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Wirecard-Skandal: Die nächste Runde ist eingeläutet

Der Wirecard-Skandal geht in die nächste Runde. Das Amtsgericht München hat das Insolvenzverfahren über den Zahlungsdienstleister eröffnet. Zudem steht der Termin der ersten Gläubigerversammlung. Aktionärsschützer rufen bereits zur Anmeldung von Schadensersatzansprüchen auf.

Wirecard ist der Finanzskandal des Jahres. 1,9 Mrd. Euro soll der Zahlungsdienstleister erfunden haben. Nun wurde unter anderem deshalb das Insolvenzverfahren über die Wirecard AG und sechs weitere deutsche Gesellschaften eröffnet. Als Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht München am 24.08.2020 Dr. Michael Jaffé bestellt, der gleich zu Beginn harte Einschnitte angekündigt hat. Zwar werde der Geschäftsbetrieb fortgeführt, es seien aber massive Umstrukturierungen nötig.

Massive Geldverbrennung stoppen

Die Cash-Burn-Rate von Wirecard war dem Insolvenzverwalter zufolge bei Insolvenzantragstellung enorm. Um das zu ändern, wurde rund 730 Mitarbeitern von Wirecard gekündigt. „Die wirtschaftliche Lage der Wirecard AG war und ist angesichts der fehlenden Liquidität und der bekannten skandalösen Begleitumstände äußerst schwierig. Mit den üblichen Restrukturierungs- und Kostenanpassungsmaßnahmen ist es daher nicht getan, denn eine so massive Verlustsituation ist im eröffneten Insolvenzverfahren unter Vollkosten nicht darstellbar“, so Dr. Michael Jaffé.

Verkaufsprozess im Gang

Im Verkaufsprozess für das Kerngeschäft, in dessen Rahmen auch die nicht insolvente Wirecard Bank AG am Markt angeboten wird, stehe der Insolvenzverwalter aktuell mit mehreren namhaften Interessenten in Verhandlungen. Die Erlöse aus der Verwertung sollen den Gläubigern zugutekommen. Größere Fortschritte mache unterdessen der Verkauf internationaler Töchter wie etwa Wirecard Brazil oder Wirecard North America.

Erste Gläubigerversammlung vor der Tür

Der Termin für die erste Gläubigerversammlung steht derweil. Am 18.11.2020 soll sie nach derzeitigem Stand als Präsenztermin im Löwenbräukeller in München stattfinden – allerdings mit begrenzter Teilenehmerzahl aufgrund der Covid-19 Hygienevorschriften. Der Berichtstermin ist nicht öffentlich und steht daher nur den Insolvenzgläubigern offen. Diese können jedoch auch einen Vertreter zur Teilnahme schriftlich bevollmächtigen.

Ansprüche bis 20.10.2020 anmeldbar

Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens können die Gläubiger nun auch in den jeweiligen Verfahren ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter zur Insolvenztabelle anmelden. Das zuständige Amtsgericht München bestimmte dafür eine Frist bis zum 20.10.2020. Ein Formular zur Forderungsanmeldung steht unter www.jaffe-rae.de zum Download zur Verfügung.

Aktionäre „unbedingt mit an den Tisch“

Die Schadensersatzansprüche und Gläubigerversammlung im November hat auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bereits im Visier. Die Aktionäre des Zahlungsdienstleisters gehören dort „unbedingt mit an den Tisch“, fordert DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Sie müssten sogar „als größte Gläubigergruppe im Gläubigerausschuss vertreten“ sein.

Konkreter Schaden muss benannt werden

Zwar sind Aktionäre im Normalfall nicht Teil der Gläubiger. Aufgrund der Verletzung von Adhoc- und anderer Publizitätspflichten liege im Falle von Wirecard aber ein Schadensersatzanspruch seitens der Aktionäre vor. Er könne allerdings nur angemeldet werden „wenn der konkrete Schaden in Euro definiert wird“, so Tüngler. Ein einfacher Hinweis auf Schadensersatzanspruch reiche nicht.

DSW baut europäische Plattform auf

Da die Anleger selbst aktiv werden müssen, baut die DSW derzeit eine europäische Plattform auf. So sollen möglichst viele Anleger zusammengefasst und auf Augenhöhe mit den verschiedenen Anspruchsgegnern verhandeln können. Zu diesem Zwecke würden bereits Gespräche mit internationalen Prozessfinanzierern laufen. (mh)

Bild: © laplateresca – stock.adobe.com

 

Consorsbank schließt die Anlageberatung

Die Consorsbank ist eine der größten Direktbanken in Deutschland. Dennoch wird die Tochter von BNP Paribas bald keine Vermögensberatung mehr anbieten. Die noch bestehenden Beratungsverträge sollen bis Ende des Jahres gekündigt werden.

