AssCompact suche
Home

0630

Software

Zwischen DSGVO und KI: Datenschutz als Daueraufgabe im Maklerbüro

Datenschutz zählt zu den größten digitalen Herausforderungen im Versicherungsmaklerbüro. Während Makler die Umsetzung bewältigen müssen, sehen Berater darin eine unverzichtbare Leitplanke, Maklerpools die Basis digitaler Services und Juristen neue Anforderungen durch den Einsatz von KI.

Die Digitalisierung stellt Versicherungsmaklerbüros tagtäglich vor neue Herausforderungen. Erst kürzlich berichtete AssCompact über die schwierige Integration der unterschiedlichen digitalen Tools im Unternehmen. Eng damit verbunden ist ein weiteres zentrales Thema: die sichere Handhabung von Datenschutz. Laut den AssCompact TRENDS–Studien sehen Versicherungsmakler diesen Punkt als ihre zweitgrößte digitale Herausforderung.

Julie Schellack, Partnerin der Martens & Prahl Holding, bestätigt: „Datenschutz und IT-Sicherheit binden inzwischen einen großen Teil unsere Kapazitäten. Das ist angesichts der Bedeutung verständlich, müsste aber für alle Seiten deutlich schlanker und vielleicht auch mit gemeinsamen Ansätzen gelöst werden. Gerade kleinere Maklerbetriebe fordert diese Aufgaben sehr. Dabei sollten auch vor dem Hintergrund der allgemeinen Personalknappheit die knappen Ressourcen vor allem für unsere Kunden verwendet werden können.“

Schellack verweist auf ein praktisches Problem: „Die Systeme der Datenlieferung sind immer noch fehleranfällig. Sollte nun versehentlich die Datenlieferung an einen falschen Adressaten gehen, oder auch nur in Teilen Daten aus Fremdbeständen mitgeliefert werden, ist das in der Regel ein Datenschutzvorfall mit sehr aufwendigen Folgen.“ Ein gemeinsamer Hub, der verschiedene Systeme branchenumfassend verknüpft, könne das Risiko deutlich reduzieren.

Datenschutz als Leitplanke des digitalen Alltags

Ralf Kohl, Experte für Maklerprozesse bei maklerkonzepte.com und Mitinitiator des Netzwerks KI-Offensive, betont, dass Datenschutz eine zentrale Leitplanke im digitalen Büroalltag darstellt. Ein sauberer Umgang mit Daten schaffe Klarheit, Sicherheit und Vertrauen. Moderne Lösungen brächten daher standardmäßig Verschlüsselung, Rollenmodelle, Zwei-Faktor-Authentifizierung und einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit. Anbieter, die keinen AVV vorlegen, sollten konsequent von der Toolliste gestrichen werden.

Der Experte empfiehlt: „Liegt der AVV vor, muss er geprüft werden – insbesondere die eingesetzten Subunternehmer. Das gilt vor allem im Bereich VoiceAI, denn hier landen Daten sehr schnell in den USA oder in verteilten Cloud-Architekturen, die häufig über Drittländer laufen.“ Auch im eigenen Umfeld setze man konsequent nur auf DSGVO-konforme Lösungen.

Und Roman Schwarze, Vorstand des Maklerpools BCA, erklärt: „Ohne einen verlässlichen Schutzrahmen wären datenbasierte oder KI-gestützte Prozesse nicht nur ineffektiv, sondern potenziell riskant. Deshalb betrachten wir Datenschutz und Cyber Security nicht als Zusatz, sondern als integralen Bestandteil unseres digitalen Leistungsangebots. Wer unsere Lösungen nutzt, kann darauf vertrauen, dass sie zuverlässig, sicher, geprüft und DSGVO-konform funktionieren.“ Gleichzeitig bleibe es möglich, eigene Lösungen im Maklerbüro einzusetzen und selbst für Datenschutz und Sicherheit zu sorgen.

Nutzung von KI Datenschutzerklärung aufnehmen

Neben klassischen Datenschutzfragen kommt aktuell eine neue Komponente hinzu: der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Die Kanzlei Michaelis empfiehlt Versicherungsmaklern, das Einvernehmen ihrer Kunden einzuholen, wenn KI-Lösungen eingesetzt werden. Fachanwalt Stephan Michaelis rät: „Erwähnen Sie in der Datenschutzerklärung ausdrücklich nicht nur die Pools, mit denen Sie zusammenarbeiten, sondern auch die KI-Tools, die Sie nutzen.“

Datenschutz und KI hängen eng zusammen, insbesondere hinsichtlich der Strukturierung und Pflege von Daten. Prozessoptimierer Kohl betont sogar: „Versicherungsmakler können vom Datenschutz profitieren. Unsicher wird es nur dort, wo Chaos herrscht – und das liegt selten an der DSGVO, sondern an fehlender Ordnung.“ (bh)

 

Digital Insurance Podcast: MCP und Agentic AI als Turbo

In der aktuellen Episode des Digital Insurance Podcast begrüßt Moderator Jonas Piela Jens Becker und Markus Kreuzer von der Zurich Gruppe Deutschland. Die beiden erläutern, wie man Organisationen mutig für Agentic AI öffnet und bürokratische Narrative hinter sich lässt.

In der neuesten Podcast-Folge diskutiert Host Jonas Piela mit Jens Becker, CIO der Zurich Gruppe Deutschland, und Markus Kreuzer, Bereichsleiter IT bei DA Direkt, über die drastisch gestiegene Geschwindigkeit technologischer Adaption. Im Zentrum steht die Frage, wie Versicherer durch eine „AI Fast Lane“ und „Agentic AI“ wettbewerbsfähig bleiben.

