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„Schon im Herbst wird der zweite Teil des EU-Aktionsplans kommen“

Die EU will nachhaltige Kapitalanlagen fördern und hat dafür einen Aktionsplan beschlossen. Doch die Maßnahmen sind erst der Anfang. Europa soll Vorreiter und Maßstab nachhaltiger Finanzsysteme werden. Beim ersten Aktionsplan wird es daher nicht bleiben, erläutert Sven Giegold, Sprecher der Europagruppe Grüne.

Herr Giegold, die Europäische Union hat sich auf einen Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzsystem verständigt. Warum ist ein solcher notwendig?

Einer der Gründe ist, dass die Finanzwirtschaft Risiken konzentriert, die in der Gesellschaft ohnehin bestehen. Nach wie vor sind milliardenschwere Vermögenswerte in nicht nachhaltigen Bereichen investiert. Die Politik wird früher oder später aber ernst mit der ökologischen Transformation unserer Wirtschaft machen. Dann drohen diese Vermögenswerte dramatisch an Wert zu verlieren. Darauf muss der Sektor vorbereitet sein. Und darauf muss auch jeder Kapitalanleger vorbereitet sein.

Wir realistisch ist so eine Gefahr?

Mit den vier großen deutschen Energieversorgern haben wir genau so einen Fall in den vergangenen Jahren bereits erlebt. Sie haben sich in kurzer Zeit von gefeierten Börsenstars in Wertvernichter verwandelt. Das darf dem Finanzsystem nicht als Ganzes geschehen. Deshalb ist es wichtig, dass wir Maßnahmen ergreifen, um ökologische und soziale Risiken sichtbar zu machen und sie im Finanzsystem systematisch zu vermindern. Das nutzt am Ende Kapitalanlegern und schafft zugleich ein grünes Wachstumssegment.

Also geht es auch um Risikominimierung in den Portfolios der Anleger?

Richtig. Dazu muss der Anleger aber erst einmal wissen, wo die Risiken stecken. Dafür brauchen wir Regeln, die die Offenlegung von ökologischen, sozialen und Governance-bezogenen Risiken verbindlich machen – zumindest bei allen großen Unternehmen.

Was ist konkret geplant, um das zu erreichen?

Einen ersten Aktionsplan „Sustainable Finance“ der EU gibt es ja bereits. Er hat insbesondere dazu geführt, dass wir eine sogenannte Taxonomie entwickelt haben. Das heißt, dass wir Regeln dafür aufgestellt haben, welche Kapitalmarktprodukte sich als nachhaltig bzw. sustainable bezeichnen dürfen. Diese Klassifizierung soll die Basis für die massenhafte Verbreitung einer neuen Generation von Finanzmarktprodukten legen. Wir haben heute schon nachhaltige Finanzprodukte, die aber unterschiedlichen Regeln unterliegen. Diese Regeln werden wir europäisieren und damit Europa zu einem Leitmarkt für nachhaltiges Investieren entwickeln. Das ist bereits am Laufen.

Und war eine große Herausforderung. Insbesondere beim Thema Atomkraft gab es ja zwischen den Ländern sehr unterschiedliche Nachhaltigkeitsauffassungen …

Das ist richtig. Durch die sogenannte Do-no-harm-Regelung ist Atomkraft nun zum Glück ausgeschlossen. Denn Atomenergieinvestitionen in nachhaltigen Finanzprodukten hätten die Glaubwürdigkeit und damit auch den wirtschaftlichen Erfolg der Produkte gefährdet.

Wie sieht der Zeitplan für den ersten Aktionsplan aus?

Der aktuelle Stand ist, dass die Taxonomie 2021 in Kraft treten wird. Zur Fertigstellung müssen jetzt die Detailregeln der Taxonomie erstellt werden. Die zuständige Expertengruppe hat gerade ihren Bericht vorgestellt. Auf dieser Basis wird die EU-Kommission jetzt ihre delegierten Rechtsakte, also untergesetzliche europäische Regeln, verabschieden. Sobald sie da sind, kann der Markt europaweit richtig los­legen. Für den Klimabereich ist das noch für dieses Jahr vorgesehen, für die anderen ökologischen Standards im nächsten Jahr. Und dann gibt es grünes Licht.

Muss es dann auch noch in nationale Gesetze umgesetzt werden?

Nein. Es handelt sich um Verordnungen. Die gelten direkt in der ganzen EU. Sonst hätten wir wieder das ganze Theater unterschiedlicher nationaler Regelungen. Genau deshalb wollen wir in diesem Bereich keine Richtlinie, weil sich die Dinge sonst wieder in jedem Land ein bisschen unterscheiden. Dann hätten wir wieder keinen einheitlichen europäischen Kapitalmarkt. Nur die Einheitlichkeit des Kapitalmarkts gibt uns aber die Größenvorteile, die wir brauchen. Das ist in vielen Bereichen der europäischen Finanzpolitik unser Problem. Wir haben nach wie vor lauter fragmentierte Märkte und schaffen es deshalb nicht, in allen Bereichen die Vorteile der Eurozone zu nutzen. Diesen Fehler sollten wir bei den ökologischen Anlagen nicht wiederholen.

Gibt es neben dem ersten Aktionsplan bereits weitere Planungen?

Ja. Schon im Herbst wird der zweite Teil des Aktionsplans kommen. Dabei geht es darum, dass wir das, was wir bei den großen Banken schon geschafft haben, auch für andere große Finanzmarktakteure wie Kapitallebensversicherungen und Fonds verbindlich vorschreiben: dass sie Klimarisiken verbindlich offenlegen müssen. Als zweiten Punkt erwarten wir, dass es Regeln für Ratingagenturen geben wird. Heute bekommen auch Unternehmen mit sehr hohen Klimarisiken wie etwa die großen Öl- und Gaskonzerne immer noch Best-Ratings. Die Ratingagenturen gehören offensichtlich trotz vieler gegenteiliger Beteuerungen immer noch zu den Klimaskeptikern. Das kann man sich als Gesetzgeber auf Dauer nicht einfach so anschauen. Schließlich spielen diese Ratings eine wichtige Rolle für die gesetzlichen Eigenkapitalanforderungen.

Hinzu kommt die Idee eines Standards für grüne Anleihen. Der sogenannte Green Bond Standard soll dafür sorgen, dass die stark zunehmende Emission von Green Bonds in Europa gemeinsamen Standards unterliegt. Wir wollen zudem zu einer Verbraucherregelung kommen, sodass ähnlich wie beim Blauen Engel oder dem EU-Biosiegel im Supermarkt auch Finanzprodukte als besonders nachhaltig ausgezeichnet werden und damit für den einzelnen Anleger direkt ersichtlich attraktiver werden.

Um auch der Vielzahl an Eigenlabels entgegenzuwirken?

Genau. Ich kritisiere die Anbieter dafür gar nicht, sondern bin froh darüber, dass viele Akteure mittlerweile auf das Thema aufmerksam geworden sind. Aber wenn wir ein Leitmarkt werden wollen, dann brauchen wir einheitliche Vorgaben – ähnlich wie beim Fondsstandard UCITS/OGAW, der zum weltweiten Markenzeichen für regulierte Investmentfonds geworden ist. Einen ähnlichen Standard können wir im Bereich der nachhaltigen Geldanlagen setzen und damit Europas Finanzwirtschaft in diesem Punkt führend zu machen.

Wir sind im Moment schon führend, zum Beispiel bei der Ausgabe von grünen Anleihen. Ein klares und weniger missbrauchsanfälliges Regelwerk kann uns aber dabei helfen, die Nase vorne zu behalten. Davon würde Europa gesamt- und finanzwirtschaftlich profitieren, zumal Europa bei sozialen und ökologischen Standards im internationalen Vergleich hierfür nach wie vor am glaubwürdigsten ist. Würden die USA derzeit in diesem Bereich etwas machen und die Führungsrolle übernehmen wollen, würde das bei vielen Leuten ein Grinsen hervorrufen. Den Vorteil Europas in diesem Bereich sollten wir uns zunutze machen. Die Finanzwirtschaft hätte eine neue Generation von Produkten, die weltweit bisher noch nicht stark verbreitet sind.

Neben der EU hat auch die Bundesregierung das Thema nun erkannt. Ein Nachhaltigkeitsbeirat der Bundesregierung hat Handlungsansätze für eine deutsche Sustainable-Finance-Strategie erarbeitet. Wie sinnvoll ist so eine nationale Strategie?

