AssCompact suche
Home

Investment

Herausforderung und Chance in der Vermögensverwaltung

Einer Studie der TH Aschaffenburg zufolge schöpfen unabhängige Vermögensverwalter ihr Potenzial nicht vollständig aus. Grundsätzlich bescheinigt die Umfrage der Branche, gut aufgestellt zu sein. Doch in den Bereichen Finanzplanung sowie digitale Vermögensverwaltung gibt es Nachholbedarf, aber auch Wachstumschancen.

Das Institut für Vermögensverwaltung (InVV) der Technischen Hochschule Aschaffenburg untersucht seit 2014 die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter. Das Institut befragt dafür jährlich unabhängige Vermögensverwalter mit einer Zulassung nach § 32 Kreditwesengesetz.

Finanzplanung

Finanzplanung ist Mangelware unter den Vermögensverwaltern. Lediglich 30% aller Vermögensverwaltungen bieten eine umfassende Finanzplanung, über alle Firmengrößen hinweg, als feste Dienstleistung an. Als verhältnismäßig aktiv in dem Bereich haben sich im Rahmen der Umfrage mittlere Vermögensverwaltungen herausgestellt. Unternehmen mit einem verwalteten Volumen von 50 bis 150 Millionen Euro machen in 43% der Fälle eine regelmäßige Finanzplanung für ihre Kunden. Sowohl kleinere als auch größere Unternehmen machen das hingegen nur in 25% der Fälle.

Der Leiter des InVV, Prof. Dr. Hartwig Webersinke, weist darauf hin, dass Vermögensverwalter mit diesem Verhalten die Chance verpassen, mehr zu verdienen. Während ein Portfolio-Manager nämlich nur den liquiden Teil des Vermögens überblickt, hat ein Finanzplaner Kenntnis über das Gesamtvermögen.

Robo Advisor

Robo Advice ist das zweite Thema, in dem die Studie des InVV Nachholbedarf für die Vermögensverwalter sieht. Zwar glaubt der Großteil der Befragten, dass die computergesteuerte Vermögensverwaltung innerhalb der nächsten fünf Jahre eine relevante Rolle in Deutschland spielen wird, aber über 90% der Befragten fühlen sich davon nur schwach oder gar nicht bedroht.

Florian Grenzebach von der V-BANK AG sieht in der entspannten Haltung der Befragten eine Gefahr. Die Vermögensverwalter könnten nach der Ansicht des Generalbevollmächtigten der V-BANK eine unangenehme Überraschung erleben, wenn sie nicht rechtzeitig auf die Herausforderung durch computergesteuerte Dienste reagierten.

Über die Studie

Die jährlich stattfindende Umfrage wird einerseits von der V-BANK aus München und andererseits vom Verband unabhängiger Vermögensverwalter (VuV) finanziert. Von den 400 unabhängigen Vermögensverwaltungen in Deutschland nahmen 156 an der Umfrage teil. Nach einer Qualitätsprüfung flossen die Aussagen von 135 beantworteten Fragebögen in die Studie ein. (tku)

Bild: © alphaspirit – stock.adobe.com

 

Corona hält Anlagen in nachhaltige Fonds nicht auf

Die Anlagen in nachhaltige Fonds haben nach einem kurzen Innehalten aufgrund der Corona-Pandemie ein Rekordniveau erreicht. Investitionen in nachhaltige Fonds machen mittlerweile fast ein Drittel der gesamten europäischen Mittelzuflüsse aus. Und: Die ökologische Ausrichtung von Fonds setzt sich weiter fort.

Nachhaltige Fonds haben nach dem Ausverkauf des Marktes aufgrund der Corona-Pandemie wieder kräftig zugelegt. Das ist das Ergebnis der Morningstar-Analyse „Global Sustainable Fund Flows“. Untersucht wurden die Fondsströme von rund 3.400 globalen offenen ESG-Fonds und börsengehandelten Fonds im zweiten Quartal 2020.

