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Inflation: Deutschland spart an allen Ecken und Enden

Die Umfrage „Verantwortungsbarometer 2022/2023“ von Fidelity International und Kantar zeigt die Effekte der Inflation auf das Ausgabeverhalten in Deutschland auf. Zwei Drittel der Deutschen schränken sich ein – gespart wird überall, auch bei der Altersvorsorge.

Insgesamt 2.093 Personen ab 18 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland wurden von Kantar im Auftrag von Fidelity International befragt, um das aktuelle Ausgabeverhalten der Deutschen repräsentativ abzubilden. Nun wurden die Ergebnisse der Umfrage „Verantwortungsbarometer 2022/2023“ veröffentlicht.

Das Ergebnis: Die Inflation, die drastisch gestiegenen Lebenshaltungs- und Energiekosten fordern ihren Tribut. Zwei Drittel der Deutschen schränken sich deswegen ein. Weitere 12% planen dies mit hoher Wahrscheinlichkeit. Die größten Einsparungen tätigen die Deutschen in den Bereichen Energie und Freizeit. Auch beim Ansparen für die Altersvorsorge fließt weniger Geld – in erster Linie wegen fehlender Geldmittel infolge der Inflation.

Sparen bei Energie und Sprit

Laut der Umfrageergebnisse ist die aktuell wichtigste Sparmaßnahme der Deutschen, den eigenen Energie- und Spritverbrauch zu senken (52%). Knapp die Hälfte aller Befragten drehe dazu die Heizung herunter (46%) oder spare Strom (ebenfalls 46%). Einen geringeren Energieverbrauch über Stromsparmaßnahmen versuchen die Bundesbürger insbesondere über die Beleuchtung zu erreichen (42%), beispielsweise mithilfe von Energiesparlampen. Ebenso achten sie darauf, energieeffizient zu kochen (30%) und vermeiden bei elektronischen Geräten den Stand-by-Modus, indem sie sie komplett ausschalten bzw. den Netzstecker ziehen (29%).

 

Inflation: Deutschland spart an allen Ecken und Enden

Sparen bei den Freizeitaktivitäten

Auch hätten die Deutschen, so die Angaben von Fidelity und Kantar, ihr Freizeitverhalten als Stellschraube für Einsparungen identifiziert. 37%, also mehr als jeder Dritte, gehen weniger auswärts essen und schränken sich bei ihren Freizeitaktivitäten ein. 32% machen weniger Urlaub. Gleichermaßen schränken sich die Bundesbürger beim Einkauf ein. Mit 31% sieht knapp jeder Dritte vom Kauf von Bio- oder höherpreisigen Lebensmitteln ab. Und unter dem Weihnachtsbaum würden dieses Jahr weniger kostspielige Geschenke liegen, denn 29% der Deutschen planen, weniger für Präsente auszugeben.

Zu wenig Deutsche sorgen für Rente vor

Weiterhin werde in Deutschland zu wenig privat vorgesorgt. Fast jeder Dritte spare nicht mit Versicherungen, Tages- bzw. Festgeldkonten oder Wertpapieren für die Altersvorsorge (31%). Über die Hälfte der Nicht-Sparer gibt an, dass sie kein Geld zur Rücklagenbildung aufbringen könnten (57%). Dieser Effekt werde durch die Inflation verschärft. 80% derjenigen, die kein Geld zur Altersvorsorge zurücklegen können, geben die gestiegenen Lebenshaltungskosten als Ursache an. Ein Drittel bzw. 34% von ihnen legt das Geld lieber für eventuelle Energienachzahlungen beiseite.

 

Inflation: Deutschland spart an allen Ecken und Enden

Warum sparen die Deutschen?

Nach den Gründen für die eigenen Sparambitionen gefragt, nennen die Deutschen insbesondere persönliche Aspekte. Drei Viertel der Deutschen, die Energie sparen bzw. zukünftig sparen werden, möchten den hohen Kosten entgehen (76%). Klimaschutz und Politik sind für die Befragten hingegen zweitrangig. Die Maßnahmen der Bundesregierung zur Reduzierung des Energieverbrauchs halten 36% der Deutschen für zu locker – sie hätten sich strengere Regeln gewünscht.

Zum Vergleich: Nur eine Minderheit von 19% hätte sich weniger strenge Schritte seitens der Bundesregierung gewünscht. Außerdem zeigen die Ergebnisse des Verantwortungsbarometers, dass 82%, also eine große Mehrheit der Deutschen, eine Spaltung des Landes durch die Energiekrise und deren Folgen erwarten. Lediglich 12% der Befragten halten dies für unwahrscheinlich. (mki)

Bild: © Alejandro D – stock.adobe.com

 

Mischfonds gegen Gefühlschaos im Auf und Ab der Börse

Ein Mischfonds aus dem Hause DJE heißt nun nicht mehr Alpha Global, sondern Multi Asset & Trends. Welchen Werten sich das Fondsmanagement auch nach dem Rebranding unverändert verpflichtet fühlt, erklärt Moritz Rehmann im Interview. Eine besondere Rolle spielt dabei die Krisenwährung Gold. Zu Recht?

Interview mit Moritz Rehmann, Fondsmanager bei der DJE Kapital AG
Herr Rehmann, fangen wir gleich mit einer provokanten Frage an: Aus dem Alpha Global wird jetzt der DJE – Multi Asset & Trends. Trauen Sie sich kein Alpha mehr zu?