Dazu kann ich nur sagen: besser spät als nie. Die Bundesregierung wie auch relevante Teile der Finanzwirtschaft in Deutschland haben dem Ganzen lange mit großer Skepsis entgegengesehen. Inzwischen hat die Bundesregierung verstanden, dass das keine boshafte Bedrohung der europäischen Finanzwirtschaft ist, sondern Vorteile auf beiden Seiten zu generieren sind.

Ist ein solcher Plan aber nicht im Grunde überflüssig, wenn ohnehin europaweit gültige Regeln kommen?

Das haben Sie jetzt gesagt. Aber ich kann Ihnen nicht widersprechen. Dass die Bundesregierung mit diesem Beirat nun signalisiert, dass sie das, was wir in Europa längst schon machen, unterstützen will, freut mich. Wenn die Große Koalition etwas schneller wäre, könnten wir aber schon viel weiter sein.

Das Interview lesen Sie auch in AssCompact 04/2020 auf Seite 68f und in unserem ePaper.

Bild: © Dominik Butzmann

 

Nachhaltige Altersvorsorgekonzepte: Sinn oder Unsinn in unserer Zeit?

Auch bei der Altersvorsorge gibt es nachhaltige Konzepte. Kunden und Berater wissen aber nur selten, dass es nachhaltige Rentenversicherungen gibt, geschweige denn, wie eine nachhaltige Anlagepolitik abgebildet wird. Das sollte sich dringend ändern. Ein Kommentar von Gottfried Baer, Geschäftsführer der MehrWert GmbH.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht etwas über den Klimawandel oder sonstige Umweltthemen in den Nachrichten hört. Irgendwie gehören diese Themen mittlerweile zu unserem Alltag und die Penetranz nervt vielleicht auch schon. Die Menschen in Deutschland entwickeln sich schon seit Jahren zu „Umweltschonern“. Sie trennen zuhause allen Müll, kaufen regionaler und nachhaltiger ein, beziehen Ökostrom und fahren vielleicht mehr Fahrrad und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. In den Großstädten sind Carsharing-Modelle oder Elektroroller-Sharing on vogue.

Nachhaltigkeitsbewegung nimmt Fahrt auf

Die Aktion „Rettet die Bienen“ in Bayern zeigte 2019 gravierend, wie viel Zuspruch der Naturschutz aktuell in der Bevölkerung hat, und richtig groß wurde die Nachhaltigkeitsbewegung durch die jungen Menschen, die mit Fridays for Future monatelang bis heute auf die Straße gehen und für eine klimafreundlichere Politik werben.

Politischer Wandel bei Umwelt- und Klimaschutz

Politisch gesehen tut sich seit geraumer Zeit auch einiges in Sachen Umwelt- und Klimaschutz. So bringt das Pariser Klimaabkommen und die daraus beschriebenen Ziele für die politisch Handelnden eindeutige Vorgaben mit sich und der Kohleausstieg in Deutschland ist somit beschlossene Sache geworden. Ebenso müssen beispielsweise die Autohersteller in den kommenden Jahren in ihrer verkauften Flotte immer niedrigere CO²-Ausstöße nachweisen.

In den letzten beiden Jahren entwickelte sich dann auch auf EU-Ebene in Sachen Finanzmarkt und Nachhaltigkeit eine rege Diskussion und schließlich wurde die Taxonomie für die Teilnehmer in diesem Markt beschlossen, welche 2021 in Kraft treten soll. Es müssen damit in Zukunft alle Marktakteure nachweisen, dass bestimmte Nachhaltigkeitskriterien zum Beispiel in ihren Investmentfonds eingehalten werden. Seit dem Bekanntwerden steigt nun die Zahl der nachhaltigen Fonds am Markt massiv und die beauftragten Marketingagenturen haben ein völlig neues, weitreichendes Futter von ihren Auftraggebern erhalten.

Fondsgesellschaften entdecken nachhaltige Fonds

Dadurch und weil die Bundesbürger mehr auf Nachhaltigkeit achten, kommen nun immer mehr Fondsgesellschaften mit neuen nachhaltigen Fonds auf den Markt. Sowohl für den Kunden als auch für den Berater ist es schwierig, den Qualitätsanspruch in Sachen Nachhaltigkeit in diesen Fonds in der Tiefe zu durchdringen. So arbeiten nach wie vor viele dieser neuen Fonds mit Ausschlusskriterien bzw. mit dem Anspruch, dass eine Unterzeichnung der UN PRIS der investierten Unternehmen als Nachhaltigkeitsanspruch ausreicht. Das ist ein guter Anfang, reicht aber bei ehrlicher Betrachtung bei Weitem nicht aus und deshalb darf man viele dieser Fonds als „hellgrün“ einstufen.

Wie sieht die Entwicklung bei den Versicherern aktuell aus?

Erste Häuser haben in den letzten Jahren grüne Sachversicherungen und bzw. oder grüne Rententarife auf den Markt gebracht. Bei Zweiteren muss man aber zwischen den Häusern unterscheiden, die tatsächlich bei ihren klassischen Tarifen garantieren, die Beiträge im Deckungsstock eins zu eins nachhaltig anzulegen, und denen, die mit ihren fondsgebundenen Tarifen ausgewählte nachhaltige Fonds anbieten. Insgesamt ist festzustellen, dass die Anzahl der Versicherer mit guten und überzeugenden nachhaltigen Konzepten am Markt sehr gering vertreten ist. Die Frage, die sich hier stellt, ist, ob es an der Einstellung der Versicherer liegt oder am Nachfrageverhalten der Berater/-innen.

Vermittler verpassen Chancen

Denn die Kunden wissen heute nach wie vor selten, dass es überhaupt nachhaltige Rentenversicherungen gibt, geschweige denn wie die Nachhaltigkeit in der Anlagepolitik abgebildet werden kann. Also liegt es vielleicht an der Nachfrage der Vermittlerschaft, die es nicht vermag, dem Endkunden die Chancen und Möglichkeiten solcher grünen Policen aufzuzeigen, und damit erst gar nicht die Option verschafft, den Kunden eine grüne Alternative mit vorzustellen.

Jetzt könnte man aber auch sagen, dass es den Versicherern mit grünen Tarifen eventuell nicht gelingt, die Vermittler für die grüne Idee so zu begeistern und aufzuklären, dass diese es dann selbstverständlich in der Beratung ein- und umsetzen. Egal wie, Fakt ist, dass die Menschen heute für nachhaltige Finanzprodukte offener denn je sind. Gerade für die jüngere Generation in Deutschland ist es selbstverständlich, auf ökologische, ethische und ökonomische Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen zu achten. Da diese Zielgruppe die spannende Kundengruppe für Berater und Versicherer darstellt, ist der Markt entsprechend sehr groß.

Win-win-win-Situation

Eigentlich gäbe es in diesem Zusammenspiel nur Gewinner: 1. die Versicherer, die mit ihrer nachhaltigen Anlagepolitik viel Geld in menschen-, gesellschafts- und umweltdienlichen Anlagen mit allen positiven Wirkungen anlegen würden (und damit ihr Image deutlich aufbessern könnten), 2. den Berater, der dem Kunden mit grünen Rententarifen einen zusätzlichen Nutzen und Sinn für seine Altersvorsorge mitbringt und sich damit deutlich von seinen Mitwettbewerbern unterscheidet, und 3. den Kunden, der mit dem Abschluss eines grünen Rententarifes das gute Gefühlt hat, dass er neben seiner Vorsorge für das Alter auch noch etwas Gutes für Mensch und Natur tut. Logischerweise und neutral betrachtet liefert diese Win-win-win-Situation deutlich mehr Sinn als Unsinn. Genau genommen wäre der Einsatz in der Beratung eine Selbstverständlichkeit.

Grüne Rententarife aus Überzeugung

Seit knapp zehn Jahren setzt MehrWert in der Beratung aus Überzeugung erfolgreich grüne Rententarife in der Altersvorsorgeberatung ein. Dies gilt sowohl für Privatkunden als auch für Unternehmen bei der bAV. Wir screenen für den Markt regelmäßig und fordern Versicherer ebenso auf, ihr grünes Engagement im Haus bzw. in ihren Tarifen deutlich zu verbessern. Im fondsgebundenen Segment haben wir intern eine eigene MehrWert-Nachhaltigkeitsbewertung von nachhaltigen Fonds in den Fondspolicen entwickelt. Hierbei werden ein bis fünf MehrWert-Sterne für die Qualität der Nachhaltigkeit in den Fonds und ebenso bis zu fünf Sterne für die Rendite­kennzahlen der Fonds vergeben. Das ist in der Kunden­beratung eine hervorragende Grundlage für die Auswahl der besten nachhaltigen Fonds in ökonomisch guten Fondspolicen und ermöglicht es, in Sachen Nachhaltigkeit besonders sprachfähig zu sein.