MCP: Das „USB-C“ der KI-Agenten

Ein Schlüsselbeispiel für das hohe Tempo ist das Model Context Protocol (MCP). Dieser Standard ermöglicht es Large Language Models (LLMs), nahtlos auf strukturierte Daten in Bestandssystemen zuzugreifen und Aktionen auszulösen. Markus Kreuzer beschreibt MCP als universelles Protokoll, das individuelle Programmierungen für jeden Bot ersetzt. Die Da Direkt konnte MCP innerhalb weniger Monate nach Veröffentlichung produktiv setzen – ein Beleg für das Motto von Jens Becker: „Die technologische Entwicklung wird nie mehr so langsam sein wie heute.“

Die „AI Fast Lane“: Prozesse statt Bürokratie

Um Innovationen in Großkonzernen nicht durch langwierige Genehmigungen zu bremsen, haben Zurich und Da Direkt die „AI Fast Lane“ etabliert. Dabei handelt es sich nicht um den Verzicht auf Sicherheit, sondern um eine Prozess-Reorganisation:

  • Gemeinsame Kick-offs: Alle Stakeholder (Security, Recht, Compliance, Architektur) treffen sich zeitgleich, um Projekte direkt zu bewerten.
  • Risikobasiertes Mindset: Compliance-Einheiten fungieren als Risiko-Berater statt als bloße „Freigeber“. Die finale Verantwortung für die Risikoakzeptanz liegt beim anfordernden Fachbereich.
  • Umsetzung in Rekordzeit: Dieser Ansatz ermöglicht es, KI-Lösungen von der Idee bis zur Marktreife in nur einem Quartal zu realisieren.
Kultur und Zukunft: Agentic AI

Begleitet wird der Wandel durch Formate wie „Competence Days“ und „Learn & Share“-Calls, die das Wissen in der gesamten Organisation verankern. Der Fokus richtet sich nun auf Agentic AI – autonome KI-Agenten, die komplexe Aufgaben wie die Schadenbearbeitung eigenständig abwickeln.

2026 soll KI so zum integralen Bestandteil der Wertschöpfungskette werden, vergleichbar mit der Cloud-Transformation. Die Botschaft ist klar: Kontinuierliche Anpassung und Mut zur Geschwindigkeit sind in einer exponentiellen Technologiewelt essenziell.

Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

Weitere Podcasts
 

Wie Makler mit Technologie und Automatisierung Weichen stellen

Das Jahr 2026 trennt die Spreu vom Weizen, meint Martin Steinmeyer, CEO der Netfonds AG. Wie blickt der Plattformanbieter und Maklerpool auf Themen wie KI, Digital Wallet und Open Finance? Und was sieht das Unternehmen in diesem Zusammenhang auf Makler zukommen?

Ein Beitrag von Martin Steinmeyer, CEO der Netfonds AG

Wenn wir heute auf das Jahr 2026 blicken, sehen wir mehr als nur eine weitere Etappe im digitalen Wandel. Wir sehen ein Jahr, in dem langjährige Visionen zu regulatorischen und technologischen Realitäten werden. Für Netfonds und seine Partner bedeutet dies: Die strategischen Weichen, die sie in den letzten Jahren gestellt haben, führen sie nun direkt in eine Phase der Skalierung und der vereinfachten Prozesse. Es ist das Jahr, in dem sich die Spreu vom Weizen trennt – zwischen jenen, die Technologie nur verwalten sowie Regulatorik nicht ernst genug nehmen, und jenen, die sie zur echten Wertschöpfung nutzen.

KI und Automatisierung: Der Motor des Erfolgs

Das vergangene Jahr hat uns einmal mehr gezeigt, wie entscheidend technologische Innovationen für den Erfolg sind. Im Zentrum stehen dabei zwei eng miteinander verknüpfte Treiber: Künstliche Intelligenz (KI) und ein weitreichender Automatisierungsgrad. Der Fortschritt liegt dabei nicht allein in der Integration von KI, sondern beginnt bereits einen Schritt vorher: bei der konsequenten Automatisierung von Prozessen.

Administrative Aufgaben, die heute wertvolle Zeit binden – von der Dateneingabe über die Anlage von Verträgen – werden zukünftig weitgehend automatisiert ablaufen. In der Finanz- und Versicherungsberatung liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Fähigkeit, aus einer Flut von Informationen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die KI dient hier als digitaler Assistent. Diese Technologie kann komplexe Markt- und Portfoliodaten in einer Tiefe und mit einer bisher undenkbaren Geschwindigkeit durchdringen, um verborgene Chancen und Risiken für die Mandanten zu identifizieren. KI-gestützte Systeme ermöglichen Maklern präzisere, datengestützte Empfehlungen und heben die Qualität der Beratung auf ein neues Level. Für Makler sollte bei der Wahl des Plattform- bzw. Pool-Partners dieses Setup an Bedeutung gewinnen.

Die digitale Identität: Effizienzsprung durch das digitale Wallet

Ein weiterer Meilenstein ist die Einführung der europäischen digitalen Identität. Bis Ende 2026 wird das „Digital Wallet“ zur Realität. Mit der Möglichkeit, Ausweisdokumente rechtssicher digital zu speichern und digitale Bestätigungen nahtlos in die Prozesse zu integrieren, wird sich die Art und Weise, wie wir Neugeschäft tätigen, fundamental wandeln.

Zwar wird diese Entwicklung erst ab Mitte 2027 vollumfänglich für die verschärften Anforderungen des Geldwäschegesetzes relevant sein, doch Netfonds etwa nutzt das Jahr 2026, um technische Prozesse daraufhin zu standardisieren. Das Ziel ist klar: Komplexität reduzieren. Weniger Papier, mehr Sicherheit und eine deutlich schnellere Validierung von Kundendaten werden die Folge sein. Wer diese Prozesse frühzeitig adaptiert, gewinnt wertvolle Zeit für die persönliche Betreuung und hat künftig die Chance, die umfangreichen Geldwäscheanforderungen standardisierter zu erfüllen.

Open Finance: Die Kundenschnittstelle aktiv besetzen

Auch wenn finale EU-Beschlüsse zu Open Finance noch erwartet werden, bleibt das Zielbild unumstößlich: Die Transparenz wird zur neuen Marktrealität. Hier erweist sich eine 360-Grad-Plattform wie finfire als entscheidender Wettbewerbsvorteil, um diese erhöhte Transparenz nutzen zu können. Berater sollten die Kundenschnittstelle daher aktiv durch ein 360-Grad-Mandantenportal besetzen. Nur wer als zentraler Lotse im Finanzalltag die Kunden ganzheitlich betreut, kann diese Schlacht auf Dauer gewinnen.