Keinesfalls. Die Namensänderung geht nicht mit einer Änderung des Konzepts einher. Wir haben uns einfach dem gängigen DJE-Duktus angepasst. Zum DJE – Zins & Dividende oder dem DJE – Mittelstand & Innovation gesellt sich jetzt der DJE – Multi Asset & Trends. Außerdem wird für die Anleger dadurch auch verständlicher, in was sie investieren.

Ihr Fonds ist aber nicht der einzige Mischfonds aus dem Hause DJE. Weshalb trägt nur er die Bezeichnung Multi Asset?

Beim Multi Asset & Trends handelt es sich um einen offensiven Mischfonds. Wenn er neutral gewichtet ist, weist der Fonds eine Aktienquote von ca. 75% auf, die dann noch um einen Anleiheanteil ergänzt wird. Der Fonds Zins & Dividende zum Beispiel enthält ausschließlich Anleihen und Aktien. Wir hingegen können zusätzlich noch in Edelmetalle investieren. Diese Edelmetallkomponente wird von vielen Anlegern positiv gesehen. Gerade in den Marktphasen, in denen es hart auf hart kommt, verspricht der Edelmetallanteil etwas mehr Stabilität.

In diesem Jahr ist der Goldpreis aber deutlich zurückgekommen – trotz zahlreicher Krisen wie Ukraine-Krieg, Lieferkettenprobleme und galoppierender Inflation. Wie erklären Sie sich das?

Es wäre tatsächlich zu erwarten gewesen, dass der Goldpreis gerade auf die geopolitischen Spannungen stärker reagiert. Gerade für den Anleger in Euro hat Gold in diesem Jahr aber einen signifikanten positiven Beitrag geleistet (seit Jahresanfang +7%). Die aktuelle Situation ist natürlich aber auch speziell. Wer kann beispielsweise mit Sicherheit sagen, dass die russischen Goldreserven (die sechstgrößten im globalen Ländervergleich) nicht doch irgendwo auf dem Markt auftauchen? Dass aber weder Gold noch Kryptowährungen – die ja bereits als die Ablösung des Goldes gehandelt wurden – in einer derartigen Situation richtig anziehen, wirft schon einige Fragen auf.

Dann ist die Goldschwäche nicht erklärbar?

Einige Faktoren, die Gold belasten, sind natürlich offensichtlich. Die steigenden Zinsen machen Anleihen attraktiver und belasten Gold. Und auch der starke Dollar macht Gold als Wertspeicher Konkurrenz. Wir können davon ausgehen, dass Gold besser gelaufen wäre, wenn 2022 ausschließlich geopolitische Spannungen die Märkte belastet hätten. Der gleichzeitig stattfindende Kampf der Zentralbanken gegen die hohe Inflation hingegen hat den zu erwartenden Goldpreisanstieg in gewissem Maße konterkariert.

Sie haben gerade in Erwägung gezogen, dass der starke US-Dollar auch den Goldpreis belastet. Wie können wir uns das vorstellen?

Wir sehen dieses Phänomen gerade in asiatischen Staaten, die in diesem Jahr mit deutlichen Währungs­abwertungen zu kämpfen hatten. Wenn diese Länder durch einen sehr stark steigenden Dollar unter Druck geraten, dann werden auch mal Gold- oder Sparreserven durch die einzelnen Marktteilnehmer abgebaut, um Schulden in US-Dollar zu decken.

Welche Länder wären da beispielsweise zu nennen?

Indien ist zum Beispiel ein klassisches Goldsparerland – aber auch Thailand und Indonesien.

Enthält das Fondsvermögen außer Gold noch andere Edelmetalle?

Primär halten wir Gold. Wir haben aber auch eine marginale Beimischung von Silber – aber wie gesagt: marginal. Die Aufteilung der einzelnen Asset-Klassen variiert natürlich immer, aber aktuell beträgt der Edelmetallanteil 8% bzw. 7% Gold und etwas Silber.

Weshalb halten Sie den Silber­anteil so gering?

Silber ist eher ein Industriemetall, und angesichts der erwarteten Rezession ist es aktuell vielleicht nicht so opportun, zu stark auf Rohstoffe zu setzen, die insbesondere in der Industrie nachgefragt werden. Weil Silber als der kleine Bruder von Gold jedoch häufig auch springt, wenn Gold springt, halten wir weiterhin einen kleinen Anteil.

Wie hoch können Sie den Edelmetallanteil gewichten?

Wir haben uns auf einen Anteil von maximal 10% beschränkt. Das ist für uns eine Größenordnung, die eine signifikante Absicherung bietet. Gleichzeitig soll der Fonds immer noch schwerpunktmäßig in Papiere investieren, die Cashflows erwirtschaften – seien es Coupons auf der Anleiheseite oder eben Rendite auf der Aktienseite. Es geht um eine vernünftige Mischung, ohne dem Fonds den Charakter eines offensiven Mischfonds zu entziehen. Der Schwerpunkt muss weiterhin auf Aktien liegen.

Aktuell sind deutsche Titel hinter den USA in Ihrem Fonds am zweithöchsten gewichtet. Warum das?

Deutschland ist auf der Aktienseite im Moment mit ungefähr 8,5% gewichtet. Aktuell liegt der Fokus hier auf Aktien aus dem Finanzbereich, die von dem veränderten Zinsumfeld profitieren sollten. Außerdem setzen wir auch auf Unternehmen, die von der Euro-Schwäche profitieren können. Die Hannover Rück macht beispielsweise einen großen Teil ihres Geschäfts im Dollarraum. Und auch ein großer Telekommunikationsanbieter, den wir im Portfolio haben, erwirtschaftet einen nennenswerten Teil seines Umsatzes in den USA.