Die Consorsbank bietet bald keine Vermögensberatung mehr an. Das geht aus übereinstimmenden Medienberichten von Finanz-Szene.de und FONDS professionell ONLINE hervor. Demnach stellt Direktbank der BNP Paribas die beiden Angebote „Vermögensberatung“ und „Vermögensberatung extra“ ein.

Konzentration auf Selbstentscheider

Die Consorsbank will sich durch diesen Schritt stärker auf die Zielgruppe der Selbstentscheider fokussieren, zumal gerade bei kleineren Vermögen die Profitabilität des Geschäfts fraglich sei. Zuletzt nutzten rund 18.000 Kunden die Vermögensberatungen der Consorsbank. Deren Beratungsverträge sollen bis spätestens Ende 2020 gekündigt werden.

Wechsel zum Private Banking oder Selbstentscheider

Bei Vermögen von mehr als 250.000 Euro bestehe die Möglichkeit ins Private Banking der Muttergesellschaft BNP Paribas zu wechseln. Auch von den Mitarbeitern der Vermögensberatung soll ein Teil ins Private Banking wechseln. Kunden mit kleineren Vermögen will die Direktbank stärker dabei unterstützen in das Lager der Selbstentscheider zu wechseln. Das soll unter anderem durch Musterportfolios und weitere Tools erleichtert werden. Die Consorsbank war 2009 in die Vermögensberatung eingestiegen. Ein gutes Jahrzehnt später ist dieses Kapital mit dem jetzigen Beschluss bereits Geschichte. (mh)

Bild: © Axel Bueckert – stock.adobe.com

 

Dividenden brechen weltweit stark ein

Dividenden sind langfristig ein wichtiger Teil der Gesamtrendite von Aktieninvestments. In den vergangenen Jahren waren die Ausschüttungen kontinuierlich auf Wachstum eingestellt. Durch die Corona-Pandemie haben sie nun aber einen herben Dämpfer erhalten.

Janus Henderson Investors hat die 27. Ausgabe des Janus Henderson Global Dividend Index (JHGDI) vorgelegt. Weltweit gingen die Dividenden dem Bericht zufolge im zweiten Quartal 2020 um 108,1 auf 382,2 Mrd. Dollar zurück. Das entspricht einem Einbruch um 22%. Selbst bereinigt um Sondereffekte beträgt das Minus 19%. Das war bei Weitem der stärkste Rückgang seit der Einführung des JHGDI im Jahr 2009.

Europa besonders stark betroffen

Mehr als ein Viertel der ausschüttenden Unternehmen kürzte im zweiten Quartal die Dividenden, mehr als die Hälfte strich sie sogar ganz. Der Einbruch ist nicht auf eine einzelne Region zurückzuführen, denn die Ausschüttungen wurden in allen Regionen außer Nordamerika gekürzt. Am stärksten fielen die Kürzungen allerdings in Europa und Großbritannien aus. Dort sanken die Dividenden um 44,5 bzw. 54%.

Deutschland vergleichsweise robust

In Deutschland zeigten sich die Unternehmen optimistischer als in den Nachbarstaaten. Ihre Ausschüttungen verringerten sich auf bereinigter Basis um lediglich 7,25 Mrd. Dollar. Das entspricht einem Minus von 19%. Zudem senkten oder strichen weniger als die Hälfte der deutschen Unternehmen im Index ihre Dividende. Die Allianz liegt zudem weltweit auf Platz 4 der größten Dividendenzahler. BASF, Telekom und Bayer schaffen zumindest den Sprung in die Top 20.

Düsterer Ausblick auf das Gesamtjahr

Die Dividenden in den Sektoren Gesundheit und Kommunikation zeigen sich robust, drastische Einbrüche gab es im Finanzsektor und bei Herstellern von zyklischen Konsumgütern. Für 2020 ist Janus Henderson dennoch insgesamt skeptisch. Janus Henderson erwartet nun im Best-Case-Szenario einen absoluten Rückgang der weltweiten Dividenden im Gesamtjahr um 17% auf 1,18 Bio. Dollar. Im Worst-Case-Szenario könnten die Ausschüttungen sogar um 23% auf 1,10 Bio. Dollar sinken. (mh)

Bild: © peshkov – stock.adobe.com

 

Vontobel öffnet Risikoprämienfonds für Privatanleger

Vontobel Asset Management hat neue Anlageklassen für den Vontobel Fund II – Vescore Active Beta Opportunities registrieren lassen. Damit macht die Gesellschaft die Risikoprämienstrategie in Deutschland einem größeren Kreis von Investoren zugänglich.