Fazit: Die Säulen der Zukunftsfähigkeit

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Das Jahr 2026 markiert den Übergang in eine neue Ära der Beratung, die auf sinnvolle Automatisierung in Kombination mit vertrauten Menschen setzt. Das Umdenken sollte aufseiten der Berater stattfinden, um das volle Potenzial der Technologie auszuschöpfen und über digitale Schnittstellen – wie moderne Apps – eine Brücke zum Kunden zu schaffen. Diese Schnittstelle sollten Makler strategisch für sich nutzen, um die Kundenbindung langfristig zu stärken. Das ist der richtige Weg in eine erfolgreiche Zukunft.

Lesen Sie auch: Pools und Verbünde: Outperformer bauen ihren Vorsprung aus
 
Ein Artikel von
Martin Steinmeyer

blau direkt bietet neues Tool zur Vertragserfassung

Mit dem neuen „Vertragspilot“ baut blau direkt seine digitalen Services für Vermittler um eine Scan-App zur Policen-Erfassung aus. Mittels KI-gestützter Dokumentenerkennung werden Vertrags- und Kundendaten automatisiert ausgelesen, strukturiert und in digitale Prozesse überführt.

Bei der Erfassung von Versicherungsverträgen setzt blau direkt auf die Unterstützung durch künstliche Intelligenz (KI): Der neue „Vertragspilot“ nutzt KI-gestützte Dokumentenerkennung, um Vertrags- und Kundendaten automatisiert auszulesen, zu strukturieren und direkt in digitale Prozesse zu überführen. Für Vermittler verringert sich der manuelle Aufwand, während sich die Qualität der Daten erhöht und sich die Produktivität steigern lässt.

Policen-Erfassung via Scan-Funktion

Herzstück der Anwendung ist die Scan-Funktion. Versicherungsverträge lassen sich entweder mit der Smartphone-Kamera erfassen oder als PDF-Dokumente hochladen. Die Vertrags- und Kundendaten werden automatisiert durch eine KI-basierte Erkennung ausgelesen. Bei Bedarf können Vermittler manuell Änderungen vornehmen.

Nach der Erfassung werden die ausgelesenen Daten zur Prüfung und ggf. Anpassung bereitgestellt. Anschließend können der digitale Maklervollmachtsprozess, eine Bestandsübertragung und eine Registrierung für die Kunden-App simplr angestoßen werden. Über die Schnittstelle zum Maklerverwaltungsprogramm AMEISE werden bestehende Kunden automatisch erkannt und zugeordnet. Neue Kunden können Vermittler direkt anlegen.

Einbindung ins MVP „AMEISE“

Der Vertragspilot ist eng mit dem MVP AMEISE verbunden. Erfasste Vertrags- und Kundendaten werden direkt in die bestehende Systemumgebung übertragen und dort weiterverarbeitet, wie blau direkt mitteilt. Ein automatisierter Abgleich mit vorhandenen Datensätzen unterstützt die Dublettenprüfung und hilft bei einer konsistenten Bestandsführung. Mandatsprozesse erfolgen über die bestehende Infrastruktur der AMEISE, einschließlich digitaler Signatur und Dokumentation.

„Mit dem Vertragspilot bieten wir unseren angeschlossenen Vermittlern zum einen am Point of Sale schnell und einfach die unbetreuten Verträge seines Kunden zu digitalisieren und in seinen Bestand zu übertragen, zum anderen aber auch Vertragsdokumente, die außerhalb eines BiPRO-Prozesses bei ihm ankommen, schnell und einfach einem bestehenden Vertrag oder neuen Vertrag zuzuordnen“, erklärt Thomas Eickhof, Chief Product Officer der blau direkt GmbH. (tik)

Lesen Sie auch:
Weitere News rund um neue Services und Tools finden Sie auch in unserer Rubrik „Management & Vertrieb“.
 

bavonline und J2M arbeiten zusammen

Die bavonline gmbh und J2M GmbH haben eine Kooperation bekannt gegeben. Die bavonline gmbh kann damit ihr Leistungsangebot im Bereich der Leadgenerierung erweitern und in Zukunft auch professionelle Telefonterminierungen anbieten.

Die bavonline gmbh hat eine Partnerschaft mit der J2M GmbH bekannt gegeben. Damit erweitert das Unternehmen sein Leistungsangebot im Bereich der Leadgenerierung. Die bavonline gmbh bietet die Software-Tools bav|guard für die betriebliche Altersversorgung (bAV) und die betriebliche Krankenversicherung (bKV) sowie twoforty für die digitale Leadakquise an. Mit der neuen Partnerschaft wird es künftig auch professionelle Telefonterminierungen geben.

Versicherungsvermittler und Finanzdienstleister erhalten damit zu attraktiven Konditionen qualifizierte Telefontermine, heißt es von bavonline. Die telefonische Ansprache umfasst Themen rund um die Digitalisierung der bAV, der bKV sowie ergänzend Sachversicherungslösungen. Mit der Erweiterung des Angebots möchte bavonline die Vertriebsunterstützung für Vermittler im Gewerbekundensegment stärken. (lg)

Lesen Sie auch: Warum klassische Verwaltungstools für die bAV nicht mehr ausreichen
 

comparit startet neue Sach- und PKV-Vergleichsrechner

comparit erweitert sein Portfolio um neue Vergleichsrechner für Sach- und private Krankenversicherungen. Die neuen Softwarelösungen stehen ab dem 29.01.2026 zur Verfügung. Der Sachrechner startet zunächst mit Wohngebäude sowie Hausrat und soll modular ausgebaut werden.

Mit zwei neuen Vergleichsrechnern für Sachversicherungen und private Krankenversicherungen baut comparit ihre offene Vergleichsplattform weiter aus. Wie der Anbieter von Vergleichssoftware für Versicherungen im B2B-Umfeld mitteilt, gehen die beiden neuen Rechner am 29.01.2026 live. Laut comparit erfolgte die Entwicklung der Vergleichsrechner in enger Zusammenarbeit zwischen den Softwareentwicklungsteams, den fachlichen Experten und dem Input von Nutzern.