Dass Deutschland aktuell stark gewichtet wird, ist also ein vorübergehendes Phänomen und nicht etwa ein Home-Bias?

Nein, das ändert sich im Zeitverlauf. Wir nutzen die Freiheiten, die ein aktives Management uns eröffnet – zum einen bei den verschiedenen Asset-Klassen, aber zum anderen auch bei der Länder- bzw. Marktallokation. Da gewichten wir Europa beispielsweise niedriger, wenn bestimmte geopolitische Spannungen eher diesen Kontinent betreffen, und erhöhen dafür unser Investment in asiatische oder US-amerikanische Titel.

Haben Sie Ihre Europa-Allokation tatsächlich heruntergefahren?

Bei Europa sind wir vorsichtiger geworden – und das auch aus nachvollziehbaren Gründen. Es lässt sich aktuell nicht abschätzen, wie sehr die hiesigen Energiepreise gerade den Industriesektor belasten werden. Europäische Unternehmen konkurrieren schließlich am Weltmarkt mit Wettbewerbern, die in Ländern produzieren, in denen keine Energiepreiskrise vorherrscht.

Wenn ein Anleger nur in Ihren Fonds investieren würde – auf Jahrzehnte hinweg –, wäre das Ihrer Meinung nach eine gute Altersvorsorge?

Ich denke, der DJE – Multi Asset & Trends käme diesem Ziel recht nahe. Der Fonds hat die nötige Flexibilität und verfügt mithilfe der Edelmetallkomponente über einen Sicherheitsbaustein. Es handelt sich hierbei um ein gutes, langfristig ausgelegtes Sparprodukt. Bei einem reinen Aktienfonds muss man im Zeitverlauf auch die möglicherweise signifikante Volatilität der Märkte aushalten. Da nehmen wir dem Kunden durch eine in Relation geringere Volatilität und die Chance auf einen vergleichsweise geringeren Drawdown mit unserem Produkt ein Stück weit Sorgen ab.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 12/2022, S. 56 f., und in unserem ePaper.

Bild: © Moritz Rehmann, DJE Kapital AG

 
Ein Interview mit
Moritz Rehmann

Lloyd Fonds AG schluckt FinTech growney

Die Lloyd Fonds AG übernimmt den Robo-Advisor growney. Neben dem neuen Mehrheitseigner, der künftig 75% des digitalen Vermögensverwalters hält, wird es nur noch einen weiteren Gesellschafter geben: Gründer und Geschäftsführer Gerald Klein. Bald steht der nächste große Schritt für das Unternehmen an.

Seit März 2022 war die Lloyd Fonds AG bereits mit knapp 18% an dem Robo-Advisor growney beteiligt. Nun darf sich der Vermögensverwalter wie beabsichtigt und erwartet 75% an der growney GmbH sichern und übernimmt somit die qualifizierte Mehrheit.

Mehr Wachstumskapital

Im Zuge der Übernahme steht auch eine Barkapitalerhöhung von 2 Mio. Euro am Stammkapital der growney GmbH an. Dieses Kapital soll der Gesellschaft für weiteres Wachstum zur Verfügung stehen.

Geschäftsführer und Gründer bleibt an Bord

growney-Gründer Gerald Klein bleibt mit 25% als einziger Gesellschafter neben der Lloyd Fonds AG an dem seit 2014 bestehenden Robo-Advisor beteiligt und ist weiterhin Geschäftsführer des digitalen Vermögensverwalters.

Hohes Kunden- und AuM-Wachstum

Mit der growney-Übernahme erhöht die Lloyd Fonds AG ihre Assets under Management (AuM) massiv. Der Robo-Advisor growney weist eine fünfstellige Kundenzahl und mittlerweile ein verwaltetes Vermögen von über 300 Mio. Euro auf.

Lloyd Fonds wird zu LAIQON

Anfang kommenden Jahres steht für die Llyod Fonds AG noch ein weiterer großer Schritt an: Ab Januar 2023 wird das Unternehmen unter dem neuen Namen LAIQON AG firmieren. Dieser Schritt war bereits im Sommer 2022 angekündigt worden. (tku)

Bild: © nespix – stock.adobe.com

 

BlackRock, Vanguard und Co. eilen der Konkurrenz davon

US-amerikanische Vermögensverwalter bleiben nicht nur die größten Asset Manager der Welt, sie enteilen der europäischen Konkurrenz auch zunehmend. Das veranschaulicht eine Studie von Strategy& – eine Tochter des Beratungsunternehmens PwC.

Die PwC-Tochter Strategy& hat sich im Rahmen einer Studie angesehen, welche Asset Manager am meisten Vermögen verwalten und wie stark dieses Assets under Management von 2012 bis 2021 gestiegen sind. Das Ergebnis fällt für die europäischen Vermögensverwalter vergleichsweise ernüchternd aus.

Top 5 kommt aus den USA

Unter den größten Vermögensverwaltern der Welt finden sich gemessen an den Assets under Management auf Platz 1 bis 5 ausschließlich US-amerikanische Anbieter: BlackRock (8,84 Bio. Euro), Vanguard (6,45 Bio. Euro), Fidelity (3,97 Bio. Euro), State Street (3,65 Bio. Euro) und J.P. Morgan AM (2,75 Bio. Euro).

