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„Eine erfolgreiche Fondsauswahl hat nichts mit Glück zu tun“

Eine Fondspolice ist immer nur so gut wie die Auswahl der Fonds. Doch wie wählen Vermittler und Kunde die richtigen Fonds aus? Und welche Fehler sollten dabei dringend vermieden werden? Nachgefragt bei Matthias Buße und Thorsten Dorn, geschäftsführende Gesellschafter der Beratungsboutique Smart Asset Management Service (sam).

Herr Dorn, sam ist auf die Analyse fondsgebundener Versicherungspolicen und Investmentdepots spezialisiert. Welche Fehler stellen Sie dabei besonders oft fest?

Thorsten Dorn: Viele Berater haben für sich individuelle Wege festgelegt, um eine erfolgreiche Fondsauswahl zu treffen. Wir können beobachten, dass dabei oft Entscheidungen getroffen wurden, die auf Trends oder Produkt-Stories basieren, aber langfristig nicht tragfähig sind. Häufig spielt auch die reine Vergangenheitsbetrachtung eine zu große Rolle, denn Fonds, die in der Vergangenheit gut gelaufen sind sind kein Garantie für die Zukunft. Die Wertentwicklung wird ohnehin zu stark isoliert betrachtet.

Wichtig ist das Zusammenspiel zwischen Rendite und Risiko und dabei spielt die Mischung – der sogenannte Korrelationsmix – eine ganz entscheidende Rolle. Wir haben festgestellt, dass mehr als 90% der bei uns analysierten Verträge nennenswert verbessert werden konnten. Häufig spielt dabei eine Rolle, dass die Fonds im Laufe der Jahre nicht an die persönlichen Bedürfnisse der Kunden angepasst wurden.

Außerdem hat sich über eine gewisse Zeit hinweg in aller Regel ein deutliches Volumen als Vertragswert angesammelt. Das muss auch bei regelmäßig besparten Verträgen behandelt werden wie ein Einmalbeitrag. Denn Schwankungen sind gut für ratierliches Sparen, aber zugleich Gift für das bereits Ersparte. Sparbeiträge und Vertragskapital müssen ab einem bestimmten Punkt getrennt voneinander betrachtet werden. Das macht für den Kunden am Ende der Laufzeit einen Unterschied von vielen 1000 Euro. Wir sehen oft zuviel unnötiges Risiko innerhalb der Fondsauswahl.

Welche Faktoren bestimmen eine erfolgreiche Fondsauswahl?

TD: Eine erfolgreiche Fondsauswahl hat zunächst einmal nichts mit Glück zu tun. Denn: Am Anfang steht immer die Frage, welche Zielrendite hat der Kunde und welches Risiko er bereit einzugehen ist. Nur durch dieses individuelle Rendite-Risiko Profil kann der Startschuss für eine erfolgreiche Auswahl gegeben werden. Dazu gehört neben einem Versicherer mit einem guten Zielfondsuniversum, die Fonds richtig zu kombinieren. Wichtig ist die Korrelation, also das Verhalten einzelner Fonds zueinander – egal ob es sich um ETFs oder aktiv gemanagte Fonds handelt. Wenn diese Faktoren berücksichtigt werden, steht einer erfolgreichen Fondsauswahl und damit einem erfolgreichen Vertragsverlauf nichts mehr im Weg.

Anbieter bewerben oft eine große Fondsauswahl. Wählen Kunden am Ende aber nicht fast immer die üblichen Flaggschifffonds?

Matthias Buße: Das ist in der Tat relativ häufig zu beobachten. Gute Performance in der Vergangenheit gepaart mit einer guten Vertriebsstory machen es den Beratern und auch den Kunden vermeintlich einfacher, das passende Produkt zu identifizieren. Kurzfristig betrachtet kann das sogar funktionieren, sollte jedoch kein Gewähr dafür sein, dass dies auch über längere Laufzeiten – und darüber reden wir bei Fondspolicen meistens – immer die beste Wahl ist.

Wie häufig werden Fonds nach der Erstzusammenstellung in der Realität geändert?

TD: Das hängt natürlich stark von den einzelnen Beratern ab. Aber die Tatsache, dass über 90 Prozent der bei uns eingelieferten Verträge deutlich verbessert werden konnten lässt nur einen Schluss zu: die Zusammenstellung der Fonds wird über die Laufzeit viel zu selten geändert. Und bei Fondspolicen sprechen wir da über Jahre und Jahrzehnte. Manchmal werden Erstzusammensetzungen gar nicht mehr geändert. Langfristig mag der Kunde bestenfalls dann zwar immer noch eine positive Wertentwicklung haben, aber gerade durch die Schwankungen bei stetig steigenden Vertragswerten kostet das Buy and Hold-Prinzip den Kunden am Ende viel Geld, das ihm bei der Ablaufleistung natürlich fehlt.

Wie können Vermittler die Fondsauswahl in den Fondspolicen verbessern?

MB: Am Anfang steht immer die Ermittlung des Rendite-Risiko-Profils. Das ist die Grundlage für eine gute Fondsauswahl. Dazu steht den Beratern eine Vielzahl von technischen Lösungen zur Verfügung, mit denen er Fonds vergleichen, analysieren und auswerten kann. Kein System und keine Gesellschaft sagt den Beratern jedoch, welche Fonds konkret er welchem Kunden in welcher Kundensituation anbieten soll.

Wir bei sam haben einen Service entwickelt, die Verträge der Kunden individuell unter Berücksichtigung der Renditeerwartung und der Risikoneigung des Kunden zu analysieren und entsprechend zu optimieren. Dieser ermittelt auf einer technischen Basis eine optimierte Allokation für den jeweiligen Vertrag, um die Kundenbedürfnisse bestmöglich mit den Möglichkeiten des Fondsuniversums des jeweiligen Versicherers zu erfüllen. Die Kundendaten sind jederzeit geschützt, persönliche Kundendaten über das Rendite-Risiko-Profil hinaus müssen nicht angegeben werden.

Berater müssten für jeden Kunden ausgehend vom jeweiligen Rendite-Risikoprofil eine individuelle Allokation aufbauen. Ist das überhaupt noch möglich?

MB: Diese Aufgabe ist für die meisten Berater in der Tat eine große Herausforderung. Viele Versicherungsmakler sind keine Investment-Experten und mit der großen Auswahl der Fonds schlichtweg überfordert. Gleichwohl sind die Berater durch die IDD verpflichtet, regelmäßig zu überprüfen, ob die ursprüngliche ermittelten Parameter wie Zielrendite und Risikobereitschaft noch zu ihren Kunden passen.