„Mit dem Go-live der neuen Vergleichsrechner realisieren wir das mit Abstand größte Update nicht nur seit der Gründung von comparit, sondern an welchem ich jemals in 20 Jahren Entwicklung von Vergleichsrechnern mitarbeiten durfte. In den

vergangenen Monaten hat das gesamte Team Außergewöhnliches geleistet und mit großem Einsatz daran gearbeitet, dieses Projekt pünktlich zur Marktreife zu bringen“, erklärt Matthias Brauch, CEO von comparit.

Sachrechner soll modular ausgebaut werden

Der neue Vergleichsrechner für Sachversicherungen geht zunächst mit den Sparten Wohngebäude und Hausrat an den Start. Weitere Sparten seien bereits in Planung und sollen im Laufe der Jahre 2026 und 2027 nach und nach folgen.

Der PKV-Vergleichsrechner ist bereits zum Go-live vollständig verfügbar und deckt alle relevanten Bereiche ab. Laut comparit sind weitere funktionale Erweiterungen und Features geplant, die in den kommenden Monaten ausgerollt werden.

Weiter teilt der Softwareanbieter mit, dass die Antragsstrecken mit Befüllung der Anträge über eine geführte Oberfläche, teilweise mit SetOrder Qualified, auch auf den Bereich Lebensversicherung erweitert werden. Die Weiterentwicklung der papierlosen und vollständig digitalen Beantragung auch im Personenversicherungsbereich sei ein wichtiges Ziel der comparit.(tik)

Weitere Meldungen über neue Lösungen und Tools finden Sie in der Rubrik „Management & Vertrieb“.
 

Verzahnung digitaler Tools: Das tägliche Dilemma der Makler

Wie können Versicherungsmakler digitale Tools – vom MVP über Vergleichsrechner bis zu Extranets – reibungslos miteinander verzahnen? Diese Frage beschäftigt viele Maklerunternehmen. Wie weit ist die Branche und welche Ansätze schaffen echte Vernetzung?

Versicherungsmakler arbeiten heute mit einer Vielzahl digitaler Tools. Im Zentrum steht dabei das Maklerverwaltungsprogramm (MVP), flankiert von Vergleichsrechnern, Marketinglösungen, Versicherer-Extranets und diversen Versicherungsportalen. Doch jedes dieser Systeme arbeitet oftmals mit eigenen Datenformaten, Schnittstellen (APIs) und Sicherheitsanforderungen, was eine reibungslose Verzahnung erschwert. Entsprechend überrascht es kaum, dass die Systemintegration all dieser Tools laut AssCompact TRENDS-Studien weiterhin als größte digitale Herausforderung im Maklerbüro gilt.

Dabei ist der Digitalisierungsgrad in der Maklerschaft höchst unterschiedlich. Während einige Maklerunternehmen bereits weit entwickelte digitale Prozesse nutzen, kämpfen andere noch mit grundlegenden Fragen der Datenstruktur und Prozessqualität. Hinzu kommt, dass externe Partner wie Pools, Dienstleister oder Digitalisierungsberater die Systemwelt im Maklerbüro oft aus einer ganz anderen Perspektive betrachten. So entsteht ein Gesamtbild, das gleichermaßen von wichtigen Fortschritten wie von strukturellen Bremsklötzen geprägt ist.

Zwischen Bewegung und Blockaden

Deutliche Fortschritte erkennt beispielsweise Bastian Roeder, Vorstand des Maklerpools BCA. Er sieht die Branche technologisch gut aufgestellt: „Als Förderer des digitalen Maklerbüros freut es uns zunächst sehr, dass viele Versicherungsmakler und Finanzanlagenvermittler bereits heute digitale Plattformen wie unsere Vermittlerplattform DIVA und unsere Kunden-App ‚Ihr FinanzCockpit‘ nutzen, die Versicherungs- und Investmentprozesse sowie Kundenkommunikation integriert.“ Aus seiner Sicht heben Automatisierung, Datenstandardisierung und moderne KI enorme Potenziale, die Maklerbetrieben im Alltag spürbare Entlastung und neue Möglichkeiten bieten.

Julie Schellack, Partnerin der Martens & Prahl Holding, zu der mittlerweile 90 Maklerbetriebe gehören, teilt diesen grundsätzlichen Optimismus, weist jedoch auf die Voraussetzungen hin, die vielerorts noch nicht erfüllt sind. „Voraussetzung sind immer auch strukturierte Daten und klare Prozesse im Maklerunternehmen. Und viele Makler kämpfen mit der Datenqualität der Bestände.“ Viele ältere Versicherungsverträge seien nicht in der erforderlichen Qualität und Dichte im System gespeichert, und ein großer Teil der entscheidenden Risikodaten liege nach wie vor ausschließlich bei den Versicherern. Dieser Umstand erschwere eine saubere Automatisierung.

Den MVP-Herstellern bescheinigt Schellack, dass sie an den nötigen Schnittstellen arbeiten oder diese bereits bereitstellen. Engpässe gebe es trotzdem: Der Datenaustausch mit Versicherern funktioniere nur bedingt. GDV-Daten seien in die Jahre gekommen und als Stichtagsdaten oft nicht synchron zum tatsächlichen Maklerbestand. Auch die BiPRO-Standards, eigentlich als einheitliche Branchenlösung gedacht, litten unter unterschiedlichen Interpretationen und einer zu geringen Implementierung auf Versichererseite. Wenn nur wenige Versicherer beispielsweise den BiPRO-Standard 430.7 oder den Empfang von Vermittlerabrechnungen für die Lieferung von Provisionsdaten umsetzen, dann könne man kaum von einer funktionierenden Marktbreite sprechen, so Schellack.