Europäische Vermögensverwalter hinken hinterher

Erst auf dem 6. Platz folgt mit der Allianz (2,61 Bio. Euro) ein europäischer Asset Manager und gleichzeitig der am höchsten platzierte Versicherer im Feld. Der nächstgrößte nicht-US-amerikanische Vermögensverwalter ist das französische Fondshaus Amundi (1,92 Bio. Euro) auf Platz 9.

Billionenclub mit 18 Mitgliedern

Von den 18 Asset Managern, die 2021 mehr als 1 Bio. Euro an Vermögen verwalteten, kommen 13 aus den USA. Der einzige deutsche Vertreter ist die bereits zuvor angesprochene Allianz. Der nächstbeste deutsche Vertreter, die DWS, schafft mit 0,93 Bio. Euro nicht den Sprung in den Billionenclub.

US-amerikanische Fondshäuser wachsen schnell

Doch für die Europäer kommt es noch härter. Denn sie liegen nicht nur hinten, sondern werden auch zunehmend abgehängt. Trotz seiner Größe konnte BlackRock die Assets under Management seit 2012 um 208% steigern. Derartige Wachstumszahlen sucht man bei den Europäern fast vergebens. Nur ein nicht-US-Amerikaner konnte noch höhere Wachstumswerte verzeichnen. Die PartnersGroup aus der Schweiz war in der Lage, das von ihr verwaltete Vermögen seit 2012 um 421% zu steigern. Das respektable Wachstum entfällt jedoch auf ungleich niedrigere Assets under Management. Die Schweizer verwalteten 2021 0,12 Bio. Euro.

Europäer können kaum mithalten

Und BlackRock ist kein Ausreißer im Hinblick auf die Wachstumszahlen. Der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt, Vanguard konnte seine Assets under Management seit 2012 sogar um 298% steigern, Fidelity immerhin um 211%. An diese Wachstumszahlen reichen die Europäer wie Allianz (+70%), Amundi (+163%) oder DWS (+53%) nicht heran.

Asset Manager Nuveen sticht hervor

Der absolute Wachstumsüberflieger unter den Top-Asset-Managern ist derweil der US-amerikanische Vermögensverwalter Nuveen. Gemessen an den Assets under Management ist Nuveen die Nummer 18. Seit 2012 konnte das Unternehmen, das durch es verwaltete Vermögen um stolze 704% auf 1,06 Bio. Euro steigern. (tku)

Bild: © AyKayORG – stock.adobe.com

 

Robo-Advisor: Nur 2% gehen auf Direktvertrieb zurück

Selbst beim Vertrieb von digitalen Vermögensverwaltungen menschelt es häufig. Das beweist eine Auswertung des Branchendienstes Finanz-Szene.de. Beim Vertrieb des Robo-Advisors der Genossenschaftsbanken, VisualVest, spielt der Direktvertrieb sogar nur eine marginale Rolle.

Der Begriff Robo-Advisor bzw. digitale Vermögensverwaltung mag suggerieren, dass auch beim Einwerben der Kundengelder alles digital abläuft. Doch eine aktuelle Analyse des Branchendienstes Finanz-Szene.de deutet in eine andere Richtung: Die Kollegen haben sich die Zahlen des Robo-Advisors der Genossenschaftsbanken, VisualVest, vorgeknöpft und festgestellt, dass der Direktvertrieb hier nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Mehr als 5 Mrd. Euro an verwaltetem Vermögen

Die betreuten Kundengelder von VisualVest lagen demnach Anfang 2022 bei über 5 Mrd. Euro. Aus dem nun erstmals vorgelegten Jahresabschluss des Robo-Advisors lasse sich jedoch ablesen, dass lediglich 73 Mio. Euro dieser mehr als 5 Mrd. Euro über den Direktvertrieb eingeworben wurden.

White-Label-Lösungen sorgen für Volumen

Woher rühren die restlichen 98% an Assets under Management beim Tochterunternehmen des Geno-Fondshauses Union Investment? Die stammen aus diversen White-Label-Lösungen, die VisualVest unter anderem für diverse Geno-Banken wie die Volks- und Raiffeisenbanken, die GLS Bank und weitere bereitstellt. (tku)

Bild: © Irina – stock.adobe.com

 

Kommentar: 0,3 Prozentpunkte besser als erwartet

Nach viel Auf und ein bisschen Ab an den Börsen, stellen sich Anleger mehr und mehr die Frage, ob nun ein geeigneter Einstiegszeitpunkt sein könnte. Viele Investoren fürchten jedoch, schnurstracks in eine Bullenfalle zu laufen. Aber was ist, wenn alles gar nicht ganz so düster ist, wie es gemalt wird?