Demnach stiegen die weltweiten Zuflüsse in nachhaltige Fonds um 72% auf 71,1 Mrd. US-Dollar. Dabei erreichten Anlagen in nachhaltigen Fonds ein Rekordhoch von 1,06 Billionen US-Dollar. Das bedeutet einen Anstieg von 23% gegenüber dem vorangegangenen Quartal.

Mittelzuflüsse vor allem in Europa

Europa dominiert dabei weiterhin den Markt, wie die Zahlen aus der europäischen Morningstar-Analyse („European Sustainable Fund Flows“) zeigen: In rund 2.700 europäische ESG-Fonds flossen Gelder in Höhe von 54,6 Mrd. Euro ein und damit doppelt so viele wie im turbulenten ersten Quartal des Jahres. Investitionen in nachhaltige Fonds machten damit fast ein Drittel der gesamten europäischen Mittelzuflüsse aus. Nachhaltige Aktienfonds übertrafen weiterhin die traditionellen Fonds.

Anteil bewegt sich in Richtung 25%

Vermögensverwalter setzen zudem die ökologische Ausrichtung ihres Angebots fort: Im zweiten Quartal wurden 40 traditionelle Fonds in nachhaltige Fonds umgewandelt, berichtet Morningstar. 30 davon wurden außerdem umbenannt. Die umgewidmeten Fonds machen nun 21% des europäischen nachhaltigen Fondsuniversums aus.

Anleger mit Nachhaltigkeitsanspruch haben also immer mehr Wahlmöglichkeiten, wie auch Hortense Bioy, Director of Sustainability Research for EMEA and APAC bei Morningstar, kommentiert: „ […] Anleger haben mehr Auswahlmöglichkeiten als je zuvor. Sie können Portfolios zusammenstellen, die sowohl ihren finanziellen Bedürfnissen als auch ihrem Wunsch nach Nachhaltigkeit entsprechen.“

Zügiges Voranschreiten bei ESG-Taxonomie

Bioy sieht aber auch noch viel Klärungsbedarf, insbesondere was Klarheit und Standards im Bereich ESG angeht. Gleichzeitig zeigt sich die Nachhaltigkeitsexpertin optimistisch: „Es ist ermutigend zu sehen, dass die COVID-19-Krise die EU-Regulierungsbehörde nicht davon abgehalten hat, Fortschritte an der Front der ökologischen Taxonomie und Offenlegungsanforderungen zu erzielen.“ Die EU-Taxonomie zur Klassifizierung von nachhaltigen Investments und Finanzprodukten ist ein wichtiger Schritt im Rahmen des „Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums“, den die Europäische Kommission im März 2018 vorgelegt hatte. (bh)

Bild: © nali – stock.adobe.com

 

Pictet lanciert marktneutralen Aktienfonds

Pictet Asset Management hat mit dem Pictet TR-Aquila seine Total-Return-Palette um eine neue Aktienstrategie erweitert. Dabei handelt es sich um einen marktneutralen Aktienfonds, dessen regionaler Fokus auf Europa und den USA liegt.

Pictet Asset Management hat einen neuen Fonds im Angebot. Der Pictet-TR Aquila strebt langfristiges Kapitalwachstum bei geringer Korrelation mit Aktienmärkten an. Hierfür meidet er stark makrobezogene Unternehmen und konzentriert sich stattdessen auf zentrale Sektoren wie Gesundheit, Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT) sowie Konsumgüter. Der Fokus liegt dabei auf liquiden Unternehmen aus den USA sowie aus Europa.