Spürbare Folgen für Effizienz und Wachstum

Für Makler hat diese Situation spürbare Auswirkungen. Medienbrüche, manuelle Übertragungen und der ständige Wechsel zwischen Systemen kosten Zeit und erhöhen das Fehlerrisiko. Gleichzeitig erschwert eine fragmentierte Systemlandschaft die Skalierbarkeit digitaler Prozesse und begrenzt damit das Wachstumspotenzial. Der Alltag in vielen Betrieben ist geprägt von halb-digitalen Abläufen, die zwar moderne Tools einbeziehen, aber dennoch analoge Restprozesse enthalten. Ralf Kohl, Experte für Maklerprozesse bei maklerkonzepte.com und Mitinitiator des Netzwerks KI-Offensive, bringt dies prägnant auf den Punkt: „Das digitale Maklerbüro existiert – aber meist nur auf dem Papier. Die Technik ist da, aber sie greift nicht sauber ineinander. Viele Betriebe arbeiten mit modernen Tools, aber ohne durchgehenden Prozess.“

Nach Kohls Einschätzung fehlt es weniger an Technologie als an klaren Prozessarchitekturen und einem gemeinsamen Takt innerhalb der Branche. Jeder Versicherer setze Standards anders um, und viele Makler hätten Digitalisierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre ohne übergreifende Struktur eingeführt. Als möglichen Lösungsweg bringt er No-Code-Plattformen wie make.com oder n8n ins Spiel, die offene Schnittstellen bieten und es erlauben, Anwendungen und Workflows ohne Programmierkenntnisse zu entwickeln. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass im Maklerunternehmen zunächst klare Prozesse definiert würden. Hierfür stünden sogar staatliche Fördermöglichkeiten wie die BAFA-Beratung für KMUs zur Verfügung.

Notwendigkeit einer gemeinsamen Branchenlösung

Julie Schellack setzt sich weiterhin für eine starke Branchenlösung ein. „Wir glauben weiter fest daran, dass, auch wenn die Softwarelandschaft gerade fragmentiert ist, es ein herrschendes System geben muss, in aller Regel das MVP des Maklers. In diesem sollten alle Informationen aus allen Systemen, Vergleichssoftware, Risikoermittlung usw. zusammenfließen.“ Eine zu große Verteilung relevanter Risikodaten über verschiedene Anwendungen hält sie für gefährlich. Zugleich warnt sie vor einer Monopolisierung des Datenaustauschs durch Einzelanbieter und fordert stattdessen eine gemeinsame, vereinsbasierte Plattformlösung analog zum BiPRO-Hub. Schon heute hätten es beispielsweise Versicherungsmakler aufgrund von IT-Abhängigkeiten schwer, einen Wechsel in andere Pool-Landschaften überhaupt noch umzusetzen.

Technologieoffene Ansätze

In der Tat nehmen Maklerpools außerhalb von Maklerholdings und -zusammenschlüssen seit geraumer Zeit eine Schlüsselrolle als digitale Dienstleister ein. BCA-Vorstand Roeder erklärt, man arbeite an einem integrierten digitalen Ökosystem. Die Zielsetzung seien dabei weniger manuelle Arbeitsschritte, mehr Zeitgewinn für Beratung und Acquisition im Maklerbetrieb. Sein Vorstandskollege Roman Schwarze weist jedoch darauf hin, dass viele Makler noch mit Systemlandschaften aus Alt- und Neuprogrammen arbeiten, die ursprünglich gar nicht auf moderne Schnittstellen ausgelegt wurden. „Die dafür nötige Datenqualität und -struktur muss erst aufwendig hergestellt werden. Als Servicemanufaktur für Versicherungsmakler und Finanzanlagenvermittler sehen wir genau darin unsere Aufgabe: Komplexität herausnehmen, Prozesse vereinfachen und unsere Vertriebspartner entlasten.“

Besonders wirkungsvoll seien aus seiner Sicht zentrale Plattformlösungen, die durch Automatisierung, KI und vertriebsunterstützende Tools ergänzt werden. Gleichzeitig betont auch er die Bedeutung technologieoffener Ansätze und flexibler Automatisierungsplattformen wie Make.com oder n8n, die heterogene IT-Landschaften verbinden können, ohne tief in bestehende Systeme einzugreifen. Ergänzend müssten integrierte Plattformlösungen weiterentwickelt werden, die Versicherungs- und Investmentvertrieb zusammenführen, Automatisierung und KI nutzen und gleichzeitig die Nutzerfreundlichkeit sicherstellen. „Ebenso wichtig ist die Kooperation innerhalb der Branche: Softwarehersteller, Vertriebe und Vermittler sowie Produktgeber müssen gemeinsam Lösungen entwickeln, statt in Konkurrenz zu agieren, heißt es vonseiten der BCA.

Zusammenspiel als Erfolgsfaktor

Die Diskussion zeigt deutlich: Die Digitalisierung im Maklerbüro ist weniger eine Frage fehlender Technologien als vielmehr eine Herausforderung gemeinsamer Standards, sauberer Prozesse und echter Konnektivität. Während Pools, MVP-Hersteller und Beratungsnetzwerke unterschiedliche Lösungswege betonen – von zentralen Plattformökosystemen über API-getriebene Branchenlösungen bis hin zu flexiblen No-Code-Automatisierungen – besteht Einigkeit darüber, dass die Zukunft nur in einem Zusammenspiel aller Marktteilnehmer liegt. Erst wenn Datenqualität, Schnittstellenoffenheit und Prozessarchitektur konsequent zusammengedacht werden, kann das digitale Maklerbüro nicht nur auf dem Papier existieren, sondern in der Realität seinen vollen Mehrwert entfalten.

Problem erkannt, aber noch nicht gebannt

Für Versicherungsmakler, die weiterhin mit Medienbrüchen, Insellösungen und ineffizienten Prozessen hadern, bleibt aktuell immerhin die Erkenntnis, dass die Probleme branchenweit erkannt sind und die eingeschlagene Richtung grundsätzlich stimmt. Gleichzeitig wird deutlich, dass es wohl keine klare Ziellinie gibt, sondern nur einen dauerhaften Entwicklungsprozess, der kontinuierliche Anpassungen, Investitionen und Zusammenarbeit erfordert. (bh)

 

 

KI: Leicht zu nutzen – aber schwer, richtig einzusetzen

KI hat längst Einzug in die Versicherungsbranche gehalten und gewinnt auch im Maklermarkt an Relevanz. Um das Potenzial voll auszuschöpfen und Mehrwerte für das eigene Unternehmen zu generieren, gilt es, KI durchdacht einzusetzen und hierfür konkrete Voraussetzungen zu schaffen.