Nachhaltige Vermögensverwaltung auf Fondsbasis

Die Expertise setzt MehrWert auch in Form der nachhaltigen Vermögensverwaltung auf Fondsbasis um, indem diese in einem sehr günstigen deutschen Versicherungsmantel als Rentenversicherung eingebunden ist. Damit gibt es drei entscheidende Vorteile: 1. ausgewählte, mit einem Nachhaltigkeits- und Renditerating versehene Fonds. 2. Im Rahmen der Vermögensverwaltung wird im Hintergrund die Fondszusammensetzung der Marktentwicklung automatisch angepasst. 3. Die Kosten sind aufgrund eines Honorartarifes im Ver­sicherungsmantel für den Kunden sehr niedrig.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Der Einsatz von grünen Rententarifen bringt einen deutlichen Mehrwert mit sich: für den Kunden, für den Berater, für den Versicherer und nicht zuletzt genauso für die Gesellschaft und für die Umwelt. Also absoluter Sinn. Es stellt sich die Frage zum Schluss: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Den Kommentar lesen Sie auch in AssCompact 04/2020 auf Seite 72f und in unserem ePaper.

Bild: © Khongtham – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Gottfried Baer

„Nachhaltiges Investieren ist eine logische Konsequenz“

Nachhaltige Kapitalanlage fordert nicht nur Berater, sondern auch Fondsmanager heraus. Schließlich müssen sie bei der Erstellung ihrer Portfolios nicht nur wirtschaftliche Faktoren berücksichtigen. Alexander Mozer, Leiter des Portfoliomanagements von ÖKOWORLD, sieht in dieser Herausforderung zugleich eine Chance.

Herr Mozer, nachhaltiges Investieren bedeutet auch eine Einschränkung. Wie schwer fällt es Ihnen als Fondsmanager, nicht in alle Unternehmen investieren zu können?

Ja, als Vollblutbörsianer hat man gerne immer alle Inves­titionsmöglichkeiten offen. Aber als zukunftsorientierter Mensch kann ich mit den von uns selbst gewählten „Einschränkungen“ sehr gut leben. Wir sehen unsere Aufgabe entsprechend als Herausforderung und Chance an. Zudem ist es doch etwas Besonderes mit unserem kleineren Anlage­universum zu zeigen, dass man mit diesem Kanon an streng geprüften Unternehmen sehr gute Ergebnisse erzielen kann. ÖKOWORLD konzentriert sich seit jeher auf ethisch-ökologisch-soziales Investieren – das macht es auch so besonders. Nachhaltiges Investieren ist aus unserer Sicht daher keine Einschränkung, sondern eine logische Konsequenz.

Wie schwierig ist es dennoch?

Es ist nicht schwierig. Es ist nur mit mehr Aufwand verbunden, denn Berater wie Anleger müssen sich intensiver mit ihrer Anlage beschäftigen. Das kostet Zeit und man muss wissen, was kritisch zu hinterfragen ist. Das wiederum benötigt Aufklärung und Schulung, egal ob beim Endkunden, Banker, Vermögensverwalter oder Finanzberater. Die Welt kann auch in Zukunft als überlebensfähiger Planet existieren, wenn wir als Menschen richtig handeln – uns sozial, ökologisch und ethisch in unserer Um- und Mitwelt verhalten. Nachhaltigkeit bedeutet, etwas Konkretes zu tun für den Einklang von Ökonomie und Ökologie. Für das ökologische Gleichgewicht, die ökonomische Sicherheit und die soziale Gerechtigkeit. Das verstehen wir unter „Ökologisierung der Wirtschaft“.

Inwieweit verändert nachhaltiges Fondsmanagement auch die eigene Lebens- und Sichtweise?

Meine Lebens- und Sichtweise war schon immer von Naturverbundenheit, Fairness und ökonomischem Bewusstsein geprägt. Seitdem ich Vater bin, hat sich dies noch einmal verstärkt, da das Verantwortungsbewusstsein für Kinder mit sich bringt, seinen Lebensstil zu überdenken und Nachhaltigkeit stärker zu berücksichtigen. Meine Jahre bei ÖKOWORLD haben dazu natürlich auch Spuren im positiven Sinne hinterlassen, da ich durch unsere Arbeit sehr stark mit Chancen und Lösungen für eine bessere Zukunft konfrontiert werde. Das schärft die Sinne.

Hat die Klimadiskussion rund um Fridays for Future den nachhaltigen Anlagen geholfen?

Der Impuls von Greta und die Bewegung Fridays for Future sind wichtig und richtig. Nur werden diese Impulse von den Medien zu stark verheizt. Und auch Greta selber spaltet. Es geht nicht um dogmatischen Verzicht und die komplette Verdammung unserer Konsumgesellschaft, sondern um die richtige Richtung und das globale Bewusstsein, einen wichtigen Prozess, der an das individuelle Bewusstsein appelliert. Greta Thunberg, die schwedische Umweltaktivistin, hat seit Oktober 2018 viel erlebt. Wir alle, die ganze Welt, haben seitdem viel mit und rund um Greta erlebt und manchmal hat man das Gefühl, dass es einen „medialen Overkill“ gibt, der bei vielen Menschen ein skeptisches Gefühl auslöst.

Viele Otto Normalverbraucher fühlen sich mehr und mehr auf den Schlips getreten. Fühlen sich von der jungen Generation Fridays for Future genervt und bevormundet, obwohl sie doch eigentlich den ursprünglichen Impuls von Greta und ihren jungen Followern und die daraus resultierenden Freitagsdemonstrationen gut fanden und die Ernsthaftigkeit des Klimawandels erkannt hatten. Ich denke, hier muss einfach und sprichwörtlich die Kirche im Dorf gelassen werden. Denn eigentlich sollten wir nicht Tauziehen, sondern gemeinsam an einem Strang ziehen. Miteinander – nicht gegeneinander.

Die kollektive Forderung von Greta und den jungen Umweltaktivisten ist sicher nicht, dass Lieschen Müller nicht mehr mit ihrem Mann und den drei Kindern einmal im Jahr nach Spanien oder Griechenland für zwei Wochen in Urlaub fliegen darf oder diese Familie nicht auch ein großes Auto fahren darf, da eben fünf Personen – plus Hund und Gepäck – ein großes Auto rechtfertigen. Und ja, auch eine Bratwurst, ein Salamibrot oder ein Grillsteak sind kein Verbrechen – nicht alle werden ab sofort vegan oder vegetarisch essen. An dieser Stelle ist die öffentliche Diskussion ganz klar völlig aus den Angeln geraten. Aber sicher hat diese Klimadebatte geholfen, mehr Bewusstsein und Interesse für nachhaltige Anlagen zu schaffen.

In den Portfolios finden sich viele weniger bekannte Unternehmen. Ist das ein Zufall oder bewusst gewählt?

Das freut mich, dass Sie diese Beobachtung gemacht haben. Wer heute mit dem Mainstream geht, hat auch im aktiven Portfoliomanagement nichts zu suchen. Wir bei ÖKOWORLD sind im Portfoliomanagement alle aktienverrückt. Wir lieben den Gedanken, uns an Unternehmen und deren Entwicklung zu beteiligen. Ganz besonders spannend finden wir es, Unternehmen ausfindig zu machen, die vom breiten Markt noch nicht entdeckt sind. Insofern ist die Auswahl natürlich kein Zufall.

Wie findet man immer wieder Hidden Champions?

Wichtig ist die Grundeigenschaft unseres Teams, jeden Tag Lust darauf zu haben, sich auf die Suche nach neuen Unternehmen zu begeben. Wir haben hierzu standardisierte Screenings der Aktienmärkte etabliert, die uns im Rahmen quantitativer Verfahren immer wieder neue Unternehmen generieren. Zudem sind natürlich auch die vielfältigen Kontakte, die unser Nachhaltigkeits­research und der für unseren globalen Flaggschifffonds ÖKOVISION CLASSIC tätige Anlageausschuss pflegen, sehr hilfreich. Für das Fondsmanagement bedeutet dann jedes Unternehmen sehr viel Arbeit, da wir die Geschäftsmodelle ökonomisch und ökologisch durchdringen möchten, bevor wir investieren.