Intern bereits 2018 gestartet

Pictet macht die Strategie erstmals für externe Investoren zugänglich. Intern wurde sie bereits mehrere Jahre von London aus von Asim Nurmohamed mit Unterstützung von Alexandre Diogo und Bharat Garg verantwortet und verwaltet. „Nachdem das Aquila-Team diese Strategie bereits seit 2018 erfolgreich im Rahmen unserer Multi-Strategie-Fonds managt, freuen wir uns, dass diese in der OGAW/UCITS-Landschaft einzigartige Strategie nun in den Anlegerportfolios als Instrument zur Diversifikation eingesetzt werden kann“, kommentiert Doc Horn, Leiter Total Return Equities bei Pictet Asset Management.

Zehnter Total-Return-Fonds

Der Fonds ist der zehnte des Total-Return-Angebots von Pictet Asset Management, in dem per 30.06.2020 insgesamt 9,5 Mrd. Dollar verwaltet wurden. Er ergänzt die marktneutralen Fonds Agora (Aktien Europa), Akari (Aktien Japan) und Diversified Alpha (Multi-Strategie-Fonds). Zum Angebotsspektrum gehören zudem die direktionalen Long/Short-Aktienfonds Corto (Aktien Europa), Mandarin (Aktien Greater China) und Atlas (Aktien Welt) sowie die Fonds Kosmos (Globale Unternehmensanleihen), Distressed & Special Situations und Sirius (Long/Short-Schwellenländeranleihen). (mh)

Bild: © MQ-Illustrations – stock.adobe.com

 

UBS lanciert vier defensive Aktien-ETFs

UBS Asset Management (UBS AM) hat vier neue ETFs vorgestellt. Sie verwenden systematische Optionsverkaufsstrategien, um Erträge zu generieren und das Verlustrisiko zu verringern. Sie richten sich somit vor allem an defensive Anleger.

UBS AM hat ein ETF-Quartett lanciert, das auf Optionsverkaufsindizes basiert. Optionsverkaufsindizes verkaufen systematisch Optionen mit dem Ziel, Erträge zu generieren, das Verlustrisiko zu verringern und Erträge aus der Marktvolatilität zu erzielen. Die vier neuen ETFs sollen Aktieninvestoren eine defensivere Ausrichtung gegenüber europäischen und US-amerikanischen Aktien bieten. Die defensiven Aktien-ETFs bilden Indizes von Solactive ab. Zielmärkte sind der S&P 500 und er EURO STOXX 50.

Covered-Call- und Put-Write-Strategie

Sowohl für den US-Index als auch für den europäischen Leitindex bietet UBS jeweils eine Covered-Call-Strategie und eine Put-Write-Strategie. Die Covered-Call-Strategie kombiniert eine Long-Position im Zielindex mit dem wöchentlichen Verkauf von Call-Optionen. Diese zielen darauf ab, Erträge durch Prämien zu erzielen und das Verlustrisiko zu reduzieren. Die Put-Write-Strategie kombiniert hingegen eine Cash-Position mit dem wöchentlichen Verkauf von Put-Optionen und versucht durch Optionsprämien Erträge zu erzielen und gleichzeitig einen Puffer in korrigierenden Märkten zu bieten. Der Ansatz hält laut UBS AM ein geringeres durchschnittliches Engagement an den Aktienmärkten als die Covered-Call-Strategie.

Fokus auf defensive Anleger

Die neuen ETFs eignen sich der Gesellschaft zufolge vor allem für Anleger, die ein defensiveres Aktien-Engagement als mit reinen Beta-Strategien anstreben. Sie können als Ergänzung zu diversifizierten Portfolios Abschwünge in fallenden Märkten abschwächen und die Renditen erhöhen, wenn sich Märkte „seitwärts“ oder innerhalb einer bestimmten Spanne bewegen. Historisch gesehen performen sie laut UBS AM in diesen Phasen gegenüber einer Long-Position auf Indizes am besten. (mh)

Bild: © zimmytws – stock.adobe.com

 

Franklin Templeton schließt Übernahme von Legg Mason ab

Die Übernahme von Legg Mason durch Franklin Resources ist abschlossen. Das hat die Muttergesellschaft von Franklin Templeton nun bekannt gegeben. Es ist die größte und bedeutendste Transaktion in der Geschichte des Investmentmanagers.

