikel, den die Aufsichtsbehörde nun veröffentlicht hat. „Für die Betroffenen ist das eine belastende Situation“, erklärt Felicitas Linden, Abteilungsleiterin Asset Management bei der Bafin. Ein Versagen des Systems sei es aber nicht. In dem Artikel erläutert die Aufsichtsbehörde, warum Schutzinstrumente notwendig werden können und wie sie wirken.
Liquidität im Gesamtmarkt weiter über gesetzlicher Mindestquote
In Deutschland gibt es derzeit 43 offene Immobilien-Publikumsfonds, die zusammen rund 108 Mrd. Euro verwalten (Stand: Juni 2026). Gut 80% dieses Vermögens gehören privaten Anlegern. „Für viele Menschen sind diese Fonds ein Baustein ihrer Altersvorsorge“, sagt Linden. Die acht Fonds, die aktuell die Rücknahme aussetzen, machen rund 2,9 Mrd. Euro am verwalteten Vermögen aus. Wie die Bafin betont, stehen sie für weniger als 3% des Markts. „Im gesamten Markt liegt die Liquidität weiterhin über der gesetzlichen Mindestquote“, so Linden. „Fakt ist aber auch: Einige Fonds stehen erheblich unter Druck.“
Seit August 2023 verzeichnen offene Immobilienfonds kontinuierlich Mittelabflüsse. Im August 2026 lagen die Nettoabflüsse bei rund 611 Mio. Euro. Da den Fondsgesellschaften bereits zahlreiche Rückgabeankündigungen für die kommenden Monate vorliegen, dürfte der Druck auf die Fonds anhalten. Mehr dazu lesen Sie auch hier.
Steigende Zinsen und sinkende Immobilienwert setzen den Fonds zu
Die angespannte Lage hat mehrere Ursachen. Seit dem Zinsanstieg im Jahr 2022 haben alternative Anlageformen wie Tagesgeld und Anleihen an Attraktivität gewonnen. Die militärische Eskalation im Nahen Osten hat die Zinsen 2026 erneut steigen lassen. Gleichzeitig haben zahlreiche Gewerbeimmobilien an Wert verloren. Besonders betroffen sind Bürogebäude, die rund 60% des Immobilienbestands offener Publikumsfonds ausmachen. Hinzu kommt, dass am Immobilienmarkt deutlich weniger Transaktionen stattfinden als in früheren Jahren.
Eine weitere Herausforderung ergibt sich aus der Struktur offener Immobilienfonds: Während Anleger ihre Fondsanteile unter Einhaltung bestimmter Fristen zurückgeben können, ist das investierte Kapital größtenteils langfristig in Immobilien gebunden. Solange sich Mittelzuflüsse und Rückgaben weitgehend ausgleichen, bleibt dieses Spannungsverhältnis beherrschbar. Steigen jedoch die Rückgabewünsche bei gleichzeitig ausbleibenden Neuinvestitionen, geraten die Fonds zunehmend unter Liquiditätsdruck und die Fondsgesellschaft muss Immobilien verkaufen, und zwar in einem Markt mit wenigen Käufern.
Seite 1 Bafin zu Schutzinstrumenten bei offenen Immobilienfonds
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