Ein Artikel von Sandro Mund, Head of IT bei der bbg Betriebsberatungs GmbH

Die Technologie ist nicht neu – doch ihre leichte Verfügbarkeit verändert alles. Was früher Spezialwissen, Infrastruktur und hohe Investitionen erforderte, steht heute per Browserzugang bereit. Damit entsteht jedoch eine Illusion: dass das Anwenden eines Tools bereits Kompetenz bedeutet. Künstliche Intelligenz lässt sich schnell ausprobieren – aber sie sinnvoll einzusetzen, ist anspruchsvoll. Unternehmen, die KI aus Angst vor Rückstand „irgendwie einführen“, handeln reaktiv – und selten erfolgreich. Die Situation erinnert an den Goldrausch: Viele suchten Gold, doch verdient haben vor allem jene, die Werkzeuge, Wege und Strukturen bereitstellten. Auch bei KI liegt der wahre Wert nicht in der bloßen Nutzung, sondern darin, reale Probleme zu identifizieren und systematisch zu lösen.

KI als weites Feld

In diesem Artikel wird der Begriff künstliche Intelligenz (KI) überwiegend im Sinne von großen Sprachmodellen (Large Language Models, LLMs) verwendet. Diese Systeme basieren auf neuronalen Netzen und gehören zum Bereich des maschinellen Lernens. Der Begriff KI ist jedoch deutlich breiter und umfasst viele weitere Ansätze, darunter regelbasierte Systeme, Computer Vision, Entscheidungsmodelle, Re­inforcement Learning und weitere algorithmische Methoden.

Wo KI heute wirklichen Nutzen schafft

Künstliche Intelligenz überzeugt vor allem durch zwei Eigenschaften: Sie ist leicht zugänglich und vielseitig einsetzbar. Aufgaben, die früher Spezialsoftware oder zeitintensive Recherche erforderten, lassen sich heute mit einer einzigen Anfrage erledigen. Moderne Systeme können unterschiedlichste Datenformate – Texte, Tabellen, E-Mails, Bilder oder Dokumente – zusammenführen und daraus verwertbare Informationen ableiten. Besonders in der Wissensarbeit entsteht dadurch eine spürbare Entlastung: Archive, Produktbeschreibungen oder Prozessdokumentationen müssen nicht mehr manuell durchsucht werden – eine gut formulierte Frage reicht.

Viele Modelle liefern inzwischen auch Quellen, Vergleichsargumente oder Alternativen. Doch diese scheinbare Präzision darf nicht täuschen: Ergebnisse müssen weiterhin überprüft werden. Sprachmodelle erkennen Muster – sie verstehen nicht. Sie generieren Wahrscheinlichkeiten, keine Wahrheit. Gleiches gilt für Daten: KI kann Informationen aus verschiedenen Systemen verbinden und Zusammenhänge sichtbar machen – doch welche Daten genutzt werden, wie aktuell sie sind und ob sie korrekt interpretiert wurden, bleibt in der Verantwortung des Menschen.

Wirksame Einsatzfelder entstehen daher vor allem dort, wo Daten digital verfügbar sind, Aufgaben sich wiederholen und Ergebnisse schnell überprüft werden können.

Was jetzt zählt: Voraussetzungen schaffen

Wer künstliche Intelligenz einführen möchte, sollte sich vernetzen, Erfahrungen austauschen und vorhandene Möglichkeiten bewusst prüfen. Viele Unternehmen besitzen bereits Software mit integrierten KI-Funktionen, ohne sie zu nutzen – allein dieses Wissen ist oft ein unterschätzter erster Schritt. Gleichzeitig braucht es Klarheit darüber, welche Prozesse von Automatisierung profitieren und welche Aufgaben unverändert bleiben sollten. Abläufe müssen verstanden werden, bevor man versucht, sie zu verbessern.

Ebenso entscheidend sind strukturierte Daten, gemeinsame Standards und funktionierende Schnittstellen. Ohne sie entstehen isolierte Lösungen, die langfristig mehr Aufwand erzeugen, als Nutzen stiften. Eine verlässliche technische Basis mit aktuellen, zentral verwalteten Daten ist daher unverzichtbar.

Erfolgreicher Umgang mit KI bedeutet auch, die eigene Arbeitsweise infrage zu stellen. Wer nach einem Fehlschlag aufgibt, kommt nicht weit. Fortschritt entsteht durch Iteration: ausprobieren, lernen, verbessern. Technologien werden leistungsfähiger, Schnittstellen tiefer integriert und Anwendungen zunehmend automatisiert. Profitieren wird, wer früh beginnt und seine Systeme anschlussfähig gestaltet.

Vom Tool zur Infrastruktur

Der Einstieg gelingt am besten schrittweise. Zunächst lohnt sich der Einsatz der Funktionen, die bereits in vielen Anwendungen verfügbar sind: Textoptimierungen, Übersetzungen, Präsentationen oder Meeting-Zusammenfassungen. Das schafft schnelle Erfolge und Akzeptanz.

Im nächsten Schritt werden Systeme miteinander verbunden, damit KI kontextbezogen arbeiten kann – zum Beispiel durch Zugriff auf E-Mails, Chatverläufe, Dokumente oder CRM-Daten. Viele Lösungen ermöglichen dies inzwischen mit relativ wenig Aufwand.

Die größte Herausforderung entsteht jedoch dort, wo KI zu einem festen Bestandteil der Unternehmensarchitektur wird. Dann reichen Standardlösungen nicht mehr aus: Daten müssen strukturiert, gepflegt und überwacht werden; Schnittstellen brauchen Standards; Sicherheit, Governance und Compliance werden Pflicht. Plug-and-Play endet hier – Expertise und saubere Umsetzung werden unverzichtbar.

Doch genau hier entsteht der entscheidende Mehrwert: wenn KI nicht nur unterstützt, sondern automatisiert, beschleunigt und skaliert.

Auf die gelungene Integration kommt es an

Der erfolgreiche Einsatz von KI wird nicht daran gemessen, wie viele Tools genutzt werden, sondern wie gut sie integriert und in Wertschöpfung übersetzt werden. KI ersetzt keine Strategie – sie verstärkt sie. Unternehmen, die jetzt Kompetenzen aufbauen, Daten nutzbar machen und KI in ihre Prozesse einbetten, schaffen sich einen Vorsprung, den andere kaum aufholen werden.