Franklin Resources hat den Übernahmeprozess des Konkurrenten Legg Mason abgeschlossen. Durch die Übernahme entsteht einer der weltweit größten unabhängigen, spezialisierten globalen Investmentmanager. Insgesamt verwaltet die Gesellschaft für ihre Kunden ein Vermögen von 1,4 Bio. Dollar.

Stärkung der regionalen Präsenz

Durch den Zusammenschluss soll die Präsenz von Franklin Templeton in einigen Regionen der Erde erheblich gestärkt und eine expansive Anlageplattform mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen institutionellen und privaten Kunden geschaffen werden. Die Übernahme sei die größte und bedeutendste Transaktion in der Geschichte von Franklin Templeton.

Beträchtliche neue Wachstumschancen

Seit der Ankündigung Mitte Februar hat sich die strategische Begründung für die Kombination der beiden Unternehmen laut Jenny Johnson, President und CEO von Franklin Templeton, weiter verstärkt. Die Übernahme eröffne beträchtliche Wachstumschancen durch Skaleneffekte und die Diversifikation bei Anlagestrategien, Vertriebskanälen und Regionen. Die Transaktion verschaffe zudem eine zusätzliche Stärke in den Kernbereichen festverzinsliche Wertpapiere, Aktien und Alternative Anlagestrategien. Änderungen an den Anlagestrategien seien hingegen nicht geplant. (mh)

Bild: © freshidea – stock.adobe.com

 

Studie: Vier von fünf Fonds berücksichtigen Nachhaltigkeitsrisiken

Nachhaltigkeit hat sich bei Investmentfonds mittlerweile fest etabliert. Das geht aus einer aktuellen Erhebung des FNG – Forum Nachhaltige Geldanlagen hervor. Demnach berücksichtigen bereits 80% aller Fonds nachhaltige Kriterien bei der Zusammenstellung der Portfolios.

Einer erstmaligen FNG-Erhebung zu verantwortlichen Investments zufolge beziehen Finanzdienstleister ESG-Risiken bereits in der Breite bei ihren Investments ein. Knapp 70% der Umfrageteilnehmer haben angegeben, ESG-Integration auf mehr als 80% aller verwalteten Fonds anzuwenden. Auch der Blick auf die Asset-Klassen zeugt von einer breiten Abdeckung. 47% der Umfrageteilnehmer decken neben Aktien und Anleihen noch weitere Asset-Klassen ab.

Nachhaltigkeit wird zum Investmentstandard

Das Gesamtvolumen verantwortlicher Investments beträgt in Deutschland und Österreich laut dem FNG-Marktbericht 2020 mittlerweile rund 1,7 Bio. Euro. „ESG-Integration ist in Deutschland und Österreich bereits Standard bei Investments“, stellt Dr. Helge Wulsdorf, FNG-Vorstandsmitglied und einer der Autoren der Studie fest. „Der Trend zu immer mehr ESG-Integration bei konventionellen Fonds wird durch die qualitative Erfassung nun erstmals greifbar.“

Nachholbedarf bei der Implementierung

Nachholbedarf besteht insbesondere bei der durchgängigen Implementierung und Integration in bestehende Prozesse, insbesondere in IT-Systemen. Bei rund 60% der Gesellschaften ist ESG-Integration zum Beispiel nicht durchgängig oder noch nicht in der notwendigen Tiefe in den IT-Systemen verankert. Weiter deuten die Ergebnisse laut FNG darauf hin, dass es noch keine hinreichende Verzahnung zwischen ESG-Integration und Engagement gibt. (mh)

Bild: © wladimir1804 – stock.adobe.com

 

Gold-ETFs verbuchen Rekordzuflüsse

Der Goldpreis hat im ersten Halbjahr 2020 stark zugelegt. Dabei ist die globale Nachfrage nach physischem Gold im Zuge der Corona-Pandemie sogar gesunken. Dafür war aber die Nachfrage nach Gold-ETFs rekordverdächtig hoch. Das zeigen aktuelle Zahlen des World Gold Council.