Vontobel Fund II – Vescore Active Beta Opportunities diversifiziert das Anlagekapital über eine breite Spanne an Risikoprämien, indem er in globale Aktien, Staatsanleihen, Rohstoffe, Währungen und Volatilitätsfaktoren investiert. Der Fonds verfügt über einen erfolgreichen langfristigen Leistungsausweis und zielt darauf ab, eine positive absolute Rendite zu erreichen. Der 2012 aufgelegte Fonds war bisher nur für einen eingeschränkten Investorenkreis offen.

Öffnung durch neue Anteilsklassen

Mit den neuen Anteilsklassen I und B macht Vontobel Asset Management die Strategie jetzt auch für institutionelle und private Investoren zugänglich. Die Allokation des Fonds wird anhand von quantitativen Modellen bestimmt, die emotionsfrei das jeweils vorherrschende Marktumfeld analysieren. Ziel ist es, die je nach Marktlage attraktivsten Renditequellen zu nutzen. Gleichzeitig liegt ein Fokus auf Kapitalschutz mittels einer rigorosen Begrenzung der Volatilität. Langfristig sollen eine stetige Wertsteigerung und ein ausgewogenes Risikoprofil erreicht werden.

Rendite trifft Risikomanagement

„Vescore verwaltet seit 2002 erfolgreiche Multi-Asset- und Risikoprämien-Strategien. Der Fonds stützt sich auf eine Vielzahl an Renditequellen und hat gleichzeitig einen klaren Fokus auf Risikomanagement”, kommentiert René Weinhold, Head of Germany and Austria von Vontobal Asset Management, die Fondsöffnung. „Dank seines systematischen Anlageansatzes und seiner breiten Diversifikation kann der Fonds unterschiedliche Marktbedingungen meistern.” (mh)

Bild: © 三 张 – stock.adobe.com

 

Baillie Gifford öffnet Gesundheitsfonds für deutsche Anleger

Der „Health Innovation Fund“ von Baillie Gifford erhält eine UCITS-Variante und wird somit auch für deutsche Anleger geöffnet. Der Fonds investiert in Unternehmen, die sich den großen Herausforderungen im globalen Gesundheitswesen wie der Bekämpfung von Krankheiten und Pandemien sowie dem Zugang zu medizinischer Versorgung widmen.

Die schottische Fondsgesellschaft Baillie Gifford bringt ihren „Health Innovation Fund“ als UCITS-Vehikel auch auf den deutschen Markt. Als früher Investor konnte „Guy‘s and St. Thomas‘ Charity“, eine der ältesten und größten Stiftungen im Gesundheitsbereich in Großbritannien, gewonnen werden. Sie ist ein langjähriger Kunde von Baillie Gifford und legt als Wohltätigkeitsorganisation Wert darauf, mit ihren Investitionen eine positive Wirkung für die Gesellschaft zu erzielen.

Neue Generation von Unternehmen

Der Fonds investiert in eine neue Generation von Unternehmen, die sich den großen Herausforderungen im globalen Gesundheitswesen wie der Bekämpfung von Krankheiten und Pandemien sowie dem Zugang zu medizinischer Versorgung widmen. Diese Unternehmen treiben mit bahnbrechenden Therapien, Diagnoseverfahren und digitaler Technologie transformative Veränderungen in der Zukunft des Gesundheitswesens voran.

Krise rückt Branche in den Fokus

Der Fonds wurde zwar lange vor dem Coronavirus aufgelegt, die Krise hat laut Baillie Gifford die Innovation im Gesundheitsbereich aber noch stärker in den Mittelpunkt gerückt. Unternehmen im Portfolio wie Illumina, Ambu und Moderna stünden an vorderster Front, wenn es darum geht, die Pandemie zu bekämpfen, die Zusammensetzung des Virus zu identifizieren oder Impfstoffe und Behandlungen zu entwickeln. (mh)

Bild: © denisismagilov – stock.adobe.com

 

Deutsche Fondsbranche schüttelt Corona-Schock schnell wieder ab

Die deutsche Fondsbranche ist auf ihren Wachstumskurs zurückgekehrt. Nach Abflüssen im ersten Quartal verbuchten sie dem Fondsverband BVI zufolge zwischen April und Juni wieder deutliche Zuflüsse. Immobilienfonds entwickeln sich derweil zu einer Konstante bei Privatanlegern.