Die Entwicklung geht weiter – rasant. Mit jedem Modell wächst das Potenzial. Profitieren werden vor allem diejenigen, die jetzt beginnen, Erfahrungen zu sammeln, Strukturen aufzubauen und KI nicht nur zu nutzen, sondern zu verstehen.

Lesen Sie auch:

Interessieren Sie sich für weitere Hintergrundartikel aus der Branche? Dann abonnieren Sie das monatliche Fachmagazin AssCompact – kostenfrei für Versicherungs- und Finanzmakler

 

 
Ein Artikel von
Sandro Mund

Digital Insurance Podcast: KI, DORA & Altsysteme

In der neuen Folge des Digital Insurance Podcast sind Johannes Rath, Vorstandsmitglied der SIGNAL IDUNA Gruppe, und Jens Lapinski, Gründer von Angel Invest, zu Gast bei Jonas Piela. Im Gespräch geht es um Early-Stage-Investments, die DORA-Regulierung und die echte Arbeit hinter der Corporate Innovation.

In der neuesten Episode des „Digital Insurance Podcast“ spricht Moderator Jonas Piela mit zwei Hochkarätern der deutschen Innovationsszene über die größte Herausforderung der Digitalisierung: Wie überführt man innovative Ideen erfolgreich in die starren Strukturen eines Versicherungskonzerns? Zu Gast in Berlin sind Johannes Rath, Vorstand Transformation, Strategie & Operations der SIGNAL IDUNA Gruppe, und Jens Lapinski, Gründer von Angel Invest, einem Super Angel Fonds. Die Experten diskutieren, warum die bloße Beobachtung von Innovationen nicht mehr ausreicht und welche organisatorischen Maßnahmen notwendig sind, um künstliche Intelligenz und Start-up-Lösungen effektiv zu implementieren.

Die Hürde: Vom Proof of Concept zum Kerngeschäft

Das Gespräch beleuchtet die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit in vielen Unternehmen. Johannes Rath beschreibt die typische Spannung: Führungskräfte sehen auf Konferenzen beeindruckende Technologien, etwa Avatare für den Vertrieb, doch die Organisation kämpft intern noch mit der Modernisierung der Kernsysteme oder mangelhafter Datenqualität, die für KI-Anwendungen benötigt wird. Jens Lapinski verstärkt den Handlungsdruck durch den Verweis auf die exponentielle Entwicklung im KI-Bereich: „Die Kosten für KI-Modelle sind um den Faktor Tausend gefallen in den letzten paar Jahren“, während die Qualität rasant gestiegen sei. In diesem Umfeld, so Lapinski, sei Zögern fatal. Unternehmen müssten schnell handeln, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Das Lösungsmodell: Ein Ökosystem für den Praxistransfer

Die SIGNAL IDUNA hat bereits 2017 begonnen, ein eigenes Innovations-Ökosystem aufzubauen, unter anderem durch den Berliner Hub „Signals“, eine strategische Google-Partnerschaft und als Investor im Fonds von Angel Invest. Rath erklärt, wie dieses Netzwerk genutzt wird, um Innovationen gezielt ins Unternehmen zu holen. Der Konzern identifiziert in agilen Formaten wie „Quarterly Business Reviews“ konkrete Business-Probleme – von regulatorischen Anforderungen wie DORA bis hin zu Effizienzsteigerungen im Kundenservice. Diese Probleme werden dann aktiv an das Ökosystem herangetragen, um passende Start-up-Lösungen zu finden. „Es geht nicht darum, Innovationspreise zu gewinnen“, betont Rath. Vielmehr sei Innovation die Antwort auf Kostendruck und den demografischen Wandel. Bis 2030 werden rund 30% der Belegschaft das Unternehmen altersbedingt verlassen.

Lektionen und Ausblick: Reife und langfristiges Denken

Der Aufbau dieser Struktur erforderte Geduld. Als wichtigste Lektion nennt Rath die Notwendigkeit des „Durchhaltens“. Viele Innovationsinitiativen scheitern, weil ihnen die langfristige Perspektive fehle. Zudem habe man gelernt, Start-ups erst ab einer gewissen Reife – etwa der Series A – anzubinden, nachdem frühe Versuche mit unfertigen Produkten scheiterten. Heute liegt der Fokus klar auf KI. Nachdem die SIGNAL IDUNA bereits ein internes Wissens-Tool auf Google-Gemini-Basis („Kosi“) sowie KI-Agenten im Kfz-Bereich einsetzt, sei der nächste Schritt die Entwicklung „agentischer Systeme“, um die Produktivität im gesamten Konzern zu steigern.

Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast

Seit April 2020 veröffentlicht Jonas Piela regelmäßig Gespräche zur digitalen Transformation mit Vorständen und Managern der Versicherungswirtschaft. Sein Ziel ist, dass seine Zuhörer einem lockeren Gespräch unter Gleichgesinnten lauschen und so Ideen und Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

Weitere Podcasts

 

Diese Skills brauchen Makler, um souverän auf der KI-Welle zu stehen

Leona Spauszus ist Trainerin und Speakerin für künstliche Intelligenz im Versicherungsvertrieb. Als KI-Pionierin zeigt sie, wie KI den Arbeitsalltag von Vermittlern und Führungskräften im Vertrieb effizienter macht. Für AssCompact gibt sie in ihrer monatlichen KI-Kolumne praxisnahe KI-Tipps speziell für Makler.

Insbesondere auf der DKM 2025 wurde sichtbar, wie stark sich die Versicherungsbranche in Richtung KI entwickelt. Von kleinen KI-Helfern bis zu komplexen KI-Komponenten in MVPs ist alles vertreten. Hinzu kommt eine große Vielzahl an nicht versicherungsspezifischen KI-Tools für Präsentationen, Bilder, Videos und KI-Automationen.

Sinnvoller KI-Einsatz

Doch nicht jede KI-Lösung bringt echten Nutzen. Makler benötigen die Fähigkeit, KI-Tools nach Alltagsrelevanz, praktischer Umsetzung, Datenqualität und rechtlicher Nutzung zu bewerten.