Die Corona-Pandemie wirkte sich in der ersten Jahreshälfte 2020 deutlich auf den Verbrauchermarkt für Gold aus. Die Gesamtnachfrage nach dem Edelmetall ist im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um 6% auf 2.076 Tonnen zurückging. Dies zeigt der aktuelle Bericht des World Gold Councils zur Entwicklung der weltweiten Goldnachfrage.

Run auf Gold-ETFs

Während die allgemeine Nachfrage nach Gold abnahm, verzeichneten goldgestützte ETFs in der ersten Jahreshälfte rekordartige Zuflüsse in Höhe von 734 Tonnen. Die Zuflüsse übertrafen damit den früheren Jahresrekord aus dem Jahr 2009 von 646 Tonnen und erhöhten die weltweiten Bestände auf 3.621 Tonnen. Diese Rekordzuflüsse wurden laut dem World Gold Council durch die globale Reaktion der Zentralbanken und Regierungen auf die Pandemie, die sich in Form von Zinssenkungen und massiven Liquiditätsspritzen äußerte, weiter angeheizt. Die ETF-Nachfrage trieb den Goldpreis in der ersten Jahreshälfte um 17% nach oben. Allein im zweiten Quartal 2020 lag das Plus bei 10%.

Einbruch der Schmucknachfrage

Die Zentralbanken erwarben in der ersten Jahreshälfte 233 Tonnen Gold, was 39% unter dem Rekordniveau von 2019 liegt. Die Investitionen in Goldbarren und Münzen gingen hingegen in der ersten Jahreshälfte um 17% auf 397 Tonnen zurück. Vor allem in Asien ist die Nachfrage nach physischem Gold laut dem World Gold Council stark zurückgegangen. Die Schmucknachfrage brach aufgrund des Lockdowns der globalen Märkte und der Abschreckung der Verbraucher durch hohe Goldpreise in der ersten Jahreshälfte gar um 46% auf 572 Tonnen ein. Die Menge des in der Technologie verwendeten Goldes sank derweil um 13% auf 140 Tonnen. (mh)

Bild: © Petrovic12 – stock.adobe.com

 

Wirecard-Skandal: BaFin und Anwälte machen ernst

Wirecard ist der Finanzskandal des Jahres. Im Zuge der Betrugsvorwürfe und -ermittlungen hat die TILP Rechtsanwaltsgesellschaft mbH eine Schadenersatzklage gegen die BaFin eingereicht. Die Finanzaufsicht hat nun wiederum Wirecard Zwangsgelder angedroht.

Die Tübinger TILP Rechtsanwaltsgesellschaft mbH (TILP) hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vor dem allein zuständigen Landgericht (LG) Frankfurt am Main auf Schadenersatz verklagt. Der Klagvorwurf lautet auf jahrelangen Amtsmissbrauch der BaFin im Fall Wirecard. Begründet wird der Amtsmissbrauch damit, dass die BaFin zumindest leichtfertig ihre gesetzlichen Pflichten zur Aufklärung, Verhinderung und Anzeige von Marktmanipulationen und zur richtigen, vollständigen und nicht irreführenden Information der Öffentlichkeit und des Kapitalmarktes verletzt habe.

