Interview mit Daniel Ivakovic, Geschäftsführer der DI Wirtschaftsberatung GmbH
Herr Ivakovic, Sie haben in der Kategorie Maklerbetriebe beim Award Unternehmer-Ass 2025 den 2. Platz belegt – Glückwunsch! Was nehmen Sie vom Unternehmer-Ass für sich mit?
Vielen Dank! Für mich persönlich ist der Award eine Bestätigung dafür, dass konsequente Qualitätsarbeit sichtbar wird – auch ohne große Reichweite oder millionenschwere Marketingbudgets. Wir sind ein Boutique-Unternehmen und leben ein sehr klares Verständnis von Professionalität: höchste Ausbildung, systematische Unternehmensführung und ein echter Mehrwert für den Mandanten. Dass uns nur ein Punkt vom 1. Platz getrennt hat, zeigt, dass wir mehr richtig als falsch machen.
Tragen solche Auszeichnungen dazu bei, das gesellschaftliche Bild des Maklers positiv zu verändern?
Ich hoffe es. Unsere Branche kämpft seit Jahrzehnten mit Pauschalurteilen. Die Auszeichnung Unternehmer-Ass zeichnet nicht Verkaufszahlen aus, sondern Führung, Haltung, Strategie, Unternehmenskultur und Kundenfokus. Sie zeigt, dass es Maklerhäuser gibt, die wie ein modernes Dienstleistungsunternehmen agieren: hochqualifiziert, transparent und mit echtem Beratungsanspruch. Wir setzen in unserer Marketingstrategie auf Auszeichnungen wie diese und verstehen sie als vertrauensbildende Bausteine. Wir setzen darauf, dadurch das gesellschaftliche Bild Schritt für Schritt zu ändern.
Welche Faktoren sind denn aus Ihrer Sicht entscheidend für Ihren Erfolg als Vermittlerbetrieb?
Diese zwei Hauptschwerpunkte zeichnen sich bei uns ab: Erstens: Qualifikation auf höchstem Niveau: Vier unserer sieben Berater sind CFP®-zertifiziert und besitzen einen Master in Wealth Management. Drei promovieren aktuell. Diese Tiefe an Kompetenz ist im deutschen Markt extrem selten. Zweitens: ein integriertes Ökosystem: Durch die DI Unternehmensgruppe verbinden wir Finanzberatung, Immobilien, Steuerberatung, Energieberatung und Finanzbildung. Dadurch entstehen Lösungen, die allein stehende Makler oft nicht bieten können.
Und welche Strategie steckt denn hinter Ihrem Geschäftsmodell?
Wir agieren heute bereits als eine Art „Retail-Multi-Family-Office“. Das bedeutet: Wir bieten Privatpersonen und Unternehmern denselben strukturierten Zugang zu Vermögens- und Finanzstrategien, wie man ihn sonst nur aus Family Offices oder aus einem Wealth Management kennt – jedoch skalierbarer, verständlich und ohne große Eintrittshürden. Unsere strategischen Säulen sind:
- Kompetenzführerschaft: höchste Ausbildung, messbare Qualität, ständige Weiterentwicklung
- Produktunabhängigkeit und Transparenz: möglichst wenig Provisionsabhängigkeit
- Lebensphasenmodell: Jede Phase im Leben eines Kunden findet in unserer Unternehmensgruppe eine passende Lösung.
- Digitalisierung und Automatisierung: Prozesse werden so stark wie möglich standardisiert, damit Berater mehr Zeit für echte Beratung haben.
Sie setzen sich auch für Finanzbildung ein. Wie erreicht man am besten unterschiedliche Generationen mit diesem Thema?
