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So teuer wird die Börsensteuer
14. Januar 2020

So teuer wird die Börsensteuer

Vor rund einem Monat hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz einen Durchbruch bei der europäischen Finanztransaktionssteuer geschafft. Seither sorgt das Vorhaben für reichlich Diskussionsstoff und Kritik. Nun hat ein Gutachten die Kosten der umstrittenen Börsensteuer analysiert und dabei auch aufgezeigt, welche Anleger und Anlageprodukte sie besonders hart treffen würde.


Vor rund einem Monat hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz einen Durchbruch bei der europäischen Finanztransaktionssteuer geschafft. Seither sorgt das Vorhaben für reichlich Diskussionsstoff und Kritik. Nun hat ein Gutachten die Kosten der umstrittenen Börsensteuer analysiert und dabei auch aufgezeigt, welche Anleger und Anlageprodukte sie besonders hart treffen würde.


So teuer wird die Börsensteuer

Der Entwurf einer europäischen Finanztransaktionssteuer hat breite Kritik ausgelöst. Kritiker bemäkeln vor allem, dass damit der Vermögensaufbau und die private Altersvorsorge erheblich erschwert werden. Zudem seien die eigentlich anvisierten Spekulanten gar nicht davon betroffen, weil Derivate von der Steuer ausgenommen werden sollen. Nur der Aktienerwerb von Unternehmen ab einem Unternehmenswert von 1 Mrd. Euro soll mit 0,2% besteuert werden.

Aktienerwerbssteuer statt Finanztransaktionssteuer

Die FDP-Bundestagsfraktion hat vor diesem Hintergrund die Ökonomen Hans-Peter Burghof und Robert Jung von der Universität Hohenheim mit einem Gutachten zur Finanztransaktionssteuer beauftragt. Die Professoren sehen in der Steuer keine Finanztransaktionssteuer, sondern eine „Aktienerwerbssteuer“.

Umschlaghäufigkeit entscheidend

Die Steuer belastet dem Gutachten zufolge den Vermögensaufbau mit Aktien und Fonds sehr viel stärker, als es angesichts der niedrig anmutenden Höhe von 0,2% erscheint. Entscheidend ist demnach vor allem, wie häufig Aktien gehandelt werden. Eher defensive Anleger, die Aktien in Eigenregie kaufen und Dividenden vollständig reinvestieren, weisen laut dem Gutachten eine Umschlaghäufigkeit innerhalb ihrer Depots von etwa 10% pro Jahr aus. Das ist verhältnismäßig wenig. Gängige aktive Fonds würden jährlich 30 bis 50% der Einzelpositionen austauschen. Sehr aktive Fonds „drehen“ jährlich sämtliche Aktien im Portfolio. Zum Teil kommen sie sogar auf eine Umschlaghäufigkeit von mehr als 100%.

0,4 bis 2,17% weniger in zehn Jahren

Da die Steuer bei jedem Aktienkauf anfällt, sind sehr aktive Anleger oder Fondsmanager entsprechend stärker davon betroffen als ruhigere Strategien. Den Ökonomen der Universität Hohenheim zufolge, verlieren Anleger bei einer Anlagedauer von zehn Jahren und einer Umschlaghäufigkeit von 10% unter dem Strich 0,4% ihrer Gesamtrendite. Bei einer Umschlaghäufigkeit von rund einem Drittel erhöht sich der Wert auf 0,8%. Dreht ein Fondsmanager im Schnitt 100% der Aktien pro Jahr, hätte die Finanztransaktionssteuer einen Renditeverlust von 2,17% zur Folge.

Bis zu 7,9% weniger Rendite

Burghof und Jung haben für ihr Gutachten in einem Modell auch analysiert, welche Folgen die Steuer in den letzten 40 Jahren gehabt hätte. Damit wäre in etwa ein gesamter Altersvorsorgezeitraum abgedeckt, wenn frühzeitig mit der privaten Vorsorge begonnen worden wäre. Von der Endsumme hätten Anleger sehr aktiver Fonds in diesem Fall 7,9% eingebüßt. Bei 100.000 Euro wären das 7.900 Euro. Auf 25 Jahre gerechnet kommen die Experten, je nach Umschlaghäufigkeit, zu einem Verlust zwischen 0,7 und 5,1%.

Weitere Szenarien mit noch größeren Folgen

Die Ökonomen haben sich darüber hinaus damit beschäftigt, welche Folgen eine noch höhere Steuer haben würde. Würde sie auf 0,5% erhöht, was scheinbar immer noch relativ niedrig ist, würden Einbußen von bis zu 18,5% in 40 Jahren und 12,2% in 25 Jahren drohen. In keinem Szenario vermittle jedenfalls der jeweilige nominale Steuersatz von 0,2 bis 0,5% ein realistisches Bild der tatsächlichen Belastung.

Steuer trifft Kleinanleger erheblich

Den Ökonomen zufolge trifft die geplante Steuer die Privatanleger erheblich. Zudem verhindere die „Aktiensteuer“, dass sich mehr Menschen für Aktien begeistern würden und die bisher ohnehin sehr geringe Aktienquote steigen könnte. Kleinanleger könnten die Steuer zwar durch den ersatzweisen Erwerb geeigneter Derivate oder ETFs umgehen, diese Produkte würden für Kleinanleger aber gegenüber dem unmittelbaren Kauf von Aktien eine Reihe von Nachteilen aufweisen, wie etwa das Emittentenrisiko oder eine geringere Transparenz.

Kein Stabilisierungseffekt möglich

Der erhoffte Stabilisierungseffekt lasse sich derweil nicht erreichen. Laut dem Gutachten würde die Steuer nur etwa 2,2 Bio. Euro des gesamten Handelsvolumens in der EU betreffen. Das sind nicht einmal 0,5% des gesamten Handelsvolumens. Wird diese Summe mit 0,2% besteuert, würde das Einnahmen von weniger als 500 Mio. Euro bedeuten. Doch selbst die von Olaf Scholz erhofften 1,5 Mrd. Euro wären ein Tropfen auf den heißen Stein, angesichts eines gesamten Handelsvolumens in der EU in Höhe von 428 Bio. Euro. Da die Steuer relativ leicht umgangen werden kann, erwarten Burghof und Jung zudem, dass die tatsächlich erzielten Einnahmen nicht in gewünschter Höhe anfallen werden. (mh)

Das vollständige Gutachten ist zu finden unter: https://www.fdpbt.de/sites/default/files/2020–01/Gutachten_Finanztransaktionssteuer_FDP%20Fraktion.pdf

Bild: © Kurhan - stock.adobe.com



Kommentare

von Bruno Steiner am 14.01.2020 um 11:45 Uhr
Diese Politiker schwafeln dauernd von Vorsorge und bezahlbarem Wohnraum und plündern uns Bürger gleichzeitig durch Erfinden immer neuer Steuern und Abgaben aus. Der Teufel soll dieses Dr....pack holen!


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