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6. Juli 2016
Trotz aktueller Kritik: Vermittler glauben an die Riester-Rente

Trotz aktueller Kritik: Vermittler glauben an die Riester-Rente

Über zwei Drittel der Versicherungsvermittler sind derzeit der Meinung, dass der Absatz von Riester-Produkten künftig zunimmt oder zumindest konstant bleibt und dass diese Produkte sich gut für die private Altersvorsorge eignen – trotz aller zuletzt vielerorts lautgewordenen Riester-Kritik. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Versicherungsgruppe die Bayerische in Auftrag gegeben hat.

Die Riester-Rente ist zuletzt vielerorts in die Kritik geraten: „Zu kompliziert, um massentauglich zu sein“ und „Sackgasse in die Altersarmut“ lauteten die Vorwürfe. Ökonomen plädierten für ein Auslaufen der staatlichen Förderung, CSU-Chef Seehofer sprach sich für eine Rückabwicklung der Riester-Rente aus und die Fraktion die Linke forderte in einem Antrag, die Riester-Rente in die gesetzliche Rentenversicherung zu überführen (siehe hier). Dennoch: Aktuell glauben mehr als zwei Drittel der Versicherungsvermittler, dass der Absatz dieser Produkte künftig konstant bleiben oder sogar steigen wird.

Eignung für die private Altersvorsorge

Das geht aus einer Umfrage hervor, die die V.E.R.S. Leipzig GmbH unter Leitung von Professor Dr. Fred Wagner vom Institut für Versicherungslehre an der Universität Leipzig im Auftrag der Versicherungsgruppe die Bayerische durchgeführt hat. Demnach erwartet knapp die Hälfte der Befragten zumindest einen konstanten Verkauf von Riester-Produkten, ein knappes Fünftel schätzt das Potenzial sogar optimistischer ein und geht von einem steigenden Absatz aus. Auch die Eignung der Riester-Rente für die private Altersvorsorge wurde in der Umfrage thematisiert: Knapp zwei Drittel der Vertriebsprofis schätzen diese als gut ein, über ein Viertel beurteilen das Produkt immerhin noch mit „teils-teils“.

Versicherungsvermittler verfügen über Riester-Wissen

Laut Umfrage sei aufseiten der Versicherungsvermittler das Wissen über Riester durchaus vorhanden: Nahezu drei Viertel der Befragten können demnach ihren Kunden die wesentlichen Merkmale des Produkts erläutern, für ein knappes Viertel der Befragten gibt hier immerhin noch die Antwort „trifft eher zu“. „Eine deutliche Mehrheit der Vertriebspartner weiß um die Vorzüge des Produkts, zugleich kann eine Minderheit damit wenig anfangen und bietet es deshalb auch nicht den Kunden an“ resümiert Professor Dr. Fred Wagner: Unterm Strich vermitteln der Umfrage zufolge 40% der Befragten häufig die Riester-Rente, 37% tun dies zumindest manchmal. Lediglich 5% verkaufen nie dieses Produkt.

Auch die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA), eine Organisationseinheit der Deutschen Rentenversicherung Bund, hat der Riester-Kritik kürzlich Zahlen entgegengestellt: So werde die Riester-Förderung beinahe zu zwei Dritteln von Menschen mit unterdurchschnittlichem Einkommen in Anspruch genommen und die Mehrheit der Zulagenempfänger habe die Zulage in vollem Umfang oder zu 90% ausgeschöpft (mehr dazu hier). (ad)

 

Leserkommentare

Comments

Gespeichert von Gabriele Fenner am 07. Juli 2016 - 11:45

Unumstritten erfüllt die Riester-Rente ihr Ziel als Ausgleich zur willkürlichen und sozial unverantwortliche Kürzung der gesetzlichen Renten nicht. Dass die (verfehlte) staatliche Förderung aber bestimmten Einkommensgruppen zu einer ansehnlichen Rendite verhilft ist aber ebenso unumstritten.
So wäre es ein Beratungsfehler, wenn wir dem Klientel, für das ein Riestervertrag neben der Zulage vor allem Steuer-Vorteile hat, diese Möglichkeit vorenthalten würden.
Viel wichtiger als die verbesserte Rendite für besser Verdienende scheint mir aber die politische Diskussion über die gesetzliche Rente im Allgemeinen.
Die Flickschusterei wechselnder Regierungen an der gesellschaftspolitischen Bedeutung der Rentenversorgung für alle - einhergehend mit der grundsätzlichen Schonung der Privilegierten (wie Beamte, Kammerberufe, Selbständige, Geschäftsführer + Vorstände, Konzerne + Kapitalinhaber) ist ein Skandal und hat mit verantwortungsvoller Sozialpolitik rein gar nicht zu tun.
Und solange das nicht geändert wird, werden wir als Vermittler gezwungen sein, die fehlgeleitete Förderungen denen zukommen zu lassen, denen ein Teil ihrer gesetzlichen Rente gestohlen wird.