<h5>Ein Kommentar von Tom Kufner, AssCompact</h5><p>2022 ist noch nicht vorbei, aber bereits jetzt ist dem Jahr ein Eintrag in den Geschichtsbüchern sicher. Das liegt zum einen daran, dass etwas längst vergangen Geglaubtes nach Europa zurückgekehrt ist: ein Angriffskrieg mit dem Ziel, Territorium zu erobern. Zum anderen ist das Jahr aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung. Für diejenigen, die in ihren Portfolios auf eine 60/40-Aufteilung aus Aktien und Anleihen gesetzt haben, war 2022 laut der Bank of America im Schnitt sogar das schlechteste Börsenjahr seit 1946. </p><p>Dafür gibt es zahlreiche Gründe: 2022 ist das Jahr, in dem die Inflation in ungeahnte Höhen kletterte, das Jahr, in dem die Notenbanken (vielleicht zu) spät reagierten, dann aber umso drastischer, und natürlich das Jahr, in dem sogar ein Atomkrieg plötzlich wieder als realistisches Szenario gehandelt wird. </p><p>Doch dann sprechen plötzlich der aus den Midterm-Wahlen gestärkt hervorgegangene US-amerikanische Präsident und der Staatschef Chinas am Rande des G20-Gipfels miteinander. Gleichzeitig sinkt die Inflation in den USA nicht wie erwartet auf 8,0%, sondern auf 7,7% – also 0,3 Prozentpunkte stärker als prognostiziert. </p><p>Die Folge: Die Börsen machen einen gewaltigen Sprung. Der US-amerikanische Leitindex S&P 500 steigt an einem Tag um 5,5% und auch der Dax lässt sich von den positiven Nachrichten antreiben und gewinnt innerhalb eines Tages 3,5%. Seinen Tiefststand hat der deutsche Leitindex mittlerweile bereits um mehr als 20% hinter sich gelassen und befindet sich somit zu Redaktionsschluss definitionsgemäß im Bullenmarkt. </p><p>Das mögliche Fazit: Auch wenn der Weltwirtschaft eine Rezession nicht erspart bleiben sollte, sind die Aussichten an den Kapitalmärkten vielleicht rosiger als bis vor Kurzem geahnt. Zumindest die Langfristaussichten seien laut JPMorgan so gut wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Sollte es so kommen, ginge 2022 vielleicht noch für etwas anderes in die Geschichtsbücher ein: nämlich als ökonomischer Wendepunkt – ein Wendepunkt zum Besseren.</p><p>Diesen Kommentar lesen Sie auch in AssCompact 12/2022, S. 54, und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/de/profiles/53e4066999da-asscompact/editio…; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © by-studio – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/983C24F0-376A-4A12-8804-0C8033414759"></div>

 

Spezialfondsvolumen bricht ein

Das Volumen von deutschen Spezialfonds ist im laufenden Jahr deutlich eingebrochen. Besonders hart erwischte es die Fonds der Versicherungswirtschaft. Fast die Hälfte des Gesamtrückgangs müssen die Versicherer verschmerzen. Dabei sah es bei den Mittelflüssen bisher sogar gut aus.

Seit Ende Januar ist das Spezialfondsvolumen um 239 Mrd. Euro auf 1,878 Bio. Euro eingebrochen – und das trotz nicht unerheblicher Nettomittelaufkommen. Das geht aus dem „Spezialfondsmarkt Quarterly“ des Beratungsunternehmens Kommalpha hervor. Im gleichen Zeitraum ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen um 2,10 Prozentpunkte auf 2,12% per Ende September angestiegen.

Versicherer am härtesten getroffen

Spezialfonds von Versicherungen sind mit Abstand am heftigsten vom zinsbedingten Rückgang der Volumina betroffen. Sie nahmen in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 117 Mrd. Euro ab. „Kein Wunder, wenn man sich die teilweise sehr langen Durationen der Bonds-Bestände von Versicherungsmandaten ansieht“, meint Clemens Schuerhoff, Vorstand der Kommalpha AG.

Verschiedene Spezialfondsvolumina

Das Spezialfondsvolumen von Altersvorsorgeeinrichtungen verlor derweil 57 Mrd. in den ersten drei Quartalen 2022. Das Spezialfondsvolumen von Sozialversicherungen und öffentlichen/kirchlichen Zusatzversorgungseinrichtungen sank um 16 Mrd. Euro, das von Corporates um 14 Mrd. Euro, jenes von Kreditinstituten um 9 Mrd. Euro. Auf sonstige Investoren entfiel ein Rückgang von immerhin noch 6 Mrd. Euro.

Nettomittelzuflüsse von über 61 Mrd. Euro

In Bezug auf die Mittelzuflüsse ist das laufende Jahr trotz alledem erfolgreich für die deutschen Spezialfonds. Per Ende des dritten Quartals wurden 61,1 Mrd. Euro netto eingesammelt, was knapp eine Milliarde über dem Vergleichswert aus dem bereits sehr erfolgreichen Jahr 2021 liegt.

In puncto Zuflüsse bisher erfolgreiches Jahr

Die Zuflüsse an frischer Liquidität per Ende des 3. Quartals von 204 Mrd. Euro liegen rund 32 Mrd. Euro über dem Vergleichswert von 2021. Es ist somit noch mehr Liquidität aufseiten der institutionellen Investoren vorhanden als im Vorjahr und die entsprechende Dynamik im Spezialfondsgeschäft ist im Jahresvergleich angestiegen.

Spezialfonds von Altersvorsorgeeinrichtungen mit hohen Mittelzuflüssen

Nachdem die Spezialfonds von Versicherungen im Jahr 2021 ordentlich Federn lassen mussten, werden sie im laufenden Jahr deutlich besser abschneiden. Ihr Nettomittelaufkommen beträgt per Ende des dritten Quartals 17,6 Mrd. Euro und liegt somit rund 14,5 Mrd. Euro über dem Vergleichswert aus 2021. Spitzenreiter beim Nettomittelaufkommen sind allerdings Altersvorsorgeeinrichtungen mit 19,4 Mrd. Euro per Ende September 2022 – was jedoch 1 Mrd. Euro unter dem entsprechenden Wert des Vorjahres liegt.

Die Auswertung von Kommalpha erfolgt auf Basis von Daten der Deutschen Bundesbank vom Datenstichtag 30.09.2022. (tku)

Bild: © pixelmaxl – stock.adobe.com

 

Vanguard verlässt Klimaschutz-Initiative

Der Fondsanbieter Vanguard hat bekanntgegeben, die Net Zero Asset Managers Initiative zu verlassen. Damit reagiert der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt auf die prominente Kritik von Parteivertretern der US-Republikaner, die den Mitgliedern der Initiative mangelnde Unabhängigkeit vorwerfen.