Jede Generation lernt anders – und genau daran orientieren wir uns: für die Gen Z und junge Berufstätige: kurze, prägnante Video-Formate, Social Media und interaktive Online-Kurse. Für Berufstätige und Unternehmer: tiefere Inhalte, Case Studies, Webinare und persönliche Beratung. Und für Personen in der Altersgruppe 50 plus und Ruhestandsplaner: ausführliche Gespräche, klare Struktur, verständliche Visualisierungen. Mit der „FinAkademie“ möchten wir künftig Formate anbieten, die alle diese Zielgruppen abholen – von Schulprojekten über Videokurse bis hin zu spezialisierten Workshops.
Und welche Bedeutung haben Online-Kundenbewertungen für Ihr Unternehmen? Welchen Einfluss haben Kunden darüber Ihrer Erfahrung nach?
Online-Bewertungen sind heute ein wesentlicher Vertrauensfaktor. Wir haben über 290 Google-Bewertungen mit 5,0 Sternen – und jede einzelne entsteht aus echter, nicht incentivierter Kundenerfahrung. Unsere Erfahrung ist, dass dadurch neue Mandanten mit einer wesentlich höheren Grundvertrauensbasis kommen. Die Bewertungen setzen außerdem intern einen Qualitätsstandard: Jeder Berater weiß, dass der nächste Eindruck öffentlich sichtbar sein wird. Und auch Mitarbeiterbewerbungen steigen, weil Talente lieber in einem qualitätsorientierten Umfeld arbeiten.
Was müssen Maklerunternehmen denn aus Ihrer Sicht heutzutage beachten, um sich zukunftsfest aufzustellen? Was sind Erfolgsfaktoren und No-Gos?
Erfolgsfaktoren sind aus meiner Sicht Akademisierung und echte Expertise, Unabhängigkeit von Produktprovisionen, Digitalisierung der internen Prozesse, Aufbau einer starken Marke sowie klare Werte und Kultur. No-Gos sind: Produktverkauf statt Beratung, ungeschulte oder schlecht ausgebildete Berater, fehlende Transparenz und kurzfristiges Denken ohne klare Strategie.
Können Sie einmal die Vertriebsstimmung im eigenen Maklerhaus zu dieser Jahreszeit beschreiben?
Zum Jahresende ist bei uns traditionell hohe Energie im Team. Wir nennen es auch unseren Jahresendspurt. Viele Mandanten möchten „noch etwas erledigen“ – von Altersvorsorge über Versicherungswechsel bis hin zu Immobilienthemen. Gleichzeitig sind es die letzten Wochen im Jahr, in denen wir unsere selbst gesteckten Unternehmensziele erreichen können.
Zwischen den Jahren und am Jahresanfang reflektieren wir stark: Was lief gut? Was müssen wir verbessern? Wo wollen wir als Nächstes hin? Es ist eine Mischung aus Fokus, Zahlen, Planung und echter Teamdynamik.
Seit ein paar Jahren haben wir es mit starker Konsolidierung im Maklermarkt zu tun. Wie bewerten Sie das? Und was bedeutet das für die Zukunft des eigenständigen Maklerhauses?
Die Konsolidierung ist einerseits logisch – viele Betriebe haben keine Nachfolge, und regulatorische Anforderungen werden anspruchsvoller. Für uns als Boutique-Unternehmen ist das jedoch eine Chance: Während große Strukturen Verwässerung riskieren, können hochspezialisierte und exzellent ausgebildete Häuser ihr Profil noch klarer schärfen. Eigenständige Maklerhäuser werden nicht verschwinden – aber sie müssen exzellent sein, um relevant zu bleiben.
Mit Blick in die Zukunft: Was wird Ihrer Einschätzung nach die größte Herausforderung für Makler in den nächsten Jahren sein?
Die größte Herausforderung ist Relevanz. Nicht durch mehr Produkte, sondern durch Qualifikation, Spezialisierung, echte Beratungsqualität, klare Positionierung sowie Transparenz und Kundenorientierung. KI, Regulatorik und Digitalisierung werden die Rolle des Maklers verändern. Wer sich darauf einlässt und seine Beratungsleistung auf ein höheres Niveau bringt, wird zu den Gewinnern gehören. Wer stehen bleibt, wird verschwinden.
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