Grobe Missachtung ihrer Aufgaben und Befugnisse

„Nach unserer festen Überzeugung haftet die BaFin zumindest für alle Erwerbe von Wirecard-Aktien und der Wirecard-Anleihe sowie Derivaten auf die Wirecard-Aktie, die ab dem 18.02.2019 erfolgten, auf Schadenersatz“, erklärt Rechtsanwalt Andreas W. Tilp. „Die BaFin hat sich unseres Erachtens jahrelang unter grober Missachtung ihrer gesetzlichen Aufgaben und Befugnisse eigener Ermittlungen gegenüber der Wirecard AG wegen Marktmanipulation verweigert und einseitig gegen Journalisten und Leerverkäufer agiert, obwohl sie die öffentliche Berichterstattung über massive Unregelmäßigkeiten der Wirecard AG genau kannte.“

Bilanzbetrug hätte längst bekannt sein können

Hätte die BaFin ordnungsgemäß ermittelt, wäre der Bilanzbetrug laut Tilp am Freitag, dem 15.02.2019, längst öffentlich bekannt gewesen. „Stattdessen hat die BaFin an diesem Tag erstmals die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung, DPR, zur Prüfung etwaiger Verstöße der Wirecard AG gegen Bilanzrecht im Halbjahresfinanzbericht 2018 veranlasst“, erläutert Tilp. Das Prüfungsverlangen der BaFin an die DPR setze nach § 342b Absatz 2 Satz 3 Nr. 2 des Handelsgesetzbuches (HGB) voraus, dass der BaFin konkrete Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen Rechnungslegungsvorschriften vorliegen.

Leerverkaufsverbot statt Information der Öffentlichkeit

„Obwohl der BaFin also konkrete Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen Rechnungslegungsvorschriften durch die Wirecard AG vorgelegen haben mussten, hat sie die Öffentlichkeit darüber nicht informiert“, betont TILP-Anwalt Maximilian Weiss. Vielmehr hat die BaFin mit Allgemeinverfügung vom 18.02.2019 ein Leerverkaufsverbot in Wirecard-Aktien angeordnet und in deren Sachverhaltsdarstellung die ihr bekannten Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen das Bilanzrecht verschwiegen. Ebenso habe die BaFin der Öffentlichkeit verschwiegen, dass sie schon am 14.02.2019 dem Bundesfinanzministerium mitgeteilt hatte, nicht nur die DPR zu beauftragen, sondern auch, dass sie wegen Marktmanipulationen in alle Richtungen untersucht. „Damit hat die BaFin den Markt öffentlich einseitig, unvollständig und irreführend informiert, was nach unserer festen Überzeugung ebenfalls eine Amtshaftung nach § 839 BGB begründet“, resümiert Weiss.

BaFin droht Zwangsgeld gegen Wirecard an

Ungeachtet der Vorwürfe hat die BaFin am Mittwoch darüber informiert, dass sie am 22.07.2020 gegen die Wirecard AG die Erfüllung der Finanzberichterstattungspflichten nach §§ 114 ff. des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) angeordnet und Zwangsgelder in Höhe von 330.000 Euro angedroht hat. Der Zahlungsdienstleister hat nach Ansicht der Finanzaufsicht gegen die Pflichten aus § 114 Absatz 1 Sätze 2 und 3 WpHG (fehlende Hinweisbekanntmachung) in Bezug auf die Jahresfinanzinformationen für das Geschäftsjahr 2019 verstoßen. Der Bescheid ist sofort vollziehbar, aber noch nicht bestandskräftig. (mh)

Bild: © laplateresca – stock.adobe.com

 

Stuttgarter schaltet FONDSPiLOT auch für die BasisRente frei

Der FONDSPiLOT ist nun auch für die BasisRente der Stuttgarter erhältlich. Das digitale Beratungstool soll Vermittler bei der Ermittlung eines individuellen Anlegerprofils und eines dazu passenden Portfolios unterstützen.

Die Stuttgarter Lebensversicherung a.G. hat Anfang des Jahres eine digitale Beratungslösung für die Vermittlung ihrer fondsgebundenen Altersvorsorgelösungen im Markt positioniert: den Stuttgarter FONDSPiLOT. Das Robo-Advice-Angebot unterstützt Vermittler bei der bedarfsgerechten Beratung zu reinen Fondspolicen und Hybridprodukten der Stuttgarter. Bisher war der FONDSPiLOT für die FlexRente-Tarife der Stuttgarter nutzbar.