Sie sind bekannt dafür, dass Sie ungerne einen unverbindlichen Blick in die trübe Glaskugel wagen. Trotzdem ein paar Worte zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Märkte?

Der als Coronavirus bekannte Krankheitserreger Sars-CoV-2 hat die Nachrichten im Februar nahezu vollumfänglich beherrscht und die Verunsicherungen halten an. Auch an den Aktienmärkten hat die Angst vor dem Virus ihre Spuren hinterlassen. Dadurch rückten auch die in dem Zeitraum veröffentlichten und häufig positiven Unter­nehmensergebnisse in den Hintergrund. Rund um den Globus kam es zu Mittelabflüssen und den entsprechenden Abver­käufen in Gesamthöhe von etwa 3,6 Bio. US-Dollar.

Wir sind überzeugt davon, dass sich die Lage wie bei so vielen „Krisen“ in den letzten Jahren wieder beruhigen wird. Betrachtet man alleine die letzten drei Jahre, so gab es im ersten Quartal 2016 und im vierten Quartal 2018 einen ähnlichen „Abverkauf“ an den weltweiten Börsen. Im Vorfeld der jüngsten panikartigen Abwärtsbewegung an den internationalen Aktienmärkten haben wir uns nach eingehender Analyse von verschiedenen Investments getrennt, sodass sich unsere Kassenposition zunächst auf 15% und Ende des Monats auf 30% erhöhte.

Welche Titel haben Sie verkauft?

Wir veräußerten Unternehmen, bei denen davon auszugehen ist, dass deren Umsatz- und Ergebniswachstum negativ durch das Coronavirus beeinträchtigt sein wird. Investments aus den Sektoren Konsum bzw. Technologie sind dabei vorrangig zu nennen. Der deutsche Leitindex Dax hat zum Zeitpunkt dieses Interviews 8,4% verloren, während der Euro Stoxx 50 im Februar 8,6% abgab. In den USA sank der Kurs des S&P 500 Index um 8,4% im Vergleich zum Vormonat. In Japan verlor der Nikkei 8,9%. Der global aufgestellte MSCI World Index ist im Februar um 8,6% gefallen. Jede Krise ist eine Herausforderung und bietet zugleich vielfältige Chancen.

Ändert das Virus etwas an der grundsätzlichen Ausrichtung?

Es ist wichtig, in solchen Zeiten einen kühlen Kopf zu bewahren und die Emotionen auszublenden. Wir sind davon überzeugt, dass Unternehmen mit einem positiv zugrunde liegenden Wachstumstrend unabhängig von den aktuellen Volatilitäten eine gute Rendite generieren können. Investments in die richtigen Aktien zum richtigen Zeitpunkt bleiben daher Trumpf. Unsere übergeordneten Investitionstreiber sind Garanten für eine positive Zukunft, und das unabhängig von kurzfristigen Schwankungen an den Kapitalmärkten.

Das Interview lesen Sie auch in AssCompact 04/2020 auf Seite 70f und in unserem ePaper.

Bild: © Surasak – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Alexander Mozer

„Man muss die Kund(inn)en mit dem abholen, was ihnen wichtig ist“

Berater schrecken oft noch vor nachhaltigen Kapitalanlagen zurück. Dr. Mechthild Upgang, Geschäftsführerin der Dr. Upgang Vermögensverwaltung GmbH, setzt seit 2014 ausschließlich auf nachhaltige Geldanlagen. Dennoch stehen auch bei ihr andere Themen im Fokus des Kundengesprächs.

Frau Dr. Upgang, ihr Motto in der Finanzberatung lautet „Sozial & ethisch agieren – nachhaltig & fair anlegen“. Warum ist Ihnen nachhaltige Kapitalanlage wichtig?

Ganz einfach: weil Nachhaltigkeit keinen negativen Einfluss auf die klassischen Anlagefaktoren Risiko und Rendite haben muss. Wir können Kundinnen und Kunden reinen Gewissens eine Anlage empfehlen, ohne dass sie dabei auf Rendite verzichten müssen und ohne dass das Risiko dadurch steigt. Wir sind keine altru­istischen Weltverbesser. Am Ende wollen die Kundinnen und Kunden, dass sich ihr Geld vermehrt. Wenn das aber auch nachhaltig möglich ist, wird sich kaum eine Kundin oder ein Kunde dagegen entscheiden.

Also sehen Sie Nachhaltigkeit eher als Zubrot?

Man muss die Kund(inn)en mit dem abholen, was ihnen wichtig ist. Und das ist in aller Regel die Rendite. Und mittlerweile verstärkt auch das Thema Kosten. Nachhaltigkeit muss am Ende auch den Kunden zufriedenstellen. Nur dann funktioniert es nachhaltig. Als Kundin möchte ich Erspartes vermehren und wenn ich dabei noch etwas Gutes für die Welt von morgen tun kann, nehme ich das gerne mit. Wir selbst bieten seit Oktober 2014 nur noch nach­haltige Geldanlagen an.

Sie sind zudem zertifizierte Finanzplanerin und Fachberaterin für nachhaltiges Investment …

Und seit letztem Jahr auch ESG-Beraterin für das nachhaltige Versicherungswesen. Das ist ein neuer Ausbildungsgang über die Stiftung Greensurance. Im Bereich der nachhaltigen Fonds kann man sich angesichts von Sustainable Finance vor Angeboten mittlerweile kaum noch retten. Bei grünen Ver­sicherungen ist dagegen noch ein dickes Brett zu bohren. Da gibt es noch fast nichts.

Wie aufwendig ist eine Nachhaltigkeitszertifizierung und welche Vorteile bringt sie für Berater?

Es ist natürlich mit Aufwand verbunden. In diesem Fall waren es Präsenzveranstaltungen, für die ich nach Bayern fahren musste. Insgesamt waren das schon 60 bis 70 Stunden. Die „gut beraten“-Punkte habe ich gerne mitgenommen. Im Vordergrund stand jedoch nicht, ein weiteres Zertifikat zu erhalten, das man sich an die Wand hängen kann. Sehr positiv war das neue Netzwerk. Ich habe viele nette und engagierte Kolleginnen und Kollegen kennengelernt und für mich noch mal überprüfen können, wo ich noch Wissenslücken habe oder nicht mehr auf dem neuesten Stand bin.

Was bedeutet Nachhaltigkeit im Bereich der Versicherungen?

Es geht insbesondere um den Versicherer an sich. Ein grünes Goodie für den Abschluss einer Hausratversicherung ist eine nette Beigabe, aber nicht spielentscheidend. Es geht um das Umdenken bei den Versicherungsgesellschaften, zum Beispiel in der Kapitalanlage. Oder um Kooperationen wie etwa von NV und Itzehoer, die sich im hohen Norden für den Marktplatz „bessergrün“ zusammengeschlossen haben und für jeden abgeschlossenen Vertrag einen Baum in Schleswig-Holstein pflanzen. Das rettet natürlich nicht die Welt, aber es sind sehr lobenswerte erste Schritte.

Auch viele Kunden stehen noch am Anfang. Zwar wollen viele nachhaltig anlegen. Real tun es aber nur wenige. Wie kann man das ändern und welche Rolle spielen Berater dabei?

Meiner Erfahrung nach liegt es zum größten Teil an der Beratung. Wenn Berater und Beraterinnen keine Ahnung von nachhaltigen Anlagelösungen haben, werden sie den Kundinnen und Kunden auch keine vorstellen. Würden die Kunden nämlich nachfragen, ist die Gefahr schließlich groß, ins Schwimmen zu kommen. Das merken die Kundinnen natürlich. Wir wählen einen anderen Ansatz.

Wie sieht dieser aus?

Wir reden nicht in erster Linie über Nachhaltigkeit, sondern führen ein ganz klassisches Beratungsgespräch. Unser Job als Beraterin ist es, den Kundinnen und Kunden eine zur Lebens­situation passende Versicherung oder Geldanlage zu empfehlen. Dazu gehört in erster Linie die Frage, wie viel Geld zur Verfügung steht. Dann welche Risikobereitschaft und welcher Anlagehorizont usw. besteht. Dass diese Ziele auch auf nachhaltigem Wege erreichbar sind, ist eine frohe Kunde zum Abschluss des Gesprächs. Zum Ende des Gesprächs wird alles schriftlich zusammengefasst und ein Anlagevorschlag erstellt. Mein Satz: „Ach ja, im Übrigen berücksichtigen wir ausschließlich nachhaltige Geldanlagen. Haben Sie damit ein Problem?“, wird von 99% der Kundinnen und Kunden erfreut zur Kenntnis genommen.