Der Fondsbranche flossen in Deutschland im ersten Halbjahr 2020 netto 37,9 Mrd. Euro neue Gelder zu. Damit liegt das Neugeschäft auf dem Niveau der Vorjahr 2018 und 2019, als die Fondsgesellschaften von Anfang Januar bis Ende Juni jeweils rund 40 Mrd. Euro erzielten. Die Zuflüsse im laufenden Jahr entsprechen rund 1% des zur Jahresmitte verwalteten Vermögens von 3,33 Bio. Euro. Dank sich erholender Börsenkurse ist das verwaltete Vermögen innerhalb von drei Monaten sogar um 6% gestiegen. Damit liegt es nur noch knapp unter dem Rekordstand vom Jahresbeginn, als die Fondsgesellschaften 3,40 Bio. Euro verwalteten.

Comeback der Publikumsfonds

Das Neugeschäft der offenen Publikumsfonds vollzog im ersten Halbjahr einen Vorzeichenwechsel. Flossen im ersten Quartal noch netto 11,4 Mrd. Euro ab, erzielten die Fonds im zweiten Quartal bereits wieder Zuflüsse von 15,7 Mrd. Euro. Die Absatzliste führten Aktienfonds mit 9,8 Mrd. Euro und Mischfonds mit 5,8 Mrd. Euro an. Beide Fondsgruppen verzeichneten im ersten Quartal mit 12,3 bzw. 1,2 Mrd. Euro noch die höchsten Abflüsse der Publikumsfonds.

Immobilienfonds als Konstante

Eine Konstante im Neugeschäft der Publikumsfonds bleiben Immobilienfonds. Ihnen flossen im zweiten Quartal 1,2 Mrd. Euro neue Gelder zu, nachdem sie im ersten Quartal 3,9 Mrd. Euro erzielt hatten. Insgesamt verzeichneten Publikumsfonds von Anfang Januar bis Ende Juni netto 4,3 Mrd. Euro neue Gelder. Dazu steuerten nachhaltige Fonds 7,7 Mrd. Euro bei, während aus nicht nachhaltigen Fonds 3,4 Mrd. Euro abflossen.

Versicherer und Altersvorsorgeeinrichtungen dominieren Spezialfonds
Deutsche Fondsbranche schüttelt Corona-Schock schnell wieder ab

Auch offene Spezialfonds erholten sich zuletzt wieder. Nachdem sie mit Zuflüssen von 32,7 Mrd. Euro im ersten Quartal den besten Jahresstart seit 2015 erzielt hatten, flossen im April und Mai 2,5 bzw. 0,8 Mrd. Euro ab. Im Juni verzeichneten sie aber bereits wieder Zuflüsse von 3,9 Mrd. Euro. Im gesamten ersten Halbjahr flossen Spezialfonds insgesamt 33,3 Mrd. Euro zu. Das entspricht fast dem Neugeschäft der beiden Vorjahreszeiträume. Bei den Zuflüssen spielen Versicherer und Altersvorsorgeeinrichtungen wie Versorgungswerke oder Pensionskassen weiter die Hauptrolle. Sie legten insgesamt 32,4 Mrd. Euro neu in Spezialfonds an. Insgesamt stehen sie für rund zwei Drittel des Gesamtvermögens von Spezialfonds. (mh)

Bild: © Monster Ztudio – stock.adobe.com

 

Vermittler setzen immer stärker auf ETFs

Während ETFs zu Beginn vor allem bei professionellen Anlegern sowie Selbstentscheidern gefragt waren, gewinnen sie mittlerweile auch bei Finanzvermittlern stark an Bedeutung. Das zeigt die aktuelle Vermittler-Fokus-Umfrage von ebase.

Die European Bank for Financial Services GmbH (ebase) hat sich in ihrer aktuellen Vermittler-Fokus-Umfrage unter anderem mit ETFs beschäftigt. Die Umfrage zeigt, dass die passiven Fonds zunehmend breitere Akzeptanz bei Vermittlern finden. Dass die Bedeutung von ETFs im Privatkundengeschäft in den nächsten drei Jahren steigen wird, erwarten 44% der befragten Vermittler und damit leicht mehr als im Vorjahr. 47% rechnen sogar mit einer stark steigenden Bedeutung. Insgesamt erwarten somit neun von zehn Vermittler, dass ETFs in den nächsten Jahren wichtiger werden. Gerade einmal 2% rechnen dagegen mit einem Bedeutungsverlust. Vor einem Jahr waren es noch knapp 6%.