Hier gilt es zu verstehen, wo und an welcher Stelle der Einsatz von KI wirklich unterstützen kann und wo sie nur als „Spielerei“ angesehen werden muss. Diese Bewertungskompetenz wird zum ersten wichtigen Filter im Makleralltag.

Externe und interne Datenkompetenz

Zwei Arten der Datenkompetenz werden künftig über den erfolgreichen Einsatz von KI im Maklerbüro entscheiden. Wer hier nicht fit ist, baut auf Sand. Makler müssen verstehen, wie KI-Systeme arbeiten, um deren Ergebnisse einordnen zu können. Modelle wie ChatGPT erzeugen Antworten auf Basis von Daten und statistischen Wahrscheinlichkeiten. Sie können überzeugend klingen und trotzdem falsch liegen. Ein Grundverständnis darüber, woher und wie ChatGPT, Claude, Gemini und Co. ihre Antworten nehmen, ist wichtig, um KI-Aussagen fachlich korrekt zu bewerten und Kunden sicher zu begleiten.

Auslagern oder selbst machen?

Der Wunsch nach KI-Automationen ist groß. Doch oft wird dabei nicht bedacht, dass jeder KI-unterstützte Prozess im Maklerbetrieb saubere, vollständige und strukturierte Daten benötigt. Ohne gepflegte Daten entstehen fehlerhafte Analysen und unbrauchbare Empfehlungen. Nur wenn diese Basis stimmt, kann KI Prozesse automatisieren, Bestände analysieren oder Kommunikation unterstützen. Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen, wo und an welcher Stelle das Thema KI besser ausgelagert werden kann bzw. von einem KI-Experten übernommen werden sollte. Das gilt aktuell vor allem für die Implementierung von individuellen KI-Automationen oder dem besonders spannenden Thema KI-Sichtbarkeit.

Gerade beim Thema KI-Automationen erwecken Werbeversprechen manchmal den Anschein, als wäre die Umsetzung im Handumdrehen erledigt und kinderleicht. In Wahrheit sieht es doch eher anders aus: Prozessanalyse, Datenqualität, Schnittstellen (APIs) und die DSGVO erfordern oft mehr technisches Verständnis als gedacht. Hier ist Entscheidungskompetenz gefragt: Wann investiere ich meine eigene Zeit („selbst machen“) und wann ist es wirtschaftlich sinnvoller, das Thema KI-Implementierung auszulagern?

Den Kunden nicht aus dem Auge verlieren

Bei dem ganzen Trubel rund um KI und neue KI-Tools, die den Arbeitsalltag des Maklers erleichtern sollen, wird an der einen oder anderen Stelle etwas sehr Wichtiges vergessen: Nämlich die Tatsache, dass die Kunden mehr und mehr Dialoge mit ChatGPT und Co. führen. Kunden nutzen KI, bevor sie einen Makler kontaktieren. Sie führen menschenähnliche Gespräche zum Thema Versicherungen. Makler müssen in der Lage sein, diese Vorinformationen einzuordnen und falsche Annahmen zu korrigieren. Der Makler muss erkennen können, wo sich der Kunde im Informations- und Beratungsprozess befindet, wenn er den Kontakt aufnimmt. Die Rolle des Maklers in der Beratung wandelt sich.

Die Sprache der KI sprechen

Prompting, also die Fähigkeit, KI klare und zielführende Anweisungen zu geben, entwickelt sich mehr und mehr zu einer neuen Basiskompetenz in der Unternehmerwelt. Wer ChatGPT wie eine Google-Suche nutzt, hat das Potenzial von KI noch nicht erkannt. Prompting wird fester Bestandteil des beruflichen Alltags des Maklers.

Gute Prompts entscheiden über die Qualität der Ergebnisse. Wer präzise formulieren kann, spart Zeit, erhält bessere Antworten und vermeidet Missverständnisse. Das Schreiben von Anweisungen wird damit zu einer täglichen Kernkompetenz, ähnlich wie früher das strukturierte Formulieren von E-Mails oder Angeboten. Makler, die diese Fähigkeit beherrschen, haben einen direkten Vorteil im Wettbewerb, weil sie KI als echten Assistenten nutzen können und nicht nur als bloße Spielerei.

Rechtliche Kompetenz wird unverzichtbar

KI bringt auch rechtliche Herausforderungen mit sich. Datenschutz, Urheberrecht, Modellfehler, Halluzinationen und der EU AI Act verlangen ein Grundverständnis der Risiken. Makler müssen einschätzen können, welche Anwendungen sicher einsetzbar sind und wo Vorsicht geboten ist. Dazu gehört auch das Bewusstsein, dass KI Fehler machen kann und die Verantwortung immer beim Menschen liegt. Ein solides rechtliches Basiswissen schützt sowohl den Makler als auch die Kundenbeziehung.

Agilität, radikale Neugier und kontinuierliches Lernen

Wer bereit ist zu lernen und KI als Chance begreift, kann auch in einer zunehmend von KI unterstützten Welt erfolgreich bleiben. Makler benötigen Offenheit gegenüber Künstlicher Intelligenz. Agilität wird zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor. KI ersetzt Makler nicht. Sie verändert die Rolle und erweitert die unternehmerischen Potenziale. Wer früh beginnt und das Thema Künstliche Intelligenz mit „radikaler Neugier“ herangeht, wird souverän auf der großen KI-Welle mitsurfen können.

KI-Starterpaket als Einstieg

Die bbg Betriebsberatungs GmbH bietet einen praxisnahen KI-Selbstlernkurs an, mit dem insbesondere Makler, die sich bisher noch kaum mit dem Thema künstliche Intelligenz beschäftigt haben, ideal starten können. Die Inhalte sind verständlich erklärt und flexibel nutzbar. Der Kurs vermittelt grundlegendes Wissen, zeigt konkrete Anwendungsbeispiele und erleichtert den ersten sicheren Einstieg in die Arbeit mit KI im Vertriebsalltag. Mehr Infos unter: ki-starterpaket.asscompact.de

Lesen Sie auch:

Interessieren Sie sich für weitere Hintergrundartikel aus der Branche? Dann abonnieren Sie das monatliche Fachmagazin AssCompact – kostenfrei für Versicherungs- und Finanzmakler