Theoretisch müssen sie für jeden Kunden ausgehend vom jeweiligen Rendite-Risikoprofil eine individuelle Allokation aufbauen – und idealerweise kontinuierlich nachhalten da sich die persönliche Anlagesituation und die der Märkte innerhalb der Anlagezeit ändern können, was eine andere Fondsauswahl erforderlich macht. Das ist jedoch nicht für jeden Kunden umzusetzen, sodass immer mehr Berater lieber auf gemangte Portfolios zurückgreifen, die jedoch nie maßgeschneidert sind, sondern immer auf vordefinierte Kundengruppen und Risikoklassen abzielen. Dass diese dann dauerhaft das bestmögliche Ergebnis erzielen, ist aus unserer Sicht de facto ausgeschlossen. Wer aber für seine Kunden und damit auch für sein Unternehmen das beste Ergebnis erzielen will, der muss den Weg der individuellen Allokation gehen. Hier setzen wir neue Maßstäbe mit dem onlinebasierten Service samperform. (mh)

Über Smart Asset Management

Smart Asset Management Service (www.smart-am.de) hat sich darauf spezialisiert, für Finanzdienstleister individuell Fondspolicen zu analysieren und zu optimieren. Im Herbst 2019 hat die Hamburger Beratungsboutique ihr onlinebasiertes Serviceportal für Berater zur Analyse und Verbesserung der Fondsauswahl in Fondspolicen gestartet.


 

Janus Henderson befürchtet globalen Einbruch der Dividenden

Janus Henderson Investors gibt seit 2014 vierteljährlich die Dividendenstudie „Janus Henderson Global Dividend Index“ heraus. Zuletzt dominierte darin kontinuierliches Wachstum der weltweiten Dividendenzahlungen. Die aktuelle Ausgabe prognostiziert dagegen ein deutliches Minus.

Die Corona-Krise erreicht auch die Aktionäre. Neben den Kursverlusten im März droht nun auch der Ausfall von Dividenden. Das zeigt der aktuelle Janus Henderson Global Dividend Index. Im ersten Quartal markierte der Dividendenindex zwar einen neuen Höchststand. So blieben die Dividenden im ersten Quartal von der Corona-Krise fast unberührt und kletterten um 3,6% auf 275,4 Mrd. Dollar (~254,5 Mrd. Euro). Noch nie zuvor fiel der Wert in einem ersten Quartal höher aus.

Minus von bis zu 35%

Im Vordergrund der aktuellen Ausgabe des Janus Henderson Global Dividend Index stehen aber die erwarteten Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die Dividendenentwicklung im weiteren Jahresverlauf. Und diese sehen deutlich düsterer aus. Für das weitere Jahr erwartet Janus Henderson selbst im besten Fall einen Rückgang der weltweiten Ausschüttungen um 15%. Im schlechtesten Fall droht sogar ein Einbruch um 35% auf nur noch 933 Mrd. Dollar.

Europa am stärksten betroffen

Europa wird dabei nach Ansicht der Experten aller Voraussicht nach am stärksten betroffen sein, vor allem beim Hauptdividendenzahler Frankreich dürfte deutliche Kürzungen anstehen. Der Dividendenrückgang in Deutschland sollte laut Janus Henderson weniger stark ausfallen. Eine klare Dividendenprognose ist den Experten zufolge aber angesichts der großen Unsicherheit kaum sinnvoll. Daher nimmt Janus Henderson seine Schätzung für das Jahr 2020 zurück, und nutzt statt einer konkreten neuen Prognose die Spannweite eines Rückgangs zwischen 15 und 35%. (mh)

© daboost – stock.adobe.com
 

Aberdeen Standard Investments legt neue Aktienfonds auf

Aberdeen Standard Investments (ASI) hat eine neue Reihe an Aktienfonds aufgelegt. Das Angebot umfasst stark konzentrierte Portfolios, die Anlegern Zugang zu den besten Ideen der Research-Teams von ASI rund um den Globus bieten sollen.

Das britische Investmenthaus ASI hat einen neue Fondsfamilie vorgestellt. Die Focused-Palette umfasst globale EM-, nordamerikanische und globale Aktienfonds im SICAV-Segment und einen globalen Fonds im OEIC-Segment. Darüber hinaus hat die Gesellschaft verkündet, dass die Auflage europäischer und asiatischer Fonds geplant sei.

20 bis 35 Aktien

Die Portfolios der neuen Fonds setzen sich aus 20 bis 35 Titeln zusammen und gründen sich auf tiefgreifendes fundamentales Research in Kombination mit einer vollständig integrierten Analyse ökologischer, sozialer und Governance-Belange (ESG-Belange). Der Ansatz nutzt die teambasierte Vorgehensweise von ASI bei aktiven Aktienstrategien, wobei die Titel durch Zusammenarbeit und Teamdebatten ausgewählt werden, um die aus Risiko-Ertrags-Sicht besten Gelegenheiten für die Portfolios auszumachen.

Vier Fonds zum Start

Die von hoher Überzeugung geprägten Portfolios werden von einem „Focused POD“ verwaltet – eine Gruppe erfahrener fundamentaler Portfoliomanager, die von den Spezialistenteams für Quant-, Risiko- und ESG-Anlagen unterstützt werden. Die Teams verwenden Risikomanagement-Tools, um ein überdurchschnittliches Risiko-Ertrags-Ergebnis für unsere Kunden zu erzielen. Die Focus-Fonds umfassen insgesamt drei in Luxemburg domizilierte Fonds: Emerging Markets Focused Equity Fund, Aberdeen Standard SICAV I – American Focused Equity Fund und Global Focused Equity Fund. Hinzu kommt mit dem ASI Global Focused Equity Fund ein in Großbritannien domizilierter Fonds. (mh)

Bild: © Olivier Le Moal – stock.adobe.com

 

Deutsche sind Spitzenreiter bei Fondsanlage über Robo-Berater

Der Anteil ist noch relativ klein: Rund 1% der deutschen Privatanleger legen ihr Fondsvermögen automatisiert an. Ein bisschen erstaunt darf man darüber sein, dass die in Geldfragen doch eher konservativen Deutschen hier ihren europäischen Nachbarn voraus sind.