Kein Ende des Trends absehbar

„Exchange Traded Funds sind sicherlich eines der Top Themen des letzten Jahrzehnts gewesen und offensichtlich zeichnet sich noch lange kein Ende dieses Trends ab“, kommentiert Kai Friedrich, Sprecher der Geschäftsführung von ebase, die aktuellen Zahlen. „Dadurch, dass ETFs auch bei Privatkunden in den letzten Jahren deutlich an Bekanntheit zulegen konnten, werden diese auch für Vermittler immer mehr ein Thema.“

ETF-Angebot deutlich ausgebaut

Auch bei ebase haben ETFs an Bedeutung gewonnen. So hat die Bank im letzten Jahr einen deutlichen Ausbau des ETF-Angebotes eingeleitet. Dabei wurde nicht nur die Zahl der ETFs, sondern auch die der Anbieter deutlich erweitert. Insgesamt kann bei ebase mittlerweile unter mehr als 900 ETFs unterschiedlicher Anbieter ausgewählt werden. (mh)

Bild: © Nuthawut – stock.adobe.com

 

BlackRock setzt mit neuem Fonds auf fünf Megatrends

Der Vermögensverwalter BlackRock hat einen neuen Fonds im Portfolio. Der BGF Multi-Theme Equity Fund investiert in fünf Megatrends. Die Unternehmen des Fonds sollen sich unter anderem durch überdurchschnittliches Gewinnwachstum auszeichnen.

BlackRock hat den BGF Multi-Theme Equity Fund aufgelegt. Dabei handelt es sich um den ersten Fonds seiner Art, der Anlegern Zugang zum gesamten Spektrum thematischer Investments bei BlackRock bietet. Dies schließt sowohl indexbasierte als auch Alpha-orientierte, sprich auf marktunabhängige Mehrerträge ausgerichtete Lösungen ein. Der BGF Multi-Theme Equity Fund ist ein UCITS-Fonds mit laufenden Kosten für Privatanleger von 0,80 Basispunkten.

Fünf Megatrends im Visier

Der BGF Multi-Theme Equity Fund eröffnet Zugang zu fünf Megatrends, die das: technologischer Durchbruch, demografischer und sozialer Wandel, rasche Verstädterung, Klimawandel & Ressourcenknappheit sowie die Entwicklung des globalen Wohlstands. Diese Trends hat das BlackRock Investment Institute (BII) als Treiber identifiziert, die die Zukunft der Weltwirtschaft und Gesellschaft prägen könnten.

Strategische und taktische Komponente

Der Fonds investiert aktiv in das gesamte Spektrum Alpha-orientierter und indexbasierter Anlagelösungen bei BlackRock. Üblicherweise wird das Portfolio sechs bis 17 Investments umfassen und sowohl strategische als auch taktische Allokationen nutzen. Der strategische Teil ist darauf ausgerichtet, das Potenzial der fünf genannten Megatrends langfristig zu nutzen. Die taktische Komponente soll gleichzeitig ermöglichen, kurzfristigere Signale aufzunehmen und von Marktzyklen zu profitieren.

Schlag den Markt

Anleger können über den Fonds in Unternehmen investieren, die überdurchschnittliches Gewinnwachstum anstreben, vom Markt tendenziell unterschätzt werden und sich längerfristig besser entwickeln könnten als die globalen Aktienmärkte. Der BGF Multi-Theme Equity Fund wird von Chris Ellis Thomas und Rafael Iborra gemanagt. Die beiden Portfoliomanager nutzen Erkenntnisse aus BlackRocks globalem Analysenetzwerk, zu dem auch die Thematic Research Investment Group (TRIG) gehört. Diese identifiziert langfristige Anlagethemen, die sich aus mindestens einem der genannten Megatrends entwickeln. (mh)

Bild: © Artur – stock.adobe.com

 

FinVermV: Hybride Modelle punkten bei Beratern

Seit dem 01.08.2020 ist die neue Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) in Kraft. Welche Auswirkung das für die Finanzanlagenvermittlung in der Praxis hat, zeigt ein erster Erfahrungsbericht von Moventum.