Vermögensverwalter stehen angesichts der Herausforderungen des Klimawandels weltweit unter Druck. Bisher zielte dieser Druck tendenziell darauf ab, das Engagement der Asset Manager gegen den Klimawandel zu steigern. Mittlerweile gibt es jedoch auch Gegenwind. Den bekommen nun die Anbieter zu spüren, die bei der Auswahl und der Verwaltung von Wertpapieren ESG-Kriterien berücksichtigen.

Indexfondsanbieter in der Kritik

Ein gängiger Vorwurf lautet, dass insbesondere Anbieter von Indexfonds – die per se passiv investieren – durch die Berücksichtigung von ESG-Kriterien ihre Unabhängigkeit einbüßten.

NZAM mit hochgesteckten Zielen

Die Kritik, die vor allem aus den Reihen der US-amerikanischen republikanischen Partei stammt, richtet sich auch gegen das Engagement der Asset Manager im Rahmen der Net Zero Asset Managers Initiative (NZAM). Das Ziel von NZAM ist laut eigener Darstellung, die Beteiligten zu ermutigen, bis zum Jahr 2050 das Ziel von Netto-Null-Emissionen zu erreichen und den Anstieg der globalen Temperaturen zu begrenzen.

Mit Vanguard verlässt ein großer Teil des verwalteten Vermögens die Initiative

Nun hat Vanguard, ein Schwergewicht der Fondslandschaft, Konsequenzen gezogen und beendet seine Mitgliedschaft bei NZAM. Die Mitteilung, dass Vanguard die Initiative verlässt, wurde am 07.12.2022 veröffentlicht. Alle NZAM-Mitglieder verwalteten zum Stichtag 09.11.2022 ein Gesamtvermögen von 66 Bio. US-Dollar. Allein auf Vanguard entfielen davon 7 Bio. US-Dollar.

Unabhängigkeit soll verdeutlicht werden

Vanguard begründete den Rückzug aus NZAM folgendermaßen: „Daher haben wir uns nach eingehender Prüfung entschlossen, uns aus dem NZAM zurückzuziehen, um unseren Anlegern die gewünschte Klarheit über die Rolle von Indexfonds und unsere Einstellung zu wesentlichen Risiken, einschließlich klimabezogener Risiken, zu verschaffen und um deutlich zu machen, dass Vanguard in Fragen, die für unsere Anleger von Bedeutung sind, unabhängig spricht.“

BlackRock bleibt NZAM treu

Auch auf den Marktführer BlackRock war in den letzten Wochen und Monaten immer wieder Druck ausgeübt worden. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Reuters, die unter anderem vom Handelsblatt aufgegriffen wurden, werde BlackRock aber Mitglied von NZAM bleiben. Das Engagement stehe nicht im Widerspruch zur eigenen Unabhängigkeit. (tku)

Bild: © Chalabala – stock.adobe.com

 

„Bieten breit diversifizierte aktive Anlagestrategie“

Carolin Preuß ist die Gewinnerin des Fondsfrauen Awards als „Fondsmanagerin des Jahres“ 2022. Mit AssCompact spricht sie im Interview über ihre Arbeit als Portfoliomanagerin, ihren Werdegang und ihre Anlagestrategien.

Interview mit Carolin Preuß, Portfoliomanagerin bei der HanseMerkur Trust AG
Frau Preuß, Sie haben vor Kurzem den Fondsfrauen Award als „Fondsmanagerin des Jahres“ 2022 erhalten. Herzlichen Glückwunsch hierzu. Welche Bedeutung hat die Auszeichnung für Sie?

Vielen Dank! Ich freue mich riesig über diese Auszeichnung. Mit Stella Ma von Vontobel und Jeanette Bruns von der Deka standen zwei Fondsmanagerinnen mit mir auf der Shortlist, die ich extrem schätze und die zudem für große, namhafte Häuser arbeiten. Dass ich als Fonds­managerin bei einem eher kleineren Asset-Manager hier überzeugen konnte, kam für mich überraschend.

Sind Sie sich Ihrer Vorbildfunktion für andere Frauen bei Ihrer Arbeit bewusst?

Ich hatte schon immer eine große Affinität zu Finanzthemen. Da war der Einstieg in die Finanzbranche für mich folgerichtig. Über meine Rolle als Frau in einer nach wie vor männerdominierten Branche habe ich mir damals kaum Gedanken gemacht. Inzwischen habe ich viele Situationen erlebt, in denen Frauen die allerbesten Voraussetzungen für diesen Job mitbringen, sich aber dennoch dagegen entscheiden. Ich selbst bin eher schüchtern und zurückhaltend und freue mich, wenn andere Frauen an meinem Beispiel sehen, dass man nicht laut und extrovertiert sein muss, um in der Finanzbranche erfolgreich zu sein. Ich hoffe, damit auch einen Beitrag dazu zu leisten, dass sich mehr Frauen für diesen Bereich entscheiden. Und unabhängig von der Berufswahl ist es mir ein Anliegen, Frauen für Themen rund um die Kapitalmärkte wie Fonds, ETFs etc. zu begeistern und so hoffentlich auch dazu beizutragen, dass sich immer mehr Frauen aktiv mit finanzieller Vorsorge und Geldanlage befassen.