Und das restliche 1%?

Es gibt schon ab und zu jemanden, der fragt, warum man einen nachhaltigen ETF nehmen muss. Dann zeige ich ihm den Langzeitchart des MSCI World im Vergleich zum MSCI World SRI. Es ist erkennbar, dass es keine Unterschiede gibt. Im Gegenteil, der nachhaltige Index ist häufig sogar besser gelaufen.

Mit FutureFolio 55 bieten Sie auch eine eigene Lösung an. Wie sieht diese aus?

Der FutureFolio 55 ist ein Dachfonds, den wir im Februar 2019 aufgelegt haben, um der zunehmenden Nachfrage nach nachhaltigen ETFs gerecht zu werden. 55 deshalb, weil er einen Aktienanteil von 55% hat. 45% fließen in festverzinsliche Wertpapiere. Im Gegensatz zu grünen Robo-Advisorn fließt das Geld nicht nur in eine überschaubare Anzahl nachhaltiger ETFs, häufig nur eines Anbieters. Wir möchten den Anlegerinnen und Anlegern eine breite Streuung über aktive und passive Fonds anbieten. Der FutureFolio beinhaltet auch einige ausgewählte aktive Fonds, denn in manchen Teilbereichen sind sie nach wie vor die bessere Wahl. Angelehnt an die UN-Klimaschutzziele bilden wir zudem neun verschiedene Nachhaltigkeitsthemen ab wie etwa Kreislaufwirtschaft, erneuerbare Energien, Wald oder Wasser. Dadurch erreichen wir eine sehr breite Diversifizierung. So erhalten auch Anleger/-innen mit einem 100-Euro-Sparplan ein diversifiziertes Portfolio.

Wie wird FutureFolio bisher angenommen?

Sehr gut. Wir haben nach einem Jahr bereits die wichtige Marke von 10 Mio. Euro an Fondsvolumen erreicht. Wegen der hohen Nachfrage vor allem von jüngeren Kund(inn)en nach Produkten mit einem höheren Aktienanteil startet im April der FutureFolio 77 mit einem Aktienanteil von 77%. Bei dem Fonds arbeiten wir auch mit einem Versicherer zusammen, der ihn für eine Fondspolice mit laufenden Courtagen aufnehmen will.

Wie passen ein solcher Fonds und Fondspolicen zusammen?

Das passt hervorragend zusammen. Wir haben viele Kund(inn)en, die sagen: Nachhaltig soll es sein, ETFs sollen es sein und günstig soll es sein. Versicherungen wollen sie jedoch wegen der hohen Abschlussprovisionen nicht. Die ALTE LEIPZIGER eröffnet diesen Kund(inn)en eine Alternative. In Verbindung mit dem FutureFolio 77 und anderen Fonds ist es möglich, eine Fondspolice mit laufenden Entgelten umzusetzen. Die Provision wird über die gesamte Laufzeit verteilt. Für die Kundin hat das den Vorteil, dass sie sofort Rückkaufwerte hat. Viele Frauen weisen keine lineare Erwerbsbiografien auf. Wenn sie ihren Beitrag beispielsweise für drei Jahre von 300 auf 100 Euro reduzieren, ist das in dem Fall nicht schlimm, weil nur für jeden Beitrag eine Provision gezahlt wird und nicht am Anfang die hohe Kostenbelastung anfällt.

Viele Vermittler hätten aber lieber eine einmalige Provision …

Laufende Provisionen haben aber den Vorteil, dass der Firmenwert kontinuierlich steigt, weil ich laufende Einnahmen habe. Zudem ist die Kundin entspannt, da sie das Gefühl hat, dem Vermittler oder der Vermittlerin nicht bereits zu Beginn einen großen Provisionsbetrag zu schulden. Mit diesem Produkt erhält sie sowohl nachhaltige, günstige Fonds als auch eine faire, transparente Kostenbelastung.

Das Interview lesen Sie auch in AssCompact 04/2020 auf Seite 74f und in unserem ePaper.

Bild: © adam121 – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Dr. Mechthild Upgang

Vermögenswirksame Leistungen: Die unterschätzte Größe

Vermögenswirksame Leistungen (VL) werden von Vermittlern häufig unterschätzt. Als kleinteilig verurteilt, spielen sie in der Beratung oft keine Rolle. Jahr für Jahr bleibt so ein großes Potenzial ungenutzt, denn die VL bieten für Kunden wie auch für Vermittler in vielerlei Hinsicht sehr interessante Möglichkeiten.

Von Rudolf Geyer, Sprecher der Geschäftsführung der European Bank for Financial Services GmbH (ebase®)

Die Deutschen gelten seit Jahr und Tag eher als ein Volk der Sparer denn der Investoren. Selbst in der nun schon mehrere Jahre andauernden Niedrigzinsphase, deren Ende nach wie vor nicht klar absehbar ist, hat sich das Anlageverhalten in Deutschland nicht nachhaltig geändert. Die Kunden finden nur allmählich den Weg zur Kapitalanlage direkt an der Börse oder über Fonds.

Fehlende Erfahrung wird dabei vielfach als ein wesentlicher Grund angeführt, wobei dieser Punkt auf einen gewissen „Teufelskreis“ hindeutet – keine Anlage, weil keine Erfahrung, und keine Erfahrung, weil keine Anlage. Dabei existiert in Deutschland für viele Anleger seit langer Zeit ein Angebot, das sehr gut für den Einstieg in die Wertpapieranlage geeignet ist: die VL.

Deutsche verschenken 1,6 Mrd. Euro pro Jahr

Gemäß einer im Auftrag der European Bank for Financial Services (ebase) durchgeführten Studie der Steinbeis-Hochschule haben in Deutschland 20 Millionen Arbeitnehmer Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen. Davon nutzen allerdings rund sieben Millionen diese Möglichkeit nicht. Umgerechnet sind das nach Zahlen der unter der Leitung von Professor Kleine durchgeführten Studie rund 1,6 Mrd. Euro im Jahr, die nicht abgerufen werden. Dabei gibt es regional deutliche Unterschiede.

Interessante Möglichkeiten für Kunden und Vermittler

Dieses Potenzial verfällt Jahr für Jahr ungenutzt, bietet aber für Kunden und Vermittler in vielerlei Hinsicht sehr interessante Möglichkeiten. Denn der Gesetzgeber verfolgt mit den VL-Leistungen explizit das Ziel, Deutschlands Arbeitnehmern bei der Vermögensbildung unter die Arme zu greifen. Dafür ist der monatliche Anspruch, der je nach Berufsgruppe und Tarifabschluss zwischen 6,65 und 40 Euro liegt, zugegeben sehr überschaubar. Aber bei regelmäßiger Anlage und dank des Zinseszinseffekts kann sich daraus mit der Zeit ein echtes Vermögen ergeben. Unberücksichtigt ist dabei, dass der Staat je nach Einkommen des VL-Sparers bis zu 80 Euro im Jahr zuschießt – und dass der Sparer selbstredend die Sparprämien aus eigener Tasche aufstocken kann.

Bis zu 150.000 Euro durch VL

Die Analyse von Herrn Professor Kleine hat zudem ergeben, dass ein Investment in den Dax in den vergangenen 30 Jahren rund 7% im Jahr einbrachte. Umgerechnet auf einen Sparplan, der monatlich mit 40 Euro bespart wird, kommen somit in sieben Jahren über 4.000 Euro zusammen. VL in Deutschland sieht vor, dass sechs Jahre lang in einen Sparplan eingezahlt wird und noch ein Jahr Ruhepause angehängt wird, bevor der Sparplan ausläuft. Dieser kann aber sofort wieder verlängert werden, sodass das zunächst kleine Vermögen im Lauf der Zeit dank des Zinseszinseffekts zu einem richtig großen wachsen kann. Nach 20 Jahren zeigt das Konto unter den genannten Bedingungen rund 20.000 Euro an, nach 30 Jahren rund 44.000. Und wer schon in frühen Jahren beginnt, für die Rente anzusparen, hätte dem Beispiel zufolge nach 40 Jahren VL-Sparen rund 150.000 Euro angespart.

Sparverhalten muss sich ändern

Mit dem üblichen Sparverhalten der Deutschen ist dies indes nicht zu schaffen. Zumindest nicht in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase, die dafür sorgt, dass bei den meisten Sparformen nicht einmal der reale Geldwertverlust durch Inflation ausgeglichen wird. Diesen Fakten zum Trotz scheuen dennoch zahlreiche Deutsche die Kapitalanlage an der Börse. VL bieten hier jedoch eine sehr große Chance, um den so wichtigen Einstieg zur Kapitalanlage an der Börse zu meistern. Denn nur wenn der Start gelingt, ist dauerhaft eine renditestärkere Kapitalanlage überhaupt möglich.