In Deutschland verwalteten Robo-Berater Ende 2019 ein Fondsvermögen von 7,5 Mrd. Euro. Das entspricht knapp 60% der von ihnen in der EU betreuten Gelder. Darauf weist der Bundesverband der Investment und Asset Management (BVI) hin. Deutsche Privatanleger haben somit gut 1% ihres Fondsvermögens automatisiert angelegt. In anderen EU-Ländern, in denen Sparer ebenfalls viel Geld in Fonds angelegt haben, wie Italien, Spanien und Frankreich liegt der Anteil jeweils nur bei 0,1%.

Über 300.000 Robo-Kunden in Deutschland

Auch bei der Verbreitung liegt Deutschland mit 3.800 Robo-Kunden je eine Million Einwohner, im EU-Vergleich in der Spitzengruppe. Dies sei beachtlich, so der BVI, weil einige Nachbarländer, wie etwa England und die Niederlande, die Verbreitung der automatisierten Beratung durch ein Provisionsverbot in der Anlageberatung unterstützen würden. Dennoch werden Robo-Berater dort nicht zwangsläufig stärker genutzt. Zwar ist in England die Verbreitung mit 8.600 Nutzern je eine Million Einwohner größer als in Deutschland, in den Niederlanden hingegen setzen Anleger deutlich weniger auf die automatisierte Beratung (1.800 Kunden je eine Million Einwohner).

Mit Blick auf die USA erklärt der BVI, dass sich Robo-Berater auch im freien Wettbewerb der Vertriebsmodelle stärker verbreiten können. Dort lassen 25.200 Anleger pro eine Million Einwohner ihre Fonds – ohne Provisionsverbot – durch Robo-Berater verwalten. (bh)

Bild: © phonlamaiphoto – stock.adobe.com

 

Morningstar: Das ist die mit Abstand beste große Fondsgesellschaft

Morningstar wertet seit vielen Jahr die Fonds großer wie kleiner Fondsgesellschaften aus – und veröffentlicht regelmäßig Listen der besten Fondsgesellschaften. Eine deutsche Gesellschaft spielt in der aktuellen Ausgabe erstmals bei den Großen mit – und erobert dabei direkt und mit deutlichem Abstand die Spitzenposition.

Flossbach von Storch hat bei Morningstar den Sprung unter die großen Fondsgesellschaften geschafft. Das Kölner Fondshaus rückt in der Bilanz der besten großen Fondsanbieter in Europa per Ende März 2020 zugleich direkt an die Spitzenposition. Das Durchschnittsrating der Flossbach-Fonds lag bei 4,42 Sternen. Zum Vergleich: Der zweitplatzierte Vanguard kommt nur auf einen Durchschnittswert von 3,68 Sternen.

99% der Mischfonds überdurchschnittlich

Satte 99% der Assets in den bewerteten Fonds von Flossbach von Storch haben laut Morningstar ein Vier- oder Fünf-Sterne Rating. Mischfonds schafften sogar einen gewichteten Durchschnittswert von 4,99 Sternen. Aktienfonds der Kölner fallen zwar deutlich ab, liegen mit einem Schnitt von 3,61 aber immer noch über dem Durchschnitt.

Schwedischer Überflieger

Ein weiterer großer Gewinner des aktuellen Rankings ist Handelsbanken. Die schwedische Gesellschaft kletterte innerhalb eines Quartals von Rang 10 auf 3. Handelsbanken punktete vor allem bei Rentenfonds – einem Bereich, in dem viele Wettbewerber sich zuletzt volatil präsentierten. Allerdings sind die Fonds der Schweden im deutschsprachigen Raum nicht zum Vertrieb zugelassen.

Weitere Gewinner

Ebenfalls zu den Gewinnern unter den großen Fondshäusern zählt JPMorgan Asset Management. Die Gesellschaft stieg im Ranking der großen Fondshäuser von Platz 14 auf Platz 4. Das durchschnittliche Rating verbesserte sich von 3,42 auf 3,53 Sterne. Auch Anbieter aus Deutschland konnten sich verbessern. So stieg Allianz Global Investors von Platz 18 auf 14, Union Investment von Platz 25 auf 21. (mh)

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BCA launcht neuen Investment-Shop

Die BCA hat einen neuen Service gestartet: den Investment-Shop. Er bietet Partnern des Maklerpools eine komplett digitalisierte Abschlussstrecke, die zudem individuell personalisiert werden kann. Das rein onlinebasierte Einkaufserlebnis soll durch intuitives Handling überzeugen und steht allen Partnern kostenfrei zur Verfügung.

Von der Fondsauswahl über eine anschauliche Beratungsstrecke bis hin zur unkomplizierten Depoteröffnung mit Legitimation per Post-Ident- oder Video-Ident-Verfahren: auf Basis seiner komplett digitalisierten Abschlussstrecke offeriert die BCA ihren Maklern mit dem Investment-Shop ab sofort eine exklusive End-to-End Online-Lösung.

Komplett papierlos und rechtssicher

Der Investment-Shop, basiert auf der 2018 etablierten Online-Abschlussstecke im Rahmen von PRIVATE INVESTING. Mit ihm erweitert die Oberurseler Maklerpool-Gruppe ihr entsprechendes Portfoliospektrum um Anlagen mit Fokus auf Vermögenswirksame Leistungen (VL), frei definierbaren Einzelfonds sowie ausgewählten Musterportfolios. Der gesamte Prozessablauf ist komplett papierlos ausgelegt und soll seinen Anwendern zudem vollständige Rechtssicherheit gewährleisten.

Die digitale Art zu investieren

Das rein onlinebasierte Einkaufserlebnis soll durch intuitives Handling nach bewährtem AMAZON-Muster überzeugen und wird als kostenfreier Service für alle angeschlossenen Vertriebspartner angeboten. „Unser Investment-Shop bietet den Endkunden des Maklers nunmehr eine äußerst ansprechende virtuelle Erlebniswelt, die angefangen von Produktauswahl und Vertragsdatenerfassung inklusive Plausibilitätscheck und bis hin zu Kauf und Legitimation nur wenige Minuten in Anspruch nimmt“, kommentiert Dr. Frank Ulbricht, Vorstandsvorsitzender der BfV sowie Mitglied des Vorstands der BCA AG.