Seit dem 01.08.2020 gilt die neue FinVermV. Für Berater ist sie laut Moventum ein großer Mehraufwand, der aber durch unterschiedliche Hilfestellungen verringert werde. „Dabei zeigen sich zwei Trends“, sagt Swen Köster, Head of Sales Germany bei Moventum. „Rein digitale Unterstützungsleistungen haben genauso ihren Platz wie analoge, aber die Mischung kommt am besten an.“ Zudem gelte: Je größer die Umsätze, desto mehr wünschen Berater persönlichen Kontakt.

Parallelen zu Robo-Advisors

Die Erfahrungen der ersten Tage mit der neuen Verordnung seien durchaus gemischt. „Wir haben gezielt nach Feedback gefragt und können so ein ganz gutes Stimmungsbild abgeben, ohne dass es sich um repräsentativ erhobene Daten handelt“, sagt Köster. Im Prinzip zeigt sich dabei ein ähnlicher Aufbau wie bei der Nutzung von Robo-Advisors: „Je mehr es um ein Standard-Massengeschäft geht, desto mehr wünschen sich Berater eine vollständig digitale Lösung, bei der sie am Ende nur noch auf einen Knopf drücken müssen und alles ist erledigt“, sagt Köster.

Individualität bei großen Vermögen gefragt

Je höher allerdings die Vermögen der Kunden und je größer auch die Einzelaufträge für die Berater, desto mehr wünschen sich Berater laut Moventum teilautomatisierte Lösungen. „Das beinhaltet auch, dass vollständig digitale Unterstützungsleistungen eher abgelehnt werden“, so Köster. „Hier schneiden hybride Modelle am besten ab.“ Das gelte umso mehr, weil viele der angekündigten Digitalformate noch einige Kinderkrankheiten aufweisen würden – vor allem bei komplexeren Fragestellungen, manchmal aber auch bei ganz simplen Unverträglichkeiten der verwendeten Systeme mit den von Beratern genutzten Programmen, Browsern oder auch Hardware.

Kaum inhaltlicher Klärungsbedarf

Inhaltlich dagegen seien die Vorgaben der Finanzanlagenvermittlungsverordnung weitgehend klar. „Natürlich wird es auch hier in dem ein oder anderen Fall Klärungsbedarf geben“, so Köster. „Im Wesentlichen aber lässt sich mit den Vorgaben jetzt gut arbeiten.“ Diese Vorgaben erfordern dem Experten zufolge vom Berater eine eingehende Beschäftigung. Insgesamt habe man festgestellt, dass vor allem komprimierte Informationen und Checklisten sehr gut ankommen. Diese würden den Beratern in ihren Abläufen helfen und für Rechtssicherheit sorgen.

Vereinheitlichen nicht immer gewollt

„Natürlich lässt sich vieles vereinheitlichen“, sagt Köster. „Aber die Verordnung zielt ja gerade darauf ab, dass für jeden Kunden individuell gezeigt wird, dass die Empfehlung optimal ist, dass sie geeignet ist.“ Und genau dieser Anspruch an die Individualität jeder Geeignetheitserklärung, jeder Zielmarktdefinition und bei der Kostentransparenz sei es, der die vollständig digitalen Strecken in der Beratergunst derzeit noch hinter dem hybriden Mischmodell zurückbleiben lasse. (mh)

Bild: © Chris Titze Imaging – stock.adobe.com

 

Geldanlage 2020: Droht der nächste Corona-Crash?

Die Aktienmärkte gleichen 2020 mehr denn je einer Achterbahn. Einem massiven Crash folgte eine rasante Erholung. Der Dax stieg sogar wieder über 13.000 Punkte. Und schon sind neue Crash-Prognosen zurück. Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG, sieht dafür keinen Anlass. Aus mehreren Gesichtspunkten dramatisch sei aber der Skandal um Wirecard.

Herr Halver, ist die Erholung vom Corona-Crash nicht viel zu schnell erfolgt?

Man darf nicht vergessen, dass man sehr schnell mit einem gigantischen geld- und fiskalpolitischen Paket entgegengehalten hat, um die Konjunktur zu stützen. Zumindest die Frühindikatoren verbessern sich zudem bereits wieder. Nicht V-förmig, sondern eher in Form eines Nike Swoosh. Das ist definitiv positiv und gibt den Aktienmärkten fundamentale Unterstützung.

Dennoch herrscht Angst vor einer zweiten Corona-Welle ...