Zwei wesentliche Erfolgsfaktoren

Wesentlich dafür sind zwei Faktoren: Einerseits fällt es Kunden leichter, sich für ein chancenreicheres Investment zu entscheiden, wenn sie sich bewusst sind, dass es sich um quasi geschenktes Geld handelt, das vielfach ungenutzt verfällt. Andererseits sind vermögenswirksame Leistungen konstruktionsimmanent sehr gut für Anlagen an der Börse geeignet. Denn VL-Anlagen sind durch die mehrjährige Laufzeit per se langfristig, wodurch zwischenzeitliche Marktschwankungen weniger ins Gewicht fallen. Vielmehr werden die Kunden einfach an die langfristigen Potenziale entsprechender Anlagen herangeführt.

ebase ist einer der führenden Anbieter für die Anlage von vermögenswirksamen Leistungen in Fonds und ETFs. Während sich 2011 erst 1% der Kunden für ETFs zur VL-Anlage entschieden hat, ist der Anteil mittlerweile auf deutlich über 40% angestiegen und wächst weiter. Langfristig betrachtet haben sich diese Anlagen dabei vielfach als erster Schritt in der Wertpapieranlage etabliert. Zahlreiche Kunden haben nach positiven Erfahrungen mit Fondsanlagen im Rah­­­­­men der vermögenswirksamen Leistungen auch weitere Anlagen getätigt. Dabei sind nach wie vor sowohl aktive Fonds als auch ETFs gefragt.

Unterschätzte Größe

Wie bei den Kunden stellen VL auch bei den Vermittlern eine weitgehend unterschätzte Größe dar. Vielfach wird das Geschäft als zu kleinteilig erachtet, um sich überhaupt darum zu kümmern. Bezogen auf den einzelnen Vertrag oder den reinen Ertrag dieses Geschäfts ist dieses Argument sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Langfristig betrachtet ist diese Herangehensweise jedoch sicherlich eine Fehleinschätzung. Denn das Thema vermögenswirksame Leistungen bietet eine Reihe von Chancen für Vermittler.

Wertvolle Hilfestellung durch Berater

Dadurch, dass zahlreiche Berechtigte ihren Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen ungenutzt verfallen lassen, kann der Berater hier eine wertvolle Hilfestellung bieten, um den Kunden ganz praktisch zu helfen, mehr zu sparen. Dies hat jedoch anders als beim üblichen Sparen keinen Effekt auf das monatlich zur Verfügung stehende Kapital. Vielmehr nutzt der Kunde nun einfach zusätzlich das „geschenkte“ Geld des Arbeitgebers, das bisher einfach jeden Monat nicht abgerufen wurde – eine gute Gelegenheit, als Partner des Kunden einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Attraktive Einstiegsgelegenheit

Zudem schafft das Thema VL grundsätzlich einen Beratungsanlass, der entweder nur für dieses Thema oder aber als „Aufhänger“ zu einem Gespräch mit einem breiteren Themenspektrum genutzt werden kann. Die Kunden können dabei entweder wie beschrieben dazu gebracht werden, ihre bestehenden Ansprüche erstmalig zu nutzen oder ihre Anlage in vermögenswirksame Leistungen zu optimieren. Denn nach wie vor wird mehr als die Hälfte der VL-Sparpläne via Bausparen abgeschlossen. Ein weiterer wesentlicher Teil geht in Banksparpläne und Sparverträge.

Basis für breitere Wertpapieranlagen

Nicht zuletzt gilt es zu beachten, dass über VL für die Kunden ein vergleichsweise niederschwelliger Einstieg in die Geld­anlage an der Börse möglich ist. Die Kunden legen so Monat für Monat über einen langen Zeitraum in Investmentfonds oder ETFs an. Damit können wertvolle Erfahrungen mit entsprechenden Anlagen gesammelt werden, welche die notwendige Basis für breitere Wertpapieranlagen bieten.

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Den Arikel lesen Sie auch in AssCompact 04/2020 auf Seite 60f und in unserem ePaper.

 
Ein Artikel von
Rudolf Geyer

Gegen Kursschwankungen: iShares startet nachhaltiges ETF-Trio

Die Auswahl an Indexfonds wächst kontinuierlich. Marktführer iShares hat nun drei neue ETFs vorgestellt. Sie setzen auf nachhaltige Auswahlkriterien. Zugleich sollen Kursschwankungen durch einen Fokus auf sogenannte Minimum Volatility reduziert werden.

iShares erweitert sein ETF-Angebot um drei neue Produkte erweitert. Sie kombinieren Umwelt- und Sozialkriterien sowie Aspekte guter Unternehmensführung (Environmental, Social und Governance – kurz ESG) mit der wachsenden Nachfrage nach Faktor-Strategien, die auf eine Reduzierung von Kursschwankungen ausgerichtet sind (Minimum Volatility). Die Auflage dieser Fonds ist ein weiterer Meilenstein zur Umsetzung von BlackRocks Selbstverpflichtung, Nachhaltigkeit zum neuen Investment-Standard zu machen. Im Zuge dessen will BlackRock das Angebot an nachhaltigen indexbasierten Anlagelösungen erweitern.

Starkes Wachstumssegment

BlackRock erwartet, dass dem Marktsegment der nachhaltigen indexbasierten Anlagelösungen innerhalb des nächsten Jahrzehnts rund 1 Bio. Dollar frisches Kapital zufließen wird. Die neuen iShares Fonds kombinieren BlackRocks führende Marktposition im Bereich Faktor-Investing mit der zunehmenden Nachfrage nach ESG-Strategien. Sie sollen verbesserte ESG-Profile bieten und die Kohlenstoff-Emissionen im Portfolio reduzieren.

Verringertes Risiko

Darüber hinaus verfolgt das ETF Trio das Ziel, marktähnliche Renditen bei geringerem Risiko zu erwirtschaften. Jeder Fonds lässt sich am entsprechenden MSCI Minimum Volatility ESG Reduced Carbon Target Index messen. Der iShares EDGE MSCI World Minimum Volatility ESG UCITS ETF bietet Zugang zu Aktien von Unternehmen aus Industrieländern mit internationalem Geschäft und vergleichsweise niedriger Volatilität. Der iShares EDGE MSCI Europe Minimum Volatility ESG UCITS ETF (MVEE) ist ESG-Alternative zum iShares EDGE MSCI Europe Minimum Volatility UCITS ETF und ermöglicht einen Zugang zu Aktien europäischer Unternehmen mit relativ geringer Volatilität. Den Abschluss bildet das US-Pendant: der iShares EDGE MSCI USA Minimum Volatility ESG UCITS ETF. Die Kostenquoten des ETF-Trios liegen zwischen 0,2 und 0,3%. (mh)

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Investmentfonds: Corona drückt nahezu alle Vergleichsgruppen ins Minus

Die Corona-Pandemie hat tiefe Spuren an den Finanzmärkten hinterlassen. Welche Folgen der Crash für die verschiedenen Fondsgruppen hatte, zeigt eine neue Auswertung des Analysehauses Scope. Von insgesamt 92 betrachteten Fonds-Vergleichsgruppen fuhren im ersten Quartal 2020 fast alle starke Verluste ein.

Das erste Quartal 2020 der Investmentfonds wurde stark durch die COVID-19-Pandemie geprägt. Entsprechend hat es tiefe Spuren im Performance-Ranking von Scope hinterlassen. Von den insgesamt 92 betrachteten Fonds-Vergleichsgruppen mussten nahezu alle starke Verluste in Kauf nehmen.

Negative Performance in allen Aktienfonds-Peergroups

Von den 52 untersuchten Aktienfonds-Peergroups konnte keine das erste Quartal 2020 mit einer positiven Performance abschließen. Über 80% weisen Verluste im zweistelligen Bereich auf. Am besten schlugen sich noch Aktien chinesischer Unternehmen. Die Peergroups „Aktien China“ und „Aktien China A-Shares“ gehören mit einer Performance von jeweils rund –9,0% zu den Spitzenreitern im Aktienfondsbereich. Das liegt unter anderem daran, dass China bereits im letzten Quartal 2019 stark vom Virus getroffen wurde, dafür aber im ersten Quartal 2020 als erste Region Anzeichen der Erholung zeigte.