Personalisierte Investment-Shops

Maklerpartner können den Investment-Shop auf Wunsch individualisieren – vom eigenen Firmendesign, einer individuellen Auswahl von Fonds, ETFs, Modellportfolios, Vermögensverwaltungsstrategien und Vermögenswirksamen Leistungen (VL) oder mit persönlich präferierten Preismodellen. Die individuelle zugeschnittenen Investment-Shops sind jeweils über die Einstellungen der BCA-Maklersoftware DIVA konfigurierbar. Nach Inbetriebnahme werden die so generierten Kundendepots automatisch und mit allen dazugehörigen Personen- und Depotdaten in die Beratersoftware integriert. (mh)

Weitere Informationen zum Thema BCA Investment-Shop unter: www.bca.de/investment-shop

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Robo Advisor gewinnen stark an Bekanntheit

Etwa jeder dritte Deutsche ist mittlerweile mit dem Begriff Robo Advisor vertraut. Größere Bekanntheit haben die digitalen Vermögensverwaltungen vor allem bei Personen mit höheren Einkommen und höherer Schulbildung. Auch die Bereitschaft zur Anlage in Robo Advisor wächst.

Die Bedeutung des Themas Robo Advice ist in Deutschland in den letzten zwölf Monaten deutlich gestiegen. Der aktuellen Studie „Robo Advice in Deutschland – Status quo und Entwicklungsperspektiven 2020“ zufolge, die das Marktforschungsinstitut Toluna im Auftrag der European Bank for Financial Services (ebase) erstellt hat, sind inzwischen rund 30% der Deutschen mit dem Begriff Robo Advisor vertraut. „Ein schöner Erfolg, wenn man bedenkt, dass dieses Ergebnis einen Zuwachs in der Bekanntheit um 50% in nur einem Jahr bedeutet“, resümiert ebase-Geschäftsführer Kai Friedrich.

Korrelation zu Einkommen und Schulbildung

Für die Prognose der zukünftigen Entwicklung sei hervorzuheben, dass bestimmte Kundengruppen mit Robo-Advisor-Angeboten bereits deutlich vertrauter sind und sich zunehmend vorstellen können, diese auch für ihre eigene Geldanlage zu nutzen. So interessieren sich der Studie zufolge besonders Personen mit höherem Einkommen und/oder Schuldbildung besonders für Robo Advisor. Zudem wissen zwei Drittel der sehr risikobereiten Anleger bereits genau, was ein Robo Advisor ist.

Jeder Fünfte kann sich Nutzung vorstellen

Unter denjenigen, die mit dem Begriff Robo Advisor vertraut sind, können sich immerhin 20% vorstellen, ein entsprechendes Angebot für sich selbst zu nutzen. „Gut vorstellbar, dass digitale Angebote, wie Robo Advisor, durch die Corona-Krise und die damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen, die sich auch in der Beratung bemerkbar machen, einen zusätzlichen Schwung erhalten, der die Etablierung in der Breite beschleunigt“, meint Friedrich.

Mehrheit noch immer nicht erreicht und überzeugt

Doch auch wenn die Bekanntheit deutlich gestiegen ist, können immer noch rund 70% der Bevölkerung mit dem Thema Robo Advisor wenig bis nichts anfangen. Zudem zeigt die Studie, dass sich nach wie vor nur eine vergleichbar kleine Kundengruppe für rein digitale Anlagen interessiert. Das hat etliche Anbieter veranlasst, einen Mix aus Mensch und Maschine anzubieten, bei dem es zu einer Konvergenz von digitalen Robo Advisor-Angeboten mit physischen Elementen wie etwa in der Anlageberatung kommt.

Das erwarten Kunden von Robo Advice

Die aus Kundensicht wichtigsten Anforderungen an ein Robo Advisor-Angebot sind geringe Gebühren und Transparenz. Sie sind je für 70% der Befragten wichtig bis sehr wichtig. Eine nachvollziehbare Anlagestrategie sowie gute Bewertungen durch neutrale Instanzen fordern je etwas zwei Drittel der Befragten. Daneben stehen die Performance (62%) sowie eine mehrjährige Erfahrung des Anbieters am Markt (61%) im Fokus. Auch Angebote für geringe Mindestanlagebeträge werden von vielen Befragten als wichtig bis sehr wichtig eingeschätzt (62%). (mh)

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„Schon im Herbst wird der zweite Teil des EU-Aktionsplans kommen“

Die EU will nachhaltige Kapitalanlagen fördern und hat dafür einen Aktionsplan beschlossen. Doch die Maßnahmen sind erst der Anfang. Europa soll Vorreiter und Maßstab nachhaltiger Finanzsysteme werden. Beim ersten Aktionsplan wird es daher nicht bleiben, erläutert Sven Giegold, Sprecher der Europagruppe Grüne.

Herr Giegold, die Europäische Union hat sich auf einen Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzsystem verständigt. Warum ist ein solcher notwendig?

Einer der Gründe ist, dass die Finanzwirtschaft Risiken konzentriert, die in der Gesellschaft ohnehin bestehen. Nach wie vor sind milliardenschwere Vermögenswerte in nicht nachhaltigen Bereichen investiert. Die Politik wird früher oder später aber ernst mit der ökologischen Transformation unserer Wirtschaft machen. Dann drohen diese Vermögenswerte dramatisch an Wert zu verlieren. Darauf muss der Sektor vorbereitet sein. Und darauf muss auch jeder Kapitalanleger vorbereitet sein.

Wir realistisch ist so eine Gefahr?

Mit den vier großen deutschen Energieversorgern haben wir genau so einen Fall in den vergangenen Jahren bereits erlebt. Sie haben sich in kurzer Zeit von gefeierten Börsenstars in Wertvernichter verwandelt. Das darf dem Finanzsystem nicht als Ganzes geschehen. Deshalb ist es wichtig, dass wir Maßnahmen ergreifen, um ökologische und soziale Risiken sichtbar zu machen und sie im Finanzsystem systematisch zu vermindern. Das nutzt am Ende Kapitalanlegern und schafft zugleich ein grünes Wachstumssegment.

Also geht es auch um Risikominimierung in den Portfolios der Anleger?

Richtig. Dazu muss der Anleger aber erst einmal wissen, wo die Risiken stecken. Dafür brauchen wir Regeln, die die Offenlegung von ökologischen, sozialen und Governance-bezogenen Risiken verbindlich machen – zumindest bei allen großen Unternehmen.

Was ist konkret geplant, um das zu erreichen?

Einen ersten Aktionsplan „Sustainable Finance“ der EU gibt es ja bereits. Er hat insbesondere dazu geführt, dass wir eine sogenannte Taxonomie entwickelt haben. Das heißt, dass wir Regeln dafür aufgestellt haben, welche Kapitalmarktprodukte sich als nachhaltig bzw. sustainable bezeichnen dürfen. Diese Klassifizierung soll die Basis für die massenhafte Verbreitung einer neuen Generation von Finanzmarktprodukten legen. Wir haben heute schon nachhaltige Finanzprodukte, die aber unterschiedlichen Regeln unterliegen. Diese Regeln werden wir europäisieren und damit Europa zu einem Leitmarkt für nachhaltiges Investieren entwickeln. Das ist bereits am Laufen.