Sollte die zweite Welle kommen, wird man nicht wieder alles zumachen. Bei einem erneuten flächendeckenden Lockdown wären die ganze Hilfspakete für die Katz gewesen. Man wird stattdessen lokale Shutdowns durchführen, wie zuletzt auch schon in den Schlachthöfen – und diese auch nur so kurz wie möglich. Flächendeckende Lockdowns würden die für die Wirtschaft so wichtige Psychologie zertreten und Konsum- und Investitionsabsichten so behindern, dass wir uns vermutlich über ganz andere Dinge wie soziale Probleme Gedanken machen müssten als über das Coronavirus – das sicher schon schlimm genug ist.

Ist eine zweite Welle des Corona-Crashs unwahrscheinlich?

An den Aktienmärkten kann es volatiler werden und auch mal 1.000 oder 2.000 Punkte nach unten gehen. An einen Crash glaube ich im Gegensatz zu so manchem Untergangspropheten aber nicht. Im Extremfall wird noch mal kräftig Geld nachgelegt werden. Die (Geld-)Politik lässt unsere Welt nicht verrecken, weil dann die Straßen unsicher werden. Wir reden hier sicher nicht von der guten alten (Finanz-)Stabilität. Diesen Luxus haben wir an der Garderobe abgegeben und dieses Kleidungsstück werden wir nie mehr zurückbekommen.

Crash-Propheten warnen allerdings vor schwindelerregend hohen Aktienbewertungen …

Kein Zweifel, die Bewertung der Aktienmärkte ist hoch, höher, am höchsten. Darüber muss man gar nicht diskutieren. An den Anleihemärkten ist sie aber noch um ein Vielfaches höher. In den USA ist man mittlerweile bei einem vergleichbaren KGV von 160. Bei den negativen Renditen von deutschen Bundesanleihen lässt sich nicht einmal mehr eine Bewertung berechnen. Es gibt heutzutage keine Parkmöglichkeiten mehr. Bei Zinsanlagen muss man sogar ein Parkticket dafür ziehen und Strafzinsen zahlen. Die Zeiten haben sich geändert. Das kann man nicht einfach ignorieren. Wir haben einen brutalen Anlagenotstand, der zinsseitig nicht mehr befriedigt werden kann.

Bleibt das Grundproblem, dass es keine Zinsen mehr gibt?

Ja, und dieser Zustand ist für alle Zeiten festgetackert. Solange das jetzige Welt­finanzsystem existiert, wird es keine vernünftigen Zinsen mehr geben. Das galt schon vor Corona und jetzt erst recht. Amerika macht in diesem Jahr knapp 20% neue Staatsschulden. Zinserhöhungen hätten bei den mittlerweile auch in Europa angehäuften Schuldenständen fatale Auswirkungen. Wir hätten die finale Schulden- und Systemkrise, den kompletten Zusammenbruch der uns bekannten Welt.

Um solche fatalen Auswirkungen zu verhindern, haben sich die europäischen Staats- und Regierungschefs nach tagelangem Verhandlungsmarathon auf ein umfassendes Corona-Hilfspaket geeinigt. Hat das zu Recht die Märkte beruhigt?

Es ist natürlich wie immer ein fauler und windiger Kompromiss. Die Stabilitätsregeln werden mit Füßen getreten. Dennoch ist mit der Einigung zunächst die EU-Kuh vom Eis. Die vorerst verhinderte Euro-Sklerose beruhigt die europäischen Finanzmärkte. Wenn Europa scheitert und zum Flickenteppich wird, hätten die drei Aasgeier aus Amerika, China und Russland leichtes Spiel, Europa zu dominieren. Entscheidend ist aber längerfristig vor allem, dass Europa endlich seine Hausaufgaben macht und klare Wirtschaftsreformen vor allem in Euro-Süd durchführt. Ansonsten stirbt es langsam, aber sicher und die drei Großmächte kommen doch noch auf ihre Kosten.

Neben Europa muss sich auch der US-Präsident Kritik gefallen lassen. Wie kritisch ist die Situation in den USA?