Wo steht die Investmentbranche Ihrer Meinung nach heute, wenn es um Frauenförderung und Diversität geht? Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?

Bei vielen Veranstaltungen sieht man immer noch überwiegend Männer. Netzwerke wie die Fondsfrauen zeigen aber, dass es vorangeht. Dieser Austausch ist enorm wertvoll. Insgesamt nehme ich branchenübergreifend leider noch immer große Hürden wahr, wenn es um die Vereinbarkeit von Vollzeitberufstätigkeit und Familie geht. Ich persönlich profitiere vom Kita-Angebot meines Arbeitgebers. Die Kita befindet sich unmittelbar neben unserem Unternehmenssitz, das erleichtert die Vereinbarkeit ungemein und spart Zeit und Wege. Es ist extrem wichtig, dass es in Deutschland zu einer Selbstverständlichkeit wird, dass flächendeckend umfassende und flexible Kinder­betreuungsangebote zur Verfügung stehen. Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel braucht es hier schnelle Fortschritte. Aber das ist kein Spezifikum der Finanzbranche.

Könnten Sie uns Ihren Werdegang in der Branche kurz schildern? Wie ist er verlaufen und wo haben Sie vielleicht auch mal Hürden gespürt?

Ich habe Wirtschaftswissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Studienbereich Investment Banking & Capital Markets studiert. Meine berufliche Laufbahn begann als Junior Portfoliomanagerin bei einem Asset-Manager im Bereich Dachfonds. Im institutionellen Asset-Management als Portfoliomanagerin und Quant Researcherin bin ich somit seit 2008 tätig. Vor rund acht Jahren erfolgte mein Wechsel zur HanseMerkur Trust. Wirkliche Hürden habe ich nie gespürt. Aber natürlich gab es Zeiten, in denen ich unzufrieden war und neue Herausforderungen gesucht habe. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine offene, klare Kommunikation gerade in solchen Situationen zu guten Lösungen führt.

Sie managen nun seit Jahren die HanseMerkur Strategie-Dachfondsfamilie. Können Sie uns etwas zu Strategie und Entwicklung sagen?

Bei unseren Fonds handelt es sich um international ausgerichtete Multi-Asset-Klassen-Dachfonds. Die Fonds weisen eine breite Diversifikation sowohl über Asset-Klassen als auch über Regionen auf. Daneben bieten sie eine aktive Asset Allocation und den situativen Einsatz von Put-Optionen in schwierigen Marktphasen. Wir bieten Anlegern eine flexible, breit diversifizierte aktive Anlagestrategie. Hierzu investieren wir in verschiedene Anlageklassen, deren Quoten wir aktiv steuern, um sie an die Kapitalmarkt- und Konjunktur­erwartungen anzupassen. Bei einem positiven Ausblick ist unser Portfolio offensiv ausgerichtet, um an den Chancen des Kapitalmarkts zu partizipieren. In volatilen Phasen wollen wir durch unsere aktive Steuerung Drawdowns begrenzen und so für attraktive Basiseffekte sorgen. Wir sind der Meinung, dass uns dies in den letzten zehn Jahren gut gelungen ist.

Welche Zielfonds stehen denn aktuell im Fokus?

Der Performancetreiber unserer Strategie ist die Allokation. Wir suchen nicht den besten Fonds oder die beste Fondsmanagerin, sondern den Fonds, der am besten zu unserer Allokationsentscheidung passt. Zuletzt standen bei uns vermehrt Value und Low Volatility Fonds im Fokus. Dies könnte sich aber im Laufe des nächsten Jahres ändern, falls sich das volkswirtschaftliche Umfeld verändert. Historisch hat sich gezeigt, dass Value-Titel im steigenden Zinsumfeld eine bessere Wertentwicklung aufweisen als Wachstumsaktien.

Nun erleben wir gerade eine Zinswende. Was bedeutet dies für Sie? Ändern Sie Ihre Anlagestrategie?

Die Strategie ändern wir nicht, aber natürlich überdenkt man fortwährend seine Positionierung. Wie eben angesprochen hatten wir im letzten Jahr unser Growth Exposure aufgelöst und den Fokus auf Value gelegt. Auch unsere Staatsanleihenquote haben wir überdacht. So hatten wir in den vergangenen eineinhalb Jahren Staatsanleihen in der gesamten Strategiefamilie eher untergewichtet, weil das Risiko die Ertragschancen deutlich überwog. Das hat sich durch die dynamische Zins­wende zumindest teilweise geändert.

Dient das von Ihnen gemanagte Portfolio zur Kapitalanlage der HanseMerkur Unternehmen oder auch der von Drittunternehmen?

In erster Linie dienen die Fonds der Strategiefondsfamilie als Investment für die Kunden der HanseMerkur, die eine fondsgebundene Versicherung abschließen. Daneben ist der Fonds als Publikumsfonds für Privatanleger erwerbbar. Außerdem findet die Strategie auch bei institutionellen Kunden Anwendung.

In Ihren Dankesworten zum oben genannten Award sprechen Sie von „besonnenem Investieren“. Was genau meinen Sie damit?