Und war eine große Herausforderung. Insbesondere beim Thema Atomkraft gab es ja zwischen den Ländern sehr unterschiedliche Nachhaltigkeitsauffassungen …

Das ist richtig. Durch die sogenannte Do-no-harm-Regelung ist Atomkraft nun zum Glück ausgeschlossen. Denn Atomenergieinvestitionen in nachhaltigen Finanzprodukten hätten die Glaubwürdigkeit und damit auch den wirtschaftlichen Erfolg der Produkte gefährdet.

Wie sieht der Zeitplan für den ersten Aktionsplan aus?

Der aktuelle Stand ist, dass die Taxonomie 2021 in Kraft treten wird. Zur Fertigstellung müssen jetzt die Detailregeln der Taxonomie erstellt werden. Die zuständige Expertengruppe hat gerade ihren Bericht vorgestellt. Auf dieser Basis wird die EU-Kommission jetzt ihre delegierten Rechtsakte, also untergesetzliche europäische Regeln, verabschieden. Sobald sie da sind, kann der Markt europaweit richtig los­legen. Für den Klimabereich ist das noch für dieses Jahr vorgesehen, für die anderen ökologischen Standards im nächsten Jahr. Und dann gibt es grünes Licht.

Muss es dann auch noch in nationale Gesetze umgesetzt werden?

Nein. Es handelt sich um Verordnungen. Die gelten direkt in der ganzen EU. Sonst hätten wir wieder das ganze Theater unterschiedlicher nationaler Regelungen. Genau deshalb wollen wir in diesem Bereich keine Richtlinie, weil sich die Dinge sonst wieder in jedem Land ein bisschen unterscheiden. Dann hätten wir wieder keinen einheitlichen europäischen Kapitalmarkt. Nur die Einheitlichkeit des Kapitalmarkts gibt uns aber die Größenvorteile, die wir brauchen. Das ist in vielen Bereichen der europäischen Finanzpolitik unser Problem. Wir haben nach wie vor lauter fragmentierte Märkte und schaffen es deshalb nicht, in allen Bereichen die Vorteile der Eurozone zu nutzen. Diesen Fehler sollten wir bei den ökologischen Anlagen nicht wiederholen.

Gibt es neben dem ersten Aktionsplan bereits weitere Planungen?

Ja. Schon im Herbst wird der zweite Teil des Aktionsplans kommen. Dabei geht es darum, dass wir das, was wir bei den großen Banken schon geschafft haben, auch für andere große Finanzmarktakteure wie Kapitallebensversicherungen und Fonds verbindlich vorschreiben: dass sie Klimarisiken verbindlich offenlegen müssen. Als zweiten Punkt erwarten wir, dass es Regeln für Ratingagenturen geben wird. Heute bekommen auch Unternehmen mit sehr hohen Klimarisiken wie etwa die großen Öl- und Gaskonzerne immer noch Best-Ratings. Die Ratingagenturen gehören offensichtlich trotz vieler gegenteiliger Beteuerungen immer noch zu den Klimaskeptikern. Das kann man sich als Gesetzgeber auf Dauer nicht einfach so anschauen. Schließlich spielen diese Ratings eine wichtige Rolle für die gesetzlichen Eigenkapitalanforderungen.

Hinzu kommt die Idee eines Standards für grüne Anleihen. Der sogenannte Green Bond Standard soll dafür sorgen, dass die stark zunehmende Emission von Green Bonds in Europa gemeinsamen Standards unterliegt. Wir wollen zudem zu einer Verbraucherregelung kommen, sodass ähnlich wie beim Blauen Engel oder dem EU-Biosiegel im Supermarkt auch Finanzprodukte als besonders nachhaltig ausgezeichnet werden und damit für den einzelnen Anleger direkt ersichtlich attraktiver werden.

Um auch der Vielzahl an Eigenlabels entgegenzuwirken?

Genau. Ich kritisiere die Anbieter dafür gar nicht, sondern bin froh darüber, dass viele Akteure mittlerweile auf das Thema aufmerksam geworden sind. Aber wenn wir ein Leitmarkt werden wollen, dann brauchen wir einheitliche Vorgaben – ähnlich wie beim Fondsstandard UCITS/OGAW, der zum weltweiten Markenzeichen für regulierte Investmentfonds geworden ist. Einen ähnlichen Standard können wir im Bereich der nachhaltigen Geldanlagen setzen und damit Europas Finanzwirtschaft in diesem Punkt führend zu machen.

Wir sind im Moment schon führend, zum Beispiel bei der Ausgabe von grünen Anleihen. Ein klares und weniger missbrauchsanfälliges Regelwerk kann uns aber dabei helfen, die Nase vorne zu behalten. Davon würde Europa gesamt- und finanzwirtschaftlich profitieren, zumal Europa bei sozialen und ökologischen Standards im internationalen Vergleich hierfür nach wie vor am glaubwürdigsten ist. Würden die USA derzeit in diesem Bereich etwas machen und die Führungsrolle übernehmen wollen, würde das bei vielen Leuten ein Grinsen hervorrufen. Den Vorteil Europas in diesem Bereich sollten wir uns zunutze machen. Die Finanzwirtschaft hätte eine neue Generation von Produkten, die weltweit bisher noch nicht stark verbreitet sind.

Neben der EU hat auch die Bundesregierung das Thema nun erkannt. Ein Nachhaltigkeitsbeirat der Bundesregierung hat Handlungsansätze für eine deutsche Sustainable-Finance-Strategie erarbeitet. Wie sinnvoll ist so eine nationale Strategie?

Dazu kann ich nur sagen: besser spät als nie. Die Bundesregierung wie auch relevante Teile der Finanzwirtschaft in Deutschland haben dem Ganzen lange mit großer Skepsis entgegengesehen. Inzwischen hat die Bundesregierung verstanden, dass das keine boshafte Bedrohung der europäischen Finanzwirtschaft ist, sondern Vorteile auf beiden Seiten zu generieren sind.

Ist ein solcher Plan aber nicht im Grunde überflüssig, wenn ohnehin europaweit gültige Regeln kommen?