Bei aller Kritik macht Europa zumindest in Corona-Fragen einen deutlich besseren Job als der vor allem emotional handelnde große Zampano auf der anderen Seite des Atlantiks. Auch geostrategisch zeigt er kein Verständnis für die nach dem Krieg aufgebaute und erfolgreiche internationale Sicherheitsarchitektur. Wir reden hier doch vom Regierungschef der größten Volkswirtschaft der Welt und nicht vom Vorsitzenden eines Kegelclubs. Von daher kann man trotz seines hohen Alters nur hoffen, dass Joe Biden die Wahl gewinnen wird. Eine Wiederwahl Trumps wäre fatal, denn dann müsste er keine Rücksicht mehr auf eine Wiederwahl nehmen und könnte Entscheidungen treffen, an die ich heute nicht einmal denken möchte.

Neben Europa und den USA hat auch Deutschland neue Konjunkturmaßnahmen beschlossen. Finanzminister Olaf Scholz spricht dabei von einem historischen Wumms. Wie wirksam wird dieser Wumms werden?

Der Wumms ist eher viel Bumms. Die temporäre Mehrwertsteuersenkung wird ziemlich verpuffen. Viel effizienter wären aber permanente Steuersenkungen gewesen, wie etwa die sofortige Abschaffung des Solidaritätszuschlags und die Verdoppelung der Freibeträge bei der Einkommensteuer. Angesichts des historischen Ausmaßes der Krise hätte man zudem noch mehr Schulden aufnehmen können – zumal der Bund mit Schulden dank der Negativzinsen Geld verdient. Es ist eine absurde Vorstellung, aber die öffentlichen Haushalte machen allein in diesem Jahr durch Schulden etwa 11 Mrd. Euro Gewinn. Vor diesem Hintergrund wären hohe zusätzliche Investitionen in eine verbesserte digitale Infrastruktur zur Beseitigung unserer Strukturdefizite und unserer Wettbewerbsnachteile gegenüber Amerika und China sehr sinnvoll gewesen. Damit würden wir längerfristig wirtschaftlich kräftig investieren können, um unsere Arbeitsplätze zu sichern und sogar neue aufzubauen.

Verheerend war 2020 auch der Skandal um Wirecard. Wie fatal ist der Fall?

Der Wirecard-Skandal ist dramatisch. Auf der einen Seite präsentieren sich unsere Politik und Aufsichtsbehörden extrem reglementierend und nehmen damit auch der Marktwirtschaft Wind aus den Segeln. Auf der anderen Seite hat man bei Wirecard die Augen zugedrückt. Dabei hat der Fall spätestens im Frühjahr 2019 hohe Wellen geschlagen. Man muss davon ausgehen, dass da, wo Rauch ist, auch Feuer ist. In der Hoffnung auf einen deutschen Technologieüberflieger, der mit Amerika mithalten kann, hat man sich benebeln lassen.

Wie verheerend ist der Fall für die deutsche Aktienkultur?

Gerade Kleinanleger liebten Wirecard. Der Titel war so etwas wie eine Volksaktie. Gerade wegen der deutschen Aktienkultur, die ohnehin nur ein kleines Pflänzchen ist, hätte man Gerüchten über Fehlverhalten sofort nachgehen müssen. Ansonsten muss man sich nicht wundern, wenn der Durchschnittshaushalt in Deutschland mehr Geld für Bananen als für Aktien ausgibt.

Die BaFin hat ja sogar ein Short-Seller-Verbot auf Wirecard ausgesprochen – erstmals überhaupt für eine Einzelaktie …

Und genau deshalb muss man auch Analysten und Fonds­manager ein bisschen in Schutz nehmen. Sie haben nicht die Aufgabe, die BaFin zu überprüfen. Wenn die BaFin sagt, ich erteile ein Short-Seller-Verbot, dann ist das wie ein Ritterschlag der Queen oder der Segen des Papstes. Dann muss man sich drauf verlassen können. Viele Anleger werden nach dem Neuen Markt, der Finanzkrise und jetzt noch Wirecard Aktien feindlich gegenüberstehen. Und das ist fatal, denn zur Altersvorsorge geht an ihnen kein Weg vorbei. Denn Zinssparen zu den heutigen Konditionen ist geplante Vermögensvernichtung.

Ich würde mich freuen, wenn die Bundesregierung das Aktiensparen fördern würde. So sind regelmäßige monatliche Aktiensparpläne längerfristig – auch unter Ausnutzung der Kursschwankungen – ein ideales und einfaches Instrument, einen guten Lebensabend genießen zu können. Altersvorsorge ist Zukunftsvorsorge. Denn nicht jeder ist Politiker und kann sich über eine üppige Pension freuen.

Das Interview lesen Sie auch in AssCompact 08/2020 auf Seite 58f und in unserem ePaper.

 
Ein Artikel von
Robert Halver