Europäische Nebenwerte besonders betroffen

Von den acht größten Aktienfonds-Peergroups konnte die Gruppe „Aktien Japan“ nach den ersten drei Monaten die niedrigsten Verluste vorweisen: Die mehr als 150 Fonds mit Fokus auf japanischen Aktien erzielten eine durchschnittliche Performance von –16,5%. Die im Durchschnitt schlechteste Performance zeigten die mehr als 140 Fonds der Peergroup „Aktien Europa Mid/Small Caps“ mit einem Minus von 24,9%. Die mit mehr als 800 Fonds größte Vergleichsgruppe „Aktien Welt“ liegt mit –18,9% im Mittelfeld der Gruppe der Aktienfonds.

Mischfonds-Peergroups durchweg negativ

Auch bei den Mischfonds war die durchschnittliche Performance in allen Peergroups negativ. Dabei schnitten die Produkte im Bereich „Mischfonds Europa konservativ“ mit –8,0% noch am besten ab. Den größten Verlust musste die Vergleichsgruppe „Mischfonds Europa dynamisch“ mit einer Performance von –19,2% hinnehmen. Die mit mehr als 800 Fonds größte Multi-Asset Peergroup „Mischfonds Global flexibel“ lag mit –12,9% im mittleren Bereich.

Auch Rentenfonds meist im roten Bereich

Die 32 betrachteten Vergleichsgruppen im Rentenbereich weisen für das erste Quartal 2020 zu 90% negative Performance-Werte auf. Dennoch starten drei Peergroups mit einer positiven Performance ins zweite Quartal. Den Spitzenplatz nimmt die Peergroup „Renten USD“ mit einer Performance von +3,5% ein. Ebenfalls im positiven Rendite-Bereich liegen die Vergleichsgruppen „Renten EURO lang“ mit +1,4% sowie „Renten USD kurz“ mit +0,8%. Am anderen Ende des Spektrums befindet sich die Vergleichsgruppe „Renten Europäische Währungen Corporate High Yield“ mit –15,0%. Die mit rund 370 Fonds größte Renten-Vergleichsgruppe „Renten Globale Währungen“ liegt mit einer Performance von –3,7% im Mittelfeld des Rankings.

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Lyxor startet ersten ETF auf den grünen Dax

Mit dem Lyxor 1 DAX 50 ESG UCITS ETF ist der erste börsengehandelter ETF gestartet, der den neuen Nachhaltigkeits-Dax der Deutschen Börse abbildet. Er umfasst die Top-50-Werte des HDAX, die auf Basis ihres ESG-Ratings, der Marktkapitalisierung sowie des Börsenumsatzes ausgewählt werden.

Kurz nach der Einführung des ESG DAX Index der Deutschen Börse hat Lyxor den ersten dazugehörigen Indexfonds aufgelegt. Der Lyxor 1 DAX 50 ESG UCITS ETF bildet den neuen DAX 50 ESG-Index physisch und ohne Wertpapierleihe ab. Erträge werden einmal jährlich ausgeschüttet.

50 nachhaltige deutsche Standardaktien

Der DAX 50 ESG setzt sich aus 50 deutschen Standardaktien zusammen, die unter den aktuell 99 Aktientiteln des HDAX nach einer ESG-Überprüfung durch die Research- und Ratingagentur Sustainalytics und unter Berücksichtigung der Marktkapitalisierung und des Börsenumsatzes die höchste Bewertung erzielt haben. Er ist der erste deutsche Standardtitel-Index, der ESG-Kriterien in seiner Zusammensetzung berücksichtigt.

Zunehmendes Anlegerinteresse

„Deutsche Anleger suchen zunehmend nach Anlageinstrumenten, mit denen sie mit ESG-Filtern in deutsche Aktien investieren können“, kommentiert Arne Scheehl, Head of Product Development bei Lyxor ETF in Frankfurt. „Mit dem neuen Lyxor 1 DAX 50 ESG UCITS ETF bieten wir Anlegern erstmals die Möglichkeit, nach einem ESG-Auswahlverfahren auf einfache, transparente und kostengünstige Weise in einen deutschen Aktienindex zu investieren.“ (mh)

Bild: © bankrx – stock.adobe.com

 

„Anlegern und Finanzberatern Sicherheit und Orientierung geben“

Für Anleger und Finanzberater ist 2020 extrem herausfordernd. Auch Fondsanbieter sind daher gefordert. DJE will Kunden und Partnern in dieser Zeit Sicherheit und Orientierung durch persönliche Betreuung bieten. Das gilt für die digitale Lösung Solidvest, erläutert Thorsten Schrieber, Mitglied des Vorstands der DJE Kapital AG.

Herr Schrieber, Sie verantworten seit gut zwei Jahren den Vertrieb von DJE. Was sind 2020 Ihre Vertriebsschwerpunkte?

Wir möchten Anlegern und Finanzberatern Sicherheit und Orientierung geben – sie von unserer Expertise profitieren lassen und ihnen persönlich begegnen, unter anderem mit unserer bundesweiten Roadshow. Diese werden wir 2020 in Zusammenarbeit mit ACATIS und der Shareholder Value Management AG intensivieren. Unter dem Titel Fondsgipfel 2020 gehen wir in insgesamt 30 Städte und dabei auch ganz gezielt in die Peripherie, zum Beispiel Münster, Konstanz oder Kiel. In Zeiten der Corona-Quarantänen setzen wir unsere Roadshow auf www.fondsgipfel.de als Online-Webinar fort. So decken wir das Informationsbedürfnis unserer Retail- wie Wholesale-Kunden ab, ohne jemanden zu gefährden. Darüber hinaus haben wir einen Corona-Ticker auf unserer Unternehmens-Startseite eingerichtet.

Funktioniert so etwas im Normalfall in der Peripherie?

Eindeutig ja. In der Regel haben wir im Schnitt 50 bis 80 Anmeldungen – und anders als mitunter in den Metropolen kommen auch fast alle, die sich angemeldet haben. Das zeigt, dass es sich lohnt, mit solchen Veranstaltungen auch in Städte jenseits der üblichen Ballungsräume zu gehen. Wir wollen die Vermittler in der Fläche bedienen und ihnen auch vor Ort etwas anbieten, nicht nur in Frankfurt, München oder Hamburg. Wichtig ist, dass man am Ball bleibt, Angebote macht. Selbst wenn eine solche Veranstaltung beim ersten Mal vielleicht nicht so voll ist, muss das noch nichts heißen. Manchmal muss es sich erst herumsprechen. Zudem darf man das Einzugsgebiet der Städte aus der zweiten Reihe nicht unterschätzen. Oft liegen außen herum noch mehrere kleine bis mittlere Städte – mit enormen Potenzialen.

Was sind die Inhalte der Roadshow?

Wir bringen die Bedeutung von professionell gemanagten Geldanlagen in Zeiten niedriger Zinsen anschaulich ins Gespräch, vertiefen und erläutern. Bloße Factsheets kann sich heute jeder im Internet ansehen. Dafür braucht keiner einen Referenten. Wir versuchen unsere Sichtweise auf die Dinge zu vermitteln, die Berater und ihre Kunden beschäftigen – wie die anstehende Regulatorik im Bereich der Nachhaltigkeit. Sie ist ein nicht zu unterschätzendes Thema, das in den nächsten 12 bis 24 Monaten auf uns und die Vermittler zukommt. Hinzu kommen aktuelle Marktthemen wie zum Beispiel zum Coronavirus, zu dem gerade Jan Ehrhardt als ausgewiesener Asienexperte sehr gefragt ist. Solche Themen wollen wir für und mit unseren Vertriebspartnern aufbereiten.

Welche generellen Anlagethemen stehen 2020 im Fokus?

Eines unserer Kernthemen ist: Dividende der neue Zins. In Deutschland liegen immer noch horrende Summen in nicht verzinsten Spareinlagen und Termingeldern – da werden durch Inflation schleichend Werte vernichtet. Die Menschen müssen endlich wachgerüttelt werden. Das kann nur über ein breites Vertriebsnetz aus IFAs und Pools funktionieren. Mit dem DJE Zins & Dividende, dem DJE Dividende & Substanz oder dem DJE Asia High Dividend sind wir in dem Bereich natürlich auch sehr gut positioniert.