Wie erwähnt werden die Strategiefonds unter anderem zur Altersvorsorge genutzt. Unser Anspruch ist es, Vermögen langfristig zu erhalten und aufzubauen. Wir möchten das mühsam verdiente Geld unserer Kunden vermehren – bei kontrollierten Risiken. Deshalb reduzieren wir gegebenenfalls an der ein oder anderen Stelle das Risiko und schöpfen die Renditemöglichkeiten nicht vollends aus. Aber wenn wir – wie beispielsweise in der Corona-Krise – die Drawdowns etwas abfedern, müssen Anleger am Ende nicht schlechter stehen. Das ist einfache Mathematik: Sind 100 Euro im Aktienmarkt investiert und dieser fällt um 50%, dann bleiben 50 Euro übrig. Steigt er anschließend um 50%, dann habe ich 75 Euro. Das gleiche Beispiel mit 30% liefert mir am Ende 91 Euro.

Spielt Nachhaltigkeit für Sie bei der Auswahl auch eine Rolle?

Bei allen Fonds geht es uns um eine nachhaltige Performance. Das Ziel ist es, alle im Vermögen der HanseMerkur gehaltenen Kapitalanlagen nachhaltig auszurichten. Die Einstufung erfolgt gemäß Artikel 8 der „Offenlegungsverordnung“ SFDR (Sustainable Finance Disclosure Regulation) der EU. Im Zuge dessen werden bereits bis 2029 die CO2-Emissionen des Portfolios um mindestens 50% gegenüber 2021 reduziert. In einem unserer Fonds spielt Nachhaltigkeit zudem explizit eine Rolle: Im Jahr 2020 haben wir den Fonds „Hanse­Merkur Strategie ausgewogen Nachhaltigkeit“ aufgelegt. Er verfolgt die gleiche Strategie und die gleiche Allokation wie der im Jahr 2011 aufgelegte Fonds „HanseMerkur Strategie ausgewogen“, bei der Auswahl wird jedoch ausschließlich auf nachhaltige Zielfonds zurückgegriffen.

Wir blicken auf das Jahr 2023. Was wird die Kapitalmärkte und die Wirtschaft am meisten beeinflussen? Schwer, dies in Kürze zu beantworten. Aber vielleicht gelingt es anhand von ein paar Schlagworten.

Die Inflationsraten werden sich voraussichtlich reduzieren. Hier ist die große Frage, ob es in der Schnelligkeit passiert, wie es die Kapitalmärkte erwarten, oder ob es doch langsamer vonstattengeht, wie es die Erfahrungen der Vergangenheit implizieren.

Wie viele andere rechnen auch wir 2023 mit einer Rezession der US-Wirtschaft. Letztendlich ist das aber Teil ökonomischer Zyklen.

Für die Kapitalmärkte könnten diese beiden Entwicklungen – rückläufige Inflationsraten und schwächeres Wachstum – sogar positiv sein, da es die Zentralbanken zum Beenden ihrer Zinserhöhungs­zyklen zwingt. Denn die Zentralbankpolitik war insbesondere in den letzten Jahren ein Haupttreiber für die Entwicklung der Märkte.

Über allem schwebt zudem die geopolitische Unsicherheit.

Sie müssen verantwortlich mit den Kundengeldern umgehen. Wie empfinden Sie ein solches Umfeld? Macht dies auch den Reiz Ihrer Arbeit aus?

In erster Linie bedeutet das aktuelle Umfeld eine große Verantwortung. Was den Reiz meiner Arbeit vor allem für mich ausmacht, ist, dass jeder Tag anders ist. Routine oder gar Langeweile kommen in meinem Job definitiv nicht vor!

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 12/2022, S. 60 f., und in unserem ePaper.

Bild: © Carolin Preuß, HanseMerkur Trust AG

 
Ein Interview mit
Carolin Preuß

Details zum Relaunch von Smartbroker

Im kommenden Jahr wird Smartbroker sein neues Angebot an den Start bringen. Nun hat das Unternehmen einen Einblick gegeben, was der „Smartbroker 2.0“ alles umfassen wird. Fest steht: Die Baader Bank ist neu mit an Bord. Die breite Auswahl an Börsenplätzen soll derweil erhalten bleiben.

Die Smartbroker-Gruppe macht sich daran, ihr Angebot grundlegend zu überarbeiten. Das bis vor Kurzem noch unter dem Namen wallstreet:online AG firmierende Unternehmen hat angekündigt, wie es mit dem Projekt „Smartbroker 2.0“ weiter gehen soll.

Start Mitte 2023

Für Mitte kommenden Jahres ist der Relaunch des Produkts geplant. Mit an Bord ist die Baader Bank, die sowohl die Depotführung als auch die Führung der Verrechnungskonten übernehmen wird. Die Bank aus Unterschleißheim bei München wird auch verschiedene Funktionen der Transaktionsabwicklung übernehmen. Der entsprechende Kooperationsvertrag wurde am 05.12.2022 unterzeichnet, wie die beteiligten Unternehmen mitteilten.

Neue App und Kryptowährungen

Ebenfalls Teil des Relaunchs wird die noch in der Entwicklung befindliche Smartbroker-App sein sowie eine neu gestaltete Desktop-Handelsoberfläche. Die breite Auswahl der Börsenplätze soll unverändert bleiben. Was hinzukommen wird, sind Investitionsmöglichkeiten in 20 Kryptowährungen – darunter Bitcoin, Ripple und Ether.

Neue Depotmodelle

Das Unternehmen plant des Weiteren, künftig zusätzliche Depotklassen anzubieten, darunter Geschäfts-, Junior- und Gemeinschaftsdepots.

Über die Smartbroker-Gruppe

Die Smartbroker-Gruppe betreibt neben Smartbroker auch den digitalen Fondsvermittler FondsDISCOUNT.de und vier reichweitenstarke Börsenportale (wallstreet-online.de, boersenNews.de, FinanzNachrichten.de und ARIVA.de). (tku)

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