Das haben Sie jetzt gesagt. Aber ich kann Ihnen nicht widersprechen. Dass die Bundesregierung mit diesem Beirat nun signalisiert, dass sie das, was wir in Europa längst schon machen, unterstützen will, freut mich. Wenn die Große Koalition etwas schneller wäre, könnten wir aber schon viel weiter sein.

Das Interview lesen Sie auch in AssCompact 04/2020 auf Seite 68f und in unserem ePaper.

Bild: © Dominik Butzmann

 

Nachhaltige Altersvorsorgekonzepte: Sinn oder Unsinn in unserer Zeit?

Auch bei der Altersvorsorge gibt es nachhaltige Konzepte. Kunden und Berater wissen aber nur selten, dass es nachhaltige Rentenversicherungen gibt, geschweige denn, wie eine nachhaltige Anlagepolitik abgebildet wird. Das sollte sich dringend ändern. Ein Kommentar von Gottfried Baer, Geschäftsführer der MehrWert GmbH.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht etwas über den Klimawandel oder sonstige Umweltthemen in den Nachrichten hört. Irgendwie gehören diese Themen mittlerweile zu unserem Alltag und die Penetranz nervt vielleicht auch schon. Die Menschen in Deutschland entwickeln sich schon seit Jahren zu „Umweltschonern“. Sie trennen zuhause allen Müll, kaufen regionaler und nachhaltiger ein, beziehen Ökostrom und fahren vielleicht mehr Fahrrad und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. In den Großstädten sind Carsharing-Modelle oder Elektroroller-Sharing on vogue.

Nachhaltigkeitsbewegung nimmt Fahrt auf

Die Aktion „Rettet die Bienen“ in Bayern zeigte 2019 gravierend, wie viel Zuspruch der Naturschutz aktuell in der Bevölkerung hat, und richtig groß wurde die Nachhaltigkeitsbewegung durch die jungen Menschen, die mit Fridays for Future monatelang bis heute auf die Straße gehen und für eine klimafreundlichere Politik werben.

Politischer Wandel bei Umwelt- und Klimaschutz

Politisch gesehen tut sich seit geraumer Zeit auch einiges in Sachen Umwelt- und Klimaschutz. So bringt das Pariser Klimaabkommen und die daraus beschriebenen Ziele für die politisch Handelnden eindeutige Vorgaben mit sich und der Kohleausstieg in Deutschland ist somit beschlossene Sache geworden. Ebenso müssen beispielsweise die Autohersteller in den kommenden Jahren in ihrer verkauften Flotte immer niedrigere CO²-Ausstöße nachweisen.

In den letzten beiden Jahren entwickelte sich dann auch auf EU-Ebene in Sachen Finanzmarkt und Nachhaltigkeit eine rege Diskussion und schließlich wurde die Taxonomie für die Teilnehmer in diesem Markt beschlossen, welche 2021 in Kraft treten soll. Es müssen damit in Zukunft alle Marktakteure nachweisen, dass bestimmte Nachhaltigkeitskriterien zum Beispiel in ihren Investmentfonds eingehalten werden. Seit dem Bekanntwerden steigt nun die Zahl der nachhaltigen Fonds am Markt massiv und die beauftragten Marketingagenturen haben ein völlig neues, weitreichendes Futter von ihren Auftraggebern erhalten.

Fondsgesellschaften entdecken nachhaltige Fonds

Dadurch und weil die Bundesbürger mehr auf Nachhaltigkeit achten, kommen nun immer mehr Fondsgesellschaften mit neuen nachhaltigen Fonds auf den Markt. Sowohl für den Kunden als auch für den Berater ist es schwierig, den Qualitätsanspruch in Sachen Nachhaltigkeit in diesen Fonds in der Tiefe zu durchdringen. So arbeiten nach wie vor viele dieser neuen Fonds mit Ausschlusskriterien bzw. mit dem Anspruch, dass eine Unterzeichnung der UN PRIS der investierten Unternehmen als Nachhaltigkeitsanspruch ausreicht. Das ist ein guter Anfang, reicht aber bei ehrlicher Betrachtung bei Weitem nicht aus und deshalb darf man viele dieser Fonds als „hellgrün“ einstufen.

Wie sieht die Entwicklung bei den Versicherern aktuell aus?

Erste Häuser haben in den letzten Jahren grüne Sachversicherungen und bzw. oder grüne Rententarife auf den Markt gebracht. Bei Zweiteren muss man aber zwischen den Häusern unterscheiden, die tatsächlich bei ihren klassischen Tarifen garantieren, die Beiträge im Deckungsstock eins zu eins nachhaltig anzulegen, und denen, die mit ihren fondsgebundenen Tarifen ausgewählte nachhaltige Fonds anbieten. Insgesamt ist festzustellen, dass die Anzahl der Versicherer mit guten und überzeugenden nachhaltigen Konzepten am Markt sehr gering vertreten ist. Die Frage, die sich hier stellt, ist, ob es an der Einstellung der Versicherer liegt oder am Nachfrageverhalten der Berater/-innen.

Vermittler verpassen Chancen

Denn die Kunden wissen heute nach wie vor selten, dass es überhaupt nachhaltige Rentenversicherungen gibt, geschweige denn wie die Nachhaltigkeit in der Anlagepolitik abgebildet werden kann. Also liegt es vielleicht an der Nachfrage der Vermittlerschaft, die es nicht vermag, dem Endkunden die Chancen und Möglichkeiten solcher grünen Policen aufzuzeigen, und damit erst gar nicht die Option verschafft, den Kunden eine grüne Alternative mit vorzustellen.

Jetzt könnte man aber auch sagen, dass es den Versicherern mit grünen Tarifen eventuell nicht gelingt, die Vermittler für die grüne Idee so zu begeistern und aufzuklären, dass diese es dann selbstverständlich in der Beratung ein- und umsetzen. Egal wie, Fakt ist, dass die Menschen heute für nachhaltige Finanzprodukte offener denn je sind. Gerade für die jüngere Generation in Deutschland ist es selbstverständlich, auf ökologische, ethische und ökonomische Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen zu achten. Da diese Zielgruppe die spannende Kundengruppe für Berater und Versicherer darstellt, ist der Markt entsprechend sehr groß.