Kunden setzen bisher dennoch vor allem auf Tages- und Festgeld …

Die Erkenntnis, dass man heute in Europa 3 bis 4% Dividendenrendite generieren kann, und zwar nachhaltig, muss sich beim Kunden endlich einschleichen. Wenn die Unternehmen dabei auch noch 4 bis 6% wachsen, ist eine jährliche Rendite von 6 bis 8% nicht unrealistisch. Da soll niemand sagen, es gebe keine Alternative zum zinslosen Termingeld. Bessere Möglichkeiten sind da. Man muss sie nur nutzen. Angesichts eines Finanzministers, der wohl weiter aufs Sparbuch setzt, wird es uns als Branche obliegen, das zu ändern. Natürlich sollte nur derjenige in Aktien investieren, der einen längeren Anlagehorizont besitzt. Viele der auf Spar- und Termingelder geparkten Gelder haben aber eben eine lange Haltedauer. Gerade Dividendenfonds, wie das genannte Trio von DJE, sind zudem bei Weitem keine spekulativen Aktienprodukte, sondern auf kontinuierliche Performancebeiträge ausgerichtet.

Ein weiteres Thema, das DJE verfolgt, ist die digitale Vermögensverwaltung. Mit Solidvest sind sie einer der Vorreiter. Wie sind die bisherigen Erfahrungen?

Gerade in den turbulenten Phasen verlangen auch viele Robo-Advisor-Kunden nach einem persönlichen Ansprechpartner – sei es per Telefon oder auch auf digitalem Wege, etwa per Chat. Da wir aus der klassischen Vermögensverwaltung kommen, ist das für DJE kein Problem. Mit Solidvest haben wir diese zwar digitalisiert, das bedeutet aber nicht, dass wir den Kunden nicht mit Rat und Tat zur Seite stehen – und zwar nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch marktbezogen. Diesen Service bieten wir auch über unser Standortnetzwerk an. Das ist ein relevanter Unterschied zu allen bisherigen Mitbewerbern. Um aktuelle Marktthemen zu diskutieren und anschaulich aufbereitet unseren Kunden und Interessenten anzubieten, arbeiten wir zudem unter anderem mit Markus Koch zusammen, einem der bekanntesten Börsengesichter in Deutschland.

Sind Sie mit den bisherigen Zahlen von Solidvest zufrieden?

Die Performance ist gut. Und der Zuspruch ebenfalls. Wir haben die Kundenanzahl im letzten Jahr extrem erhöht. Auch mit dem durchschnittlichen Anlagevolumen von derzeit etwa 60.000 Euro sind wir zufrieden. Durch den Beratungsansatz sollten wir die Durchschnittssumme zudem noch steigern. Die Entwicklung ist natürlich nicht zu Ende. Wir wollen Solidvest in seinen Services in Zukunft weiter verfeinern, zum Beispiel in Bezug auf Nachhaltigkeit.

Steht Solidvest in Konkurrenz zur klassischen Vermögensverwaltung?

Nein. Solidvest ist vielmehr die richtige ergänzende Antwort auf den Generationswechsel in der klassischen Vermögensverwaltung. Wir haben generell hier bereits mehr als 45 Jahre Erfahrung – und mittlerweile treten vermehrt Erbfälle auf. Gerade viele jüngere Erben erreicht man gezielter im digitalen Bereich: mit leicht verständlichen und modernen Lösungen. Hinzu kommt, dass das Erbe in der Regel auf mehrere Kinder aufgeteilt wird. Beispiel: Aus 500.000 Euro werden dann auf vier Erben verteilt jeweils 125.000 Euro. Das reicht für eine klassische Vermögensverwaltung nicht mehr. Mit Solidvest können wir diesen Erben dennoch eine professionelle Lösung für den weiteren Vermögensaufbau des Geerbten anbieten, die zudem dem digitalen Zeitgeist dieser Leute entspricht.

Wie dürfte sich der Markt der Robo-Advisor weiterentwickeln?

Der Markt wird weiter stark wachsen. Es wird aber einen weiteren Konzentrationsprozess im Bereich der digitalen Vermögensverwaltungen geben. Das hat man schon in den vergangenen zwölf Monaten gesehen, das wird sich weiter verstetigen. Für uns ist die Vermögensverwaltung wichtiger Kern unseres Geschäfts – ob klassisch oder digital. Und wir sind zuversichtlich, dass wir zu denen gehören werden, die am Markt bestehen, ihn weiter prägen und vom Wachstum der digitalen Vermögensverwaltungen profitieren.

Sind Erfahrung und Service die einzigen Punkte, mit denen sich Solidvest von der Konkurrenz unterscheiden will?

Was uns zusätzlich vom Markt abhebt, ist, dass wir als einziger Anbieter in Einzeltitel und nicht in ETFs investieren. In unserem Preismodell sind gleichzeitig sämtliche Transaktionen enthalten. Egal wie oft wir umschichten – keine Extrakosten. Das ist gerade in solch turbulenten Tagen wie zuletzt relevant. Selbst wenn stärker Hand an die Portfolios angelegt werden muss, kann sich der Kunde entspannt zurücklehnen. Zudem ist unser Modell nicht nur B2C, sondern auch B2B einsetzbar. Es gibt zum Beispiel auch Provisionierungsmodelle auf Tippgeberbasis, unter anderem mit Banken und Maklern.

Hat die klassische Vermögensverwaltung und Finanzberatung angesichts der digitalen Konkurrenz ausgedient?

Nein. Es kommt auf den Bedarf und die Komplexität der Geldanlage an. Wie gesagt, wir sehen ein Sowohl-als-auch. Vermittler können Solidvest gezielt für sich und ihre Kunden nutzen, etwa als digitales Einstiegsangebot ins professionelle Vermögensmanagement. Mit einer digitalen Lösung wie Solidvest hat jeder Vermittler die Möglichkeit, sich eine entsprechende Kompetenz ins Haus zu holen – und seinen Kunden ein passendes Angebot entsprechend seinem Chance-Risiko-Profil zu machen.

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Ein Artikel von
Throsten Schrieber

BlackRock legt erstmals einen Impact-Publikumsfonds auf

Der BlackRock Global Impact Fund ist der erste Publikumsfonds von BlackRock, der eine sogenannte Impact-Strategie verfolgt. Der Fonds zahlt auf die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung ein. Ein neues Team für Impact Investing übernimmt das Portfoliomanagement.

BlackRock hat mit dem BlackRock Global Impact Fund eine neue, aktiv gemanagte Aktienstrategie aufgelegt. Sie beruht auf starken Überzeugungen der Portfoliomanager und soll durch ihren Impact-Ansatz messbare Ergebnisse im Hinblick auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) erzielen.

Ausbau des nachhaltigen Fondsangebots

Der neue Fonds soll Anlegern ermöglichen, ihre Investments gezielt in Unternehmen zu lenken, die Lösungen für die großen globalen Herausforderungen entwickeln. Die zusätzliche Impact-Strategie ist Teil von BlackRocks Initiative, das Angebot an Lösungen für eine nachhaltige Geldanlage zu erweitern. Dadurch verwirklicht BlackRock seine Selbstverpflichtung, Nachhaltigkeit zum neuen Standard in der Geldanlage zu machen.

Selbst definierte Impact-Themen

Das Portfolio des BlackRock Global Impact Fund eine besteht aus Unternehmen, die auf die von BlackRock selbst definierten Impact-Themen einzahlen. Dazu gehören verstärkter Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung, bezahlbarer Wohnraum, Innovationen im Gesundheitswesen, um bei gesellschaftlichen Herausforderungen wie der aktuellen COVID-19-Pandemie zu helfen, breitere finanzielle und digitale Inklusion, Bekämpfung des Klimawandels, Behebung von Umweltschäden sowie effizienterer Wasserverbrauch bzw. -einsatz.

Neu gegründetes Impact-Investing-Team

BlackRocks Team für aktiv gemanagte Aktienstrategien im Bereich Impact Investing verantwortet den Fonds. Dieses Team wurde erst kürzlich gegründet und steht unter der Leitung von Eric Rice, der im Oktober 2019 zum Unternehmen gestoßen ist. Rice verfügt über 30 Jahre Erfahrung in der Branche. Zuletzt hat er ausschließlich Impact-Strategien entwickelt und gemanagt. Zuvor war er als Entwicklungsökonom für die Weltbank tätig und arbeitete als US-Diplomat in Ruanda. Das Team strebt eine langfristig ausgerichtete, konzentrierte Buy-and-Hold-Strategie mit geringem Portfolioumschlag an. Neben den Impact-Zielen soll der Fonds eine bessere Wertentwicklung als der MSCI All Country World Index (ACWI) erreichen. (mh)

Bild: © OpturaDesign – stock.adobe.com