Auch in der BasisRente nutzbar

Seit Anfang Juli können Vermittler und Kunden den FONDSPiLOT zusätzlich auch in der Stuttgarter BasisRente nutzen, um ein steuerlich gefördertes Produkt mit einer attraktiven Anlage zu kombinieren. „Wir haben den FONDSPiLOT für die BasisRente weiterentwickelt, um Vermittlern die Möglichkeit zu geben noch besser auf den Bedarf ihrer Kunden eingehen zu können“, betont Jens Göhner, Leiter Produkt- und Vertriebsmarketing Vorsorge und Investment.

Über den Stuttgarter FONDSPiLOT

Vermittler können das digitale Beratungstool des FONDSPiLOT für die systemgesteuerte Ermittlung eines Anlegerprofils seines Kunden nutzen. Im Zuge dessen erhält der Vermittler einen Vorschlag für ein passendes gemanagtes Portfolio. Zweitens steuert der FONDSPiLOT das gewählte Portfolio automatisch mit dem Algorithmus Stuttgarter Automatischen Management (SAM). Der FONDSPiLOT soll die Beratung erleichtern und zusätzliche Sicherheit verleihen. Das Robo-Advice-Angebot richtet sich einerseits an Vermittler, die bereits fondsgebundene Altersvorsorgeprodukte beraten und ihre Aufwände reduzieren wollen. Andererseits spricht der Versicherer auch Vermittler an, die bisher wenig Berührung mit Fondspolicen haben. (mh)

Bild: © sompong_tom – stock.adobe.com

 

Robo-Advisor Scalable Capital sammelt weitere 50 Mio. Euro ein

Das FinTech Scalable Capital hat eine weitere große Finanzierungsrunde abgeschlossen. Europas größter digitaler Vermögensverwalter sammelte dabei insgesamt 50 Mio. Euro ein. Mit dem Geld will das Münchener Unternehmen das weitere Wachstum finanzieren.

Europas größter digitaler Vermögensverwalter Scalable Capital hat in einer Serie D-Finanzierungsrunde weitere 50 Mio. Euro eingeworben. Mit dem Geld soll das Wachstum in der Vermögensverwaltung und im Brokerage sowie im B2B-Geschäft weiter beschleunigt werden. An der Finanzierungsrunde haben sich ein neuer und alle bestehenden Investoren beteiligt. Dementsprechend haben BlackRock, HV Holtzbrinck Ventures und Tengelmann Ventures wieder investiert.

Insgesamt 116 Mio. Euro eingesammelt

Insgesamt summiert sich das Finanzierungsvolumen seit der Gründung von Scalable Capital auf 116 Mio. Euro. „In Zeiten von Covid-19 ist diese Finanzierungsrunde ein starkes Zeichen. Es zeigt, dass unser fokussiertes, digitales Geschäftsmodell die Investoren überzeugt“, sagt Erik Podzuweit, Mitgründer und Geschäftsführer von Scalable Capital.

Seit 2014 am Markt

Zur Gründung im Jahr 2014 hatte sich Scalable Capital zum Ziel gesetzt, die Vermögensverwaltung zu demokratisieren und die Geldanlage mittels Technologie einfacher und günstiger zu machen. Heute können Kunden ihr Geld über den Robo-Advisor anlegen lassen und mit dem Broker aktiv handeln. Der Broker, der im Juni gestartet ist, bietet laut Scalable Capital erstmals eine echte Trading-Flatrate. Mit ihr können Anleger für 2,99 Euro pro Monat ohne Zusatzkosten unbegrenzt Aktien, Fonds und ETFs handeln oder ETFs besparen. Neben den Services für Privatanleger setzt Scalable Capital auf das B2B-Geschäft. (mh)

Bild: © Mathias Rosenthal – stock.adobe.com