Win-win-win-Situation

Eigentlich gäbe es in diesem Zusammenspiel nur Gewinner: 1. die Versicherer, die mit ihrer nachhaltigen Anlagepolitik viel Geld in menschen-, gesellschafts- und umweltdienlichen Anlagen mit allen positiven Wirkungen anlegen würden (und damit ihr Image deutlich aufbessern könnten), 2. den Berater, der dem Kunden mit grünen Rententarifen einen zusätzlichen Nutzen und Sinn für seine Altersvorsorge mitbringt und sich damit deutlich von seinen Mitwettbewerbern unterscheidet, und 3. den Kunden, der mit dem Abschluss eines grünen Rententarifes das gute Gefühlt hat, dass er neben seiner Vorsorge für das Alter auch noch etwas Gutes für Mensch und Natur tut. Logischerweise und neutral betrachtet liefert diese Win-win-win-Situation deutlich mehr Sinn als Unsinn. Genau genommen wäre der Einsatz in der Beratung eine Selbstverständlichkeit.

Grüne Rententarife aus Überzeugung

Seit knapp zehn Jahren setzt MehrWert in der Beratung aus Überzeugung erfolgreich grüne Rententarife in der Altersvorsorgeberatung ein. Dies gilt sowohl für Privatkunden als auch für Unternehmen bei der bAV. Wir screenen für den Markt regelmäßig und fordern Versicherer ebenso auf, ihr grünes Engagement im Haus bzw. in ihren Tarifen deutlich zu verbessern. Im fondsgebundenen Segment haben wir intern eine eigene MehrWert-Nachhaltigkeitsbewertung von nachhaltigen Fonds in den Fondspolicen entwickelt. Hierbei werden ein bis fünf MehrWert-Sterne für die Qualität der Nachhaltigkeit in den Fonds und ebenso bis zu fünf Sterne für die Rendite­kennzahlen der Fonds vergeben. Das ist in der Kunden­beratung eine hervorragende Grundlage für die Auswahl der besten nachhaltigen Fonds in ökonomisch guten Fondspolicen und ermöglicht es, in Sachen Nachhaltigkeit besonders sprachfähig zu sein.

Nachhaltige Vermögensverwaltung auf Fondsbasis

Die Expertise setzt MehrWert auch in Form der nachhaltigen Vermögensverwaltung auf Fondsbasis um, indem diese in einem sehr günstigen deutschen Versicherungsmantel als Rentenversicherung eingebunden ist. Damit gibt es drei entscheidende Vorteile: 1. ausgewählte, mit einem Nachhaltigkeits- und Renditerating versehene Fonds. 2. Im Rahmen der Vermögensverwaltung wird im Hintergrund die Fondszusammensetzung der Marktentwicklung automatisch angepasst. 3. Die Kosten sind aufgrund eines Honorartarifes im Ver­sicherungsmantel für den Kunden sehr niedrig.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Der Einsatz von grünen Rententarifen bringt einen deutlichen Mehrwert mit sich: für den Kunden, für den Berater, für den Versicherer und nicht zuletzt genauso für die Gesellschaft und für die Umwelt. Also absoluter Sinn. Es stellt sich die Frage zum Schluss: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Den Kommentar lesen Sie auch in AssCompact 04/2020 auf Seite 72f und in unserem ePaper.

Bild: © Khongtham – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Gottfried Baer

„Nachhaltiges Investieren ist eine logische Konsequenz“

Nachhaltige Kapitalanlage fordert nicht nur Berater, sondern auch Fondsmanager heraus. Schließlich müssen sie bei der Erstellung ihrer Portfolios nicht nur wirtschaftliche Faktoren berücksichtigen. Alexander Mozer, Leiter des Portfoliomanagements von ÖKOWORLD, sieht in dieser Herausforderung zugleich eine Chance.

Herr Mozer, nachhaltiges Investieren bedeutet auch eine Einschränkung. Wie schwer fällt es Ihnen als Fondsmanager, nicht in alle Unternehmen investieren zu können?

Ja, als Vollblutbörsianer hat man gerne immer alle Inves­titionsmöglichkeiten offen. Aber als zukunftsorientierter Mensch kann ich mit den von uns selbst gewählten „Einschränkungen“ sehr gut leben. Wir sehen unsere Aufgabe entsprechend als Herausforderung und Chance an. Zudem ist es doch etwas Besonderes mit unserem kleineren Anlage­universum zu zeigen, dass man mit diesem Kanon an streng geprüften Unternehmen sehr gute Ergebnisse erzielen kann. ÖKOWORLD konzentriert sich seit jeher auf ethisch-ökologisch-soziales Investieren – das macht es auch so besonders. Nachhaltiges Investieren ist aus unserer Sicht daher keine Einschränkung, sondern eine logische Konsequenz.

Wie schwierig ist es dennoch?

Es ist nicht schwierig. Es ist nur mit mehr Aufwand verbunden, denn Berater wie Anleger müssen sich intensiver mit ihrer Anlage beschäftigen. Das kostet Zeit und man muss wissen, was kritisch zu hinterfragen ist. Das wiederum benötigt Aufklärung und Schulung, egal ob beim Endkunden, Banker, Vermögensverwalter oder Finanzberater. Die Welt kann auch in Zukunft als überlebensfähiger Planet existieren, wenn wir als Menschen richtig handeln – uns sozial, ökologisch und ethisch in unserer Um- und Mitwelt verhalten. Nachhaltigkeit bedeutet, etwas Konkretes zu tun für den Einklang von Ökonomie und Ökologie. Für das ökologische Gleichgewicht, die ökonomische Sicherheit und die soziale Gerechtigkeit. Das verstehen wir unter „Ökologisierung der Wirtschaft“.

Inwieweit verändert nachhaltiges Fondsmanagement auch die eigene Lebens- und Sichtweise?

Meine Lebens- und Sichtweise war schon immer von Naturverbundenheit, Fairness und ökonomischem Bewusstsein geprägt. Seitdem ich Vater bin, hat sich dies noch einmal verstärkt, da das Verantwortungsbewusstsein für Kinder mit sich bringt, seinen Lebensstil zu überdenken und Nachhaltigkeit stärker zu berücksichtigen. Meine Jahre bei ÖKOWORLD haben dazu natürlich auch Spuren im positiven Sinne hinterlassen, da ich durch unsere Arbeit sehr stark mit Chancen und Lösungen für eine bessere Zukunft konfrontiert werde. Das schärft die Sinne.

Hat die Klimadiskussion rund um Fridays for Future den nachhaltigen Anlagen geholfen?

Der Impuls von Greta und die Bewegung Fridays for Future sind wichtig und richtig. Nur werden diese Impulse von den Medien zu stark verheizt. Und auch Greta selber spaltet. Es geht nicht um dogmatischen Verzicht und die komplette Verdammung unserer Konsumgesellschaft, sondern um die richtige Richtung und das globale Bewusstsein, einen wichtigen Prozess, der an das individuelle Bewusstsein appelliert. Greta Thunberg, die schwedische Umweltaktivistin, hat seit Oktober 2018 viel erlebt. Wir alle, die ganze Welt, haben seitdem viel mit und rund um Greta erlebt und manchmal hat man das Gefühl, dass es einen „medialen Overkill“ gibt, der bei vielen Menschen ein skeptisches Gefühl auslöst.

Viele Otto Normalverbraucher fühlen sich mehr und mehr auf den Schlips getreten. Fühlen sich von der jungen Generation Fridays for Future genervt und bevormundet, obwohl sie doch eigentlich den ursprünglichen Impuls von Greta und ihren jungen Followern und die daraus resultierenden Freitagsdemonstrationen gut fanden und die Ernsthaftigkeit des Klimawandels erkannt hatten. Ich denke, hier muss einfach und sprichwörtlich die Kirche im Dorf gelassen werden. Denn eigentlich sollten wir nicht Tauziehen, sondern gemeinsam an einem Strang ziehen. Miteinander – nicht gegeneinander.

Die kollektive Forderung von Greta und den jungen Umweltaktivisten ist sicher nicht, dass Lieschen Müller nicht mehr mit ihrem Mann und den drei Kindern einmal im Jahr nach Spanien oder Griechenland für zwei Wochen in Urlaub fliegen darf oder diese Familie nicht auch ein großes Auto fahren darf, da eben fünf Personen – plus Hund und Gepäck – ein großes Auto rechtfertigen. Und ja, auch eine Bratwurst, ein Salamibrot oder ein Grillsteak sind kein Verbrechen – nicht alle werden ab sofort vegan oder vegetarisch essen. An dieser Stelle ist die öffentliche Diskussion ganz klar völlig aus den Angeln geraten. Aber sicher hat diese Klimadebatte geholfen, mehr Bewusstsein und Interesse für nachhaltige Anlagen zu schaffen.

In den Portfolios finden sich viele weniger bekannte Unternehmen. Ist das ein Zufall oder bewusst gewählt?

Das freut mich, dass Sie diese Beobachtung gemacht haben. Wer heute mit dem Mainstream geht, hat auch im aktiven Portfoliomanagement nichts zu suchen. Wir bei ÖKOWORLD sind im Portfoliomanagement alle aktienverrückt. Wir lieben den Gedanken, uns an Unternehmen und deren Entwicklung zu beteiligen. Ganz besonders spannend finden wir es, Unternehmen ausfindig zu machen, die vom breiten Markt noch nicht entdeckt sind. Insofern ist die Auswahl natürlich kein Zufall.

Wie findet man immer wieder Hidden Champions?

Wichtig ist die Grundeigenschaft unseres Teams, jeden Tag Lust darauf zu haben, sich auf die Suche nach neuen Unternehmen zu begeben. Wir haben hierzu standardisierte Screenings der Aktienmärkte etabliert, die uns im Rahmen quantitativer Verfahren immer wieder neue Unternehmen generieren. Zudem sind natürlich auch die vielfältigen Kontakte, die unser Nachhaltigkeits­research und der für unseren globalen Flaggschifffonds ÖKOVISION CLASSIC tätige Anlageausschuss pflegen, sehr hilfreich. Für das Fondsmanagement bedeutet dann jedes Unternehmen sehr viel Arbeit, da wir die Geschäftsmodelle ökonomisch und ökologisch durchdringen möchten, bevor wir investieren.

Sie sind bekannt dafür, dass Sie ungerne einen unverbindlichen Blick in die trübe Glaskugel wagen. Trotzdem ein paar Worte zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Märkte?

Der als Coronavirus bekannte Krankheitserreger Sars-CoV-2 hat die Nachrichten im Februar nahezu vollumfänglich beherrscht und die Verunsicherungen halten an. Auch an den Aktienmärkten hat die Angst vor dem Virus ihre Spuren hinterlassen. Dadurch rückten auch die in dem Zeitraum veröffentlichten und häufig positiven Unter­nehmensergebnisse in den Hintergrund. Rund um den Globus kam es zu Mittelabflüssen und den entsprechenden Abver­käufen in Gesamthöhe von etwa 3,6 Bio. US-Dollar.

Wir sind überzeugt davon, dass sich die Lage wie bei so vielen „Krisen“ in den letzten Jahren wieder beruhigen wird. Betrachtet man alleine die letzten drei Jahre, so gab es im ersten Quartal 2016 und im vierten Quartal 2018 einen ähnlichen „Abverkauf“ an den weltweiten Börsen. Im Vorfeld der jüngsten panikartigen Abwärtsbewegung an den internationalen Aktienmärkten haben wir uns nach eingehender Analyse von verschiedenen Investments getrennt, sodass sich unsere Kassenposition zunächst auf 15% und Ende des Monats auf 30% erhöhte.

Welche Titel haben Sie verkauft?

Wir veräußerten Unternehmen, bei denen davon auszugehen ist, dass deren Umsatz- und Ergebniswachstum negativ durch das Coronavirus beeinträchtigt sein wird. Investments aus den Sektoren Konsum bzw. Technologie sind dabei vorrangig zu nennen. Der deutsche Leitindex Dax hat zum Zeitpunkt dieses Interviews 8,4% verloren, während der Euro Stoxx 50 im Februar 8,6% abgab. In den USA sank der Kurs des S&P 500 Index um 8,4% im Vergleich zum Vormonat. In Japan verlor der Nikkei 8,9%. Der global aufgestellte MSCI World Index ist im Februar um 8,6% gefallen. Jede Krise ist eine Herausforderung und bietet zugleich vielfältige Chancen.

Ändert das Virus etwas an der grundsätzlichen Ausrichtung?

Es ist wichtig, in solchen Zeiten einen kühlen Kopf zu bewahren und die Emotionen auszublenden. Wir sind davon überzeugt, dass Unternehmen mit einem positiv zugrunde liegenden Wachstumstrend unabhängig von den aktuellen Volatilitäten eine gute Rendite generieren können. Investments in die richtigen Aktien zum richtigen Zeitpunkt bleiben daher Trumpf. Unsere übergeordneten Investitionstreiber sind Garanten für eine positive Zukunft, und das unabhängig von kurzfristigen Schwankungen an den Kapitalmärkten.

Das Interview lesen Sie auch in AssCompact 04/2020 auf Seite 70f und in unserem ePaper.

Bild: © Surasak – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Alexander Mozer